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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-08-21 · 34 (21.8.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
34 (21.8.1925)
Date
1925-08-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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i öuiia der Früüehe, wie -ieS J.G.Hoffmann hervorhob, ist demnach keine Rede mehr,- die andere Tatsache ist die, wie sich das naturgemäß aus der Zahl der verminderten Eheschließungen ergibt, daß die Zahl der Ledigen bei den deutschen Juden, sowohl beim männlichen wie beim weiblichen Geschlecht, relativ viel größer ist wie bei der nichtjüüischen Bevölkerung. Welches sind, nun die Wirkungen der Ehelosigkeit und der Svätehe in sexueller Hinsicht? Die medizinische und Moralstattstik bezeichnen als zwangsläufige Folgen dieser abnormen Verhältnisse außerehelich eKindererzeugung, Anwachsen und starrere Inanspruchnahme der Prostitution und die Gefahr der Erwerbung von Geschlechtskrankheiten. Es ist Tatsache, daß nur ein Teil der Unverheirateten im geschl«htsreifen Alter abstinent lebt und daß außereheliche Verhältnisse, Inanspruchnahme der Prostitution und uneheliche Kinöerproduktion das Surrogat der Ehe, oder genauer des ehelichen Geschlechtslebens, bilden und daß Geschlechtskrankheiten vorwiegend als Begleiterscheinung des außerehelichen Geschlechtsverkehrs auftreten. Es wäre nun eine wichtige Aufgabe, einwandfrei und zahlenmäßig sestzustellen, wieweit die Juden an diesen Erscheinungen beteiligt sind. Leider versagt hier die Statistik, sie gibt wesentlich nur über die Unehelichkeitsziffer Ausschluß. Daß diese bei den Juden gering ist, wird von allen Schriftstellern her- »orgehoben. Sie betrug 1822 bis 1840 den vierten Teil der Unehelichkeitszisfer der allgemeinen Bevölkerung; wenn sie in den 80er oder 90er Jahren ein Drittel betrug, so ist dieses Anwachsen nur ein schernbares, weil infolge des Zuruckgehens der Ziffer der ehelichen Geburten selbst beim Gleichbleiben der Unehelichen der Quotient steigen mußte. Nach Theilhaber lUutergang. 2. Ausl. S. 79s bildeten in Berlin in den letzten Jahren vor dem Kriege bei oen Juden die unehelichen Geburten 10 Prozent der ehelichen gegen 5 Prozent in den 70er Jahren. Da 1913 in Berlin die Unehelichkeitsziffer bei der Gesamtbevölkerung 30 Prozent der Ehelichen betrug, so würde die Unehelichkeitszisfer bei den Juden nur den dritten Teil der Gesamtunehelichkeitsziffer betragen; die relativ hohe Ziffer dürfte aber zum Teil "aus das Konto der Ostjuden zu rechnen sein, die vielfach nur in rituell geschlossenen Ehen leben und deren Kinder alsdann offiziell als unehelich gelten. Zutreffend gibt Ruppin (Die sozialen Verhältnisse der Juden in Preußen und Deutschland. Conrads Jahrbücher 1902, Seite 371s zwei Gründe für die geringe Beteiligung der Juden an der Unehelichkeit au, einmal den. daß die soziale Lage der Juden im Durchschnitt erheblich bester ist wie die der Christen, daß aber gerade materielle Not und Tiefstand es sind, welche den außerehelichen Verkehr begünstigen; zum anderen hält Ruppin die traditionelle Auffassung über die Unzulässigkeit dieses Verkehrs noch für wirksam. Dazu komme noch die strengere Beaufsichtigung der jüdischen Mädchen. So erkläre es sich, daß uneheliche christliche Mütter in leidlich noch gutgestellte Schichten hineinragen, wäh- Letrd die unehelichen jüdischen Mütter, bei welchen diese Hemmungen nicht mehr wirksam sind, einer besonders niedrigen sozialen Klasse angehören. Noch viel geringer wie bei der Unehelichkeit ist die Beteiligung der Jüdinnen an der Prostitution, wenigstens soweit die Verhältnisse in Deutschland in Betracht