Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 37 (11.9.1925)
- Date
- 1925-09-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästina usw. bat das Committee jüdische Waisenhäuser und an diese angeschlosscne Handwer kerschulen und L e h r l i n g s b e i m e begründet, die Waisen aus den kleineren Dörfern in die betreffenden schulen geschickt und nach der Ausbildung bei privaten Meistern untergebracht oder den jungen Gesellen die Maschinen und Mittel ,vnr Gründung einer eigenen Eristenz, einer eigenen Werkstätte, gegeben. Die letzt veranstaltete Ausstellung soll zeigen, was die jungen indischen Lehrlinge rnrd Handwerker aus allen diesen Ländern leisten. In verschiedenen Räumen sind die Musterarbeiten, nach Herkunftsländern geordnet, übersichtlich ausgestellt. Ans kleinen an- -gehefteten Täfelchen ist bei jedem Gegenstand vermerkt, woher er stammt, wer ihn verfertigt hat und wie lange die bisherige Lehrzeit seines Schöpfers gedauert hat. Da sind wundervolle Teppiche, von den einfachsten Bauernmustern .'bis zu den prächtigsten persischen Killim. zu sehen, welche die .Zöglinge der Handwerkerschulc des jüdischen Waisenhauses nn Sighctul Marmatiei iRumänienj verfertigt haben: ferner prächtige Handstickereien und Spitzen der jüdischen Mädchen — Insassen einer Handfertigkeitsschule — ans Lemberg. Schuhe und Mützen aus Ostrog. «ms Wilna, Anzüge. Kleidungsstücke und Fertigsabrikate der Wiener Jüdischen Z u s ch n e id e sch ul e. Decken. Kunststickereien. Spitzen aus Mucacewo. Bilderhandstickerei aus Krakau uiw. Man bewundert die mit viel Liebe und Kunstsinn gestickten, goldenen nmd silbernen Atlas-Mazzothtücher. seidene Talesse. Twillimbeutel. Thoramäntel mit hebräischen Aufschriften. Unt die kräftigeren iüdischen Kinder auch körperlich schwererer Arbeit zuznfüliren, sind z. B. in Prefsow lOstslovakcij und in Wilna auch jüdische K u n st s ch l v s s e r e i e n und in Mnnkacz K u n st s ch m i e d e a t c l i e r s eingerichtet worden. In^Clnj lRumänieu) eine W a g c n f a ö r i k. in Iasina eine Sattlerei. Die Zöglinge stellen Schmiedearbeiten, künstlerisch cmsgesiibrte Gitter. Kovterpressen, eiserne Blumentische, verzierte Geschirre uiw. aus. Außergewöhnlich schönes, stählernes Handwerkszeug zeigen die iüdischen Schmiedewerkstättcn in Brzesk uuö Pinik in Polen. Die jüdischen Gravicrschulen in Czernowitz. die jüdischen Bronzefabrikationsanstalten in Iaßlo und Pinsk. die Korbflechtereien in Ternowo, die Krmsttischlerci in Brest, das jüdische Lehrinstitut für elektrische Montagen in Ungarn. — alle wetteifern, ihre Erzeugnisse, die zum Teil hohen, kunstgewerblichen Wert haben, vorznweisen! Es und zum Teil ganz wundervolle Stücke dabei! Ein mit prachtvoller Intarsienarbeit ausgelegter Spiegeltisch aus Breit würde das Zimmer jedes Schlosses zieren: zwei siebzehnjährige, indische Gesellen aus Brest haben ihn in zehntägiger Arbeit verfertigt! Ein jüdischer Lehrling. Moses Nosenöaum. erst 17 Monate in der Juwelierschule in .Krakau, hat u. a herrliche. mit Edelsteinen besetzte, aus Silber-filigran gesponnene Mesuses verfertigt. Es würde zu weit führen, von allen Schulen. Handwerken. Landern, die ausgestellt haben, zu berichten. Ein freudiger, frischer Zug. eine lebe ns bei atzen de Lust zu produktiver Arbeit steckt in allen den ausgestellten Arbeiten! — In einem Zimmer hängen die statistischen 'Tafeln und Tabellen des Committee und die Photographien der von ihm gegründeten Heime und Institute, ferner die Bilder der Sommerkolonien. in die man kränkliche Kinder schickte. In den Jahren 1022 bis 192a fanden etwa 15 000 Kinder aus diese Weise Erholuna und Kräftigung. Im ganzen haben an 10000 jüdische Waisenkinder die wohltätigen Einrichtungen