Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 31 (31.7.1925)
- Date
- 1925-07-31
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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jtemstMr 31 Beilage 31. 011111925 Der jüdische Spredisaal, Ar mfem Ar. 29. vom 17. b. M. hatten nHv das Sabbal- HflWem erörlerk. Auf die Artikel in dieser Nummer sind uns eine Ir von Zvfchriften zugegangen, die bezeugen, welch großem ljnterefse diese Frage begegnet. Aus der großen Zahl der Zu- Mften bringen wir einige nachstehend zum Abdruck. Die Nodaklion. Zur Sabbaifrage. V Mein Aufsatz J#tm eSoftbof' ist zusammen mW ibem des Herrn Ifc. Karl Rofen-chal in Ihrem geschätzten Blatte Veröffentlicht Mden. Während ich mich bemühte, aus der religiösen «e des Sabbat s e l b st zu argumentieren, da ich überzeugt ton, daß einseitiger Rationalismus und flacher Moralismus das Verständnis für religiöse Tiefen, also auch für den Sabbat, ertötet mben, tritt Herr Dr. Rosenthal für den Eonntagsgottesdienst ein, in er glaubt, daß nur wirtschaftliche Gründe an der Teilnahms- "kstt dem Sabbat gegenüber schuld seien. Ich teile diesen nismus nicht. Ich behaupte, daß ein weltanschaulicher Amung, der geschichtlich gesehen, Verfall ist, der Grund ist, wenn IjB der jüdischen Gemeinschaft das Verständnis und die Liebe für jibkt Erlyabemheiit einer Sabbatfeier sich gegen früher gemindert '" m. W>er dieser Verfall ist nicht ein spezifisch jüdisches Sch ickfoadeW ein solches, das alle Religionsgemeinschaften des ,prägen Europa teilen. Im Kampf gegen diesen weltanschau- Ikmjschrvnng, der in Deutschland nach den 70er wahren herr- Islhend gowovden ist, reichen sich die Konfessionen die Hand. Wäre y anders, wäre es so, wie Herr Dr. Rosenthal meint, daß nur ll wirtschaMche Bedingung der gesetzlichen Sonntagsruhe für IM Schwede» dar Kultur des Sabbat entscheidend gewesen wäre, Ij) mühte doch der Gedanke des Sonntagsgottesdienstes seinen durch die jüdischen Gemeinden längst vollendet haben. 8 ist mir unbegreiflich, woher Herrn Dr. Rosenthal, der doch Isjreditger i» der Berliner Reformsynagoge ist, die ihren Svnntags- I«tbesdienst hat, die Laune zu den rosigen Aspekten, die sich in poem Aussatz finden, kommt. Er ist zwar erst wenige Wochen I« seidaer nenea Wirkungsstätte, aber das müßte doch genügt Ifrfon* DaS 3u6en4uut tu feiner Gesamtheit, auch das durchaus liberal IflPwite Judentum, verhält sich zu einer Verlegung der Sabbat- Mr aus den Sonntag durchaus ablehnend.! Auch Her maun Cohen. Herr Dr. Rosenthal zitiert IHellen aus einem Aussatz Cohens: Der Sabbat in seiner ku-ltursuschichMcheu Bedeutung. (Cohens jüdische Schriften, Hrsg, von «Mo Strauß, EL Bd. 6. 45). Der Aufsatz stammt aus der!^rtihzeit unseres Philosophen. Hier tritt Cohen allerdings M die Verilegmrg der Sabba-tseier auf den Sonntag ein. Aber >We doch Herr Dr. Rosenthai auch die Anmerkung gelesen. Ick der Herausgeber dem Aufsatz beigefügt (S. 469). Dort heißt es: I ,F>er Vorschlag des Nachwortes, die Juden möchten ihren Srtfat zugunsten des nationalen Sabbats, nämlich des Sonntags, iMückfbellen, fand im jüdischen Lager scharfe Zurückweisung. Vgl. sMische Presto" 1884, Nr. 24 (Ludwig A. Rosenthai.") Cohen selbst, der schon in einem Briefe vom 3. Mai 1881 reb: ,Zs kann wm als ein Symptom gelten, als eine Stimme, eber keinen Anhang zu finden sich bewußt ist", hat an Idies-er Mahnung späterhin nicht mehr sestgehslten. Als anläßlich seines 70. Geburtstages der bekannte Kürzlich verstorbene) jüdische Echrifisteller Baal Machschoavoch sDi. Elias Eliaischow) in der Mischen TageszÄtung „Der Fremd" 1(1912 