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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-09-18 · 38 (18.9.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
38 (18.9.1925)
Date
1925-09-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Aus den Gemeinden verli«. (Hebräischer Unterricht.) Der Leiter der hebräischen Lehranstalt. Herr M. Berggrün. Berlin W.35. Geuthiner Str. 37 (Kurfürst 209) teilt uns folgendes mit: 1. Am Anfang des Wintersemesters eröffne» wir neue Anfäugerklasje» für Erwachsene und Schüler. Der Unterricht kann gemäß de» persönlichen Wünschen der Beteiligten in den frühen Morgenstunden oder nachmittags resp. abendabgehalten werden. Wir erbitten umgehend schriftliche Anmeldung. 2. Die Vorbesprechung zwecks Festsetzung des Stundenplans in sämtlichen Anfänger» klaffen findet Montag, den 12. Oktober, t7 Uhr abends, in der Knabenmittelschule der üdtfchen Gemeind«. Große Hamburger tratze 27. statt. Ptn für Kortg efch r ittene können nach Rücksprache mit dem Leiter Neuaufnahmen erfolgen. Sprechzeit biauf weitere- Dienstag und Donners, tag ^9 Uhr abends in der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Artilleriestr. 14, l Treppe. Zimmer 4. 4. Wir beabsichtigen auch, neue Lehrerkurse zu eröffnen, und bitten pädagogisch vorgebiLdete Damen und Herren. Lehrer. Studenten und Seminaristen, die dafür An» teresse haben, sich umgehend mit uns in Berbinduna zu setzen. . Berlin. (Gustav Kadelburgs Beisetzung). Dieser Tag« verstarb in Berlin Gustav Kadelburg. einer -er erfolgreichsten, deutsche» Bühnenschriftsteller. Mit semenr vor wenigen Jahren verstorbenen Freunde und Mitarbeiter Oskar Blumenthal beherrschte Kadelburg. der andem Schauspielerstande heroorgegangen war. jahrzehntelang mit seinen Lustspielen die deutschen Bühnen. — Am 14. September. 12 Uhr mittag-, fand die Beisetzung Gustav Kadelburg-. einem Wunsch des Verstorbenen entsvrechend, in aller Stille statt. Die im engen Familienkreise abgehaltene Gedächtnisfeier wurde von dem Prediger der Jüdischen Reformgemeinde Berlins. Dr. Rvsenthal. geleitet, der der Persönlichkeit -es Entschlafenen, seiner Hilfsbereitschaft und Herzensgüte warme Worte widmete. Die Gruft auf dem Friedhof :n Stahnsdorf umstanden viele Freunde des Toten, darunter namhafte Persönlichkeiten aus Literaten* und Künstlerkreisen. Berlin. Bon der Frtedrtch-Wilhelm-Viktor ia»Sti ftung). In unerwartetem Maße hat die jüdische Beamtenschaft von der ihr durch die Friebrich- Wilhelm-Bikoria-Stiftuna des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes gebotenen Gelegenheit, durch Abschluß einer LebenSverstcherung bei der Viktoria eine Selbsthilfe für ihre Alters- und Relikten-Versorguug zu üben. Gebrauch gemacht. Die überaus liberalen Bedingungen. (Uebernahme von 7» der von dem Versicherten zu zahlenden Prämien) haben auch bewirkt, daß die Abschlüsse über namhafte Summen in den meisten Jollen 10 000 Mark getätigt werden. In der kurzen Zeit eines halben Jahres, seitdem die Friedrich-Wilhelm-Biktoria-Stiftuna ihre segensreiche Tätigkeit wieder ausgenommen bat. sind bereits Zuschutzbewilligungen in Gesamthöhe von 81300 Mark jährlich ausgesprochen worden. Die gesamte versicherte Summe beträgt 1400000 Mark, der davon von der Stiftung übernommene Betrag beläuft sich auf ungefähr 600 000 Mark. In progressivem Matze wächst auch die Zahl der beim Kuratorium einlaufe«den Neugesuche. von denen zur Zeit 65 in Bearbeitung