Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 31 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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f Werbt auf der Reise für uns ] § | Die jüdische Gegenwart. Der Maler E M. Lilien. Persönliche Erinnerungen von Hermann Blumenthal. Kaum fünfzig Jahre alt ist der Maler E. M. Lilien vorn Tode ereilt worden. Mt Lilien ist ein großer Künstler und ein guter Irrbe dahingegangen. Vor neunzchn wahren, als ich mit meinem ersten Roman- Manuskript nach Berlin kam, lernte ich Lilien kennen. Er wohnte damals in der Großbeerenstraße. Wir befreundeten ims bald und kamen häufig znsannnen. Lilien erzählte mir von seinen Kampsjahren und ermunterie mich zu weiterem Schaffen. Er war damals durch zwei Werke bekannt, durch die Illustrationen zu Moritz Rosenseids „Lieder des Ghetto" und zu Münchhausens „Balladen". ,Pch fühle, daß ich Höheres erreichen muß," sagte er mir. „Die Schwarz-Weih-Zeichnungen befriedigen mich nicht mehr." Der Orient zog ihn mächtig an und schon damals trug er sich mit dem Gedanken, nach Palästina zu gehen. Bald darauf heiratete er, und ich verkehrte viel bot ihm in seinem schönen Heim in Eharlottenburg. Nun trat Lilien seine Reise nach Palästina an. An unzähligen Eindrücken bereichert, kehrte er nach Deutschland zurück, und nun ging er voll Schaffensfreude an sein großes Werk, an die Illustration der Bibel. Nie werde ich die schönen Stunden in feinem Atelier vergessen, da Skizze um Skizze, Bild um Bild des Bibelwevkes entstand. Langsam und allmählich sah ich den alten Orient vor mir aussieigen. Mit den Bildern zur Bibel erreichte Lilien die Höhe seines Schaffens; doch in ihm lebte die Sehnsucht nach Palästina, wohin er bald darauf nochmals pilgerte, um unsere alte Heimat in der heutigen Gestalt zu zeichnen. Es entstand das Werk Jerusalem", das ihn zum populären Maler des jüdischen Volkes machte. Lilien schaffte unermüdlich und sicher hätte er uns noch manches Kunstwerk geschenkt, wenn ihm nicht der Tod den Stift aus der Hand geschlagen hätte. Lilien war eine starke Persönlichkeit und niemand konnte an ihm gleichgültig vorübergehvn. Er war ein Redner voll Temperament, und in Gesellschaften führte er immer das große Wort. Nie vergaß er seine ostgalizische Heimat. Er stammle aus armem Hause. Sein Vater war Drechsler in Drohobycz, und die Familie lebte in großer Not. Schwer und mühevoll war der Aufstieg Liliens, aber er war eine Kampfnatur und überwand .alle Schwierigkeiten. Oft ermunterte er mich. Darren Sie aus, und Sie werden Ihr Ziel erreichen," sagte er mir oft. „Welch bittere Jahre des Elends habe ich mitgemacht. Ich war Schildermalerlehrling und hatte oft nicht ein Stück Brot, um mich sattzuessen. Eine Zeit lang | d>iief ich in einer leeren Badewanne, weil ich kein Quartier hatte. Ich mußte viel lernen und kämpfen bis ich hochgekommen bin." Der Erfolg hat ihn nicht berauscht. Er blieb ein schlichter Mensch, und Mne größte Freude war es. wenn er einige freie Stunden mit Freunden verbringen konnte. Niemals werde ich ihn vergessen, denn ich habe ihm viel zu danken. Das Judentum hat .einen seiner besten Söhne verloren. Der K. C. am Rhein. •' Das Land, das in diesem Jahr im Mittelpunkt des deutschen Interesses steht, das Rheinland, ist dem deutschen Juden noch besonders ans Herz gewachsen als die Heimstätte des Judentums in Deutschland. Ilm dieser doppelten Verbundenheit auch nach außen hin Ausdruck zu geben, wählte der K. C. als Tagungsort des diessährigen K. C. - Tages das Rheinland. Vom 24. bis 28. Juli fand der 28. K. C>-Tag in Bonn am Rhein statt. Den Auftakt der eigentlichen Tagung bildete eine Schulungswoche, in der die wichtigsten Fragen der K. E.