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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-08-21 · 34 (21.8.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
34 (21.8.1925)
Date
1925-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Woher -er Wind weht. -er Me Richtung aller katholischen Kampfblätter -er Welt bestimmt. Dieser Artikel be. jchäftigt sich mit den naiven Annäherungsversuchen der Zionisten an den bekanntlich durch ein Dogma in der Judenfrage gebundenen Vatikan und meint: „Es ist sehr begreiflich, Satz der Heilige Stuhl, -er durch seine Vertreter in Palästina Über die Gefahren des Zionismus für die heiligen Stätten wohl unterrichtet ist, recht wenig Lust hat, mit den Führern der von Theodor Herzl gegründeten Bewegung in Beziehung zu treten. Der Veste Beweis für die Auffassungen -es Papstes in dieser Beziehung ist die Stelle in seiner Jubiläumsbulle, wo er die Gläubigen, welche die geistigen Gnaden des Jubiläums genießen wollen, aufforöerte, besonders für das heilige Land zu Selen." Um die erwähnten „Gefahren" recht drastisch zu veranschaulichen, zittert das Blatt einen angeblichen Protest der Einwohner von Betlehem gegen daS Verlangen eines Ziontstenführers, -atz aus dem englischen Militärfrtedhof die Kreuze entfernt werden und räsoniert: „Wenn einmal die Zionisten so anmaßend sind, zu verlangen, daß die Kreuze von den Gräbern der englischen Soldaten entfernt »oevben, die für das »Hebräische NationalheiligtunL ihr Leben hingegeben haben, dann werden sie auch nicht zögern, die Kreuze ans allen Kirchen zu entfernen und die Kirchen selbst zu schließen." — „Tie jüdische Einwanderung nach Palästina" — fährt das italienische Blatt fort — „bedeutet eine wirkliche Gefahr, da binnen kurzem die Jude» die Mehrheit im Lande sein können. Dann werden sie sicher die Christen an den gottgeweihten Stätten Christi verfolgen. Wir wünschen nicht, daß Europa Truppen zur Befreiung des Heiligen Landes ausrüsten muß, wir wünschen nur, daß die christlichen Völker gegen die zionistische Gefahr sich zusammentun und einen Druck auf England und den Völkerbund auSüben, um die Erklärung Balfours zunichte zu machen." Die hier zitierten „Gefahren" sind natürlich einer ernsten Erwiderung gar nicht wert. Sie sind eine höchst notdürftige Verschleierung einer Tatsache, die offen ein. -ubetennen man sich anscheinend sogar schon in Rom schämt, nämlich der Tatsache, daß der Vatikan ein« gedeihliche Lösung der Juöenfrage mit allen Mitteln zu hinter« treiben suchen muß. An diese dogmatische Pflicht erinnert -er Schluß -es „Lorriere"-Artikels: „Die Weisheit, die Klugheit und der Scharfsinn, die Jahrhunderte ulten Tugenden des Stuhles Petri geben uns die Gewähr, daß die Verschlagenheit der Zionisten nicht über die Festigkeit des Statthalters Christi den Sieg davon tragen." Euphenistischer kann man die unheilvollen Traditionen der katholischen Politik wirklich nicht mehr umschreiben. Die hier gerühmten „Jahrhunderte alten Tugenden" haben der Menschheit viel Blut gekostet, um schließlich doch immer wieder zum Kapitulieren vor dem Geist des Fortschritts, der Kultur und der Sittlichkeit gezwungen zu sein. Mit welcher verhängnisvollen Zähigkeit hat die Kirche an dem Dogma festgehalten, daß die Sonne sich um die Erde dreht, diese aber stillsteht. Heute muß auch die klerikale Wissenschaft von der