Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 24 (12.6.1925)
- Date
- 1925-06-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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I hl}vcvprii]’JH3 o.l'^clcctf haben, demnach kctticS besonderen Unterrichts in 6a Pädagogik bedürfen, abgeklirzte Lehrgänge zu erlichten. Solche junge Leute dagegen, die sich nur für das Ami eine-- Kuliusbeämien vorbereiten Wollen, sollen hier ei«e volle Ausbildung in allen pädagogischen Fächern und -er Rel!- gionSwisscnschafl'en erhalten. Auch sie sollen wie die künftigen Lehrer die Reifeprüfung an einer neunklafsigen Schule abgelebt Kaden. Die ihnen gewährie' Bildung soll derjenigen der VolkLschullchrer gleichrvertig fein. Der zweitc Referent Buchhe im-Essen seht sich dafür m, -ah die ReligionSle-hrer in pädagogischrr und allgemeiner Wieling keinesfalls den Vocksfchullchrern nachstehen dürfen. Das liege im Interesse der Schule, des Gemeimdelebens, des Judentums uni) der Lehrer selber. Die Ausbildung könne und dürfe nur aas gleiche Weise und arr gleicher Stätte erfolgen wie die der Lehrer überhaupt. Der dritte Referent 3. 93. Levy - Frankfurt a. M., fordert gleichfalls eine gediegene Allgemeinbildung der Kultusbsamten, aber darüber hinaus eine besondere Ausbildung dhr dafür Geeigneten und Willigen in allen Fächern, die für die Kullusbeamten in Betracht kommen. Zn der lebhaften Aussprache stellt sich Abraham-Essen ganz auf den Standpunkt Buchheims. Man dürfe nicht, wie Berlin es tut, Konjunktorpädagogik treiben. Er betont wiederholt, daß im Auttelpunkt all unserer Sorge und Bemühung das Kind stehe, und für dieses sei aber das Beste gerade gut genug. — Semirrardiicktor Dr. E a r leda ch - Köln greift den Gedanken auf und wendet ihn dahin, daß es sich bei uns um das jüdische Kind bandelte, dem jüdische Erziehung zuteil werden müsse. Es spiele sich hier ciir Kampf zwischen Ideal und Wirklichkeit ab. Wir haben die Interessen des Judentums wahrzunehmen. Es komme darauf an, daß wir Lehrer in die Gemeinden schaffen. Bildung sei ein sehe schwankender Begriff. Man könne und wolle doch nicht etwa behaupten, daß die jüdischen Quellen, aus denen unsere künftigen Lehrer gespeist werden sollen, weniger wert seien, als clwa Cicero, Meliere. — an gleicher Weise heischt Seminardirektor Dr. Steinthal- Münster Sinn für Wirklichkeit und Notwendigkeit im allgemeinen jüdischen Interesse. Prof. Türck - Berlin bittet erneut, den Landesverband nicht die Unterstützung zu versagen, chm Vertrauen entgegenzubringen und Optimismus zu hegen. Die Berliner Einrichtung stelle nur eine Zwischenlösung dar, um über die gegenwärtigen bedenklichen Zustände hinwegzukommen. Der Vorsitzende Stern stellt fest, daß entgegen dem Beschlüsse auf dem die Verfassung f-estlegenden Tage die Bestimmung, wonach die Besoldung der Lehrer nach staatlichen Grundsalzen angestrebt werden soll, aus der Verfassung wieder entsernt word en ist, was keineswegs geeignet war, das Vertrauen der Lehrer in dem Landesverband zu stärken. Studi-curat Dr. Kah -Düsseldorf möchte Prof. Türck beauftragt wissen, nicht nur Grüße an den Landesverband mitzunchmen, sondern auch die Forderung, in allererster Reihe die Lehrer sicherzustellen. Er ist gegen die geplanten Kurse. Der Vorsitzende hielt cs nun an der Zeit, der Vevsammlung eine Resolution des Vorstandes vorzulegen, welche ein Kompromiß darsiellt. Es stehen noch zehn Redner auf der Liste, aber die Versammlung beschließt auf einen Antrag aus ihrer Mitte Schluß der Diskussion, billigt jedoch noch den Delegierten, die mit einer gebundenen Marschroute hergekommen sind, das Wort zu einer kurzen Erklärung zu. A d e l s h e i m e r - Stuttgart weist auf die Stellung hin. die Württemberg stets