Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 34 (21.8.1925)
- Date
- 1925-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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s. Jahrgang Nummer 34 Lellage 21. August ISS» Neue Andacht. Im Liberalen Synagogenverein Norden-Berlin. „Die täglichen Opfer nach ihrer Ordnung und die hinzugefügten auch nach Gebühr." Die Anschauung, nach der Art des Tempelritus das Gebet als Ersatz -es Opfers dauernd festzulegen, hat zweifellos zur Erstarrung -es synagogalen Gottesdienstes geführt und in der Neuzeit so viele Gemüter ihm entfremdet. Man hat im Judentum, und nicht nur hei dieser Materie, den Fehler begangen, die Seelen der Frommen durch Gleichförmigkeit und stete Wiederholung auf Unbegreiflichbleiben und Erfrieren einzustellen. Man vergaß leider völlig, daß im jerusalemischen Heiligtum neben den offiziellen Verrichtungen viele freiwillige und persönliche Opfer unsere Ahnen zu wirklich religiöser Betätiguna hinführten. Alke Reformversuche, sofern sie nicht die Richtung eingeschlaaen haben, die „Andächtigen" andächtig zu machen, sind Häher fehlgeschlagen, und die Behauptung ist nicht übertrieben. daß den Durchschnittsbesuchern der modernen Synagoaen heute vieles genau so unverständlich ist. wie unseren Eltern und Großeltern teilweise einst der Ritus der Orthodoxie. Jeder Versuch zur Abhilfe ist daher sehr begrüßenswert. und darum freue ich mich, heute von einem günstigen, ja verheißungsvollem Streben in Berlin berichten zu dürfen, welches unserer Andacht neuen Geist und ein neues Herz einflößt. Seit einigen Monaten kenne ich den Gottesdienst, den der Liberale Synagogen verein Norden jetzt voll ausgebaut hat und regelmäßig am Freitagabend. Sonnabend und zu den Festtagen veranstaltet. Er findet ln der schönen Synagoge des Auerbachschen Waisenhauses in der Schönhauser Allee 162 statt und wird in zunehmendem Maße nicht nur von den Glaubensgenossen des Bezirkes, sondern auch von Gesinnungsfreunden aus dem weiteren Berlin besucht, die selbst vom entfernten Westen dorthin kommen, so daß man schon Erweiterungspläne wegen des großen Begehrtseins der Plätze vorbereitet. Die Andacht ist von eigener und besonderer Prägung, und ohne in das Extrem des Reformkultus zu verfallen, der die organischen Zusammenhänge mit der Tradition durchbricht, baut sie sich auf der jüdischen Grundforderung auf: Erbauung und Belehrung zu vermitteln und das Verständnis für Sinn und Wesen des Gottesdienstes sowie die aktive Teilnahme aller vom ersten bis zum letzten Wort zu gewinnen und zu mehren. Darum ist begreiflicherweise der Musik hier ein bedeutendes Maß zugewiesen. Ein schöner, künstlerisch geleiteter Chor, den ein Meister des Instrumentes beflügelt, gibt der Andacht Weihe und Gestimmtsein. Nun zum Wesen: Das Ganze ist stets von einer Idee durchzogen. Ein Gedanke und eine Forderung sollen stets neu in jeder Andacht zum Vorschein kommen und sich dem Gemüt und Willen einprägen. Derselbe Schristgedanke, der in der Thoravorlesung zum Ausdruck gelangt, soll schon im Eingangspsalm oder Leitspruch sich ankündigen, und weiter in der kurzen Predigtansprache. die nie fehlen darf und wit ihrem Inhalt vornehmlich in die Gegenwart und unser wirkliches Loben gestellt ist. herausaearbeitet werden. Auch beim Schlutzgbete. damit jeder etwas mitnehme, muß das gleiche Ziel sich nochmals wiederfinden. So wird der Reiz der Variation gewonnen, die furchtbare Plage Jmmerdesselben fällt weg. Die Führer der Andacht gehen in ihrer Forderung soweit, daß sie selbst bei den aus dem Hebräischen wioöergegebenen Gebeten eine zeitweilige Veränderung der Uebersetzung und ein immer innigeres Einschmicgen in unsere Sprache befürworten, damit nicht Gleichgültigkeit und