Mannheim
Compact Memory

Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-06-26 · 26 (26.6.1925) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
26 (26.6.1925)
Date
1925-06-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2613366-2613788-2613814--1385-2618741
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Werbi neue Mitglieder und Abonnenten! Ans -e« Gemeinden. Berlin. In den letzten Jahren hat die Gefährdetenfürsorge alle jene jüdischen Organisationen» die sich mit Wohlfahrtspflege befassen, vor allen Dingen die großen Gemeinden, aber auch die großen sozialen Institutionen sehr starb beschäftigt. So hat z. B. die Zentralwohlsahr 1s st eile der deutschen Juden seit ihrer Begründung sich diesen Problemen zugewandt. Auf einer Anstallstagung im Lahre 1920 hat sie über die Fragen und Probleme beraten, welche Möglichkeiten bestehen, um die gefährdete jüdische Lugend in besonderen jüdischen Heimen unterzubringen. Auch in der Folgezeit war dieses Problem Gegenstand theoretischer Erörterungen bei der Erzichungskonferenz im Jahre 1923. Ln der Praxis sind die Anstalten mit der Frage der Aufnahme von verwahrlosten Kindern sehr häufig befaßt worden, ohne daß bestimmte Grundsätze ausgestellt werden konnten. Durch die Vermittlung der Zentralwohlfahrtsstelle wurden eine Reihe solcher Einzelfälle in Heimfürsorge gebracht. Auch andere Organisationen, so vor allen Dingen der Jüdische Frauenbund hat sich seit seiner Begründung mit der Gefährdetenfürsorge beschäftigt. Zu seinen Aufgaben gehört seit langen Jahren die Bahnhofshilfe. Auch auf dem Gebiet der Anstaltsfürsorge hat der Frauenbund durch Errichtung der Anstalt in Neu-Isenburg sein besonderes Interesse für dieses Fürsorgegebiet 'gezeigt. Ln jüngster Zeit hat sich der jüdische Frauenbund wiederum mit besonderen Nachdruck diesem Aufgabengebiet zugewandt und hat zu diesem Zweck eine Gesährdetenkommission ins Leben gerufen. Die Bestrebungen des Hilfsvereins der deutschen Juden auf dem Geviete der Bahnhofshilfe sind ebenfalls seit langen Jahren bekannt und der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat ja gerade diese Aufgabe als fein Spezialgebiet bearbeitet und Anstalten in.Cöpemck, Repzin. Weißensee und Beelitz gegründet. Da unter der jüdischen Jugend die Verwahrlosung und Gefährdung in den letzten Jahren erheblich um sich gegriffen hat, istderZusammenschluß allerOrganisationen zu einer Arbeitsgemeinschaft notwendig geworden, damit von einer Zentralstelle aus systematisch alle Fragen und Probleme der Gefährdetenfürsorge im weitesten Sinne erörtert werden können. Die Arbeitsgemeinschaft: Jüdische Gefährdetenfürsorge. der außer den bereits genannten Organisationen auch die Großloge für Deutschland und die Zionistische Bereinigung angehören, hat vor einiger Zeit über die dringendsten Aufgaben der jüdischen Gefährdetenfürsorge beraten. Dazu gehört Schaffung eines besonderen Heimes für die schulpflichtigen Knaben, da Repzin zur Zeit nach dieser Richtung nicht ausreicht. Hierzu gehört auch die Errichtung von Heimen für die gefährdete weibliche Lugend und die Zusammenarbeit mit den städtischen Pflegtzämtern. Es wird ferner eine Aufgabe fein, dahin zu wirken, daß in viel stärkerem Maße als bisher die jüdischen Erziehungsanstalten Kinder ausnehmen, die aus irgend welchen Grünen gefährdet sind und der Schutzfürsorgeerziehung unterliegen. Endlich wird besonderer Nachdruck darauf zu legen sein, geeignete Persönlichkeiten heranzuziehen und