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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-09-25 · 39 (25.9.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
39 (25.9.1925)
Date
1925-09-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SBciliii. <H e b räiiche Ni e l o d i c n im Radi o.) Wir hatten iit unserer Nr. 35 darauf hingemiescn, daß das Waglmlter-O.uartett im Abendprogramm dev Berliner Rundfunks ein Berk von Paul Ertel über hebräische Melodien zum Bortraa brachte. An diese Mitteilung batten wir den Wunsch geknüpft, der Rundfunk möge am Freitagabend eine jüdische Felerstunde verbreiten. Nunmehr bringt am kommenden Freitag, den 25. September. der bekannte Solobraticher der Berliner Staatsoper, Hans Mahlte, am Flügel begleitet von dem ausgezeichneten Pianisten Rttdolf Schmidt, hebräische Melodien ZU Gehör. Joseph Joachim, der Verfasser des Opus, war einer der bedeutendsten Violinspieler des vorigen Jahrhunderts und zuletzt von ltztztz bis 1907. unter dem Titel eines Professors, Direktor der nengegrünöeten Hochschule für Musik in Berlin. Auch war er Mitglied der musikalischen Sektion der Akademie der Künste. Bekannt ist er besonders durch seine Kompositionen „Hamlet". „Demetrius". „Heinrich IV." und das „Ungarische Konzert". Berlin. lDie Reform des Berliner Religion s s ch u l u n t e r r i ch t s.) Tic Maßnahmen, die von der Berliner jüdischen Gemeinde geplant werden, um eine Besserung des Berliner Religionsschulunterrichts herbeizuführen, fronen auf immer neue Schmierigketten. Wie verlautet, hat sich Rabbiner Dr. Lazarus entschlossen, in Frankfurt a. Nt. zu verbleiben und hat der Berliner Jüdischen Gemeinde mitgeteilt. daß er sich gezwungen sehe, die Berufung als Schuliuspektor der Berliner Jüdischen Gemeinde abzulehnen. Es sollte in Berlin bekanntlich für Herrn Dr. Lazarus ein besonderes Dezernat geschaffen werden, dein der gesamte Religionsschulunterricht in den Religionsschnlen der Gemeinde und in den höheren Lehranstalten unterstellt werden sollte. Distriktsrabbiner Dr. Joseph Wohlgemuth. der eine Berufung als akademisch gebildeter Religionslehrer für höhere Lehranstalten an die Gemeinde Berlin erhalten hat und geneigt war, diesem Rufe Folge zu leisten, hat sich nunmehr doch entschlossen, .dem Rabbinerberuf treu zu bleiben und das Rabbinat in Kitzingen weiter zu verwalten: er hat den Ruf nach Berlin abgelehnt. Berlin. lEin Gotteshaus der Sepharüim.) Die jetzt über 500 Mitglieder umfassende sevhardische Organisation weihte ihr neues Gotteshaus in der Lützowstraße mit einem feierlichen Akt ein. Der Chacham Katariwas sprach in spanischer Sprache. Der erste Vorsteher, Herr Usiel, berichtete über den Werdegang der 1890 mit 10 Mitgliedern begründeten Berliner sephardischen Gemeinde und dankte namentlich der jüdischen Gemeinde Berlin für ihre stete Förderung. Im Rainen der letzteren antwortete R.