des Committee benutzen dürfen. Herr Dr. Bernhard Kahn, der Generaldirektor für Deutschland, führte in liebenswürdiger Weife die zahlreich erschienenen Gäste durch die Ausstellung. Unter den Besuchern bemerkte man viele bekannte und hervorragende Persönlichkeiten, wie z. B. Iran Dr. Mahner. die Bori'teherin der iüdischen Wälscniürwrge in der Ostslowakei, ferner den amerikanischen, den tschechischen und den österreichischen Gesandten, die Bürgermeister von Berlin und Charlottenburg. verschiedene Vertreter des Auswärtigen Amte», Ministerpräsident a. D. Dr. Hirsch. Mister Me. Master von der OUläkerabteilung. verschiedene Reichstagsabgcordnete. Bertretcr der Berliner jüdischen Gemeinde, Tr. Paul Nathan. Dr. Hildesheimer. Legationsrat Sobernheim, Engen Cafparp. den ungarischen Schriftsteller Lhatzko usw. usw. Man hatte nach Besuch der Ausstellung das erhebende Gefühl, daß heute immer noch wirklich wertvolle und nützliche Arbeit im Dienste menschlicher Kultur und Gesittung geleistet wird. Der großzügigen und bewunderungswürdigen Arbeit des amerikanischen Judentums ocbührt warmer, von Herzen kommender Tank! L. G. Die Rheinlandfeier des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten. Der Reichsüund indischer Frontsoldaten veranstaltete seine diesjährige Hauptversammlung vom 5.-7. September 1925 in Worms und Köln, um im Jahre der Jahrtausend- Feier auch seinerseits die Verbundenheit der jüdischen Gemeinschaft mit dem deutschen Volke feierlich zu bekunden. Am Sonnabend, den 5. September, an dem bereits mehrere Hunderte von Delegierten aus allen Teilen des deutschen Reiches in Worms eingetroffen waren, wurde die Tagung mit einem feierlichen und ergreifenden Fest-Gottesdienst in der alt-ehrwürdigen Synagoge in Worms eröffnet, die. im Jahre 1036 erbaut, ein steinernes Monument für die Berechtigung der jüdischen Gemeinschaft darstcllt, mit dem deutschen Volke die Tausend-Iahrseier des deutschen Rheinlandes zu begehen. Das Gotteshaus. das von dem gleichen Baumeister erbaut ist. wie der Dom von Worms, konnte kaum die vielen Hunderte von Festteilnehmer fassen. In von der Weihe des Augenblicks öurchzitterten Worten begrüßte der Rabbiner der Gemeinde, Dr. Holzer, die Delegierten des Reichsbnndes jüdischer Frontsoldaten. Er gab einen kurzen Ueberblick über die leidensreiche Geschichte der Juden am Rhein und pries die Tätigkeit des Bundes in Ihrer fegensspenden und seelenaufrichtcnden Art. Das gemeinsam gesprochene Kaddisch-Gebet, die Tvtenklage für die 12000 jüdischen Gefallenen, beschloß den erhebenden Gottesdienst. Am frühen Nachmittag fand esne Besichtigung der historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt Worms und des altberühmten jüdischen Friedhofs mit seinen zahlreichen Gräbern aus dem Mittelalter: das älteste Grabmal stammt aus dem Jahre 1049. Den Höhepunkt der Tagung bedeutete die seierlichc Kundgebung, die die Ortsgruppe Worms des Bundes im reichgeichmückien Festhan'e neranstaiteie. Der Staatspräsident von Hessen. Ullrich, der Kreisdirektor Wolfs, der Oberbürgermeister Rahn mit den Bürgermeistern und Stadtverordneten, die Geistlichkeiten aller Konfessionen, der gesamte Vorstand der jüdischen Gemeinde. Vertreter der Kriegervereine und zahlreiche andere Korporationen waren um 5'T Uhr im Festhaus versammelt. Im Fürstenz immer wurde der Herr Staatspräsident vom Hauptvorstand des Reichsbundes'der jüdischen Frontsoldaten begrüßt. Ein Orgelvorspiek leitete die Feier ein. worauf der Aorsiycnde der Orsgrnppc Worms, Dr. Fried, die Erschienenen begrüßte. Ihm folgte als Redner Herr Oberbürgermeister Rahn, Worms, der im Namen der Stadtverwaltung den Reichsbund in den Mauern der ehrwürdigen Stadt Worms willkommen hieß, sich für einen