Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 22 (29.5.1925)
- Date
- 1925-05-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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das Vorwort uns mit dem Sinn des Buches bekannt machen soll, so gibt jene Forderung das letzte Ziel der Sinai-Prinzipien an. Diese sind der Weg zum Gipfel des allgemeinen Priestertums. Daß jener Satz nicht bloß Israel, sondern die Menschheit im Auae hat und daß die Propheten im Gedanken des 'Messiasreiches nur die klare Tendenz dieses Ausspruchs in vollendeter Anschaulichkeit zum Bewußtsein gebracht haben, ist oft zur Genüge hervorgehoben worden. Aber nicht Priester durch Einsetzung schafft die Religion der Vernunft, sondern der wahre Priester tritt durch Selbstweihe und Selbstheiligung in Erscheinung. Freiheit des Michen Lebens ist die Grundbedingung der ethischen Persönlichkeit. Auf ihr baut sich die moralische Verantwortung auf. „Wenn ihr auf meine Stimme höret und meinen Bund haltet, so sollt ihr mir unter allen Völkern ein besonderes Eigentum sein." 2eder Zwang ist hier ausgeschaltet, Autoritätsglauben mit allen unseligen, kulturfeindlichen Bindungen ist kein Produkt der Religion der Vernunft. Sittliche Autonomie, d. h. freie moralische Selbstoestimmung ist eine Grundsäule der jüdischen Lebensauffassung. Zur Freiheit hat das Judentum uns erzogen durch das Gesetz und durch eine ethisch-religiöse Lebensordnung, die täglich in uns die religiöse Idee erweckt. Darum ist der Monotheismus der Weg zur Moral, wie das Heidentum der Weg zur Rabur war, und das Judentum die Religion der Vernunft, die einst sein wird die Religion der Zukunft. Das Fest der Offenbarung. Von Dr. 3 g n a z M a y b a u m. Bei allen Festen feiern wir eines: Daß unser menschliches Leben Teil hat an Gott. Aber diese Teilhabe ist verschiedenartig, und diese Verschiedenartigkeit unterscheidet die Feste. Nehmen wir die drei Wallfahrtsfeste. Die Teichabe kann gesehen sein von der Dankbarkeit und dem Glück, in einer reichen, von Gott durchwalteten Natur zu leben, die uns nährt und hegt. Das ist der Inhalt des Hüttenfestes. Die Teilhabe kann gesehen sein von der Erlösung her: menschliches Leben, das durch Gottes Gnade zu sittlichem Tun befähigt ist, befreit sich von der von Gott getrennten, unerlösten Natur und schreitet hinüber in das Neue Land. Das der Inhalt des Ueberschreitungsfestes. Und die Teilhabe kann schließlich gesehen sein von dem unser Leben grundsätzlich umgestaltenden und es mit Weihe begnadenden Besitz der Offenbarung. Das ist der Inhalt des Festes, das wir jetzt feiern, des Wochensestes. Unmittelbare Gewißheit vom Sein Gottes, die uns Menschen geschenkt ist, nennen wir Offenbarung. Diese Gewißheit Kann mit der Wahrbeitsgewihheit verglichen werden, doch gehört die Wahrheitsgewißheit der Sphäre der Vernunft an, die Offenbarungsgewißheit aber Könnte von der Vernunft allein nicht erreicht werden. Zunächst ist vorauszuschicken, daß religiöses Leben möglich ist, ohne diese Offenbarungsgewißheil — direkt wenigstens nicht — zu besitzen. Kinder werden ins relis.iöse Leben geführt mit Vermeidung aller Problematik. Sie lernen zu Gott beten und singen, und sie tun es in glücklichster Selbstverständlichkeit. Aber nicht nur Kinder. Eine große Zahl von Menschen mit wirklich tiefer Religiosität übernehmen die Lehren der Religion, halten fest an Gebet und sittlicher Tat, ohne daß ihr eigenes Leben ihnen das Material der Erlebnisse bot, die die Offenbarungsgewißheit begründen könnten. Sie machen