sind. Gin so erfreuliches Bild die vorstehenden namhaften -Wern von der durch die Stiftung peleisteten Fürsorge bietet, so van» sich da- Kuratorium doch der drohenden Tatsache nicht verschließen, daß in absehbarer Zeit die Grenze der Leistungsfähigkeit erreicht wird, wen« es nicht aelinat, neue Einnahmeguellen durch Beteiligung der an der Versorgung der jüdischen Beamtenschaft am nächsten interessierten Landesverbände zu erlangen, betragen doch die bekanntlich unverkürzt zur Verteilung gelangenden gesamten Einnahmen zur Zeit im Höchstfälle 60 000 Mark. „ hei Jnnehaltuna der zur Zeit geltenden Grundsätze. AnSzablungstermin zum 05. Lebensjahr, keineswegs vor dem 60 Jahr. Zuschußhöhe bei Versicherungen bis 10 000 Mark */* der Prämien — die über 10 000 Mark hinouSgehenden Beträge können fortan nicht berücksichtigt werden — zu erkennen, daß in kürzester Zeit nur noch Dormerkunaen vorgenommen werden können, deren Berücksichtigung in chronologischer Reihenfolge der Eintragung bei Freiwerdung vnn Bcträafn erfolgen kann. Außer den vorgenannten 65 Anträgen bürsten noch all? Anträge von Bewerbern, die bis zum 16. Sevtember 1925 ärztlich untersucht sind, anstandslos zur Erledigung kommen. Andere Beamte, die nach dem genannten Termin den Abichluß einer Versicherung beabsichtioen, tun gut. sich durch Anfraae beim Bureau des Deutsch-Israelitischen GemeindebundeS nach den Aussichten für die Erlangung des Zuschusses zu erkundigen. Berlin. (Schulmedizinifche Tätigkeit der „0 s e".) Das Berliner Komitee der Gesellschaft „Ose", welches vor kurzem eine Untersuchung der sanitären Lage der jüdischen Bevölkernna im. Norden Berlins durchgeführt bat, geht jetzt an die Erforschung der sanitären Zustände der Kinder in den Berliner Talmud Thora-Schulen heran. Diese Schulen werden von einer großen Zahl Kinder aus ostsüdischen Familien besucht, die bis jetzt unter keinerlei medizinischer Aussicht standen Das Ziel dieser Untersuchung ist e§. die Bedingungen einer fchulmedizinischen Tätigkeit unter diesen Kindern festzustellen. Berlin. tJuücu im Svort.) In den Kämpfen um die Bormeisterschafren in Deutschland, die am 11. Sevtember abends die Sensation Berlins bildeten, gina der Titel des Bantammeisters von d-'m Verteidiger Urban Graß aus den Herausforderer Felix Friedemann-Hamburg über, La in der rlsten Runde die Sekundanten für Graß aufgaben. — Felix Fnedemann war in Deutschland Amateurmeister und ging dann, atS er vrvfessioneü wurde, nach Amerika, wo er in V'.elen harten Kämpfen sich zu seiner heutigen Form emporarbeitctc. die es ihm ermöglichte, nach seiner Rückkehr nach Deutschland Urban Grast im Kampf um die deutsche Meisterschaft zu schlagen. Sin zweiter Jude. Harry Stein, hat vor kurzem die Meisterschaft im Fliegengewicht für Deutschland erlangt. Auch Harru Stein war deutscher Amateurmetster. Unter acht deutschen Meistern sind zwei Juden. BreSlan. lSt» Denkmal für Carl Biber selb). Am 6. September ist ein Jahr verflossen, seit der Breslauer Lokaldichier Carl BiberfelL starb. Freunde und Verehrer von ihm habe« ihm ein Denkmal gestiftet, das auf dem israelitischen Friedhof in Cosel etngeweiht wird. ES besteht aus einem Block sächsischen Sncnits in gotischer Form mit Steinurnsrieduna. und trägt als Inschrift eine von Paul Barsch verfaßte Widmung. Breslau iS p e il n n g armer Israeliten.) Eine überaus wohltätia wirkende Einrichtung, die der privaten Anregung unserer Gemeindemitglieder zu banken