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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-07-17 · 29 (17.7.1925) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
29 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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-erwng lerrelchte. MeseS Beispiel, baS auch unseren „vMkatem" Zionosdm vorHeschwebt haben mag, ist der MLHrige Zn-g der Kinder Araels durch di« Wüste. ES fragt sich aber fahr, ob dieses VorLÄd heute nachzuahmen ist. Denn erfMch haben die heutigen Inden in allen Ländern schon mehr als 40 3ahre Emanzipation hinter sich, die es ihnen doch schon ermöglichten, di« seelischen Spuren der Ghebto-Migraims zu oerwischen. Zweitens scheint mir der psychische Erfolg der vMschen Wüsiemoanderung nicht gang den Erwartungen des Führers entsprochen zu haben. Denn der Götzendienst konnte während dieser Zeit aus den Seelen der Juden nicht restlos ausgerottet werden und das goldene Kalb, das den Zorn Moses' entfachte, als er zum erstenmal vom Sinai Herabstieg, spielt bekanntlich noch im Buch der Könige eine verhängnisvolle Rolle. Heute ist es aber zum Glück doch schon erledigt und das Problem des modernen Zionismus ist nicht das der Reinigung der mosaischen Lehre von heidnischen Aeimewgsetn, sondern ein soziales. Di« wirtschaftlichen Fonnen, in denrn sich das jüdische Leben tm Laude der Väter abspielen wird, können sich aber erst an Ort und Stelle herauskristallisieren. Wenn der Ackerbau das menschemoürdigste Dasein in Palästina gewährleisten wird, dann werden die jüdischen Kolonisten Ackerbau treiben. Wird sich aber die Arbeit in den städtischen Betrieben der Industrie und des Handels lohnendem erweisen, dann wird sich das jüdische Leben in den Städten konzentrieren und das wird auch durch noch so sorgfältige Vorschulung der Chaluzim aus die Dauer nicht zu verhindern sein. Klagt doch die durchaus arische Agrikultur Europas gleichfalls über Me wachsende Anziehungskraft der Städte auf die Landbevölkerung. And doch ist diese „bodenständig" und nicht von jahrhundertelangem Ghettoleben angekränkelt. ÄM kommt, daß die „radikalen" Zionisten sehr wenig Fähigkeit gezeigt haben, das europäische Judentum nationalkulturell und wirtschaftlich umzuschulen. Es ist kein Moses unter ihnen und wenn sie mit diesem erlauchten Ahnherrn des Zionismus Oberhaupt etwas gemeinsam haben, so ist es höchstens das, daß auch sie niemals nach Zion kommen werden ... Sie sonnen sich viel lieber im Glanze chrer hiesigen Führerrollen. Diese menschliche Schwäche kann sogar dem bevorstehenden Kongreh verhängnisvoll werden. Denn nur der Eitelkeit der Wiener Führer ist -die Wahl Wiens zum Kongreßort zuzuschreiben. Rach dem Kriege tagte das Weltpariament der Zionisten zweimal in Karlsbad und zwar in schönster Ruhe und Ordnung. Ich will nicht untersuchen, «b hie Bewohner der Tschechoslowakei toleranter sind als die Oesterveicher, Tatsache ist, daß die aus aller Welt in Karlsbad gufammengeströmten Iud-en dort beide Male ungetrübte GastifvMNldschaft genossen, was die Gastgeber, Wirte, Geschäftsleute «sw., auch gar nicht zu bereuen hatten. Die Wiener Geschäftsleute haben gegen solch goldene Ernte auch gar nichts einizuwembeu, zumal der Kongreß gerade zur Zeit der hiesigen 'Messe tagen soll, die also von dem Zusammenströmen zahlreicher sFremben gleichfalls profitieren muß. Aber die Wiener Haken- »tengJer sind keine Geschäftsleute, sondern haben ihren Hauptanhcmg unter den Beamten. Die sind natürlich Wer den bevorstehenben Arbeitszu-wachs nicht sehr entzückt. Die Postbeamten iweröen etliche Taufend Telegramme und Briefe mehr als sonst M befördern haben und vollends die Bahnbeamten, die schon dem durch die sommerlichen Urlaubs: eis-en verstärkten Berkehr nicht gewachsen