-Arbeit erörtert wurden, um den jungen K. Gern Gelegenheit zu geben, ihre Kenntnisse in den 'einschlägigen Gebieten zu vertiefen. U. a. sprachen: „Die Bibel der Antisemiten" Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund), der als einer der Begründer des K. L. während der ganzen Tagung sehr gefeiert wurde. In meisterhaften Darlegungen wußte er die heute in der völkischen Ideologie so beliebten antisemiten „Interpretationen" des alten Testaments ad absurdum zu führen. Rechtsanwalt Krombach (Essen) beleuchtete die für den K.E. aus seiner Kampsstellu'iig gegenüber dem Antisemitismus gegebene Stellungnahme zu den politischen Parteien. Rechtsanwalt Dr. Erich Stern (Berlin) behandelte eingehend das für den K. C. so bedeutsame Erzichungspvob'.cm in einem Referat über „Das Wesen und die ZVe des Fuxenunlerrichts". In einer lebhaften Aussprache wurden die in den Vorträgen angeschnittenen Fragen weiter erörtert. Der Abend vereinte die Teilnehmer bei einein gemütlichen Beiscnnenscln auf dem Haus der Bonner K.C.-Verbindung Aheno-Silesia. Der nächste Vormittag war für eine Tagung der „Alten Herren" des K. L. bestimmt, denen Gelegenheit gegeben werden sollte, Kritik an dem Bestehenden zu üben und ihre Gedanken und Wünsche für die Zukunft der Gestaltung der Verbandsarbeit zu äußern. Die große Zahl der Erschienenen und die angeregte bis in den Nachmittag hinein andauernde Diskussion war ein erfreulicher Beweis des starken Interesses der Althcrrcnschast für den Verband. Der Abend brachte die eigentliche Eröffnung des K. E.-Tages durch den traditionellen BegrüßuugskonrmerS, an dem auch zahlreiche Angehörige dom K. C. befreundeter Organisationen als Gäste teilnahmen. Der mit den Farben der e-inzel-ncn K. C.-Verbindungcn geschmückte Saal bot im Verein mit dein Bunt der Mußen und dem Wichs der vielen Eharairrten ein farbenfrohes Bild echt studentischer Geselligkeit. Im Namen des gefchästsführenden Ausschusses sprach Rechisanwa?l Dr. Erich Stern (Berlin). Er erinnerte daran, daß vor 47 Jahren auch auf einem K.C.-Tag in Bonn der Tendenz- Paragraph formuliert wurde, der mit dem Bekenntnis zur deutschrnfeviuiO;[eben Gesinnung beginnt und auch beute noch die Grundlage des K. E.-Gedankens bildet. Dieses Bekenntnis war der Ausdruck oer zwcrtausendjährige-n Verbundenheit des jüdischen Menschen zum Deutschtum. Auf diese Verbundnenheit gestützt kämpft der K. L. im Bewußt sein seiner Gleichwertigkeit für die Gleichberechtigung des jüdischen Deutschen. Dieser Kampf aber ist nur möglich aus der Grundlage der gefestigten jüdischen Persönlichkeit.' Des-Ha.b verlangt der K.C. von seinen Angehörigen das Bekenntnis und die Treue zur jüdischen Religion. Er weiß sich in diesen Bestrcbnngen eins mit der Mehrheit des deutschen Judentums, aber er ist' sich auch bewußt, auf einem besonders wichtigen und gefährlichen Vorposten des deutschen Judentums zu stehen. Deshalb betrachtet es der K. C. als seine Aufgabe, im alten GM der Disziplin und Kampfbereitschaft auch unter neuen Verhältnissen seinen Weg zu gehen und den Kampf für Freiheit und Vaterland mit alten und neuen Waffen weiter zu führen. Der Redner schloß mit einem zündenden Appell an die junge Generation des K. L., in diesem Kampf nicht nachzulassen. In Vertretung des verhinderten Rektors der Bonner Universität überbrachte ein Mitglied des Amversttätssenats die Grüße der Hochschule. Seine Rede war bemerkenswert durch ein frei den Mitgliedern unserer Aniversitätssenote heute leider nicht häufig zu findendes Verständnis für die Schwierigkeiten, die den K. C.