ist. besteht in der Fleischv^rteiluna des Vereins zur Speisung armer Israeliten. Sie wurde vor einem halben Jahrhundert von Adolf Frevhan. sel. And., begründet, und als sie einen immer größeren Umfang ««nahm, im Jahre 1902 vom genannten Verein übernommen. Von ihm werden alle hilfesuchenden Glaubensgenossen, ohne Unterschied der sozialen Stellung, mit einigen Pfund Fleisch vor den P>zsiach- Feiertagen und vor Noschaschono verlangt und man kann sich die leuchtende« Augen der Kinder, die »ür ihre Eltern mtz»'st LaS Fleisch abholen, vorstellen. wenn sie Krreu Jaumtowbmt^ erhalten. Auch Greise und Greisinnen werden bedacht, und manch einer ist unter ihnen, der sich schon jahrzehntelana die ihm zukommende Nation abholt Da die Zahl der Petenten nach Hunderten zählt und alljährlich wächst. io hänat es ganz von der „Flüssigkeit" der Beretnskasse ab. ob eine §roße ober eine kleine Nation ausgegeben wirL Letzten Peffach waren es mehrere hundert Kilo! aber sie reichten bei weitem «och nicht hin. um die hungrigen Münder sättigen. Wer hilft mit, baß die Portionen zu diesem RcHchhaschonoh verdoppelt werden könne«? Der sende sein Scherflein sobald als möglich Herrn Dr. Wilhelm Freiyhahn (Garstenstr. 19 oder Höfchenstr. 104, Postscheck-Konto 4718), der Verteilung am Tage vor Erew Rausch Ha-Schonoh nornirmnt. Und wer selbst einmal sehen will, welche Wohltat man mit seinem Gelde erweisen kann und wie man verhärmte un d verbitterte Gesichter strahlend und betrübte Augen leuchtend machen kann, der gebe am Nachmittag des genannten TaJes zwischen 8 und 4 Uhr auf die Htifchenstraße zu Grünveter. uw die glücklichen Besitzer einer Anweisung ihr Fleischpaket' ausgesolgt erhalten. Und bann trete er schweigend beiseite und nehme sich vor. zum nächsten Jaum Tanw wenigstens den.doppelten Betrag zu spenden als diesmal. Cassel. lKommerzienrat Wertheim 70d«hre alt.) Kommerzienrat M. Wertheim. der Seniorchef des Bankhauses S. I. Werthauer fr. Nachfolger, beging letzten Sonntag den 70. Geburtstag. Im hiesigen Handels* und Wirtschaftsleben hat der Jubilar, der einem der angesehensten Bankhäuser vorsteht, den zahlreiche industrielle Unternehmungen zu ihrem Förderer. Vorstands- und Aufsichtsratsmitglied zählen, eine einflußreiche Rolle gezielt. Dem Säatztverordnetenkollegium gehörte er 8 Jahre an und in dgoser Eigenschaft hat er seine finanztechnischen Ke«ntnisie in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Auch als Privatmann erfreut sich Kommerzienrat Wertheim, nicht »uletzt wegen seines philantropischen Wirkens, allgemeiner Werkschätzung. D»?« Humanitären Bestrebungen aller jüdischen WohlfahrtFanstalten. die teilweise von seiner Gattin gegründet odnr wenigstens durch ihre Initiative gefördert wurden, bezeugte der Jubilar ein lebhaftes Interesse, und mit besonderer Boi> liebe wirkt er im stillen überall da. wo es gilt. Not und Elend zu lindern. Seiner Vaterstadt Witzenbausen bewies er stets große Anhänglichkeit, was er anläßlich der Sieben- Hundertjahrfeier durch eine namhafte Geldzuwenlluna bestätigte. Mancherlei Ehrungen und Glückwünsche ans allen Bevölkerunaskreii'en haben dem Jubilar den Beweis erbracht. welcher Sympathie er sich in weiten Kreisen erfreut. Desiau. (A m ts iu b i lä um.) Dieser Tage beging Dandesrabbiner Dr. Walter in Dessau sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Die jüdische Gemeinde beginn diesen Tag festlich. Auch die katholischen Geistlichen waren znr