Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 33 (14.8.1925)
- Date
- 1925-08-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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tzssiert ist, Learüßt wirb. Ich darf auch Saran erinnern, -aß in -er allerjüngsten Zeit Vertreter der verschiedensten Berufszweige, -es Gastgewerbes und -es Handeis ihr Interesse au -er ungestörten Abhaltung des Kongresses zum Ausdruck gebracht badend Gleichzeitig gibt auch die Wiener Polizei ein offizielles Bulletin heraus, in dem sie ebenfalls die Ansicht vertritt, daß der Kongreß -er einheimische» Bevölkerung nur Nutzen und keinen Schaden bringen kann und de-halb vollen Anspruch auf -en Schutz der Behörden hat, der ihm auch zuteil «erden soll. Auch diese amtliche Kundgebung beruft sich auf eine Intervention Wiener Gewerbetreibender zugunsten de- Kongresses. von dem sie sich mit Recht eine Belebung des Geschäftes versprechen. Interessant ist, daß zu -en Wortführern -ieser Deputation -er Hotelbesitzer Nagler gehört, der vor dem Kriege lange Jahre christltchfo-taler RetchSratSabgeordneter und innerhalb feiner Fraktion Führer des nationalen Flügels gewesen ist. Eine Intervention von solcher Seite ist wohl gegen de» Verdacht gefeit, daß sie lediglich im jüdischen Interesse erfolgt sei. Sie ist vielmehr als eine Stimme -er gesunden Vernunft zu werten, die sich endlich siegreich durch das Chaos von Dummheit und Lüge der Hakenkreuzlerhetze Bahn bricht. Leider ist die Rückkehr unserer Behörden zu spät erfolgt, um jene abscheulichen Stratzenszenen zu verhüten, die mit dem von mir letzthin geschilderten Totschlag auf dem Praterstern «inen blutigen Höhepunkt erreichten. Meinem Bericht über dieses traurig« Ereignis wäre nur noch hmzuznfügen. daß sich inzwischen meine Vermutung voll und ganz bestätigt bat, der Mörder sei nicht in den Kreisen politischer Organisierter, sondern unter den lichtscheuen Elementen des Praterviertels zu suchen. Er ist nämlich bald darauf verhaftet worden und hat sich als ein mehrfach vorbestrafter Zuhälter entpuppt. Lern das Messer stets nur lose im Apachengürtel stak. Diese Eruierung hat freilich die klerikale und deutschvölkische Presse nicht gehindert, die Blutschuld den Sozialisten aufzubürben. ibts die „Rote Fahne" die Oeffentlichkeit mit der Enthüllung überraschte, der eigentliche Provokateur Le- Tumult-, -er ei» so blutiges Ende finden sollte, sei ein — Polizeikonfident gewesen. Selbstverständlich setzte sich die hohe Obrigkeit geaot Mete Darstellung erbittert zur Wehr, da «S aber nur zu gut bekannt ist, Laß sich unsere Polizei im allgemeinen weit über daerlaubte Maß eineschmäh, lichen SonfidententumS zu bedienen pflegt, findet ihre Abwehr nicht ungeteilten Glauben. Die heilige Her- Mandat ist in «ine peinliche Situation geraten, die daein« Gute gezeitigt hat, daß auch die antisemitischen A»Sschrater beS Mordes sich einige Reserve aufzuerlegen beginnen. ES soll aber nicht unerwähnt bleiben, Latz der die Einsegnung des ermordeten christlichen Turners vornehmende Priester, ein HeereSprobst mit dem urgermauischen Namen Pawlikowsky, sich noch am Grabe des Opfers nationalsozialistischen StratzenterrorS die Behauptung erlaubte, daß die Bluttat eine Folge der Hetze Rassefremder gewesen sei... Gegenüber solchen agitatorischen Exzessen einer aus all, gemeinen Steuergeldern erhaltene» Clique von Geistlichen und Staatsbeamten, welche letztere das Hauptkontingent der Hakenkreuzler bilden, vertritt die eingangs erwähnte Deputation der bodenständigen Gewerbetreibenden, die beim Bundeskanzler und im Polizeipräsidium zugunsten des ungestörten Verlaufs des Zionistenkongresses intervenierte, das Interesse LeS steuerzahlenben Bürgertums. Es