Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 27 (3.7.1925)
- Date
- 1925-07-03
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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prinzipieller Tatsachen, wenn schwache Charaktere glauben, --re eigene Stellung in Deutschland durch di» Preisgabe der OÄuden befestigen zu -können. Wir »erlangen nicht nur gleiche Rechte für die Ostjuden in unseren Gemeinden, sondern, daß, wenn wir Ostjuden ln den Dienst der Gemeinde stellen, daß sich dann der Staat in diese Dinge nicht ein-menat. Wir wollen darin nicht schlechter gestellt sein a!S die chrMichen ReÜgionLtzeinÄnschafben. die einen solchen Einspruch zuvückgeVtesen Hab«. Und wir verlangen das SelLMestimmungSrecht, das auch «ns auf Grund des Art. 137 der Reichsverfasstmg zugebtlKgt ist. Wir verlangen endlich auä), daß -unsere Ostsuden auch von stpn Dehdrden aasuindiu bdjanbdi werden. (Sehr richtig!) Wir müssen Dank sagen dem Ardetterfürsorgeamt, das dafür gesorgt heü, daß durch die Presse die Erkenntnis allgemein verbvrwet wurde, und daS Verständnis dafür entstand, aus welchem Wege die Ostjuden zu uns kamen, wie sie durch Versprechungen getäÄcht worden sind und wie sie sich hier nach allgemeiner Ueberasnstünvmng der Arbeitgeber, der Gewerkschaften «ifto. bewährt haben. Weder diese Mitteilungen noch die Gebote der Menschlichkeit haben aber verhindert, daß besonders in der jüngsten Zeit -Le Behörde» gegenüber den Ostjuden eine AuswechrngspraxiL eingerichtet haben, von der wir wünschen, daß der ÄÜ-Mer des Innern dagegen vorgeht. Wir stellen -mit Bedauern fest, dak die Ausweisungspraxis besonders lln letzten Monat llnnrer schürser dort gchanidyabt wurde, wo es sich um OMuden handelte. Die Betroffenen werden meist wegen nnerlauoten Gren-zübrr-tt-ltts schwer bestrast und dann mit sehr kurzer Frist aMsgewieijen. Wir find überzeugt, daß der Minister selbst diese PraM nicht billigt, denn wir wissen, daß er in vielen Füllen eingegriffen hack, wv es sich um kleine Existenzen handelte. Trotz >der Befahr, daß die gegnerische Presse den Minister als Iudenbeschützer Hinst-M, müssen wir ihm für diese seine Haltung unseren Dank aussprechen und müssen ihn bitten, grundsätzlich anzuordnen, daß den Geboten der Menschlichkeit in der A-uÄvsistrngspraxis mchr Rechnung getragen wird. (Lebhafte Zustimmung im ganzen Hause.) Schädlinge können natürlich ausgew-i-esen wenden. Ein« weitere Beschwerde richtet sich dagegen, daß Ostjuden, auch wenn sie bereits in Deutschland die Schule besucht haben, trotzdem nicht eingebürgert werden, nicht eingebürgert werden, selbst wenn sie sich 17,18 und noch mehr Zähre, in Deutschland aufaehalten haben. Ich kenne Fälle von Leuten, die sich 30, ja 40 Fahre hieraufgehalten haben, und über denen noch heute dauernd das Damoklesschwert der Ausweisung schwebt. WesenÄich hierfür ist, daß, wenn ein Mensch in Preußen em-gebürgert wevde-n soll» alle Länder chve Zustimmung geben müssen. Run stellt Preußen allein schon außerordentlich hohe Anforderungen, aber es ist doch ein unmöglicher Zustand, daß nun die Einbürgerung a-n dem Widerstande von Lübeck oder Thüringen usw. scheitert. Jedenfalls müßte Preußen aus diese Lander dahin wirken, -daß sir ihren Emsp-vuch Zurücknahmen und ich Lege ents-p-rechende Äesolutioiren hierzu vor. Dr. Kober (lrbtt: Der Rabbiner hat 4n dem Gesetz von 1847 