auszubiu>en, wie sie auf Grund des vor der Verabschiedung. stehenden Bewahrungsgesetzes zu errichten sein werden, sich zur Verfügung stellen. Die Leitung der Arbeitsgemeinschaft ,,Jüdische Gefährdetenfürsorge" ist Frau Iustizrat Paula Ollendorsf. Breslau übertragen worden. Berlin. Die Hochschule für die Wissenschaft des Judentums hielt am 11. Juni 1925 ihre Generalversammlung ab. Aus dem Bericht des Kuratoriums ist zu entnehmen, daß die Ausgaben des Institutes im Lahre 1924 79216,55 Mk. ausgemacht haben. Das Permögen der Anstalt ist, da es mündelsicher angelegt sein mußte, ein Opfer oer Inflation geworden. Einnahmen aus Zinsen sind daher nicht mehr vorhanden. Auch die früheren Mitglieder haben zum größten Teil ihr Vermögen eingebüßt, so daß sie nicht mehr in der Lage sind. Beiträge zu leisten. Nur Dank der Unterstützung der Jüdischen Gemeinde Berlin und größerer Spenden aus Amerika konnte der Etat aufgebracht werden. Für die Zukunft jedoch sind noch die größten Schwierigkeiten zu erwarten. Der Lehrbetrieb der Hochschule fand in unveränderter Form statt, wurde sogar durch Erweiterung eines Lehrauftrages für Talmudische Philologie an Herrn Dr. I. M. Evstein erwertert. Herr Dr. Epstein ist gegenwärtig an das Ludaistrsche Institut nach Jerusalem beurlaubt. Lm Luni fand ein Ferienkursus für bereits im Amte befindliche Rabbiner und akademische Religionslehrcr statt. Die rege Beteiligung auch von solchen Herren, die nicht ihre Studien an der Hochschule abgelegt haben, und der aufrichtige Dank am Schlüsse der Vorlesungen bewiesen die Befriedigung der Teilnehmer und die Notwendigkeit der Veranstaltung. Von den ehemaligen Hörern der Hochschule sind im Berichtsjahre 12 Herren in neue Positionen berufen worden. Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug im Sommersemester 18 und im Wintersemester 31. Die der Hospitanten im Sommersemester 28 und im Wintersemester 36. Dem Berichte schließt sich die von dem Dozenten Herrn Prof. Dr. I. Elbogen bei der Feier des 50 jährigen Bestehens der Hochschule gehaltene Festrede an. Berlin. Der Vorstand und das Kuratorium des Vereins der Größer in Berlin. Geschäftsstelle Berlin W62, Lutherstraße 10, richtet folgenden Aufruf an alle Grätzer Landsleute: „Ihr erinnert Euch wohl an den Aufruf, den wir Euch vor mehr als vier Jahren zugesandt haben. Es hat sich damals darum gehandelt, die Institutionen der jüdischen Gemeinde Eurer Heimatstadt Grätz vor dem Verfall zu bewahren und ihr Weiterbcstehen zu ermöglichen. Wir haben Euch damals die Zukunft der Gemeinde in schwarzen Farben gemalt und müssen heute leider sagen, daß unsere Befürchtungen sich nur zu sehr bewahrheitet haben. .Die jüdische Gemeinde in Grätz. einst eine der blühendsten und geistig regsamsten der ganzen Provinz Posen, existiert nicht mehr. Eure Heimatgemeinde, in der Eure Großväter und Väter geboren und groß geworden sind, in der sie ein bescheidenes aber zufriedenes Leben geführt haben, die Gemeinde aus der Ihr selbst hervorgegangen seid, p'e ist untergegangen. Wir aber, die lebenden Zeugen, sind stolz darauf, aus dieser Gemeinde zu stammen, in der ein Elias Gutmacher gewirkt hat und in der jüdisches Wissen, jüdische Wohltätigkeit und Brüderlichkeit zu allen Zeilen eine würdige Pflegestätte gefunden hatten. Es leben in Grätz zurzeit noch zwei jüdische Familien und eine Anzahl hilfsbedürftiger jüdischer Frauen, die natürlich den Kultus nicht mehr aufrecht' erhalten können. Man hat die Absicht, den