Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 38 (18.9.1925)
- Date
- 1925-09-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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In dem Symbol Lcs Neujahrstages, dem Nieöcrknien vor Gott, kommt zum Ausdruck die Ehrfurcht vor Gott. Das heißt nun nickt einfach, daß man sich beuge vor der Allmacht, vor der Gewalt des Unabänderlichen, das ist schließlich etwas ZwangsmäßigeS, dem man nicht entrinnen kann, dem man sich nicht zu entziehen vermag,' sondern das heißt, daß in uns Ahnung aufkeime von dem Geheimnis, daS über alles Leben ausgebreitet ist und Welt und Leben umgibt, daß wir in Würde und Freiheit darauf verzichten, alles Sein mit der Fackel des Verstandes zu durchleuchten, daß wir frei und tapfer bekennen, daß nicht alles Geschehen erklärbar ist, daß es etwaüber uns gibt, das anders ist und weitreichender als wir, daß der Mensch nicht alles kann. Gott anerkennen, das heißt anerkennen, baß nicht unser Trieb, unfi" Nutzen der Herr der Welt, Gebieter unseres Tuns ist. sondern daß eine große, feste, über allen Einzelzwea und Lin-elvorteil hinausreichende sittliche Forderung vorhanden ist, und daß diese Forderung, kraft deren Menschen sich opfern, sich beschränken, sich gebunden fühlen, rin Heiliges ist, davor man in Ehrfurcht knien soll und das nicht verlacht werden darf. In der jüdischen Religiosität steht nie Gott allein, sondern Gott und Mensch sind gleichsam eine untrennbare Einheit, sich vor Gott beugen, vor thm Ehrfurcht haben, heißt zugleich auch vor dem Menschen Ehrfurcht haben, vor dem Gottesgeist sich beugen, der in dem Menschen lebendig ist. Die Würde, die ich in mir trage und fühle, und die mich veranlaßt, mich zu meinen Gedanken zu bekennen und für sie einzutreten, mutz mich anleiten, mich vor anderem Denken als gleichen Rechtes zu beugen. Damit ist zunächst das Selbstverständliche gesagt, daß man in jedem Ausdruck der Religiosität das Streben des Menschen nach dem Göttlichen verehren mutz, daß man Lei jedem annehmen muß, daß ihm seine Stellungnahme zu den Dingen der Welt, zum Vaterland, zu all den tausenderlei Kulturfragen Ausdruck seiner wohlerworbenen Ueberzeugung ist. Das ist selbstverständlich, sollte eS wenigstens sein) in Wahrheit ist es es durchaus nicht, das ganze politische und gesellschaftliche Leben ist ein einziger Widerspruch g'gen die Voraussetzung dieser Selbstverständlichkeit, nimmt doch im Gegenteil jeder beim Andersdenkenden an, daß er aus purer Boshaftigkeit unbewußter Schlechtigkeit handelt. Und innerhalb unseres jüdischen Gemeinschaftslebens ist auch von dieser Selbstverständlichkeit nichts zu merken, feiert diese aus Mißtrauen geborene Art, dem andern böseste Absicht zu unterstellen, ihre Orgien, sind wir noch weit entfernt von der Ehrfurcht, die in dem Wollen deS andern fein Streben nach Verwirklichung deS Göttlichen im Leben anerkennt. Ueber dieses Selbstverständliche hinaus aber ist es Zeichen der Ehrfurcht vor dem Menschen, daß man in den Ausdrucks-- und Lebensformen früherer Zeiten nicht einfach ein UeberlebteS und Abgelebtes erblickt, sondern daß man auch die Weisheit und tiefe Einsicht nicht mißachtet, die auS ihnen widerstrahlt, die Einsicht in die Zusammenhänge, die zwischen den Verrichtungen im Ablauf des täglichen Lebens und der Reinhaltung oder Befleckung der Seele bestehen. Ausdrucksformen des religiösen und de- Gemeinschaftslebens sind nie etwas Willkürliches, etwas nur Zeitgeborener, sie sind immer