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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-07-17 · 29 (17.7.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
29 (17.7.1925)
Date
1925-07-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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haben! Wenn 3. H. Ritter <Gesch. d. jüd. Reformation, 4.) noch schreiben konnte, die meisten 3uden hielten den Sabbat nur insofern, datz sie an ihm die sabbatliche Andacht verrichteten, im übrigen aber den Werktagsgedanken und -geschütten nachgingen fund damit diesen für die Erhebung der Seele bestimmten Tag mehr entweihten als feierten), so hat sich für die Juden der Gegenwart die Situation noch mehr zuungunsten des Sabbat geändert: die Zahl derer ist immer geringer geworden, die wenigstens noch, „die sabbotiidje Andacht verrichten". And darum stellen wir — in tiefster Sorge um die Erhaltung des Sabbat — die dringende Frage: Was soll geschehen? 3ch sehe nur e i n e n Weg. Nachdem alle versuche gescheitert sind, den alten Sabbat zu neuem Leben zu erwecken, nachdem auch die religiöse Welle, die Krieg und Nachkriegszeit aufgewühlt hatten, verebbt ist am sandigen Afer der Alltäglichkeit, nachdem auch das stärkere religiöse Sehnen, das aus unserer Jugend elementar Heroorbrach, keine Besserung hat bringen können, bleibt nur noch dies übrig: dadie3uden unlerer Tage die sabbatliche Feier in der Synagoge wie im Hause nicht mehr halten können oder wollen,^muß durch die Einrichtung sonntäglicher Gottesdienste in allen liberalen Synagogen ein Ersatz für den verlorenen Sabbat geschaffen und damit der Zusammenhang der jüdischen Massen mit unserm religiösen Leben wieder h e r g e st e l l t werden. Damit soll , natürlich keinem Orthodoxen fein Sabbat genom-! men oder verkümmert werden; für ihn bleibt der siebente iTag der Woche, was er immer war. Aber den zah!-! losen Juden, die ihre religiöse Indifferenz mit dem Vori wand bemänteln, daß sie den Sabbat nicht halten, aber fauch am Sonntag nicht beten können, ihnen soll ldies Argument mit der Einrichtung sonntäglicher Er- > bauimgsfeiern genommen werden. And dem religiösen iSehnen der Tausende und Abertausende, die noch lesbendrges Judentum in sich tragen, denen aber durch die i wirtschaftlichen Verhältnisse Gelegenheit oder Stimjmung fehlt, den Sabbat erbaulich zu begehen, kann idurch Sonntag-Gottesdienst Befriedigung und ErjffiUung werden. Der religiösen Rot dieser Juden gilt es zu steuern; wir dürfen denen, die den Gnedenakt des Gebets noch erleben können, diese Gnade nicht rauben! — IV. 3ch weiß, daß die Forderung des Sonittag-Gollesdienstes auf starken Widersvruch stößt. Aber versuchen wir einmal in ruhiger Awerlegung klarzustellrn, um .was es sich handelt. 3n einem Aufsatz „Wesen und Erscheinung" hat der bewährte Vorkämpfer des Lideralismus Dr. Vogelstein- Meslüü, -^ in Anlehnung an!ein Wort H. Steinthals — den Sinn der Religion und insbesondere des jüdischen Liberalismus dahin begriffen^ daß „die Wahrheit derIdee zurwahrhaften Wirklichkeit werde". Das methodische Prinzip, wonach bei der Lösung dieser Aufgabe der Liberalismus verfahre, sei das geschichtliche. Es handelt sich nun bei diesem Prinzip darum, aus dem Ganzen zu sehen, die Dinge nicht nach einem fremden Mamtab zu messen, sondern sie aus ihrem eigenen Wollen und Wesen, aus ihrer Zeit heraus zu verstehen. Historische Betrachtung verlangt also die Fähigkeit, offnen Sinnes frühere Epochen zu erfassen und sie aus sich selbst zu begreifen. Andrerseits würde es aber -och eine unbegreifliche Verkennung dieses Prinzips bedeuten, wollte man zwar die Erscheinungen der Vergangenheit aus ihrer Zeit zu verstehen trachten, aber das Recht der Gegenwart an diesen selben