altersgrauen Tempel auf Abbruch zu verkaufen, damit er nicht das Schicksal so vieler anderer verlassener Gotteshäuser erleiden soll, die zu Pferdeställen umgewandelt worden sind. Alle übrigen Institutionen bestehen nicht mehr. Es verbleibt einzig und allein der Friedhof. Wenn Menschen schweigen, werden Steine reden. Unsere ganze Fürsorge muß jetzt der Instandsetzung und dauernden Erhaltung des Friedhofs und im Zusammenhang hiermit der Friedhofsmauer und der Leichenhalle gewidmet sein. Wir haben einen Friedhofswärter angestellt, der in der Leichenhalle wohnt und feine Obliegenheiten zu unserer Zufriedenheit erledigt. Wenn Ihr einmal, der alten jüdischen Sitte folgend, auf Kewer owauß reist, ja sollt Ihr den Friedhof in bester Ordnung vorfinden und kein würdeloser Anblick des Ortes soll Euch tn Eurer Andacht stören. Die vor fünf Jahren von Euch gespendeten Gelder sind, trotz damaliger günstiger Anlage, leider entwertet und darum müssen wir uns erneut an Euch wenden, damit wir in den Stand gesetzt werden, unsere Arbeit zu erledigen. Wir treten nicht mit einer Bitte an Euch heran, sondern Ihr habt als Grätzer Kinder die selbstverständliche Pflicht, die Gräber Eurer Großeltern und Eltern nicht verfallen zu lassen. Das ist eine Ehrenpflicht und deshalb find wir gewiß, daß sich ihr kein aus der Grätzer- Gemeinde stammender Jude entziehen wird. Wir bitten Euch, die Spenden für obigen Zweck an den Schatzmeister des Vereins der Grätzer, Herrn Max Stern, tunlichst bald abzusenden. Gebt schnell und viel, Ihr ehrt damit das Andenken Eurer Eltern und Großeltern!" Berlin. Das Wohlfahrtsamt der jüdischen Gemeinde, Bezirk Süden, hat in den Räumen der Synagoge Kottbuser User einen Kinderhort eröffnet. Der Zweck dieses Horts besteht darin, jüdisches Leben zu pflegen, die Kinder wahrend der Nachmittagsstunden bei den Schularbeiten zu beaufsichtigen und Gelegenheit zum Spielen zu geben. Besonderer Wert wird auf Handfertigkeitsübungen gelegt werden. Der Hort steht unter der Aufsicht einer staatlich geprüften Hortnerin. Während der Sommermonate können die Kinder im Freien spielen. Anmeldungen sind zu richten an Herrn Moritz Roscnstein, Berlin. Kottbuser Damm 2. Berlin. Der Leiter und Mitbegründer des jüdischen Boxklubs Maccabi, Bruno Goldstein, ist im 39. Lebensjahr plötzlich am Herzschlag verschieden. Goldstein hat sich um die Verbreitung des Ämateurboxfports sehr verdient gemacht und war ein hervorragender Lehrer und Organisator in seinem Verein. Die Sportwelt verliert einen Mann, der auch als Eiskunstläufer, Skiläufer, Segler und Reiter ausgezeichnete Leistungen vollbracht hatte. Breslau. Wie bereits angekündigt, trat die Repräfentantenversammlung in ihrer Sitzung am '17. Juni in die Beratung des Statutenentwurfs ein,' her zuvor schon vom Vorstände und von einer Kommission der Repräsentanten durchberaten worden war. Der leitende Grundsatz dieses Entwurfs war: Das Iudengesetz von 1847 besteht nicht mehr. Der Vorsitzende Kob einleitend die Aenderungen gegen das bisherige Statut hervor. Demgegenüber betonte der Vorsitzende des Porftandes, daß die ganze Arbeit vielleicht vergeblich sein könnte, da er neuerdings erfahren habe, daß zu diesem Gegenstände in Preußen ein Regierungsentwurf vorliege, nach dessen endgiltigen Bestimmungen sich das Gemeindestatut werde richten müssen. Trotzdem beschloß man. in die Beratung einzutreten. I. R. Hausmann bedauerte, daß der Entwurf nicht der großen Oeffentlichkeit zugänglich gemacht worden