sind, wie zahlreiche Anglücksfälle beweisen, empfinden die Abficht der Zionisten, nach Wien zu kommen, als eine direkt Hegen ihr bureaukrattsch-tradttionelles Bequemlichkeitsbedürftvis gerichtete jüdische Bosheit. Daß der Staat von der verstärkten Ävansqmuchnahme von Post und Bahnen reichlich profitieren wird, länfttgt die Herren Staatspfründner naWriich nicht. And so bf von den Hcckenkreuzlerblättern «ne ziemlich wüste Hetze l den bevorstehenden Kongreß aus, die in hiesigen liberalen Iftem schon wiederholt Erwägungen ausgelöst hat, ob es wicht per wäre, den Zionistenkongreß noch in letzter Minute anders - in. gu verlegen Ein solcher Entschluß würde aber dem Prestige ides Herrn Strick er schaden, und bevor die „radikalen" Parteipof«t dieses Herrn so etwas zugeben, setzen sie lieber den Kongreß und dessen Besucher allen Eventualitäten aus, deren Wan sich von der verhetzten Hakenkreuzlerjugend zu versehen hat. Schon dieses eine Beispiel zeigt, wie verhängnisvoll es sich gestalten kann, wenn man den „radikalen Zionisten" auch nur in einer, programmatisch belanglosen Sache nachgibt. Wenn der Zionismus praktische Erfolge erzielen will, wird er daher Mt tun, die Theorien der „radikalen" Opposition ad acta zu legen, die aus rein persönlichen Prestigegründen die überwiegende Mehrheit der am Wiederaufbau Palästinas interessierten Iuden von der Mitarbeit an diesem erhabenen Werk ausschliehen möchten. Dr. Hugo Spiegler. Jüdische Zanritenforfchung. Die rührige junge Gesellschaft für jüdische Familie ns ors chung 'hat soeben das zweite Heft ihrer Mitteilungen herausgebracht und hierdurch den besten Beweis für die werbende Kraft chrer Idee geliefert Das Heft enthält zunächst die Fortsetzung der von Dr. Mbansky aufgefundenen Frankfurter StättigkeitSliste von 1802, d. h. eine lückenlose Aufzählung aller damals in Frankfurt a. M. ansässigen Iuden nebst ihren Ehefrauen, sowie genaue Angaben chrer Behausung. Sodann bringt brr Berliner Studienrat Prof. Dr. Wölbe, der im Mannesstamm von christlichen Theologen abstammt, sehr interessante Angaben aus der Lebensgeschichte seines Großvaters. — Der Leiter des^Gesamrarchivs der deutschen Iuden, Archivar Dr. Iacobsohn, schreibt eine archivalisch belegte Darstellung der Namensannahme der Würtlemberger Iuden. Es ist äußerst reizvoll, zu verfolgen, wie innerhalb der Regierung bald die tolerante und liberale Richtung die Oberhand hat, bald die reaktionäre Gesinnung die Einbürgerung der Iuden mit allen Kräften zu verhindern oder doch zu verzögern trachten. — Anknüpfend an die Abhandlung des Ooerbiblioihekars Dr. Stern über die Berliner Familie Ephraim-Ebers in der vorigen Nummer wird die pikante Tatsache witgeteilt, daß die auch politisch stark hervorgetretenen Grafen Limburg-Stirum nicht bloß von einer Gräfin Iohanrra, geborenen Ebers, abstammen, sondern mit Landesherrlicher Genehmigung den Zusahnamen Ebers führen. — Erwin Dreyfuß steuert als Auszug aus seiner Monographie: „Heber die Familiennamen der Iuden in Baden" bei, in ber über 800 jüdische Familien erwähnt bzw. ethymologistert sind. — Dr. Ezellitzer bringt seinen Bortrag: „Methoden der jüdischen Familienfvrschung", den er in der Märzversammiung geholten hat, und stellt hieran in programmatischer Form leitende Gesichtspunkte für die Arbeit des jüdischen Fami'lienforschers zusammen. Eine nach Wohnorten geordnete Mitglied ernste wird vielen Interessenten erwünschte Möglichkeit zum Zusammenschluß geben. Den Schluß macht auch dieses Mal ein Suchblatt mit einer größeren Zahl von Anfragen aus dem Leserkreise, die sich auf ihre eigene Familiengeschichte beziehen, sowie erfreulicherweise eiiee Reihe von Antworten auf die in der vorigen Rümmer enthaltenen Fragen. _ Oie jüdische landwirtschaftliche Einwanderung nach Frankreich. In