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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-06-26 · 26 (26.6.1925) · page 9

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
26 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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». Zahrgaag Summer 2S r. Beilage 26. Zuni 1925 IMchOeraleZeiluiV Oie Tagung -es Landesverbandes. (Schluß aus dem Hauptblatt.) Nachdem der Vorsitzende das Präsidium vorgestellt hat, ging er zur Annahme der Geschäftsordnung über. Seitens der konservativen Fraktion spricht IustizratHirschberg Bedenken gegen diese gedruckt vorliegende Geschäftsordnung aus, da sie nicht genügend Lchutz der Minoritäten verbürge. 3m Interesse der Sache stelle seine Fraktion diese Bedenken jedoch zurück, bestehe aber darauf daß ein Ausschuß von 15 Mitgliedern gebildet wird, in ö-em alle Fraktionen vertreten seien. Dreiser Ausschuß soll die einzelnen Bedenken prüfen und der Versammlung eine Geschäftsordnung vorlegen. Es wird dann zur Wahl der sechs Rabbiner und zwei Lehrer in den Rat geschritten. Dom jüdisch-thrologischen Seminar, Fraenkelsche Stiftung, Breslau, ist Semi narr abbin er Prof. Dr. Michael Butt mann, Breslau, oorgeschlagen, vom Rabbi nerseminar zu Berlin Rabbiner Dr. 3. Weinberg, von der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums. Berlin, Prof. D r. I s m a r E l b « g e n. Berlin, vom Allgemeinen deutschen Rabbinerverband die Herren Dr. Leo Baeck - B erlin, Dr. Horowitz-Franfurt a. M., Dr. Rosenthal-Köln, Dr. Seligmann-Frankfurt a. M. Der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche hat vorgeschlagen, die Herren Mittelschullehrer H. Stern, Lehrer und Kantor I. B. L e v y - Fankfurt a. M.,- als Stellvertreter dir Herren: Lehrer Robert Hirschfe 1 d - Charlottenburz, Lehrer Reinhardt -Köln a. Rh. Dr. Klee verlangt zur Sicherung eines einwandfreien Ergebnisses der Abstimmung Namensaufruf. Dom Präsidenten wird daraus hingewiesen, daß dieser Modus agendi in der Geschäftsordnung nicht vorgesehen sei, falls er aber von der Versammlung ohne Widerspruch als zweckmäßig angesehen würde, hat er keine Bedenken, namentliche Abstimmung zuzulassen. In der namentlichen Abstimmung werden dann vom Verbandstag in den Rat gewählt: Rabbiner D r. V o g e l st e i n - Breslau Mb.), 3 ustizrat Sonnen seid- Berlin (Nb.), M. A. L o e b - Berlin (Kons), und Dr. Hant Ke-Berlin (Volksp.). Als Vertreter der Lehrer werden die von der Organisation der Lehrer vorgeschlagenen Herren einstimmig in den Rat gewählt. Als zur Wahl der Rabbiner -geschritten wird, schlagt Rabbiner D r. Freund- Hannover vor, diesen Punkt bis zum morgigen Tage zurückzustellen. Da die Jüdische Volksparle-i darauf besteht, einen eigenen Rabbiner, und zwar Herrn Dr. Emil Levy in den Rat zu entsenden, empfiehlt Dr. Freund den anwesenden Vertretern des allgemeinen Rabbinerverbandes, ihre Wahlvorschläge lm Sinne des Antrages der jüdischen Volkspartei evtl, zu revidieren. Der Antrag aus Vertagung dieses Punktes ist einstimmig von der Versammlung angenommen worden. Sodann erstattete Dr. 3smar Freund den Tätigkeitsbericht. Als am 25. Juni 1922 der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden sich gebildet hatte, da war man -sich darüber Klar, wie die Dinge sich in Zukunft auch entwickeln mögen, die Tatsache der Gründung des Landesverbandes nicht mehr aus der Welt vi schaffen sei. Offen war eine Frage geblieben: nämlich die, welche sachlichen Qualitäten diesem Verbände zukommen. Ob er bereits aus Grund des Artikels 137 der Reichsoerfassung als eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes anzusprechen sei, oder ob es zur Erlangung dieser Qualität eines besonderen Staatsaktes bedarf. Rach den diesbezüglichen mit der preußischen Staatsregierung gepflogenen langwierigen und eingehenden Verhandlungen scheint es eines solchen Staatsaktes zur offiziellen Anerkennung tatsächlich zu bedürfen. 