Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 26 (26.6.1925)
- Date
- 1925-06-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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uni) öde Befürchtung besteht, -aß diele Grundschule konfessionellen Charakter -tragen wird. Wir haben uns bis jetzt unter . Erhaltung und Schonung aller bisher schon bestehenden jüdischen Schulen ■ in Preußen -er Gründung neuer jüdischer Schulen Widersetzt. Wir können es nicht zugeben. daß -unsere Kinder im zarten Alter ^von den christlichen Kameraden getrennt werden. (Sehr richtig!) Wir sin- -er Meinung, daß ein gegenseitiges Verstehen zwischen Christen und Juden ganz unmöglich wird, wenn sie sich gegenseitig in her Jugend schon nicht mehr kennen lernen. (Sehr richtig!) Auch -er Antisemitismus von Lehrern und von Schälern kann uns in Unserer Aeberzeugung nicht beirren. Es schadet unseren «Kindern nicht, wenn sie frühzeitig -lernen, sich ihrer Haut zu wehren (Bravo!). Alle diejenigen unter uns — und es ist die übergroße Mehrzahl —, die Mische Schulen nie besucht haben, sind darum nicht weniger treue Juden geworden. And niemals — das ist das Eigentümliche — war jüdisches Leben so blühend wie heute; ein Beweis, -aß zur Erhaltung -es Judentums die jüdische Schule nicht -er einzige Weg ist. Don -er Orthodoxie, die gleichfalls diese jüdische Schule verlangt. wird noch angegeben, daß nur in der jüdischen Schule der SMat erhallen bleiben kann, -ah die Kinder den Sabbat feiern können. Das ist richtig. Aber die Eltern halten -och den Sabbat (nicht. Welch ein Gegensatz nun, und welch eine falsche Erziehung! Die Eltern gehen ihren Geschäften nach, sie besuchen -ie Börse, sie haben ihre Läden geöffnet und die Kinder im Hause sollen den Scchbat feiern. Indesjen werden wir uns, wenn es nötig ist, den Forderungen der Or tho do xen nicht wr d er s ehe n, wenn tatsächlich das kommende Reichsschnlchvsetz eine konfessionelle Grundlage haben s-o-l l t e. ■ Meine Damen und Herren! 3m Landesverband ist M-r die Gründung jüdischer öffentlicher Schulen (sicher! ich eine Mehrheit vorhanden, da besond-erH die Abgeordneten der westlichen Teile, -er katholischen Teile Preußens, die immer eim-e Anzahl jüdischer Schu len gehabt haben, für 'hie -ei n t r e t e n werden. E s i st m ö g li ch, d a h i n e i n i - gen Großstädten, sofern sich die Repräsentanstenoer sa.mm.lung en dazu bestimmen lassen, jüdische Schulen entstehen werden. Sollten sie kommen, so müssen wir gesichert sein, daß die -Schulen öffentlichen Charakter tragen, daß sie von den Kommunen erhalten werden. Dann aber — und das ist, dos Wichtigste —: daß kein Jude gezwungen ist, seine Kinder in diese Schulen zu schicken. (Sehr wahr!) Wir müssen verlangen, Laß auch in den jüdischen Schulen deutscher Geist und deutsche GMnnung herrscht. (Sehr richtig!) Wir müssen verlangen, daß 'deutsche Kultur dort gelehrt wird, damit unsere Kinder wenigstens (nicht geistig von ihrer Umgebung abgesperrt werden. Und endlich: daß die Konfessionalisierung vor den höheren Schulen halt macht. Arwenn die Zionisten unsere Kinder zu Rur-Juden machen wollen, so wollen wir sie erziehen zu deutschen Juden. (Bravo!) Cs genügt nicht, daß wir deutsche Staatsbürger mit äußerlichen Rechten und Pflichten sind. Wir wollen mit Aufrichtigkeit und Begeisterung an allen vaterländischen Aufgaben uns beteiligen. Wir wollen an erster Stelle in deutscher Kultur leben, mit einem Wort: wir wollen deübsche Juden sein. (Lebhafter Beifall.) Nunmehr betritt das Podium Frau Paula Ovendorf, Breslau, M von der Versammlung mit starkem Beifall begrüßt wird. Sie führte etwa auS: Alle Religionsgemeinschaften