-A. Dr. Alfred Klee, ans die Bedeutung der Sephardim in der jüdischen Geschichte hinweisend und der Hoffnung Ausdruck gebend, daß im Zusammenhang mit dem soeben stattgehabten sephardischen .Kongreß in Wien neues jüdisches Leben im Kreise des sephardischen jüdischen Bolksteils im Anschluß an die jüdische Gesamtheit entstehen müsse. Die Berliner jüdische Gemeinde betrachte die sephardische Gemeinde als ein liebwertes Mitglied, das zu schätzen und zu unterstützen ihr eine liebe Pflicht sei. Unter den Anwesenden bemerkte man vom Berliner Rabbinat die Herren Dr. Weiße und Dr. Löweuthal, den Grvßprasidentcn Geh. Rat Timendorfer, Mitglieder der Repräsentanten-Versammlung der jüdischen Gemeinde und eine große Anzahl Synagogenvorsteher Berlins, aus deren Mitte Herr Weinbaum lvarme Glückwünsche des Verbandes der Synagogen Vereine überbrachte. Berlin. lDas Wintersemester der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums.) Das Kuratorium der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hat nunmehr das Vorlesungsverzeichnis für das Wintersemester' 1925/26 erscheinen lassen. Herr Dr. Baeck wird lesen: 1. Midrasch Tanchuma, 1 Stunde, Dienstag 8—9 Uhr. 2. Pädagogik des Religionsunterrichts. 2 Stunden. Dienstag 9—11 Uhr. 3. Homiletische Hebungen, 2 Stunden. Freitag 8—10 Uhr. Herr Prof. Dr. Baneth wird lesen: 1. Talmud statarisch Gittin, Kapitel 6, 4 Stunden, Montag und Donnerstag 9—11 Uhr. 2. Talmud cursorisch Hullin, Kapitel 2. 2 Stunden, Sonntag 9—1i Uhr. 3. Talmud Jer. B'rachot. Kapitel 4, l Stunde, Sonntag 11—12 Uhr. -l. Tur und Schulchan Aruch Jore Dea, Hil. T'refot, 2 Stunden. Montag und Donnerstag 11—12 Uhr. Herr Prof. Dr. Elbogen wird lesen: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums. 2 Stunden. Mittwoch 8—10 Uhr. 2. Jüdische Geschichte bis zum Untergang des zweiten Staatswesens. 2 Stunden, Montag und Donnerstag 10—11 Uhr. Z. Jüdisch-gottesdienstliche Literatur, 2 Stunden, Sonntag 8—10 Uhr. 4. Erklärung hebräischer Geschichtsg'.relleu in 2 Abteilungen. 3 Stunden. Ädontag und Donnerstag 8M—10 Uhr. Herr Prof. Dr. Guttmann wird lesen: 1. Grundzüge der Ethik 2 Stunden. Dienstag und Freitag 10—11 Uhr. 2. Uebungen zur Ethik im Anschluß an die Vorlesung. 2 Stunden. Freitag 11—1 Uhr. 3. Interpretation des Moreh Nebuchim. 2 Stunden, Mittwoch 11—1 Uhr. 4. Ethische Texte für Anfänger. 2 Stunden. Dienstag 11—1 Uhr. Herr Dr. Torczyner wird lesen 1. Grammatik des biblischen Aramäisch und Interpretation des Buches Daniel. 2 Stunden, Mittwoch 10—12 Uhr. 2. Der Prophet Ezechiel. 2 Stunden. Montag und Donnerstag 11—12 Uhr. 3. 2ürsgewählte Psalmen, 2 Stunden. Montag und Donnerstag 12—1 Uhr. 4. Hebräische Bibelkommentave, 2 Stunden, Mittwoch 8—10 Uhr. Herr Dr. Freund wird lesen: Die Stellung des Judentums in Deutschland nach der NeichSverfassung. II. Teil. 2 Stunden, Dienstag 5—7 Uhr nachmittags. In der Präparandie werden, wie bisher, Kurse über Bibel und Kommentare, hebräische Grammatik. Mischna, Talmud und das Gebetbuch von den Herren Dr. Grünthal und Dr. Rosenthal gehalten werden. Berlin. (Jugend gottesdien st der Reformgemeinde im Seiieit.) Aus Kreisen der Berliner jiidischcn Reformgemeinde werden wir um nachstehende Veröffentlichung gebeten: Einen Jugendgottesdienst, der außerordentlich stimmungsvoll verlief, hatte die Jüdische Reformgemeinde am zweiten Neujahrstage iu der Fürstin-Bismarck-Schule in Charlottenburg veranstaltet. Sie girrg von dem Standpunkte aus. daß eine große Zahl ihrer Mitglieder im Westen wohnt und den weiten und ungewohnten Weg nach der Johannisstratze für ihre Kinder vermeiden will. Der unerwartet große Zuspruch bei diesem ersten Versuch hat die Richtigkeit der Maßnahme vollauf bestätigt. 