Gratulation erschienen. Die Anvaltische Regieruna brachte in einem Schreiben des Staatsministers Müller ihre Glückwünsche zum Ausdruck. Herr Rabbiner Dr. Walter, der stets für die liberale Sache eingetrete» ist. ist unseren Lesern auch aus einem kürzlich hier veröffentlichten Aufsatz über die Schächtsrage bekannt. Wir hoffen, daß der Jubilar noch lange im Dienste seiner Gemeinde und der jüdisch-liberalen Idee tätig sein kann. Königsberg. (Borstandstagung des Jüdischen Frauenbundes.) Am 8. und 9 September fand in Königsberg die Borftandssitzuna des jüdischen Frauenbundes statt, die zahlreich besucht war. Allgemeinen Anteil erregte das Referat der Frau Helene Meyer. Stargard. über „Neue Weae für die Altershilfe". Einen Bericht über die Kinderschutzkonferenz erstattete Frau Brenner. Am 9. September sprach in einer öffentlichen Versammlung Fränli'in Hanna Karminikn über ,/kntwicklmigsmöglichkeiten jüdischer Frauenarbeit" Den Abschluß der Tagung bildete ein Ausflug der Teilnehmerinnen an die Samlandküste. Worms. (Eine Rede beS hessischen Staatspräsidenten.) Aus der denkwürdigen Tagung, die der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten vom 5. bis 7. September 1025 in Worms und Köln a. Rh. abhielt, war auch der Staatspräsident von Hessen. Ullrich, erschienen, der hei der festlichen Veranstaltung in Worms folgende bemerkenswerte Ansprache an den Reichsbund und seine Gäste hielt.: Ich bin dem Wunsche, hier bei Ihnen zu erscheinen, sehr gern gefolgt. Ueberall dort, wo im Interesse des inneren und äußeren Friedens gearbeitet wird, bin ich iederzeit bereit. mit der Unterstützung meiner Regieruna zur Stelle zu sein. Daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten sich hat zu einer Organisation zusammenschließen müssen, ist ein Stück historischen Geschehens. Die Grttndnna des Bundes war eine Folge, der nach dem Kriege wiedenerstandenen matzlosen antisemitischen Beweanng. Diese Tatsache läßt sich nickt leugnen, und man kann nicht verlangen, daß auf diesem aefährlichen Gebiet eine „Vogel Strauß-Politik" getrieben wird. Als diese Gefahr für die deutsche Judenhcit entstanden war. war der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten eine Notwendigkeit. wollte man nicht durch die Wehrlosigkeit der jüdischen Gemeinschaft neue Gefahren für diese Hervorrufen. — Die Geschichte des jüdischen Volkes ist die Geschichte des Menschengeschlechtes, von der Barbarei zur Zivilisation. Früher herrschte bei uns Barbarei, dann genossen die Inden Duldung und schließlich Gleichberechtigung, die allerdings von der Schmach unseres Volkes, der deutichvölkischen Bewegung, umstritten wird. Das zeigt deutlich auch den Jammer, in dem wir uns hier in Deutschland befinden. Zum Glück aber können wir behaupten, daß das deutsche Volk in seiner Mehrheit heute doch schon ganz anders geartet ist als früher. Die Kreise, die den antisemitischen Hetzern folgen, werden immer kleiner und einflußloser. — Ihr Bund hat die Aufgabe. dabin zu wirke«, daß alle Ihre Glaubensgenossen als gleichberechtigte Bürger, ungestört von völkischen Hetzern, im Lande Ihrer Väter und Kinder leben können. Diese Erklärung aebe ich im Namen der Regierung ab, die ich vertrete! Ich bin ein ausgesprochener Parteimann, bin ab»r als Vertreter der Regierung frei von jedem politischen Fanatismus und zur politischen Obiektivität entschlossen. Diese Entschlossenheit habe ich auch dadurch bestätigt, daß ich Ihrer Einladung