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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-09-04 · 36 (4.9.1925) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
36 (4.9.1925)
Date
1925-09-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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III! Aus den Gemeinden f ff j Abterode. (Tod des Gemeindcvorsteh er8.) Die menkie Gemeinde beklagt den Heimgang ihres langjährigen Vorstehers Josef Oppenheim, Fast vierzig Jahre hat der durch Frömmigkeit ausgezeichnete Mann die Ingressen der Gemelnde mit Sorgfalt und Unparteilichkeit vertreten. Bei allen Mitgliedern erfreute er sich daher großer Beliebtheit, was durch die rege Beteiligung bei seiner Ueberführung en Zum Ausdruck kam. Der derzeitige Lehrer .veuorunn widmete dem Verstorbenen am Grabe einen ehrenden Nachruf, während sein Amtsvorgänger, Lehrer s ffaifel, im Hause an die Hinterbliebenen Worte des Trostes richtete. — In bewundernswerter körperlicher und aerstigcr irische beging das Levi Ronsheimsche Ehepaar rm Krene einer großen Schar von Angehörigen die diamantene Hochzeit. Basel. lTagung öes Juöaistischen Instituts.) Am September begann in Basel eine Sitzung -es Komitees für das Judaistische Institut der hebräischen Universität zu Jerusalem. An der Beratung nehmen Delegierte der Lander-Komitees aus Amerika, England. Frankreich und ^cutichlanü teil. Aus Deutschland sind zu den Beratungen cingetrosfen: die Herren Tr. Martin Buber, Rabbiner Dr. Leo Baeck, Prof. Dr. Horovitz. Prof. Dr. Freimann und s 0'- Elbogen. Die Tagung bringt eine Fortsetzung der Beratungen des Komitees, die in der Sommer-Tagung m London gevfloaen worden sind. Berlin. i Keine Repräsentantenwahl ohne ^19 H.1" H P a & 1 c $ Bei den Wahlen zum Landesver- . Gemeinden haben die Frauen zum ersten Mal im indischen Leben das Wahlrecht ausgeübt. Dem Krauen- Wahlrecht zu den Nepräsentantenwahlen stand bisher das Gcmoinöestatut und das Preußische Judengesetz entgegen. Die Gcmeindekörpcrschaften haben bereits vor Monaten eine Satzungsänderung beschlossen, durch die den Frauen das Wahlrecht eingeräumt ist. Unbegreislicherweise hat diese Stdatutenänderunc^ bisher noch nicht die Genehmigung der zuständigen Behörden gefunden. Wie wir hören, hat das Polizeipräsidium die Sache an das Kultusministerium abgegeben, und dieses kann sich weder sür ein Ja, noch für ein Nem entscheiden. Es ist schwer verständlich, daß man nicht ohne weiteres der jüdischen Gemeinde das zugesleht, was dem Gebot der Seit entspricht und was man den christlichen .^telrglonsgescllschaften bereits eingeräumt hat. Tie Gemeindeköroerschaften werden daher, wie wir hören, in der nächsten Woche energische Schritte beim Ministerium unternehmen. um eine Entscheidung hcrbeiznführen. Da aber die Reprüsentantcnmahl, die an sich im November hätte stattsinden sollen, infolge der erforderlichen technischen Vorbereitungen und der satzungsgemäßen Frist für die Auslegung der Wählerlisten zu diesem Zeitpunkt selbst dann noch nicht nach dem neuen Wahlsnstem stattfinden könnte, wenn das Ministerium sich nunmehr umgebend entscheiden würde, hat die liberale Fraktion bei der Repräsentantenversammlung den Antrag eingebracht, die Wahl so lange zu verschieben, bis die Entscheidung des Ministers ergangen ist und demgemäß Männer und Frauen über die künftigen Geschicke