zu dieser Frage eingenommen habe. Das Ansehen, das die würtlembergischen Lehrer genießen, sei zum großen Teil auf die Tatsache zurückzuführen, daß jeder Kuliusbeamte auch Lehrer sein müsse. Schon beginne das abweichende Beispiel Badens sich umn« genehm auch in Württemberg auszmoirken. Die Württemberg« r werden wohl Disziplin wahren, aber man möge wohl bedenken, daß cs ein anderes ist, widerwillig aber mit gangem Herzen zum Verbände zu stehen. B r o ck - Schlesien begründet kurz e-inen Antrag Schlesie ns, der Lehrerbildungsfrage überhaupt nicht näher zu treten, solange nicht die zuständigen Verbände die Sicherheit der Lehrer- 'eristenz verbürgt hätten. Dieser Antrag wird abgelehnt, lieber die Resolution des Vorstandes wird in zwei Teilen abgestimmt. Die AlMmmuug ergibt die Annahme der Resolution. Ein Antrag Peritz, einstweilen Kurse nur für Kuliusbeamte zu schaffen, wird mit starker Mehrheit abgelchnt. Die angenommene Resolution lautet: Der Verband der Mischen Lehrer im Deutschen Reiche tritt grundsätzlich für die' Gleichheit der Vorbildung aller jüdischen Lehrer einschließlich der Aeligionslehrer mit der der Vülksschullehrer ein. AuS praktischen Gründen müsten jedoch Veranstaltungen g-elroffen werden, solchen Bewerbern, die sich lediglich als Religionslehrer und Kantoren bzw. Kultusbeamte ausbilden und betätigen wollen, eine der Volksschullehrer-Vorbilüung in pädagogischer und wissenschaftlicher Beziehung völlig gleichwertige, wenn auch nicht gleichartige Vorbildung zu verschaffen. V. Die zweite Mitgliederversammlung. 1. Die Wahl deS Vorstandes nimmt wenig Zeit in Anspruch. Gemäß denr Vorschläge der Wahlvorbereitungskomniission wird der bisherige Vorstand, und zwar durch Zuruf, wiedcrgewählt. Rur tritt an Stelle des ausscheidenden Herrn Roten w a l d - Frankfurt «. M. Herr Dr. Höxter- Frankfurt a. M. Verband svorsihenö er ist also wieder Mittclschullehrcr Stern-Berlin, sein erster Stellvertreter Sleinbardi-Magdeburg, der zweite Abraham-Berlin, der zugleich das Amt eines Geschäftsführers weiterführt. Ferner gehören dem Vorstande an: P e r i ß - Königsberg, Mannheim-Ostende (Oftpr.), Abraha m -Essen, 2. B. L e v y - Frankfurt a. M., Dr. 5)ö rt e r-Frankfurt a. M. und der Ehrenvorsitzende Aektor F c >i n e r - Hamburg. Die Z c i tu n g ss r a g c, die schon lange die Lehrerschaft ocichäftigt, wird ihrer Lösung entgegengeführt. Mannheim- Osterode berichtet über die Verhandlungen deS Vorstandes mit unn Verleger des „Hamburger Israelitischen Familienblattes", »ne darauf abzielen, eine dem Umfang und Inhalt nach der Lehrerhaft würdige Monatsschrift zu schaffen. Der engere Vorstand Wird ermächtigt, nach nochmaliger Anhörung des Ausschusses cincn neuen Vertrag mit Herrn Lehmann-Hamburg abzuschließen. 3. Ucbcr das traurige Kapitel des Hilfskassen Wesens spricht Peritz-Königsberg. Er macht Vorschläge zur Nriiveiebung und Stützung der Kasse. Die Verbandshilfskasse soll neu chifgerichtet und von dieser die einzelnen Provinzialkassen gereist werden. Von anderer Seite wird empfohlen, die Provinzialkassen von neuem ins Leben zu ruf-rn und sie dann zu einer bcrbandshilfsllasse zu vereinigen. Vorstand und Ausschuß soll Mittel und Wege auf Grund der eingegangenen Vorschläge zu. finden suchen, ob und wie die Hilfskasse wieder erstehen soll. ^.wird beschlossen, daß der Vorstand baldigst eine Beratung der .'.Usenvorsitzeudcil ins Werk setzen soll. Der Schluß der Tagung ist herangekommen. Der Vorsitzende Stern saßt in kurzen markanten Worten das Ergebnis ^erselbcn zusammen. Er kann mit Befriedigung und unter Zummmung aller fest stellen, daß die Verhandlungen sich reibungs-!n'j vollzogen haben und ein gut Stück Arbeit geleistet worden 'I1 2 3 4 5' sich hoffentlich nutzbringend aus wir Ken wird. Wiener Brief. Das befosöere Verpslichtnngsverhä iknis. 