Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 32 (7.8.1925)
- Date
- 1925-08-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2613366-2613788-2613820--1441-2618803- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
tfeöeufef Rückkehr zur alten Mutterreligion, zu Sen ewig wahren Lehren des Judentums. Aber das wird nicht zugegeben, Ser Einfluß -es Judentums wird systematisch verleugnet unS auf die Kulturfortschritte hiugewiesen. Es ist nun eine vielumstrittene Frage, olb die praktische Moral, auf Sie es hier vor allem ankommt, Fortschritte -u verzeichnen hat. In engem Zusammenhang hiermit steht die soziale Frage. Und da verweisen wir auf den objektiv Senkenden konservativen Nationalökonomen Contzen, der ln seinem zweibändigen Werke „Die Nationalökonomie ein politisches Bedürfnis unserer Zeit lBerlin 1873) Ser mosaischen Gesetzgebung solgende Worte widmet: „Die soziale Frage-kann in Israel gar nicht gestellt werden. Welche Materie ist allem etwaigen Reoolutionsgoist hier zum voraus «utzogen! Glückliches Volk! Was als glücklichste Errungenschaft der Neuzeit gilt, waS im Abendland mit Strömen von Blut, mit Ungerechtigkeiten aller Art erzwungen wurde oder worden wäre, du, Volk Gottes, warst vor beiläufig 8000 Jahren schon im gesicherten Besitz dteser Freiheit. Der Philosoph Herbart, Lessen wir oben ge- Sachten, gründet seine Sittenlehre auf die fünf Ideen der inneren Freiheit, -er Vollkommenheit, des Wohlwollens, des Rechts und der Billigkeit. Es liegt in der Unzulänglichkeit der Menschennatur, daß Liese fünf Ideen nur gar zu selten in die W i r k l i ch k e i t übersetzt werden. UebrigeuS ist es selbstverständlich. Sah ein Mann wie Rein den radikalen Standpunkt verwirft, baß das Alte Testament keine Bedeutung mehr für die Christen habe. In seinen Leitsätzen zur Reform des Religionsunterrichts in unseren Schulen (Pädagogisches Magazin, 835. Heft, Langensalza 1808) heißt es: „Der religiöse Lehrstoff für die Schule wird von der biblischen Geschichte alten und neuen Testaments, von Quellenstücken aus der Kirchen- und Religions« geschichte, sowie von Ser religiösen Poesie gebildet." Wirklich bedeutet die Verleugnung des Alten Testaments nichts weiter als Sen Ast abscigen, auf Sem man sitzt. Bemerkenswert äst auch der daselbst u. a. gemachte Reforuvvorschlaa: »Im Religionsunterricht -er Erziehungsschule sollen keinerlei Prüfungen eingerichtet werben, am wenigsten im Aöiturienten-Examen." Interessant ist ebenfalls ein dort zitiertes Wort des Theologen Rothe (Heidelberg), das betont, wie im Religionsunterricht die zarte Pflanze der jugendlichen Frömmigkeit in ihrer ersten Entwicklung mit wahrhaft religiöser Vorsicht geschont werden müsse. II. Die Grundschulfrage beschäftigt in unseren Tagen Sie Gemüter der Schulmänner und Laien. „Frage Leinen Vater, daß er Lir's verkünde, deine Alten, daß sie Lirs's erzählen (Dtn. 23,7)." Der berühmte Gründer der Hochschule zu Sura Abba Areka —kurzweg Naw genannt — bemerkt einmal: „Wenn du schon einmal ein Kind züchtigen mußt, so tue es mit einem Schuhriemen (um ihm keine Verletzung beizubringenl. lie st es, so liest es, liest es nicht, so bleibe es immerhin» in Gesellschaft seiner fleißigeren Mitschüler." Es wird hiermit der Auffassung entgegengetreten, daß nämlich begabten und allseitig gesunden Kindern schon nach drei Jahren der Uebergang nach einer weiterführenden Schule zu ermöglichen sei. Raw wäre also nicht für eine Differenzierung oder Zerschlagung der Grundschule gewesen, sondern hätte aus pädagogisch-psychologischen und sozialen Gründen dagegen