Erscheinungen — soweit sie heute noch vorhanden sind — im Hinblick eben auf ihre historische Herkunft bestreiten. Jede Zeit hat doch ihre eigentümlichen Umstände, nicht nur die Vergangenheit, und nur aus ihr selbst kann sie begriffen und nur aus ihren Bedürfnissen können und dürfen die menschlichen und die ewigen Dinge gestaltet werden. So gewiß nun geschichtliche Betrachtung auf die Erhaltung des Sabbat, oes siebenten Tages weist, sü gewiß ist aber auch g e - sch i ch t! i ch zu begreifen und anzuerkennen die Tatsache, daß der Sabbat heute nicht mehr das ist, was er nach der Fiktion sein soll, und daß jetzt der S o n n - tag die tatsächliche Verkörperung der Sabbat-3dee darstellt. „Nicht wie der Tag in der Woche benannt ist, macht das Wesen des Sabbat aus, sondern daß ein Tag heilig sei in jeder Woche: auf daß der Werkeltagsarbeiter aller Art zu sittlicher Erhebung, zur Freiheit des Gemüts sich sammeln könne." (Herrn. Cohen.) Die Sabbat-Idee hatte in der Vergangenheit ihre Verwirklichung im siebenten Tage gesunden; heute ist n o ch die Idee des Sabbat vorhanden — er selber fristet ein armseliges Dasein. Wir aber sotten als liberale Juden sorgen, daß die Wahrheit der Sabbat- Idee zur wahrhaften Wirklichkeit werde. Indem wir den Sonntag — neben dem Sabbat — gottesdienst! ich feiern und so den sozialen Ruhetag mit der Weihe des jüdischen Sabbat verklären, retten wir die Sabbat -Idee. Man denke sich doch die Konsequenz der bisherigen Entwicklung durch einige Jahrzehnte oder ein ganzes Jahrhundert fortgesührt: dann ist der Sabbat verschwunden! Aber auch die Sabbat-Idee — wenn sie nicht durch den Sonntag und seine jüdische Feier gerettet wird. Was zu Mendelssohns Zeiten noch selten war, die Mißachtung und Nicht-Innehaltung des Sabbat, ist heute das Selbstverständliche. Die wenigen Juden, die ihn halten, verschwinden gegenüber den Hunderttausenden, die ihn Dreisgegcben haben. Sotten wir rein fiktiv die Sabbatinstitution erhalten, oder seine Idee im Sonntag-Gottesdienst zur wahrhaften Wirklichkeit werden lassen? Man braucht nicht so weit zu gehen wie Hermann Cohen, der, weil er den Ruhetag „im Geiste verstehen" wollte, „nicht in Buchstaben der Satzung und der veralteten Sitte", „den nationalen Sabbat, den Sonntag, mit herzlicher, nicht von den Erwerbsrücksichten erzwungener Bereitwilligkeit a l s den unseren anerkennen" wollte. Wir wünschen keine offizielle Verlegung des Sabbat auf den Sonntag. „Was jetzt Neues geschieht" — sagt H o l d h e i m in seiner Gegenschrift wider -«^^Gutachten des Nadbiners Schwad über den Sonntagsgottesdienst — „besteht lediglich darin, daß man am Sonntag nicht bloß ruht, sondern auch gottesdienstlich sich weiht und religiös sich anregt". Durch sonntägliche Andachtsübung wird das Judentum keineswegs „christlich", wie oft eingewandt wird. Der ganze Zuschnitt des Gottesdienstes, sein Ton und sein Inhalt verbürgen seinen r e i n jüdischen Charakter. In dem Aufruf, mit welchem vor 80 Jahren, die Berliner Reformgemeinde begründet wurde, heißt es: „Aus welchem religiösen Lager der Iudenheit auch das „Sch'mah Israel" erschallt — dies er Ruf dringt ast unserHerz,erisiauchunserLebens-und Sterderuf!" — V. Daß die Orthodoxie mit der vvrgetragenen Auffassung nicht einverstanden sein wird, ist begreiflich. Sie lehnt ja das Prinzip der religiösen Entwickl u n g grundsätzlich ab. Als Liberale aber verlangen wir, „daß der Glaube aus den Menschen Rücksicht nimmt-und keine Gesetze formuliert, die seinem Empfinden oder seinen berechtigten Lebensinteressen widersprechen. — Weil die Menschen, die Art ihres Denkens, ihres Fühlens und dieBedingungenihresLebenszu verschiedenen Zeiten nicht dieselben sind, sondern sich unabhängig wandeln, darum gibt es für uns weder religiöse Lehren noch Gesetze, die unabänderlich für alle Zeiten gelten. — Die Gesetze des Judentums müssen der Empfindungsweise und den Lebensbedingungen der Gegenwart entsprechend umgestaltet werden. — Wir Liberalen — halten uns für berechtigt, die Religion so zu ändern, daß die Menschen wieder nach ihr leben könne n." sL e w k o w i tz , Die Grundsätze des jüdisch-religiösen Liberalismus.