Erde zugcben: „Sie bewegt sich doch!" Wahrscheinlich wird der Statthalter Christi auch mit dem Judentum einmal seinen Frieden machen müssen. Vorläufig läßt er dieses aber noch mit voller Wucht seinen mächtigen Arm durch willige, zum Teil ganz ahnungslose Werkzeuge fühlen und die Zionisten vermochten hierin weder mit ihrer Palästina-Politik, noch mit ihrer Taktik im Golus Wandel zu schaffen, haben also gar keinen Grund zur Ueberheblichkeit gegenüber den anderen jüdischen Parteien. Die Kirche lechzt freilich nicht nach dem Blute der Juden, denn auch deren Ausrottung würde ja ihrer „ewig unstäten Wanderung über die Erde" ein vom Dogma nicht erlaubtes Ende bereiten. Der römische Klerikalismus ist daher nicht auf die Vernichtung, sondern bloß auf die Demütigung des Judentums bedacht. Er braucht Leinen wirtlichen Pogrom, sondern kann sich mit symbolischen Handlungen begnügen, die den Juden ihre Pariasstellung ins Gedächtnis rufen. Daher darf das Wiener klerikale Organ, nachdem es Wochenlang die 'Hakenkreuzler-Hetze gegen den Ztonistenkongreß wacker geschürt hat, plötzlich — am letzten Tage vor der Kongreß- 'eröffnnrrg! — die Entdeckung machen, daß Wien gegen das Hübischnationale Parlament eigentlich keine andere Haltung einzuneymcn brauche als gegen unzählige andere Kongreffe, die in der Weltstadt bereits getagt haben. . . . Zu der Stunde, in der diese verblüffende Erkenntnis Len frommen Lesern unterbreitet wurde, war eben schon der für den Kongreßeröffnungstag geplante Aufmarsch einer antisemitischen Gegenkunbgebung in allen Punkten mit der Polizei geregelt. Vielleicht werden die völkischen Radau- Vrüder diese Regelung als eine arge Enttäuschung empfinden — den Klerikalen genügt der Triumph, daß die angeblichen Pioniere der jüdischen Freiheit gezwungen sind, ihre Tagung unter dem demütigenden Schutze eines mach, 'ttgen Polizeiaufgebots und umtost von dem Haßgebrüll verhetzter, aus ganz Oesterreich Zusammengezogener Pöbeliluurfen abhalten zu müssen. Vielleicht hat Rom einen so sichtbar in die Erscheinung tretenden Triumph über das Judentum seit dem Fallen der Ghettomauern nicht mehr erlebt — es kann also zufrieden sein und wird sich seinen Wiener Drahtziehern gewiß dankbar erweisen. . . . Die Gerechtigkeit erfordert die Feststellung, - daß der biedere Dr. Ramek an diesem Jntrignenspiel gewiß unschuldig ist und sicher nicht ahnte, als er die Zionistenführer feierlich nach Wien einladen ließ, in welche Falle «r sie damit lockte. Er wgr ohne Zweifel von der ehrlichen Absicht beseelt, ihnen gegenüber die freiwillig übernommene Pflicht der Gastfreundschaft voll uird ganz zu erfüllen und hat sich alS er sah, daß ihm seine eigenen Parteigenossen, Sie sich Rom höher verpflichtet glauben als der vaterlänbische« Regierung, in den Rücken fielen, verärgert in seine Heimatstadt Salzburg zurückgezogen. Dort kann er jetzt als Gast der von Max R e i n h a r t und Hugo von Hofmannstal veranstalteten Gastspiele Gedanken darüber nachhängen, wieviel die Juden für die Hebung des Fremdenverkehrs in der österreichischen Provinz tun, während gleichzeitig die Christen auS der österreichischen Provinz nach Wien fahren, um dort durch antisemitische Kundgebungen knapp vor der Herbstmesse dem Fremdenverkehr unheilbare Wunde» zu schlagen. . . . Den Zionisten bleibt aber keineswegs der Trost, daß sie in anderen Städten