ist immerhin grotesk, daß hierzulande die staatserhaltenden Elemente einem überheblichen Parasitentum von Staatspfründern gegenüber erst umständlich den Schutz der Behörden anrufen mußte». Trotzdem ist es nützlich, daß dies geschah, weil es hie von den Hakenkreuzlern verbreitete Legende, von der Erbitterung der gesamten christlichen Wiener gegen den Aionistenkongretz gründlich Lugen strafte. ^ilebrigenS wissen auch die Nationalsozialisten ganz gut, dach, von einer solchen Erbitterung keine Spur vorhanden ist. mt wären sonst nicht so eifrig bemüht, -a-, was sie in ihren Versammlungen und Zeitungen-beständig als natürlichen Instinkt germanischen Wesens hinstellen, künstlich zu erzeugen. Welcher Mittel sich hierbei die Propagandisten der „sittlichen" Erneuerung deutschen BolkStumS bedienen, geigen gefälschte Afftchen. die sie in dunkler Nacht an Laterne«. und Mauern ankleben, wie folgende: Sokoln! Ter Zionisten ko ngrcß mutz «nL ver, einigt feh'u! Auf zu« Kampf der unterdrückten Minderheiten! Jüdischer Nationalrat. Bureau Wien. * * Ihr blöde» Christen, dreckige Arier. Heid gut als Arbeiter, als Prole» tarier! Keren Kajemetb. Das zweite Plakat fällt ein wenig aus der Rolle, da es offenbar darauf verzichtet, auch nur von dem Naivsten als eine echte Proklamation der Zionisten aufgefaßt zu werden. Dagegen ist die angebliche Verbindung der Zionisten mit den Tschechen, die der erste Aufruf anschaulich machen will, ein wichtiger Faktor in der deutschvölkischen BerleumbungSkampagne gegen den Kongreß. Hat doch das Hakenkreuzlerorgan einmal sogar Extra-Ausgaben mit der Alarmnachricht kolportieren lassen, daß eme tschechoslowakische Armee an der Grenze Oesterreichs stehe und nur auf das Zeichen zum Einmarsch warte, um den bedrohten Zionistenkongreß zu schützen.... Die Gerechtigkeit erfordert indessen die Feststellung, daß die Hakenkreuzler durchaus nicht, wie man aus obigen Proben fchneßen könnte, von einem krankhaften Drange, zu lügen, besessen sind. Sie weichen der Wahrheit keineswegs aus, mmn sie aus ihr Kapital zu schlagen vermögen, und sie greifen nur deshalb zu Fug und Trug, weil solche Wahrheiten sehr spärlich gesät sind. Daß eL aber an ihnen nicht Sänzlich mangelt, dafür sorgte leider die Tüchtigkeit und jewissenhastig keit der Wiener Jüdischnationalen. .Deren Führer, Herr Robert St riet er. ist bekanntlich Mitbegründer der Partei „Radikaler Zionisten", die sich die „naitonalkulturelle" Umkrempelung der südlichen S--le zur Ausgabe gemacht hat. Zum Zwecke dieses psychologischen Umwandlungsprozesses haS-n die hiesigen In - n^en vor einigen Jahren im BabnhofSgebärrde einer seit Jahrsehnten eingestellten Drahtseilbahn fit Heim für durchreisende Chaluzbm eingerichtet. Bei ihrem ständigen Suchen Vach jüdischen Sünden brachten die Hakenkreuzler diesem Institut ein liebevolles Interesse entgegen. Ihr Erfolg üvertrak sicher ihre kühnsten Erwartungen. Sie alarmierten die Behörden, die am 11. Februar 1925 eine Kommissionierung veS HauseS Lurchführten und damals folgendes, jetzt in allen Blättern publizierte- Ergebnis zutage förderten: Zur Zeit der Begehung, um 10 Uhr vormittags, sind die Leute noch mit schmutzige» Stiefeln in denBetten gelegen. Der Fußboden hatte den Anschein, als ob er niemals gereinigt worbe« wäre. Die Trennung der Geschlechter war nicht durchgeführt. Ein Jsolierztmmer war entgegen der Borchrift nicht vorhanden. Auch davvrgeschrtebene Bad hat nicht sur Verfügung gestanden. Außerdem wurde festgestellt. daß von der De-infektionSeinrichtung nie Gebrauch gemacht worden ist und nicht einmal Gebrauch gemacht «erden konnte, nachdem fl« sich in einem ganz unverweno» Laren Zustand befand. ES war ferner Vorschrift, baß das Heim