3n Praxi aber entstehen uns aus der noch nicht offiziellen Anerkennung bei unseren Arbeiten innerhalb des Verbandes sowohl als auch bei den Verhandlungen mit den Behörden selbstverständlich keinerlei Schwierigkeiten, und der preußische Landesverband wird von den Behörden schon jetzt als die berufene Organisation zur Vertretung der preußischen Iuüenheit angesehen. Wir sind begründeter Hoffnung, daß der Staatsakt der offiziellen Anerkennung im Sinne des Landesverbandes erfolgen wird. 1924 sind die Gesetze der katholischen und evangelischen Kirchenverfassung verabschiedet worden, und die Tatsache, daß diese Gesetze überhaupt verabschiedet worden sind, hat in großen Zügen auch dir Frage entschieden, daß auch nach dem Bestehen des Artikels 137 der Reichsverfassung der Staat seine Unterstützung den Religionsgesellschaften weiterhin gewährt. Dies bitte ich als den augenblicklichen Stand der Angelegenheiten entgegenzunehmen. Die Dinge liegen also so, daß bisher ein Staatsakt zur Anerkennung des Preußischen Landesverbandes nicht ausgesprochen ist, daß aber die Auffassung auch seitens der Regierungsvertreter die ist, daß es eines Staatsaktes nach dem Wortlaute des Artikels 137 überhaupt nicht bedarf. Dr. Freund wies dann darauf hin, daß, als es sich um die Anerkennung des Anhaltischen Landesverbandes handelte, das Staatsministerium sich geäußert hat, daß es eine Anerkennung nicht ouszusprechen hat, weil nach Artikel 137 der Reichsverfassung Aeligionsgefellschaften, die sich zusammenschließen ipso jure öffentliche, rechtliche Körperschaften sind. (Sehr richtig.) Dr. Freund führte dann unter anderem weiter aus, daß der Preußische Landesverband gegenwärtig 656 Gemeinden Preußens in sich vereinigt und daß unter diesen Gemeinden selbstverständlich sich alle großen und solche von irgendwelchem Range befinden. Rur zwei Gemeinden von verhältnismäßiger Bedeutungslosigkeit haben bisher erklärt, noch abwartend daziislehen: die Gemeinden Frankfurt a. O. und Allenstein. Außerdem sind noch einige Gemeinden vorhanden, die heute innerhalb'des Halberstädter Bundes den Anschluß gesucht haben. 3ns.gefa.mt liegen die Verhältnisse so, daß bei einer ziffernmäßigen Feststellung, die das Finanzminiftermm im Fahre 1024 als Unterlage brauchte, der Halberstädter Bund etwa 17 000 Seelen zählte und der Landesverband preußischer Gemeinden 524 000. Seit dieser Zeit haben sich dem Preußischen Landesverband etwa 250 weitere Gemeinden angeschlossen, während die Zahl der Mitglieder des Halberstädter Bundes zurückgegangen sein dürfte, weil eine Anzahl von Gemeinden in der Zwischenzeit ihren Austritt aus dem Halberstädter Bund erklärte. 3m weiteren Verlauf seiner Ausführungen dankte Dr. Freund dem preußischen Kultusministerium dafür, daß es sich grundsätzlich bereit erklärt hat, bei einer Neuregelung der Gesetzgebung der jüdischen Religionsgemeinschaften diejenige Parität ainzuräumen, auf die sie Anspruch zu haben glaubt. Die A r a g e der Neuregelung d es Schulw es ens und dle Aufnahme des j üdischeu Religionsunterrichts neben dem Lehrplan der eva ng-rl is che n uns katholischen Kirche hat bisher noch nicht zu einer befriedigenden Regelung g e f ü h.r t. Es ist dies nicht die Schuldes Kultusministeriums, sondern zum wesentlichen hervor gerufen durch gewisse Zwischenfälle und durch Agitation jfLdischer separatistischer Kreise. (Hört! Hört!) Es Äi leider nicht der einzige Fall, daß wir bei weitestgehendem Willen der Staatsorgane mit unseren lebenswichtigen Forderungen nickt weiterkommen, weil wir von einer ganz kleinen Minorität, die sich heute ein Vetorecht anmaßt, in unseren Mahnahiwm behindert werden. Auch. diese Frage wird uns bei den Fragen »er gesetzlichen Revisionen M beschäftigen haben. 