liebevolleres Verständnis gefunden hätten. A>eyn wen» ihre früheren Tagungen in Bafel, Im Haag und in Karlsbad ungestört und auch nach außen hin glanzvoll verliefen, so hat dies feinen Grund doch nur darin, daß die genannte» Orte den — Hotelierstandpunkt, den der zionistische Presseamtsleiter in Wien ausdrücklich abgelehnt hat, bester zu wahren verstanöen als die Oesterreicher, aber kaum in tiefer liegenden Sympathien. Am schmerzlichsten wirkt jedoch bas Bewußtsein, daß kein Ort so wenig für die Abhaltung des Kongresses in Betracht kommt wie — Jerusalem. . . . Dort wäre die ruhige Tagung noch viel mehr in Frage gestellt gewesen als in Wien. Und auch bas ist die wohlderechnete Folge der römischen Politik. Wie sehr der Vatikan auch bei der grotzarabischen Bewegung seine Hand im Spiel hat, geht zur Genüge aus 'der Tatsache hervor, daß in dem Dutzend arabischer Zeitungen Palästinas fast durchweg christlich« Redakteure arbeiten, obwohl von den Arabern des Landes vier Fünftel dem Islam angehören. So wurde, wie in Europa, auch im Orient die völkische Bewegung, ihren offiziellen Führern und deren religiösen Einstellung oft zum Trotz, zum Werkzeug des katholischen Dogmas. Allerdings wurden wie zum Hohne gerade zwei katholische Staaten die ersten Opfer der arabischen Unabhängigkeitöbewegung: Spanien und Frankreich. Doch ist das protestantische England nur durch seine klügere Kolonial- Politik vor ernsteren Konflikten mit dem verhetzten Arabertum bewahrt geblieben. Es hat eben durch rechtzeitiges Nachgeben dem römischen Anschlag die Spitze genommen. Ob dies gerade für die Zionisten ein Grund zur Freude ist, muß sehr bezweifelt werden. Die Aenderung der englischen Taktik in Palästina wird schon äußerlich durch die Einsetzung eines christlichen Generals an die Stelle des bisherigen jüdischen Oberkommissars Sir Herbert Samuel dokumentiert. Die Persönlichkeit des christlichen Nachfolgers wurde ohne Befragen der Zionisten gewählt und das wirft trotz aller offiziellen Beschwichtigungen ein sehr böses Licht auf den stark verminderten zionistischen Einfluß in Erez Jisrael. Mer noch verhängnisvoller als die Verschlechterung der Kolonisationsaussichten im Lande der jüdischen Sehnsucht kann dem Zionismus die unverhoffte Verbesserung jüdischer Siedlungsmöglichkeiten in einem anderen Lande werden: Sowjetrußlanü will die Krim jüdischen Bauern überlassen. Dieses Angebot hat sowohl bei den jüdischen^Kapitalisten als auch bei den jüdischen Arbeitern Antlang gefunden. Letzteres kam bei der jetzigen Wiener Weltkonferenz der Pvale Zionisten, erstereö durch eine amerikanische Spende von 15 Millionen Dollar zutage. Erwägt man, daß das ganze P a l ä st i n a bndget der Zionisten nur drei Millionen Dollar beträgt, wozu die Amerikaner gerade die Hälfte beigesteuert haben,- dann erkennt man, wie gefährlich die Konkurrenz des Krim-Projekts dem Aufbau eines jüdischen Palästinas werden kann. Dazu kommen folgende* praktische Erwägungen: die Krim ist momentan durch die bolschewikischen Expropriationsmethoden herrenloses Gut, das des Bebauers harrt, Palästina ist ein nach orientalischen Begriffen dicht bewohntes Land, das eine Einwanderung nur in sehr kleinem Maßstab verträgt. Die Krim ist das fruchtbarste Gebiet im fruchtbaren Rußland, und auch sonst landschaftlich gesegnet. Palästina ist verwahrloster Stein- und Sandboden, der