der jüdischen Gemeinden ihr Wort sprechen könnten. Sie ist davon ausgegangen, daß der Aufschub nur ein geringer sein kann, da der der demokratischen Partei nahestehende Kultusminister auf die Vorstellungen der Gemeindebehörden bin schwerlich die Entscheidung weiter verzögern oder gar den jüdischen Fronen das Wahlrecht versagen kann. Berlin. (Gehetmrat Minden 75 Jahre alt.) Am 31. August wurde Geheimrat Dr. Georg Minden 75 Jahre alt. Bei dieser Gelegenheit dem Jubilar herzlichste Glückwünsche für seinen weiteren Lebensabend ausznsprechen, ist nicht in letzter Linie Pflicht des liberalen Judentums. Wenige nur haben es wie Minden verstanden, jüdische Ewigkeitswerte mit dem Zeitgeist des modernen Menschen zu einer Einheit zu verknüpfen. Viele Jahre hindurch war er .getragen vom Vertrauen der liberalen Wählerschaft. Vorsitzender der Repäsentantenversammlung der Israelitischen Kultusgemeinde Berlin. Sein unbeugsamer Idealismus und die Würde seiner Persönlichkeit haben ihm Achtunä auch bei seinen Gegnern verschafft. Als er vor mehreren Jahren infolge des vorgerückten Alters das Amt nicht mehr weiterführen zu können glaubte,, wurde diese Achtung von allen Seiten zum Ausdruck gebracht. Damals wurde zu seiner Ehrung von zionistischer Seite zum ersten Male eine Anivrache in hebräischer Sprache gehalten. Diese Achtung bat sich Geheimrat Minden erworben, trotzdem — oder vielleicht gerade, weil — er aus seiner liberalen Weltanschauung niemals einen Hehl gemacht hat. So gebürte er neben seiner Stellung als Vorsitzender der Repräsentantenversammluna der indischen Gemeinde zu Berlin auch dem Vorstand der Berliner jüdischen Reformgemeinde an. Doch nicht nur aus jüdischem Gebiete bat sich der Jubilar gewaltige Verdienste erworben. Er bat auch sür die Kirnst immer ein Herz gehabt, bat sie, gemeinsam mit seiner kunstbegeisterten Frau Franko, jederzeit gefördert. Geheimrat Minden steht seit vielen Jabren in Fühlung mit dem Museum für Völkerkunde in Berlin, er war einer der Stifter des Museums für Volkskunde, das ihm und seiner Frau hochherzige Schenkungen verdankt, und war auch lange Zeit im Vorstand der Anthrovoloaischen Gesellschaft in Berlin, für die er, wie bekannt, die Virchow-Medaille gestiftet hat. Rudolf Virchow gehörte, wie zahlreiche andere hervorragende Persönlichkeiten, zu dem erlesenen wissenschaftlichkünstlerischen Kreise, der seit Jahren im Hause Minden verkehrt. Geheimrat Minden, der sich der besten geistigen und körperlichen Frische erfreut, war viele Jahre hindurch Direktor des Berliner Pfandbriefawtes. Berlin. (Ein neuer Lande Sv erb ands-Ab geordnet er.j Infolge des Todes von Herrn Gewerberat Plotke rückt als liberaler Abgeordneter Herr Arthur Eisenhardt in den Verbandstag des Preußischen Landesverbandes jüdiicher Gemeinden nach. Berlin. (Silberhochzeit.) Am 9. September feiert unser Kandidat zu den Landesverbandswahlen. Herr Hermann Müller aus Neukölln, mit seiner Ehefrau das Fest der silbernen Hochzeit. Wir wünschen dem Paare, daß es ihnen noch recht lange vergönnt sein möge, treu verbunden durchs Leben zu schreiten. Breslau. iN e p r ä f e n t a n t e n v e r f a m m I u n g.1 Die Repräsentantenverfammluna trat zum ersten Male nach den Ferien am 27. August zu einer Sitzung zusammen. Zunächst fand in einer Sondersitzung die zweite Lesung der veränderten Satzungen statt. Der