Überhaupt keine Erwähnung gesunden, oder wenn ja, dann war es in dem Sinne, daß es der Behörde überlassen bleibt, ob sie gegen einen Ausländer als Rabbiner etwas einzuwenden habe. And der Rabbiner hat im Verhältnis zu den Gemeinden sich eine Stellung erworben, mau kann wohl sagen, trotz der Gemeinde, trotzdem soviel Schwierigkeiten ihm enkgegengehalten wurden. Run stehen wir zwar auf dem Standpunkt, daß die Bibel recht hat, wenn sie sagt: „Ich habe keine Gestalt gesehen am Sinai, nur eine Stimme gehört". Ans Rabbinern wäre es recht, wenn man aus uns hörte. Aber dafür werden wohl alle zu hüben sein, daß dem Rabbiner in dem Iu-engesetz, das durch uns vorbereÄÄ werde» soll, die Stellung werde, die er vermöge der Geschichte und der Bedeutung feines Amtes inn-ehobe» muß. Soweit dieser Standpunkt materiell ist, soll Über ihn hier nicht gesprochen werden. Daß ihm ober auch in rdeeüer Beziehung «ine Stellung Äugeräumt wird, die ihm bisher ohne weiteres nicht gewährt worden ist, dafür wird der Landesverband eintreten müssen. Sie werden, wenn Ge «inen tatsreudigen Rabbiner haben wollen, der sich Wü seiner gQ3$e» Persönlichkeit m den Dienst de-r HMgoa Sache stellt, Sie w«den Hm wohl bei der''Anstellung einegewiss« ProbcheK vielleicht gubWgeü, aber Sie werden -auch dann die Anstellung def-inüw machen müssen. Sie werden dafür sorgen müsse», daß der Rabbiner überall in der GemÄade die Stellung ernntmnrt, die ihm noch vöckfa-ch vooenkhatten wird. Und dag» gehört m. E., und ich spreche da auch im Romen des R-abbinerverbandes, daß, wenn viffere Orgcmisätim der Orgaursattou anderer Bekenntnisse wachgebAdet wind, da wir ja auch «ine Asiigionsgerneinscha-st sind, daß dem Rabbiner mich im Vorstand Gtz und Stimme eingeräumt werden muß, weil er. wie evangelische und katholische Geistliche, imstande sein muß. übre Kirchen- und Reli- M«Äen kacho- «ur mit Forderungen, sondern wir gestehen gern ein, daß manches noch zu bessern ist, daß an den Anstalten, an denen der Rabbiner ausgebildet wird, daß noch manches geschehe« muß, daß z. B. auch auf praktischem Gebiet noch manches anders gestaltet werden kann. Und damit wiederhole ich, was auf der letzten Rabbiner veriamm-lung «rin.stim.mig angenommen wurde, was unser »erehrte. Kollege Horvwitz auf der Rabdinerversammlung mit aller Schärfe betont hat, daß wir aus sozialem Gebiet« die Verantwortung gang besonders fühlen, um all den Schäden «rtaegenmuvirken, an denen das Judentum der Gegenwart, aber nicht allein das Judentum Krankl, an den vielen sittlichen Schäden. Darum muß dafür gesorgt werden, daß an den jüdischen BUdungsanstalten das soziale Moment eine gewisse Rolle spielt, daß soziale Kurse abgehalten werden, so datz, wenn der Rabbiner aus der Anstalt entlassen wird, er htnausgLeht mit der Kenntnis der sozialen Dinge. Wi-r empfehlen Ihnen, daß Sie auf den verschiedenen spzia,leu Gebieten th-soto-grsch geschulte Männer deschäfvaen, die vielleicht tu Ihrem Zaupwerus wie in der evangelischen -und kachokschen Kirche alS Jugond-pflager u. dal. tätig find. Sie sehen, wir wollen selbst, daß der Rabbiner -nach Kräften mita-rbeÄet an -der Erneuerung des Judentums, dessen Ziel ja dochim letzten Grunde die Arbött des LandeSoerbanves sein soll. Man hat den Rabbiner nicht immer hoch gestellt, und das hat die Arbeitskraft und Arbeitsfreude des Rabbiners erlahmen lassen. Wo es