Ueberdruß eintreten. Aus dem bisher Gesagten geht schon hervor, daß derjenige, welcher die deutsche Liturgie hält, viel zu sprechen hat, und so fügte es sich zweckmäßig, daß ein Teil der Gebete vom Platz des Sprechers verrichtet wird. Das ewige Auf und Nieder fällt überhaupt weg. Die Beter erheben sich nur bei der Tesillah und anderen wenigen Hauptstellen des Gottesdienstes. So wird, aber nicht nur äußerlich, für die Würde viel getan und auch erreicht; man beobachtet mit Freuden ein Hineinwachsen und eine wirkliche Selbsterziehung der Erschienenen, unter denen auch die Ostjuden ihr Kontingent stellen und — es möge keiner erschrecken — sich als Mitglieder dem LiberalenSynagogenvereinNorden anschließen. Als vor 20 Jahren die Einweihung der Synagoge Rykestraße bevorstand, hatten die Berliner Gemeindebehörden Gutachten der damaligen Rabbiner über die Zweckmäßigkeit des Orgelgottesdienstes eingesordert. Unvergessen und für unsere Zeit giltig bleibt die Befürwortung des seligen Rabbiners Rosenzweig, der warmherzig, aber erfolglos für die Orgel eintrat und sie zwar temperamentvoll und doch sehr richtig das große Tscha! nannte. Es ist so! Die Orgel stellt wirklich wie ein Zauberklang mit dem ersten Akkord Ruhe und Weihe her, und schon deshalb allein ist sie unentbehrlich. Doch man sollte immer mehr tun, um größere Andacht und Würde im Gotteshause heimisch zu machen, vor allem auf Pünktlichkeit achten, und daß die festgesetzte Zeitdauer nicht überschritten werde. Im Liberalen Synagogenverein Norden werden diese Grundsätze innegehalten. Hierher gehört vielleicht noch, baß man es vorgezogen hat, dem Kaddisch auch einen neuen Platz und erhöhten Rang anzuweiscn. Er wird ebenfalls durch eine deutsche Ueberleitung den Betern erst zum Bewußtsein gebracht und in der Mitte des Gottesdienstes und nur einmalig gesprochen. Es ist ein ergreifender Augenblick, wenn hierbei zwei ältere Knaben des Waisenhauses sich dem Vorbeter zur Seite stellen und mit Ernst und Verständnis das Gebet für das Seelenheil der Verstorbenen sprechen. Von dem Bestreben geleitet, überall das Gute zu suchen und anzunehmen, wurde der Brauch diktiert, das „Schwa" hebräisch laut durch den Rabbiner rezitieren zu lassen, wie denn überhaupt bei der Gemeinde sich ein Bestreben zum Dhoraworte geltend macht. Wiederholt ist schon der Gedanke aufgeworfen wovden. da die Arbeitspflicht am Sonnabend viele treue Juden fernhält, schon am Freitagabend eine regelrechte Dhoravorlesung einzuschalten. Noch, sind wir nicht so weit, aber solche Gedanken gehen von der zahlreich erscheinenden Jugend aus. die auch schon den Wunsch ausgesprochen hat. eigene Andachten zu veranstalten, die ihrem ganzen Wesen. Willen und Ringen entgegenkommen. Es wird nicht lauge dauern, dann wird dieses geschilderte Vorbild seine Früchte darbieten und einen großen KreiS veranlassen. in ähnlicher Form vorzugehen. Darum gebührt besonderer Dank den Kämpfern, die mit diesem Streben begonnen haben und die besten Befürworter des von uns so dringlich verlangten neuen liberalen Gebetbuches sind und wirklich im LazaruSschen Sinne „treu und frei" das Alte mit dem Neuen vermählen. , . Vielleicht kann schließlich «och zweierlei hierbei erwähnt werden. Man hat mit dem besten Erfolge versucht, an alle» Festabenden auf die Megilloth zurückzugreifen und sie mit der Predigt organisch zu verbinden, die in gewollter Konzentration den Hörern und Hörerinnen zeitlich nicht allzuviel zumutet. Und das andere — ein großer und ermutigender Anfang! — ist die Emanzipation der Frauen auch im Gottesdienst. Seit' dem Untergang des Tempels sind sie immer Stieftöchter des jüdischen Kultus gewesen, unid man glaubte schon wunderviel zu gestatten, wenn man sie in der Synagoge duldete, aber von