von Herzen gern gefolgt bin. Ich wünsche, daß der Gedanke der Gleichberechtigung sich so sehr und so intensiv den Mafien des Volkes mitteilt, daß Ihr Bund nicht mehr nötig sein möge. Solange dies aber nicht der Fall ist. müssen Sie auch weiterhin unermüdlich als Reichsbund jüdischer Frontsoldaten auf dem Posten sein. U \ Aus der Bewegung r v-i-» Berlin. (Jüdifch-liberal-r Juaendverein „I l i".) Sämtliche — mm sechs — Berliner Gruppen haben ihre Arbeit wieder begonnen . Folgende Berichte sind von den Grnvvenmitgliedern selbst geschrieben: Gruppe Westen H (Führer: Hans Löwenberg. Charlottenburg 1. Savelstr. 13). „Wir beschäftigten uns am letzten Heimabend mit der jüdischen Geschichte und zwar mit der Blütezeit in Spanien. Nach einem Referat über Saadia unterhielte« wir uns über die Gegensätze von wissenschaftlicher Bibeldeutung, zu der Saadia den Grundstein gelegt hat und konservativer Bibelaufsafiung. Durch Saadia kamen wir zu dem Beariss her Lssenbarung. Es entmann sich eine längere Diskussion über die Frage, wie weit die Offenbarung oder, umfassender, die Religion mit der Ethik eines Volkes Zusammenhänge. Zwei Anschauungen standen sich gegenüber: die eine verneint die Möglichkeit, ohne die Religion zur Ethik zu gelangen und führte im Gegensatz zu den Juden die Sklavenbehandlung der Griechen und Römer an. Die »weite bejaht sie und «eint, der Wea würde nur ein längerer sein. Da Uoberzeuaung gegen Ueberzeugung stand. Konnte keine volle Einiauna herbeigeführt werden." — Die Gruppe Weste« H tft tnsfete jüngst gegründete Gruvpe. Gruppe Osten (Führerin: Betty Markus. Berlin N.58, Schönhauser Allee 152) besteht schon länger und batte den dringenden Wunsch, sich einmal über „Liberalismus" klar zu werde«. Es folgt hier der Bericht einer Teilnebmeri«: „Unser Thema war: Wamm bin ich liberal? Zuerst haben wir einmal alle zu dieser Frage unsere Meinungen gesagt. Was dabei herauskam .läßt sich etwa so zusammenfasse«: 1. Wir wollen uns nicht fest an den Buchstaben halte», sonder» wir wollen, daß alles Leben und Sinn bat. 2. Wir sind liberal, weil es nicht möglich ist, alle die strengen Gesetze zu erfüllen. 3. Wir wollen auch die Religion mit der modernen Entwicklung aller Dinge vereinigen könne». Hinterher haben wir im Zusammenhang darüber gesprochen. Was unter 1 und 8 von den Verschiedenen gesagt wurde, drückte wirklich die Hauptmotive des Liberalismus aus. Den unter 2 gebrachten Grund haben wir als Beauemlichkeitsgrund abgelehnt. Wir sind dann noch auf viele Fraaen gekommen. Warum kam eS zu einer solchen Orthodorre? — Die Führer der Juden sahen sich vor die große Aufgabe gestellt. bas Volk zu erziehen und das geht bei einer große« Masse nur durch strenge Gesetze. Darum machten sie den sogenannten .„Zaun um die Tbora". Daraus er rav sich für nnß die Frage: Was wird aus dem Judentum werben, wenn wir uns immer mehr vom festen Gesetz loSlöken? Wir fände», daß das ein schwieriger Punkt ist. aber trotzdem können wir unser freies Denken nicht aufgcben Wir kamen noch auf viele andere Fragen, z. B. ob Liberalismus und Zionismus etwas Unvereinbares seien. Darüber wollen wir aber daß nächste Mal sprechen. — WaS mir am Heimabend so aut gefallen hat. ist. daß man sich erstens über einen Begriff wie Liberalismus klar wird und zweitens, daß man überhaupt auf Fragen und Probleme stößt." Frankfurt a M. sJübisch-liberale Jugendg e m e i n s ch a f t.) Der Ausspracheabend vom 10. September über