nicht geschehen ist, verdanken Sie das dem Idealismus, den der Rabbiner in sich tragt. Der Rabbiner ist nicht Beamter in dem Sinne, wie man daS gewöhnlich annimim. Er darf es und kann es nicht sein. Von diesem Standpunkt mögen Sie sich täten lassen, wenn Sie an die Erneuerung des Judengefehes herantreten. Mögen Sie darin dem Rabbiner die Stelmag ernräumen im Interesse der JadenhM, die ihn in die Lage versetzt, für all das Dringend« wirken zu können, das Ziel unseres Verbandes ist. Seminarlehrer Falkenberg (lib.): Das Letzte, was Herr Dr. Sandler ausgesprochen hat, ist mir aus dom Herzen gesprochen. Der Gedanke, daß Israel ein Klal ist, ist von uns genau so ersaßt wie von Ihnen. Wir stehen alle auf dem Standpunkt des Klal. Nur in einem, allerdings sehr wichtigen Punkte, unterscheiden wir uns, wöe wtr den BeaM des Klat auffassen. Aber ich bin nicht hier, um auf dieser Grundlage auf politische Dinge emzugehen, sondern um ein ganz eng begrenztes Gebiet zu behandeln, das der Schule, der Lehrerbildung und des Religionsunterrichts. „Cs gibt keinen liberalen Lehrer, der Begriff des liberalen Lehrers existiert nicht," so hat Herr Dr. Freund heute die Freuu-lichke-it gehabt, zu sprechen. Wenn Herr Dr. Freund die Güte gehabt hätte, die Listen der gewählten Lehrer zu imrch-Mlen, so hätte er gesehen, es gibt keine zionistischen, sondem nur liberale Lehrer. (Zuruf von Herrn Dr. Freund: Ich habe gemeint, es gibt nur jüdische Lehrer.) Gerade wir in meiner Partei haben das Glück, in Echulan-gelegenh eiten von Fachleuten beraten zu werden. Bei -der ganz kurzen Zeit kann ich mich nur auf einige programmatische Erklärungen eiulasten. D-ie Krise, von der Herr Dr. Freund gesprochen hat, ist natürlich da, aber sie «st eben nicht begründet alles« in der Lehrerausbildung, sondern die Krise ist seit langem da, und dse Gemeinden sind selbst schuld daran. Deshoib erscheint die Krise nur besonders stark, weil wir gegenwärtig auch eine Krise der LehrerausbMuk^ haben. Wir Liberalen stehen auf dem Standpunkt, daß wir gleiches Recht verlangen, und wir verlangen gleiches Recht der Ausbildung für unsere jüdischen Lehrer wie für alle Lehrer. Das ist leider keine SelbstverständLchkeÄ, weil nämlich unter einigen meiner Lehrerberussgenossen aus den anderen Parteien diese Anschauung nicht vertreten ist. Weil närnüch gesagt wird, gewiß, der Volksfchullehrer muß wohl dieselbe Vorbildung haben. Wir aber stehen auf dem Standpunkt, daß der jüdische Religionslehrer mindestens dieselbe Bildung in sich ausgenommen haben muß, wie der allgemeine Dolksschuilehrer, und darr» unterschrDen «vir uns von den Kollegen von der orthodoxen Sette, d. h. wir verlange« für alle Lehrer den Gang durch das AbUwrtom und den Gang voraussichtlich üb« die Universität. I« diesem Punkt« sind wir uns in der Weraleu Fraktion einig, ebenso davd», daß ein« Verkoppelung der Lehrerausbildrmg mit gewissen kultischen Ausbildungen nicht möglich «st, deshalb l-chnen «vir es ab» ohne daß wir etwa die Bedeutung auch um im geringsten unterschätze», daß die kultische Ausbildung mit der Leyrera-usbÄdung verbunden werde. Wir wünschen eine grundkche Ausbildung in bar Schechüa, und wenn em Lehrer den Wunsch hat, fie zu lernen, soll er die AusbMnrng bekommen. Ader roir stad dagegen, daß diese Ausbildung mK dem Lehrerberuf ln Verbindung gebracht wird. Wenn äh auf die Frage» der