seinen Bearbeitern vorerst nur Krankheitskeime zu bieten vermag. Die Krim ist ohne Zweifel das Land einer verheißungsvollen Zukunft, aber Palästina ist der Schauplatz der stolzen jüdischen Vergangenheit — und dieses Argument wiegt vielleicht alle anderen auf. Es ist kein Zweifel möglich, daß der historische und religiöse Nimbus des „gelobten" Landes unter den seelischen Triebkräften des Zionismus die stärkste ist. Das stellt der Geistigkeit und Sittlichkeit dieser Bewegung das schönste Zeugnis aus, aber es kann ihr zum Verhängnis werden, wenn die Sehnsucht nach einer rechtlich gesicherten Heimstätte für das zweifellos von einer starken Wanderbewegung erfaßte Judentum zu entscheiden haben wird zwischen dem Praktisch- Zweckmäßigen und dem Romantisch-Idealen. Der Zionismus wird vielleicht sehr bald seine Fähigkeit beweisen müssen, ob er eine solche Wahl überhaupt zu überleben vermag. Und dieses Problem erscheint mir als sein Wichtigstes, wichtiger als alle jene Detailfragen, deren Diskussion auf der Tagesordnung des 14. Zionistenkougresses steht. Dr. Hugo Spiegler-Wierr. it ü Die jüdische Gegenwart Vor dem sozialdemokratischen Parteitag. Auf dem Nürnberger Einigungsparteitag der Vereinigten Sozialdemokratischen Partei Deutschlands war eine Kommission eingesetzt worden, die ein sozialdemokratisches Parteiprogramm entwerfen sollte. Die Kommission hat nunmehr ihre Arbeiten beendet und den Entwurf veröffentlicht. In dem Entwurf heißt es u. a. „Die Sozialdemokratische Partei kämpft nicht für neue Klastenprivilegicn und Vorrechte, sondern für die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Klassen selbst und für gleiche Rechte und Pflichten aller, ohne Unterschied des Geschlechts und der Abstammung. Von dieser Anschauung ausgehend bekämpft sie nicht bloß die Ausbeutung und Unterdrückung der Lohnarbeiter, sondern jede Art der Ausbeutung und Unterdrückung, richte sie sich gegen eine Klasse, eine Partei. ein Geschlecht oder eine Rasse." In dem Abschnitt „Verfassung" des Programmentwurfs wird gefordert: „Vollständige Verwirklichung der verfassungsmäßigen Gleichstellung aller Staatsbürger, ohne Unterschied des Geschlechts, der Herkunft, der Religion und deS Besitzes." Für die Schulpolitik werden u. a. nachstehende Grundsätze aufgestellt: „Die öffentlichen Einrichtungen für Erziehung, Schulung. Bildung und Forschung.sind weltlich. Jede öffentlich-rechtliche Einflußnahme von Kirche, Religious- und Weltanschauungsgemeinschaften auf diese Einrichtungen ist zu bekämpfen iTrennung von Staat und Kirche, Trennung von Schule und Kirche, weltliche Volks-, Berufs- und Hochschulen)." Zur Schulfrage liegen dem in Heidelberg stattfindenden diesjährigen Parteitag folgende Anträge aus BreSIan vor: „Der Parteitag beauftragt die Reichstagsfraktion, energisch dafür einzutreten, daß das versprochene Reichsschulgesetz nunmehr endlich zur Erledigung kommt, damit die bestehenden weltlichen Schulen die notwendige gesetzliche Grundlage erhalten und die Möglichkeit ihres großzügigen Ausbaues, ihrer Erweiterung nach dem Wunsche zahlloser Parteige« »offen geschaffen wird. Bei der Gestaltung des Gesetzes ist vor allem daraus zW achten, daß . 