Nr. 142, vom 5. Juli) auf diese Stellungnahme Cohens fteyenüber dem Sabbat hinroies, da veranlaßte Cohen seinen bijüler und Freund Boris Pin es, dem Verfasser mitzuteilen, daß k diese „Aebertragung" längst nicht mehr aufrecht erhalte. Und k ließ diese Wandlung mit den hebräischen Worten ansdrücken War ohasar bitheschuwa, wehaschabatb bimkomo omed. ||Cr kehrte um in Reue: Der Sabbat bleibe an seiner Stelle.) Dr. I g n a z M a y ba u m , Berlin. II. Fraucngeöunken über „Sonntagsgottesdienst". Von Rost G r a e tz e r - Kryschanowitz. Wenn es etwas gibt, was religiöse Gemüter mit froher HosssA>rg für das Fortbestehen unseres Judentums erfüllt, so ist es die üben letzten Jahren zunehmende, reiigionsbegeisterte Einstellung st den Lebensbcdingungeu unserer Glaubensgemeinschaft, wie sie aus den Spalten der liberalen Zeitungen entgcgengrüßt! \ vor einem Jahrzehnt ungefähr aufgestellten „Richtlinien", M mit ihren Forderungen ein R! i n ü e st m a ß von „Opferwilliginr den Glauben verlangten, sind längst überholt durch den Wunsch aus liberalem Lager, sich enger an die Tradition und Eit an die Neligion anzuschließen, und wir lesen wundervolle deirachlungen, die dem jüdischen Herzen und Geiste Anregung Befruchtung geben. Tausend Gläubige danken diesem echten 7'bcra!ismus, daß er den Ewigkeitswert unserer Neligion unbeik'ite,, läßt, daß er die Notwendigkeit einsieht, vieles zu erhalten, dem religiösen Gemüt Bedürfnis ist, und diesem die oft nur Oailiüve Zuneigung zu seinem Glauben aufzuhellen, indem er ^I>cn ethische Schönheit und soziale Höhe ins rechte Licht rückt. Denn in dem Sinne, daß sie die Tiefe, unlösliche Verbundenm.t dem Glauben ihrer Väter fühlen, sind ja so viele noch ^sVodox, die in ihrer Betätigung — dem Gebot der Stunde loigend — sich liberal zeigen. Aber das Festhalten an der ^adhion, die uns so köstlich an den Mut, die Opferwilligkeit,!)ol>e Kultur unserer Ahnen mahnt, bedeutet die Erhaltung Judentums, bedeutet das Vermächtnis an unsere Kinder. *5^! 'n edlen Vorbildern gleich zu tun! Gewiß ist unser Iudeu- <'..ein monumentalen Gebäude vergleichbar, dessen Fundastcnte den Zeiten trotzen, dessen himmelanstrebende Pfeiler aber, .i :in Teile vermorscht, nicdcrgelegt werden müssen, um neu ^lu.ch ausgebaut zu werden, upd den Nachkommen dies Zeug- ^dchr, alter Kultur zu erhalten. Aber Bewunderung erregt nur. wenn es ein einheitliches Ganzes bildet, und ihm nicht "Wtoi.irige" Neuerungen angeklebt werden! And als eine solche mir das „Verlangen nach einem S o n n ta g sgottes- :.IC,l!H wie es Herr Dr, Rosenthal in der letzten Nummer der '^'.tuug ausspricht. Wohl beklagen wir den geringen Besuch der ^ilco'iäuser am Sonnabend, doch nimmermehr wäre die Sonu- Hsanoacht das rechte Mittel, Gläubige in den Tempel zu ziehen. Z>ir! eilten zurück schrecken vor dem Gedanken^ durch die Einfüh- ^9 liberaler Gottesdienste am Sonntag, eiW neue, ungeheure vpalirmg zwischen den freisinnigen und orthvöoxen Juden zu be- Dirkcn. Es wäre ein schmerzliches Erleben für all die einstchlstatkräftigen liberalen Baumeister, die am Werke sind, um ole V-sse zwischen den Parteien sorgfältig auszugleichen mit Ent- ^genkommen, Klugheit und -Herzenstakt. Nehmt dem Juden den gesetzmäßigen Sabbat und ihr nehmt ihm das Symbol Opferfreudlgkeit, mit welcher der arme, gehetzte Hausierer ^p.lcr auf den Verdienst des siebenten Tages verzichtet, um ieinem Gotte, der religiösen Vertiefung seiner Familie zu ^chen — glücklich, 3 hm für alle Güte seine bedingungslose Hin- AscheAsn, Beobachtet nicht die Wirkung : die Lauheit im Besuche des Scibbatgottesdienstes, sondern