Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 39 (25.9.1925)
- Date
- 1925-09-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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dienst Ansprachen hielt, die der Bedeutung -eL Tages Rechnung trugen, hielt zu seinem Gedächtnis auch eine Seelenseier ab. die aus alle Teilnehmer tiefen Eindruck machte. Außerdem bat die ibrem Wohltäter dankbare Gemeinde im Borraum des Gotteshauses eine Marwortafel mit entsprechender Widmung anbringeu lassen. Die Leitung der Renooierungsarbeiten. die in ihrer Gesamtheit ein schlichtes, aber eindrucksvolles Brld gewähren, lagen in den bemährten Händen des Casieler Architekten und Regierungsbaumeisters a. D. H. T'chel. der auch den Entwurf -um Umbau lieferte. Lissa i. P. <Znm Ableben von Gewerberat Emil Plotke.i Herr Gewerberat Emil Plotke, der soeben vom Tode hiirweggerafst worden ist. wohnte als Gewerbeinspektor. bevor er nach Berlin kam. in Lissr i. P., hoch angesehen in christlichen und in iüdischen Kreisen. Vom Jahre 1000 war er Mitglied der Lisiaer Repräsentanten- Bersammlung und betätigte sich hier segensreich, besonders für den Bau des prächtigen Tempels. Zur Förderung des jüdischen Handwerks schuf er die Emil-Plotke-Stiftung. Ein besonderes Interesse zeigte er stets für die Versorgung der jüdischen Blinden, und es hätte sicher seine Teilnahme erweckt, daß in dem benachbarten Bopanowo in der glänzend ausgestatteten Rohrschen Stiftung, die bisher ein Alters- und Siecheiiheim war. eine jüdische Blindenanstalt eingerichtet werden soll, da die Zahl der Insassen sehr ab« genommen hat. Liffa i. P. i70. GeburtS ta g.) Am 7. September fei» erte Frau Rvsalie Bein, die Ehefrau des Nepräsen» tanten Schnhmaihermeisters Karl Bein, ihren 70. Geburtstag. Er bot Anlaß zu den verschiedensten Ehrungen seitens der Gemeinde. Denn Frau Rvsalie Bein, eine Tochter des früheren Lissaer Lehrers Gerechter, hat sich um den hebräischen und Religions-Unterricht der iüdischen Kinder große Verdienste erworben. Möge der bescheidenen, allgemein beliebten Frau ein fried- und freudvoller Lebensabend be'ckncde" sein. Ruhrort. iG e d e n k t af e 1.) In der Synagoge von Ruhrort, deren Renovierung eben beendet wurde, wurde eine Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen israelitischen Mitbürger enthüllt. Rach religiösen Gesäugen hielt Lehrer Kaiser die Festprcdigt. Die dann enthüllte Gedenktafel, die aus schwarzem Marmor besteht, enthält die Namen von acht jüdischen Bürgern Ruhrorts, die im Felde gefallen sind. Hieraus hielt der Vorsitzende des Landesverbandes Westdeutschlands des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, Rabbiner Tr. Klein-Düsseldorf, eine Ansprache. Rabbiner Dr. Reumark-Duisburg entbot als Vertreter der Nachbargemeinde Duisburg die beiten Grütze. Ein Weihegebet bildete den Schluß der Feier. Werl i. Wests. (80. Geburtstag.) Seinen 80. Geburtstag feiert am 26. ö. M. Herr Lehmann Mond. Lange Jahre gehörte Herr Mond dem Vorstand der Synagogengemeinde an. Ter Jubilar, ein Mitkämpfer von 1870. erfreut sich geistiger und körperlicher Rüstigkeit und genießt überall hohes Ansehen. Wien. (Die Beisetzung von Leo Fall.) Die Israelitische Kultusgemeinde hat dem vor einigen Tagen verstorbenen berühmten Komponisten Leo Fall ein Ehrengrab gewidmet. Das Ehren grab liegt auf dem neuen von der Kultusgemeinde angekauften Teil des Zentralsriedhofs. In diesem Teil besteht eine Ehrenallee für verstorbene verdienstvolle Persönlichkeiten der Wiener Iuöenheit. Die Bestattung Leo Falls fand am 18. September unter Teilnahme einer großen Trauergemeinüe statt. Die Funktionen versah Oberkantor Margulies. Neben Vertretern aus Kunst, Wissenschaft und Literatur wohnte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Generaloberstabsarzt Prof. Dr. Pick mit dem ersten Sekretär Fuchsgelb unb dem Amtsleiter Freistadt der Bestattung bei. Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt dem Verblichenen einen warmen Nachruf. Leo Fall war im Jahre 1873 in Okmütz geboren und wirkte zunächst als Kapellmeister in Berlin. Köln, Hamburg und Wien. Später komponierte er mehrere Operetten, die seinen Namen über die ganze Erde trugen. Es verlautet, daß die Israelitische Kultusgemeinde die Forderung stellen wird, daß die lleberreste des vor einigen Monaten verstorbenen berühmten Komponisten und Pianisten Alfred Grünfeld die in einem Ehrengrab der Wiener Stadt- Monat lang schmettern die Töne der T'kioh in der jüdischen Gasse und mahnen und rufen zur allgemeinen jüdischen Versammlung. Und sie kommen alle, die während deS ganzen Jahves in Parteien und Gruppen aeivalten sind, die sich in ihren Programmen mannigfach unterscheiden und bekämpfen, in dieser Versammlung erscheinen sie olle mit dem gleichen Ziele, mit einem einheitlichen Programm: Das jüdische Versöhnungsprogramm. Unisono folgt das ganze Judentum dem Ruf des Schosars und versammelt sich in den Gotteshäusern. das große Versöhnuugsfest zu begehen: die allgemeine Versöhnung mit Gott und allen seinen Menschenkindern aus Erden. T'kioh! Je länger dieser Ruf aus den jüdischen T-empeln ertönt, desto zahlreicher erscheinen die Kinder Israels, um an geweihter Stätte das Zeugnis abzulegen, daß sie heute wie alljährlich zur Versöhnung bereit sind. Bei allen anderen Nationen und Völkern werden die Alarmrufe des Hornsignals als ein böses Zeichen ausgefatzt. Es erzittern die Söhne und erschaudern die Mütter bei leüem Signalruf des Zapfenstreiches, weil er zum Hatz und Kampf und Mord aufruft. Eine Schauerkälte durchzieht Länder und Städte beim Erschallen der bösen Durtöne der kalten, blechernen Trompete, weil sie nichts Gutes verkünden: Völkerschlachten und Brudermord, Feuer und Blut und Tränen... T'kioh! ganz anders der jüdische Zapfenstreich. Dreißig Tage lang schmettern die T'kiohs in der jüdischen Gasse, und je mehr der Schall der Posaune das jüdische Ohr bearbeitet, desto mehr zerstreut sich die Kampfeslust und ein Verlangen regt sich im jüdischen Herzen nach Verbrüderung aller Menschen auf Erden. Wenn wir Juden nichts anderes als den jüdischen Monat Elul hätten, in dem Tag für Tag der Posaunenrnf an uns ergeht, der uns znm Guten und Edlen, zur Wohlsahrtsüb> ng und Menschenliebe. zur Einkehr und Buße ermahnt, io darf es uns — trotz der Verachtung und Unterdrückung, trotz Spott und Hohn ''eitens gewisser Kreuzträger und Kreuzschänder -- nicht reuen, daß wir Juden sind. Wir und vr. Gegenteil stolz darauf, stolz auch auf das jüdische T'kioh, auf diesen unvergleichlichen Zapfenstreich, der zum Gut n aufrust. eilen cm Rosch-Haschonoh ausnahmslos zur großen Versammlung in die jüdischen Gotteshäuser, und danken dem Allmächtigen mit den Worten: Gelobt seist du Gott, unser Herr, der uns geheiligt durch seine Gebote, und uns geboten, zu hören auf den Klang des Schofars. Totenfeier. Von Rabb. Dr. G o t t s ch a I k, Berlin. Vor Jahren war's in Israel. David