Frieden aller Konfessionen aussprach und in nicht mißzuverstehendcr scharfer^ Weise die üblen Bestrebungen völkischer Kreise ans der Stadt Worms verwies. Lang anhaltender lauter Beifall der Tausende Bersammelten lohnte seinen Ausführungen. Im Namen des Vorstandes der jüdischen Gemeinde begrüßte Sanitätsrat Dr. Rickelsbnrg den Reichsbund und gab einen historischen lieberblick über die ereignisreiche Geschichte der Wormser Iudcnheit. Ihm folgte, von der Versammlung stürmisch begrüßt, der Vorsitzende des Rcrchsbnndes jüdischer Frontsoldaten. Dr. Leo Löwenstein. Berlin, der nn Namen seiner Kameraden für alle die herzlichen Begrüßungsworte und für die außerordentlich liebenswürdige Ausnahme dankte, mit der die Ortsgruppe Worms ihre Bundessrennde empfangen halte. Cr gedachte — während die Versammelten sich von ihren Sitzen erhoben — d"r 1- 000 gefallenen Kameraden, die als immerwährende Ehrenmitglieder des Bundes geführt werdet'. Die Uraufführung der Arie jür Cello und Klavier von Franz Levy. Worms, leitete hinüber zu dem eigentlichen Festvornag. den Pros. Dr. Golüstciu. Darmstadt.'Mitglied des R.eichsbuvLes jüdischer Frontsoldaten, hielt. Der Redner gab einen historisch-politlscheu und rassenbiolvqischen Ueberblick über den Begriff deutsches Judentum und setzte sich in überzeugender Weise mit den Rassebcsessenen auseinander. die in dem Juden, der seit säst 2000 Jahren auf deutschem Boden wohnt und an deutscher Kulturirnd Geistesarbeit mitarbeitet, öeu Fremden sehen wollen. Die Festversammlung ging unter Orgelklang in dem stolzen Bewußtsein auseinander, eine .Feierstunde deutschen Gefühles, deutschen Bekenntnisses und deutschen Empfindens am deutschen Rhein erlebt zu haben. Endlich ein deutsches Heine-Denkmal? Wie «ins Bonn berichtet wird, machen stch Bestrebungen geltend, dem rheinischen Dichter Heinrich Herne zur Iahrtausenüfcicr ein Denkmal gegenüber dem Siebeugebirge zu errichten. Man interessiert sich bereits in ganz Deutschland für diese Idee. Auch in Hamburg und Düsseldorf scheint die Tcnkwalsidee für Heinrich Heine eine Wiederbelebung erfahren zu, hoben. Dichter wie Thomas Mann. Fritz v. Ilnruh. Herbert Eulenberg. Stefan Zweig. Hermann Hesse. Carl Sternheim und andere haben sich zur Mitarbeit bereit erklärt. Das Komitee beabsichtigt, demnächst mit einem Aufruf an die deutsche Oessent lichten zu treten. Meine Berichterstattung zum ZionisLerckongreh. Germania und C.B.-Zeituua contra Jüdisch-liberale Zeitung. Meine Berichterstattung über der: 11. Zir-nistenkongreß in Wien trug der Ziveifrontenstclluua des modernen Antisemitismus Rechnung. Die Energie, mit der ich die christlichfozialcn und dcutschuöltischcn Angriffe ans den Zionistcnkongreß zuriickwies, hat ihren Grund hauptsächlich in der Erkenntnis, daß es den Antisemiten nicht um die Bekämpfung einer jüdischen Partei geht, sondern um die Unterdrückung jeg- 1 i ch e r Lebensrcguug des Judentums. Wer an der Richtigkeit dieser Erkenntnis zweifelt, dem halte ich die von mir in einem früheren Berichte bereits gemeldete Tatsache vor Augen, daß die christlich-soziale Partei, nachdem ihr Wiener Hauptorgan die Hetze gegen den Kongreß bis zur Siedehitze gesteigert hatte, plötzlich, und zwar in jenem Zeitpunkt, da die Partei einen ihrer Minister zur Begrüßung der von der illegiernng eingeladcnen Zionisten nominieren mußte, eine on'izielte Resolution, derzufolge sich ocr Antisemitismns der Partei nichr gegen die südiiw-nationale Bewegung, sondern gegen die „Ueberheblichlcit" der n i ch t zionistischen Juden richte . ... Ich habe wich bemüht, die früheren Gründe dieses Doppelspiels der Klerikalen auszuzeigeu. Merkwürdigerweise, hat wir gerade dieses Bestreben den Borwnrf der „Otze r f lach l