200 Personen füllten die Aula, deren Podium durch reichen Kerzen- und Pflanzenschmnck der Würde des Festtages Rechnung trug. Der Gottesdienst selbst war dem Verständnis der Jugend bestens angepaßt. Chorgesange mit Orgelbegleitung umrahmten die Predigt. Als Thoravorlesung hatte man die Opferung Isaaks gewählt, einen Abschnitt, der in seiner schlichten Darstellung nie seine Wirkung auf jugendliche Gemüter verfehlt. Mit lebhaftester Aufmerksamkeit folgten die Kinder den Ausführungen, die der Prediger au diese Vorlesung knüpfte, und verließen zweifellos in gehobener Feststimmung die Stätte, die Herr Direktor Burg hochherzigerweise zur Verfügung gestellt hatte. Tie Jüdische Reformgemeinde wird auf Grund der starken Beteiligung und auf Wunsch von vielen anwesenden Kindern am Vorabend des Versöhnungstages, Sonntag, den 27. September, wieder einen Jugendgottesdienst an der gleichen Stelle veranstalten: Fürstin-Bismarck-Schule. Sybelstraße 2/4 in Charlottenburg. Beginn 6 Uhr nachmittags. Der Eintritt ist wieder unentgeltlich. auch für Kinder von Nichtmitgliedern und deren Begleitung. Nähere Auskunft ist unter Hansa 3299 und unter Ntoabit 1607 zu erhalten. Bonn. sR a b b r u a t s w c ch s e I.) Hier wurde der neue Rabbiner der Bonner Synagogengemeinde, Dr. Levy, bisher in Nordhausen, feierlich in sein Amt eingeführt. Sein Vorgänger in Bonn war der auch als Dramatiker f,.Ennl Bernhard") sich betätigende Dr. Emil Cohn, jetzt in Berlin- Grunewald. Dresden. lVereinigung der sächsischen Rabbiner.) Am Sonntag, dem 8. September 1925, fand im Gemeindeamt zu Dresden unter Leitung des Vorsitzenden Prof. Dr. Winter. Dresden, eine Sitzung des sächsischen Rabbinero erbanües statt, der alle sächsischen Gemeinderabbiner beiwohnten. Es wurden in erster Reihe Stanöesfragen besprochen: sodann wandte man sich dem Problem der jüdischen Schule zu und behandelte insbesondere die katastrophale finanzielle Lage der höheren israelitischem Schule zu Leipzig. Die Bereinigung beschloß, dem Allgem. Rabümerverband in Deutschland beizutreten und auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung vornehmlich organisatorische Fragen des WMM»W»W»W»»»»W»W>>»»MWWI^W>»WW»W»UM8>WW>WI»» Israel. He-uke. wie vor tausend Jahren Pilgert am Versöhnungsfeste Israel zur Synagoge. Vox der aufgerollten Thora Beugt es seine Knie und flehet Um Vergebung seiner Sündem Bis zum Untergang der Sonne, Trank und Speise sich versagend. Harrt 's andächtig iw Gebete: „Herr, erbarm Dich Deiner Knechte, Welche Du bisher geführet Durch Bedrängnis und Gefahren. Laß Dein Antlitz ferner leuchten Deinem auserwählten Volke, Daß es Deiner Macht vertraue, Heut, bis an der Welten Ende." — Und voll Andacht und Zerknirschung Lauscht's, bis ihm das Schofar kündet Fürder Beistand und Versöhnung. Und mit hoffnungsfrohem Herzen, Voll Vertrau'n und Glaubenstreue Zu dem allbarmherz'geu Gotte. Schleppt es weiter an der Bürde, Tie es seit Heroöes Tagen Voller Demut und Entsagung Unter Spott und Hohn getragen. — Aus des Aberglaubens Dunkel Führtest Du die Welt zum Lichte, Des allgüt'gen, einzigen Gottes. Gabst der Menschheit die Gebote Der Gesittung und der Ehrfurcht, Und entflammtest ihre Herzen Für die Pflicht der Nächstenliebe. Für die Armen und Enterbten. Tue in Not und Elend schmachten, Spendetest Du Trost im Glauben An die einstige Vergeltung. — Israel, Du gabst der Menschheit Einen Gott und die Verheißung Auf