3n diesen Tagen der erhöhten HaKenKreuzlertätigKeit hat ein Wiener Gericht Mit Elfer -ein« sich darbietende Gelegenheit benützt, um an einem Beleidiger der Israelitischen KMtusgeme-inü-r ein Exempel zu statuieren, indem es gegen den Frevler mit der ganzen Strenge des Gesetzes vorging und den Betreffenden zu einer dreitägig-rn Arr e st strafe, und zwar unbedingt, verurteilte. Wer war nun dieser Unglückselige? War es etwa der Hakenkreuzler, ber in seinem Käseblättchen offen zur Ermordung der führenden Wiener Zudem hetzt? Oder war es einer jener sonderbaren Studenten, deren ganzer Eifer auf die — Stillegung des Hochschnlbetriebs gerichtet ist und die dieses schöne Ziel immer wieder durch blutige Üeberfälle auf ihre jüdischen Kommilitonen zu erreichen verstehen? Weber das eine, noch das andere. Der Redakteur des Pogvonchehblattes läuft noch immer frei herum, obwohl er in gerichtlicher Untersuchung wegen Aufreizung gegen Mitglieder einer gesetzlich anerkannten Konfession steht, und die antisemitischen Studenten sollen durch einen Aufruf ihrer Rektoren zur Vernunft gebracht werden, in dem sie in höflichster Weise gebeten werden, sich in Zukunft von den Juden nicht mehr — provozieren zu lassen .... Rein, der Mann, der seine feindselige Einstellung gegenüber der Israelitischen Knltusgemcinde so empfindlich büßen mußte, war kein teutonischer Vorkämpfer völkischen Ribelungentmtzes und auch kein klerikal sanatisicrter Künder christlicher „Nächstenliebe", sondern es war ein — israelitischer Religionslehrer, der sich vermessen hatte, während der letzten Kulluswahlen in einer Wählerversammlung an seiner Vorgesetzten Behörde respektlose Kritik zu üben. Eine Kritik, die der objektiven Beleuchtung im Gerichtssaal nicht standzuhalten vermochte und deshalb gewiß zu verurteilen war. Andrerseits muß man aber doch bedenken, daß die inkriminiertcn Aeußerimgcn in der Hitze eines Wahlkampfes gefallen sind, und wenn es wahr ist, daß Gott die Schwüre Verliebter nicht ernst nimmt, dürfen auch Entgleisungen von Wahlrednern Anspruch aus mildere Beurteilung erheben. Diese wird ihnen bei demokratisch gescknltcn Völkern, wie es die Oesterreicher ja sind, meistens auch zuteil, und speziell die hiesige Israelitische Kultnsgemeinde käme aus dem Proze-ssteren gar nicht mehr heraus, wenn sie jede in Zeiten gesteigerter politischer Erregung gefallene Aeußerung gegen die Juden und deren offizielle Repräsentanz gerichtlich verfolgen wollte. Sie würde dabei auch kaum immer so verständnisvolle Richter finden wie in dem besprochenen Falle, in dem der Angeklagte kein Schützling der antisemitischen Regierungsparteien, sondern ein Angehöriger, ja ein Angestellter der Iudengemeinde war. Dem Manne ist sein besonderes VerpflichtungSverhältnis dieser gegenüber zum Verhängnis geworden. Das gibt diesem Prozeß sein besonderes Gepräge und fordert zur Kritik heraus. Um dem straffällig gewordenen Religionslehrer psychologisch gerecht zu werden, muß man sich vor Augen halten, daß in Oesterreich die fix Besoldeten die größten Opfer der Währungs- Katastrophe repräsentieren, da die Bezüge der öffentlich und privat Angestellten noch weit von der Friedensparität entfernt sind. Man kann es also einem kleinen Beamten menschlich nicht verübeln, wenn er verbittert durchs Leben geht, und wenn seine Verbitterung sich speziell gegen seine Brotgeber richtet. Diese Tendenz ist nicht immer gerechtfertigt, besonders wenn der Arbeitgeber, wie es bei den meisten öffentlichen Korporationen der Fall ist, also dem Staate, den Gemeinden und ReiigionSoerbänden, selbst zu den Opfern des finanzielle» Umsturzes gehört. Der Vorstand der Men« Kuitusgerirelnde konnte