klagen darüber, daß sie fetzt vom Verfall bedroht sind. Bor ganz kurzem tagte der Evangelisch- Soziale Kongreß. Der Tenor, der durch die ganzen Verhandlungen ging, war: wie können wir den Zerfall unseres religiösen Lebens, unserer Glaubensgemeinschaft aufhalten? Der Fürstbischof von Breslau hat kürzlich in -einer großen öffentlichen Versammlung dasselbe Lied' für die katholische Glaubensgemeinschaft gesungen. (Er hat den Materialismus verantwortlich gemacht für den Verfall des Glaubens. And wir? Mir Juden, die wir ganz auf (Idealismus eingestellt sind, wir müssen zugrunde gehen, wenn wir den Idealismus verlieren. Der Materialismus der 'Juden ist der stärkste G rund des Verfalls, und (wenn das so weitergcht, dann hat die Frankfurter Zeitung ganz recht gehabt, die vor einiigen Monaten erklärte: 2n hundert Jahren gibt ie-s ke i n e ü e u ts ch e I u d e n f r a g e m e h r, -w e i l e s k e i n e idem t-s ch e n 3 ud e n mehr gebenwird. (Hört! hört!); Aber wir wollen die deutschen Juden erhalten, und wir Frauen l wollen den Willen zum Judentum -nicht -nur in der Oeffentiichkeit (bekennen, sondern wieder in unsere Familien tragen. Denn der -Wille zum Judentum ist — wenn auch der Herr Vorredner sagte,!daß das Judentum blühend wäre — in den Familien verloren, (gegangen. Wenn der Sohn Moses Mendelssohns seine Kinder (taufen ließ mit der Motivierung, das Christentum wäre die Religion der gebildeten Leute und deshalb lasse er seine Kinder christ- Ach werden, so kann man das jetzt von den Juden nicht sagen. Me Juden sind so gebildete Leute, daß man deshalb beim Iuden- /tum bleiben könnte. (Sehr richtig!) Aber die Bildung der Juden ist nicht die richtige Bildung. Es ist nämlich keine jüdische Bildung. >Anü wenn der Fortbestand des Judentums fetzt nicht mehr gesichert iff, wenn er gefährdet ist durch die Zahlen, die die Frank- Mrter Zeitung angab,' und -durch die Zahlen, -die neulich in einem anderen Sinne in -er Berliner Gemeindevertretung gegeben (wurden — ich nenne nur die 75 Prozent Mischehen unter den (Juden, deren Nachwuchs uns ganz verloren geht — wenn der (Fortbestand gefährdet ist, weil die Mischen Mütter keine jüdischen Binder mehr auf die Welt bringen wollen, weil nämlich in die jüdischen Familien der unjpdische Begriff des Sich-auslebenS gclkommen ist, weil die Frauen genießen wollen, weil die Menschen aus dem Leben ein Vergnügen für sich schaffen wollen, weil sie iuicht mehr wissen, daß die größte Freude eigentlich das jüdische -Element ist und daß Freude Kinder bedeutet — fo muß ich doch auch mit Hermann Cohen sagen: Der Fortbestand -des deutschen (Judentums ist gefährdet, weil uns die Basis des jüdischen Lebens verlorengegangen ist, die sittliche und die geistige Basis. - ' Die geistige Basis iin jüdischen Wissen! Wer' weiß denn noch etwas bei uns? In den Familien diskutiert man gar nicht mehr über Religion oder über Gott. Gott ist ganz unmodern geworden. Er wird vielleicht -einmal wieder -eingeführt werden. Vielleicht ist der -Landesverband ^auch ein Weg zu Gott. (Bravo!) Aber wie es jetzt ist, glauben -nur die. die in der Befolgung strenger Formen ihr Gewissen beruhigen, daß sie den Weg zu Gott haben, oder die, welche eine nationül-jüdische Bindung für das Richtige halten. Cie halten dies nationasiMische Leben für den richtigen Weg zu Evtl. Wir Liberalen haben einen anderen Weg. Aber wissen das die Liberalen? Nennen sich nicht sehr viele sogenannte Naturjuden, möchte ich sagen, liberal, die aus Instinkt, aus Fleisch Juden sind, die aber nicht das Wissen und den Willen zum Judentum haben? Meine Auffassung vom liberalen Judentum ist liberalem Wille, liberales