3m weiteren Verlauf seiner Rede wies Ir. Freund auf die schwere wirtschaftliche und finanzielle Krisis hin, die der Landesverband namentlich in der Inflation durchemacht hat, aber aus der er auch jetzt noch nicht heraus sei. nsbesondere wies der Redner aus die Rot der Beamten in den einzelnen Gemeinden hin, unter denen es solche gebe, die das 80. Lebensjahr überschritten haben, mehr als 50 Fahre Dienst getan und niemals ein auskömmliches Gehalt erhalten hatten. Hier habe der Verband, soweit dies in seinen Kräften stund, durch Subventionen eingegriffen. DieSchwere der wirtschaftlichen Verhältnisse drückt sich auch darin aus, daß von unseren 656 Gemeinden überhaupt nur noch 63 vorhanden sind, die einen Rabbiner haben, lieber 800 preußische Gemeinden entbehren jeder ordnungsmäßigen Sorge. Was das für das gesamte Verbandsleben bedeutet, brauche ich nicht weiter auszuführen. Die traurige finanzielle Lage der Beamten muh durch eine entsprechende Erhöhung der GchAter verbessert werden. Es ist auch notwendig, eine Penstonskasse einzurichten, damit die Beamten, die viele Jahrzehnte treue Dienste den Gemeinden geleistet haben, für ihr Alter versorgt sind. Das Festessen. Der Sonntagabend vereinte die Delegierten als Gäste des Vorstandes der Berliner jüdischen Gemeinde im Berliner Logenhaus, Kleiststraße, und machte sie den führenden Persönlichkeiten des Berliner jüdischen Gemeindelebens bekannt. Das einzig Stimmungsvolle waren leider nur die Gesangsvorträge dreier Berliner Kantoren, unter denen Schuberts „Allmacht", von Oberkantor Friedmann ergreifend vorgetragen, hervorragte. Oie Montagsverhail-lungen -es preußischen Lau-esverban-es. Am Ytl Ahr eröffnete Präsident Sonnenfeld die Versammlung und erklärt die am Sonntag (21. 6.) unterbrochene Sitzung für wieder aufgenommen. Wir haben nachzuholen, sagt er, den Punkt 4 der Tagesordnung, Wahlen zum Rat gemäß Artikel 21 Ziffer 2 der Verfassung (6 Rabbiner). Zum Berichterstatter hierüber ist Rabbiner Dr. Freund bestellt. 3ch bitte ihn, das Wort zu nehmen. D r. F r e und - Hannover: Heber die Frage der Wahl der Rabbiner in den Rat hat gestern abend eine Besprechuna des Rabbinerverbandes stattgefunden, ü. h. keine offizielle Besprechung, denn weder war der Vorstand einberufen, noch war das Plenum zu erreichen. Es war aber doch der größte Teil des Vorstandes vertreten. And somit kann wohl der Beschluß, der einstimmig gefaßt wurde, Anspruch darauf erheben, daß er die Meinung des Rabbinerverbandes voll zum Ausdruck bringt. Als Resultat kann ich folgendes Mitteilen: Zunächst waren in Aussicht genommen sechs Mitglieder aus dem Aabbinerstande, und als nachher, da es dahin gedeutet wurde, daß auch die Vertreter der' Seminare unter diesem Titel gewählt werden sollen, blieben uns nur drei Rabbiner. Das erscheint uns als eine nicht angemessene Vertretung. Mir stellen darum den Antrag, daß die Zahl wenigstens auf vier wieder erhöht wird. And damit drei Seminarvertreter mitgeaoählt werden können, bitten wir, die Gesamtzahl auf sieben zu erhöhen. Wir sind bei unseren Unterhaltungen schließlich zu einer Einigungtiber die Liste gekommen. Wir haben Ihnen drei Rabbiner als Mitglieder und drei als Ersatzleute zu präsentieren. Als Mitglieder schlagen wir vor: Dr. Baeck-Berlin, Dr. Horowitz-Fvcmkfurt und Dr. Seligmann-Frankfurl: als Ersatzmänner: Dr. Rosenthal-Köln, Dr. Emil Levy-Berlin und Dr. Wilde-Magdeburg. Natürlich werden die Vorschläge nicht allem entsprechen, was die einzelnen Fraktionen sich erwünscht haben. Aber