Sinnbild eines Strebens nach dem Göttlichen und als solche mit Ehrfurcht zu betrachten. Nicht, daß einfach nun der Mensch in seinem Denken und Wollen, seinen Einrichtungen und Ordnungen zum Gott erhoben werde,' es ist die Ehrfurcht vor Gott, die die Ehrfurcht vor dem Menschen in sich.einschließt, hier ist der Grund ihrer Fülle, hier ist auch ihre Grenze. Wo seine Einrichtungen und Ordnungen nicht Gott zum Zielpunkt haben, wo sie nicht der an Gott oriermerten sittlichen Forderung enttzwingen, wo sie von Gott hinweaftthren, statt zu ihm yinzuführen, wo sie nicht die an der Einheit Gottes sich erzeugende Einheit der Menschheit zum Ziele haben, wo sie den Haß gestalten und nicht die Liebe, die Trennung verewigen statt der Verbindung, gibt eS keine Ehrfurcht, sondern nur Kampf dagegen aus Ehrfurcht vor Gott und seinem Willen. Ehrfurcht vor dem Menschen, weil er das Ebenbild Gottes ist,' in einem noch viel umfassenderen Sinne muß das heute verstanden werden, weil eS nicht vorhanden ist. Wir leben heute in der Unterwerfung vor dem Unpersönlichem das ist geradezu das Zeichen und die Krankheit der Zeit. Man kann es beobachten im Aeußerlichen wie im Innerlichen. Ein Beispiel ihres Vorhandenseins im Aeußerlichen: Unsere Straßen sollten dem Verkehr der Menschen dienen, dazu sind sie gebaut, statt dessen lebt man auf ihnen und benutzt man sie, als sei „der Verkehr" an sich ein Selbstzweck, und der Mensch mit seinem Bedürfnis, seinem Leib, seinen Nerven, seiner Seele tritt vollkommen zurück, man geht über ihn hinweg. Zu dem Aeußerlichen gesellt sich Wichtigeres, Innerliches. Aller Wirtschaft Ziel sollte sein die Erzeugung von Gütern, um des Menschen Leben leichter zu machen und ihm zugleich Raum für seine Seele zu schaffen,' statt dessen wird der Mensch glatt ausgeschaltet, und „die Wirtschaft" wird zum Herrn, die Wirtschaft als die Zusammenfassung der in ihr zusammengeballten Interessen, als sei es letztes Ziel der Schöpfung und des gesamten Gemeinschaftslebens, dem in irgendeinem Konzern vereinigten Kapital die höchste Zinsrente zu erwirken. Der Mensch mit seinem Anspruch auf Leben und Freiheit wird zum Nichts, die Wirtschaft alles. Der Staat sollte sein die Bereinigung der Volksgenossen, umi durch die Bereinigung die Rechtssicherheit zu verbürgen und des einzelnen Kraft und Lebensgefühl zu steigern, statt dessen wird er in seiner Unpersönlichkeit zum Ziel und Zweck, seine Machtstellung zum Götzen, dem alles geopfert wird. Selbst in der Sphäre der Wohltätigkeit, in der doch unbestritten der Mensch einziger Zielpunkt sein dürfte, wirkt sich das aus, und das berechtigte Bedürfnis, in die Uebung der Wohltätigkeit Ordnung, System und Höchstleistung hineinzuttagen, wird vielfach so Übersteigert, daß der Betrieb, die Organisation alles wird und der einzelne Hilfsbedürftige dahinter verschwindet, als sei er um des Betriebes willen da und nicht alle Organisation um seinetwillen. Das Unpersönliche herrscht, der Mensch sinkt zum Objekt des Unpersönlichen herunter. Und wir machen das alle mit, ob Jude oder Christ, sogenannter Frommer oder Unfrommer, Orthodoxer oder Liberaler, wir vergessen in unserer Anteilnahme an den Lebensformen der Gegenwart, daß der Mensch aller Bereinigung und aller Kultur Zweck ist. Und doch dienen wir Gott nur. indem wir sein Ebenbild im Menschen achten und vor ihm Ehrfurcht bezeugen. Hier ist der Ehrfurcht vor Gott aus den Schäden unserer Zeit ein neuer Bezirk zu erobern. Und diejenige religiöse Gemeinschaft