i clj t c i t" zug exogen und zwar von seiten eines Herrn Leonards in der Berliner „Germania". Run gebe ich ohne weiteres zir, daß ein Zeitungs.artikel niemals die Gründlichkeit eines wissenschaftlichen Werkes ausweisen kann, auch begreife ich das Bedauern eines Zentrumsorgans über die Zulassung eines Berichterstatters, der den Mut ausbringt, der allgemeinen Erkenntnis von der römischen Quelle aller gegen das Judentum gerichteten Strömungen offen Ansdruck zu geben, was übrigens u. a. auch die „B o s s i s ch e Zeitung" in einem Leitartikel getan hat. aber ich vermisse in der Ewideruna des Herrn Leonards auch nur das bescheidenste Argument, das geeignet wäre, mich eines besseren zu belehren, llnd das ist um so betrüblicher, als Herr Leonards es an liebenswürdigen Bemühungen. mich zu belehren, nichr fehlen läßt. So erzählt er mir, daß die katholische Kirche nicht die Bibel erfunden bat. was ia gewiß oft genug vergessen wird, aber meistens nicht von Inden. Mir selbst ist die Tatsache aus dcu „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" des Antisemiten H. St. Chamberlain bekannt, der sogar den indischen Eharakter des Renen Testaments feststellt: „Christus ist ein Jude und seine Erscheinung kann nur verstanden werden, wenn mir die speziell iüdischen Anschauungen, die er vorfand und sich zu eigen machte, kritisch begreifen gelernt haben . . /' Auch in meiner Aufklärung, daß die Auffassung vom Stillstand der Erde im Buche „Ioiira" zu tindcir ist. ist Herrn Leonards schon ein Anderer znvorgekommcn: mein Rcligionslchrcr. Wenn mich aber Herr Leonards durch diesen Hinweis darauf aufmerksam machen wollte, daß die „heilige" Inguisition nicht bloß ureigenste Glaubenssätze der Katholiken, sondern auch solche der Inden zum Anlaß ihres grauenvollen Waltens nahm, so lieferte er eine recht sonderbare Illustration seiner Behauptung, daß das Judentum von der katholischen Kirche die — rech te Erklärung des Bibelwortcs lernen konnte. Eines der berühmtesten Opfer der „heiligen" Inquisition wurde ja der Mann, der in bezug ans die Erde das Trutzwort sprach: ..Und sie bewegt sich doch!" Bei der Bekanntheit dieses von mir letzthin zitierten Ausspruchs und seines Autors glaubte ich mir die Nennung seines Namens ersparen zu können, zumal die ganze cKestbichte mit meinem eigentlichen Thema ni'r in losem Zusammenhang stand und bloß dem Nachweis diente, daß die Kirche auch in bezug ans Dogmen mit der Zeit einer milderen Auffassung nähen zu bringen sei. Wer beschreibt daher mein Erstaunen, als ich las. daß Herr Leonards mir aus der Verschweigung des Namens Galileis einen Strick drehen will, diesen Mann samt seinem Lehren Kovernikus für die katholische Kirche in Anspruch nimmt und meiner Hoffnung aus den siegreichen „Geist des Fortschritts, der Kultur und der Sittlichkeit" den Eimvand entgegenhütt. daß die Lehre Galileis durchdrang, „als cs gelang, stzotteswort mit Erdwissenschaft auszusöhnen". Ist denn diese Aussöhnung nicht ein Verdienst des modernen liberalen Geistes, sondern etwa der Kirche, die heute noch den Lehrern ihrer Glaubenssätze den Antimoöernisteneid abnimmt, um eine Aussöhnung von Gotteswort und Erdenwisserischast zu erschweren? Wenn Herr Leonards Galilä'i für die kaihvln'che Kirche beschlagnahnit. daun durfte wohl auch ich Spanien und Frankreich als katholische Mächte bezeichnen, zumal es in dem Zusammenhang. in dem ich es lat, nürklvch nicht aus die größere oder geringere Intensität ihres Katholizismus ankam. Ich habe diese beiden Mächte als di? erste:: Opfer -er grostarabiichcn Bewegung bezeichnet, aber nicht mit einem Wort gesagt, was mir Herr Leonards zn.schreibr: baß ste tm Dienste des Vatikans arbeiten. Trotzdem hält Herr Leonards meine