kommen. Wenn behauptet wurde, daß auch bei den westeuropäischen Juden die Prostitution an Boden gewinne, so fehlt dafür der zahlenmäßige Beweis. Dagegen gibt es Autoren, die ausdrücklich auf die geringe Beteiligung der Jüdinnen an der Prostitution Hinweisen. So fand Moenkemüller unter 1920 Aufnahmen in einer Korrektionsanstalt für sittlich entgleiste Mädchen nur sechs Jüdinnen. Nach seiner Annahme sollte man die Folge der starken Beimischung orientalischen Blutes und der dadurch bei ihnen sehr ausgeprägten Sinnlichkeit' (?) erwarten, ihnen öfters im Arbeit-Hause zu begegnen. Wie steht es nun mit der Verbreitung der Geschlechtskrankheiten bei den Juden? Bei der mangelhaften Statistik der Geschlechtskrankheiten, die natürlich mit der delikaten Materie zusammenhängt, ist man nicht in der Lage, zahlenmäßige Unterlagen zu bringen. Es gibt aber eine Krankheit, die Paralyse, die Gehirnerweichung, die als Nachkrankheit der Syphilis anstritt und deren Häufigkeit als Indikator für die Verbreitung der Syphilis angesehen werden kann. Der um die Statistik und Demographie der Juden hochverdiente, einem jammervollen Schicksale zum Opfer gefallene Frankfurter Nervenarzt Dr. Max Sichel hat sich in zahlreichen und gründlichen Untersuchungen mit dem Problem der Paralyse bei den Juden beschäftigt und diese in seinem Aussatz: „Die Paralyse der Juden in sexuologischer Hinsicht" zusammengesaßt (Zeitschr. s. Sexualwissenschaft, VI, S. 98). Sichel stellte fest, daß die Paralyse bei den Inden erst mit Beginn der 70er Jahre eine Rolle zu spielen beginnt, rn der Frankfurter Irrenanstalt machte sie in den Jahren 1870 big 1880 den fünften Teil der jüdischen Geisteskranken aus. Für das plötzliche Anschnellen der Paralyse bei den Inden gibt Zollschan die Erklärung, daß die Syphilis, die notwendige Voraussetzung der Gehirnerweichung, bei den von ihr bisher ziemlich verschonten Völkerschaften eine stärkere Giftwirkung entfaltet als bei anderen, die schon längere Zeit mit ihr bekannt sind. Früher haben eben bei den Juden in ihrer abgesonderten Lebensweise und ihren friihen Heiraten syphilitische Infektionen zu den größten Seltenheiten gehört. Sichel dagegen findet eine viel einleuchtendere Erklärung für das plötzliche Ansteigen der Paralyse bei den Juden, es fällt nämlich ziemlich genau mit dem Zeitpunkt zusammen, wo die Abwanderung der Juden in die Städte, namentlich in die Großstädte, erfolgte. Das Leben in den Großstädten mit seiner umfangreichen Gelegenheit zu sexuellen Ausschreitungen schasst aber den günstigsten Boden für den Erwerb und die Weitervcrbreitung sexueller Infektionen, während auf dem Laude die Geschlechtskrankheiten auch heute noch viel seltener sind. So werden auch die meisten Paralysen bei den Juden in den großstädtischen Anstalten angetroffen, seltener dagegen bei den ländlichen. Die Ursache, daß die Paralyse bei den Juden im Osten relativ selten beobachtet wird, findet Sichel darin, daß die Inden der östlichen Länder in ihrer überwiegenden Mehrzahl noch in ghettoähnlichen Verhältnissen leben und an ihren altüberlieferten Sitten und Gebräuchen feft* halten. Den Ostjnden sind Bibel und Talmud auch heute noch verbindliches oberstes Sittengesctz, und dieses strenge Beharren in den Gesetzen der religiösen Moral bewirkt, daß auch die Quelle syphilitischer Infektionen viel dürftiger fließt und für die Paralyse kein Feld vorhanden ist. Bei den westlichen Juden hat das religiöse Gesetz, in früheren Jahren das Hauptbollwerk gegen Ausschweifungen jeder Art, die bindende Kraft früherer Dezennien verloren, dem Sich-ausleben stehe daher nichts mehr hindernd im Wege. Aus dem häufigen Vorkommen der Paralyse bei den Juden