1. in den weltlichen Schulen aus keinen Fall konfessioneller Religionsunterricht erteilt werden darf, 2. daß Lehrer oder Lehrerinnen, welche erwiesenermaßen nicht auf dem Poden der weltlichen Schule stehen, an solchen Schulen nicht unterrichten dürfen, 3. gemäß dem Görlitzer Parteiprogramm, in Ermangelung eines offiziellen Programms der Gesamtpartei, hat die Partei die Gemeinschaftsschule, die Bekenntnisschule und die WeltanschauungSschnle entschieden abzulchnen. Der ReichstagSsraktion wird empfohlen, dem Gesetzentwurf betr. weltliche Schulen, der vom Bunde der Freien Schulgesellschaften beim Ministerium des Innern eingereicht wurde und der Fraktion sicherlich bekannt ist, zuzustimmen." . II. .Der Parteitag beauftragt die preußische Landtagsfraktion. gegen die vom preußischen Kabinett beschlossene konfessionellen Lehrakademien Ttelluna zu nehmen. Wir vermissen die Berücksichtigung der Interessen der weltlichen Schulen und erblicken in der Neuordnung eine Verletzung der Reichsverfassnng. welche die weltliche Schule fest legt." III. „Der Parteitag beauftragt die Abgeordneten aller Landtage, besonders die preußische Landtagsfraktion, dafür zu sorgen, daß die notwendigen Ausführungsbestimmungen zum 8 137 der deutschen ReichSverfassung vom 11. August 1919 geschaffen werden. Alle Verträge zwischen Religionsgemeinschaften jeder Art und den einzelnen Ländern müssen abgelehnt werden." Aus Hamburg wird beantragt: „Der Parteitag verlangt für die Lehrerbildung Reifeprüfung und ordenliches akademisches Studium. Er bekämpft jode konfessionelle Gestaltung der Lehrerbildung und fordert besonders die preußische Landtagsfraktion., auf. mit aller Energie zu verhindern, daß in Preußen konfessionelle pädagogische Akademien errichtet werden." Ein jüdisches Pfychopalhenheim. Tie starke Bewegung, die in der letzten Zelt auch in> deutsch-jüdischen Kreisen eingesetzt hat. um sich zur Landwirtschaft umzustellen, hat den Plan gezeitigt, auch Waisen und andere der Fürsorge unterstellten Kinder zu agrikultureller produktiver Arbeit zu erziehen. Versuche auf «diesem Gebiet haben bereits sehr Einstige Erfolge gezeitigt. So z. B. im nichtjüdischen Waisenhaus in Beckenstedt. Bz. Magdeburg. Bei den Erwägungen, für iüdische Kinder ähnliche Einrichtungen zu schaffen, wurde auf eine besondere Kategorie hingewiesen, für welche die Frage der Ausbildung zu einem landwirtschaftlichen und ähnlichen Beruf von größerer Bedeutung werden kann, weil er zur Heilung und Gesundung beitragen kann. Das ist jene Gruppe jüdischer Knaben und Mädchen, deren Entwicklung nach der wirtschaftlichen Seite nicht immer günstig beeinflußt werden konnte, mangels der nötigen Grundlagen. Das sind die Psychopathen, deren geistige Beschaffenheit zwar vom Normalen abweicht, die aber genug persönliche wie geistige Veranlagung zu einer rustikalen Tätigkeit besitzen. Das sind ferner diejenigen seelisch Erkrankten. für welche ländliche Umgebung, Feldarbeiten. Gartenarbeiten, Beschäftigung mit den Tieren usw. Heilung und Gesundung bringen können. Für diese Kategorie junger der Schule entlassener oder bereits erwachsener Menschen soll demnächst auf einem jüdischen Gut. in abgeschlossener, reizvoller Umgebung ein Land- Erziehungsheim errichtet werden, wo neben allgemeiner Erziehung eine Ausbildung in Landwirtschaft, Gärtnerei, Viehzucht. Geflügelzucht erfolgen soll. Hier soll der günstige Einfluß der umgebenden Natur, der reinen Luft, die Beschäftigung mit der Erde, mit den Bäumen, mit den Pflanzen, mit den Blumen und mit den