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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-09-25 · 39 (25.9.1925) · page 5

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
39 (25.9.1925)
Date
1925-09-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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s. Jahrgang Nummer 39 Beilage 25. September 1925 FMchOeraleZeikmg ||pic jüdische Gegenwart Rabbiner Dr. Max Dienemaun zu seinem 50. Geburtstage am 28. September 1925. „Am Versöhnungstage sollt Ihr Schofarhall ergehen lassen..... und auszeichnen sollt ihr das fünfzigste Jahr: Ein Jobeljahr soll es euch sein." l3. Mos. 25 9. 10.) Am Versöhuungstagc dieses Jahres vollendet unser verehrter Mitarbeiter. Rabbiner Dr. Max Dienemann sein fünfzigstes Lebensjahr: und dies ist uns ein willkommener Anlaß. ihm — nicht nur im Namen unserer Jüdisch-liberalen Zeitung, sondern im Namen des liberalen Judentums und darüber hinaus im Namen weiter Kreise, die in Dienemann einen geistigen Führer und vorderer, eine religiöse Persönlichkeit eigenster Prägung verehren, unseren innigsten Glückwunsch darzubringen. Geboren zu Krotoschin im Jahre 1875. wurde Dienemann frühzeitig in das hebräische Schrifttum eingeführt. „Ich war ein kleiner Knabe, stand fest kaum auf dem Bein, da nahm mich schon mein Vater mit in das Meer hinein, und lehrte leicht mich schwimmen an seiner sicheren Hand und in die Tiefen tauchen bis nieder auf den Sand," so konnte er von sich singen in bezug auf seine Einführung in das Meer des Talmuds. Wohlvorbereitet kam er 1894 nach Absolvierung des Gymnasiums auf das Rabbinerseminar zu Breslau, wo er bis 1901, dem Jahre seiner Entlassung als Rabbiner, verweilte. Vom Jahre 1902 bis 1919 wirkte er als Rabbiner in Ratibor, wo er eine segensreiche Tätigkeit als Prediger und Seelsorger, als Lehrer und fruchtbarer Gelehrter entfaltete. Seine Gemeinde trug ihn auf Händen, und die ungewöhnlich tiefen seelischen Verknüpfungen. die ihn an seine Gemeinde und seine Gemeinde an ihn banden, kommen in ergreifender Weise in seiner Abschiedsrcde zum Ausdruck: „Ich weih, ohne eitel und ruhmredig zu fein, daß ich getragen bin von Eurer Liebe und Wertschätzung, daß Eure Freundschaft mich begleitet, und es ist der köstlichste Gewinn meines Lebens, daß sie mir erhalten bleibt auch am fernen Orte. Aber wißt, ich bin Euch in gleicher Weise verbunden, meine Seele bleibt mit Euch verknüpft, eingegraben seid Ihr in die Tafel meines Herzens, jung und alt, eine jede Familie unter Euch, nie werde ich aufhören an Euch zu denken, ein Stück meines Lebens und Geistes bleibt bei Euch hier, und wo immer das Leben mich mit einem von Euch zusammenführen wird, wird es mir fein wie ein Gruß aus der Heimat, wie ein Strahl aus dem Glück der Jugendiahre." Im Jahre 1919 folgte Dienemann einem ehrenvollen Ruse nach Offeubach a. Main, als Nachfolger Formstechers und Goldschmidts. Auch in der neuen Gemeinde erfreut sich der nunmehr auf dem Höhepunkt feines Lebens Stehende der ungeteilten Wertschätzung und Verehrung seiner Gemeinde. War er den beiden Gemeinden durch seine rabbinische Tätigkeit vor allem bekannt, so hatte er sich durch seine schriftstellerischen Arbeiten weit über den Kreis seiner Gemeinden hinaus eine achtunggebietende Stellung errungen. Schon frühzeitig veröffentlichte er beachtenswerte Rezensionen in der Fränkel-Graetz-Brannschen Monatsschrift. Seine Doktordissertaiion wendet sich einem interessanten Spezialgebiet der orientalischen Philologie zu und ist betitelt: Jumerisch-Babylonischc Hymnen, der von George Reisner herausgegebenen Berliner Sammlung, umschrieben, übersetzt und erklärt. Breslau 1898. In weitesten Kreisen