gestimmt. in, Mir haben es schon seit Jahrzehnten betont, daß der Mische Religionsunterricht, zumal der Unterricht im Hebräische» mit sehr wenigen Ausnahmen, den Anforderungen einer gesunden und zeitgemäßen Pädagogik nicht entspricht. Dieser Mangel ist oft darin begründet, daß eine andauernde Vertiefung in die pädagogischen Wissensgebiete und die unentwegte Weiterbildung in den Neligionsfächern unterlassen wird, indem man vermeint, Latz durch praktische Betätigung die Schulmeisteret schon erlernt werden könne. Wehe, wenn zum Ausdruck kommt: Rabbi lau schono Chi jo m'uo lon!!).Und so kleben wir in der Methodik — wie wir bereits anderweitig bemerkt haben — am alten Schlendrian. Besonders zeigt sich bas beim allerdings schwierigen Unterricht im Hebräischen der vielfach nicht getstbildend, sondern geisttötend ist, nicht Interesse erweckt, sondern ertötet. Wir können der hebräischen Sprache nicht entraten — so haben wir in unserem Wegweiser (Heft III) betont — sie ist unsere Gebetsprache und darum mutz Las Hebräische einen integrierenden Bestandteil unseres Religionsunterrichts bilden. Es kommt noch ein sehr wichtiges Moment hinzu, daß nämlich die Begeisterung für unser Judentum wächst, je mehr wir uns in die hebräische Sprache mit allen ihren Feinheiten vertiefen. Bor allem muß die mechanische Methode in Len Orkus wandern, Lie darin besteht, daß, nachdem das Lesen erlernt ist, übersetzt wird, indem ein Wort nach dem andern vorgesagt und papageieumäßig nachgesprochen wird, ohne Rücksicht auf die Grammatik zu nehmen. Wir kennen die neuen Lehrmittel, die eine bessere Methode anzubahnen sich bemühen; ob sie methodisch unanfechtbar sind, möchten wir bezweifeln. Die beste Lehrmethode ist und bleibt der tüchtige Lehrer. IV. Zur Belebung des jüdischen Interesses, zur Stärkung des jüdischen Bewußtseins müßte ein Buch geschaffen werden (oder ist es bereits geschehen?), in welchem aus allen Teilen Ser Bibel die besonders ethisch bedeutungsvollen Stellen imUrtext mit getreuer und stilistisch einwandfreier Uebersetzung zusammengestellt würden. In einem Anhang müßten grammatische auf dev Text sich beziehende Bemerkungen Platz finden. In unserer Zeit des ALwehrkarnpses und auch Überhaupt ist ein solches Buch dringend notwendig. (Wiffe, was du Seinem Gegner zu erwidern hastsi 444444M44M4II444444444444444444444444444444444444444444444 IS! Aus den Gemeinden »44444444444»44444444444444>4444»44»4444444»44»»44444444444« Berlin. Das Sommersemester der Friedrich-Wilhelm-Universität zu Berlin schloß auch diesmal mit Ser traditionellen Stiftungsfeier, wobei es zu der Verteilung der Preise für die Vesten wissenschaftlichen Arbeiten von Studenten kam. Die Feier wurde in herkömmlicher Form durch Einmarsch der Chargierte» der Corps und farbentragenden Verbindungen mit Banner und Gesang, sowie Einzug des Professorenrollegiyms unter feierlicher Musikbegleitung eröffnet. Der abtretende Rektor, Geh. Konststorialrat Prof. Holl, hielt eine Eröffnungsrede über Sie „geniale Persönlichkeit und ihre Ausnahmestellung de» geltenden Sittengesetzen gegenüber" Ins Wissenschaftlichen Arbeiten genannt. denen die diesjährigen Preise zuerkannt würben. Es waren im ganzen drei Arbeiten prämiiert worden. Bei der Oeffnung der Briefumschläge, die die Namen der Preisträger enthielten, ergab sich daS überraschende Resultat, daß sämtliche Preisträger Studentinnen waren, unter ihnen zwei Jüdinnen. Die Berlinerin Else Philippine Lcvy und die in New Aork geborene Eleonore von Bälden erhielten je den vollen Staatspreis zugesprochen für die Lösung der Aufgabe