wird die Führung der modernen Menschheit gewinnen und behalten, die aus der religiösen Idee die Besiegung des Unpersönlichen, das uns heute gefangen hält, fordern und der Ehrfurcht vor dem Menschen ibren Bezirk abtrotzen wird. Aus der Ehrfurcht vor Gott Ehrfurcht vor dem Menschen gewinnen,' alle Zirkel, in die unser Gemeinschaftsleben sich teilt, müssen das gemeinsam auf ihr Panier schreiben, darin ihr Gerwinsaures und Jüdisches finden und versuchen, dem Judentum hier wieder einmal den Vorrang und die Führung zu erringen. Rette Deine Seele. Bon Rabbiner Dr. Bruno Jtaliener-Darmstaöt. Die Erzählungen von Abraham, die au den beiden Neujahrstagen zur Verlesung gelangen, empfangen die rechte Beleuchtung erst durch ein Wort, das sich wenige Kapitel vorher in dem Berichte findet, der von dem Untergang der beiden Städte Sodom und Gomorrha erzählt. Zwei Engel sind zu Lot gekommen, der in Sodom wohnt. Lot zögert, die dem Verderben geweihte Stadt zu verlassen,' da fassen die Engel Ihn und seine Familie bei der Hand, drängen ihn zum Tor hinaus mit den Worten: ..ttlmmolet al nafschecho”. „•Rette Dein Leben, Du sollst Dich nicht urvsehen und Du sollst nicht stehen bleiben." „ttimmolet al uattckecbo" wird gewöhnlich übersetzt „rette Dein Leben" — dem Sinn der Stelle gewiß entsprechend. Aber die hebräischen Worte haben noch eine tiefere Bedeutung. In ganz wörtlicher Uebertragung lauten sie: „rette Deine Seele". Mau kann diesen Satz „rette Deine Seele" nicht lesen, ohne zu empfinden, jetzt erst ist es der Geist der Bibel, der uns umweht, der Geist jenes ehrwürdigen Buches, das von dem ersten bis zum letzten Blatt im Grunde nur das eine Thema behandelt, und das ist der Kampf um die Rettung der Seele. Mit Lex Erzählung von Adam und Eva fängt die Bibel an. Auf der einen Seite steht Gott, auf der anderen Sette die Schlange. Beide kämpfen um die Seele des Menschen. Die Schlange triumphiert; Ler Mensch sündigt. Die erzürnte Gottheit stößt ihn aus dem Frieden des Paradieses hinaus in Kamps und Leid. Aber nicht für immer hadert Gott. „Rette Deine Seele", Laist die Botschaft des Heiligen an den Menschen, Laist das Mittel, das ihn entsühnt, Las ist Ler Preis, Ler ihm winkt auf seiner Eröenwanderung. Der Ton, Ler auf dem ersten Blatt Ler Bibel angeschlagen wird, er kommt nicht mehr zum Verstummen. Mehe aus Deinem Lande, aus Deinem Geburtsorte, aus Deinem Vaterhause", so erschallt der Ruf Gottes an Abraham. Warum? Er soll seine Seele retten, er soll nicht versinken in der sittlichen Erniedrigung der Heidenwelt, die ihn umgibt. Er soll seine Seele retten, um andere zu retten, um, wie es in der Sprache der Bibel heißt, anderen „ein Segen zu werden". Jakob mutz sein Elternhaus verlassen: er soll seine Seele retten vor der übermächtigen Leidenschaft der Ichsucht, die ihn in Banden hält. Deshalb muß er das harte Brot der Fremde essen, deshalb muß er die Frohn einer zwanzigjährigen Dienstzeit auf sich nehmen, deshalb mutz er in dunkler Nacht ringen mit dem Gottes, boten, der sich ihm entgegenstellt, deshalb darf er nicht ablassen von ihm bis er „ihn gesegnet hat", d. y., bis die Jakobshülle mit all den dumpfen Trieben der Selbstsucht unL Habgier von ihm absällt, und die Seele Israels, die Seele deS Gottesstreiters, gerettet aus dem Kampfe emporsteigt. „Rette Deine Seele", das war der Gottesruf. der an die Nachkommen Jakobs immer wieder ergangen Kunde von Osten .... Kunde von Osten: Grausame Schächer Brennen und morden jüdische Leiber. Wann