Belehrung über die wechselnden Phasen, ihrer politischen Einstellung zur Kirche für notwendig, wobei er mir nur antiklerikale Episoden ai's der Geschichte Frankreichs aufzählt. Und doch märe es in größerem Zusammenhang mit meinem Bcrichtsthcma. dem Zionisteukongretz. auf eine klerikale Epoche Frankreichs lnnzitweisen: die Zeit des T r c » f n ßp r vü c js c s . jenes Erlebnisses, das Dll c o - d o r H c r z [ zum Begründer des modernen Z i o n j s u s gemacht hat. Solange diese Bewegung klein war, fni* drr klerikale An-- t'iemitismus die Inden ironisch zum Ausivandern nackt Palästina gufgeforderl. Jetzt, wo der Indenstaar in Palästina Wirklichkeit wird, erklärt die Kirche dein Z i o n i s m u s den Krieg. Dieser sonst unerklärliche Zwiespalt 'st eben in dem bekannten Togma von der Verurteilung der Juden zn steter, rastloser Wanderung begründet Was ImU Herr Leonards meiner Zitierung dreses Dogmas entgegen? „Einem Kenner der Weltliteratur dürste nicht entgangen i-stn. daß die Sago vom ewigen Juden ein egen st a n d d c r D i m t e r war." Ich bin ein Kenner der Weltliteratur und mir ist diese Tatsache ebenso bewußt wie die. daß viele Dogmen der katboli'chen Kirche Gegenstand der Dichtung geworden sind, bei Ealüeron de la Barka sogar der dramatischen Dichtung. Sind» sie dadurch ihres dogmatiichcn Eharakkers entkleidet worden? Schließlich ist auch Lcisings „Nathan der Wesse" eine Dichtung und doch ist der in diesem Drama vorkomwende Patriarch von Jerusalem gerade in seinem jetzigen Amtsnachfolger Barlessino Fleisch und Blut geworden. Auch dieser Priester findet für all das, was junge Juden jetzt in Palästina tun — und es ist nach der begeisterten SchUderuns Unvoreingenommencr viel Schönes und Gutes dabei — mrr die eine Kritik: „Der Jude wird verbrannt!' Iknd um diesen Standpunkt zu begründen, erzählt er der Welt. Inden hätten in Palästina die Entfernung der Kreuze von einem christl.ichev'. Friedhof verlangt! Ter Herr L e o n a r d s. der m i r Oberflächlichkeit und gewaltsame Konstruktion schwacher Positionen zwecks nnzulängllcher Angriffe auf konscssionelle Gegner vorwirft, erklärt die Geschichte von den Krenzeu unbesehen als Tatsache, au der nicht zu zweifeln ist und die „C. B. Zeitung" hält das für eine Angelegenheit, die lediglich die Zionisten angeht. Ich aber prophezeie, daß die unwidersprochen gebliebene Beschuldigung. Juden hatten irgendwo in der Welt Kreuze entfernen wollen, alsbald das Sündenregister bereichern wird, das der Antisemitismus dem gesamten Judentum vorznhalten liebt. Die Angelegenheit ist ebenso wenig eine rein zionistische wie die Ritiralmordbeschuldigung Beilis eine rein russische, die des Hilsner eine rein tschechische gewesen in. Es war bisher autindischc. nicht bloß vom ^Gefühl eingegebene, sondern auch vom Verstand diktierte Tradition. jede haltlose Bcfckmldignna indischer Individuen oder Gruppen durch das Gesamts,identum zurückznweisen, denn letzten Endes soll sa dieses gctrofsen werden. Es wäre sehr zu bedauern, wenn fanatischer Parteienhaß unter den Juden schon so weit gediehen märe, in eine io lebensnotwendige Tradition Bresche zu legen. Es wäre vielmehr zu wünschen, daß die gutindische Gepflogenheit auch bei den Christen Nachahmung fände. Dann könnte es nicht geschehen, daß beispielsweise grauenhafte Mordtaten „erwachender" Ungarn als Triumphe des Christentums gefeiert werden. Die Christen, die solche Auslegungen unwidersprochen lassen, sind die eigentlichen Nnterminierer des Ansehens der christlichen Moral, nicht aber feindliche Angriffe, die immer wieder den Juden zugeschrieben werden und die Herr Leonards auch mir zuzumutcn beliebt. Dieser „gründliche" Leser meiner „oberflächlichen" Anssührungen