der medizinischen Fakultät: „Welche diagnostische Bedeutung hat das.Blutbild für die otogenen Krankheiten?" Den Preis der philosophischen Fakultät erhielt Frl. Natalie Thon aus Palästina mit einer chemischen Arbeit; sie gab geforderte Zusammenstellung der zahlreich vorhandenen Untersuchungen über die Umsetzung von Chlor und Wasserstoff nach einheitlichem Gesichtspunkte. Die Berliner Presse verzeichnet, daß das Ergebnis der Preisverteilung unter der völkischen Professorenschaft und Studentenschaft Bestürzung hervorgerufen hat. Der „Vorwärts" schildert den Eindruck folgendermaßen: „Dem Herrn Rektor verschlug die Stimme, und die Burschenschafter und Korpiers. die den Fechtboden und den Frühschoppen dem wissenschaftlichen Studium offenbar vorgezogen hatten, hämmerten ziemlich bedrückt mit ihren Schlagern den Takt zum Deutschlandlied. Dann zogen sie ab, wie sie gekommen waren, in vollem Wichs mit Bändern und Fahnen. Aber ohne Preise. Die hatten drei Frauen errungen. Und darunter zwei Jüdinnen. O, alte Bnrschcnherrlichkeit. wohin bist du entschwunden!" Cassel. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit konnte der im Dienst Ser hessischen Gemeinde stehende S. GraduS mit seiner Gattin, die sich beide körperlicher und geistiger Rüstigkeit und Frische erfreuen, feiern. Gmünd. Am Sonntag, den 19. Juli, konnte Religionslehrer Hermann Uhlmann auf eine 25jährige Tätigkeit tu der Gemeinde Gmünd zurückbltcken. Die von der Gemeinde veranstaltete Jubelfeier fand in dem schön geschmückten Gotteshause statt. Sie war von ansprechend vorgetragenen Chören des Synagogenchors umrahmt; die Soli hatte in liebenswürdiger Weise Kantor Grünfeld-Baden-Baden übernommen. Im Mittelpunkte der Feier stand die von Bezirksrabbinex Dr. Kroner-Oberdorf gehaltene Festrede, die eindrucksvoll das treue Wirken des Jubilars schilderte. Vorsteher Gustav Mayer würdigte nach einem Rückblick auf die Geschichte der Gemeinde die verdienstvolle Tätigkeit ihres Lehrers und Borbeters. Im Namen des Vereins israelitischer Lehrer in Württemberg überbrachte Neligionslehrer E. Adler-Cannstatt herzliche Glückwünsche, im Namen der Damen des Synagogeuchvrs gratulierte Frau Bankier Gutmaun unter Ueöerreichnng eines Ehrengeschenkes. Die Gemeinde und ihre Mitglieder hatten auch sonst gewetteifert, ihrem Lehrer Beweise des Dankes und der Verehrung zu geben. Die Feier verlief in voller Harmonie. Heilbronn. Die Hauptversammlung des Vereins israelitischer Lehrer Württembergs wurde diesmal in Hcilbrvnn am 28. und 29. Juli abgehalten. Sie wunde von 22 Bercinämitgliedern besucht. Als Gäste nahmen an ihr die Oüerratsmitglieder Präsident Dr. Nördlinger, Stadtrabbiner Dr. Nieger. L. Levy und Flegenheimer, ferner die Rabbiner Dr. Bcrünger, Beermann. Schweizer und Feinberg und drei badische Neligionslehrer teil. Der Vorsitzende. Oberlehrer Rothschild. begrüßte die Gäste und hob hervor, daß das Verhältnis des Oberrats zu den Beamten des Landes auch im letzten Jahre andauernd erfreulich gewesen sei., Präsident Dr. Nördlmger dankte für den Gruß und besprach die Frage des fehlevöeu Nachwuchses für den Beruf der Nabbiner und Neligionslehrer. Flegenheimer lud die Versammlung im Namen der Hcilbronner Gemeinde zu einem gemütlichen Abend ein. Dr. Beermann hieß die versammelten Lehrer im Namen der Bezirksgemeinden willkommen. In der Fortbildungskonfererrz hielt Krämer-Hcilbronn eine Lehrprobe über die Berufung des Mose- und Stadtrabbiner Dr. Rieger einen Vortrag über die Notwendigkeit der Behandlung der Gottesbeweise im Religionsunterricht; er empfahl Sie Behandlung