wenn wir das Opfer bringen konnten, einen einmütigen Beschluß trotz der schwierigen Materie zu fassen, so können vielleicht auch Sie ein kleines Opfer bringen. Es entwickelte sich dann eine längere Debatte, in der Abeordneter Hans Goslar darauf verwies, daß es gelte, die im andesverbande vertretenen drei großen jüdischen Weltanschauungen bei dieser Wahl zu berücksichtigen. Durch Akklamation wurden schließlich gewählt: Seminarrabbiner Prof. Dr. Guttmann-Breslau, Rabbiner Dr. F. Weinberg, Dozent in Berlin, Prof. Dr. Fsmar Elbogen-Berlin, Rabbiner Dr. Leo Baeck-Berlin, Rabbiner Dr. Horowitz-Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Seligmann-Frankfurt a. M, Mittelschullehrer Heinrich Stern-Berlin, Lehrer und Kantor F. B. Levy- Frankfurt a. M. Zu Stellvertretern wurden gleichermaßen gewählt: Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln, Rabbiner Dr. Wilde-Magdeburg, Rabbiner Dr. Emil Levy-Berlin. Präsident Sonnenfeld: Damit ist der Punkt 4 der Tagesordnung erledigt, und wir kommen unmehr zu Punkt 6 (Bericht über dip bisherige Tätigkeit des Verbandes und Etat). Hier hatten wir gestern den Bericht des Herrn Dr. Freund entgegengenominen. Herr Dr. Freund hat gestern nur zur Tätigkeit gesprochen, und ich bitte ihn, nunmehr zum j Etat das Wort zu nehmen. Dr. F re lind: 3ch kann mich in bezug auf den Etat sehr kurz fassen. Dieser Etat, wie er Ihnen vorliegt, stellt in der Hauptsache ein Programm dar, da es sich nicht so sehr um die einzelnen Ziffern handelt, wie um die Positionen und leitenden Gesichtspunkte, die ziffernmäßig zum Ausdruck kommen. Insbesondere möchte ich eine Position herausnehmen, bei der diese Gesichtspunkte durchschlagend sind; das ist die im Kap. 2, Titel 5 „Wohlfahrtspflege"., Wir haben unter diesem Titel eine Reihe von Positionen namentlich aufgeführt, aber insgesamt nur einen Betrag von 50 000 M. hier eingestellt. Schon das zeigt, daß es sich darum handelt, nicht mit diesem Betrage die einzelnen Positionen zu erledigen, sondern die Positionen sind nur eingestellt, um damit zum Ausdruck zu bringen, daß das Gebiet der Tätigkeit des Verbandes mit Bezug auf die Wohlfahrtspflege alle diese Fragen umfassen. Rach Fühlungnahme mit der Zentralwohlsahrtsstelle hat es sich erübrigt, von hier aus in irgendwelchem nennenswerten Ausmaß tätig zu werden. Die Zentralwohlfahrtsstelle war der Ansicht, daß sie auch in diesen Aufgaben des Landesverbandes für das laufende Fahr von sich aus noch erheblich tätig sein könne. Infolgedessen haben die 50000 Mark lediglich den programmatischen Zweck, von dem ich sprach. Wenn im Etat eine Anzahl von Positionen an die Spitze gestellt'ist für die Unterstützung leistungsschwacher Gemeinden, so wollten wir zum Ausdruck bringen, daß, entsprechend dem Zweck der Gründung des Landesverbandes, die Aufrechterhaltang der Gemeinden und deren Wiederaufbau der dringlich^ und vornehmste Zw-rck unserer Tätigkeit ist. Zur Begründung dieser Auffassung beziehe ich mich nur auf das, was ich gestern sagte. Ich glaube aber, , daß das, was ich Ihnen gestern über die gesamte wirtschaftliche Lage unserer Gemeinden sagte, ausreichend fein wird, .um Ihnen za zeigen, worum es sich hier bei diesen Positionen handelt. Ich würde Sie auch bitten, in bezug auf diese Fragen einerseits das gesamte Kap. 2 und auf der anderen Seite Kap. 6 und 7 unseres Etats sich vor Augen zu halten, die nicht voneinander zu trennen sind, sondern ineinander übergehen. (Sehr richtig.) Es liegt in der Natur der Dinge, daß wir sukzessive diesen Aufbau vornehmen Müssen und daß in dem Maße, wiL er sich vollzieht, die Not- Wendigkeit, die Gemeinden zu unterstützen, sich verringert. Denn, wenn der Verband selbst den Bezirksrabbinern und dle geistigen