bekannt aber wurde Dienemann durch seine, in erster Auslage als Heft 5 des 2. Jahrgangs der von Dr. I. Ziegler. Karlsbad, herausgcgcbenen „Volksschristen über die jüdische Religion" erschienene, bedeutsame Schrift „Judentum und Christentum". Im Jahre 1919 erschien die zweite Auslage dieses Buches im Verlag von I. Kaufmann. Dieses Buch übernimmt es zu schildern, wie der wesentliche Unterscheidungspunkt zwischen Judentum und Christentum nt der Lehre vom Menschen liegt und es zeigt, wie alle Verschiedenheiten beider Religionen aus dieser Kardinalverschiedenheit hervorgegangen sind: Die Lehren von der Gnade, von der Erlösung, vom Messias und der mcssianischen Zeit, die Wertung des jüdischen Gesetzes, die Unterschiede zwischen Synagoge und Kirche. Dieses Buch stellt Dienemann mit in die erste Reihe jüdischer Forscher über Religionsgeschichte. Eine unübersehbar große Zahl von Aufsätzen in jüdischen Zeitschriften, insbesondere in der Monatsschrift „Liberales Judentum" und in unserer Jüdisch-liberalen Zeitung, zeigt Dienemann als den unermüdlichen Wächter und Erwcckcr auf den Höhen der jüdischen Gegenwart. Gediegen und tiefgründig, lebendig und interessant ist alles, was er schreibt. Dienemann bewegt sich nie in ausgetretenen Gleisen. Selbständig und selbstdenkcnd spürt er allen Problemen nach und weiß den gewöhnlichen Dingen immer eine neue Seite abzngewinnen. Verborgene Kanäle jüdischer Religiosität psychologisch auszudecken, um alten Besitz zu erringen und ihn neu für sein Geschleckt zu erwerben, ist ihm treibender Sporn. Mit lebendigster Rührigkeit, mit elementarer Vitalität ergreift ihn — fast möchte ich sagen — die Leidenschaft, uraltes Kapital des Judentums, das für das heutige Geschlecht vielfach seinen Wert verloren hatte, wieder flüssig zu machen, seinen Goldglanz aufznzeigen, nachdem der Staub von den Heiligtümern abgemischt worden. So sind seine tief anregenden Abhandlungen über das Irrationale, über die Speisegesetze, über die hebräische Gebetssprache usw. zu werten. Sie sind ein Kampf gegen Oberflächlichkeit und Leere. Nüchternes Denken gepaart mit tiefer Religiosität, scharfer Verstand im Bunde mit jüdischem Herzen und jü- Beitragszahlung. Der Beitrag für das letzte Vierteljahr 1925 ist am 1. Oktober füllig! Der Mindestbeitrag beträgt Mark 2,50 einschließlich Zeitungsbezug. Da, wo Ortsgruppen bestehen, find hiervon 1,— Mark an diese abznführen; rvo keine bestehen, ist -er volle Beitrag von 2,5v Mark an die Unterzeichnete Bereinigung zu zahlen. Sind mehrere Angehörige einer Haushaltung Mitglieder der Bereinigung, so ermäßigt sich der Mindestbeitrag für -as zweite und jedes weitere Familienmitglied aus 1,50 Mark; von diesem Betrage sinda, wo Ortsgruppen bestehen, 0,50 Mark an diese abzuführen. Die ordentlichen Mitglieder der „Jüdisch-liberalen Jugendvereine" haben nur 1»— Mark vierteljährlich für den Bezug der Zeitung zn zahlen. Bon den Mitgliedern in Aachen, Augsburg, Berlin, Bingen a. Rh.» Bochum, Jli-Breslau, Brieg, Cassel, Danzig, Dortmund, Dresden, Elberfeld, Frankfurt a. M.» Freiburg i. Br., Gelsenkirchen, Heidelberg, Herford i. W., Kaiserslautern, Köln a. Rh., Königsberg, Konstanz, Leipzig, Liegnitz, Lünen, Magdeburg, Mainz, Mannheim, Münster i. W., Namslan, Offenbach a. M., Oppeln, Ratibor, Schneidemühl, Stettin, ferner Ulm, a. D. und Wiesbaden wird der Beitrag durch die örtliche Organisation jOrtsgrnppen, Liberale Vereine, Jüdisch-liberale Jugend vereine oder Vertrauensleute) eingezogen. Diese Mitglieder haben einen direkten Beitrag an die Zentrale also nicht zn leisten. Alle anderen Mitglieder unserer Bereinigung fordern wir auf, den Beitrag umgehend direkt an das Bureau, Berlin SW. 48, Wilhelmstr. 