wäre, damit weite Kreise ihre Wünsche zu dem für lange Zeit geltenden Gemeinderechte hätten äußern können. Eine längere Aussprache entspann sich darüber, ob die Gemeinderabdiner dem Vorstande mit beratender Stimme angehören sollten. Schließlich wurde die Beschlußfassung darüber vertagt. Ueber die Wahlen zum Vorstände entschied sich die Versammlung dahin, daß diese nicht nach dem Verhältniswahlrecht, sondern nach der einfachen Mehrheit oorgenommen werden sollten. Nach dreistündiger Dauer der Sitzung gelangte ein Bertagungsantrag zur Annahme. Breslau. Der Verband der Snnagogengemeinden der Re- §terungsbezirke Breslau—Liegnitz hielt am 14. Juni hier im (epräfentanten-Sitzungssaale seine Hauptversammlung ab. zu der sich zahlreiche Vertreter der Gemeinden und eine Anzahl Einzelmitglieder eingefunden hatten. Auch Oberschlesien war durch I. R. Kochmann-Gleiwitz und Vorsteher Engel-Oppeln vertreten. Der Berwaltungs- und Kassenbericht für das 28. Geschäftsjahr war den Mitgliedern gedruckt vorher übermittelt worden. Aus ihm ist besonders hervorzuheben, daß es gelungen ist, am 1. August 1924 Herrn Richard Czollack aus Hannover, einen Zögling der Berliner Lehrerbildungsanstalt, als Wanderlehrer des Verbandes für die lehrerlosen Gemeinden anzustellen, der sein Amt zur großen Zufriedenheit der Gemeinden verwaltet hat. Neben dem Religionsunterricht hat Herr Czollack auch dem Gottesdienst sein Augenmerk zugewandt und wiederholt Gottesdienste mit Predigt in den Dervandsgemeinden abgehalten. Es besteht die Absicht, noch einen zweiten Lehrer anzustellen, wo^u die Kassenüberschüsse des Vorjahres, Verwendung finden sollen. Nach der Erledigung der statutenmäßigen Tagesordnung traten die Anwesenden in den Austausch von Erfahrungen. Man unterhielt sich darüber, wie man das jüdische Leben in den Kleingemeinden heben könnte, und wie man in Steuerangelegenheiten verfahren müsse. Von dem vom 1.—6. Juli d. I. hier stattfindenden Fortbildungskursus für jüdische Lehrer und seinen Arbeitslhemen wurde Kenntnis gegeben und zu regem Besuche derselben aufgefordert. Nach einer Frühstückspause hielt Dr. Kreutzberger aus Berlin einen Vortrag über „Wanderarmenfürsorge und Arbeitsnachweise", und Dr. Lamm aus Berlin sprach über die Schaffung eines Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege. Nach umfangreicher Aussprache fand eine Resolution Iacobsohn und Hoffmann Annahme, die Gründung einer Provinzialkasse für Wanderarmenfürsorge zu betreiben, die jüdische Arbeiterfürsorgestelle in Breslau auszubauen und die Schaffung eines Arbeitsnachweises in Breslau anzustreben und diesen angemessen zu finanzieren. Breslau. Wir hatten einen Bericht über den Prozgß des Herrn Rechtsanwalt Dr. Naumann gegen Herrn Rechtsanwalt Focrder veröffentlicht, der uns vom 'Naumannfchen Verband übersandt worden war. Nunmehr erhalten wir von Herrn Rechtsanwalt Foerder einen Bericht, mit dem wir die Diskussion über diesen Prozeß vorläufig schließen werden. Zunächst vertrete id> im Hauptvorstande des CD nicht eine „dem Zionismus nahe stehende Richtun". Ich fuße auf den Grundsätzen von Eugen Fuchs, der uns stets ermahnte, zumal in Zeiten jüdischer Not. „das Einigende zu betonen und das Trennende zurückzustellen". Damit bin ich genau so zionistenfreundlich oder -feindlich, wie andere Mitglieder des Hauptvorstandcs auch. z. B. Herr Staatsrat Cohn-Dessau oder der Vorsitzende der Liberalen Vereinigung Deutschlands. Rechtsanwalt- Heinrich Stern, der im August v. 2. in diesen Spalten schrieb, er möchte sich keiner Korporation zurechnen, die einen Zionisten nur um seines Zionismus willen als minder deutsch oder als ungeeignet bezeichnet, eine Beamtenstellung in Deutschland zu bekleiden. Ich habe stets gegen die radikalen Auswüchse des jüdischen Nationalismus Stellung genommen, aber ich achte die positiv-jüdische Leistung des Zionismus, wie auch Sie dies erst vor wenigen Wochen taten, als Sie der Gründung der Universität Jerusalem einen breiten Raum widmeten. 