- Verbindungen aus ihrer exponierten Stellung innerhalb der Studentenschaft erwachsen. Der Redner betonte, daß er als Vorsitzender des Ausschusses für Leibesübungen an der Bonner Amversttät häufig Gelegenheit gehabt hätte, das Interesse der Bonner K. E.er für den Sport kennen zu lernen und auch verschiedene von ihnen auszeichnen durfte. Er sprach den Wunsch aus, daß sowohl auf diesem Gebiete, wie auch bei allen anderen Gemeinschaftsausgaben der Universität die Bonner K. E.er trotz aller Anfeindungen weiter Mitarbeiten werden, und er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Gehässigkeiten, denen die Bonner K. C.- Verbindung gerade in letzter Zeit ausgefeßt war, sich nicht wiederholen würden. (Die Bonner K. C.-Verbindung Rhen>o-Silesia steht, wie die meisten K. C.-Verbindungen, in einem dauernden Kampf mit der Studentenschaft um chre Gleichberechtigung als Korporation, und erst in der vergangenen Woche machte die Bonner Studentenschaft den Versuch, die RH-eno-Silesta bei einer allgemeinen studentischen Gefallenenfeier zu boykottieren.) Der Redner schloß mit der, stürmischen Beifall auslösenden Mahnung an die Bonner K. E'.er, unbeirrt ihren Weg weiter zu gehen und sich keinerlei Uebergriffe gefallen zu lassen. Es ist wertvoll und erfreulich zugleich, daß hier einmal von dem Vertreter einer deutschen Hochschulbehörde die Berechtigung des Abwehrkampfes anerkannt worden ist, der dem K. E. durch das Verhalten seiner Gegner ausgezwungen wird. Es sprach dann Rechtsanwalt Dr. Eugen Strauß (Augsburg). Er wies daraus hin, daß das deutsche Judentum den Abwehrkampf in der heutigen Form eigentlich erst vom K.C. übernommen hat. Es handelt sich heute für das deutsche Judentum vor allem um einen Kampf um ihre Zugehövigkeit zur Volksgemeinschaft. lind in diesem Kampf steht der K. C. mit an erster und verantwortungsvollster Stelle innerhalb der deutschen Iudenheit. Der K. C.er bekennt sich als Deutscher, weil er sich der Verbundenheit mit der deutschen Ilmwelt bewußt und in deutscher Erde fest verwurzelt ist. Zugleich aber bekennt er sich stolz zu der alten Geistigkeit und zu unserer Religion. Deshalb erzieht der K. C. seinen Nachwuchs zu dom Willen, auch jüdische Inhalte in die deutsche Zukunft mit hinauszunehmen. Als Juden erheben wir in Deutschland die Forderung, die wir als Deutsche in der Welt erheben, nur nach unseren besten Exponenten beurteilt zu werden und daß nicht für die Verfehlungen Einzelner die Allgemeinheit verantwortlich gemacht wird. Die Kulturkrise, die wir heute in Deutschland durchmachen, wird überwunden werden, und wenn eine Läuterung der deutschen Kultur erfolgt, werden auch die Schlacken des Judenhasses verschwinden. Die Plattform der besten Deutschen vergrößert sich dauernd, und mit ihnen finden sich auch auf dieser Plattform die Besten des deutschen Judentums wieder. Wir junge jüdische Generation haben uns 1814 bedingungslos im den Dienst des Vaterlandes gestellt und haben Zurücksetzungen und Kränkungen vergessen, und wir wollen auch das, was man uns in den letzten Jahren zugesügt Hut, heute vergessen, denn wir gehören nun mal auf diese deutsche Erde, und auf dieser deutschen Erde wollen wir alles ertragen, Böses und Gutes mit gleicher Liebe. Der Redner schloß mit einer Zusammenfassung des Erziehungsideales, das dem K.C. vorschwebt, indem er sagte, daß der K. C. bewußte Juden, freie Deutsche und edle Menschen erziehen will. Im Namen der Bonner jüdischen Gemeinde und der jüdischen Organisation begrüßte Rechtsanwalt Cohn den K.C. in Bonn. Er sprach über dir Verdienste, die sich der K.C. um die Erziehung der deutsch-jüdischen Jugend erworben hat und sprach die Hoffnung aus, daß auch er in Zukunft weiter an der Ertüchtigung der Jugend arbeiten möge. Der Redner schloß mit dem Wunsche, die Teilnehmer an der Tagung möchten etwas vor dem rheinischen Frohsinn und der rheinischen Heiterkeit mit nach Hause nehmen. Der nächste Tag brachte die eigentliche Arbeitstagung, auf der wichtige und grundlegende Fragen der inlcrn!LN Verbandsarbeit erörtert wurden. In die Leitung des K.C., den geschäflssührenden Ausschuß, wurden gewählt als Berliner Mitglieder: Dr. Hermann Beriak, R.