hatte üenSvh verloren. Er schloß sich in sein Zimmer ein und klagte laut und unaufhörlich: „D Absalom. mein Sohn, mein Sohn!" Da trat gemeinde ruhen, in der Ehrenallee der Israelitischen KultuZgemeinde ihre ewige Ruhe finden. Zierenberg. lDer Gemeindevorsteher ge störb e n.) Rach kurzer Krankheit verstarb im Noten Kreuz zu Cassel der langjährige Vorsteher unserer Gemeinde, Mendel Katz. 30 Jahre hat er sich mit großer Hingebung und Geduld aller Gemeindeinteressen angenommen und namentlich durch seine Friedfertigkeit und Nächstenliebe viel zur Erhaltung der Eintracht innerhalb der Gemeinde beigetragen. Daß er auch bei Nichtjuden geachtet und beliebt war. davon legte sein Begräbnis beredtes Zeugnis ab. Der Kriegerverein, dem der Verewigte als eifriges Mitglied angehörte. weshalb er auch die Ehrenmitgliedschaft erlangie. beteiligte sich fast vollzählig an der Beisetzung des treuen Kameraden. Lehrer Rosenbaum hob in seiner Gedächtnisrede die Frömmigkeit und Menschenliebe des in allen Kreisen der Bürgerschaft geachteten Manneö hervor. Ter Verstorbene hat ein Alter von 71 Jahren erreicht. Aus der Bewegung 4»4»M4»444»4»»4044444»»4»»4444»4»4»4444444444»4»4»»44M>M» Berlin. sJ üd i s ch - l i b e r a l e r I ug endv e r ein . Berlin E.B.) An: 10. September sprach Betty Markus über „Religion im Jugendalter". Drei Stadien unterschied die Vortragende in der Entwicklung der Religion der Jugendlichen. Im Alter von 13 Jahren beginnt sich der Konflikt zwischen Glauben und Wissen zum ersten Male bemerkbar zu machen. Doch wird erst in den folgerten Jahren dieser Konflikt für den jungen Menschen wirklich zum religiösen Problem. Das Gefühl der eigenen Kraft, ein gesteigertes Selbstbewußtsein lassen den Sechzehnjährigen alle Form und Tradition ablehnen, mit seiner Vernunft glaubt er alles erklären und begreifen zu können. Innere Leere und Unlust — Folgen dieses Glaubens — verfuhren bald zur Lebensverneinung. Das „Gute" wirb höchstes Ziel. Die Gefahr, in einem Pantheismus zu verfallen, droht. Einmal über diese Klippen hinweg, wird dem nun am Ende seiner Jugend Stehenden der Glaube zum „Bekenntnis". Er strebt nach Betätigung dieses Bekenntnisses innerhalb einer Gemeinschaft. Tie Form wird nicht mehr ausschließlich abgelehut. Selbstverständlich gibt eS Menschen, die ans einem Stadium der Entwicklung stehenbleiben oder einzelne Sta, dien überspringen. Verfehlt ist es, zu glauben, daß der „Jli" diese Entwicklung überflüssig macht oder seine Milglieder in eine normierte Form preßt. Vielmehr soll der ..Jl'" seinen Mitgliedern in ihrem Kampfe und Ringen um Weltanschauung und Religion nur Helsen und beistehen. Bon besonderem Interesse waren die Erlebmssc, die Betty Markus aus ihrer eigenen Gruppentätigkeit schilderte. Die auf den Vortrag folgende Diskussion brachte nichts Wesentliches. Danzig. Als erster von allen jüdischen Vereinen crössnete unsere hiesige Ortsgruppe die Winterhalbjahrs-Arbeit mit einem Vortrag von George Goetz über „Gottesd i e n st r e f o r m" am 12. d. M. Der Vortragende sprach von zweierlei Arten der Reform: die äußere vollzieht sich mit Notwendigkeit, weil alles in der Welt sich wandelt, und die Orthodoxie, die den Stillstand zwar in der Theorie will, kann in Wirtlichkeit nichts anderes sein als langsamere Bewegung im Vergleich zur schnelleren Bewegung der bewußten Reformen. Was uns aber fohlt sei die innere Reform, die den Gottesdienst nicht zu einer obergläu. bischen Handlnng menschlicher