> Wir sehen, daß die vor getragene Auffassung gemäß ist den von der „Vereinigung für das liberale Judentum" vertretenen Grundsätzen. Darum muß die allgemeine Einrichtung von feierlichen Sonntagsgoltesdiensten zu einer liberalen Programmforderung werden. Mehr und mehr hat der ernste Liberalismus in den letzten Jahren seine positiven Ausgaben erkannt und gefördert; die Erhaltung und Rettung der Sabbat-Idee im oorgeschlagenen Sinne wäre für ihn eine wahrhaft religiöse Tat. Hier gelten keine Bedenken! Tausende und Abertausende lechzen nach religiöser Erneuerung. Ihnen kann nicht geholfen werden mit noch so vielen Einwänden: nur frischer Wagemut schafft Neues, Großes. Unsre Jugend wird hinter uns stehen. (Man erinnere sich der Breslauer 3li-Tagung 1922 und des Referats von Ellen Littmann!) Sie wird uns helfen, datz der ethische und soziale Charakter des Sabbat durch den Sonntag wieder zu harmonischer Wirklichkeit gebracht werde. Hier hat das liberale Judentum der Gegenwart d i e religiöse Ausgabe der Zukunft: hic Rhodus. hie salta! And auch dem jüdischen Liberalismus gilt des Dichters Wort: „Noch ist es Tag, da rühre sich der Mann; Die Nacht tritt ein, wo niemand wirken kann!* Oer Zakobsbrunnen.*) Don Doris Wittner. Motto : „And Dulden ist das Erbteil ihres Stamms". Me großen französischen Romanciers — von Pierre Loti anöefangen bis zu ©taube Farröre und Pierre Benoit — sind Meister des exotischen und erotischen Romans zugleich. Aus den ihrem Mutterlande tributpflichtigen Kolonien und Dominien schöpfen sie die wilden, abenteuerlichr-n Wunder, die morbiden Reize heißer, von perversen Lockungen, kranken Lüsten und Lasten beschwertem Tropennächte. Claude Farrüre läßt in seinen Gemälden von Saigon und Indochina alle „tlours äu mal" sprießen, die übersättigte Phantasie nur je in opiumtrunkenen Visionen erträumte und erschaute. Und Pierre Venoit gab in seinen submarinen Gesichten des versunkenen Atlantis (L’Atlantide") jene letzten und verruchtesten Bilder erotischer Grausamkeit her. wie sie höchstens von Octave Mirbeaus schreckhaftem ,/Zarten der Qualen" („Jardin des supplices") noch übertroffen werden. — Benoits „L’Atlantide" war einer der stärksten Romanerfolge, die Paris während der letzten 20 Jahre zu verzeichnen hatte. -Am so verwunderlicher ist es, daß man diesem ruhmgekrönten Romanschriftsteller des Pariser Boulevards plötzlich aus ganz neuen Wegen zu nicht minder neuen Zielen begegnet. Weg und Ziel heißen — eS muß ausgesprochen werden, was ist — ein jüdischer Tendenzrvman, oder, vielleicht sogar (letzte Absichten läßt der Dichter in zarten Lyrismen ungeklärt) ein zioiristis che r Tendenzroman. „Dielleicht, vielleicht auch nickt . . ." Man weiß nicht recht, erkennt nicht recht ... In der rauhen Wirklichkeit ist die einsame, nur auf wenige Augen gestellte Zionrstensi-edlung zum .Zakobsbmnnen" („Le Puits de Jacob") dank der unpraktischen Ideologie ihrer Gründer und Teilnehmer und dank der Unzulänglichkeit der wirtschaftlichen Mittel zum Tode verurteilt: ein Moribundus und ein Moriturus: — jenseits dieses zeitlichen Vergehens aber scheint Benoit der Idee und dem Ideal der well verlorenen Kolonie eine Unsterblichkeit zuzubilligen, die dereinst über Zeit urÄ Ewigkeit obsiegen wird. Gleich der heiligen Erde, auf der die arniselige Siedlung ihr Dasein kümmerlich fristet, wird auch der .Iakobsbruunen" und jene, die sich um ihn scharen, währen für und für... So glaubt man den Dichter zu verstehen. So wähnt man, ihn rveniastens verstehen zu dürfen. — Aber Iakobsbrunnen hin, Iakoosbrunnen her! Uns schlügt ja nicht sowohl die Geschichte einer -ersten verfehlten Siedlung auf dem Boden Palästinas in Baun, als vielmehr die rührende, erschütternde und doch so alltägliche, aber von einem Dichter geschene und von einem Dichter gestaltete Figur der Hagar Moses, dieser verlorensten Tochter des Wüstenwand-erstammes. Verlorensten Tochter des Wüsbenwanderstammes fürwahr. Aber dennoch ein Kind Gottes, weil vom Dichter auserlesen und begnadet zu einer Schönheit ohnegleichen. Im Ghetto von Balalata (Konstantinopel) wächst Hagar Moses — diese Rose von Zion und Lilie im Ta! — in grenzenlosem Elend aus. Der Vater ist bei einem Armenieraufstand gemeuchelt worden, Mutter und Geschwister rossten Auszehrung und Flucht *) Pierre Benoit: „Le Puits de Jacob", AMn Michel, Pari». ' ' ehestens dahin. Sie weiß nicht um den Segen der jüdischen Familie. Aber in der Schule lernt sie — gleichzeitig mit den großen Legenden ihres Volkes, ja ihres Sondernamens Hagar — alle Bitterkeit des Pariatums kennen. Sie weiß noch kaum, was es bedeutet, eine Jüdin zu sein, als sie auch schon dafür angespien und verflucht wird. — Auf der Schwelle zwischen den Jahren — halb Kind, halb Jungfrau — ist sie schon bei einer Schneiderin in harter Lehre und roboted Tag und Rächt. Aber ihre Seele, noch nicht wissend geworden, träumt fieberisch Träume von Seide und Kostbarkeit, wie sie sie zufällig einmal um eine heilige Thora-Rolle gesehen. Als Botengängerin erscheint sie in „Pera-Palacr" vor einer gutmütigen Glaubensgenossin, „Rradame Lina de Marville", alias „Rache! Bericheim",' Tänzerin eines Cafe chantant. Die Tänzerin, gerührt von der hilflosen Schönheit des Kindes, gibt es in die üppige Ohhut ihrer Freundin, Madame Lazarescu, einer gutartigen, aber geschäftstüchtigen „Fr an W ar r en". And nun hebt der Passionsweg des vergifteten, geschändeten Blutes an, das Hagar Moses, — nunmehr beziehunasvoll Fräulein Jessica geheißen — 12 Jahre durch alle freudlosen Freudenhäuser, Cafes-concerts, Tingeltangel und Hafenkneipen des Orients wirft. Don Konstanti-nopel nach Saloniki, von Saloniki nach Athen, von Athen nach Haifa, Hagar-Iessica hat keine Zeit, darüber nachzusinnen, ob sie Jüdin sei,- Thora, Talmud und Traum sind tot für sic; — nur der Mann als tierische Realität leibt ihr und ihrem einförmigen Existenzkampf. Bis sie nach jenen zwölf ahasverischen Jahren zuvörderst auf einen vom Zionismus enttäuschten, verbitterten jungen Mediziner und alsdann aus den gläubigen Schwärmer Isaac Cochbas stößt, den ehemaligen Sekretär des Barons Rothschild, der Europa und sein gesichertes Dasein verließ, um an der Spitze einer kleinen todesmutigen Schar für das Land seiner Däter und für die gering unterstützte Kolonie ,Puits de Jacob" zu leben und zu — sterben. Wie Jakob mit feinem Gott, so ringt Isaac Cochbas um die Seele der Hagar Moses. „And ich laste dich nicht, es sei denn, du segnest mich . . ." Isaac ist zäh, Hagar zäher, Isaac scheinbar am zähesten. Hagar schenkt sich schließlich ihm und fernen Zielen als Weggefährtin, Kampfgenossin, als Geliebte uni — Ehefrau. Aber dennoch: .ihre Seele bleibt verschüttet: die 12 Jahre — tausendjährigen Schmerzes und Grolles sind aus diesem verwundeten Menschenherzen nicht mehr zu tilgen. Das Judentum mit seiner Tragik und Trauer ist stärker als alle werbende Liebe des kränkelnden Freundes: stärker auch als Me Reize der großen Welt zu Paris, wohin eine Propagandareise für „Puits de Jacob" sie gelegentlich verschlägt. Aber als der „Brunnen Jacobs" mählich versiegt und versandet, da