-A. Dr. Kurt Braun, R.-A. Dr. Franz L. Fuchs, R.-A. Dr. Ludwig Holländer, Referendar Hans Lennhoff, R.-A. Dr. Fritz Loevy, R.-A. Ludwig Mayer, Dr. med. Erwin Rosenow, R.-A. Dr. Erich Stern. Als auswärtige Mitglieder: Dr. Julius Bier (Köln), Dr. Hugo Ehrlich (Tilsit), Dr. Karl Grünwaid (Frankfurt), Dr. 1). Krombach (Essen), Dr. Max Mainzer (Frankfurt), Dr. Ernst Rosenthal (Breslau), Dr. Fritz Schindler (Beuchen), R.-A. Dr. Eugen Schmidt (München), Dr. Eugen Strauß (Augsburg), Dr. Siegfried Arias (Hamburg). Am "-Nachmittag fand geneeinschasttich mit den Damen und zahlreichen Gästen ein Dampferausflug nach Remagen statt, wo man in fröhlicher Stimmung bei Sang und Tanz bis in den Morgen hinein zusannnenbiieb. Am nächsten Tag fand das K. C.^Sporlfcst statt, der ein Beweis für die Sportsreudigkeit innerhalb des K. E. war. Man sah z. T. recht gute Leistungen, besonders die Freiburger Verbindung Neo Frlburgia zeigte ausgezeichnetes Materia,. Die Mehrzahl der Preise allerdings ging nach Berlin. Den Preis für das beste Gesamtergebnis erhielt die Berliner Verbindung Vlnela mit drei ersten und einer Reihe weiterer Preise. "-Auch die Berliner Verbindung Sprevia errang mit C'iue'.n ersten und mehreren ga; ei len und dritten Preisen einen schönen Erfolg. Am Nachmittag besichtigten öle Teilnehmer mit ihren Damen die Iahriaui-endeussiell-lug in Köln und waren am Abend die Gäste der Kötner K. E.er, die zu einem akademischen Bierabend in die Vürgergej'eilschast geladen hatten. In einer "Reihe von Ansprachen der Kölner jüdischen Organisationen und der Vertreter des K. C. kam die Verbundenheit des deutschen Judentums im Rheinland und die Bedeutung des K. E.s innerhalb des deutschen Judentums zum Ausdruck. Wenn man zusammenfassend den Gcsamteiiidruck der Tagung wicdergeben soll, so kann man sagen, daß der K.C. sie!) in eher seltenen Blüte befindet, was auch die siarlie Aittivtt-z-.chi der einzelnen Verbindungen beweist. Zuviel Wifftu meiHt Aypjwch. Diesem Grundsatz huldigt offenbar die „Zionistische Korrespondenz", die in ihrer Nr. 29 folgende Nachricht veröffentlicht: - „Die französischen Rabbiner für den Paläslinaaufbau". Die Generalversammlung des Verbandes französischer Rabbiner nahm am 39. Juni eine Palästina-Resolution an, aus der wir folgende Sätze veröffentlichen: „Das französische Rabblnat begrüßt, nachdem es den Bericht des Großrabbiners zur Kenntnis genommen hat, mit Freude die beträchtlichen Fortschritte, die in Palästina erzielt worden sind, und drückt allen denen, die durch ihre Arbeit oder ihren Opfcrstnn zu der Entwicklung dieses jedem jüdischen Herzen teuren Landes beigciragcn haben, seinen Dank aus..." Eine von der Generalversammlung eingescUe Kommission hat bereits ein Programm für eine unter dem Namen „Franee- Palcstine Tehipath Erez Israel" zu gründende Institution ausgearbeitet. Wahrscheinlich wollte die Zionistische Korrespondenz das Gehirn ihrer Loser nicht überlasten, sonst hätte sie nicht nur den ersten Absatz des Beschlusses der französischen Rabbiner-Konferenz in ihrer Nachricht .zitiert. Oder sollte die Zitcrung etwa deswegen unterblieben fein, weil dadurch k-und-get-a-n worden wäre, daß die Gesamtheit der französischen Rabbiner mit der Gründung -einer Organisation zur Förderung des