Vorstand hatte dem Anträge Kalisch seine Zustimmung versagt, daß die beiden Gemeinderabbiner und der Verwaltungsdirektor dem Vorstände als beratende Mitglieder angeboren sollten. Um das Werk der Statutenänderung nicht scheitern zu lassen, galt es. zwischen den beiden Anschauungen eine Brücke zu schlagen. Nach langen Vorbesprechungen einigte man sich schließlich aus folgenden 8 20, Absatz 3: Die Gemeinderabbiner sollen zu den Sitzungen des Vorstandes in geeigneten Fällen mit beratender Stimme zugezogen werden. Auch diese Fassung fand erst die erforderliche Zweidrittelmajorität, nachdem durch Gcmeindebeschlnß (außerhalb der Statuten) festgestellt worden war. daß unter „geeigneten Fällen" im Sinne der Satzungen dicicnia»a zu versteben seien, in denen Angelegenheiten zur Beratung stehen, die zur Zuständigkeit von Ausschüssen gehören, in denen die Rabbiner vertreten sind. Aus den Gemeinden Die Mehrheit her Repräsentanten ließ ober dem Vorstände keinen Zweifel darüber, daß dieser Beschluß nur ein Uebergangsstadium darstelle, und daß sie nach wie vor auf dem Standpunkte stände: der Gemeinöerabbiner gehört in den Vorstand. Im übrigen nahm die Versammlung von einer Friedhof, Denkmalsordnuna Kenntnis, erhöhte die Jahresbeihilfe für die freie indische Volkshochschule, schlug zwei Vermächtnisse wegen der veränderten Verhältnisse aus. gewährte dem jüdischen Kurhospital in Warmbrunn eine Banbeihilfe und nahm den Verwaltungsbericht sür die letzten drei Monate entgegen. Aus diesem ist hervorzuheben, daß auf vielfachen Wunsch von Gemeinüemitglieöern vom 1. Oktober d. I. ab im Norden der Stadt eine Zweiganstalt der Religionsunterrichtsanstalt II zunächst mit zwei Klassen eröffnet werden soll. Die Ueberschreitung der Kosten für die Lehrer-Fort, oilüungskurse wurde genehmigt und sür die jüdischen Optan, ten in Schneidemühl eine Beihilfe gewährt. Die sich anschließende geheime Sitzung beschäftigte sich mit der Festsetzung von Besoldungen und Witwenpensionen und mit Grundstücksankäusen zu Friedhofserweiterungen. Ten Leichenwärtern wurde eine einmalige Wirtschaftsbeihilfe von 30 Prozent ihrer gesamten Monatöbe.züge bewilligt. Breslap. lFeter am Gr abe Lassalle s.) AuS Anlaß des gegenwärtig in Breslau tagenden 12. deutschen Ge, werkschaftskongresses fand am Montag, den 31. August, eine feierliche Kranzniederlegung am Grabe Lassalles auf dem Breslauer jüdischen Friedhöfe statt, wobei Graßmann- Deutschland im Namen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und Mertens-Belgien im Namen der Gewerkschaftsinternationale Ansprachen hielten Weiter sprachen noch am Grabe Lassalles Gewerkschaftsvertreter aus Schweden, Dänemark. Oesterreich. Holland. Polen, der Tschechoslowakei und der Schweiz. Bresla«. (A r ch i v ö i r c k t o r D r. E. Zivier g e - storben.) Hier starb der Fürstlich Pleß'sche Archivdirektor Dr. Ezechiel Zivier. einer der gründlichsten Kenner des europäischen Ostens. Der Oefsentlichkeit wurde er vor allem bekannt als Verfasser einer umfangreichen „Geschichte Polens", die als Fortsetzung des Werkes von Roepell-Caro in der von Onken herausgegebenen „Allgemeinen Europäischen Staatengeschichte" erschien. Seine umfassende Kenntnis der sozialen und wirtschaftlichen Struktur Polens machten sein sachverständiges Urteil in den letzten Jahren immer wieder bei schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verbandlunaen