schlafen auch in Hagar Moses di« ätzten Quellen des Lebens ein, die, o h n e d a ß s i e e s wußte, nur von ein em großen Glauben — dem fanatischen Glauben an den Sieg Zions — gespeist worden waren. Das Land hat gesiegt, obmoar es scheinbar unterlag. Tausendjährige Sehnsucht hat triumphiert. Das ist die Geschichte und ist. das Schicksal der Hagar Moses, die jedes Auf und Rieder ihres Stammes und — ihres Geschlechtes kennen lernte und doch nichts blieb als ein verirrtes Kind Judas, das „feine Augen aufhebt zu den Bergen, von demen ihm Hilfe komme . . » Pierre-BrnoU, der Rich-bjude, hat — Wunder über Wu«- der! — einen projudischen Tendenzroman schreiben wolle«. An Manchen Stellen auch merkt man die der reinen Kunst allzeÄ feindliche Tendenz zu grob und aufdringlich hindurch und wird« (künstlerisch) verstimmt. Im allgemeinen aber ist der Dichtes stärker als der Propagandist und dann wird die Geschichte vovi der verschütteten Seele der Hagar Moses, der späteren Enkeiär ihrer Urmutter Hagar und Rebecka, Noemi und Ruth, zu eine« zitternd wehen Liede, einem ergreifend schönen kleinen Gedicht leise im Wurde begleitet von Kithara und Thevrbe: würdig desj großen und erhabenen Tones der uns überlieferten Apokryphen. — Der moderne Meister offenbart sich in der bunten, mäöchentollen Darstellung der Hexenküche Balkon-Orient. Aber bt die krassesten, zynischsten Szenen stiehlt sich -immer wieder leise gebrochene Ton, der aus der gebrochenen Seele des Kindweibes und Weibkind cs Hagar Moses, Tochter eines tausendfältig gebrochenen und dennoch unsterblichen Volkes, in die feindliche Umwelt dringt. Dank dem Mut des Fraivzojen, der es über sich vermochte, stH zum Proie.gonisten dieses Volkes — des gottgewollten Prügelknaben" aller Zeiten und aller Rationen, herzugeben! Pierre Berroit hat sich in feinem Werke ,Aer Iakobsbrunne^ selbst qechrt. _ phsebus Phitppsorr. Don Iula Magnus -Wan-dsbeck. Meine Rttriier erzählte mir: A „om Jahre 1853 erhielt ich von mein-em Onkel Phoebüs, seit vielen Jahren in Klötze in der Altmark als Arzt tätig war. die Einladung, den ganzen Sommer in seinem Haus zu verbringen«' Ich war damals 16 Jahre alt, die AeUeste, von vielen Geschwister«» uad eigentlich noch nie aus dem heimischen Umkreis herausgekommen: meine Freude war daher groß. Onkel Sanitätsrait w« mir lieb und vertraut durch seine alljährlichen Besuche bei während ich meine Tante nur flüchtig kennen gelernt hatte. Die Reijevorbereitungen brachten große Aufregungen für «Ach mit sich — endlich erschien der Tag tyr Abreise. Onkel Phoebus» der seinen Sohn, den Studenten, nach Jena begleitet hatte, erschien in Magdeburg, um mich in Empfang zu nehmen und gleiche zeitig, um seine Einkaufe an Instrumenten und Büchern zu mache«. Die erste Strecke der Reise konnten wir mit der neuen Eisenixch» zurücklegen, bald mußten wir ste mit der Postkutsche vertauschen^ in Gardrlegen hörte auch diese Verbindung auf und es ging mit einem gemieteten Extrawagen stundenlang durch tiefe, snSrkÜfche Sandwege. Onkel hatte sich über sein Bücherpaket hergemacht» doch ich zog es vor, neben dem Wagen herzugehen, was bei dem langsamen Tempo keine Schwierigkeiten bvt. Plötzlich verfielen die Pferde in eine schnellere Gangart, ich mußte mich spulen, um Schritt zu halten, und Onkel ries mir zu: „Steig schnell «ta, Hannchen, du sollst doch einen feierlichen Einzug in deine veoe Residenz halten!" Und da waren wir wirklich, die Pferdchufe klapperten auf bolprigem Pflaster, die ersten Häuser in ihren tiefen Gartenanlatzen zu beiden Seiten des Weges, dann rückten ste näher zusammen, schließlich erreichten wir eine Art von Marktplatz» an dem sich das patÄche „Doktochaus" erhob. Die Fvmrs

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