ein künft'ges, seel'ges Leben. — Und in dem Bewußtsein, daß Du Deine Mission erfüllet, Wird Dir neue Kraft erwachsen, Alle Unbill zu ertragen. — — Albert Fabian. Die Interims-Gottesdienste der Berliner Jüdischen Gemeinde. Von E. E h r e n r e i 6). (Schluß.) Wurde auch in der Folgezeit der Bau von Gemetndesynaqogen beschleunigt, so konnte dadurch gleichwohl dem religiösen Bedürfnis aller Gemeinde-Mitglieder zum Besuch der Gotteshäuser an hohen Feiertagen nicht Rechnung getragen werden. Es wurde daher im Jahre 1884 der Versuch gemacht, den alljährlich zur Zeit der hohen Feiertage wiederkehreuden. aus der Unzulänglichkeit der 3 Gemeinde-Synagogen sich ergebenden Mißständen durch Veranstaltung von Gottesdiensten in den Räumen der Philharmonie nach Möglichkeit entgegenzuwirken. Auch wurde durch Abschluß eines Vertrages der Fortbestand der neuen Einrichtung, die einen günstigen Erfolg gezeitigt hatte, gesichert. Schon vier Jahre später finden wir wieder außer iu der Philharmonie noch in 8 anderen Lokalen interimistische Veranstaltungen, die im Lause der nächsten Jahrzehnte, dem enormen Wachstum der Gemeinde entsprechend, auf ein Vielfaches angewachsen sind. 1894 bestehen neben 4 Synagogen noch 7 Interims-Gottesdienste, darunter einer nach alten: Ritus. 1902 stieg die Anzahl auf 10.1907 aus 15 und 1912 auf 20 Veranstaltungen. An den hohen Feiertagen des Jahres 1913 richtete die Gemeinde außer in 7 Synagogen noch in 21 Interims-Lokalen Hauptgottesörenfte ein. In diesem Jahre ist die Zahl der Synagogen aus 11, die der Sonderveranstaltungen für Erwachsene auf 30 und für die Jugend auf 13 gestiegen. Es ist hierdurch ermöglicht worden, außer in den etwa 20 000 Personen fassenden Synagogen noch ca. 25 000 Gemeinde- Mitgliedern Gelegenheit zur Verrichtung ihrer Andacht zu geben. Einem großen Teil dieser Gottesdienste ist als RitnS der der „Neuen Synaaoge" zugrunde gelegt, dessen besondere Merkmale in der ausgedehnten Verwendung des deutschen Elementes, in Aenderungen und Verkürzungen hebräischer Textstellen, in Entfernung der historischen Reminiszenzen an den ehemaligen Tieropferkultus, im dreijährigen Zyklus der Torah-Borlesung und endlich in der Einsühruna der Orgel zur Unterstützung des Vorbeters und Leitung eines geordneten Gemeindegesanges bestehen. In diesem Zusammenhänge mag das Bellermcmn'sche interessante Gutachten (wbgedruckt bei Geiger. II S. 224ff.) Erwähnung finden, das sich mit der Frage befaßt, ob den Juden die Errichtung zweier mit verschiedenen Riten auS-> j gestatteter Synagogen ohne Gefahr erlaubt werden könne.! Nachdem der Gutachter die in Betracht kommenden Möglich-; ketten untersucht fiat, ob es ratsamer wäre, zwei nöben- I einander befindliche Synagogen, eine hebräische und eine l deutsch-hebräische oder nur e in e n Tempel zuzulassen, in dem die „Alten" mit den „Neuen" die deutschen Gebete mitl beten müssen oder aber ein Simultcmeuur in einem Te m- ReligionSunierrichts zu fetzen. Als Vorsitzender wird Prof. Dr. Winter. Dresden, als Schriftführer Rabbiner Dr. Gold«, mann. Leipzig, bestätigt. Frauksnstei». (Goldene Hochzeit.) DaS Alerandersche Ehepaar beging unter reger Beteiligung der hiesigen Gemeinde und auswärtiger Freunde, unter Leuen sich insbesondere zahlreiche Verufsgenossen befanden, die Feier der goldenen Hochzeit. Oberkantor Jospe und