Palästinaauf. baues nichts weniger beabsichtigt, als die Förderung der nationaljüdischen Idee? Wie dem auch sei, wir wollen gerne die Nachricht der zionj. stischen Korrespondenz, die in ihrer vorliegenden Geistalt irr«, führend und damit wertlos ist, ergänzen und damit die zionistische und nichtziomstische Oeffentlichkeit so informieren, wi>e sie es mit Fug und Recht a-uch von einem offiziellen Organ der zionistische Vereinigung erwarten darf. Wir bringen deshaÄ) auch die von der Zionistischen Korrespondenz verschwiegenen Abschnitte des Beschlusses der französischen Rabbiner-Konferenz: „Aber das Rabbinat kaum die Befürchtungen nicht verschweigen, die ihm die Tendenz, aus heiliger Erde ein reines National- und Laien-Juden tum zu errichten, und die Gefahren einer solchen Entwicklung für das Mische Palästina wie für das gesamte Judentum verursachen. ‘ Infolgedessen beschließt das französische Rabblnat, das di« Gemeinden und die Gläubigen am Wiederaufbau eines wahr-1 baft jüdischen Palästina interessieren will, die Schaffung eines Werkes, das es alten Israeliten Frankreichs erlauben wird, zur Entwicklung Erez Israels in landwirtschaftlicher und industrieller wie religiöser und sozialer Hinsicht unter Aufrechterhaltu'ng der schon bestehenden oder in Entwicklung begriffene« Einrichtungen I und Unternehmungen in diesem Geiste beizutragen." Die Arbeit, die von nichtzi-onisttscher jüdischer Sette ln Deutsch, land noch zu leisten ist, eine wahrhaft neutrale Organisation zur Förderung des Palästina-Ausbaues zu schaffen, geht also in Frankreich ihrer Vollendung entgegen. Wie unangenehm nationaljüdischen Kreisen die Schaffung eines solchen Palästina- Werkes im Deutschen Reich wäre, beweist die Tatsache, daß die „Zionistische Korrespondenz" der jüdischen Oeffentlichkeit dem voll-! ständigen Wortlaut des Konferenzbeschlusses verschwiegen hat. Verfilmung von Lagerlöfs „Jerusalem*. I Eine Gruppe Filmkünstler aus Kopenhagen hat sich nach Palästina begeben, um dort Selma Lagerlöfs Roman .Jerusalem" zu verfilmen. In einem an die Künstler gerichteten Schreiden betont Selma Lagerlöf u. a>, daß Palästina so viel Kultur aus die Menschheit ausgestrahlt habe und so viel Schönhett besitzt, daß sie glücklich wäre, das Land besuchen zu können. Palästina fei nicht nur der Stolz des Mischen Volkes, sondern der ganze«: Welt. Wiener Brief. Die Hetze gegen den Zionlstenkongreß. Der österreichische Gesandte in London hat dem dort tagenden! zionistischen Exekutivkomitee einen Besuch albgestattet und im Namen seiner Regierung den ungestörten Verlaus des Zionisten- Kongresses in Wien verbürgt. Dieser diplomatische Schritt hat in mehrfacher Hinsicht das größte Aussehen erregt. Schon der Umstand, daß Oesterreichs j Bevollmächtigter die Herren, denen er eine solche Mitteilung M machen hatte, nicht einfach zu sich lud, sondern sich zu ihnen bemühte, wird von Kennern des diplomatischen Zeremoniells als eine d e m on st ra-tive Ehrenbezeugung vor den ReprüsentaniM einer jüdischen Partei gewertet. Da aber eine Demonstration immer eine Spitze gegen jemanden hat, so ist die Sensation dieses Affronts noch größer als bie in der geschilderten außerordentlichen! Höflichkeit liegende. Denn dieser Affront des öfterreichlschm Des gieruugsvertreters in London richtet sich gegen eine Bewegung, die durch die Schuld der österreichischen Regierung in Wien eine solche Bedeutung erlangt hat, daß die Worte der Beruhigung, die an das zionistische Exekutivkomitee von offtzieller Seite gerichtet wurden, tatsächlich einem Gebot der Stunde entsprangen. Freilich würde eben dieses Gebot der Stunde auch Taten erheischen. Gerade an solchen lassen es die hiesigen