tagsüber überwacht werbe. Der Verwalter, der für daS Heim verantwort- Lich ist. verläßt aber um 8 Uhr früh bereits bas Heim und toaintt erst spät abends «ach Hause. DaS Heim bleibt tage. Lang ohne Aussicht, Auch die Vorschrift, daß ein Arzt wöchentlich das Hei» kontrolliert, »ar nicht erfüllt morde«. Die äußerst primitive, gemeinsame Waschgelegenbeit »efand sich in einem stark vernachlässigten Zustand. Ferner war nicht eiumal eine Waschküche eingerichtet. Anläßlich der Inspektion am 11. Februar 1923 wurde mich sestgestellt, daß daS elektrische Licht wohl eingeleitet, aber der Strombezug für daS Heim gesperrt war. so daß di« Holzräume mit Petroleumlampen beleuchtet werden mußten, als» stark« yeuersgefahr Lestarrd. Di« Räumlichkeiten befanden sich insgesamt 1» einem sehr verschmutzten Zustand. Gleich hinter dem Heim befand sich «ine KehrtchtablagerungSstätte. so daß die Möglichkeit der Pertragung von Keimen offen auf der Hand liegt. In eine« Ran« befand sich ein ganze, yerg verfaulter Matratze«. Zur Zeit der Begehung befanden sich in dem Heim siebe« Mädchen und 85 Männer sowie eine fünfköyftge Familie, die aus Rußland. Polen und der Ukraine stammen. Das Heim befand sich in einech stark verwahrlosten Zustand und im Hinblick daraus, daß seine Bewohner aus verfeuchten Gegenden zugewandert sind, las eine nicht zu unterschätzende Gefahr für ganz Niederösterreich und Wien vor. Die Landesregierung hat ans Grund dieser Erhebungen an den Weiterbestand de- Heims Bedingungen geknüpft, die sich vor allem ans die einwandfreie Reinigung der eintreffende» Verso»««, die vollkommene Instandsetzung der DeSinfekttonSapparate und Badegelegenheit beziehen. Ferner die Reinigung sämtlicher Räume, die Derbrennung der alten Gtrohsäcke, der Abschluß eines Vertrages mit einem Arzt, zwecks wöchentlicher Kontrolle. Instandsetzung der elektrischen Veleuchtnng usw. Man sollte glauben, baß «ine so vernichtende, wen« auch vorerst der breiten Oeffentlichkeit vorenthaltene amtliche Kritik die iüdischnationalen Verwaltungskünstler zu einer ernsteren Auffassung ihrer Pflichten gegenüber den Chaluzim hätte aneifern müssen. Statt dessen konstautierte eine auf Drängen der Hakenkreuzler Ende Juli neuerlich daS CHaluzimheirn vtsitiereude behördliche Kommission, daß die amtlichen Ermahnungen fruchtlos und die gerügten Zustände unverändert geblieben find! Infolgedessen wurde daS Heim behördlich gesperrt... Man kann ruhig sagen, daß dieser Skandal alles übertrifft, was die boshafteste Phantasie der gehässigsten Antisemiten hätte ersinnen können. Vergeblich reden sich die Schuldige» damit aus, daß die Chaluzim sich jetzt nach Neuregelung der Quarantäne-Vorschriften für Palästinasahrer nicht mehr so lange in Wien bleiben müssen wie früher. Denn eS ist eine Schweinerei sondergleichen, Menschen auch nur auf wenige Stunden in Quartieren unterzubrinaen. in denen so beschämende Zustände herrschen und trotz behördlicher Mahnung nicht abgestellt wurden. Weder die Scham vor den Amtsorganen der Landesregierung noch die in diesem Falle leider berechtigte Angst vor der Hakenkreuzler, spionage hat die „radikalen" Verfechter „nationalkultureller Umwandlungspflicht" dazu vermocht, was ein politisch nicht verseuchtes Gemüt als selbstverständliche Menschenpflicht gegenüber armen Auswanderern emvfunden hätte. Aber richtig: die Wiener jüdischnationalen Führer sind ja keine Philanthropen! Philanthropie steht nach ihrer Meinung zum Wesen des modernen Zionismus in kontradiktorischem Gegensatz und diesen Gegensatz zu betonen, haben sie sich eben erst mit Gleichgesinnten aus anderen Ländern zu einer „radikalen" Opposition zusammengeschloffen .... Wären die Chaluzim statt zu fanatischen Seelensanierern