Schulen zu sprechen komme, so spreche ich zunächst nur für meine eigene Person, w«Ä «Ln Beschluß der Fraktton hierüber noch nicht vvrttegt. Aber in einem Punkte find wir ums doch alle einig — und Ein stehe ich stmdamemtal Herr» Dr. Klee und seinen Freunden gegenüber. Für uns gibt eS auch ln diesem Punkte nur ein Gesetz. Was der Staat für die anderen gewährt, verlange« auch wir für uns, d. h. für die urtterrichWche Versorgung der jüdische» Mnder hat der Staat rn gleicher Weise Sorge zu tragen wie für die der christlichen. Deshalb stellen wir «ns te der Hauptsache auf de« Standpunkt — und darin stimme ich mit dem Beschluß deS Lehrerverbandes Lbvrekt —'daßevtt diejenige Schule, die alle Glieder Deutschlands umfaßt» aA» die ideale Schule anseheu. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die religiöse Ausbildung in dieser Schule ahsolut keine Gefahr hat, weil jeder, der so «oie ich, durch eine paritätische Volksschule ganz hindurch gegangen ist, weiß, daß diese Schule absolut keine große Bedeutung für die religiöse Bilvuna hat. Wir sHrn weder ln der parttätlschen Schule eine Gefahr für daS religiöse Wesen, noch sehen wir in der konfessionellen Schule das HÄlmWel für die religiös« Bildung. Solange der Staat die koufessionellr Schule feststem od«r in die Praxis überführt, stehe ich persönlich oatf dem Standpunkt, daß wir allein aus einem vorhin genannten Grund, dasselbe wie für die christlichen auch für die jüdische« Schule» fordern müssen. Wenn die preußische Regtemnig die pariMische Schule proklamiert «pH durchführt, bin ich dafür. Die Konsequenz ist für mich »bei dar hohen Schule zu ziehen. Die preußische hohe Schule ist sahungS- und statuteugemäh paritätisch, und deshalb lehne ich es ab, für die hohe Schule die Konfesisionalttät durchzuführen. Ich bin deshalb für di« parttättsche hohe Schule, weil sie gesetzmäßig sestg «setzt ist. Das hindert mich aber nicht, für ganz spezielle Dinge, wie für die Ausbildung von ReligionSlehrevn eine Ausibauschute oder zugleich zwei nach Richtungen geeilt, einzurichtvn, in der di« zukünftigen Lehrer ein größeres Maß von religiöser Bildung bekommen, als es in den allgemeinen Schulen möglich ist. Dieser Gedanke wird sich schr leicht verwiMichen lasien. Das ist ja selbstverständlich, daß die jüdischeu Lehrer neben der allgemeinen Ausbildung eine ganz besondere tiefe religiöse Ausbildung haben müssen. Darüber sind wir uns auch völlig einig. Und nun noch «ln kteiaer Punkt: Ander Laien ist gewöhnlich die Ansicht verbreitet und auch viel-fach ausgesprochen, wenn wir die jüdische Schule haben, so sei die ganze religiöse Bildung erledigt. Wir können soviel jüdische Schulen einrichten, «Die wir wollen, -die religiöse Bildung ist damit absolut noch nicht erledi-gt. Deshalb ift es ein« der alierwichtigsten Aufgaben für den Ausbau des Äeligionsunterrichies zu sorgen, der noch mehr als in den großen Gemeinden in den kleinen Gemeinden jetzt leidet. Deshalb begrüße ich, daß der Versuch gemacht wird, durch die Bezivkseinteilunq eine Versorgung mit jüdischeu! Lehrern auch für die kleinen Gemeinden eintreten zu lassen. Wir haben jetzt ganz besonderen Wert daraus gelegt, das Gott suchen, das unstreitig ln der heutigen Jugend vochanden ist, -in die richtige» Bahne» zu lenken. Ich kann es nicht verstehen, wenn Herr Dr. Klee houte gesagt hat: Mejenigen, di« von