Wissen in leidenschaftlichem Drang auf allen Wegen, die sich -uns auftun, Gott zu — suchen. Das nenne ich liberal, nicht den -engen Weg, der durch Formen gebunden ist, denn Formen sind etwas Wandelbares, sind etwas Veräußerlichendes, sikd etwas, das uns vom Inneren abzicht. Nicht aus diesem engen Weg. sondern auf allen Wegen, die uns zu Gottes Cchöpsung sich auftun, wandeln, das nenne ich liberal sein. And wenn der Herr Minister Preuß davon gesprochen hat, daß Ehrlichkeit unter uns Juden -notwendig sei, dann möchte ich sagen: Ehrlich müssen wir uns sagen, wir haben unter uns Juden ebensoviel Antisemiten wie unter den Christen. (Lebhafte Zustimmung.) Antisemiten darin, daß sie nicht nur nichts Jüdisches wissen, sondern darin, -atz sie alles, was -ihnen nicht gefällt, jüdisch nennen^ anstatt in dem Mort ,/jüdisch" das. HöchstL.zu^ sehen, /Friedrichs Wilhelm Forrster, einer der besten Pädagogen unserer Zeit, hat einmal zu uns gesagt: Ich werde euch sagen, ihr Juden, wie ihr den Antisemiten am besten begegnen könnt: werdet jüdischer, dann werden sie christlicher. (Bravo!) Werdet jüdischer Im liberalen Sinne, sage ich! Was heißt liberal sein? Liberal sein heißt jüdische Kultur haben, und jüdische Kultur haben heißt nicht mühselig ein paar Namen zusammensuchen und sagen: was haben wir für große Maler' und für große Dichter und für große Minister (Heiterkeit), was haben wir alles aufzuwrisen, sondern jüdische Kultur haben heißt mitleben in der Welt des Augenblicks und mitleben In der Welt der Ewigkeit. Jüdische Kultur heißt Menschenliebe üben, um Gott zu dienen, jüdische Kultur heißt -die drei großen Worte Jeremias wahr machen: im Leben lieben die Menschen, das ist Gottesdienst, seid gerecht und seid demütig! Dieses Demiitigseln ist uns aber verlorengegangen, dieses Demüttgseln heißt nicht vor den Menschen demütig sein, sondern vor Gott demütig sein. Diese Art der Demut stellt uns i-n ein Verhältnis zu Gott, und dieses Verhältnis zu Gott ist den Gemeinden verlorengegangen. Wenn ich etwas sehr Scharfes sagen darf, dann möchte ich sagen: das Judentum ist im Verfall, weil die Menschen sich keine Zeit mehr -nehmen, jüdisch zu sein, unds Religion zu haben und von Religion zu sprechen/ Darum haben die jüdischen Frauen nicht nur mehr Mütter zu sein, indem sie mehr Kinder haben — -denn der Geburtenrückgang bei den Juden -ist ja wett schlimmer als bei den Nichtzu-den —, sondern, um den Kindern wieder ein jüdisches Leben zu geben. Nicht indem Sinne von nur Formen. Ich liebe -es gewiß sehr, an dem Freitag-Abendtisch zu sitzen. Aber die Sabbatlichte machen ja nicht das Judentum und -die Barches machen auch nicht das Judentum (Heiterkeit), sondern das Judentum ist -die innere Gesinnung, das Bewußtsein des lebendigen Gottes, mit dem wir in einem Verhältnis stehen. And das unseren Kindern zu gehen, ist Judentum, ist liberales Judentum. Darum möchte ich den Frauen besonders sagen: Wir haben den Weg, um wieder Misch zu werden, wir haben den großen Weg der Erziehung und den großen Weg der Arbeit. Erziehung nicht nur, indem wir die anderen erziehen, indem wir -uns s-rlbst erziehen, indem wir vorbildlich werden, indem wir Beispiel werden. Herr Dr. Baerk hat den Landesverband mit einer Rede eingeleilet, in deren-Mittelpunkt das Wort stand: Persönlichkeiten, werdet jüdische Persönlichkeiten, gebt euch eine Weltanschauung! Wenn Mendelssohn seine Kinder taufen ließ, weil die Christen gebildeter sein sollten, so meinte er, weil die wenigstens eine bestimmte Weltanschauung haben. Unsere Frauen müssen wieder eine bestimmte Weltanschauung gewinnen, sie müssen wissen, warum sie Juden und daß sie Juden