Tieren, der Einfluß der angepaßten körperlichen Arbeit sich mit dem Einfluß deS erzieherischen Unterrichtes und der gesunden Ernährung verbinden, um den Zögling in ein harmonisches Verhältnis zum wirklichen Leben zu bringen und ihn zu einem produktiven nützlichen Mitglied der Gesellschaft zu machen., Die Produktivität soll auch nach dem Verlassen des Heims gelenkt und geleitet werden. Und es sollen die Wege zur Erlangung von Anstellung oder zur Gründung selbständiger Existenzen geebnet werden. Diesem letzteren Problem wird eine spezielle Organisation sich zu widmen haben. Es sind begründete Aussichten vorhanden, erfolgversprechende Existenzmöglichkeiten nachzuweisen. Das Erziehungsheim soll unter Aussicht und Leitung psyi chiatrischer und heilpädagogischer Spezialisten stehen, die Ausbildung von bewährten Fachleuten geführt werden. Auch die reine körperliche Beschaffenheit der Zöglinge soll von einem praktischen Arzt kontrolliert und geregelt werden. Dis Verpflegung wird rituell sein. Die Aufnahmen werden vorläufig beschränkt sein müssen. Im Bedarfsfälle kann ein Ausbau öurchge führt werden. Angesichts der großen sozialen Bedeutung, die einem solch! rituell geführten Erziehungsheim zukommt, darf man damit rechnen, daß ihm das Interesse weitester jüdischer Kreise sicher sein wird. Eltern und Fürsorgeberufene, welche das gcplante Heim in Anspruch nehmen wollen, belieben sich zu wenden an Dr. Mehler, Gut Elshof, Post Schollene bei Rathenow. Zionistischer Dummenfang. Wir hatten bereits in unserer letzten Nummer chie ungeheuerliche Behauptung der „Jüdischen Rundschau", der im Moskauer Studentenprvzetz verurteilte Dr. Kindermann hänge mit jüdischem Liberalismus und nationaldeutschem Judentum zusammen, gebührend znrückgewiesen. Die „Jüdische Rundschau" schwieg selbstverständlich beklommen« Vielleicht dachte sie: .... semper aliquid haeret. Nunmehr bittet uns der Vorstand des Verbandes native nalöeutscher Juden E. V. um Veröffentlichung der folgenden von Dr. Naumann und Dr. Breslauer Unterzeichneten Kundgebung: „Bon zionistischer Seite wird die Nachricht verbreitet, der in Moskau verurteilte Dr. Kindermann habe Beziehungen zu dem Verband nationaldeutscher Juden unterhalten. Wir stellen fest, daß an dieser Behauptung kein wahres Wort ist. Unser Verband besteht aus Deutschen, die bei Ausübung ihres Rechts und ihrer Pflicht, an den nationalen Ausgaben des Deutschtums mitzuarbeiteu, ihre jüdische Abstammung und Religion aus das entschiedenste betonen. Dr. Kindermann hat nach den vorliegenden Nachrichten seine Zugehörigkeit zum Judentum jahrelang geflissentlich versteckt und sie erst in dem Augenblicke zur Sprache gebracht, in dem er sich von seiner Eigenschaft als Jude — freilich zu Unrecht — eine Verbesserung seiner Lage versprach. Wer unsere Bestrebungen kennt, muß wissen, daß ein solcher Mann nirgends weniger am rechten Ort wäre als im Verband nationale deutscher Juden." Kapital und Arbeit in Palästina. AuS dem vom Handels- und Jndustriedepartement der Zionistischen Palästinaexekutive ausgearbeiteten Bericht geht hervor, daß im Juli 1925 ungefähr 2 Millionen Pfund von den Juden in palästinensischen Industrien investiert warem Der gleiche Bericht besagt, daß das investierte Kapital i«! ’ November LS2ü nicht ganz -ine Million Mund anSmachte.

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