Deutschlands, Oesterreichs und Englands schließt Sichel, daß die Syphilis bei ihnen sehr stark verbreitet ist. In merkwürdigem Gegensatz zur Häufigkeit der Paralyse bei den jüdischen Männern steht das seltene Auftreten bei den Frauen. Sichel fand unter 127 Paralysen bei den Juden in der Frankfurter Irrenanstalt nur neun Erkrankungen beim weiblichen Geschlecht. In dieser seltenen Beteiligung der Frauen offenbart sich nach Sichel zweifellos noch die traditionelle Sittenreinheit der jiddischen Frauen, wobei allerdings ihre relativ noch geringe Teilnahme am Erwerbsleben in Betracht kommt gegenüber den Frauen der anderen Konfessionen. Geschlechtskrankheiten schädigen nicht allein den von ihnen Betroffenen, sondern auch bekanntlich bie Nachkommenschaft. Sie erzeugen Unfruchtbarkeit der Ehe. und die Ein- und Zweikinberehe bei den Juden ist vielleicht vielfach eine nicht freiwillig gewollte, sondern sie hängt mit der Nachwirkung einer vorausgegangenen Geschlechtskrankheit zusammen. Was ergibt sich nun aus diesen Darlegungen? Zunächst ist als erfreulich sestzustellen, daß die jüdischen Frauen gegenüber der sexuellen Verwilderung noch immer standgehalten und ihren traditionellen guten Ruf bewahrt haben. Das muß gegenüber manchen Füyrerinnerr der jüdischen Frauenbewegung 2Evade im Interesse der objektiven Wahrheit betont werden, die nur zu leicht geneigt sind, einzelne Fälle zu verallgemeinern. Mit diesen Uebertrcibungen schädigen sie nicht nur das Ansehen der jüdischen Frau, sondern sie liefern auch unbewußt und unbeabsichtigt dem Antisemitismus Wasser auf die Mühle. Auch das arme jüdische Mädchen, das nicht zur Ehe gelangen kann, weist es weit von sich, Ersatz dafür in der Prostitution und in der Unehelichkeit zu suchen. Es wählt aber als Ausweg aus diesem Konflikt vielfach die Mischehe. Ob auch für die Zukunft die Mische Frau allen Bersmhnngen stand'halten wird? Namhafte Autoren äußern sich hierzu skeptisch. Sie weisen darauf hin, daß immer mehr Frauen und Mädchen gezwungen werden, beruflich tätig zu sein — die diesjährige Berufs- und Betriebszählung wird dies wieder bestätigen —, daß sie sich selbständig machen müssen und losgelöst von der Aufsicht der Familie in der Großstadt untertauchen. Der Krieg hat diese Dinge noch ungemein verschärft. Die Gefahr der sittlichen Entgleisung, der Verseuchung und Ansteckung rückt damit naher. Eine großzügige Sexualpolitik muß daher dahin wirken, daß für den wehr und mehr in Wegfall kommenden Schutz des Elternhauses andere Organisationen eintreten, die dem jungen unerfahrenen Mädchen mit Rat und Tat zur Seite stehen und sie immer wieder über die Folgen eines ungebundenen Lebenswandels zu belehren. Einen anderen Weg der Abhilfe schlägt Dr. G. Löffler vor. In einem tiefschürfenden Aufsatz: „Geschlechtlichkeit und Sittlichkeit" („Der Morgen", April 1923)'. betont er. daß wir eine Erfüllung des sittlichen Ideals und damit auch der geschlechtlichen Sittlichkeit bis in die letzte Folgerichtigkeit nur erwarten dürfen, wenn dem Körper das ihm von Gott verliehene Recht nicht gewaltsam versagt wird. Da die Frauen in der Ueberzahl sind, muß eine große Zahl weiblicher Wesen nach der im Abendland herrschenden Sitte ohne Beziehungen zum Mann bleiben, uud so wird einer natürlichen triebhaften Anlage die Entfaltung versagt. Nach Löffler gibt es nur einen Weg, dem Naturrecht der im Zeichen der Einehe überzähligen unbemannten Frauen gerecht zu werden, das ist die Prüfung der Frage, ob nicht künftig der Zwei ehe, d. h. der Eheschließung eines Mannes mit zwei Frauen von gesetzeswegen Raum zu schaffen sei. Habe ja doch die Kultur des Alten Testaments die Mehrehe als sittlich zulässig