2m Laufe der Verhandlung habe ich keineswegs versucht, meine Anschauung als die „>rn CB herrschende" hmz,«stellen, vielmehr nur dagegen protestiert, daß Naumann, wie durch seine Zuschriften an die ihm nahe stehenden Vorstandsmitglieder nachgewiesen wurde, den CB systematisch unterwühle. Ich habe mich selbstverständlich dagegen gewehrt, als Naumann vor Gericht wörtlich erklärte: „Elemente, wie Herr Foerder und Herr Marx (Rechtsanwalt Marx-Karlsruhe, der Verfasser der jüngst im Philo-Derlag erschienenen Anti-Naumann-Broschüre) müssen aus dem CB hinaus, diese Richtung muß unterdrückt werden, meine Richtung muß die herrschende werden." Als Herr* Naumann* mich immer wieder aufforderte, doch wegen feiner im Laufe der Zeit gegen mich ausgesprochenen Beleidigungen Widerklage zu erheben oder eine neue Klage Schn anzustrengen, erklärte ich nicht, daß ich nach meiner ung des Judentums einen anderen Juden nicht vor ziehen könne. Vielmehr erwiderte ich, daß ich mich nur gezwungen in diesen Prozeß eingelassen habe, da ich der Ansicht sei, daß innerjlldische Fragen nicht vor dieses Forum gehören und schmutzige Wäsche nicht in der Oeffentlichkeit gewaschen werden dürfe, wie der Kläger es tun wolle. Darauf erwiderte Iustizrat Siegmann, das feien wieder die jüdischen Solidaritätsgedanken, die Naumann bekämpfe. Auch scheine der Angeklagte Zweifel in die Gerechtigkeit eines deutschen Gerichts zu setzen! Ich empfinde diesen Ausspruch als den größten chillul haschem in dem ganzen Prozesse. Jeder, der für das Judentum auch nur das geringste Gefühl übrig hat, wird mir darin beipflichten. Die Widerklage, die ich erhob, ist kein Angriffs-, sondern nur ein in einem bereits angestrengten Prozesse zulässiges Verteidigungsmittel. Sie hatte zum Gegenstand die völlig grundlose Behauptung Naumanns, ein gegen die Leitung des CV und seinen Vorsitzenden während der Wahlen zum Preußischen Landesverbände gerichteter Artikel stamme von mir oder sei von mir inspiriert. Sie hatte also keineswegs irgendeine grundsätzliche innerjüdische Frage zum Gegenstände und stand mit meiner eben angeführten Erklärung nicht im mindesten in Widerspruch. Ich bin nicht wegen „übler Nachrede", sondern nur wegen einer formalen Beleidigung verurteilt worden, die der Richter in dem Ausdruck „Anwurf" fand, mit dem ich in einer Zuschrift an die in Frage kommende Zeitung jene eben erwähnte Erfindung Naumanns durchaus zutreffend gekennzeichnet hatte. Das Urteil ist unhaltbar und bereits mit der Berufung an^ gefochten. Cassel. Am 6. Juli findet hier im Hotel Meier die 53. Jahresversammlung der israelitischen Lehrerkonserenz.Hessens statt. Die Tagesordnung umfaßt außer dem Jahres- und Kassenbericht das Referat des Lehrers Schuster. GroßKrotzenburg über: „Ausbau des jüdischen Unterrichts". Auch Wahlen zum Ausschuß und Ehrenrat. ebenso einige vom Ausschuß beantragte Aenderungen der Geschäftsordnung und Berichterstattung über die Hilfskräften sind vorgesehen. Crailsheim. Der