Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 37 (11.9.1925)
- Date
- 1925-09-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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UNSERE RÄTSEL-ECKE Kreuzworträtsel. 9 19 SSag eie cht: 1. Heili.zc Schrift:?. von Mose besiegter 5conlg^3. von v)vnra eroberte Stadt: 1. hebräisches Wort tür „Lohn".- 5. jüdisches 6. die erste F-rau: «. Stammutter: 8. an Palästina grenzende Landschaft: ^obn dakovL: in. Gegner Davids: 11. orientalische Pflanze: 12. mit David verbündete Stadt. Senkrecht: 1. Stadt mit dem ersten Hochbau: 13. Erbauungstag: 11. einer der 12 Stämme: 1ä. die Hoffnung der Zionisten: 16. trotze: 1". Bewohner von Sodom: 18. Bitte zn Gott: 19. König von Znda: 20. jüdischer Psalmist. * Der Tag der Buße. Ein frommer Rabbi einst gebot Im Kreise seiner Lieben: I)lm lebten 2aa vor euerm Tod Sollt fromm ibr Busse ilöntI"' Die Schüler stritten mit Geschrei. WvDr keiner, welcher Tag das sei. Ausgefallen. DaL Wort bedingt die Nächstenliebe. Die selbst der Ethik höchst Gebot. Verliert es „sich" im Weltgctricbe. So lomint di: Nacht, die uns bedroht. Kammrätsel. Die Buchstaben AAAAAAABBEEEEEE hhhiijkklmmnnnopr^rrstuy iinji derartig in die leeren Felder zu verteilen, das? die senkrechten Reihen Wörter von folgender Bedentuna ergeben: 1. Sohn Noahs: 2. bibl. ^rauengestalt: 3. .Hauptstadt des Reiches^Israel: 4. Berg in Syrien: 7>. Räuchcrbarz. Wagerecht: Stadt in Palästina. * Auflösungen der Rätsel von voriger Nummer: 1. Leistenräts'.'!. 1. 2. 3. J M G lB E N A R E S R N L| lL I B A N 0 N C S B l± H A JL z E II 0 E N 2. Erganzungsrätfcl. t — Gebet — Bub — Gebe. 3. Bon altersher. Edom — Mode. gm««wtri *r, v uggaraMwa Die Daviddhr. (Schluß.) Die beiden jungen Menschen gingen die Scharrenstraße entlang, sie sprachen kein Wort. In einem Hause führte das Mädchen Sally in den ersten Stock, an einem Tür- Schilde stand: „August Schulz, Rentier." „Wundern Sie sich jetzt über nichts, Fräulein Lea,“ flüsterte der junge Mann. „Halten Sie das, was ich tue, für selbstverständlich.“ Sally klingelte. Ein Dienstmädchen öffnete. Der junge Mann begehrte den Hauswirt zu sprechen. Herr Schulz kam aus einer Zimmertür, er ließ die beiden jungen Leute eintreten. „Ich wollte die Miete für Zadoks bezahlen,“ begann Sally sogleich, „stellen Sie, bitte, die Quittung aus! Gleichzeitig wollen wir die Standuhr in Empfang nehmen.“ Der Hauswirt musterte den jungen Mann von oben bis unten. „Wieso, wer sind Sie denn überhaupt? Wie kommen Sie dazu, die Miete für das Fräulein zu bezahlen?“ „Das geht Sie ja gar nichts an," brauste Sally auf. „So? Ich will wissen, wer Sie sind?" „Mein Name ist Landsberger. Ich bin der Verlobte von Fräulein Lea Zadok.'' Der Wirt wurde nun doch verlegen, er bequemte sich endlich, die Quittung über vierzig Mark auszustellen. Sally bezahlte das Geld, und Lea nahm die Daviduhr wieder in Empfang. Als die beiden jungen Leute wieder auf der Treppe waren, stürzten Lea die Tränen aus den Augen. „0, Sie guter Mensch, womit habe ich das verdient! Ich weiß ja nicht, wie ich Ihnen danken soll." Der Jüngling erfaßte zitternd die Hand des Mädchens. „Verzeihen Sie, Fräulein Lea, daß ich mir erlaubte, die Lüge anzuwenden, ich sei Ihr Verlobter! Aber es schien mir im Augenblick das einzige