wertvoll. Das von ihm last aus dem Nichts berausgeichaffene Pleß'sch? Archiv ist heute für jeden, der sich mit Ostfragen beschäftigen will, ein beinahe unentbehrliches Hilfsmittel. Dr. Ezechiel Ziviex war auch lange Jahre im Interesse des Judentums tätig. Er war der erste Vorsteher des Vorstandes der Snnagogengemeinde Pszcznna. Cassel. (K u r s e der Akademie der Wissens ch a f t d e & Judentums.) Tie im vorigen Winter auf Veranlassung der Akademie jüdischer Wissenschaft in Berlin von Dr. Leo Strauß aus Frankfurt a. M. hier abgehaltenen Fortbildungskurse in Hebräisch und Jüdischer Geschichte haben in letzter Woche ihre Fortsetzung erfahren. In einer Vorbesprechung, die in der Sinai-Loge stattsand. verbreitete sich Dr. Strauß zunächst über „Ausgaben und Methoden der Wissenschaft vom Judentum". Als Thema für die in Aussicht genommene Arbeitsgemeinschaft ist unter Zugrundelegung des theologisch-politischen Traktats non Spinoza die Frage über „Religion und Religions-Kritik" vorgesehen. — Die hiesige israelitische Gemeinde hat eine Zentralwohlsahrtsstelle eingerichtet, die täglich, außer Sonnabends, Sprechstunden abhült. Corbach. (Enthüllung eines Gefallenen- Denkmals.) Nach Mitteilungen des NeichSbundes jüdischer Frontsoldaten fanden in den letzten Wochen in einer Reihe deutscher Städte wieder Enthüllungen von Gedenkmalen für gefallene jüdische Krieger statt. In Corbach (Knrheffen) wurde ein Denkmal für die Gefallenen von 1914/1918 durch den evangelischen Pfarrer Gotheis eingeweiht. Eine Einladung an den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten und an die jüdische und katholische Geistlichkeit war nicht ergangen. Deshalb blieben diese als solche der Feier fern. Während der Feier wurden Kränze von den Vertretern der drei Kirchengemeinden medergclegt. Den Kranz der jüdischen Gemeinde legte der Vorsteher. Herr Edmund Mosheim, nieder. Unter den Gefallenen jüdischer Konfession sind u. a. vier Söhne der Familie Löwenstern verzeichnet. Haynan. (Eine Gedenktafel in der Syna - g o g e.) Hier wurde in der Synagoge eine Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen Angehörigen der jüdischen Gemeinde enthüllt. Die Gedenktafel wurde von der Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten gewidmet. Stadt, und Kirchenbehörden wohnten der Feier bei. Kaufmann Schreiber fr. hielt die Gedenkrede. worauf Assessor Steinhardt-Breslau als Syndikus des Landesverbandes Worte des Gedenkens sprach. Rabbiner Dr. Peritz-Liegnitz hielt die Gedächtnispredigt. Auf der Gedenktafel sind verzeichnet: drei Söhne der Familie Olschcwski, zwei Söhne der Familie Laband u. a. m. Hersseld. (Einweihung eines Gefallenendenkmals.) Hier wurde kürzlich ein Denkmal für die im Kriege 1014/1918 gefallenen Helden eingeweiht. Bei der Enthüllungsfeier war auch die hiesige Ortsgruppe des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten vollzählig erschienen. Bei der Kranzniederlegung sprach der Vorsitzende Dr. Hahn markante Worte, die den hier zahlreich vertretenen Hakenkreuzlern hoffentlich im Gedächtnis bleiben. Tr. Hahn sagte: „Es gibt keine Worte, für die Ovser zu danken, und es gibt keinen Dank für die. die da sanken — sür uns'." Auch die israelitische Gemeinde hatte durch ihren Vorsitzenden Jakob Levy einen Kranz uieöerleaen lassen. Dabei richtete der auch als