Vorsteher der hiesigen ReUgionsgemeinde L. H. Goldstein darf am 18. Juni feinen 70. Geburtstag in voller Rüstigkeit feiern. Der Jubilar hat sich ehrenamtlich so vorbildlich betätigt, daß weite Kreise an 'dieser Feier Anteil nehmen. Er war viele Jahre Mitglied des Bürgerausschusses, bekleidet noch das Ehrenamt eines Auffichtsratsmitglied bei der hiesigen Landwirtschaftlichen Gewerbevank und ist seit 1912 Vorsteher der Religionsgemeinde. Mögen ihm noch viele Jahre ungestörter Wirksamkeit zum Segen der Gesamtheit, beschieden sein! Laupbeim. Das Samuel Heumannsche Mepaar feierte tn körperlicher und geistiger Frische am 17. d. Mts. fein goldenes Ehejubiläum. Der israelitische Oberrat ließ durch Lehrer Kahn ein Glückwunschschreiben verlesen und die übliche Ehrengabe überreichen. Für das Vorsteheramt gratulierte Herr Steiner, der die Verdienste des Jubilars als langjährigen Kirchenpfleger der israelitischen Gemeinde hervorhob. In Vertretung des Staotschultheihen sprach Ratsschreiber Bolz dem Jubelpaar seine Glückwünsche aus. Auch die Chewra Kadifcha und der Frauenverein ließen durch ihre Vorstände gratulieren. Im Namen der Eltern dankte der älteste Sohn. Bankier Otto Heumann, für alle dem Jubelpaar erwiesenen Ehrungen. »X» << Aus -er Bewegung. Mitteldeutscher Gautag der Ilis Berlin, Potsdam und Magdeburg. Wie im vorigen Jahre, trafen sich die Jüdisch-liberalen Iugendoereine von Berlin, Potsdam und Magdeburg in der Nähe von Brandenburg zu einem sogenannten 'Gautage. Ganz im Gegensatz zu vorigem Jahr, war diesmal der Gautag ausschließlich sportlichen Wettkämpfen gewidmet. In den Läufen der Gruppen des Berliner „Ili" untereinander war Gruppe „Süden" Sieger, die jedoch dann gegen „Magdeburg" unterlag. Die viermal 100 Meter Staffel, ließ dagegen „Berlin" als Sieger hervorgehen. Ganz besonderes Interesse wurde dem Völkerballspiel der Mädchen der Berliner Gruppen entgegengebracht. Es kämpfte hier Gruppe .'Osten" gegen „Westen" und „Süden", die noch von Potsdam sehr gute Unterstützung erhielten. 2m Gesamtspiel zeigte sich „Osten" als bei weitem überlegen, während sehr gute Einzelleistungen auf der Gegenseite nicht verkannt werden sollen. Man betätigte sich auch außer Konkurrenz bei Schlag- und Handballspiel. Die Preisverteilung wurde durch eine humorvolle Rede Herrn Dr. Lilienthals eingeleitet und dürfte die Zustimmung aller Beteiligten gefunden haben. Der Gesamteindruck vom Gautage ist unbedingt ein günstiger. Wenn auch in einzelnen Fragen zwischen den verschiedenen Ilis durchaus keine Uebereinstimmung herrschte, so bewirkte das Zusammensein bei Sport und Spiel mehr als beim vorjährigen Gautag. daß sich die Vereine kennenlernten und anfreundeten. Hoffen wir. daß in Zukunft durch ähnliche Veranstaltungen den einzelnen die Zusammengehörigkeit mit den anderen immer mehr bewußt wird. •X* <> Versammlungskalender. o «S» Berlin. (Liberaler Synagogenverein Norden.) Der Gottesdienst beginnt regelmäßig am Freitag abend um 7 Uhr 15. am Sonnabend, vormittag um 10 Uhr. Predigt Rabbiner Dr. Saloinonski. Karten für die hohen Festtage sind noch in unserer GeschästssteUe (Arthur Zander, C54, Linienstr. 45, Tel. Norden 3233) zu haben. Liegnitz. (Liberaler Verein für die Synagogengemeinde.) Am Sonntag, den 28. Juni findet der zweite Tagesausflug der Iugendgruppc statt, der nach Ketschdvrf, Rosenbaude, Iannoivitz führen wird. Abfahrt von Liegnitz, vormittags 9.55 Uhr.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.