denn auch feststellen, daß die Korruptionsriecherei des rebellischen ReligionÄchrerS deplaciert und seine Anwürfe vollständig unbegründet waren. Unter der Wucht der Beweise hat der Angeklagte seinen Irrtum zugestandcn und sich zur Abbitte bereit erklärt. Da geschah das Unerwartete, daß der Klageamvalt feierlich erklärte, er könne sich mit Rücksicht auf das besondere Der pfll ch tu ngs - verhält n i s lles Religionslehrers zur Kultusaemeinde mit einer noch umfassenden Ehrenerklärung nicht zufrieden geben, sondern müsse uns der Bestrafung des Angeklagten bestehen! Eine so'cke Erklärung entspricht dem Geiste des Faschismus. 3n einem Staate, der seinen eigenen Angestellten und den Gemciudebeaml-en das Koalitionsreäit gesetzlich zugestanden hat, muß sie aber das größte Aufsehen und eine entschieden'e Abwehr Hervorrufen. Den Richtern, die sich dieses merkwürdige Argument in ihrer Begründung des strengen Urteils zu eigen machten, kann man zugute halten, daß sie die Gelegenheit nicht auslassen wollten, zu zeigen, wie gut sie auch die Ehre des israelitischen Kultusvorstandes zu wahren wissen, wenn-sie dabei weder äußere Konflikte mit dem deutschvölki-schen Äustizminister noch innere Kämpfe mit ihrer eigenen Gesinnung zu fürchten haben. Für die Unduldsamkeit des Klageamvalts aber ist nur «eine ErÄärung vorhanden: der Mann, Gemeinderat Dr. Pla-schkes, ist Zionist... Run will ich ganz gewiß nicht bchauptsn, daß der Zionismus zugleich, mit dem Aufbau des neuen Sudenstaates auch die Sklaverei. die es im alten gegeben hat, wieder Herstellen will, aber die Wiener Zionistenführer benehmen sich jedenfalls so, daß dieser Verdacht auftaucht. Ich habe schon mehrmals von den merkwürdigen Prozessen berichtet, die Herr Stricker mit seinen Angestellten um Beträge führt, die diesen gesetzlich gebühren. Der famose Volksmann huldigt eben der Anschauung, dah alle Zahlungen, die er seinen Angestellten laistet, — Gnadengaben sind. Cr hat dieser Auffassung auch dem begabten Dichter Finger mann gegenüber Ausdruck gegeben, der damals Redakteur der zionistischen „Morgenzeilung" war. auf eine solche Aeußerung deS Chefs hin aber seine Stelle sofort niederregle. Run scheint das Defpotentum des Herrn Stricker mich auf die andern Parteiführer abzUfärbe-n, was ich speziell in bezug auf hie Person des Dr. Plaschkes sehr bedaure, da ich diesen Mann wegen des Mutes, mit dem er ganz uneigennützig die jüdische Ehre öffentlich verficht, sehr hoch schätze. Aber gerade in seinem löblichen Bestreben, das Ansehen des Judentums zu heben, bedeutet das Bekenntnis zu faschistischen Meihoden im Rahmen der Kultusgemeinde eine gewaltige Entgleisung. Ich will nicht leugnen, daß zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ein besonderes VerpflichtungSverhältnis bestcht. Aber dieses Verhältnis ist ein wechselseitia-es und legt vor allem dein stärkeren Partner, also dem Chef, die Verpflichtung auf, dem schwächeren Teil menschenwürdige Existenzbedingungen zu dielen. 'Als Gegenkristung gilt einzig und allein die Arbeit des Dienstnehmers, aber nicht dessen Verzicht aus jene Freiheiten und Rechte, die jedem Staatsbürger gesetzlich gewährleistet sind. Werl ich gerade dabei bin. den jüdischnationalen Führen ein Privatissimum über das Wesen besonderer Verpflichtungsverhältnisse zu halten, kann ich nicht umhin, in diesem Zusammenhang auf ein Ereignis hinzuweffen, das mir eine Verletzung des besonderen VerpslichtungsverhMmsses der Zionisten zum Judentum zu bedeuten scheint: die angekündigt'r Reuherausgabe der Bedaschen Gedichtsammlung „Getaufte und Baldgetaufte". Diese satirischen Gedichte sind geistreich und witzig. Niemand hat über sie so herzlich gelacht wie ich, als sie zuin erstenmal erschienen. Dies geschah vor beiläufig zwanzig Jahren in der jüdischen Zeitung", dem längst eingegangenen Wochenblatt der damals noch armen jüdischen Nationalpartei. Sie war hauptsächlich unter den jüdischen Studenten verbcÄtet, Christen bekamen sie wohl mir selten zu Gesicht. 