sind. Das ist der Weg des Vorbildes und der Weg der Erziehung. Ich darf nur ein paar Almuten sprechen, sonst würde ich Ihnen mit heißem Herzen entgegenrufen: Der Verfall -unseres Judentums hängt aufs innigste zusammen mit der Lockerung unseres Familienlebens. (Sehr richtig!) Wir haben kein Familienleben mehr in dem Sinn, in dem es früher bestand. Die Gegensätze zwischen Väter und Söhnen, Muttern und Töchtern haben sich so verstärkt und vergrößert, daß die Familien bedroht sind. Sie sind aber noch bedroht durch etwas anderes — unter uns dürfen wir es sagen, nur nicht laut hinausschreien —: sie sind bedroht, weil wir verloren haben den heiligen Weg des Lebens. Denn Iu-d-e sein heißt ein heiliges Leben führen. Die starken Gebote, die unser Judentum umfassen, sind doch zunächst Gotteseinheit und Gottesheiligkeit, die wir erstreben sollen. Dieses heilige Leben ist nicht mehr das vorbildliche jüdische Leben. Ich will in diese traurige Materie nicht tiefer eindringen. Ich will nur eines sagen. Ein sehr bekannter Rechtsanwalt, Spezialist für Ehescheidungen, hat mir vor einiger Zeit gesagt, es ist eine erschreckende Offenbarung, nicht nur daß so viele jüdische Ehescheidungen vor Gericht kommen, -sondern daß die Gründe Ehebruch sind, und zwar gewöhnlich von beiden Seiten. Meine lieben Schwestern und Brüder! Heiliges Leben fängt an bei der Reinheit des Lebens. Berta Pappenheim, die Begründerin des jüdischen Frauenbundes, hat bei dem Kongreß jüdischer Frauen in Wien die Forderung auf-gestellt, man sollte das jüdische Leben wieder dadurch heiligen, --aß man an die Thora nur solche Männer heranläßi, deren Leben vorbildlich und r«-in ist. Das Publikum, das diese Vorschläge, diesen sehr ernsten Antrag hörte, lächelte mitleidig mit der Unkenntnis dieser Frau. Die sittliche Reinheit des jüdischen Familienlebens muß aber in die Familie hineingeführt werden durch das Vorbild don Vater und Mutter, und das unglückselige Wort, das in die jüdischen Familien eingedrungen ist und das vielleicht die Ursache jener 75 Prozent Mischehen gewesen ist, das unglückselige Wort „Verhältnis" muh wieder aus dem jüdischen Familienleben heraus. (Lebhafter Beifall.) Meine Damen und Herren! Das ist unser Weg der Erziehung, der die Familien wieder heilig und rein macht, der die Söhne so erzieht, daß sie in allen Frauen die Schwester und die Mutter sehen, und der die Töchter so erzieht, daß sie von allen anderen Männern so heilig angesehen werden wie Mutter und Schwester. Diese Art Erziehung, die die Anmoral abschaffen soll, muß wieder jüdisch werden. Jüdisch sein Hecht die höchste Moral haben. Wenn Cohen sagt, die sittliche und geistige Basis ist uns verloren gegangen, so ist es in erster Linie die sittliche Basis, die wir wi eder - gewinnen müssen. Die geistige Basis können -wir durch mehr Verständnis, durch mehr Wissen, durch mehr Können erla-ngen. Ich muß immer daran denken, daß der alte Graetz mal za mir gesagt hat: Sehen Sie sich an den Schreibtischen bei Barmitzwohs um, da finden Eie alle deutschen Klassiker, Sie finden alle Afr ikareisenden und Nordpolfvrscher — jetzt alle Luftreisenden — und Eie finden so viel -goldene und sil-bern-r Bleistifte, wie aufzutreiben sind, aber Graetz Geschichte der Juden werden Sie nicht finden. And er sagte: mir geht es wie Klvpstock, ich will auch weniger erhoben, aber um so mehr gelesen sein. Aber das jüdische Wissen besteht ja nicht nur darin. Wir haben eine so reiche und große und schöne Literatur, und wir haben eine so reiche und große und schöne Religion. Wer kennt sie? Ich will mcht auf den Religionsunterricht eingehen. Es wird alles besser werden. Der Landesverband