zu Assirnilanteu gekommen, dann hätten sie ins Land der Väter sicher das freundliche Andenken an humane Bewirtung in reinlichen Räumen und liebevolle Sorgfalt mitgenommen. Allerdings hätten sie dann kaum die „nationalkulturelle Aufklärung erhalten, daß Leute, die von jüdischer Gastfreundschaft eine so philanthropische Auffassung haben, dadurch das Recht der Beteiligung am Wiederaufbau Palästinas verwirken . Zum Glück wird diese „radikale" Auffassung auch non namhaften Zionisten nicht geteilt, doch scheinen diese der Opposition gegenüber nicht genug Nackensteife zu besitzen. Sonst hätten sie sich nicht in London aus ein Kompromiß eingelassen, demzufolge Nichtnatwualisten zwar in ütc Jewish Agency zugelassen werden sollen, diese Zulassung aber nur provifarische Geltung haben soll. Diesemerkwürdige Kompromiß beweist, daß die jüdischnationale Ablehnung der Assimilation eine leere Phrase ist. Denn es zeigt, daß sich die Jüdischnationalen schon in bedenklichem Grade der — antisemitischen Moral assimiliert haben. Juden Geld wegzunehmen und sie dann hinauszuwerfen, ist eine Gepflogenheit der Hakenkreuzler. wie die Einführung des Arierparagraphen in von Juden mitbegründeten Korporation^« lehrt. Ob es eine „nationalkulturelle Tat von Juden ist. garade dieses Beispiel nachzuahmen, bleibe dahingestellt. Es mahnt jedenfalls die so liebevoll Bedachten zu einiger Vorsicht und Zurückhaltung. Welche Gefahren diefür die gute Sache hat. in deren Förderung all« Juden einig sein sollten, wird hoffentlich auf dem Zionistenkongreß erkannt werden. Und es wäre dringend geboten, daß die Leute, deren Intelligenz für diese Erkenntnis ausreicht, auch den Mut aufbringen, sie konsequent zu vertreten. , Dr. Hugo Sviegler. Der Dichter Blaseo Äbanez über die Juden ln Spanien. Der bedeutendste spanische Dichter Blaseo Jbanez. der für seine Meisterwerke den Nobelpreis erhielt, hot auf die Frage eins jüdischen Journalisten, der ihn über die Lage der Juden in Spanien befragt hat, sehr interessante Erklärungen gegeben. ES muß bemerkt werden, daß Blaseo Jbanez eine der mutigsten und originellsten Persönlichkeiten in Spanien ist. Er ist nicht nur Dichter, sondern auch ein feuriger Publizist. Infolge seiner politischen Broschüre gegen den heutigen spanischen König mußte er seine Heimat verlassen und lebt gegenwärtig in Paris, wo er eine Aktion gegen den spanischen Hof führt. Blaseo Jbanez erklärte, daß in Spanien der Antisemitismus nicht existiert. „Wissen Sie aber warum?, sagte er, veil ein grober Teil der spanischen Bevölkerung Juden sind. Im Mittelalter zum Beispiel haben sich in einer einzigen Zeit- Periode der Inquisition 150 000 Juden taufen lassen. Schon in der Zeit de- Königs Philipp des Zweiten ist in Spanien ein Pamphlet von Kardinal Franzesco Mendvzee erschienen, in dem der Verfasser nachweist, daß 90 Prozent der spanischen Aristokratie jüdischer Abstammung sind. Welch gewaltigen Anteil die Juden an der Entwicklung der spanischen Kultur batten, kann man daran ersehen, daß Kolumbus nur dank de, Hilfe der Juden seine Expedition unternehmen konnte» di« zur Entdeckung Amerikas geführt hat. Der spanische Maranne, der Schatzmeister des Königs Louis de Santo Angela, hdt ihm eine Million Golbtaler gegeben, um eine Flotte etnzurtchten. um nicht die anderen Juden zu erwähnen, die ihn mit Gelb unterstützt haben. Immer weiter ist die Zahl der Marannen in Spanien gewachsen, so daß Las jüdische Blut unaufhörlich tu die Adern der sputsche» Ritter strömte. Ich selbst möchte nicht schwören, daß ich nicht von Juden abstamme, obwohl mein« Vorfahre» Geistliche waren. Sie werden Loch wissen, was der König von Portugal seinem Minister einst gesagt hat. Dieser Minister verlangte vom