diesem Frühjahr sollen etwa hnnderttausend existenzlose Iuden aus Polen, Rußland, Lettland, Litauen und anderen Ländern auswandern. Durch die Tatsache, daß u. a. die Bereinigten Staaten von Nordamerika die Einwanderungs-Pforten für diese unzähligen jüdischen Massen geschlossen haben, irren in den Tran- Mündern der verschiedenen 'europäischen Häfen, hunderte Emigranten herum, die keine Möglichkeit haben, ein EinwanderungSland zu finden. Für diese Emigranten, sowie auch für die in den osteuropäischen Ländern erwerbslosen Magen, die durch die schweren Lebensbedingungen, die in diesen Ländern herrschen, gezwungen sind, einen Exisienzboden zu suchen, und von denen ein großer Teil sich gern der agrarischen Arbeit zuwenden will, ist die jüdiiche Welthilfskonferenz vor einigen Monaten mit dem Einvertändnis des Emigrationsdtrektoriums mit dem französischen Agrimltur-Mlnistertuin in Verhandlungen getreten, nm jüdische Landarbeiter nach den französischen Farmen zu bringen. Gleichzeitig hat die W.H.K. mit dem französischen Aeuhern Minsterium unterhandelt, um die Patz- und Visaschwierigkeiten für die jüdischen Immigranten nach Frankreich, die auf Grund individueller Arbeltsverträge reisen, zu beseitigen. Darauf hat das Ministerium bei den französtschen Konsulaten angeordnet, daß alle Pässe der Personen, die Arbeitskontrakte mit Frankreich haben, visiert werden sollen. 2n den letzten Tagen hat der Agrikultur-Minister Ian Diron ln einem Brief an die Exekutive der M.H.K. die Hauptpunkte der Abmachungen, die bereits durch die Presse bekanntgegeben wurden, bestätigt. In diesem Falle eröffnen sich in Frankreich Möglichkeiten für die Einwanderung und Einordnung dieser Elemente der jüdischen Masten, die sich der Bodenarbeit zuwenden wollen. Auf das Ersuchen der Exekutive der W.H.K. hat der bekannte französisch-jüdische Schriftsteller und Fachgelehrte ans dem Geoiete der Landwirtschaft und landwirtschaftlichen Kredite, Andre Spire, eingewilligt, eine Reise in die französischen ostnördlichen Departements zu unternehmen, dir hauptsächlich für jüdische landwirtschaftliche Einwanderung in Frage kommen, um an Ort und Stelle genau mit den Arbeits- und Lohnbedingungen bekannt zu werden. Auch um die nötigen Vorbedingungen mit Wirtschaft liehen Syndikaten sowie mit einzelnen Grundbesitzern zu schaffen, soll die Reise ausgeführt werden. Der Schriftsteller Andre Spire wird während seiner Reise durch den Agronomen Kaminka, dem gewesenen Verwalter der landwirtschaftlichen Farm der „Ica" in Mogilew an Rußland und Bevollmächtigten der „Ica" der jüdischen Kolonien in Beharabien begleitet. Auf Grund des Materials, das gesammelt wird, werden die nötigen Instruktionen für die lokalen Emigrationskomitees für die Auswahl der Einwanderer bearbeitet werden. Die ganze praktische Arbeit wird von der Exekutive der W.H.K. in vollem Einverständnis mit dem Emigrationsdirektorlum, geleitet werden. L. W o l f f. Aus den Gemeinde«. Berlin. Am 8. Iuli fand eine Sitzung der Aepräsentantenverfammlung der Berliner jüdischen Gemeinde statt. In der Sitzung wurde bemängelt, daß der Realkatalog für Iudaica noch immer nicht ferttggestellt sei, und es wurde angeregt, in den verschiedensten Gegenden Berlins jüdische Lesehallen zu errichten. Drei Schüierbibliotheken sollen gemäß einem Beschluß der Bibliothekskommission im Anschluß an Religionsschulen geschaffen werden. Ferner wurde ein Antrag angenommen, daß eine Vorlage für ein einheitliches Beamtenrecht nach den Sommerferien der Versammlung zugehen solle, sodann e>m Antrag, daß dafür Sorge getragen wird, daß die jüdische Abteilung der Rheinischen Iahrtausendausstellumg als Wanderausstellung erhalten bleiben soll. Eine lebhafte Debatte schließt sich an einen Antrag des Gemeindevorstandes, dem liberalen