die Ursache. die im Erhalten des Interesses für das „S abbatgl ü ck" liegt. Nicht die Unmöglichkeit durch geschäftliche Abhaltung schasst die geringe Beteiligung, sondern die innere Einstellung zur Sabbatidee. Wxr das ist keine nur jüdische Eigentümlichkeit, das ist eine Zelte rfcheinung, eine Verstrickung ins rein Materielle, die in der christlichen Kirche, trotz Sonntagsruhe auch gar viele leere Bänke zeitigt. Wem es Bedürfnis ist, die Stätte der Andacht aufzusuchen, der findet Zeit, wie er sie ja auch für eine staatliche Pflicht — sei es Termin- oder Steuerangelegenheit — finden wird, und ftchlt sich durch das Opfer, mit dem er sie sich erkauft, in besonders freudig gehobener Feststimmung. Ich denke an mein teures Elternhaus, da die fromme Mutter gezwungen war, am Sonnabend, auf den der einzig lohnende Gefchäftstag im Städtchen, der Mochenmarkt fiel, aus Existenznotwendigkeit im Geschäft tätig zu sein, und wie sie sich doch fortsiahl, um nur dem Gottesdienst veizuwohnen: und kamen wir Kinder, die ja auch an dem Tage in der paritätischen Schule nicht feiern dursten, heim, da sorgte die bessere Kleidung, das reichere Mahl, das Sabbattischgebet doch für eine Festtagsfreude, den Nachmittagsgottesdienst für die Jugend nicht zu vergessen. Sakrale Handlungen können wohl verlegt werden, aber nicht sakrale Empfindungen. — Schafft Gottesdienst am Sonntag, aber in keinem Juden schasst ihr die Sabbatfreude und die weihevolle Stimmung, die ihn durchzieht, wenn hinter -dem Vorhang, der ihn vom Alltag trennt, die hastenden Wogen des Lebenskampfes weiterbrausens und er, wie in ein erquickendes Bad, in die Stille der Andacht taucht. Wem wäre nicht schon einmal das Glücksempsinden aufgegangen, sich in der Gemeinschaft gleichgesinnter Gläubiger zu fühlen, wenn nicht das Wunder, wie nach Tausenden von Jahren der Gottesgedanke, verkörpert m der heiligen Thora, nüchterne Zeitgenossen in die Knie zwingt, sie in das „Lobe Gott" der heiligen Sprache einstimmen und sie freiwillig für eine Gebetsstunde den Mammon dienst mit dem Gottesdienst vertauschen läßt? — And wenn unsere Tempel statt der Hunderte von Besuchern, die wir noch immer verzeichnen können, nur 50, nur 10 Andächtige fänden — um dieser Gerechten willen müßte der Sabbat der Andacht Vorbehalten bleiben — wie ja Gott die Stadt Niniveh vor dem Anterg-ange verschonte um der wenigen Gerechten willen, die noch -darin waren. And wird von dem Herrn Rabbiner der Reformgemeinde angeregt, nur n eben dem Sabbatgottesdienste den sonntäglichen abzuhalten — ei, so besieht er ja schon in der Resormgemeinde und ist den Sonntag gebetwilligen zugänglich! Warten wir ab, bis er überfüllt -ist, und damit seinen Berechtigu-ngsnach-weis erbringt! Aber wenn eine jüdische Frau, eine jüdische Mutter, die ihre Kinder dem freudespendenden Gottesgeseh der Sabbatheiligung nicht entfremden will, -ihre bescheidene Bitte aus-sprechen darf, euch, den Verkündern der heiligen Lehre, dann schließt unsre Gotteshäuser fest zu am Sonntag und öffnet einen Lehrraum für alle die, denen der sonntägliche Ruhetag Lust und Muhe gibt, sich in jüdisches Wissen zu vertiefen, sich aufklären zu lasten, wie man seinen Sabbat u>nd alle Sittlichkeitsgesetze des Judentums auch noch heut halten kann! Religionsgeschichte, Religionsphilosophie, aus berufenem Munde vorgetragen, das möge der Inhalt sonntäglicher Andachtsstunden sein. Der Sabbat, und nur der Sabbat allein, bleibe mit seinem weitgeöffneten Gotteshaus dem religiösen Schnen der Gläubigen vorbchalten, Ln ihm mögen sie die Engel des Friedens finden, die ihnen jede Lost von der Seele nehmen, jedes Leid, wie das staubige Kleid eines Wanderers, von den Schultern gleiten lassen. Denn so tönt es aus der wundervollen Aebers-etzung des „schblaum aleichem": „Laßt uns vergessen, daß wir nur müde, Sorgengejagte Streiter sind: Laßt uns dem gütigen Gotte vertrauen, Wie aus den Vater vertraut das Kind! And wenn ihr scheidet, scheidet in Frieden, Laßt einen goldnen Schimmer zurück, Daß auch den grauen Alltag erhelle Ans noch ein Abglanz vom Sabbatglück! III. Daß die „Iüd.