3n einem solchen Organ waren Satiren über jüdische Fäulniserscheinungen am Platze. In dem Moment aber, da diese Satiren auch dem arischen Publikum zugänglich gemacht werden, müssen gegen fle dieselben Bedenken geltend gemacht werden, dle die Zionisten stets gegen den berühmten Komiker Eisenbach uud sein Ensemble ins Treffen geführt haben: dah seine Witze das Judentum herabsetzen. Diese Bedenkm waren nicht von der Hand zu weisen, weil Eisenbach? Barietä auch von Christen gern besucht wurde. Nun ist auch Beda durch die EhansonS, di« er versaht, seit er — um mit seinen eigenen Worten zu sprechen —' nicht mehr auf den Parnaß, sondern auf Parnoh« spekuliert, lu arischen Kreisen sehr populär geworden. 3a, es ist zu wetten, daß auch dle Hakenkreuzler, die vor einigen Jahren das Gastspiel einer künstlerisch hochstehenden jüdischen Truppe im Theater von Baden bei Wien verhindert haben, keine Bedenken tragen, nach den Rhychmen Bedascher Chansons Shimmy zu tanzen. Kein Mensch wird sie hindern, auch die Bedaschen Iugendgedichle zu lesen, sobald diese im selben Verlag herauskommen wie der „Tukankamen", die „Bananen" und die anderen Kinder der leichtgeschürzten Bcdaschen Muse. And fle werden aus den jüdischnalionalen Tendenzdichtungen dieselbe Heiterkeit auf Kosten des Judentums schöpfen wie seinerzeit aus den Anekdoten Eisenbachs .... Als ein äußerst begabtes Mitglied des Eisenbach-Ensembles vor mehreren Jahren starb, reichte ich eine feuilletonistischo Würdigung des dahingegangenen Künstlers bei der jüdischnationalen „Morgengeltung" ein. Der Redakteur, dem ich meinen Aufsatz übergab, meinte entrüstet in bezug auf den von mir Gefeierten: „Das war doch ein Schwein!" Ich kann in meiner Kritik Bedas nicht fo weit gehen, zumal seine Iugendgedicht-e zum Unterschied von seinen späteren Chansons der erotischen Rote entLehren und der künstlerische Ausdruck einer chrlichen Gesinnung sind, aber ich glaube, wie gesagt, daß der Neudruck dieser Gedichte nicht gerade En Verständnis für das besondere Verpflichtungsverhältnis zeugt, in dem Zionisten zum Judentum sichen sollten. D r. Hugo S p i e g l e r. Aus der Bewegung. 18 \ Berlik. Am 19. Mai fand 'Schönhauser Allee 162 die gut besuchte General-Versammlung der Ort-sgruppe Norden des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüd. Gemeinde zu Berlin statt. Den Berichts der das abgelaufene Geschäftsjahr erstattete der Dorsitzende: Nach zwei Richtungen hat die Nordgruppe sich dieses Jahr stark betätigen müssen, nach der politischen und nach der religiösen. Die Vorbereitungen zu den Wahlen für den preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden haben frühzeitig und monatelang die Kräfte in -lnspruch genommen,- aber es kann freudig ausgesprochen werden, daß das Ergebnis in den meisten Bezirken unserer Ortsgruppe außerordentlich günstig, in einzelnen überraschend gewesen ist. daß somit die schwere Arbeit, die von allen Liberalen unseres Bezirks gefordert wurde, nicht vergeblich geleistet worden ist. Als ein ebenso erfreuliches Ergebnis kann gebucht werden, daß trotz des höchst unerquicklichen und vielfach unwürdigen Wahlkampfes durch einen Teil unserer Gegner — ja vielleicht gerade dadurch erst — das Interesse für die liberale Sache und für Gemetndeangelegeheiten überhaupt aufs neue angeregt und der Ausbau unserer Organisation gefördert worden ist. Die geeignete Vorbereitung für den wahlpolitischen Erfolg war unsere Arbeit für die Stärkung und Wiedererweckung, des