Prediger Bahr. Waldenburg, übermittelten Glückwünsche der Kollegen und überreichten sinnige Aufmerksamkeiten. Die Gemeinde veranstaltete zu Ehren ihres beliebten Lehrers und KantorS einen Festgottesdienst, den Oberkantor Jospe leitete, während Prediger Brock. Schweidnitz, die Festansprache hielt. Die Glückwünsche del oberschlesischen Gemeinden hatte ebenfalls Prediger Bähr ans Waldenburg ausgesprochen. Frankfurt a. M. (Zum Ableben von Geheim, rat Sommer.) Mit dem nach langem Leiden verstorbenen Oberlandesgerichtsrat und Geh. Justizrat Dr. Siegfried Sommer ist einer der wenigen Inden heimgegangen, die sich der Freundschaft des letzten Kaisers aus dem Hause Hofienzollern rühmen durften. Dr. Sommer war überzeugungstreuer Jude und diesem Umstand mag es zuzuschreiben sein, daß er trotz der kaiserlichen Huld nicht höher stieg auf der Leit-er der Ehren und Titel, die sonst protegierten Männern der Wissenschaft zuteil werden. In Rotenburg an der Fulda geboren, besuchte Dr. Sommer das Fricdrichsgymnasium in Cassel, dem auch Wilhelm II. als Prinz angehörte. Daß der Kaisersohn den indischen Mitschüler seiner Freundschaft würdigte und ihm auch später, nachdem Dr. Sommer Oberlandesgerichtsrat in Cassel geworden war. wiederholt Beweise seiner Sympathie gab. mag den antisimitisch angehauchten Hofkavali-eren sicher nicht gefallen haben, ehrt aber die Vorurteilslosigkeit des damaligen Monarchen. der seinen Klassenkameraden wiederholt zur Audienz nach Wilhelmshühe beschied. Seine Zugehörigkeit zur jüdischen Gemeinde bekundete Dr. Sommer durch häufige Besuche des Gottesdienstes. Dem Kuratorium des Israelitischen Waisenhauses in Cassel hat er angehört und jüdischen Fragen lebhaftes Interesse eutgegengebracht. Alle, die den bescheidenen und aufrichtigen Mann kennen und schätzen lernten. werden die Kunde von seinem Heimgange mit herzlichem Beöauerrr vernehmen. und ihm. den kein verlockendes Amt zum Religionswechsel und zur Abtrünnigkeit bewegen konnte, ein treues Andenken bewahren. Fritzlar. (Moritz Mannheimer. 60 Jahre alt.) Seinen 60. Geburtstag beging Herr Moritz Mannheimer. Inhaber der Firma D. Mannheimer Söhne. Als Gemeinde- Vorstandsmitglied und Stadtverordneter hat sich der Jubilar um die Allg-emeininteressen in erhöhtem Maße verdient gemocht. Seine Freunde und Bekannten bereiteten ihm mancherlei Ehrungen. Fürth. (Verbot antisemitischer Ä u n d g e, üung am Neujahrs tage.) Tie Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, Fürth, beabsichtigte, am Sonnabend, den 19. und Sonntag, den 20. September eine große nationalsozialistische Kundgebung zu veranstalten. Diese wurde vpn der Polizeidirektion Nürnberg mit der Begründung verboten. daß in diesen Tagen das jüdische Neujahrsfest stattfindet und deshalb Gefahr bestehe, daß durch die nationalsozialistische Kundgebung die religiösen Empfindungen der jüdischen Staatsbürger verletzt würden. Der „Völkische Kurier" (Nr. 235 v. 16. 