147, Postscheckkonto: Bereinignng für das liberale Judentum e. B., Berlin Nr. 187 060, mittels beiliegender Zahlkarte einzusenden. Wir machen darauf aufmerksam, daß der angegebene Beitrag einen Mindestsatz darstellt und richten an alle Mitglieder, die dazu irgend in der Lage sind, die dringende Bitte, freiwillig darüber hinaus einen möglichst hohen Betrag zu zahlen, da der in dauernder Entwicklung befindliche Ausbau unserer Organisation «nd der Zeitung immer gewaltigere Mittel erfordert. Zugleich fordern wir die Abonnenten der „Jüdisch-liberalen Zeitung" zur Zahlung des Bezugspreises für das letzte . icrteljahr 1925 in der Höhe von je 2,50 Mark auf. Nach dem 15. Oktober 1925 sind wir genötigt, die noch nicht eingegaugenen Beiträge durch Postnachnahme einznziehen. Wir weisen ans die dadurch entstehenden Mehrkosten hin und bitten um pünktliche Einsendung der Beiträge. Vereinigung für das liberale Judentum e. V. öischer Seele, Klarheit geeint mit Tiefe, die Kommensurables und Inkommensurables. Bewußtes und Unbewußtes, polare Gegensätze zu verschwistern bemüht sind — machen das Eigenartige der religiösen Persönlichkeit Dienemanns aus. Als Schriftführer des Allgemeinen Rabbinerverbandes entfaltet Dienemann eine fruchtbare, allgemein anerkannte Tätigkeit. Getragen von starkem Pflichtbewußtsein, gewandt, sich in jede Materie rasch einführend, besonnen, maßvoll, vornehm an Gesinnung, zielbewußt und energisch, hat er es verstanden, eine Säule und einer der wertvollsten Träger des Rabbinerverbandes zu werden. Allen seinen Kollegen ist er ein stets zu Rat und Tat bereiter Förderer und Helfer. Möge der Jubilar, dem eine liebenswürdige Gattin das Leben mit Liebe krönt und mit seelischem Verständnis zur Seite steht, im engumsriedeten Kreise seines Hauses wie in seinem segensvollen Beruf noch lange Jahre in Kraft und Gesundheit wirken! Möge es ihm, von dem mr noch vieles erwarten, vergönnt sein, weitere Jobeljahre zu feiern und uns mit den gereiften Früchten seines Denkens und Schaffens zu erfreuen! Endlich Frauenstimmrecht in den jüdischen Gemeinden. Wir hatten bereits vor längerer Zeit berichtet, daß die Repräsentanteu-Verfammlung der Berliner jüdischen Gemeinde — einer alten Forderung der jüdisch-liberalen Partei Folge gebend — das aktive und passive Frauenwahlrecht gegen die Stimmen der Konservativen einzuführen beschlossen hatte. Die Genehmigung der Aufsichtsbehörde zu dieser Statutenänderung ist bei der jüdischen Gemeinde eingetroffen. Es werden deshalb die für diesen Herbst in Aussicht genommenen Repräsentanten-Wahlen um einige Monate verschoben werden müssen, da nun neue Wählerlisten auszustellen sind, die auch den gesamten weiblichen Teil der Berliner jüdischen Gemeinde umfassen werden. Eugen Loewe. In memoria«. „Ach, wie ist Leben doch so schwer, Wenn, was du lieb hast, Ist nicht mehr..." Zwei Jahrzehnte verkehre ich in seinem Hause. Ich durfte die prächtigen Kinder in unsere Religion einführen. Ich durfte die treffliche Gattin kennenlernen und in ihrem Wirken beobachten — als Gattin und Mutter. Und ich durfte vor allem das Glück genießen, in Eugen Loewes Nähe selber zn weilen. Ein Vorbild des echt deutschliberalen Juden: ausgestattet mit reichem jüdischen Wissen, glühend dabei in unentwegter Treue für des „Reiches Herrlichkeit". Ter Verfall des Staates traf ihn in die Seele, seine Sehnsucht galt einem neuen Glanz. Und für Jüdisches hatte er nicht nur Zeit, sondern vor allem herzliche Liebe. Er las die Bibel und neue Schriften, man sah ihn fast immer in liberalen Versammlungen. Er arbeitete mit in unserer Gemeinde und arbeitete in Organisationen. Und alles — Deutschtum und Judentum — paarte