Behörden aber gründlich fehlen und ihr Mangel an Mut den paar Hetzern und Schreiern gegenüber, die gegen den Zivmstenkongretz Sturm laufen, läßt das Londoner Versprechen um so kühner erscheinen und man fragt erstaunt, wie unsere Regierung in London Garantien übernehmen konnte, zu deren Einhaltung sie durch ihre in Wien geübte Taktik nicht eben sehr befähigt erscheint. In Wien hat schon einmal ein Zionistenkongreß getagt: m Jahre 1913. Damals herrschte im Wiener Rathaus die christUchsoziale Partei, die auch in der Regierung vertreten war und durch ihre Beziehungen zum hchen Adel einen direkten Einstug auf die allmächtigen Hofkreise ausübte. Trotzdem hat daniais kein Alensch gegen eine Tagung des Zionistenkongresses in Wen Bedenken erhoben. Am Tage seiner Eröffnung widmete das klerikale Organ den Leitartikel der „Tragik des jüdischen Bo!-1 kcs" und betonte, daß der christlich-soziale Antisemitismus sic!> nur gegen jene Juden wende, die sich den Wienern gewattfam als DeUltsche ansdrängen wollen, während lene andern, die ihr -eigenes Volkstum betonen und für die Zukunft in einem eigenen Staats-1 wesen sichern wollen, auf die Sympathien aller Arier rechne" können. Kurze Zeit vorher war Theodor Herz! an gebrochenem Herzen gestorben, weil sich der Realisierbarkeit seiner Pliim schier unüberwindliche Hindernisse in den Weg stellten. Mit der Gründung einer rechtlich gesicherten Heimstätte des jüdischem Volkes in Palästina schien es noch gute Wege zu haben, und so konnte das Wiener Sprachrohr der uitramontanen Politik scheinklar ohne viel Risiko die zionistische Bewegung mit schönen Phrasen begönnern. Seither hat aber diefe Bewegung durch unvorhergesehene Ereignisse gigantischer Natur sehr greifbare Erfolge erzielt. Eine europäische Großmacht hat sie unter ihre Fittiche genommen, und wenn es trotzd-em nicht recht vorwärts geht und plötzlich ganz unvermutete Schwierigkeiten sich austürmen, wo sich eben noch ein gangbarer Weg M erschließen schien, so darf man hierfür wohl in erster Linie den Vatikan verantwortlich machen. Kein anderer politischer Faktor hat das geringste Interesse daran, England etwas dreinzureden, wie und mit wessen Hilfe es das ihm vom Völkerbund anvertraute Palästina aus der Verwahrlosung reißen will, in die das heilige Land unter der Herrschaft der Türken geraten ist. Kein anderer als die Hüter jenes Dogmas, das die Juden zu ewigem, unstätnn Mandern unter den Völkern verurteilt. Diesem Dogma zuliebe schürt dle katholische Kirche seit Jahrhunderten immer wieder gewaltsam den Anttsemitismus und sorgt dafür, daß die Juden auch dort nicht zur Ruhe kommen, wo sie sich durch Schweiß und Blut längst Heimairecht erworben zu haben glauben. So war es in Spanien, der heiligen Inquisition, und so ist es heute irr allen Ländern, in denen die Katholiken nicht zufällig selbst eine schutzbedürftige, Attu.decheit bilden und daher im eigenen Interesse für religiöse Toleranz eintr-eten, wie zum Beispiel in Deutschland, aber auch da nur ln jenen Bundesstaaten, wo sie faktisch in der Acinorität sind, während sie dort, wo sie die Mehrheit bilden, auch in Deutschland ganz ungeniert ins Horn der unduldsamen Reaktion stoßen. So konnte sich bei der letzten Wahl eines deutschen Staatsobechauptes das groteske Schauspiel ergeben, daß dle jüdischen und evangelischen Demokraten in Preußen dem katholischen Zentrumskandidaten ein« Majorität schufen, während das urka th olis che Bayern den ccg des evangelischen Rechtskandidaten enlschiod- Wären die Juden der ganzen Welt wirklich, wie die famosest Protokolle der „Weisen von Zion" lehren, einheitlich organisiert, könnte derlei nicht Vorkommen^ weil dann dte Juden &