Synagogenoerein „Norden" für das lausende I-ahr eine Subvention von im ganzen 9000 Mark zu bewilligen. Dem Verein waren bereits für die ersten vier Monate des laufenden Etatsjahres 3000 Mark bewilligt worden. Die Ausgaben des Vereins belaufen sich auf im ganzen 16 000 Mark. 4000 Mark bringt der Verein durch Mitgliedsbeiträge Platzmieten und Spenden auf. 3000 Mark sind bereits bewilligt worden, es wären daher noch 6000 Mark im ganzen zu bewilligen. Die Herren Wolpe und Loeser sprachen ihre Bedenken aus, nicht gegen die Subvention als solche, wohl aber gegen die Höhe. Herr Dr. Klee führt aus, daß auf Grund ber Vorlage der Verein ganz erheblich bester behandelt würde als die übrigen Privatvereine. Herr M. A. Loeb schließt sich den Ausführungen des Herrn Dr. Klee an und wünscht Vertagung bis eine nähere Statistik vorliegt über die Höhe des Synagogeubesuches ufw. Herr Rosenthal, als Vertreter des Gemeindevorstandes ersucht darum, die Vorlage zu bewilligen. Man müsse berücksichtigen, daß eine liberale Synagoge eine Reihe Mehrausgaben als «ne orthodoxe Synagoge habe. Im übrigen habe der Verein wie jeder andere tos Recht auf Unterstützung. Herr Wolpe meint, der geforderte Betrag sei für eine Synagoge mit rm ganzen 200 Besuchern viel zu hoch. Wenn man auch diesmal den Betrag ev. bewillige, so müste doch gang genau für die Zukunft nachgeprüft werden, ob der Synagog-enbesuch wirklich ein derartig starker ist, daß ein Bedürfnis nach Unterstützung vorliegt. Herr R.-A. Stern bittet aus Grund seiner eigenen Kenntnisse, diese junge Synagoge zu unterstützen. Das Bedürfnis nach einem liberalen Gottesdienst im Norden fei zweifellos vorhanden. Wenn der Besuch des Gottesdienstes auf die Dauer kein erheblicher sei, so könne man später ev. Änderungen vornehmen. Er sei ohne weiteres überzeugt, daß die Vorredner, soweit sie gegen die Vorlage ihre Bedenken aussprachen, ausschließlich vom rein sachlichen Standpunkt ausgingen, inwieweit wirklich ein zweckmäßiges Bedürfnis vor liegt. L>chne man jedoch den Antrag ab, so könne leicht die Auffassung entstehen, als ob ein «Teil der Versammlung die liberale Synagoge nicht mit dem gleichen Matze behandeln würde als die konservative. Es wurde dann die Subvention in der vom Vorstand gewünschten Höhe bewilligt. Berlin. Der Intendant der Berliner staatlichen Schauspielhäuser Leopold Ießner, der die neue staatliche Schauspielschule leiten wird, wurde zum Profestor ernannt. Berlin. Rabbiner Dr. Ioseph Wohlgemuch, der bisher in Kitzingen amtierte, hat einen Ruf nach Berlin angenommen. Dr. Wohlgemut!) soll in Berlin als akademisch gebildeter Religionslchrer Religionsunterricht in den höheren Klassen der Gymnasien erteilen. Daneben wird Dr. Wohlgemuch aber auch in einer konservativen Synagoge als Prediger wirken. Berlin. Die Iugmdschriftenkommistion der Grotzloge für Deutschland VIII, Unabhängiger Orden Bne Britz E. V. bittet uns um Aufnahme folgender Zellen: „Don den eingegostgenen 20 Arbeiten entsprach keine den Anforderungen des Preisausschreibens. Es wurde daher von der Verteilung eiu-es Preises im Sinne des Preisausschreibens abgesehen. Einige Arbeiten, die über das Niveau der übrigen hinausragten, ist ein Anerkenrungspreis zuerteilt, um die Autoren zu weiterer Arbeit zu ermutigen, und zwar: „Wurzel und Krone", Kennwort.Höre Israel" 200 M. „Was Tamid erlebte", Kennwort: „Ein Gotteslicht ist die Mensä-enseele 200 M. „Die Uhr", Kennwort: „Franken" 150 M. „Hermann Goldstein"', Kennwort: ,^)ptimimus" 50 M. Der Ausschuß erachtete sich, da von der Verteilung eines eigentlichen Preises abgesehen worden ist, nicht für befugt, die eingesandten Amschläge zu öffnen und die Namen der Einsender festzustellen. Me Autoren werden daher gebeten, sich bei dem Büro der Großloge, Berlin W62, Klelstsiraße 