wird dir Ruhe, Wo wird dir Frieden, Ewig wa«bernöes, Rastlos suchendes. Nie zu erlösendes Juöenvolk? Kunde von Osten: Feinde -es Glaubens Höhnen die Gottheit, schänden die Tempel. Wann wird dir Freude, Wo wir- -ir Segen, Ewig wanderndes, Rastlos suchendes, Nie zu erlösendes Jndenvolk? Kunde der Zeiten: Leiist dein Stirnband, Doch Leine SenLung Kampf um die Wahrheit. Stark fei im Dulden, Stärker im Hoffen, Nie verzagendes, Rastlos ringendes, Einmal doch siegendes Judeuvolkl I. W e i n s a f t. Die Interims-Gottesdienste der Berliner Jüdischen Gemeinde?) Bon E. Ehrearetch. „Dieser Tempel wird vor eins von den allerschönsten Schulg-ebälldeu. so die Juden im ganzen römischen Reich haLen, gehalten unH soll an Schönheit derjenigen Schule, so die portugiesischen Juden in Amsterdam haben, nichts yachseben." I®. T. Küster. 511 {<1 mrd neues Berlin.) Seit jeher betrachteten die Juden neben der Unterweis ung der Jugend in religiöser Bezie-hnng und der Sorge *) Benutzte Quellen: 8 ndwig Geiger, Geschichte der Juden in Berlin. — Sulamith. Eine Zeitschrift zur Beförderung der Kultur und Humanität unter den Israeliten. — Akten und Verwaltung^berichte der Berliner Gemeinde. für die Taten überall da., wo sie sich rriederließen. eS als ihre hehrste Pflicht, sich eine geeignete Stätte ihrer GoLteSvervhrung zu schaffen. So erfahren wir auch, soweit die Kunde von Berliner Juden überhaupt zurückreicht, alsbald nach ihrer eigentlichen Niederlassung Näheres über ihre gottesdienstliche Betätigung, Dem fehlenden Zusammenschluß zu einer geordneten Gemeinde mag es anfänglich entsprochen haben, wenn ein gemeinsames Gotteshaus ursprünglich nicht bestand. Hatte doch auch die kurfürstliche Regierung den Bau eines solchen verboten. „Soll ihnen zwart nicht verstattet seyn. eine Synagoge zu halten, doch a-ber mflß'en sie in ihrer Häuser einem zusammen kommen, allda ihr Gebot und Cerornonreen verrichten." (Priw. v. 21. Mai 1671 § 6.) Nichtsdestoweniger waren nach kurzer Zeit gleich zwei Synagogen, die des Hofjuden Lievmann und die Rieß-Beit' sche vorhanden. Infolge einer Denunziation durch den als Richter oder Vorsteher der Juden dem Kurfürsten sich anbiedernden Benedictas (Benbir) Leny ans Schwedt erfolgt am 2. September 1684 Befehl zur Schließung der zweiten, der Rieß-Veit'schen Synagoge. Sie besteht trotzdem weiter und wird später staatlich anerkannt. Bald erstehen noch 2 Synagogen. Die 3. Synagoge zu errichten, wird dem S^utzsirden Wulff Salomon idlpril 1696) gestattet, „weil er des Scylcrs in der Span dänischen Straße ctbaebrantes Hauß zum zierrath der Stadt wiederumaufgebau-et." Die 4. Synagoge errichtet David Rieß tat Jahre 1607. Die Genehmigung hierzu verdankt er einem gut aufgenommenen Glückwunsch für den Churfürsten. Bei den auseinomder strebenden Interessen der Etaentümer der Srmaao.ireu und deren Besucher konnte es an bald kleineren Unstimmigkeiten, bald größeren Zerwürfnissen nicht fehlen, und so nahm der Wunsch zur Errichtung einer gemeinsamen Synagoge bei den Leitern und Mitgliedern der Gemeinde eine immer festere Gestalt an. Nach einem Prozeß, den die Liebmann-Partei gegen den übrigchr Teil der Gemeinde im Jahre 1711 führte, war man einmütig zum Bau entschlossen. 