Mittel, den brutalen Menschen einzuschüchtern." „Ich habe Sie verstanden, o ja, ich war auch ganz ruhig," schluchzte Lea. „Bitte — nehmen Sie nun die Uhr, sie gehört Ihnen!" „Fräulein Lea .... und Ihre Mutter? Soll sie sich wieder um die ihr so teure Uhr ängstigen?" „Sie haben wohl recht, die arme Mutter! Aber wie soll ich nur die Schuld abtragen? Denken Sic, es sind siebzig Mark und die Zinsen!" „Lassen Sie das meine Sorge sein, Fräulein Lea. Wenn ich Sie nur Wiedersehen darf, dann will ich zufrieden sein." „Ach, lieber Herr Landsberger, was wird Ihr Herr Vater dazu sagen?“ „Das ist alles meine Sorge. Wann sehen wir uns wieder — Lea?“ „Ich will heute abend um halb acht Uhr auf einen Sprung herunterkommen." „Das ist schön — Lea. Ich werde warten." „Leben Sie recht, recht wohl!" „Auf Wiedersehen, liebes, liebes Mädchen!" Sie vermochten die zitternden Hände kaum zu trennen. Es kam aber jemand die Treppe herauf, so rissen sich die beiden jungen Menschen gewaltsam voneinander. Sally war fest entschlossen, seinem Vater die Wahrheit zu gestehen. Als er im Ladengeschäft anlangte, empfing ihn der Alte mit wütendem Gesicht. „Du bringst ja die Uhr nicht. Wo ist das Geld, was das Mädchen zurückgebracht hat?" „Vater .... ich habe dem Mädchen die Uhr einstweilen ohne Geld gegeben. Die Leute sind sicher, ich überzeugte mich. Sie sind von unserem Stamme, das Leben der Frau hängt an der Uhr, wir tun ein gutes Werk." Der Alte schlug mit den Fäusten auf den Ladentisch. „Ist denn so etwas schon dagewesen! Verdammter Bengel, willst du uns ruinieren? Die Uhr her oder das Geld, sage ich dir. Hinaus, hinaus, und komm mir nicht eher wieder vor Augen, bis du die Uhr bringst. Ich verstoße, ich verfluche dich, wenn du mir so etwas antust!" Schweigend ging Sally hinaus. Er irrte wie im Taumel durch die Straßen, stand lange auf der Inselbrücke und starrte in die Spree. Was sollte er nur tun? Das Mädchen hatte sein Jünglingshcrz entflammt, für sie war er imstande, alles zu wagen. Zu Zadoks gehen, die Uhr holen? Lea würde sie ihm gehen. Einmal ging er durch die Scharrenstraße, er hoffte, das Mädchen zu sehen, jedoch vergebens. Er aß in einer Gastwirtschaft zu Mittag, dann bummelte er bis gegen Abend im Tiergarten umher. Endlich entschloß er sich, es nochmals bei seinem Vater zu versuchen. Als er den. Laden betrat, empfing ihn der Alte zu seiner größten Verwunderung mit einem Lächeln, er deutete nach dem Glasschrank — die Daviduhr war wieder da. Sally traute seinen. Augen kaum. „Wie kommt die Uhr hierher?" „Nu, wie soll se kommen? Ne Uhr kann wohl gehen, aber se kann nicht laufen. Das Mädchen hat sie wieder gebracht, weil sie neues Geld brauchte. Ein dringender Gläubiger ist bei ihr aufgetaucht. Nu, sie hat mir die Uhr verkauft. Sic tat es nicht gern, sie bangt um ihre Mutter, aber was geht das mich an. Einen Stein muß man im Herzen haben, nur dann ist man ’n guter Kaufmann. Morgen kommt der Kommerzienrat Zadok, da werden wir machen e gutes Geschäft." „Vater, das ist . . , .