-!ib. Ztg." in Nr. 20 eine Sondernummer über dieses feit einiger Zeit ruhende Thema herausgegeben, ist sehr dankenswert. Die Stellungnahme zu ihm kann man wohl als das '.Kriterium des wahrhaften Liberaiismus anseben. Es ist gewiß mit Freude zu begrüßen, -daß -die ,Hlis" Freitagabendfeiern abhalten, wenngleich diese doch nur für solche Mitglieder Bedeutung haben, in deren Familien der -einzig schöne Vorabend des Sabbats nicht begangen wird. Denn seine schönste und höchste W-e-'che beruht ja gerade in seiner Eigenschaft als Familienfeier, der füglich kein Familienmitglied entzogen werden sollte. — Es ist schon ein Fortschritt, daß Fr-eitagabendgotteSdienste in liberalen Synagogen durch Einfügung einer kurzen Predigt gewissermaßen auf -eine höhere Stufe gestellt werden, daß sie in einigen Gemeinden stets zu einer Zeit stattsinden, -in der auch den Berusstätig-eil die Teilnahme an -ihnen möglich ist. Aber die schönste Mondnacht und der herrlichste Sternenhimmel, so erhebend sie auch aus Herz und Gemüt wirken, können doch nur als Begleiterscheinungen -der Ta-gessonne gelten: z-um Leben, Zum Wirken, zur Entwicklung der Natur auf'dieser irdischen Erde ist Sonne, ist Tag nötig. So wird auch diese hohe, diese höchste jüdische Idee von Erhebung und Läuterung der Men-schenscele durch einen von Alltagslast freien Ruhetag nur dann ihre praktische Wirkung wiedererlangen, wenn man sich der Wirklichkeit nicht gewaltsam verschließt, wenn man der praktischen Betätigung dieser I-de-e den sozialen Ruhetag erschließt. Hierfür ist das soziale Moment -dos jüd-ischen Sabbats mitbestimmeud, und daß Hermann Cohen -es noch über das ethisch-re-'.igiöse gestellt hat, ist berechtigt und erklärlich. Denn religiöse Feiern und Tage, die die Menschenseel-e erhoben, hatten 'die anderen Religionen des Altertums ja auch: aber daß auch -dem Fremdling und Sklaven, ja sogar -dem Vieh ein Recht auf diesen Ruhetag zustand, hebt den mosaischen Sabbat himmelhoch über alle ähnlichen Tage bei den anderen. Diese Aussassung von Sabbat 'und Sabbatruhe gibt gerade unserer Generation, soweit sie liberaler Denkungsweise fähig u-nd zugänglich ist. Recht und Veranlassung, sie durch Anpassung a-n die Zeitverhältnisse zu neuer praktischer Auswirkung gelangen zu lassen. Es ist nicht dami-t abgetan, sich aus die Priorität eines Gedankens zu berufen: mit einer solchen ist auch die Pflicht zur Tat verbunden und die bedeutet für den Liberalismus in -diesem Falle, den gesetzlichen sozialen Ruhetag durch Sonntagsgottesd-i-enste mit einem religi- 'g-iösen Inhalt auch für Juden zu -erfüllen. Natürlich nur für diejenigen unter ihnen, die den Sabbat nicht halten und trotzdem Sehnsucht empfinden, auch im Lause des Jahres häufiger einem Gottesdienst beizuwohnen, wie ihnen dies unter den bish-e-rigen Verhältnissen möglich. Wir haben, wie schon gesagt, nicht nur des Recht, sondern die unabweisbare Pflicht, in allen den Gemeinden, wo geeigneter Boden vorhanden, für die Einrichtung von Sonntag sgottesdienst-en einzutreten. Namentlich liegt diese öeu liberalen Rabbinern.ob,.,auch aus die,Gesahr^hin^ ES der Besuch solcher Gottesdienste (die \a zunächst nur ein- Inal im Monat stattzufindeir brauchten) ein sehr spärlicher sein wird. Alles Neue braucht seine Zeit, sich durch,;usetzen: mit der 'deutschen Predigt war eS nickt anders. 