dieser Grundfrage der Religion in Anlehnung an die Behandlung des Zehngebots. Lehrprobe und Vortrag veranlaßten eine eingehende Aussprache. Adelshcrmer-Stuttgart berichtete über die Satzungsänderungen, die in der Endabstimmung einstimmig angenommen wurden. Die endgültige Fassung wurde Adelsheimer und Spatz übertragen. Oberlehrer Nothschild erstattete den Tätigkeitsbericht des Vereins und begrüßte die verschiedenen Veranstaltungen des Oberrats zur Hebung des Religionsunterrichtes. Vier Lehrer: Adler-Niederstetten. Bodenheimer-Göppingen, Dreyfuß- Heilbronu. Wallach-Haigerloch, sind tm Berichtsjahr verstorben; vier Lehrer sind neu in den Verein ausgenommen worden. In der Besprechung des Berichts wurde gewünscht, daß die Fortbildungskurse auch die kautoralen Bedürfnisse berücksichtigen. Geklagt wurde über die unwürdige Behandlung. die seitens mancher Gemeinden den Lehrern zuteil geworden. Sodann berichtete Oberlehrer Preßburger über die Tätigkeit der Landesversammlung. Er begrüßte es. daß die Landesversammlung verlangt hatte, daß die württcmberglschen Neligionslehrer Volksschullehrerbildung erhalten müßten. Er schilderte dann den unangenehmen Eindruck, den die wenig taktvolle und vor allem unberechtigte Art hervorgerufen, in der die jüdischen Beamten seitens eines Vertreters der Landesversammlung an die Erfüllung ihrer Pflichten erinnert worden sind. Den Kassenbericht gab Adler, Cannstatt. Der Verein hat demnach zwanzig Witwen zu unterstützen und kann jeder nur 100 Mark jährlich bewilligen. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 10 Mark festgesetzt. Ueber den neuen Lehrplan äußerten sich sodann Spatz und Alber. Das Ergebnis der Aussprache war die Einsetzung einer Kommission, in die Dr. Beermann. Berlinger, Adler, Nothschild und Spatz gewählt wurden. Schließlich berichtete Oberlehrer Nochschilö über den Verbandstag in Köln. Lessen Hauptthema die künftige Gestaltung der Lehrerbildung war. Die württembergischen Vertreter sind nur dem ersten Absatz des Beschlusses des Verbandes beigetreten. Oberlehrer Preßburger ergänzte diese Mitteilung durch den Antrag: Der württembergische Lehrerverein soll dem allgemeinen Verband Mitteilen, daß die Stellungnahme zur Lehrerbildungsfrage unter Umständen den württembergischen Lehrerverein zum Austritt aus dem Verband veranlassen könnte. Dem Ausschuß wurde die Behandlung der Augelegenheit übertragen. Nach Besprechung einer Reihe weiterer Anträge wurden die Wahlen vorgenommen. Oberlehrer Rothschild wurde wieder zum Vorsitzenden berufen; Oberlehrer Spatz legte sein Amt als Schriftführer nieder, wurde aber von neuem in den Ausschuß gewählt. An Stelle von Kahn-Heilbronn, der die Wiederwahl ablehnte, trat Jaffs-Stuttgart in den Ausschuß ein. Jnsterbiug. Wer eine jüdische Gemeinde errichtet, in der GotteSlehre. Gottesdienst und Wohltätigkeit eine bleibende Stätte fanden, erwirkt sich um die Erhaltung unsere- Glaubens unsterbliche Verdienste. Und so sei an dieser Stelle eines Mannes gedacht, der durch seine große jüdische Persönlichkeit bei den beteiligten Behörden Lte Gründung der jüdischen Gemeinde Insterburg durchsetzte; es war David Sepp» mann Eloesser. gev. 1788 in Chobziefen-Kolmar i. Pos., gest. 1. April 1863 in Insterburg. Ausgerüstet mit gründlichem talmuLischen Wissen, tiefster Frömmigkeit und allgemeiner Bildung führten ihn seine geschäftlichen Verbindungen nach Ostpreußen, wo damals .in der neuen Provinz Litauen nur wenig jüdische Familien wohnten. AlS erster Jude gewährten ihm Magistrat und Regierung in Insterburg Niederlassungsrecht im Jahre 