ehemaliger Frontkämpfer hervorragend beteiligte Sprecher der Gemeinde an alle Teilnehmer der Feier die Mahnung, sich als Brüder und Deutsche zu fühlen. Beide Reden machten auf alle Zuhörer nachhaltigen Eindruck. Königsberg. (Vom Verband der Vereine für jüdische Geschickte und Literatur.) Am 23. August fanden sich im Sitzungszimmer der Synagogengcmeinde Königsberg die Vertreter der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Ostoreußen zusammen, um ihren vor dem Kriege bestehenden Berbond zu erneuern. Der bisherige Vorsitzende, Herr Leon Scheinhaus. Memel, begrüßte die Erschienenen und berichtete über die Tätigkeit des Verbandes und der Einzelvereme, die bei allen Schwierigkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit nie ganz geruht batte. Mit allen Diskussionsrednern war er sich einig, daß ein erneuter Zusammenschluß notwendig sei. um nach den Gebieten östlich des Korridors Redner aus dem Reiche zu bekommen. Kein einzelner Verein sei hierzu in der Lage, nur gemeinsam könnten die großen Kosten getragen werden. Dem Verbände schlossen sich sofort die Vereine Allenstein, Elbing. Insterburg. Königsberg. Memel. Osterode und Tilsit an. Der Anschluß weiterer Vereine und die Gründung neuer Vereine in kleinen Gemeinden wird erhofft. Zum Verbandsvorsteher wurde Rabbiner Dr. Neufeld-Elbing, zu seinem Stellvertreter Bros. Dr. Perles-Königsberg. gewählt. , Es wurde die Hoffnung ausgesprochen, daß auch der Berliner- Verband der indischen Literatnrvereine im deutschen Reich zu neuem Leben erweckt werden könne. Schließlich regte der Vorsitzende noch an, die in den Vereinen bestehenden Bibliotheken ausznbauen und unter Berücksichtigung der örtlichen Verhältnisse Lesehallen mit indischen Zeitungen und Zeitschriften einzurichien. Mit einer Reihe hervorragender Persönlichkeiten 'im Reiche sollen Verhandluncxeu Mecks Abhaltung einer DortragStournee durch Ostpreußen anges knüvkt werden. Mannheim. (Tie Besetzung üeS RabbinatS.) Vor einiger Zeit brachten wir die Nachricht, daß von der Gemeinde. Mannheim eine Berufung an Rabbiner Dr. Wiener in Stettin erfolgt fei. Wie wir hören, hat Dr. Wiener sich nicht entschließen können, dem Rufe Fo-lge zu leisten. Mannheim. lVo m HilfS verein für israelitisch e 8 e h r e r i n Baden.) Der Naphtali Epstein-Verein (Hilfsverein für isr. Lehrer in Baden und ihre Hinterbliebenen) hielt am 2. August in der August-Lamey-Loge in Mannheim seine ordentliche Mitgliederversammlung ab. Als Vertreter der isr. Gemeinde Mannheim war deren Vorsitzender, Herr Dr. Moses, erschienen und richtete herzliche Begrüßungsworte an die Anwesenden. Im Tätigkeitsberichte stellte der Vorsitzende, H. Müller. Heidelberg, fest, daß auch dieser Verein durch die Geldentwertung fast sein ganzes Vermögen eingebüßt habe. In den Reihen der beitragenden Mitglieder hat sich die Meinung festgesetzt, der N. E. D. habe seine Daseinsberechtiung verwirkt, da die Gehaltsverhältnisse der isr. Lehrer in Baden nunmehr günstig geregelt seien. Die Erfahrungen sprechen jedoch anders: Die Anforderungen an den Verein steigen in bedenklichem Maße. Die Beihilfen für die ersten sieben Monate dieses Jahres übersteigen bereits erheblich den Gesamtbetrag der Beihilfen für 1924. Tabei konnten die Hilfesuchenden leider nicht so bedacht werden, als es wünschenswert gewesen wäre. Das zusammengeschrumpfte Vermögen