König, er sollte die Inden dafür bestrafen» weil sie die spezielle Judenmütze. die für sie bestimmt war, um sie von den übrigen Bürgern des 'Landeckbzusondern, nicht trugen. Darauf antwortete der König lächelnd: „Lieber Kardinal, halte» Sie Ruhe! Sie sehen doch, weder ich noch meine Frau, sogar Sie. Herr Kardinal, tragen diesen Helm nicht. Das heißt, daß auch wir diesem Befehl nicht Nachkommen ..." Im allgemeinen müssen Sie wissen, daß jeder große und berühmte Inquisitor bei uns. jeder spanische Geistliche, der die Juden besonders stark verfolgt hat. selbst ein getaufter Jude war oder vom Juden abstammte. Der spanische Kritiker Meneder Pelaja versichert, daß auch die grötz. ten spanischen Lyriker des Mittelalters Marannen waren, und daß der hervorragendste unter ihnen. Caroin. der unsterbliche Verfasser des „Totentanzes", Jude gewesen ist. Aber nicht nur in der Literatur, sondern auch in der Wissenschaft haben»die spanischen Juden eine bedeutende Rolle gespielt. Für mich besteht kein Zweifel, daß auch Kolumbus ein spanischer Jude war. Er pflegte sich nicht Kolumbus, sondern immer nur Don Christophe! Colon zu unterschreiben. Die Colons waren eine altjüdische spanische Familie. Ich besitze viele Beweise, daß Colon-Kolumbus ein spanischer Jude der Marannen war. Und wenn Sie mir »och nicht glauben. Laß ein großer Teil von uns Juden sind, kann ich noch auf ein auffallendes Merkmal unseres Charakterhinweifen: Unser feuriges Temperament, dieses Merkmal ist ein echt jüdisches. Auch die Sympathie für alles jüdische, was im spanischen Charakter liegt, ist ein Beweis dafür." BlaSeo Jbanez meint mit einem Wort, -atz die Spanier mit dm Inden sehr verwandt sind. Derselbe spanische König, gegen Len Jbanez so stark kämpft, hat fct ein offizielles Dekret veröffentlicht, in dem der König sich an die Juden wendet. In diesem Dekret werden offiziell alle spanischen Juden, wo sie sich auch befinden mögen, aufgesordert, nach Spanien -urückzukommen. von wo sie im 16. Jahrhundert vertrieben wurden. Zu diesem Zwecke sollen die spanischen Jude» sich bei den spanischen Konsulaten, in -en Ländern, wo sie sich befinden, spätestens bis 81. Dezember 1930 melden. In fünf Jahren werden wir sehen, waaus dem Dekret geworden ist. SS. OM ' Gottesdienste in den Kur- und Erholungsorten. Bon Professor Dr. Eugen Wölbe. Trotz des Brunnentrinkens, der Bäder, Massage ns«, sieht dem Besucher der Kur- und Erholungsorte eine Uederfülle von Zeit zu Gebote. Demgemäß ist sein Augenmerk darauf gerichtet, sie so angenehm wie möglich zu vertreibe». Wer ihm hierzu verhilft, ist willkommen und stellt nachher eine „Badebekanntschaft" dar, die mitunter noch eine Zeitlang! in seiner Erinnerung fortlebt. Wer auch auf Reisen sein Judentum nicht vergißt, macht die Beobachtung, daß in der Stille des Erholungsortes auf Gespräche über Religion, Gottesdienst und andere brennende Fragen des Judentums auch solche Glaubensgenossen gern eingehen. die im Lärm des Alltags kaum je an ihre Glaubensgemeinschaft denken. Führende Persönlichkeiten bei de» großen Verbänden, Rabbiner, Lehrer und Logenmitglieder können *- unaufdringlich! — ferrrab vom Getriebe de- Großstadt- bzw. Berufslebens im Gebirge ober an der See beim Plauderstündchen der guten Sache des Judentum» manchen Dienst leisten. Gin Hinweis auf etwaige SabbatgotteSdienste im Kurort — falls diese nicht beim rituellen Speisowirt stattfinden! — fällt fast immer auf fruchtbaren Baden, und deren Veranstalter können durch eine würdige Feier (mit Predigt) viele rum Judentume zurückführen, die diesem entfremdet. zum mindesten gleichgültig gegenüberstehen. Namentlich für die Jugend bedeuten die Gottesdienste im Kur«, und Erholungsorte eine gern ausgesuchte