1712 13. Jjar 5472) wird der Gnrubfteiin gelegt, und ant Sabbat vor dem jüdischen Neujahr 1714 die (jetzige „Stile") Synagoge in Gegenwart der köniMchen Herrschaft und einer großen Menge Zuschauer feierlich eingeweiht. Das Bedürfnis. noch besondere Einrichtungen für die Abhaltung Gottesdienst an hohen Feiertagen zu treffen. war erklärlicherweise nicht vorhanden, dg die große Synagoge (wie fte lange Zeit bis zur Eröffnung der Supplc- Nkvnt-Sr»nagog>e vta Jahre 1850 allgemein genannt wurde) genügend Raum ft^t sämtliche Gsmeinde-Mitglieder bot. Die Rotwendigks^. ein Ersatzlokal für den Gottesdienst zu schaffen, stellte sich erst etwa ein Jahrhundert später heraus. Die freieren, bürgerlü^en Strömungen am Anfänge des 19. Jahrhunderts batten bJren Abglanz auch ans die religiöse Betätigung geworfen. Die Ue.be rrvindung des geistigen und sozialen Ghettos, die Erhöhung der Allgemeinbildung und Erweiterung des Gesichtskreises ließ die Unzufriedenheit unter den Juden mit dem bisherigen Gottesdienst besonders fühlbar werden. Eine Umbildung der inneren Organisation. tasbesoirdere eine Ausgestaltung deS Gottesdienstes nach einer, dom damaligen Empfinden Vieler zusagenderen Form schien uubedtagt geboten. ES machten sich Bestrebungen geltend, dem zu einer leeren Form gewordenen Gottesdienst wieder mehr äußere Weihe und Feierlichkeit zu geben. Ein größerer Teil der Gemeinde-Mitglieder strebte diese zeitgemäßere Gestaltung deS Gottesdienstes am. David Friedländer gab mit seiner, einige Monate nach dem Erscheinen deS Gesetzes vom 11. März 1812, das den Juden die Gleichberechttgung zuervannte. anonym herauSgegebenen. Schrift: „lieber die durch die neue Organisation der Judenschaften in den Preußischen Staaten nothwendia gewordene Umbildung ihres Gottesdienstes in den Synagogen pp." den ersten Anstoß. Wenn auch diese Schrift sehr viel Widersprnch erfuhr, so war man sich selbst auf der gegnerischen Seite darüber klar geworden, daß die WegschcLffung mancher Mißbrauche, die in- und außerhalb der Synagoge herrschten, höchst wünschenswert war. Den theoretischen Erörterungen folgte bald die Ausführung. Israel Jacobson, einer der Eifrigsten Ler Freigestalten. hatte auf eigene Kosten einen Privatgottesdienst eingerichtet. „Am letzten Israelitischen Wochen- und GesetzgebrmgSfeste (Schabuoth 1818) verrichtete der Herr Geheime Ftaanzvatb Jacobson in Berlin bei seinem Sohn Navbtalie den KoNtftrmatimrA, und Einseainrnas^l buchst keierl'^b in seiner Homssynagoge oder Kapelle daselbst."*) Dem Weihevollen Akt wohnten nach der weiteren Schilderung neben bekannten Persönlichkeiten, die namentlich anfgesübri werden, sehr viel Israeliten und Israelitinnen (&*«**<• jedoch abgest-dert) und mehrere Christen bei. „Seit diesem ^*** ist in dieser Haustana^"ge a^e 'Sr^r'fia ‘^ r- ■ verbunden nfti einer (bis jetzt immer von dem Herren Geheimen-FtaanKrabt Jacobson gehaltenen) Predigt und mit einem, von de§ Orgel begleiteten (deutschen!) Gesänge. Der Saal, in welchem der Gottesdienst gestalten wird, ta zweckmäßig und schön eingerichtet und auch am Tage sobald die öffentliche Andacht Statt hat, mit vielen brennewden Lichtern versehen. Da die Berliner Israelitische Gemeinde auS vielen Mitgliedern besteht: so ist die Zahl der Anwesenden jedesmal bedeutend/ Als sich nach kurzer .Zeit der Raum kür di« zahlreiche« Besucher des Gottesdienstes zu klein erwies, siedelte die Veranstaltung in einen, im Hause des Bankiers und Aelte« sten Jacob Hertz Beer. Spandauer Straße 72. von diesem etagericht eien Saal über, in dem sich die ZM der Anwesenden an manchem TcÄbath aus über 409 belief. Der anfänglich al-s eine Veranstaltung Privater eingerichtete Gottesdienst, öer durch Kabincttsordre vom 9. De- *) Sulamith. 4. Jghrg., 2. Bd.