ihnen keinerlei Notiz nahm. Jetzt ist ihnen in der Synagoge -es Liberale nBereinsNord e n Raum und Recht gewährt, und sie beweisen ihre Mündigkeit durch hohe Frömmigkeit und stützen in treuer Anhänglichkeit und erfolgreichem Werben die heilige Sache mit edler, weiblicher Begeisterung. Jks, Angst. Auch ein Austakt zum Wiener Zionistmkongreß. Nichts ist den Zionisten so peinlich, als wenn die jüdischliberale Zeitung" aus eigener Anschauung und objektiv über zionistische Veranstaltungen berichtet. Sie sähen es am liebsten, wenn kritische, mit der Materie vertraute Beobachter die Vorgänge im Zionismus überhaupt nicht schildern und wenn alle Zeitungen nur das ihren Lesern mitteilen würden, was ein hochwohllöölicher zionistischer Pressechef oder eine offizielle, offiziöse, oder der zionistischen Leitung hörige Korrespondenz dem Publikum an Nachrichten vorzusetzen für gut halten. Folgendes ist der Vorgang: Wir hatten unseren Wiener Berichterstatter Dr. Hugo Spiegler, dessen allwöchentliche Wiener Briefe wegen ihres weiten Blicks in der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit berechtigtes Aufsehen erregen, mit der Schilderung des Wiener Zionistenkongresses beauftragt. Er richtete auf unsere Veranlassung an das Bureau des 14. Zionistenkongreffes in Wien die Bitte, ihm eine Pressekarte zum Kongreß zur Verfügung zu stellen. Darauf antwortete — es waren allerdings inzwischen nur fünf Wochen vergangen — das Bureau mit dem nachfolgenden offenbar vorgedruckten Schreiben: Wien. 30. Juli 1925. Bureau des 14. Zionistev kongresses. Euer Wohlgeboren! Wir haben Ihr Schreiben vom 24. Juni erhalten, worin Sie eine Presse-Karte für den 14. Zionistenkongreß anfordern. Da die Zahl der für diesen Zweck verfügbaren Plätze im Kongreßsaal außerordentlich beschränkt ist. sind wir zu unserem lebhaften Bedauern nicht in der Lage, Ihnen die gewünschte Pressekarte zue Verfügung zu stellen. Mit vorzüglicher Hochachtung Bureau des 14. Zionistenkongresses Wien 1925. gez. zwei Unterschriften. Darauf setzten wir uns telephonisch mit der zionistischen Vereinigung für Deutschland in Verbindung. Auf -er Gegenseite svrach Herr Dr. Rosenblüth. Er sagte eine Nachprüfung des Falles zu und stellte die Zusendung einer Pressekarte in Aussicht. Er konnte allerdings nicht .verhehlen, -aß man t» zionistischen Kreisen -ie Entsendung des antizionistischen Berichterstatters Dr. Spiegler nicht gerade gern sähe ..... Dieses Gespräch wurde von uns mit folgendem Schreibe^ bestätigt: jüdisch-liberale Zeitung." Berlin. 5. August 1625. An Hie Zionistische Bereinigung für Deutschland! Berlin W. 18, Meinekestraße 1V. Unter höfl. Bezugnahme auf das gestern mit Ihrem Herrn Dr. Rosenblüth geführte Telephongespräch geben wir Ihnen in der Anlage Abschrift eines Schreibens des BureanS des 14. Zionistenkongresses, das uns in besonderes Erstaune» gesetzt hat. Wir nehmen an. daß hier ein Versehen vvrliegt, und wären Ihnen dankbar, wenn Sie uns in die Lage versetzen würden, unsere Leser auf Grund unseres Nachrichten,, dienstes zu informieren. Ihrer freundlichen Rückäußerung gern entgegensetzend, zeichnen wir Schriftleitung der jüdisch-liberalen Zeitung". 1 Anlage gez. Woyda. Dies die Antwort: Zionistische Bereinigung für Deutschland. Berlin W. 15, Meinekestraße 10. Den 6. August 1928. Wir bestätigen Ihr Schreiben vom 8. August 1925 und haben uns bereits gestern mit dem Bureau des 14. Zionisten-, kongresses wegen Zuexteiluna einer Pressekarte an JhreBei^ tung in Verbindung gesetzt. Hochachtungsvoll Zionistische Vereinigung für 'Deutschland,; Landesvorstanö. gez. Rosenblüth. Und dann kam nichts. Und vor allem keine Karte zum 14. Zionistenkongreß. Und -an» war es auch kein Versehen. Denn. in . aller Oeffentlichkeit sei