Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 21 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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OGOGGOOOOQGOOQGOOOGGGGQOOOOOOOOOOOC ° w.ficimsfcM&Co. Teppiche / Linoleum / Läuferstoffe Berlin SW 68. 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Gewiß sind Duldsamkeit, Anspruchslosigkeit, Wohlwollen auch außerhalb des buddhistischen Einflusses zu finden. Was aber den Buddhismus von allen andern Formen des geistigen Lebens unterscheidet, und wodurch er sich über sie alle erhebt, das ist der einzigartige Einsatzpunkt, wie ihn der Buddha in seiner Anatta-Lehre gibt, der Lehre von der Seelenloflgkeit, der Nicht-Eelbstheit alles Lebens, auf die wir hier nicht näher eingehen können.*) Dieser Gedanke bedeutet keineswegs etwa Materialismus, sondern er zeigt die Wirklichkeit im strengsten Sinne, eben als restloses Wirken, und wer ihn in flch verarbeitet, tritt damit in eine neue, bisher ungeahnte Beziehung zur Wirklichkeit, er erlebt flch selber als strengste Wirklichkeit, und der Beweis däfÜr Negl darin, daß für ihn Duldsamkeit zur gedanklichen Notwendigkeit, zum inneren Zwang wird. Letzte Möglichkeit des Lebens ist die Aufhörbarkeit. Hat der Mensch das begriffen, so kann es ihm nicht mehr darauf ankommen, für das Wohl anderer in der Weise zu sorgen, wie die Welt es gemeinhin versteht. Fortan heißt es nur noch, die erkannte Möglichkeit ru verwirklichen, und der mit der buddhistischen Einsicht in das Leben einsetzende Entwicklungsgang gipfelt im Mönchsleben als der höchsten menschlichen Daseinsform. Priester gibt es im reinen Buddhismus nicht und kann es auch nicht g^>en. Träger höchster Verwirklichung der Buddhalehre und damit höchsten Menschtums ist der Mönch (oder die Nonne), und so ist denn der Mönch auch derjenige, bei dem flch die Rückwirkung buddhistischen Lebenswandels am stärksten geltend macht. Seine Aufgabe ist es, als lebendiges Beispiel für wahres Menschtum einzutreten, nicht durch Werke der Barmherzigkeit wie in der christlichen Charitas, sondern durch Verwirklichung der Lehre an sich selber und durch mündliche Unterweisung der Laiengemeinde, der im Nichtwissen befangenen Wesen, wie der Buddha es lehrte: „Ich weise euch an, ihr Mönche, wandelt den Weg, vielen Menschen zum Heil, vielen Menschen zum Segen, aus Mitleid mit der Welt, zum Wohl, zum Heil, zum Segen der Götter und Menschen. Zeigt, ihr Mönche, die Lehre, die im Anfang gute, die in der Mitte gute, die am Ende gute, nach ihrem eigenen Sinn, nach ihrer eigenen Fassung. Das ganz vollkommen geklärte Reinheitsleben sollt ihr verkünden." (Lange Sammlung, überseht von Paul Dahlke.) Und weiter heißt es an *) Man lese die vom Reu-Buddhistischen Verlag sDr. Pan! Dahlke) Buddhistisches Haus, Berlin-Frohnau, herausgegebenen Schriften. vielen anderen Stellen: „Da wellt ein Mönch liebevollen Gemütes eine Himmelsrichtung durchdringend, dann die zweite, dann die dritte, dann die vierte. So nach oben, nach unten, querüber, überall in Allverselbstung die ganze Welt mit liebevollem Gemüt, mit weitem, hohem, unbeschränktem, Haß- und Mißgunstfreiem durchdringend, weilt er. Und weiter weilt ein Mönch mit mitleidvollem, mit freudevollem, mit gleichmutsvollem Gemüt eine Himmelsrichtung durchdringend, dann die zweite, dann die dritte, dann die vierte. So nach oben, nach unten, querüber, überall in Aüverselbstung die ganze Welt mit mitleidvollem, mit freudevollem, mit gleichmutsvollem Gemüt, mit weitem, hohem, unbeschränktem, Haß- und Mitzgunstfteiem durchdringend, weilt er." Äe „Allverselbsiung" hat hier nicht den Sinn eines „Eins-Sein mit dem All, wie der indische Pantheismus es lehrt, sondern einer Durchdringung, einer Durchstrahlung alles Lebenden mit den in der buddhistischen Selbstzucht