Abwechselung: und wenn eS der Prediger versteht, durch schlichte, überzeugende Erbauung die jugendlichen Gemüter zu erwärmen, so wird manches Kind nach der Rückkehr in die Heimat dem Judentum ein weit größeres Jntresse entgegenbringeu als ie zuvor. Bor Jahresfrist forderte ich an dieser Stelle zur Veranstaltung von weihevolle» Gottesdiensten in den Kur- und Erholungsorten aus: in den abgelaufenen Sommerferien habe ich meine Forderunq praktisch erprobt. Ich hielt in dem mit vierzig Kindern (bis zu 14 Jahren) belegten jüdischen Landheim zu Bad Fl insberg an jedem Freitagabend und Sabbatmorgen Gottesdienste. Da die Insassen zum größten Teil die indische Schule in BreSlau besuchen, so waren ihnen nicht nur die Gebete bekannt, sondern auch die Melodien. Die Kinder stellten einen so ansehnlichen Chor dar, daß wir ein Harmonium kaum entbehrten. Ich hatte vorher vom Vorhandensein dieses KinderlandheimeS keine Ahnung: demgemäß war ich auf die Veranstaltung von Andachten nicht vorbereitet: ich betete und predigte daher im — Svortanzug! Eine TÄoranrolle fehlte. Ich Half mir. indem ich — aus dem Pentateuch — einen kurzen Abschnitt vortrug, welchen ich mit den beiden Segen'ssprüchen umrahmte. Die Vorlesung aus einer Thora hätte ein Aufrufen mehrerer Anwesender, ein Bekleide» mit dem TalliS und ei» störendes Hin- und Herlausen bedingt. Da keine Lade vorhanden war, so konnte ich sämtliche Gebete mit dem Antlitz nach der jugendlichen Gemeinde verrichten. Auch dies Moment trug nach meiner Beobachtung zur Weihe her einftündigen Andachten bei. Ein mit Blumen geschmückter Tisch diente als Altar: an den Freitagabenden erstrahlten auf diesem die Sabbatkerzen, deren heller Schein sich im Wein des Kidduschbechers widerspivgelte. Stuhlreihen. unnamentlich -ie sabbatlich aevutzten Knaben und Mädchen, verliehen dem Speisesaal. -essen Tür und Fenster nach dem Garten hinausgehen, ein feierliches Aussehen. Die Aufmerksamkeit -er jugendlichen Gemeinde «ar geradezu musterhaft. DaS erklärt sich aus dem Reiz der Neuheit, den diese gottesdienstlichen Feiern auf junge Menschenkinder auSüben müssen, deren religiöses Leven sich bisher hauptsächlich auf ihre heimatliche Synagoge beschränkte: hier hörten sie dieselben Gesänge wie daheim, hier ward ihnen das heilige Schriftwort verkündet wie zu Hause, und dennoch. eS war — äußerlich — so ganz anders wie iw Temvel. Diese Gottesdienste zeigten ihnen, daß die Gottesverehrung sich nicht auf -en Tempel zu beschränken braucht, daß vielmehr jeder Raum geheiligt wirb, in welchem sich Juden zu gemeinsamem Gebete vereinigen. Infolge persönlicher Einladung von Mund zu Mund, später sogar durch einen Anschlag am Schwarzen Brett -eS Kurhauses, füllte sich der Saal dermaßen, daß für viele Erwachsene Stühle und Bänke im Garten aufgestellt werden mußten! Obwohl nämlich im FlinSberger rituellen Hotel regelmäßig orthodoxer Gottesdienst stattfindet. kamen doch viele Eltern mit ihren Kindern zu den JugenügotteSdiensten in» Landheim herauf: den meisten sagte sogar diese gemäßigt-liberale Andacht mehr zu als jene orthodoxe l«it vollständiger Thvravorlesung. Schnobern usw.j. Unter Anlebnuna an den traditionellen (Berliner) Ritus »achte ich er mir zum Grundsatz, kein Gebet — überflüssigerweise — zwei- oder aar mehrmals vorzutragen. Die „Stille Andacht" las ich selber laut vor. damit die kleine Gemeinde mitbeten und jeden Augenblick wissen konnte, „wo der Chase» hält". Bon den für den Freitagabend vorgeschriebenen Psal. men fangen mir srvsponsorisch) nur den erste» s„L'chn n' rann '«»"). seMtmerständlich auch „Mismaur schtr l'iaum hafchabboS" und ,-Adonoi molock". alles in der Vertonung von LowandowM. Vor dem „L'cho Saudi" sprach ich das i