es einmal festgeftellt: Die Leitung des 14. Kongresses der Zionisten, dieser Pächter des jüdischen Ehrgefühls, dieser Vorkämpfer der Demokratie im jüdischen Leben und dieser Feinde des Assivrilantentnms, hat zwar der jüdisch-liberalen Zeitung" diese Karte wegen Platzmangels versagt. Dafür hat sie aber sogar bereits zu den vorbereitenden Pressekonferenzen, zu denen unser Vertreter ebenfalls nicht zugezogen wurde, die Vertreter Wiener antisemitischer Hetzblätter at'S eingeladene Gäste zugelassen. Gewiß, es ist leicht, unkundige Berichterstatter von Tageszeitungen zu begeistern. Nicht ganz so leicht aber ist es, sich kundige Berichterstatter vom Halse zu halten. Wir wer. den unsere Pflicht tun und unsere Leser ans der eigenen, vorher bestimmten Quelle über den Verlauf des Ziontstenkongresses unterrichten. Denn -mag auf diesem die Enge noch so qualvoll-fürchterlich, mag auch „Platzmangel" sein, unser Berichterstatter wird auf seinem inoffiziell erhaltenem Platz den, Verhandlungen folgen und die, wenn auch nicht vor Antisemiten, so doch vor liberalen Juden behüteten Vorgänge diesen eingehend und objektiv,^ klarzrrlegen MMfc bemühen. ‘ ..*■**. Der vierzehnte Zionislenkongretz. Zeichen vollständigen OebakÄs der Mifchnalioualerr Mlilik. Wien, am 16. August 1925. Kurz vor Eröffnung des Zionistenkongresses lud dessen Pressechef die Vertreter der in- und ausländischen Zeitungen zu sich und gab seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Wiener Tagung des jüdischnationalen Parlaments journalistisch nur von zwei Standpunkten aus gewürdigt werde: von dem des Hoteliers, der ein Geschäft machen will, und von dem der Polizei, die für die Sicherheit der Veranstaltung zu sorgen habe. Bon so banalen Gesichtspunkten aus könne man unmöglich der Bedeutung eines derartigen geschichtlichen Ereignisses gerecht werden. Niemand kann den Schmerz des zionistischen Presse- Amtsleiters besser würdigen als Schreiber dieser Zeilen und niemand hat es in den letzten Wochen mehr bedauert, den Lesern statt Auseinandersetzungen mit den geistigen Kongretzproblemen immer wieder nur Schilderungen der physischen Schwierigkeiten bieten zu müssen, die der jüdischen Veranstaltung in Wien von antisemitischen Hetzern zu machen versucht werden. Trotzdem wäre es ein schwerer Fehler, über die an sich gewiß bedauerlichen und von den zivilisierten Wienern ohne Unterschied der Konfession auch wirklich bedauerten Hakenkreuzler-Exzesse, die mit der von mir jüngst berichteten Mordtat leider noch keinen Höhepunkt, sondern nur eine Quelle gesteigerter Hetze gefunden hoben, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Denn ungleich besser als die schön frisierte Tagesordnung des Kongresses beleuchten die wilden Tumulte, die außen um ihn tobten, die glorreichen Früchte der jüdischnationalen Politik. Wie oft haben wir die Verfechter des jüdischen Nationalismus sich brüsten gehört, daß sie das einzig unfehlbare Mittel gegen den Antisemitismus gefunden haben. Denn dieser sei nichts anderes als die natürliche Reaktion auf die würdelosen Anbrüderungsverjuche des jüdischen Assimilantentums an „fremde" Kulturen. Mit dem Aufhören der zudringlichen Anglei ch-ungsbestrebnngcn der Juden an ihre „Wirtsoölker" müsse auch deren instinktmäßige Abwehr ihr Ende finden und das national auf sich selbst gestellte Judentum werde nicht nur keine Aversion mehr auslösen, sondern im Gegenteil endlich den ehrenden Respekt der anderen Rassen finden, die den parasitären Neigungen jener Juden, die nichts weiter sein wollen als deutsche, bzw. polnische, tschechische usw. Staatsbürger mosaischer Konfession, die gebührende Verachtung zollen. Und es läßt sich nicht leugnen, daß dieses Sirenenlieö der „jüdischen Selbstbesinnung" viele