sich demütig die Inhalte und Weisungen der Religion zu eigen und erlangen in ruhigem geistigen Wachstum die Sicherheit in ihrem Glauben. Aber letzten Endes lebt die Sicherheit dieser Glaubensgewißheit von einer Kraft, die nicht in der Mitte demütig übernommenen Glaubens zu Hause ist. Der religiöse Führer, der Prophet, auf dessen Wirksamkeit erst solche Lebenskreise des Glaubens zurückgehen können, war nicht allein durch die Mittlerschast geschichtlicher Zeugnisse und der Beispiele religiöser Menschen zu Gott genommen. Eigene Erfahrung brachten ihn ohne alle Mittlerschast zu Gott. Deshalb lebt das Gottesbewußtjein in seiner Brust in einer Tiefe und Mächtigkeit, die eben nur erreicht wird, wenn der Weg zu Gott durch die Anmittelbarkeit persönlichen Gewissens geht. Er besitzt die Gewißheit der Offenbarung. Die Gewißheit des Glaubens geht aus die Mutterschaft einer Offenbarung zurück, sie ist aber nicht Offenbarung: erst burch die Mittlerschaft vorbildlicher Personen oder überlieferter Lehren kann die Glaubensgewißheit erstehen. Die Gewißheit der Offenbarung geht aber auf nichts mehr zurück. Der Mensch, der Die Offenbarung besitzt, hat mit Gott selbst gesprochen und wurde mit Erhörung, mit Antwort begnadet. Jüdische Religion, Religion des alten Testamentes, ist Offenbarungsreligion. Sie wendet sich direkt an das Individuum. Der Mensch muß allein seinen Heilsweg gehen. Er muß ihn allein gehen, weil die Welt, die durch die Religion ihm eröffnet wird, nur dann in klarem Licht seiner Seele gegenwärtig sein kann, wenn er selbst, ohne die Bevormundung irgendwelcher Mittlerschaft diese sich erobert, wenn er seine Person hingibt, um in leiovollem Suchen und Versuchen jene Höhe zu erreichen, wo ihn die Gewißheit vom Sein Gottes berührt. Dieser Weg wird von Individuum zu Individuum, von einer Generation zur andern verschieden sein; die ihn aber zu Ende gehen durften, bilden eine um so inniger verbundene, einige Gemeinde. Einig nunmehr in dem Gefundenen der verschiedenen, notwendig einsamen Wege. Die Offenbarungsreligion, weil sie Mittlerschaft In jeder Form ausschalten will, kennt keine Kirche. Nicht eine Kirche, die als Organisation besonderer Art dem Eintretenden Heilsgewißheit garantierte, sondern den Begriff der heiligen Gemeinde (hebr. kehilo kedauscho) kennt die Offenbarungsreligion. Die heilige Gemeinde, in der nicht ein die Weihe allein besitzender Priesterstand von der Menge der Beter geschieden ist, in der vielmehr alle — ihr solllt mir sein ein Reich von Priestern — berufen sind. Luther sprach von der unsichtbaren Kirche. Der Begriff der heiligen Gemeinde ist damit charakterisiert. Durch sittliche Tat und durch frommes Gebet allein sind wir Glieder der heiligen Gemeinde. Diese geistige Gemeinschaft ist die stärkste Verbindung von Mensch zu Mensch. Wenn auch Offenbarung immer Offenbarung der einsamen Einzelseele ist, also in ihrer Erlebnisform durchaus von Subjekt zu Subjekt verschieden, so ist der Inhalt dieser Offenbarung ein Gemeinsames, das die verschiedenen Subjekte einander viel näher bringt als andere gemeinschaftsbildende Tendenzen, die wir kennen. Eine „Brüder"-Gemeinde kann nur von der Religion aus gestiftet werden. Die Offenbarungsgewißheit ist ein einmaliges, die Person plötzlich erfassendes und vorübergehendes Erlebnis. Wenn die Haltung des Glaubens unser ganzes Leben begleiten kann, so ist das Offenbarungserlebnis nur auf den Höhen des Lebens erwerbbar. Glauben kann, soll und muß jeder. Aber der Offenbarung werden wir nicht