sich mit einer Vornehmheit, einer bezaubernden Güte und edlen Schlichtheit, die den Umgang mit ihm zu einem seelischen Gewinn, zu einem beglückenden Erlebnis gestalteten! Welch Zartsinn als Gatte, welche kindliche Liebe — zu seinen Kindern, wieviel Weisheit als ihr milder Erzieher! Das Glück ließ ihn auch noch Enkel erleben — und so hat der Tod denn viel, viel zerstört und ach. — er hat es zu früh getan.... Mein Dank an ihn klingt in das Bibelwort aus: „Stirb, meine Seele, den Tod dieses Frommen! Mein Ende, es fei dem seinigen gleich!" Rabb. Dr. Gottschalk-Berlin, Eine neue liberale Synagoge in London. Am 13. September wurde in St. John's Wood Road zu! London die neue liberale Synagoge vom Rabbiner Israel Mattuck in Anwesenheit einer zahlreichen Gemeinde eingeweiht. Die neue Synagoge ist die größte und prächtigsM D in Groß-Britannsen. Rabbi Mattuck sagte, die neue SynH W goge werde ein Heim des liberalen Judentums sein, von wo aus die hohen Ideen Israels ausstrahlen werden. Eine Zusammenarbeit mit Männern und Frauen aller Religionsbekenntnisse im Interesse des Friedens und des Wohles der Menschheit soll gepflogen werden. Rabbi Mattuck würdigte die Persönlichkeit des infolge Krankheit abwesenden Mr. Claude G. Montefiore, des Präsidenten der liberalen jüdischen Bewegung in England, woraufhin der Sohn dcö Gefeierten. Mr. Leonard Montefiorc. eine von seinem Vater verfaßte Ansprache hielt. Nach den Festreden wurden die Thorarollen in einer feierlichen Prozession zur Rnndeslade gebracht. In der Prozession schritten mehrere Frauen, die ebenfalls Thorarollen trugen, unter ihnen Mrs. Li ly Montag». die Schwester Lord Swaythlings. Ans den Gemeinden * fl Bamberg. lRück tritt des Rabbiners.) Rabbiner Dr. Eckstein tritt demnächst in den Ruhestand. Er ist bekannt durch seine historischen Arbeiten zur Geschichte der Juden in Bayern. Er hat auch gemeinsam mit seinem verstorbenen Schwager, Dr. Ziemlich-Nürnberg. die Predigten seines verstorbenen Schwiegervaters. Dr. Joel-Breslau, herausgegeben. Berlin. (Wieder zwei Sy nago g en ein b r ü ch c.s In der vorigen Nummer hatten wir von Einbrüchen in drei Berliner Synagogen berichtet. Nunmehr sind noch zwei weitere Synagogen, Siegmundshof 11 und Lindenstraßc. von Einbrechern heimgesucht worden. Am SiegmunüSljof stahlen die Einbrecher zwei silberne Becher mit der Gravierung „Von Weinberg", zwei silberne Räucherlampen und aus den Sammelbüchsen etwa 600 Mark. In der Lindenstraßc plünderten sie ebenfalls die Spendenbüchsen. In der Nacht zum Sonntag gegen 12 Uhr beobachteten nun Leute, die an der Synagoge in der Lützowstratze vorübergingen. daß ein junger Mensch sich an der Tür zn schassen machte. Als er bemerkte, daß er ausgefallen war, ergriff er die Flucht. Die Passanten verfolgten ihn. ergriffen ihn auch bald und übergaben ihn der Kriminalpolizei. Man fand bei ihm Brecheisen und andere Einbruchswerkzeugc. Der Ertapte wurde sestgestellt als ein 24 Jahre alter Moses Sochaczewski. der sich wohnungslos in Berlin umhertrieb. Er bestreitet öie Einbrüche, ist aber so schwer belastet, daß er dem Untersuchungsrichter vorgeführt wurde. ru den Feten»jen OTTO BOENICKE emptehle ich als von allgemein anerkannter Güte: firOftlllClOf CT, Ideales, lll!2CTn,inittelkräitij, gehaltvoll, eine große Leistung. . . Inlenso, Pxcelentea, m. Rg. ir>/, cmleichtere, würzige Qualität. Gran Aclarador, uustre», cm eine hervorragende Qualitätszigarre .... Bien PnhlfCO, Coronas, 14 cm,milde. weich und würzig, sehr gelobt. Sämtlich in Kistchen zu 50 Stück Trotz des neuen Tabakzolles wird der gegr. Französische Straße 21 Merkur 5741/2 1879 unter Boenicke u. 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