religiösen Interesses bei den Liberalen unseres Bezirkes. Dem Ausbau des religiösen Lebens, der religiösen Erziehung unseres Bezirkes war der größte Teil der Arbeit des letzten Jahres aervidtuet. Der liberale Freitags-Äbend-Gottesolenst, der im November 1923 in der Synagoge Schönhauser Allee 162 eingerichtet wurde, hat sich erfreulich entwickelt. An den hohen Feiertagen wurde voller Gottesdienst abgehalten, der allaemMen Anklang fand. Freilich waren und blieben dle pekuniären Lasten hoch, da unser Gottesdienst durch die unbedingte Notwendigkeit von Chor und Chordirigenten, von Orgel und Organisten sich stark verteuert und dabei aus religiösen Gründen auf Einnahmen aus sogeaauuten Menadder-Geldern verzichtet wird. Allmählich stellte sich das Bedürfnis nach einem vollen Ausbau des Gottesdienstes ein. Um das a«»«uführen, wurde die Gründung eines selbständigen Liberalen Synagogenoereins Norden beschlossen, der Fottsührung und Ausbau des Gottesdienstes als feine besondere Ausgabe Lbrrnahm. Der Ausbau geschah mit dem Besachfest dieses Jahres, und seitdem wirb der Gottesdienst sowohl an Sabbaten als auch an Feiertagen vormittags und abends abgehalten. Eine besondere gedruckte Gebetordnung liegt dem Gottesdienst zugrunde. Da in der Regel kein Gottesdienst ohne Predigt abgehalten wird, wurde, ohne das Prinzip der Laienpredigt aufzugeben, ein Rabbiner angestellt. Es ist zu hoffen, daß die pekuniäre Grundlage unseres Gottesdienstes durch dauernde Subvention der Gemeindebehörde gesichert wird. Der Fülle der Arbeit entsprach die große Zahl der Vorstands- und Ausschußsitzungen, auch eine Reihe von Vereinsversammlungen wurden abgehalten. Ein größeres Fest sorgte für gemütliches Beisammensein der Mitglieder und Freunde. Das Dereinsleben ist während des letzten Jahres im allgemeinen in erfreulichem Aufblühen gewesen und berechtigt zu den besten Hoffnungen für die Zukunft. "Aus dem Kassenbericht, den die stellvertretende Echatzmcistcrin vortrug, ergab sich, daß die Mitgliederzahl in erfreulicher Zunahme ist und daß auch der Kossenbestand einen nicht unerheblichen Ueberschuß aufweist. An die Berichte schloß sich eine rege Aussprache, die zu folgenden einstimmigen Beschlüssen führte: Dor LiberaleVereinsür die Angelegenheiten der jüd. Gemeinde wird ersucht, dahin zu wirken.!. daß beidenimHerb st st attfindendenRe präsent antenwahlen jedes Kompromiß abgelehnt werde, 2. daß die neuen Gemeindesatzungen noch vor den Sommerferien und im liberalen Gei sie endgültig fertig gestellt werden. 3. daß die Repräsentanten wählen nach den neuen Satzungen, in denen auch das Frauenwahlrecht verankert ist, vollzogen werden. 4. daß die liberalen Repräsentanten, deren Wahlzcit noch nicht abgelaufen ist, ihre Mandate nur dann niederlegen, wenn diese Bedingungen restlos erfüllt sind. 5. daß die Anfertigung geregelter, vollständiger und richtiger Wahllisten durch die Gemeindeverwaltung rechtzeitig geschieht. Die Borstandswahl ergab die Wiederwahl des 1. Borsitzenden Herrn Seminaroberlehrer tz. Falkenberg, der Schriftführer Herrn A. Zander und Frl. M. Falkenberg, der Schatzmeister Lothar Cohn und Frau Metz. Zum zweiten Vorsitzenden wurde Herr Gottfeldt neu. zu Beisitzern die Herrn Prof. Friedländer, Grünfeiv, Rawack, Martin Salümon und Jacob Silberberg, zu Kassenreviforen die Herren Ealo Metz und Wilhelm Schacher teils neu, teils wiedergewählt. Rach dem Abschluß der Generalversarnmlung' hielt der Chefredakteur der B. Z. am Mittag,-Herr Egon Iacobsohn, einen höchst interessanten Bortrag über „Erlebnisse eines modernen Journalisten", dem die Zuhörer mit atemloser Spannung folaten, und für den der Vorsitzende dem Vortragenden unter allgemeiner Zustimmung den Dank der Dersammlung aussprechen kmnte^ *