Borsorger stell!, entfällt die Notwendigkeit, die Gemeinden für diese Zwecke leistungsfähig zu machen. Infolgedessen müssen diese Positionen untereinander vereint werden. ES erübrigt sich aus den erwähnten Gründen, etwa über diese Zahlen im Wege der Diskussion andere Beschlüsse herbeizuführcn. Jas Wichtigste ist in bezug auf dle Frage der Bezirksrabbiner in der Vorlage enthalten, die Ihnen besonders zugegangen ist. Diese Bezirksrabbiner- Vorlage ist Ihnen besonders zugegangen, weil die Frage der Bildung von Bezirken zur Verankerung von Gemeinden in geistiger Tätigkeit und geistiger Führung eine so eminent dringende ist, daß sie keinerlei Aufschub verträgt, und darum vorweg ihre Erledigung finden muß. Wenn mir Ihnen in der Vorlage bestimmte Vorschläge bereits formuliert haben, so ist dem hinzuzufügen, daß diese Vorschläge keinen endgültigen Charakter für sich in Anspruch nehmen, sondern daß in jedem Einzelfalle sowohl mit den vorhandenen Provinzialstellen wie mit den betreffenden Einzelgemeinden Fühlung genommen und erst nach diesen Vorbereitungen eine Entscheidung getroffen werden kann. Worum es fick handelt bei diesen Etatpositionen, darüber brauche ich hier nicht zu sprechen, weil wir das im Ausschuß, im kleinen Kreise besser behandeln. Wir haben zwingende Gründe, die Bitte an Sie zu richten, daß Sie sowohl die Vorlage der Bezrrksrabbinate als auch die der Lehrer im Prinzip im Etat annehmen, wobei ich nicht besonders zu betonen brauche, daß diese Beschlüsse im Verbandstage nicht definitiv find, sondern der Zustimmung des neu zu bildenden Rates bedürfen und daß etwaige Aenderungswünschc des Verbandstages in dieser Weise noch restlose Bewilligung finden können. Wenn im zweiten Titel die theologischen Bildungsanstalten erwähnt sind, so wollten wir, ebenso wie bei der Lehrerbildungsanstalt. Titel 3, Position 3, die geradezu eine Lebensfrage für das deutsche Judentum sind, zum Ausdruck bringen, daß wir in den nächsten Jahren in ausreichendem Maße für die geistige Führung und für ein bedeutendes Lehrermaterial sorgen wollen. Insbesondere was die letztere Frage anbelangl, sind mir in eine kritische Situation gekommen, durch die die grundsätzliche Umwandlung der Lehrerbildung, wie sie durch die Rrichsverfasfung verlangt wird und in Preußen bereits in weitgehendem Ausmaße durchgeführt ist, insofern, daß zwar die neuen Möglichkeiten noch nicht da sind, aber die alten beseitigt. Wir sind der Ansicht, daß heute für einen rabbinischen Nachwuchs von seiten des Landesverbandes nachdrücklich eingetreten werden muß, um so mehr, als beispielsweise das Breslauer Seminar, das van vornherein ganz unabhängig gestellt war durch seine Stiftungen, unter der Inflation genau so zusammengebrochen ist wie alle anderen Institute, die auf gleicher Grundlage standen, und die nun vollkommen von der Gesamtheit unterhalten werden müssen. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums ist schon früher auf diese Notwendigkeiten angewiesen gewesen, und das Rabbinerseminar ist heute nicht anders gestellt als die Hochschule. Wir find der Ansicht gewesen, daß das höchste und letzte Ziel des Veovandes vor allem die Einheit des preußischen Judentums als btt Grundlage der Einheit drs deutschen Judentums anzustreben ist und daß deshalb dieser Grundsatz auch in unserem Etat verankert werden muß, baß wir innerhalb des Landesverbandes keine Unterschiede der Richtungen anerkennen können und daß vor allem keine Majorität die Möglichkeit hat, in religiösen Fragen von dieser Masorität Gebrauch zu wachen, es sei denn, daß sie den Landesverband in allerkürzester Zeit in Grund und Boden wirtschaftet. (Lebhafter Beifall.) Mit der Frecheit in religiöses Hinsicht und mit der absoluten