und der verminderte Zustrom freiwilliger Leistungen nötigten zum Maßhalten, da außer den Beihilfen in Krankheitsfällen noch 18 Witwen und 11 Zuruhegesetzte regelmäßige Bezüge zu erhalten haben. Der Verein müsse deshalb immer noch an seine Freunde und Gönner mit der Bitte herantreten, ihm dia für seine Zwecke dringend nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, und es sei Pflicht der eigentlichen Mitglieder in Stadt und Land, ihm hierin behilflich zu sein. Der Jahresbeitrag für die eigentlichen Mitglieder wurde auf 10 M. festgesetzt. Der Vorstand wurde in seiner bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Als Rechner wurde bereits im Vorjahre Herr Fabrikant A. Fisch in Heidelberg kooptiert. Geldsendungen sind an die Stadt. Sparkasse in Heidelberg (Postscheckkonto Karlsruhe Nr. 717) zur Gutschrift auf das Vereinskonto zu überweisen. Bad Salzuflen. (Anstellung eines Kantor S> Die hier weilenden Kurgäste haben es oft unangenehm empfunden, daß es seit langer Zeit an einer geeigneten Kraft fehlte, den Gottesdienst am Sabbat zu leiten und die hierfür erforderlichen Funktionen zu übernehmen. Zwar wurde dem Mangel notdürftig dadurch abgeholfen, daß am Freitag abend in den einzelnen jüdischen Restaurants Gottesdienste obgehalten wurden, und am Sabbat morgen Gemeindemitglieder und zufällig zur Kur weilende Fremde, die, mehr oder weniger die dafür notwendige Eignung besaßen, die Abhaltung des Gottesdienstes ermöglichten. Als idealer Zustand konnte dies nicht angesehen werden, und darum ist eS mit Genuatuung zu begrüßen, daß man, gewiß nicht zuletzt aus Rücksicht aus Kursrcmde, die übrigens auch die Renovierung der Synagoge und ihre Ausstattung mit Gebetbüchern u. a. vcranlaßten, Hie Anstellung eines Kantors und Kultusbeamten. der außer dem hiesigen Platz auch die benachbarte Gemeinde Schötmar versehen wird, in Aussicht genommen hat. Erfreulicher wäre es gewesen, wenn die Anstellung vor Beginn der Kurzeit erfolgt wäre, damit allen in dieser Hinsicht berechtigten Wünschen Rechnung getragen werden konnte und nicht mancher Kurgast Anlaß nehmen mußte, dem improvisierten Gottesdienst, den nicht einmal aus internen Gründen alle jüdischen Pensionsinhaber de-, suchten, fern zu bleiben. Stargari. Pom. (A m t S j ub i l ä um von Rab^ bi n e r D r. S i l b e r st e i n.) Im Ellulmonat sind 25 Jahre verflossen, seitdem Herr Rabbiner Dr. E. Silberstein daA Rabbinat der Stargarder Gemeinde übernahm. Die' Gemeinde. in deren Mitte es ihm vergönnt war, die gesamte Zeit hindurch zu wirken, beabsichtigt, diesen denkwürdigen Tag am 13. September festlich zu begehen. Herr Dr. Silber^ stein ging aus der Lehranstalt sür die Wissenschaften des Judentums Berlin hervor und promovierte wit einen Dissertation über „Conrad Pellicanus" (Ein Beitrag zun Geschichte des Studiums der hebräischen Sprache in, den ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts). Dem Geiste semeK unvergeßlichen Lehrers Prof. Dr. Manbaums getreu, ist derj Jubilar jederzeit mit Offenheit und Gradheit einer den eifrigsten Verfechter der Ideen des religiösen Liberalismus gewesen und darf sich, tiefdurchdrungen von der Kraft und dem Gehalt dieser Idee, das Verdienst zuschreiben, auch das konservative Element innerhalb seiner Gemeinde, unten höchster Achtung dieser Anschauung, mit den Gedanken Itöc* ralen Judentums befreundet