behauptet, daß ich nichts cilcgeres zu tun gehabt habe, als die k a t h o l i s ch e st.ll i n d e r h c i t an zug reif eu. Ich beschwöre Herrn Leonards bei seiner Iournalistenehre. die Stelle in meinem kritisierten Artikel wörtlich anzusührcn. wo ich Katholiken im allgemeinen oder gar katholische Minderheiten angreise. Ick: habe lediglich die Methoden und tieferen Gründe der christlich-sozialen Augrnse ans die österrreichischen Juden und aus die v o n der christlich-sozialen 91 c q i e r i t lt ö n a m W i c n e i n g e - laüenen Zionisten registriert. Unsere Ehristlichsozialen werden dem Herrn Leonards wenig Dank wissen, wenn er sie als „katholische Minderheit" qualifiziert. Sie behaupten nn Gegenteil, die Mehrheit der christlichen Oesterrecher in ihrem Laaer zu haben, und i!>r Verhalten entspricht dieser Amsassuna. Ich weiß sehr gut. daß die Katholiken dort, wo ne selbst in der Minderheit sind, viel schönes Berüändms für die Leiden der religiösen Minoritäten zeigen, aber'leider nur dort, lind doch haben sie es in der Hand, ilive Glaubensgenossen in jenen Ländern, wo sie die Nlaioritgst der Bevölkerung bilden, über die Gefahren der religiösen Unduldsamkeit anfzukläreu. Tie österreichischen Katholiternuhrer scheinen, nach ihrem ietziacn Treiben zn urteilen, einer solchen Auskläruna gerade sehr zu bedürfen. Sie sind eben daran, die Hakenkreuzler. die bisher in Oesterreich gar keinen Z>nhaug hatten, moralisch und finanziell zic starken. Wenn Herr Leonards glaubt, daß sie dadurch nicht nur für, hie Juden, sondern auch für sich selbst Gesahrcu heraufbeschwören, io möge er sie schleunigst darüber ausklären. Er wird bannt seine Zeit und Mühe nützlicher verwenden, als mal dem Versuch. einen I n d e n über die schaden der konseßionellen -Verhetzung zu belehren . . < Dr. Hugo Epiegler. Drei offene Fraaen an den Ceulralverein deutscher Staatsbürger iüdischen Glaubens. U. A. w. g. Aus den vorstehenden Anssührungen unseres Wiener Berichterstatters. Da'- -Spicgler, ersehen unsere Leier, dan die C V.-Zeitnng es für nötig gehalten hat — tu mögtzchst »emotioneller Ausmachung ans der zweiten Seite — von umerer Berichterstattung über die katholischen Feindseligkeiten aegcn das Judentum in Oesterreich abzurückcn. Wir behalten nn^ vor. in einer der nächsten Nummern nochmals, den redacnoltcllcn Standpunkt zn der Eiltmischunq des tz entralvetews in untere Kontroverse mit der Germania darznlegeu. Für heute seien uns nur einige offene Fragen an den Centralvcrein gestattet, um deren srenndliche Beantwortung wir bitten. .... . -r, 1. Ist es nach der Ansicht des Eentralnercurs. nicht mehr «bebot jüdischer Selbstachtung, iudenieindliche Rankünen deösterreichlichen Bundeskanzlers a. D. Seipel, cuies hohen Würdenträgers der katholischen Kirche, sowie der chrntlichsozialen Parteien einiger Länder, die mH häufig auf jugendfeindliche Schritte des Vatikans stützen, zu bekämpfen? s't es nicht mehr Gebot jüdischer Religiosität, katholischen Dogmen entgegen zutreten, wenn ne der jüdischen Religion wrdersprecheu? . . Was sagt her Ceutralverein dazu, daß b,c Germcnna m ihrer Nummer vom 5. September zwar die Polemik den' C. V.-Zeitnng gegen uns abdruckt, aber daraus alles sortlanr, was nach einem Abrücken von den anti',emitischen Praktiken weiter katholischer Kreise aussehen könnte? . 3. War cs unbedingt notwendig, nach Ars antisemitumer Blätter den „nicht reichsdeutschcn Berichterstatter" in me Reihen der „Rufer gegen Rom" zn stellen, und warum behandelt die C. B.-Zcituna diese ihres Erachtens rein zion:- stische Angelegenheit, nämlich den Wiener Zionistenkongretz, in einem Leitartikel, der von dem eigens zn dem Kongreß entsandten Direktor des Eentralvercins gezeichnet ist'?