anerkannt, und waren noch bis zum Jahre 1009 Ehen eines Mannes mit mehreren Frauen rcligionsgesetzlich erlaubt. Diese von warmem Herzen kommenden Anregungen Löfflers dürften kaum Aussicht auf Erfüllung haben. Das Bild, das wir von der herrschenden Sexualnot der Juden skizziert haben, ist leider ein überwiegend unerfreuliches. Die Situation ist tatsächlich so, wie sie Theilhaber mit lapidaren Worten zeichnet, wenn er aussührt, daß das Eros heute die Juden aus der Gemeinschaft herauöführt. während jahrhundertelang der einzelne sich als Glied der Gemeinschaft fühlte und an der Erhaltung der Art in der völkisch zweckdienlichsten Weise sich gebunden fühlte und ohne Rücksicht auf sein eigenes Interesse bis aufs äußerste beteiligt war. Dem modernen Juden steht in den Fragen der Sexualpolitik das eigene Interesse und das Judith. Gon H. Gold sch m idt-Berlin. Judith. Du konntest Deinen Gott vergessen? So ist eS also wahr, was man erzählt: Und ich, ich dachte immer noch indessen. Es hätten böse Zungen dich geschmält. Nein, kalte flehend nicht vor mir die Hände. Sie haben recht, die sich von Dir gewandt. So wie auch ich mich jetzo von Dir wende. Ich löse heut das innig traute Band, DaS uns umschlang. Noch einmal laß Dich warnen 2 Bist Dü des Christen Weib geworden. Kind. Dann wirst Du bald gehören zu den Armen. Die gänzlich, gänzlich ohne Heimat sind. Sag' nicht, weil Deine Eltern nicht mehr leben. Du seist allein und heimatlos auch jetzt — Bist öu von Glaubensbrüdern treu umgeben. Äst unbewußt die Heimat Dir ersetzt." Die Alte geht. Hört nicht des Mädchens Klage: ,So mutz ich denn verlieren nun auch Dich. Du treue Freundin meiner Kindheitstage! Allgütger Gott, behüte, segne mich Er liebt mich und ich ihn. Mutz ich entsagen? Kum ersten Male sich das Glück mir beut. Zum erste« Male seh' ich froher» Tagen. Als die vergangnen war'n. entgegen heut." Rock einmal Judiths Heißes Herz durchfliegt Ein Zaudern: nochmals regt sich ihr Gewisse«: Dan» hat die Sehnsucht nach dem Glück gesiegt. Der Däter Glauben hat ihr weichen müssen. Vielleicht, Latz Gott den Treubruch ihr verzeiht. Daß er erfüllt ihr sehnsuchtsvolles Hoffen. Vielleicht, -atz sie einmal in später Zeit Der Stunde flucht. La sie die Wahl getroffen. Ich weiß nicht, welch LvL ihr geworden fei. Den» ihre Spur verschwand im Weltg etliche. — Die Einen nennen es — Verräterei. Die Andern nennen es — Liebet Jüdische Schriftsteller der Gegenwart. iFortsehung.s 3. Ernst Lissauer. Von Dr. Lndwia Davidsohn-Berlin. Wie konnte es anders sein, datz dieser Dichter, als die ungeheure Massensuggestion des Weltkrieges einsetzte, einer der bekanntesten Kriegslnriker und der am meisten zitterte deutsche Tyrtäns des Bölkerringeus wurde. Seine kleine Gedichtsammlung. „Kriegsflugblätter". „Worte in die Zeit", später gesammelt in „der brennende Tag" erschienen, fanden eine unglaubliche Verbreitung, und wenn der klassische „Dichterwnnsch": Aufs Denkmal verzichten wir willig. Mehr freut uns, wenn ihr ein Lied non uns kennt, als wenn unser Bild in der Sonne brennt. Eure Liebe sei unser Postament." Geltung hat. so konnte Lissauer zufrieden sein! Sein „Haßgesang an England" war im ersten Kricgsjahr unbestritten das berühmteste und zündendste Kriegsgericht Deutschlands. Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer. ivar ans jedermanns Lippen, der Kronprinz von Bayern ließ es durch Flugblätter bei allen Fronttrnppen verbreiten: — der Kaiser ließ ihm sogar den roten Adlerorden dafür senden; — — Immerhin .. > einer allgemeinen Volksstimmung hatte der Dichter stärksten Ausdruck gegeben. — Im Laufe der Jahre ebbte dann natürlich die Kriegsstimmung ab. die Zeiten der entsetzlichen Nvt. des Zusammenbruchs, der furchtbaren Erniedrigung und Demütigung unseres Vaterlandes begannen. Und als die Wogen krankhafter nationalistischer Verhetzung hochgingen, besann man sich in Deutschland it. a. darauf, daß man ia seit Jahrtausenden im Judentum einen höchst brauchbaren Prügelknaben bei der Hand hatte! Wenn die Pest im Mittelalter die Menschen zu Tausenden dahinraffte, hietz es. die Juden hätten die Brunnen vergiftet, wenn rötlich auSseheude Spaltpilze auf den Oblaten der Monstranzen wucherten, oder die Leiche eines christlichen KindeS gefunden wurde, gab man den Inden die Schuld daran und schlug sie ohne viel Federlesentot. Warum sollten die alten Rezepte nicht noch brauchbar sein? — Der deutsche Generalissimus Ludenborff bewies bie Grütze seiner Intelligenz, indem er immer wieder erklärte und wörtlich schrieb: ,Hch halte das „jüdische Volk" als wesentliche Ursache unseres Zusammenbruch-!" Alob die deutsche» Heerführer und die Leiter -er deutschen Politik Juden gewesen seien! Der Antisemitismus flammte mächtig auf! Die Strömung der Gegenbewegung, -er Zionismus, machte daraufhin Fort-? dritte. Und nun wurde ein so reiner und unbefangener yriker wie Lissauer. gevade. weil er ein so auter deutscher dichter, dessen Tiefstes aus dem Judentum stammte, war. leidlich von rechts und links beschimpft. Ludendorsf hrieb: „Deutsche Juden gibt es nicht, höchstens Juden eutscher Staatsangehörigkeit!" — Dann bemerkten antisekitische Blätter, daß die Dichtungen des „Juden Lissauer as deutsche Schrifttum verunzierten, der Hatzgesang sei echt ü d i s ch. nur die Minderwertigkeit des niedrigen iüdnchen gescns sei überhaupt eines Hasses fähig, das edle Gerlanentum könne nur Zorn aufbringen! Die Zwnriten aaegen beschuldigten den Dickster, datz er das Judentum ver« aten hätte, höhnten ihn einen „Mimikry-Germanen' etc. etc. Slücklicherweise ist der Dichter unbeirrt durch das komisch, nnmtenöe Gewäsch aus den verschiedenen Lagern ruhig »inen Weg gegangen, den Weg, den ihm sein Gewusen und rin großes Talent vorgeschriebe» haben, und hat sich um all iese Torheiten nicht viel gekümmert! Der rückschanende Kulturhistoriker mutz aber zu diesem anzen Streit Grundlegendes sagen, gerade weil es sich hrer m ein Schulbeispiel handelt, datz allen Unvorerngeommenen verdunkelte Binsenweisheiten von neuem klar tfH&ct verkehrt, auf die kindischen Ausführungen tnes Mannes wie z. B. Ludendorsf. der Sprecher emer roßen, deutschvölkischen Gruppe ist. überhaupt Alt tu oidern! .Es gibt bekanntlich Mächte, mit denen Götter selbst vergebens kämpfen, und niemand soll sich ernbilden, datz er nehr vermöge, als ein Gott! In Bezug auf den ,ckatzgesaug" braucht sich Lissauer nicht u entschuldigen oder sich seines elementaren Gefühlsaus. »rucheS zu schämen, lieber Forderungen der Kultur und nenschlichen Zivilisiernng hat er in seinen EssayS vor und cach Lew Kriege ko Schönes und Grundlegendes geschrieben, atz jeder Denkende bloß seine Mahnungen zu beherzigen >rancht. um außer einem guten Deutschen auch noch ein guter kuropäer zu fein! Der Dichter hatte es nicht nötig, nach tm Kriege umzulernen, wie viele andere, die rhn vim anirifseu. Mag der .hatzgesang". der sich durch seine Berühmtleit itt ganz ungerechtfertigter Weise vor baS Übrige, um »ieleS wesentlichere und bedeutendere Schaffen de- Dichters lestellt hat. politisch und seelisch-kulturell eine Entgleisung ein. als Kunstwerk hat es mit feinem stählernen Rhythmus eöenfalls eine hinreißende, unmittelbar ans Herz greiser»« »irkung gehabt. Und für die ganze Angelegenheit gut benfallS das Wort: ,483« bei gewissen Gelegenheiten nicht

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