1884, und schon 1886 konnte er die Gemeinde mit allen religiösen Einrichtungen gründen; nach» 50 Jahren zählte sie 84 Mitglieder. Eloesser nahm diS in sein hohes Alter an dem Ausbau seiner Schöpfung regsten Anteil. Auf religiösem Gebiete unterstützte ihn ein aus Rußland stammender Mann. I. Weinstein, als Gründer der Chewra Kadischa und Errichtung einer Lehrstätte im eigenen Hause. Als Rabbiner wirkten in Insterburg Weinberg zu seinem Tode. Dr. Zlocisti, jetzt Mannheim. Dr. Baermann, jetzt Heilbronn und Dr. Neuselb. jetzt Elbing. Die vakante Rabbinerstelle dürfte in kürzester Zeit wieder besetzt werden. Eloesser und Weinstein sind in der Synagoge Ehrentafelu errichtet. Im Weltkriege starben acht junge Leute auS der Gemeinde, deren Andenken und Namen eben, falls im Gotteshause der Nachwelt verkündet wird. Seit vielen Jahren lektet Stadtrat Eichelbaum die Gemeinde. Seine Verdienste um seine Heimat ehrt man durch Benennung einer Straße nach seinem Namen. Große Aufgaben sind noch vom Landesverband im Verein mit dem so rührigen ostprcußischen Provinzialverband zu erfüllen. Ten richtigen Beamten an den richtigen Platz zu bringen, gelingt nicht immer. Oft müssen Lehrneigung dem Chase» weichen. Kleinere Gemeinden sind durch Wegzug steuerkräftiger Mitglieder nicht mehr in der Lage. Unterricht und Gottesdienst aufrecht zu erhalten. und bald dürfte auch hier der Kreislehrer eirrgeführ« werden. Jugendpflege. Jngendüüchereien sind fast nirgends zu finden. Rühmendes ist von der Opferwittigkeit ans der Provinz zu berichten. Alle Gemeinden zahlen nach Reichstarrf und stellen Wohnung und Garten dem Stelleninhabcr zur Verfügung. Für die Hinterbliebenen wurde nach besten Kräften und nach Maßgabe der Mittel gesorgt — hier zu Lande früher wie in anderen Provinzen. Der alles zerstörende Krieg schlug in diesem reichen Lande viele Wunden, die aber geheilt wurden. Im August v. I. konnte Ortelsburg seine durch Granatenfeuer vernichtete Synagoge wieder als schönes Gebäude einweihen und so dürfte auch an anderen Plätzen alles geschehen, was bleibenden Wert auf ideellem und religiösem Gebiet hat. Metz. Der Metzer Großrabbiner Retter feierte dieser Tage sein 25 jähriges Amtsjubiläum. München. Der völkische Block im bayerischen Landtag hat folgende kurze Frage au die Staatsregierung eiugebracht: „Die polnische Regierung hat nach Zeitungsmcldnugen von den etwa 150 CKX) deutschen Optanten in Polen alle b'.s auf rund 27 000 aus Polen ausgewieseu. Tie Gegenmaßnahme der deutschen Regierung besteht in der Ausweisung von etwa 18 000—15 000 polnischen Optanten in Deutschland Diese Gegenmaßnahme ist völlig unzureichend. Dagegen besitzen die einzelnen Länder die Möglichkeit, die in ihrem Gebiet wohnenden Polen und insbesondere polnischen Juden auszuweisen. Ist die bayerische Regierung bereit, von dieser. Möglichkeit entschiedenen und weitgehendsten Gebrauch zu machen? Bon bayerischen Behörden wurden bereits früher Ausweisungen lästiger Polen und polnischer Juden ausgesprochen, doch wurden die Ausweisungen größtenteils nicht vollzogen. Wie verlautet, ist das auf ein Eingreifen des Auswärtigen Amtes zurückzusühreu, das befürchtete, daß der Vollzug derartiger Maßnahmen bayerischer Stellen die Ausweisung von Deutschen aus Polen als polnische Bergeltnngsmaßregel zur Folge haben würde. Der Grund für die Befürchtungen des Auswärtigen Amtes kann nunmehr nicht mehr als stichhaltig angesehen werden. Ist die bayerische Regierung nunmehr bereit, diese bereits ausgesprochene» Ausweisungen sofort zu vollziehen?" Oberdorf. Nabbiner Dr. Kroner