das Thema .jüdische oder allgemeine Sckule" hotte eine lebhafte Beteiligung. Nack den Referaten der Herren Erwin Baer und Ernst Löwenthal ergab die Diskussion eine eingehende Behandlung aller Probleme, welche Sie Stellungnahme der liberalen Jugend in dieser aktuellen F.rage beeinflussen. Ein ausführlicher Bericht über die Aussprache. die eine Reihe von Gesichtspunkten zutage förderte, n>e!che in der ^Jüdisch-liberalen Zeitung" noch nicht zu Wort kamen folgt in einer der nächsten Nummern. Magdeburg. (Jüdisch-liberaler J«ae«dverein „S e i m a t") Unsere ordentliche Generalversammlung iwrb am Sonntag, den 6. September statt. Nach kurzem Bericht das. Vorsitzenden Edgar Friedmann über die Tätigkeit wätzreiw des verslofiencn halben Jahres, schritt man nach einige» Satzungsänderungen und Anträgen zur Besprechuna der Winterarbeit. Hsierauf folgten die statutengemäßen VorstandSwable«. die wiederum unseren Edgar Friedmann als ersten Vorsitzende» anfstellten. Ebenfalls wiedergewählt wurde Ernst Steiner zum zweiten Vorsitzenden. Doli Rosenbera zum Schriftsübrer und E^gon Michel zum Kassierer. Die Wahl fand unter Leitungder Herren Dr. Wilde und Sanitätsrat Dr. Frankenstein sta.^'. Anwesend waren 44 Mitglieder. Die Versammlung schloß um 1 Uhr. Ansammlungskalend er Berlin. Liberale Synagoge Norden. Schönhauser Allee 1Ü>2. (Auerbach'sches Waisenhaus.) Gottesdienst an den Feiertagen: Rauschhaschono: Freitag, den 18. Sevtemh'er. abends 6.15 Uhr. Sonnabend, de» 19 September, vormittags 10 Uhr Sonnabend, den 19' September, abends 8.15 Uhr. Sonntag, den 20. September. vormittags 10 Ubr. Predigt an allen Gottesdienste» Rabbiner Dr. Salatnoniki. Jom Kippur. Sonntag, den 27. September, abend» 6 Uhr Predigt DiN Plaut. Montag, den 28. September, vormittags ly Uhr. Predigt und Seelenfeier Herr Rabbiner Dr. Salomonski., Schlußpredigt 4 Uhr. Anmeldungen für öiY Seelenfeier am Jom Kivvux sowie Bestellungen ans Aliiaus bei Herrn Dir. Plaut, Schönhauser Allee 162. Berlin. lJüüisch-lübenaler Jmgendverein „Jli") Gruppe Westen: Freitag, den 25. September. %8 Uhr. Freitagabendfeier Hei Ruth Littman«. Wichmanvstraße 17. Gruppe Südwesten: Do^erstaa. den 24. Sevtemvec. 148 Uhr. Heimabend bei H'mns Rosenberger. „MoseS Mendelssohns P h a e d ü n." Gruppe Süden: Mittwoch, 30. September. V28 Uhr, Heimabend bei Gerhard DcutFhland. Lützowuser 1. »Die Inden in Deutschland bi,s zur Emanzipation. Gruppe Osten: Montag, den 31. September, Heimabend ,.Bersöhnungstag". Mittwvch. den 30. September, Heimabend „I e s a i a". Heimaben d jedes Mal Schönhauser Allee 152 zwei Treppen, abends 8^2 Uhr. Geschäftliche Mittelungen. geht ist ti Zelt — da die Tage Tüülec wekdtzn — fick über die neuen Herbst» und Winlennoden zu orientieren. Eing UvillsomNt'Ne und nützlrÄe Handhabe hierzu bietet der soeben erschienene, 5«, Seiten starke, reich iü>i» striertc Herbst- und Dinte-rkatalog der als rncitza«Pyrd auf dem tNeuiete der Mode bekannten Firma <k. A. Hrrpich Söhne, Brr«« W.66, Leipztgek Straße 9/11. Kalendarium für die Zeit vom 19.9.KS26.9.1925. September 1925 Tischrt Sonnabend 19. Sonntag 20. Montag 21. Dienstag 22. Mittwoch 23. Donnerstag 24. Freitag 25. Sonnabend 26. 1. 1. Tag Roi'ch hafchana 2. 2. Tag Rösch haschana Festausgang: <T*58 8. Fasttag Gedaljah 4U51 4. 5. 6. 7. 8. Wochen-Abschnitt: Haafvnu (5. B. M. Kapitel 32) Haftaralj: Hosea 14. Joel 2 Sabbat-Ausgang: 6,40

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