wird die Erfüllung aller Sehnsüchte sein (Heiterkeit), die wir so lange in uns herumtragen. Denn wir haben alle ja unter diesem unglückseligen Religionsunterricht gelitten. Was haben wir denn gelernt? Mühselig hebräisch zusammenbuchstabieren, nicht einmal genug, um die heilige Sprach« des Buches zu lesen. Ich will gar nicht sagen, daß wir hebräisch sprechen lernen sollen, aber wir sollen wenigstens -unsere Heilige Schrift kennen. And wer kennt sie noch? Darum zum Schluß: wir Juden sind jetzt zu sehr vom Tage besessen, die Tatsachen ergreifen uns zu stark. Wir sind Philister geworden, -und Philister ist das Gegenteil des religiösen Menschen. Wir aber wollen doch Juden sein, und Jude sein heißt Gott suchen, heißt Gott finden. Wir wollen auch deutsche Juden sein, wir wollen das Glück der jüdischen Kultur mit dem Glück der deutschen Kultur verbinden. Darum brauchen wir noch lange nicht aus unseren Söhnen imitierte Germanen zu machen oder imitierte Korpsstudenten zu machen, wir haben auch noch nicht einmal den Ehrgeiz, Mitglieder des Alpenvereins zu werden. (Heiterkeit.) Wir wollen nur das Jüdischsein betonen, und wir wollen darin keine Tragik sehen, sondern wir wollen darin ein Glück sehen. Die Atmosphäre des jüdischen Hauses muß Freude sein, muh Optimismus sein, muß Glück und Hoffnung und Zuversicht sein. Wenn es so -im Hause bestellt -ist, dann brauchen wir um den Fortbestand unseres Judentums nicht zu sorgen. Dann werden Sie uns alle helfen, ein glückliches, ein freudiges, ein zuverlässiges und ein starkes Judentum zu begründen. (Lebhafter Beifall.) BÜCHERSCHAÜ. ' Das Jüdische National heim. Von Isaac Breuer. J. Kauffmann Verlag. Frankfurt a. M. 116 Selten. Diese Schrift im Kampf um die jüdische Verfassung in Palästina, die bekanntlich Anlaß zu Aufsehen erregenden Erörterungen der „Frankfurter Zeitung“ war, enthält eine prinzipielle Auseinandersetzung der Trennungsorthodoxlc mit dem Zionismus, die auch für den liberalen Leser außerordentlich interessant ist. Sie zeigt in scharfer Pointierung, daß Leib und Seele des neuen palästinensischen Volkes zunächst dem Boden, nur dem Boden gilt, und alles andere, Religion, Familienleben, Ehe* glilck, Kunst, Wissenschaft hinter diesem nodenständischen Volkstum zurücktreten, ja ihm geopfert werden. Noch schärfer, brutaler, aber zeigt sie uns die Trennungsorthodoxie selbst, wie sie beansprucht, nur das als jüdisch ji legitimiert - zu wissen, das sich dem Gesetz in der von ihr i sanktionierten Form unterwirft, wie sie jede Gemeinschaft mit allem andern ablehnt und jeden, der anders wie sic -jüdisches Fühlen und jüdisches wollen hat, wo immer sie ''mit ihm zusammentrifft, leidenschaftlich bekämpft. Breuer zeichnet eine Parallele: die soziale Emanzipation der Reformbewegung — die nationale Emanzipation des Zionismus. Hier wie dort zeigt er gegen seinen Willen, wie die Intransigenz der Orthodoxie die Massen, die sich ihr nicht mehr beugen können, zum Judentum hinaus zutreiben versucht. Als die westeuropäischen Juden in der Zeit der sozialen Emanzipation neue Formen suchten, da drängte die starre Haltung der Altorthodoxen, sie in diesem Ringen in eine so extreme Stellung, daß die Massentaufen des vorigen Jahrhunderts die Folge waren, und daß erst der religiöse Liberalismus den Ausgleich herbeizuführen vermag, der Judentum und jüdische Mehrheit eint. Heute, da die osteuropäischen Massen aus der orthodoxen Formenstarre herausdrängen und, ihr ent\$irzclt, in der nationalen Emanzipation neue Formen suchen, da drängt abermals der Radikalismus derer, die nichts hinzulerncn und nichts vergessen können, sie, die neuen Halt noch nicht