der Verbundenheit mit -der unsterblichen Vergangenheit des Judentums nichts wisien und nichts willen wollen, daß wir nicht mit ihnen uns verbunden fühlen und daß wir uns um sie nicht kümmern wollen. Wenn «vir Liberalen das viei!eicht sagen, so würde uns vielleicht gesagt werden, gewiß, die stick nicht religiös. Herr Dr. Klee, von seinem Standpunkt aus, dürfte es eigentlich nicht sagen, weil diese Leute doch alle Jude» sind. Wir sind anderer Ansicht. Wir woilea diese Leute, die von der Verbundenheit mit der tausendjährige^ Kultur nichts -wisse«, wir -wollen dies« Leute zu gewinnen suchen. Und meine ganize Arbeit ist dahin gerichtet, gerade diejenige» Kreise zu ge-wiunem, die i-ndifferent und gleichgültig unserer Vergangenheit gegenüberstehen. Und diese Arbeit ist nicht vergeblich, das kann ich Ihnen sagen. Wer den rechten WUlen hat, der findet die Menschen und hat auch die Möglichkeit, sie auszuoildrn. Allerdings, «venn wir das durchführen, dann kommen wir dahin, zu sagen, daß das Judentum sich immer wieder erneuert. Ich km nicht von -dem Pessimismus erfüllt, daß das Jrckenlum stirbt, sondern ich habe die Idee, daß das Judentum sich nn^'.er ckieder erneuert. Ich stehe allerdings nicht auf dem Standpunkt, daß rm-r immer nur das Judentum von gestern suchen müssen, sondern ich stehe aus dem Standpunkt, daß dieses sich immer «oieder erneuernde Judentum das Judentum wird. sLebh. BeHaü beiden Liberale».) von morgen sein Morih A. Loeb (Kons.): Es ist doch merkwürdig, daß ei» jüdischer Lehrer, der seit mehreren Jahren au einer jüdischen Schule wirkt, uns hier erklärt, prinzipiell sei er gegen di« jüöischq Schule. Prinzipiell sei er für eine paritätische Schule, das Reliä giöse sei eine Sache, die prSvattm eüed-igt werden nttisse. (Zuruf des Herr« FMeuberg: Das habe ich nicht gesagt.) Wonrr Sie gkulben, daß die zwei oder drei Stunden Religionsunterricht, die an -einer Etaatsschul« gegeben werden können, wirklich die Kinder mtt jenem jüdischen Wissen und Geist ansstatten können, der e-rforderllch ist, so erscheint mir das -sonderbar. Wenn gegen das pafsioe Wahlrecht der Frau wir m der kcn* serva-ttven Fraktion zum Dell Einwendungen erheben müssen, möchte ich betonen, doch für uns einzig und allein religionsgesetzliche Gründe maßgebend sind. Aber es wird immer so hingestellt» als s«e« wir dadurch Gegner einer Mitarbeit der Frauen überhaupt. Das ist durchaus nicht der Fall. Viel länger als die Frauen sich in allgemeinen Vereinen beteiligen, hat es jüdische FrauenvereLne gegeben. Psalm. Von Arthur Silbergleii. Oie Ääume tragen Deine Adernfasern Und Deiner Jahre Kreise alle Minden, Aus Deiner Föhne Gipselüberrasern Vrescht Deine Kraft in fessellosen Winden. Dir dienen die Lawinen und Vulkane, Das Eichhorn und das ftomme Aerz der finden. Der goldenen Sonnenblume Vlatterfahne Entrollt Dein Hauch, und alle Garben binden. Der Sternenbänder langgefträhnte Flammen, Oie noch im Strome glimmen HimmelsbrÄide, Mit goldenen Fäden fefilicher zusammen Als licht« und lufigebräunte Schnitterhände. Dein Mmachtsaar, der kühn um Grate kreiste, Sieht mich vor Deiner Majestät versinken Und Deine Urflut, Geist von Deinem Geiste, Aus allen Ärunnen Deiner Tiefen trinken. Wie soll mir nicht vor meiner Ohnmacht grausen, Wenn ich die Gipfel Deiner Allmacht schaue Und meiner Sehnsucht dumpfes Sturzbachbraufe« Nicht deiner