unbedingt teilhaftig, sondern nur als Erwählte. Der Glaube ist das allgemein Zugängliche in der Religion, die Offenbarung nur zugänglich dem Propheten, dem religiösen Führer, dem einzelnen nur in seinen höchsten Stunden. Die jüdische Religion als Offenbarungsreligion, als Religion, die neben der Haltung des Glaubens auch die Offenbarungsgewißheit pflegen will, pflegen muß, weil der Glaube nur dort stark sein wird, wo er im Umkreis einer Offenbarung lebt, scheint einem Widerspruch zu verfallen, in dem sie von allen fordert, was endgültig doch nur von wenigen Auserwählten, von anderen nur stückhaft und ergänzunasbedürstig erreicht werden kann. Nun ist es aber so, daß nirgends in der jüdischen Religion die Forderung erhoben wird: Strebe nach Offenbarung, gefordert ist, ist öle sittliche Tat. Sie, die allen zugäng«!icy und von allen gefordert ist, kann durch die Gnade Gottes zur Offenbarung führen. Die sittliche Tat, zu der jeder erwählt ist, führt jeden zu Gott. Dies können wir glauben. Jede einzelne llttliche Tat ordnet sich einem geistigen Bau ein, und hier hat auch die bescheidenste Handlung des Kleinsten seine unendliche Bedeutung. Sie ermöglicht und verändert grundsätzlich diesen Bau. So lehrt uns der Glaube. Darüber hinaus aber ist dies möglick: Es gibt Handlungen, die schicksalhaft für sittliche Ziele werden können. Wem solche Handlungen sichtbar werden, wer mit willigem Herzen an solchem Platze steht und die Sendung ergreift, dessen Handlungen ordnen sich nicht nur jenem geistigen Bau ein, das ganz gewiß, sondern machen ihn auch f e h e n d für das Werden uno Wachsen dieses Baues. Cr sieht klar, was not tut, und darf es schauen, daß sein Opfer wirklich sinnvoll ist und daß das, was geboten war, sich auch erfüllt. Er stand an Gottes Seite, nahm bewußt Gottes Willen in sich aus und wurde sein Werkzeug. Wenn ein so Erfahrener und in den Schicksalen einer durchgeführten Sendung Geprüfter von seinem Gotte erzählt, dann ist es klare, sichere Sprache. Wie Jakob tragen sie wohl alle ihr leidvolles Andenken davon, diese edlen Ringer: Aber sie kämpften sich durch, und aus ihrer Hand empfängt die Menschheit die Offenbarung. Die Gewißheit des Glaubens kann, soll und muß unser Leben ständig begleiten, zur Gewißheit der Offenbarung können uns nur die höchsten Augenblicke unse res Lebens führen. Sie können dies, wenn wir begnadet sind, in dem Geschehen der Welt Ziele zu erblicken, die wir als Ziele Gottes erkennen, und wenn wir stark genug sind, unser Leben diesen Zielen zu weihen. Solches Leben führt zu einem Sinai, führt dorthin, wo sich die Himmel öffnen, wo die Gewißheit der Offenbarung erworben wird. Nennen wir also Offenbarung die Gewißheit der Einzelseele vom Sein Gottes, von ihr erwerdbar im treuen Kampfe für eine sittliche Aufgabe, so beschreiben wir damit die Lehre des jüdischen Prophetismus. Unbekannt ist solcher Offenbarungsbegriff dem jüdischen Mittelalter. Ebenso unbekannt wie dem christlichen Mittelalter. Wenn Iehuda Halevi von der Gewißheit der Offenbarung spricht, so führt er an, daß das Faktum der Offenbarung deshalb gewiß sei, weil ein ganzes Volk Zeuge des Ereignisses am Sinai gewesen sei und weil eine lückenlose Tradition uns mit diesem Ereignis verbinde. Das soll zugleich als Kritik gegen Christentum und Islam gelten, deren Offenbarung nicht diese historische Sicherheit besäße. In Wirklichkeit aber stammt dieses Argument aus einer Geisteshaltung, die jüdische Scholastik mit christlicher und islamischer gemeinsam hat. Eine Geisteshaltung, die