12, zu melden. Me übrigen Arbeiten stehen den Einsendern auf Verlangen zur Verfügung." Berlin. Am letzten Sonntag des Monats Iuni konnte der „Märkische Damen-Ruderverem" in Erkner am Flakensee wieder einmal sein Bootsmalerial erweitern und ein neues Boot auf das Master setzen. Schlltuck und elegant lag der Täufling ZUIN Festakt vor den Augen der Zuschauer und sonnte jeder Fachmann mit Genugtuung feststellea, daß der Klick» mit diesem neuen Zuwachs eine vorteilhafte Bereicherung erfahren hat. Den Taufakt nahm das Vorstandsmitglied Fräulein Golluber vbr. Durchdrungen von dem Geist einer echten Massersportlerin, stolz darauf, daß es dem Klub gelungen sei, wieder einmal aus eigenen Mitteln und eigener Kraft ohne Förderer und fremde Hilfe in der heutigen jo schweren Zeit einen Erfolg verzeichnen zu können und unseren Mischen Mädels Gelegenheit geben zu können, diesen schönen Rudersport weiter zu pflegen, zerschellte sie die Sektflafche am Bug des Bootes: ,^lch taufe dich ,Frei weg' und übergebe dich deinem Element"! unter dem dreifachen „Hipp- Hurra"! der umstehenden Mannschaften wurde der neue Doppelzweier auf das Wasser gesetzt. Die inzwischen aufgekommene starke Boe mag die Ehrenrunde beeinflußt haben, trotzdem war es eine Freude, unsere wrttergebräunten jüdischen Mädels gut vertraut mit dem Wasser zu sehen. Ieder Ruderer wird diesem, noch so jungen Klub für seine bisherigen Leistungen nur seine Achtung zollen, die nicht zuletzt ihrem Trainer, Herrn Landsberger, gebührt, der sich nicht verdrießen läßt, seinen Schülerinnen Technik Und Rückschwung belzubringen. Möge der Klub sich in dieser Weise fortentwickeln und unseren jüdischen Mädels eine Stätte der körperlichen Ertüchtigung und Abhärtung bieten und ihre Mittel es ihnen bald gestatten, wieder -eine Bootstaufe zu veranstalten. Ein allgemeines gemütliches Beisammensein mit Tanz, hielt den Kreis der Gäste und Rud-erinnen noch bis in die späte Nacht hinein zusammen. Beuthcn. Rabbiner Dr. Markus Melchior, zur Zeit Rel:- gionsschulleiter in Kopenhagen, wurde an Stelle des nach Osnabrück berufenen Herrn Rabbiner Dr. Krakauer nach Beuthen berufen. Bonn. Bei der von der Aniversität Bonn veranstalteten Tausendjahrfeier lehnte es die Bertreterversammlunei der Bonner studentischen Korporationen ab, mit der jüdischen Verbindung im Kartell-Konvent „Kheno-Silesia" zusammen zu chargieren. Der Rektor der Aniversität Bonn, Prof. Dr. Heimbergcr, löste die Vertreterversammlung auf. Dennoch war die „Rheno-Silesia" gezwungen, am Tage der Feier getrennt von den anderen Couleur- Korporationen zu chargieren. In weiten Kreisen der rhcinisäieu Judenheit, namentlich in den dem K. E. nahestehenden Lrreisen, erregt das merkwürdige antisemittsche Verhalten der Bonner Korporationen peinliches Aufsehen. Cassel. Die seit zur Ruhesetzung des Kantors Horwitz erledigte Stelle an der hiesigen Ha'uplfynagoge wurde denr Lehrer H. Äungmann aus Bernburg übertragen. Der Gewühlte wird gleichzeitig als dritter Lehrer an der Volksschule beschäftigt werden, so daß die seit langer Zeit seitens der Elternschaft geäußerten Wünsche, soweit sie sich auf die Anstellung eines dritten Lehrers erstrecken, endlich ihre Berücksichttgung finden. Frielendorf iHessen). Lehrer Lion, der nur kurze Zeit sich des Ruhestandes erfreuen konnte, ist nach kurzem Krankenlager gestorben. Die außergewöhnliche Beteiligung aller Bürgerkreise bei der Beisetzung des von sämtlichen Ortseingesessenen geachteten Mannes, der 31 Iahre die religiösen Verhältnisse der Gemeinde mit großer Gewissenhaftigkeit und Treue leitete, bewies die großen Sympathien, deren sich der Verstorbene erfreute. Mürzburg. In diesen Tagen beging Herr Buchhändler und Antiquar Ludwig Lazarus, derzeitiger Präsident der Frankenloge, seinen 