Steinbrust Felsen auvertraue? Aus Bialils -^Volksliedern^. Bon Dr. L. Löwe»Berlin. Cin wirklicher Dolksdichter ist uns erstanden: Lhaim Nachman Bialik. Aber die meisten kennen ihn kaum dem Namen nach. Dock im Osten, in Litauen, da klingen seine Lieder als Volkslieder in aller Munde, und oft fah lch Mädchen zum Brunnen gehn und dabei singen: „Hab einen Brunnen im Garten am Haus^ — natürlich in der hebräischen Ursprache. Ost klingt er in seiner weichen, lyrischen Art an Möricke an („Das verlassene Mägdlein" und andere Gedickte wirken ja auch wiq Volkslieder), oft erinnern die fchwermutiae», ergrelfenden Dichtunaen an Heine. Ganz ernste Töne schlägt der Dichter bisweilen an, erzählt von dem arme« Mftrjungen, der Jjg na$ -< Licht und Saune fehut. malt schauerlich eia Pogrom im Osten. Darm wieder läßt er ein Mädche» sehnsüchtig um de» ttnge» treuen Liebsten Klagen oder zeigt uns eia junges Ding, das neugierig Akazienblatter abzählt, um die Zukunft zu erfragen; oder er gibt schelmisch einem Junggesellen gute Lehre«. Ganz wie das Herz des Volkes — bald traurig — bald ftoh — so sind seine Lieder. Und sinvon Urzeiten an dieselben — ob sie Eatull, der Römer, sang, oder R. Bures und Th. Moore, oder Möricke und Heine — wahre, wirkliche lyrische Dichtung — von Herzeu kommend, -u Herze« gehevd. 1. Nicht bei Tag« und nicht bei Lacht — Leise Hab ich mich ausgemacht. Nicht tm Tale «och aus der Höh' — Eine schöne Akazie ich seh. Und der Daum weiß von künftige« Dingen: Sage, was wird die Zukunft mir bringen? Liebes Bäumchen, ich will dich fragen: Wer «ein Verlobter wird, kannst du mtr^s sagen? Daum, o sage mir unverhohlen: Kommt er aus Litauen oder aus Polen? Führt er im Wage» die Straße henck? Geht «r als Wandrer oft Ranzel und Stab? Was wirb er bringen, um mir zu gefallen? Rotes Sandelholz, schöne Koratteu? Sag» Rebtt Bau«, ist er schwarz oder hell? 3ft er «fei Witwer, et» Iunggesett? Ist er etwa gar alt an Jahren, Mag er gleich in die Hülle fahrt»! Sag dann zum Daten „Nimm lieb« mein Leben, Ws mich einem Mte« zu gebeut" Bittend will ich die Hände daun falten: „Nur keinen Alten, nur keinen Alten!" 2. Kam ein neuer Brauch ins Lmstu Hllle, totn^gostreifto Und am Sabbath in den Wäldern Reguet's Küsse jetzt und Birnen. Kam ei« neuer Brauch ins Land: Seidenschuhe, schöne Spangen, Und an jedes Mädchens Hals Hängen ftöhlich sich zwei Burschen. Kam ei« neuer Brauch ins Land: Gestern Ldauuah, heut Peninah - Ader Ehesuel, mein Geliebter, Der gehört mir ganz allein! ' 3. Eins, zwei, drei und vier — Liebt dich ein Mädchen, so nimm )vt dtxl Säume nicht länger mit deinem Wott. Sonst kommt ein andrer — und schnappt sie dir fort! Wollte mich auch mal an Süßem ersteun — Aber — o weh! — es sollte nicht sein! Satte die Witwe zwei Töchter so hold, er eine« Haar dunkel, der andere« wie Gotb Nicht wie zwei Mädchen — wie Perle« so schon, Lieblich mck wundersam anznseh». Wohl dem, der beiden ins Antlitz sah. Bon denen mir doch solch Leid geschah! Kam» ja nicht sage«, kam» ja nicht toalea, Welche mir fteber von dicht» beide» And so ging tonn die AK herum. Sprach nie g» frtypfr Mgg ffitTTtin . . — Ist da plötzlich der Teufel g«bom»k», ' Hat sie beide mit sich genommvU Ach, warm» war ick ßo wenig achcheÜE Bleibe am «ustmem Krrgbea. Wret ans meine Leb«». . Die sich an euch emst \ - ««. zwet, tat und vier. dich eto jo stau jjk dir!