tief begabt, das in der Offenbarung Gegebene, das über das zufällige Individuum, das die Offenbarung erfaßt, Hiirausweise n d e und ihm Ienseitigezu begreifen. Man sah nur darauf, daß Offenbarung immer Offenbarung ist von Gott und durch Gott: Gott ist der Gegenstand der Offenbarung und zugleich die Gnadensursache ihrer Möglichkeit. Daß die menschliche Seele das Subjekt dieses Offenbarungsgewissens ist, wurde nicht beachtet, es schien unwesentlich, ja gefährlich und leicht zu Irrtum führend. Denn Offenbarung ist etwas Objektives, Unbewegtes — Gott ist der Gott, der ist, war und sein wird — alles Subjektive immer etwas Fließendes, Veränderliches. Die Offenbarung hatte Geltung für jedes Individuum. Ob aber das Individuum in Entfaltung eigener geistiger Kräfte selbst befähigt wäre, zur Offenbarung zu gelangen, wurde nicht erwogen. Erst der neuzeitlichen, philosophischen Bewegung im Zusammenhang mit den Tendenzen der Renaissancebewegung blieb es Vorbehalten, die Vereinbarkeit von überindividuellem, allgemeingülilgen Gehalt mit individueller, subjekttvzusälliger Bewuhtseinsform, die solchen Gehalt fassen Kapuzinade Bon Ella van Eleef Ihr glaubt, der Unglaube wird euch erhellen, Ihr babeltürmenden Intellektuellen. Ihr bauet schwindelnde Konstruktionen Bon Theorien statt Religionen. Lebendigen Gottesgeist zu entthronen, Soll Verstano allein die Erde bewohnen. Doch Zerstörer seid ihr und Niedertreter Der großen, göttlichen Welienspur, Deren heiliger Weg euch Versuchsstation nur. Werdet wieder Dankende und Äeter, Die ihr das All mit dem Seziermesser wollt fassen- Sich iym auftverfend mit breiter Stirn, Vergessend armselig Menschenhirn. Fühlt euch im ehrfürchtigem Erblassen Vor dem Geiste, dess' dunkler Abglanz ihr seid... Oder nehmt ihr für euch in Anspruch und Bescheid, Was einer Gottheit Gnade euch hat einfallen lassen-? Das auserwählie Volk. Von B. W. Segel. Du glaubst gewih, dich ich von den Juden reden will. Aber du irrst dich, mein Freund. Ich meine die — Engländer. I.'.mohl? Diese nur sind das auserwählte Volk. Freilich, als auserwählt fühlt sich jedes Volk, in jener Epoche seiner Entwicklung, da ungebrochene Iugendkraft und Tatendrang ihm stürmisch durch die Adern brausen, gleich wie der Einzelmensch in derselben Epoche seines Lebens sich sozusagen als der Mittelpunkt der Welt fühlt und alles auf sich bezieht. Und das ist sein gutes Recht. Die Auserwähltheit ist dann ja nur der theologische Ausdruck für das Gefühl der eigenen Wichtigkeit, von dem jedes lebenskräftige Individuum, solange cs nicht enttäuscht ist, erfüllt zu sein pflegt. Aber das Bewußtsein der Auserwähltheit kann rn einem Volke auch in den Epochen des Niederganges entstehen, als trotzige Bejahung des Willens zum Leben den Schlägen des Schicksals gegenüber. So hat zum Beispiel die romantische Poesie Polens in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die polnische Nation in einem gewissen Sinne als die auserwählte bezeichnet, indem sie ihr eine besondere, einzigartige, nur durch unsägliche Leiden zu erfüllende „Mission" innerhalb des Völkerkreises zuschrieb. Aber auch manche kleine Natiönchen, so unter anderen die Rumänen, betrachten sich als auserwählt, wie man aus ihren Nationalliedern ersehen kann. Männer wie Dostojewski und die Slawophilen betrachten die Russen als das auserwählte Volk, aber in demselben Sinne wie Chamberlain die Germanen als auserwähltes Volk proklamiert, in dem Sinne nämlich, daß dieser Titel ihnen das Recht gibt, alle anderen Völker zu