“ Sally konnte nicht weitersprechen. „Schweig!" sagte der Alte. „Bleib jetzt im Laden, ich muß hinauf, um zu sehen nach unserer Naemi. Der Arzt kommt gleich, er machte mittags ein sehr bedenkliches Gesicht. Gott, die Kleine, wenn sie doch nur wäre gesund!" Er ging die Wendeltreppe empor. Sally war im Laden allein. Er setzte sich in eine dunkle Ecke und weinte, denn er dachte an Lea. Um sieben Uhr schloß er den Laden, brachte seinem Vater die Schlüssel hinauf und sagte, daß er fortgehe, Der Alte saß am Bett der kleinen Naemi, er war wie geistesabwesend. Die alte Magd Debora ging ab und zu. Sally eilte indessen nach der Scharrenstraße, er ging einige Male auf und ab, da huschte Lea schon zur Haustür heraus und lief auf ihn zu. „Da bin ich!" Sie reichte dem jungen Manne die Hand, der sie ergriff und nicht wieder losließ. Die beiden jungen Leute gingen plaudernd über den Köllnischen Fischmarkt, begaben sich über die Fischerbrücke zur stillen Friedrichsgracht, wo sie am Spreegeländer stehen blieben und in die von der Abendsonne vergoldete Flut blickten. „Ich bin so tief unglücklich," sagte Lea, „und ich sehe cs Ihnen an, Herr Landsberger, Sic sind ebenfalls in Sorge. Ich habe Ihnen Kummer bereitet, brachte Sie in größte Verlegenheit." „Lassen Sie mich nur überlegen, liebes Fräulein Lea, wie wir es am besten machen. Meine Sorge ist zunächst die Daviduhr. Es ist schade, daß sie die Uhr meinem Vater verkauften. Es besteht nämlich die Gefahr, daß er sie morgen weiterverkauft. Und dann ist sie natürlich verloren.“ „Aber was sollte ich nur in meiner Angst machen? Ein dringender Gläubiger kam, der pfänden lassen wollte. Ich bat ja Ihren Vater, mir noch etwas zu leihen, er aber bestand darauf, die Uhr zu kaufen. Und da habe ich sie ihm gegeben." „Der einzige Ausweg wäre,“ meinte Sally plötzlich, „ich müßte einen Einbruch Vortäuschen und meinem Vater sagen, die Uhr sei gestohlen worden." „Nein, nein, Herr Landsberger, das dürfen Sie nicht« das wäre ja eine Sünde." „Lea .... für Sie will ich gern sündigen." Der junge Mann halte die Hand des Mädchens er* griffen, sie entzog sie ihm nicht, halb erschrocken und doch wieder zutraulich sah ihn das geängstigte Vögelchen an. Plötzlich ... sic wußten beide nicht, wie es geschah — da neigten sich ihre Gesichter zueinander, in einem Kuß, der nicht enden zu wollen schien, flammten die jungen Menschenseelen ineinander, und all ihre schweren Sorgen waren davongeflogen, Die Dunkelheit umfing sie bald, die Sterne schimmerten am Himmel und spiegelten sich in der Spree. Das Glockenspiel der nahen Parochialkirche weckte die Glücklichen aus ihrem Traume. „Ich muß ja nach Hause,“ sagte Lea, „meine Mutter wartet. Ach, sie wird sich wundern, wo ich hleihc." „Lea, du Liebes, wann sehen wir uns wieder?" „Ich komme morgen früh an Ihrem Laden vorüber." „Ihren . . .?" Das Mädchen schloß ihm mit einem neuen Kuß den Mund, „Gute Nacht, du lieber Sally!" „Schlafe wohl, du meine süße Lea!" Der Jüngling geleitete Lea noch bis zu ihrer Haustür, dann ging er glücklich und doch wieder sorgenvoll nach Hause. Die Nacht in der Wohnung Landsbergers war sehr unruhig. Der Arzt hatte dem Alten erklärt, daß er keine Hoffnung mehr hege, das Kind würde die Nacht nicht überleben. Nun fand Sally den Vater am Lager der Kleinen in lautem Jammer. Er hatte den Vater niemals so gesehen, Hier bemerkte der Sohn zum erstenmal, daß sein Vater doch ein Menschenherz in der Brust hatte, obwohl er es immer ableugnete. Der Alle begann sogar laut zu beten; „Lieber Gott, lieber Gott, erhalte mir dieses Kind am Leben! Ich liehe zu dir, lieber Gott, ich will jedes Opfer bringen, nur erhalte mir meine Naemi! Allmächtiger Gott, mach' mir dieses Kind wieder gesund!" Da . . . was war das? Die Kleine begann in ihren Fieberphantasien zu singen, sie lallte süße Töne vor sich hin . . . Und, o Wunder! Es war das Lied, das sie so oft von der Daviduhr gehört hatte. Der Alte stutzte, er sprang auf und starrte seinen Sohn an. „Horch, Sally, was sie singt! 