zu haben. Weit in Pommernt hat der Name Dr. Silbersteins als Seelsorger und treuer; Hüter der jüdischen Sache einen guten Klang, sei es im Der^ band der pommerschen Synagogengemeinden, im Kampf! gegen den Antisemitismus oder im Logenwesen, dem stch Hern Dr. Silberstein mit besonderer Hingabe widmet. Mt natür* licher Liebe nimmt er sich der Jugend an, der er nicht nur ein jederzeit bereiter Freund und Berater nt, sondern "v der er auch eine tiefe Liebe zum Judentum zu erwecken ver^ steht. Möge darum dieser aufrechte Führer im Judentum noch recht lange die Kraft besitzen, weiterhin im Gerste rtlu giöser Verinnerlichung und Wahrhaftigkeit zu wirken^ Geschäftliche Mitteilungen. Tie Mittelmeersalirt deS „Peer Wie im Frühjahr, so unternimmt ouA jetzt wieder — zur besten Rerse». t sür den Orient — der Dodve'Ischraubendamdfer „Peer Ahnt de« ederei Dittor Lchuvpe. Berlin NW 7. Torothecnstrabe 30. eins tägige Reile nach Palästina und Aeghvten. S-ach ferner Abfahrt an Oktober in Genua berührt er die berühmten SehenSwurdlgkeitew d eindrucksvollen Stätten des Orient», fährt über Me sfr na nrck» t h e n zum Pesucb des alten HellaS. den grandiösen Ueberresten erneu :gangenm großen Aultur, nach Konstantinopel, der emzigartige» 'enzstadt zwischen Orient und Okzident, um über Haifa. v»n wo au» rusalem. Bethlehem. Nazareth, das Wunschland erneS Volkes. , dre herUgen te eines tiefen Glaubens besucht werden. A e g h p t e n . dre Tehnsuchtz er Neisenden. zu erreichen. Don Port Said augeht eS tn das Innere, ch Ä'airo, zu den Phramiden. den seltlawstan Steindenkmalern einer un» lenhakt anmutenden Vergangenheit. Das Lächeln der Stzornx, vre uner^e rtc Weite der Wüste, das romantische Leben der unter Palmenhainen! üreckteu Eingeborenendörser sehen wir und verdanken ihnen unauSIoschie Erinnerungen. Von Port Daid wird der Rückweg angetreten ubeü effino, nach Neapel, zu dem LandschaftSwunder der Insel Tavrr. zu! x Ruinen PomvejiS und endet wieder am 24. November in Genua. Kaum ein Schiff bietet die Bsguemsichkeiten. die hervorragende Be«!nunq. die sür. den ungestörten Genuß einer solchen Reise notwendrg nno« e der Dampfer „Peer Ghnt", der um dessentwillen an der ganzen Mel« ^annt ist . Nur Erster-.alasse^abinen oder besser eingenchtete »rmme, mit ft«« bendcn Betten bieten einen Komfort, den man sich sonst unter GchlfkSch iinen nicht Vorsteven kann. Demenlsprechmd sind auch die Gesellschaftsiims aufS vornehmste eingerichtet und 4>eben Gelegenheit, sämtlichen» ssagieren gleichzeitig Aufenthalt zu gewähren. Besondere Ülufmerlsamt wurde beim Ausbau dieses DchiffeS dem, SV ei» es aal rugewandt. E» ^rde immer unangenehm empfunden, wenn die PassaMere in Siömmitgetj (Geteilt nacheinander ihre Mahlzeiten einnehmen mußten, d-eil eben Hffc, die sonst mehrere blassen führten, und vaniüeraevend zu Gesell., aft^kahrten eingestellt werden, beim Ausbau der GesellschaftSräume nui; : eine begrenzte Zahl Erster.Klass«'Passagiere disponierten. Auf de-vZ imvker „Beer Ghnt" gestattet der Eveisesaal gleichzeitige Bedienung vo» Passagieren, bei einer Besatzung von 23V Mann entfallen auf vte B«- ^FUr jede'Unterhaltung iit ebenfalls gesorgt durch erstklassige Künstlers rzerie im Winternarten. Promenadenkonzerte an Deck, Bordspreie. «rno« cführungen. Dortrüge usw. . . , , ... 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