erlitt auf der Fahrt von Gmünd, u>o er der Jubiläumsfeier des Lehrers Uhlmann beigewvhnt hatte, nach Oberdorf einen Autounfall. Trotzigroßer Schmerzen, in bewundernswerter Selbstbeherrschung amtierte Dr. Krvner noch nach feiner Heimkehr bet einer Beerdigung. Wie wir auf Anfrage erfahren, hat Dr. Kroner allerdings ernstliche Quetschungen erlitten, so daß er das> Bett hüten muß: er ist aber glücklicherweise außer jeder Gefahr. Plaue«. In Bad Gastein. wo er Erholung suchte, verschieb jäh der Vorsteher der Israelitischen Religivnsgemeinde Plauen. Herr Adolf Simon, in seinem 50. Lebensjahre. In ihm verlor die Gemeinde einen Führer, der ihrer Verwaltung seit mehr als 30 Jahren angehörte und ihr seit 1917 als Vorsteher seine besten Kräfte unermüdlich und vorbildlich widmete. Erfüllt von den hohen Idealen seines Glaubens und von unbeugsamem Gerechtigkeitssinn machte er die Angelegenheiten der Gemeinde zu den seinigen und lenkte ihre Geschicke mit besonnener Klugheit und mit Würde. Jedem Mitglied der Gemeinde war er Freund und treuer Berater, ein Helfer denen, die in Bedrängnis waren und ein Wohltäter jedem Bedürftigen und Schwachen, ohne Unterschied der Konfession. Er entfaltete ein fruchtbares Wirken in den bedeutendsten jüdischen Organisationen. Besonders eifrig war er in der Abwehr jndenfeindlichcr Angriffe. Und er »vor wie selten einer dazu befähigt. Denn er erfreute sich bei den Behörden, in der Geschäftswelt,, in unserer ganzen Stadt» und weit darüber hinaus, des größten Ansehens. Adolf Simon war u. a. 1. Vorsitzender des Reichsvervanöes für Herren- und Knabenbekleiöung. Ortsgruppe Plaue«. 2. Vorsitzender deS Ortsausschusses des Groß- und Kleinhandels, Vorstandsmitglied der demokratischen Partei für Plauen und d^S Vogtland. Die Traucrfeicr fand in der hiesigen Synagoge statt, wo der Heimgegangene, über und über mit Kränzen bedeckt, vor der heiligen Lade ausgebahrt war. Das Gotteshaus erwies sich als zu klein, um die große Menge der Erschienenen, darunter hohe Behörden, Vertreter des Handels und der Industrie, Führer politischer Parteien, zu fassen. Neben Herrn Prediger Heimann gab es eine stattliche Reihe von Vertretern jüdischer Gemeinden und Organisationen sowie Herr Staatsminister a. D. Oscar Günther namens der Demokrat tischen Partei dem unersetzlichen Verluste, den die Allgenreinheit durch das Hinscheiden dieses ausgezeichneten ManneS erlitt, ergreifenden Ausdruck. Wildu«ge». Anläßlich einer Veranstaltung, die der Reichsbund jüdische Fontsoldaten am Sonntag für die Mitglieder der Bezirke Hessen, Waldeck und Südhannover Hier abhielt, wurde auch der vierte Palästinafilm nrit eindrucksvollen Aufnahmen über «die kolonisatorische Bewegung in Palästina vorgeführt. U. a. war auch die Universitäts-Einweihung in Jerusalem im Lichtbild veranschaulicht. Die Veranstaltung die den Charakter einer Sabbat-Nachamu- Feier trug, erfreute sich regen Zuspruchs und verlief i« mütlicher Weise. Würz-nr». Bei den Hochschulmeisterschast?« der Universität Würzburg wurde im Sommer-Semester 1925 die UntverfitätSplakette in Bronze „bene merenti" für besondere sportliche Leistungen drei Studenten zugesprochen, bisher wurde diese Auszeichnung, «die ganz selten verliehen wird. Nur verdiente» Ehrenbürgern der Universität zuteil. AlS erster Sieger im Fünfkampf erhielt die Plakette Ludwig Gunz Mitglied der Verbindung im K. C. Rheno-Palatta. Im Hundertmeterlauf und im Diskuswerfen errang er den ersten Preis und erzielte auch in anderen Wettkämpfen schöne Erfolge, so daß chm in der Gefamtwertung der erste Preis -verteilt wurde.