0, es ist der Psalm, den die Uhr spielt, ich kenne den Wortlaut des Liedes, es spricht vom Erbarmen, vom Mitleid, von der Vergeltung Gottes. Ja, ja, ich fühle nun, ich habe keinen Stein in der Brust, nein, nein, ein fühlendes blutendes Menschenherz ... Es ist ein Zeichen Gottes, mein Sohn. 0, wenn es nicht Nacht wäre, ich würde sagen; Nimm die Daviduhr und trage sie zu dem Mädchen, ich habe einen Zwang auf sie ausgeübt. Ja, ich will ein Opfer bringen! Morgen früh trägst du die Daviduhr nach der Scharrenstraße, das Geld schenke ich den Leuten und noch hundert Mark dazu- Der reiche Zadok mag wieder gehen, wenn er morgen kommt und will die Uhr kaufen.“ Damit stürzte der Alte wieder an das Bett des kranken Kindes und jammerte und beteuerte und betete. Sally stand zitternd dabei, er betete ebenfalls, aber stumm in seinem Herzen. — Bei Zadoks in der Scharrenstraße fand der Schlaf in dieser Nacht auch keine Stätte. Lea saß ständig am Bett der Mutter, die immer wieder nach der Davidu.hr fragte. Das Mädchen suchte sie zu beruhigen. „Gedulde dich, Muttchen, ich hole die Uhr wieder. Schlaf nur jetzt schön!" „Ach, Kind, die Daviduhr ist noch das Einzige, was dein Vater aus seinem Elternhause mitgebracht. Du, weißt, seine Familie verstieß ihn ja, weil er sein Leben der Kunst, der Musik, widmete. 0, dein Vater war ein großer Komponist! Wenn er nur nicht so sehr mit der täglichen Not zu kämpfen gehabt hätte! Nie hätte es sein Stolz zugelassen, sich nochmals an seine reichen Verwandten zu wenden, nachdem ihn sein älterer Bruder Amschel mit einem Almosen tief gekränkt hatte. Dieser Amschel war es, der immer am meisten gegen deinen Vater gehetzt halte, so erreichte er es ja auch, daß er die ganze Erbschaft allein antrat." Die Frau weinte leise in die Kissen. Lea umarmte die Mutter zärtlich. „Werde nur bald gesund, Muttchen, ich sehe schon täglich im Intelligenzblatt die Stellenangebote durch. Sobald ich dich den Tag über allein lassen kann, werde ich irgendeine Stellung annehmen und Geld verdienen. Dann hat alle Not ein Ende!" „Du gutes Kind! Ja, ich will gesund werden, damit ich' dir wieder die häuslichen Arbeiten abnehmen kann. Vielleicht wird alles wieder gut. Dann schlägt auch wieder unsere Daviduhr und singt den Psalm von Gottes Vergeltung." Allmählich kam der Morgen. Lea war neben der Mutter eingeschlafen. Die Frau verhielt sich ganz still, um die Tochter nicht aufzuwecken. Es mochte wohl etwas nach sieben Uhr gewesen sein, als plötzlich draußen geklingelt wurde. Lea schreckte auf. „Wer kann das so früh sein? Ich werde gleich einmal nachsehen." ianos u. Hügel ca. 150 Instrumente dervcrschiedenst.altrenommiert. Marken stets vorrätig, auch Kunstspielpianos Bequeme TeiicaBilung gestattet Bans' " Lüo.. MotesMe78 i*®1 teilen ävltpiLUj Generalvertretung von ScbiedmayerA Söhne ernraWiBM 93