50. Geburtstag. A.us diesem Llnlatz wurden dem Iudilar von allen Seiten Ehrungen und Glückwünsche zuteil. Den Gratulanten schließt sich unsere Vereinigung mit den besten Wünschen für das zweite Halbjahrhunüert an. Herr Lazarus, der unserer Bewegung immer das wärmste Interesse entgegenbrachte, gründete seinerzeit den Liberalen Verein in Würzburg und setzte sich stets für alle Bestrebungen ein, die der Erhaltung der jüdischen Gemeinschaft und der Verbreitung jüdischen Wisiens dienten. j | Der jüdische Sprechsaal |0| Beamienbesoldung nadi.Leisiungen? Ein Teil der geschätzten Leser dieses Blattes hat Sitz und Stimme in den jüdischen Gemeindeverwaltungen und dürfte daher — abgesehen von dem allgemeinen rechtlichen Standpunkt, der in Folgendem dargelegt wird — ein gewisses Interesse am Gegenstände haben: Die „Aeichsbesoldungsordnung" stellte das „D i enstalte r" allein als für die Desoldungsfätze in den einzelnen Gruppen entscheidend hin. Damit aber schuf sie (Mängel kommen überall vor) einen gerechten und möglichst objektiven Maßstab für die Besoldung. Es ist durchaus etwas Gerechtes, daß der im Amte ergraute, der. der einen Teil seiner besten Kräfte bereits der Gemeinschaft, welcher er dient, hingeg^en hat, irgendeinen Vorzug vor dem haben nmß, der sein Wollen und Können erst zu erproben und zu bewähren vor hat, oder noch nicht lange im Amte ist. Es soll anderseits nicht bestritten werden, daß z. B. das Vorhandensein besonderer oder gar hervorragender Berufsfähigkeiten, wenn auch nicht eine „Belohnung", so doch an sich gehaltlich ebenfalls eine Beachtung rechtfertigen könnte. Allein, abgesehen davon, daß der Begriff „Leistungen" schon inhaltlich unh noch mehr die Bewertung von Leistungen etwas sehr Relatives und der subjektiven Auffassung Anterliegendes ist und darum keinen wirklich objektiven Gradmesser bei der Besoldung bilden kann, mutz das Hervorheben der Leistungen innerhalb einer Gruppe amtlich Gleichgestellter zu ^Aißhelligkeiten führen, wenn das Menstalter allein bisher matzgebend war. Das aber scheint man gegenwärtig hie und da in jüdischen Gemeinden zu übersehen. Es enlspricht auch durchaus dem unter den jüdischen Beamten leider erst sehr spät durchgedrungenen O r g a n i - sations gedanken, Latz der einzelne zugunsten der ihn schützenden und stützenden Berussgemeinschaft auch einmal Verzicht leiste. Dessen mützte sich jeder in eine solche Gemeinschaft Eintretende — er sei wer er wolle — von vornherein klar werden, um seine Besoldungsansprüche auf das entsprechende zulässige Maß zurückzusühren, sofern er in einem Kreise Beamter Speicher Kategorie tätig ist. Denn nur dieser Fall ann hier in Betracht komm<zn. Als Ausnahme könnte man m. E. ein Abweichen allenfalls gelten lassen, wenn mit der erhöhten Leistungsfähigkeit auch eine eryöhtere Leistungspflicht oder größere Verantwortlichkeit des einzelnen verbunden wäre. Sollte aber der Staat selber einmal vorübergehend von der Norm des Dienstaltcrs abzuwrrchen genötigt sein, so würde daraus — in allgemeinen normalen Zeiten — für jüdische GemeindeVerwattungen noch nicht unbedingt ein gleiches Vorgehen zu folgern sein, etwa weil man ja nach „Reichsgrundsähen" auch dort besoldet. Ist man doch sonst gar nicht so schnell zur Hand, wenn es gilt, die segensreichen Staatsemrichtunaen zum Wohle der Beamten — auf die jüdischen Beaniten zu übertragen. S. Guttmann-Potsdam. Warnung! Es wird dringend gewarnt vor Alfred Mendelsohn geboren den 23. 12. 99 in Großbeeren, wohnhaft Berlin-Neukölln Bergstraße. In seiner Begleitung befand sich dieses Mal Luci< Czerwinski, geboren 5. 8. 03 in Filehne, bisher woh-nha-f m Berlin Beide verstehen, auf außerordentlich raffickerLe Meis« sich Anlrrstützungen zu verschaffen.

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