'Wan komme nicht mH der Einwendung, daß -ein jüdischer Sonnlagsgottesbicnst eine Anmaßung gegenüber der christlichen Kirche sei. Das Judentum hat den Ruhetag nicht aus den Sonntag verlegt: wir beugen uns einem äußeren Zwange um des höheren Zieles willen, wie es die jüdische Religion in -der Vorzeit sehr häufig getan und nur in den letzten Jahrhunderten zu-in Schaden ihrer Entwicklung unterlassen hat. Man sage uns auch nicht, daß es u-njüdi-sch sei, am christlichen Sonntag 'einen Gottesdienst (gar mit Thoraverlesung!) v-hzu-halten. Wenn einmal ein jüdischer Festtag mit einem Son-nta-g oder christlichen Feiertag zusammenfällt, so heißt es: „Heut ist I o n t e w über d -i c' g a n z e W e l -tUnd auch der orthodoxe Jude spricht dieses Wort nicht anders als mit dem Ausdruck des Behagens und der Zufriedenheit aus. — Wir wollen auch durchaus nicht „d e n Schabbes a b s ch a s s e n." Erstens haben wir die Aeberzeugung, daß er durch eine allerdings immer geringer werdende Anzahl Juden erhalten werden wird und ferner bleibt es jedem unbenommen besondere religiöse Feiern wie z. B. Barmizwahs am Sabbat siattfind-en zu lassen. Abe-r so gcht es nicht weiter: das Gefühl für Religion und religiöse Dinge wächst im Judentum Dank der liberalen Auffassung,, die immer mehr Platz greift und die etwas ganz anderes bedeutet wie Gleichgültigke-it oder gar m-aterial-istisch-e Weltanschau-, u-ng. Daß dieses religiöse Gefühl sich im Judentum ausleben und: betätigen kann, dazu sind Sonntagsgottesdienste nötig. Oder; will man wieder wie vor 100 Jahren warten, bis Hunderte, -nicht' unserer schlechtesten Glaubensgenossen zur Tochterr-e-ligioir oder zum Buddhismus usw. abwandern? — Schließlich und endlich können Sonntagsgottesdienste auch Andersgläubigen Gelegenheit und Möglichkeit geben, die hohen Ideen des Jud entums kennenzu lernen. Aber das ist nur der letzte und nebensächlichste Grund und durchaus kein bestimmender. 5. Wolfssohn, Breslau. IV. Liberaler Sabbat. Wieder einmal wird die Sabbatfrage ausgerolil. Diesmal sind es Rabbiner, die ihre mahnende Ctinmre erheben, um den Sabbat zu retten, die aber, ob -sic es eingestehen oder nicht, erkennen müssen, daß es für uns keine Lösung dieser Frage gibt. Wo zeigen sich Wege? — Der eine weist auf den Sonntag hin. den jcine Gemeinde schon seit achtzig Jahren -mit gottesdienstlicher Würde begeht. Für ihn ist dieser Tag, wenn nicht die Lösung, so -doch ein Weg zu ihr. Aber ist es nicht seltsam, daß dieser Sonntag, in einer Weltstadt mit Juden aller religiösen Stufen, von einer Gemeinde seit vielen Jahrzehnten zum Sabbat erhoben, über den Kreis jener Gemeind-e-mitglieder hinaus -keinerlei werbende Kraft gehabt hat? And daß selbst die Jugend, mit ihrer heute stark vorhandenen religiösen Sehnsucht, zu ihm -den Weg nicht findet? Man wende nicht ein, daß -es dem Gottesd-ienst dieser Gemeinde an Wärme und innerer Kraft fehlte. Wäre der Sonntag der erlösende Gedanke, längst würde diese Gemeinde, die Gemeinde aller wahrhaft liberalen Juden -sein, und der Gottesdienst fände die Gestaltung, die Sehnsucht und religiöser Wille dieser Menschen von ihm forderten. Doch die 3wsti-tution steht Nach wie vor einsam und vereinzelt da, -ohne Einfluß über die Mauern ihrer Stadt hinaus, ohne Aeberzeu-gungskraft, also wohl 'ohne wirkliche A>er. Der andere Rufer zur Sabbatfrage verwirft den Sonntag and