Schätzung jeder Minderheit steht und fällt der Landesverband. Ich hatte es für meine heilige Pflicht, Sie vor der Geschichte zur Verantwortung zu ziehen, wenn Sie den Auftakt des Landesverbandes damit zum Erliegen bringen, daß Sie die Art an seine Grundlagen legen. (Lebhafbn, Beiftlll.) Ich spreche allgemein, Sie werden aber wissen, was Stt aus meinen Worten zu 'entnehmen haben. Ich fet&ff stehe auch falle mit diesen Erklärungen. Wir haben im Etat drei Rabbinat»« seminare und haben dafür Summen eingestellt, die selbstverstänh« lich gleich sind. Ich nehme an, daß das Ihnen ollen aus der SeÄe gesprochen ist und daß es lediglich dem Ausdruck der prinydpiellen Parität der religiösen Richtungen in diesem Verbände! entspricht. (Zurufe.) Ich kann auch hinzufügen, daß der Etat von der Gescyäftsfüyrung mit allen gegen eine Stimme angenvitv, men worden ist. Bezüglich der Lehrerbildung liegen dir Ding« sch daß unsere preußischen Bilüungsanstalten leider ausgeschiedm sind. Es besteht lediglich als ein Torso heute noch das Lehrerseminar in Köln. Es besteht die Tatsache, daß Sie mit dem Ein, gehen der Lehrerseminare zu rechnen haben. Die LehrerbitdlNdg auf der alten Grundlage ist in Preußen abgeschlossen. Wir müssen uns nach Bayern wenden, das sich auch hier partikularistisch eingestellt hat. In Würzburg besteht die Lehrerbildungsanstalt auch heute noch und wir>d weiter bestehen. Sie hat gegenwärtig etwa 50 Prozent ihrer Zöglinge aus Preußen. Unter diesen Umständen ist es »ns zur Pflicht gemacht, die Lrhrerdildungsansbalt in Würzburg als ein Institut für uns in Anspruch zu nehme». Diese Anstalt ist infolgedessen auch im Etat berücksichtigt. Was wir auf der zweiten Seite unseres Etats in der Pos. 8 „Brldungsanstalten" an Summen in den Etat eingestellt haben, ist verhäibnismäßig belanglos, ist aber auf der anderen Seite der Ausdmck eines Prinzips von allergrößter Wichtigkeit, denn mit dem Augenblick, wo die Bildung etwa in Preußen nach den Gesichtspunkten^ der Reichsverfrssunq für Volksschullchrer auf akademischer Grund- ' tage erfolgt, entsteht für uns die Frage, wo wir Ergängungsunterricht erteilen können, um in jüdischen Gemeinden jüdische Lchrer zu erhalten. Wir werden zwar an den Staat t»je Forderung stellen, daß, wenn die Konfessionsschule kommt, und Sie wissen ja, daß das in Preußen ngr noch eine Frage der Zeit ist, daß dann auch jüdische Koufessionsschulen kommen. And mit diesem Augenblick hat der Staat die Verpflichtung, für die konfessionellen Lehrer zu sorgen. Der jüdische Religionsunterricht darf dann nicht minder obligatorisch sein wie der christliche. Wir werden uns aber sagen müssen, daß es mit^ dein, was der Staat uns auf diesem Gebiet leisten kann, unmöglich sein Bewenden haben kann, denn die Bildung, die wir für den Lehrer der jüdischen Schule zu fordern haben, wird anders fein als die, die der Staat bietet. Infolgedessen ist es eine unserer wichtigstes Aufgaben, die Schaffung von jüdischen Bildungsanstalten vorauszusehen. Diesem Zwecke dient Kap. 8. Ich habe hier noch zu erwähnen eine Reihe von Petitionen, dir bei uns eingegangen sind, die aber in ihrem Inhalt durchaus sich mit dem decken, was wir selbst beobachten. Sie behandeln die Schächtsrage. Sie wissen, wie die Dinge in den kleinen Gemeinden liegen, und Sie wissen, Für die Inseraten-Abteilung der Jüdisch-liberalen Zeitung suchey. wir mehrere tüchtige und repräscntabte Herren als Anzeigenvertreter. Bevorzugt werden solche Herren, die schon in der Anzeigen- Akquisttion tätig waren. Unsere Inseraten-Abteilung wird durch gute Organisation, die Arbeit bestens unterstützen. Offerten an di» Geschäftsstelle Berlin W8, Mauerstr. 22. "9m

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