0.) beschwert sich über diese Maßnahme: «Diese neuerliche einseitige Knebelung durch unsere „Regierung der Ruhe und Ordnung" fordert schärfsten Protest heraus. Sie bedeutet eine brüske Herausforderung aller nationaldenkenden Deutschen, die ganz und gar nicht dazu angetan ist. die ohnehin wackelige Staatsautorität in ihrem Ansehen zu stärken — es sei denn in den Kreisen, von denen die Negierungsgewaltigen gegqngelt werden. Verbot und „Begründung" werden wohl weitere Folgen nach sich ziehen." Gndensberg. (Wiederherstellung der Synagoge.) Die hiesige Gemeinde konnte an einem der letzten Sabbate ihr vollständig renoviertes Gotteshaus erstmalig wieder in Gebrauch nehmen. Die Kosten der Wiederherstellung der Synagoge waren von einem nach Amerika auSgewanöerten und dort zu Reichtum gelangten Sohn der Gemeinde, Isaak Mansbach aus Philadelphia, bewilligt worden. Leider sollte er die Vollendung des Werkes nicht erleben. Lehrer Perlstein, der beim Abend- und Morgengottcsvel derart einzurichten, daß an Sabbaten und Festtagen beiden Parteien dadurch Rechnung getragen würde, indem beim Vorbendgottesdienst der eine und beim Morgengottesoienst der andere Ritus zur Ausführung käme, hält er. weil hierdurch beiden Teilen nicht ganz nach Wunsch abgeholfen würde, die Ausführung des von den Aettesten vorgeschlagencv (und auch bei Sem Bau der Synagoge Levetzowstraße wieder ausgetauchten) Projekts, der Errichtung zweier aneinander stoßender Synagogen für zweckdienlicher und kommt zu dem Schlüsse: .Llch für meine Person fürchte dabei kein Schisma, keine Sekten und keine inneren Spaltnngen, hoffe vielmehr, daß durch eine solche liberale Maßregel (welche Liberalität in. schuldlosen Glaubenssachen die preußische Regierung immer ausgezeichnet hat), wenn sie als Probe ans bestimmte Jahre, bedingungsweise zugestanden würde, Annäherung der beiden Teile bewirkt werde. Die Frauen werden wahrscheinlich bald alle in die deutsche Synagoge gehen, und die Weiber werden dann bald, wie sonst überall, die Männer zum Bessern und Verständigeren bekehren." Es kann füglich nicht wohl behauptet werden, daß alle Oertlichkeiten, an denen Filialgottesdienst abgehalten wird, eine besondere Eignung aerade für diesen Z-wcck aufweisen. Jedoch verbietet die Steuerkraft der Gemeinde, mit dem Bau neuer Synagogen schneller fortzuschreiten. als es seither geschehen ist. Mißliche wirtschaftliche Verhältnisse sind es auch heute wieder, die den wünschenswerten und notwendigen Bau weiterer Synagogen verhindern. Andererseits ist für die Bestimmung des einen oder anderen Jnterimslvkales vielfach nur der Umstand maßgebLnd, daß in manchen Staötgegenöen geeignetere Säle gänzlich fehlen oder aber zu religiösen Zwecken nickt zur Verfügung gestellt werden. Gleichwohl kann nicht geleugnet werden, daß trotz der mitunterfür Len Alltag nur allzu weltlichen Bestimmung mancher Räumlichkeiten unter den Betenden eine weihevoll auöächtl-ge Stimmung herrscht, hervorgerufen von dem ZusammengefiorigLeitsgefühl der Andächtigen, und unterstützt von den durch Lewandowsky meisterhaft geschaffenen. Lurch ibre Innigkeit Gemeingut der Berliner Juden gewordenen Gesänge, „so Laß des Andächtigen Herz und Kopf — von der Harfe zum Denken erweckt — beim Gottesdienst, dem erhabensten Geschäft des sterblichen Ä^enschen. in schönster Uebereinsttmmung stehen." T'kioh .. . Ein Sammelruf zu den jüdischen Festtagen. Bon Josef Grob. Posaunenschall wird wieder am Neusahrslage in den jüdischen Gotteshäusern ertönen. Alljährlich, beim Herannahen der jüdischen Festtage, wird dieser Zapfenstreich geblasen. Der Nus des Schofars gilt keinen Parteien und Sekten, sondern dem ganzen jüdischen Volke. Einen ganzen

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