fordert den siebenten Tag, d-enn Ruche am Sonntag -sei nicht mit Opfer verbimden. Ist denn der Sabb-aä ais Opfer eingesetzt worden? Wurde er nicht vielmehr als ein Gnadengeschenk gegeben, das -den Menschen reine Lebensfreude, innere Erlösung und Erhebung zu Gott bringen sollte? Wo und wann fordert der Sabbat Opfers Nie wäre der wöchentliche Ruhetag zunr Wettgcsetz erhoben worden, wenn man nicht den Ausfall am Arbeitsertrag weit geringer eingeschätzt hätte als die großen Werte, die in dieser regelmäßigen Arbeitspause liegen. — Der Idealismus wird zum Kampf gegen die Wirklichkeit aufgerusen. Der heilige Wille werde den rechten Sabbat erobern. Man sehe auf England mit sei-nem „week-end", auch bei uns würden die Schwier-igkeiieu schwinden. Lieber Gottesmann, glaubst du wirklich an solche Alögl-ichkei-ten bei uns in absehbarer Zeit, und nimmst du die Verantwortung auf dich, uns damit auf allzulange Sicht zu vertrösten? In einer Lage, die es nicht unmöglich erljcheinen läßi, daß Notwendigkeit, -im Einklang mit wirtschastlicher Machtpolitik, den Sonnabend vielleicht gar überhaupt seines Charakters als Halbarbeitsta>g berauben könnten, weil man die Arbeitszeit an den übrigen Tagen einfach nickt wird ad infinitum verlängern können? Week-end? Hat die englische Iudenh-eit am Sonnabend nachmittag -einen Gottesdienst? Denn bis Mittag wird doch gearbeitet, genau wie bei -uns. Einen halben Sabbat haben auch wir, nur ist diese Hälfte bedeutungslos. Denn der Sabbat wäl)rt vom Abend bis zum Abend. O, wir können ideal denken und sind Optimisten. Hcrzl war reinster Idealist. And darum war er Wegweiser. Denn jiidischer Idealismus, jüdischer Optimismus sucht neue, gangbare Wege, Ideen, die Tat werden können, zum Heil der Gemeinschast. Nicht aber Ideologie, deren Verwirklichung für uns Juden in Deutschland einfach unmöglich ist, und die präziser zu entwickeln der Verfasser überhaupt nicht versucht. Warum sagt er nicht klar, wie er sich öiese Entwicklung denkt? (Das aber hat Herzt für sein Ideal zu sagen vermocht.) Seien wir uns klar darüber: für uns gibt cs keine Lösung der Sabbatsrage. Für den einen oder andern Einzeimenschen zuweilen, für die Gemeinschaft der Juden in Deutschland nicht. Die Neformer haben es versucht, gaben d-abci aber den Wesenskern jüdischer Festtage auf, die Feier der Abende. And vielleicht Kanu der Sonntag, nach -seiner ganzen sozio!ogifchen und wirischaftlicheu Struktur im Rahmen der Kultur, in der wir leben, jüdischer Sabbat für die Gemeinschaft -niemals fein. (Ist er denn den Reformern jüdischer Sabbat?) Was kann geschehen? — Die Bestrebungen, dem sozialen Ruhetag -einen warmen, kraftvollen und innigen Gottesdienst zu geben, -dürfen nicht scheitern. Dienst an Gott ist nicht -an den Tag gebunden, zumal auch die Tore zu den göttlichen Werken in Natur und Kunst an diesem Tage allen Menschen offen stehen. And vielleicht findet mancher auf diesem Wege wertvollen Boden zur N-eubelebung der Sabbatidee. Das aber würde jeden Versuch rechtfertigen. Doch vor allem wollen und müssen wir uns die jüdischen Abende erhalten und gestalten. Sie sind Träger des jüdischen Gemein>schaftsgedan-kens, sie sind untrennbar vom jüdischen Leben. Die Sabbatidee ist eines unserer Ideale. Trauern wir nid)t allzusehr, daß sie, ohne -unsere Schuld, an Lebenskraft verloren hat. Es fuche ein jeder -in denr reichen Schah jüdischer Lebenswerle einen Gedanken, den er sich ganz zu eigen macht, und der seinem Leben die Prägung -gibt. Dann sind wir würdig vor uns selbst, vor unfern Vätern, und vor denen, die nach ums kommen. I. W e i n s a f t, Chemnitz.