fanden, ins entgegengesetzte Extrem. So stehen sich heute die Lager der alten Thoragläubigen und der Jungen Nationgläubigen gegenüber in Fanatismus, in Erbitterung, in Kämpfen, und deren Hauptschauplatz ist — Palästina. Wir deutschen Juden, wir liberalen Juden, sind daran nicht uninteressiert. Lehnen wir auch die nationale Losung des Zionismus ab, so bekunden wir doch lebhaftes Interesse an dem palästinensischen Judentum. Und es kann uns nicht gleichgültig sein, ob eine heute noch religiösindifferente zionistisch-palästinensische Judenheit durch die Gegensätzlichkeit zur Trennungsorthodoxie noch mehr allem Religiösen entfremdet, immer weiter im Kampf um die*Scholle und in technischen und sportlichen Leistungen einen Ersatz für das ihr verloren gegangene Judentum krampfhaft sucht, oder ob es ihr gelingt, nachdem ihre materiellen Daseins* grundlagen gesichert sind, eine lebendige jüdische Religiosität und Geistigkeit zu schatten, die, in lebhaftem Austausch und Wechselwirkung mit dem Judentum anderer Länder, zur Bereicherung und Befruchtung des Judentums in kontinuierlicher Entwicklung beiträgt. Dieses Problem in aller Schärfe uns vor Augen gestellt zu haben, das ist für uns Liberale das Verdienst —'Wider. Willen — der Breuerschen Schrift, die im; übrigen spoachlidt ein Genuß ist zu lesen. N. B a eir/Frankfurua.ijtM/ Meisterwerke hebräischer Erzählungskunst. , Geschichten von Elisa, erklärt von Hermann: Gunkel.: (VerlagfKarUCartfas, Berlin W., 100 Seiten, Preis geheftet i2*M., gebunden &!££.) Die Ursprünglichkeit des seelischen. Erlebnisses-ist ^s,*die Gunkel hier dem Leser vor Augen führt. Beiitder&ektüre'jeder einzelnen Seite merkt man das Bestreben des Verfassers, losgelöst von aller trockenen Kritik, die hier zerstörend1 wirken würde, auf den bewundernden Beobachter die .Ganzheit der künstlerischen Eindrücke wirkent-zir*lassen. Kunst muB eine suggestive Kraft auf das 'Subjekt;'ausüben, und: wenn diese Kunst noch auf dem Grundstein der Ethik erbaut ist, dann kann sie Wärme aussirablen,, begeistern, fortreiften. — 'Mit Recht bedauert der “'Verfasser.tdaß selbst Schulmänner an unendlich vielen Perlen'biblischer' Gefühlstiefe und Aesthetik achtlos vorübergehe», - die, sie . nur, mit sehendem Auge aufzulesen brauchten, umrimmerineues$Leben in ihren Unterricht und in die empfänglichen : Herzen (der Jugendlichen hineinzutragen. Von den Elisageschichten,-die Gunkel behandelte, wählte er folgende aus:rl. Elisa, Nachfolger Elias, 2. Die Sunamitin, 3. Naamann 4JDie Belagerung Samariens, 5. Jehus Aufstand. Mit feinem Geschick versteht er, den Leser.in die Sphäre alttestamentlichen Empfindens hineinzuversetzen, um an der Hand psychologischer Erklärung jener Gedankenwelt die ganze Fülle der meisterhaft biblischen Erzählungskunst darzubieten. Doppelter Dank gebührt dem Verfasser für seine beachtenswerte pädagogische Handhabe und sein Erschließen neuer Perspektiven auf dem Gebiete biblischer Quellenkunde. Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin-Lichtenherg. Kantoren-Ausbildung nach altem und neuem Ritus, besonders für die hohen Festtage,, sowie NSD212 Unterricht einschl. Thora- und Haftarahvorlesung erteilt, An' bemittelten gratis Ofarfottfor Neustadt, Berlin, Dilhelmstr.146 Kalendarium für die Zeit vom 27.6M 17.1925 3unf 1925 Sonnabend 27. Sonntag 25.,- Montag 29? Dienstag 30. Zull 1925. Mittwoch i.t r Donnerstag 2. i Freitag 3.. 1 Sonnabend 4.£ •* Silvan 5665 5. Wachen-Abschnitt: Kvrach (4. Ä. M. Kap. 16—18) Hastarak?: I Sam. ll; (14—15) 12 j 1—22, 6. 7. 8. 9. £ V10. in. fl2. - Wochen-Abschnitt:. Chutaß»ll.tz2alLrt (4.iS.'M.>K«p. 19—25.9) c Haftarah: MchatVs ö—14? VI|i—