bedrängen, zu unterjochen und aus^urotten. Keinem Volke aber wurde der Anspruch auf „Auserwähltheit" io furchtbar verübelt wie den Juden, obgleich dieser Anspruch sich in alter Zeit eigentlich auf die jüdische Lehre bezog, die nach dem bekannten Prophetenworte das „Licht der Völker^ werden sollte. In späteren Zeiten nahm dieses Epitheton einen tragischen, märtyrerhaft tragischen Beiaeschmack an und bildete einen unschuldigen Trost in Zeiten bitterster Not. Nirgends aber wie bei den Engländern hat sich das Gefühl der Superiorität und „Auserwähltheit" zu einer förmlichen Theorie kristallisiert, die ins einzelne durchgeführt und in allen Punkten begründet, zur Unterstützung und Rechtfertigung der praktischen Politik dient. Ja. mehr noch, die Söhne Albions leiten ihr „Erstgeburtsrccht", ihren Anspruch auf den Titel des „auserwählten Volkes" von der Bibel her, indem sie sich als die Erben des Volkes Israel ausgeben. Es existiert über diesen Gegenstand in englischer Sprache eine ganze Literatur von seltsamen und in ihrer Art witzigen und spitzfindigen Interpretationen der Worte der Bibel, namentlich gewisser Prophetenstellen, von denen cs sich verlohnt, einige hierherzusetzen. Unter den heraldischen Emblemen im Wappen des vereinigten Königreiches Großbritannien befindet sich auch ein Löwe und ein Einhorn. Das ist nun das vereinigte Wappen der Königreiche Iehuda und Ephraim (Israel). Ersteres vergleicht nämlich Michah (B. 7) mit einem „jungen Leu unter den Tieren des Waldes"; vom Ephraim aber sagt das Deuteromium (33, 17), er sei ähnlich dem erstgeborenen Stier und habe ein Geweih wie ein Einhorn. Braucht man da noch einen kräftigeren Beweis, daß die Bibel an nichts anderes, als an Großbritannien dachte? Doch muß hier bemerkt werden, daß jenes Einhorn keineswegs so einwandfrei ist, wie der Löwe und der Stier, denn das Wort „Reem", das sich in der Bibel findet, wird verschiedentlich gedeutet. Wenn Jesajas an mehreren Stellen von den „Inseln des Ozeans" spricht, und Jeremias dem „Lande im Norden" eine große Zukunft verheißt, konnten sie etwas anderes im Sinne haben als das britische Inselreich, das im hohen Norden gelegen ist? „Der Ort ist mir zu enge, weiche, damit ich mich ansiedeln kann" ruft England mit einem Zitat nach Jesajas (49. 20), der also vor oritthalbtausend Jahren vorausgesagt hat, daß von den „Inseln des Ozeans^ ein Volk ausgehen, „das sich über die ganze Erde verbreiten und sie in Besitz nehmen werde." Daß aber Jesajas sogar an Kolonisationspolitik, an eine Flotte ersten Ranges wie auch an afrikanische Gold- und Diamantfelder dachte, geht ja unwiderleglich aus teuer Stelle in seinem Buche (60, 9) hervor, wo er ruft: „Mir werden di« Bewohner der Inseln vertrauen und die Schiffe von Tharschisch werden an der Spitze einherschwimmen, ihre Söhne werden sie aus der Ferne bringen und ihr Gold und Silber zugleich/ Hier ist offenbar die Rede von einem Volke von Seeleuten und Kolonisatoren, das Handel treibt und eine Industrie besitzt, aber zugleich kriegerisch und eroberungslustig ist. Natürlich kann kein anderes als das englische Volk gemeint sein. Und wer anders erfüllt so gewissenhaft des Jesajas Weissagung oder Wunsch (49 S.) „aus daß du das Land aufrichtest und verödete Crbtümer besiedelst?" Darum kann sich auch einzig auf England die Prophezeiung des Ezechiel beziehen (37, 16) wonach die Tharfchischflotte berufen ist, dermaleinst „die Invasion des Barbarcnstammes Gog vom heiligen Lande abzuwehren.'' Ein reiches Erbe von Prophezeiungen und