Furcht oder menschlichen Egoismus, sondern zum Ausdruck tiefster, geistiger Gottesliebe mache. An der sehr anregenden Aussprache beteiligten sich u. a Justizrat Fabian. Sanitätsrat Dr. Abraham. Lehrer Alt. S. Dworetzki. Die Veranstaltung war ein schöner und gelungener Auftakt für die bevorstehende Winter arbeit. UNSERE RÄTSEL-ECKE Silbenrätsel. Aus den Silben: 25 — brä — cy — do — el — er — gid — he — i — jo — me — na — rus — si — tar — te sind sechs Worte zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben, beide von oben nach unten gelesen, die Anfangsworte eines jüdischen Gebetes ergeben. Die Worte bedeuten: 1. Berg in Palästina. 2. Befreier der Juden vom babylonischen Joch. 3. Bezeichnung für Jrröen. 4. Schlachtort von entscheidender Bedeutung für Jubas Schicksal. 5. Göttin der Kanaaniter. 6. Verfasser neuzeitlichen Gebetbuches. An Stelle der Zahlen sind Buchstaben zu setzen, die Wörter von nebenstehender Bedeutung ergeben. Tie Anfangsbuchstabeu «ernten den Namen eines bekannten Priesters. Zusammensehrätsel. Aus nachfolgenden 14 Worten sind je zwei nebeneinander stehende Buchstaben zu entnehmen, die aneinanöexgereiht die Namen von sechs Frauengestalten des alten Testaments ergeben. Passah. Euphrat, Ghetto, Palästina^ Hebron,^ Gomorrha, Ha gab ah. Zoar, Ramses, Hebräer, Halles, Gilead, Jerusalem, Thora. . Streichholzrätsel ~i_ I I j_{I H Durch Umlegung von sechs Hölzchen entsteht ein altes Reich. 16 3 21673893 10 1 11 3 2 3 12 3 3 4 7 13 9 1 14 3893273 5 3 11 11 7 10 1 5 Zahlenrälsel Stammutter Sagenhaftes Seenngeheuer Berg in Palästina Monat Alte Stadt in Samaria Königin von Juda Hebräischer Lehrer Auflösungen der Rätsel von voriger Nummer: 1. Bilderrätsel. Allen Lesern ein gesundes neues Jahr! 2. Jahreö'zahlenrätsel 1428 1425 1415 1418 1414 1414 1424 1429 1422 1427 1421 1416 1417 1420 1426 1423 | 3. Silbenrätsel 1. Orients 2. Plethi; 3. Fuente; 4. Enak; 5. Rohling; 6. Farchi; 7. Rodrigo Cid; 8. Elihn. Opserfreudigkeit. t Berivaudlnng. David — Diva. der Feldherr zu ihm hin und redete ihn also an: „Geh doch hinaus und zeige dich und rede deinem Volk zu Herzen'" Und David ging und zeigte sich und redete dem Volk zu Herzen. — Vor Jahren war's in Israel — ist es denn heute aber anders? Die Tragik, d.ie den Tod einhüllt, sie ist hier, fest zusammengeballt: die Tragik unsrer Einsamkeit, die Tragik unsres Weiterlebens, die Tragik auch des Menschentrostes! Ja. sitzt der Schmerz nur wirklich tief, wird er die tiefste Einsamkeit, die wir fortan im Leben kennen und wir allein und niemand anders. Er ist es, der den Tag beschließt, er ist es. der die Nacht eröffnet. Er ist's. der unsre Speisen salzt, die Hand uns bei der Arbeit lähmt. In unser Zimmer schaut er plötzlich so wie ein schwarzer Gast hinein, und selbst das Lachen in der Kehle, es klingt nur krampfhaft und gezwungen, denn unser Schmerz, er lacht ja mit! Und doch, und doch, es muß gelernt sein: mit diesem Schmerze weiterleben! „Geh doch hinaus und zeige dich und rede deinem Volk zu Herzen." Und ist das schließlich nicht natürlich? Die Welt, sie ist nicht dazu da, unsere Schmerzen mitzutvagen. Sie kann von Traurigkeit nicht leben, sie kann nur lachend fortbestehn. Ja. Ungeheures selbst verlangt sie: daß wir. mit dem gebrochenen Herzen, noch anderen „zu Herzen reden", noch fröhlich sein mit Fröhlichen! Und so erklärt sich auch die Tragik, die in dem „Trost" der Bielen liegt. So wenige haben die weiche Hand, den