der besten unseres Stammes dazu vermocht hat, ihre Zugehörigkeit zu -er Nation, in deren Sprache sie zuerst die teuren Namen „Vater" und „Mutter" lallten, und deren Kultur ihren Vorfahren im 19. Jahrhundert den geistigen Weg aus dem Ghetto gebahnt hat, zu verleugnen und dem Schemen eines eigenen Volkstums zu opfern, dem so ziemlich alles mangelt, was sonst als konstitutives Merkmal des Begriffes „Nation" gilt: gemeinsame Kultur und Umgangssprache sowie geschlossene Siedlung im eigenen Lande. Dieses Opfer geht weit darüber hinaus, was -ie Begründer des modernen Zionismus, Sie tief in der westeuropäischen Kultur und im deutschen Schrifttum verwurzelten Herzl und Nord au, im Interesse der Bewegung geboten er* achteten. Es kann nicht bestritten werden, daß .das Fernbleiben Noröaus von dem letzten Zionistenkongreß, den er noch erlebte, dem Wiener Kongreß von 1913, als Protest gegen den scharfen Gegensatz -u werten ist, :in den die Wiener Zionistenführer kleineren Kalibers durch ihren extrem nationalistischen Chauvinismus zu der qualitativ und - quantitativ bedeutenderen Schichte jener Wiener Juden geraten waren, um deren Gewinnung es Herzl hauptsächlich zu tun gewesen war und denen man erst jetzt — sehr zum Mißvergnügen der diversen Stricker, Goldmann e tutti quanti — eine provisorische Duldung in i der Jewish Agency gnädigst zugestehen will. Eine so katastrophale „Innenpolitik" wäre selbst dann nur zum Teil entschuldbar, wenn die „außenpolitischen" Erfolge die jüdischnationalen Hoffnungen auf eine leidlichere Gestaltung des Verhältnisses, zwischen Juden und Nichtjuden gerechtfertigt hätten. Gerade in der Beziehung deklarieren aber die antisemitischen K n n ü«r gedungen gegen den jetzigen Kongreß da s entsetzlichste Fiasko der j st dis chriatron alten Politik. Ich glaube nicht, daß seit dem finstersten Mittelalter eine intern jüdische Veranstaltung, einen solchen Sturm gehässigster Abwehr äusgelöst hat, wie dieser Zionistenkongreß. Eine Abwehr, die in groteskem'Gegensatz zu dem freundlichen Interesse steht, das vor zwei Jahren eine internationale Agud ah-Tagung in Wien bei den österreichischen Regierungsparteien gefunden hat — auch bei dem klerikalen Hauptorgan, das sich jetzt gar nicht genug tun kann in wüster Hetze gegen die Invasion der Zionisten, damals aber in dem Zusammenströmen orthodoxer Juden aus aller Herren Länder nicht nur keine Gefahr für Wien, sondern im Gegenteil ein Ereignis sah, dem eA durch einen eigenen Sonderberichterstatter recht freundliche Würdigung zu zollen für opportun hielt. Zu jener Zeit war der Prälat Dr. Seipel österreichischer Bundeskanzler und dieser Mann, der noch heute als der eigentliche Inspirator der österreichischen Politik zu betrachten ist, hat gerade jetzt, in den Tagen, da die Hetze gegen den Zionistenkongreß in Wien systematische Formen anzunehmen begann, in Gens aus der Tagung des Weltstudentenwerks eine Rede gehalten, in der er mit flammenden Worten für die Versöhnung der Rassen eintrat und. zwar besonders solcher Raffen, die Demselben Staate angehören, Teilhaber an demselben geographisch gegebenen Wirtschaftsgebiet sind." Daß auch der christlichsoziale Nachfolger Dr. Seipels» der jetzige Bundeskanzler Dr. Ramek, von der Notwendigkeit einer solchen Bersöhttungspolitik durchdrungen ist, hat er bewiesen, als. er die Wiener Tagnng des Zjonistenkongreffes unter seinen besonderen Schutz nahm und dies, wie ich schon berichtet habe, dem Londoner Exekutivkomitee durch den österreichischen Gesandten in England feierlich mitteilen ließ. Um so unbegreiflicher wäre die gehässige Haltung des RegieruugSorgans gegenüber Sem Kongreß, wenn nicht ein jüngst erschienener Artikel des; klerikalen „Corriere ^KaUa'* nur allzndeutlich verxitze^