stummen, sanften Blick des Auges! Mit ihrer Kühle kommen sie und der Verstandesüberlsgung — so wie der Feldherr zu dem König. „Man muß sich fügen", sagen sie — „Geschehenes ist nicht zu ändern" — „den Toten wecken wir nicht auf!" „Es war so. und so ist es noch. So wird es sein in Ewigkeit." — Als wenn man das nicht selber wüßte! Als wäre die Seele nur Maschine, die. was man ihr auch anbiete, sofort wieder zu „Leben" wirkt, ganz ohne jeden Unterschied, ganz ohne jede Anteilnahme! Man nennt sie „glückliche" Naturen, die stets das Leben „meistern" können! Wir aber können sie nicht beneiden. Uns sind sie nur die großen Rechner, die Nützlichkeitsfanatiker, die Tagmenschen, wie Nietzsche sagt! Sie „trösten" sich und rechnen weiter. Für sie geht jegliches Erlebnis, selbst das Erschütterndste und Tiefste, auf — wie ein einfaches Exempel. Mag wer da will sie glücklich nennen, wir schaudern vor so kalten Seelen, den glatten Menschen des Verstandes! Zum Trösten sind sie nicht berufen, auch nicht, wenn sie uns „Freunde" nennen. Nein, für die Feldherrennaturen haben wir nur die eine Antwort: die Doppelseelentheorie. die mit dem Schmerze einsam lebt und lacht und fröhlich ist mit andern. Kann das aber zum Frieden führen und zur Versöhnung mit dem Tode? „Wenn Gott uns eine Wunde schlägt, hat er die Hei, lung in Bereitschaft." In eben jenem Augenblick, in dem der Schmerz uns überwältigt, weil uns der Kamerad genommen — er heiße Gatte oder Gattin, er heiße Vater. Mutter. Kind — in eben jenem Augenblick wird uns. ein anderer geboren, ein Kamerad voll Lieb und Treue, einer, der uns erst dann verläßt, wenn wir die müden Augen schließen. Er täuscht uns nie, er suhlt mit uns. wird m,t uns alt und unserm Schmerz. Sein Name aber ist: me Sehnsucht! Ja. dazu wandeln sie sich um, die Lieben, welche von uns gingen, lind ob wir schweigen, ob wir lachen, die Sehnsucht lebt ihr eigenes Leben, auch wenn ite niemand sieht und kennt. Durch sie ruft uns der Tote zu — mit jenem „Hohenlied" der Liebe: „Ich schlafe. Doch mein Herz isi wach." Durch sie aber schluchzt's in uns selber: „Ach könnt' ich deine Stimme hören, ach könnte ich dein Antlitz sehn. Denn diese Stimme, sie war schön, und öieies Antlitz war so lieblich." Wohl isi das Schmerr — und doch auch Trost, wenn aus der Sehnsucht Tat entsteht. ..Geh doch 'hinaus und zeige dick und rede deinem Volk zu Herzen." Das kühle Wort des rauhen Feldherrn erhält jetzt plötzlich tiefsten Sinn. Ja. kommt — so raunt es uns nun zu kommt mit den schmerzdurchzuckten Händen und streichelt müde unsere eigenen! Kommt mit den Wunden in der «reelo und herlet unsere kranken Herzen! Kommt mit den müdgeweinten Augen und blickt in unsre grambeschwer^en! Denn ach, es gibt tausend einsame Seelen, die einer Stütze so innig bedürfen! Den ganzen Reichtum der Liebe und Güte, den die Verstorbenen empfangen haben, ihr sollt ihn ietzt auf alle die ausströmen, die um einen Teil nur davon betteln! Und tut ihrs und drücken sie euch dankbar die Hände, so habt ihr die Toten wahrhaft gefeiert — euch selber aber so innig getröstet! Tann „seht ihr sie wieder", dann „stehen sie aus '. Ja. jede Siebestat, die ibr übet, und jede Pflicht, die ihr treulich erfüllt, sie ist ein Bekenntnissang an die Verklärten: „Und zogst du fort, Ich lieb dich Loch! Ich schau dich, hör dick Immer noch! Ja starbst du auch, Mir bleibst du nah! Ich fühle, fühle: Du bist da!" Erhöht anläßlich der Feiertage freiwillig die Beiträge.