allmählich frei werdenden gedanklichen Kräften. )e höher der Standpunkt, um so weiter das Blickfeld: und welcher Standpunkt sollte wohl höher sein als der Einklang mit der Wirklichkeit! Wer diesen Einklang erreicht hat, kann alle andern Möglichkeiten des geistigen Lebens umgreifen und verstehen. Die Buddhalehre ist, wie der Buddha sagt, die große Elephanten. spur, die alle andern Spuren in sich begreift; und wenn es richtig ist, daß alles verstehen, alles verzeihen heißt, so ist der Buddhist derjenige, der die Möglichkeit und die Pflicht hat, allem was da lebt in Wohlwollen und Mitleid gegenüberzutreten. Aber das tut er nicht, weil Mitleid und Wohlwollen an sich wertvolle Dinge sind, nicht um der Mitmenschen willen, auch nicht, weil Gott es verlangt, sondern er tut es, weil ihm das zum Fortschretten auf der Bahn zum Verlöschen dient. Uiw ob oas dann noch Selbstsucht ist, was ihn treibt, das mag jeder an flch selber erleben. Dem Buddhismus geht es itidjf um „Fortschritt" und „Errungenschaften", sondern um Wirklichkeit. Ist die o beschaffen, daß der Fortschritt im üblichen Sinn einen Wert verliert, so kümmert er den Wahrheitsucher nicht mehr. Wir wissen, daß Leben sich aus sich elber heraus in jedem einzelnen seinen Weg bahnt. li kommt nicht darauf an, will man fein Menschtum erfüllen, neue Genußmöglichkeiten und bisher ungeahnte Formen des Lebens zu schaffen, seien es materielle oder geistige, gemeine oder erhabene. Soll die Gemeinschaft gedeihen, so muß der einzelne bei flch anfangen, wie das Sprichwort sagt: „vor seiner Tür zu kehren". Anreiz dazu gibt in einzigartiger Weise der Buddhismus, und da, wo er Fuß gefaßt hat, müssen Duldsamkeit, Wohlwollen und Anspruchslosigkeit, diese wahren Förderer der Gemeinschaft, als Rückwirkung sich notwendig ergeben. Hierin liegt der unersetzliche Wert des Buddhismus für die Menschheit und seine Arbeit für die Gemeinschaft. Möge diese Arbeit von vielen recht erkannt werden! ___ Der Einfluß des Deutsche« auf das moderne Hebräisch. 2« der „Deutsche« Literaturzeitung" hebt Prof. Ludwig Blau (Budapest) hervor, daß die moderne hebräische Sprache, die in Palästina die Umgangssprache der Juden und zahlreicher Nichtjuden ist und sich naturgemäß von dem alten Hebräischen vielfach unterscheidet, von keiner anderen Sprache so tief beeinflußt erscheint, wie von der deutschen. Weder das Aramäische im Altertum noch das Arabische rm Mittelalter haben dem Hebräischen ihr eigenes Gepräge jo scharf aufgedrückt wie das moderne Deutsch dem modernen Hebräisch. Auch die Schaffung eines wissenschaftlichen Mittelpunktes für das neue Judentum in der jetzt begründeten Universität Jerusalem wird daran zunächst nichts Wesentliches ändern. Ist doch die Wissenschaft vom Judentum in Deutschland begründet worden, und wird hier vor allem gepflegt; auch die judaistische Abteilung der bereits auf 82 000 Bände angewachsenen Universitätsbibliothek in Jerusalem besteht zum großen Teil aus deutschen Büchern. Berlin. Das Lessingtheater hat die dramatische Legende „Der Dybuk" des verstorbenen ostjüdischen Dichters und sozialen und sozialen Kämpfers Sch. Ansky zur Ausführung in der kommenden Theatersaison erworben. Berlin. Die Gründerin des israelitischen Lehrerinnenheims. Fräulein Pauline Münchhausen, begeht am 25. Mai ihren 70. Geburtstag. Ihr zu Ehren findet am Sonntag, den 24. Mai. nachmittags 4l/s Uhr, im Heim Berlin-Lichterfelde-West. Karlstraße 112a, eine Feier statt, zu der Mitglieder und Freunde hierdurch höslichst eingeladen werden. Aus oen Gemeinden. Cassel. Die hiesige „Brüderschaft-, ein gemeinnütziger Bev. ein. der in Sterbefällen hilfreiche Hand bietet durch Uebernahmc aller für die Bestattung der Toten erforderlichen Arbeiten, der auch während der Trauertage durch seine Mitglieder den „Minjan" sichert, beging letzten Sonntag mit seiner diesjährigen General. Versammlung die Feier feines" fünfzigjährigen Bestehens im fest, lich dekorierten Saale des Hotels Meier. Der Borsitzende Leop. Engelbert gedachte mit ehrenden Worten der fünf Gründer und anderer um die Entwicklung des Vereins verdienter Männer, die sich ursprünglich in der Chewrah kadischah (Heiligen Genossenschaft) mit der Absicht zusammenfanden, in Stunden der Leids und der Trauer den Gemeindemitaliedern beizusteheu. Landrabbiner Dr. Walter hielt die Festansprache, die an das Bibelwort: „Heiligt das fünfzigste Fahr...es kehre jeder zu seinem Erbe zurück" anknüpfte und die doppelte Aufgabe des Vereins kennzeichnete: jeden Dienst, der dem Toten gelte, zu übernehmen und die Trauerandacht aufrecht zu erhalten oder der Toten alljährlich in pietätvoller Weise zu gedenken. Manches, was früher Ehrenpflicht war, sei heute durch die Entwicklung der Verhältnisse zwar zur Lohnsache geworden; der heilige Eifer und die Ueberzeugungstreue, die frühere Mitglieder auszeichneten, müßten aber den jetzigen und kommenden Geschlechtern als Vorbild dienen. Mit Bedauern stellte der Redner den infolge des Krieges erfolgten finanziellen Rückgang des Vereins fest, der sich zwar wie ein Scheit, das aus dem Feuer gerettet wurde, erhallen habe, durck die finanzielle Schwächung aber in feinen Leistungen stark behindert wurde. Den 25 bzw. 30 Jahre dem Verein angehörenden Herren des Vorstandes, Leop. Engelbert, H. Herrmann und L. Lazarus dankte Dr. Walter für ihre philanthropische Tat. Bankier Blumenthal beglückwünschte den Verein im Namen des Vorsteheramts der Israeliten zu Cassel und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Jubilar sich weiter in aussteigender Linie entwickle zu Gottes Ehre, zur Zierde des Judentums und zu Nutz und Frommen der Casscler Gemeinde. In gleicher Weise überbrachte Gemeindeältester B. Elias die Glückwünsche des Vorstands d?r Gemeinde. Liturgische Gesänge des Oberkantors Witeyski u rrahrnten die Feier, und mit dem „Seelengebet" und Kaddiü.) erhielt die Weihestunde, der Herr Eugen Marius musikalische Mitwirkung geliehen hatte, ihren erbaulichen Abschluß. — In der darausfolgenden Generalversammlung wurde vom Vorsitzenden der Rechenschaftsbericht erstattet und Rechnung gelegt. Die früheren Revisoren wurden wiedergewählt, auch der gesamte Vorstand, dem Kommerzienrat Gottschalk für sein ersprießliches Wirken besondere Worte des Dankes und der 'Anerkennung zollte. Freiburg i. Br. Mit dem Erwachen der Natur im Frühling, das hierzulande besonders imposant ist, erwachte auch der Freiburger „Iüd. Iugendbund" zu neuem Leben und hoffentlich ersprießlicher Arbeit. — Ein verheißungsvoller Eröffnungsabcnd. an dem neben Mitgliedern des Vereins Herr Bezirlrs'rabbwcr Dr. Ziemels, unser neuer Oberkantor Herr Ziegler und dcr Israel. Chorverein mitwirkten, läßt uns mit großen Erwartungen dem neuen Vereins- und Arbeitsjahr entgegensehen. Cm weiteres Ereignis, das feit Jahr und Tag Gegenstand der sorgfältigsten Beratungen und zahlreicher Sitzungen der Gemeindevertretung war, ist der nun endgültig gefaßte Beschluh des Synagogen-Umbaus. Die Arbeiten, die in diesen Tagen mit einem Kostenanschlag von 60 000 Mark beginnen sollen, erfolgen nach Bauplänen und unter der Leitung des bewährten Architekten Leoi. Allem Anschein nach wird damit unser Gotteshaus, das auf einem selten schön gelegenen Platz Freiburgs steht, sich würdig in den prachtvollen Rahmen einfügen, der einerseits von dem Prunkbau des Stadttheaters und anderer« seits von dem imposanten Universltätsgebäude gebildet wird In gleicher Sitzung wurde ferner beschlossen, einen 3. Kunt^i und Schächter anzustellcn. der auch den hochgeschraubten Olr* forderungen unserer orthodoxen Gemeindemitglieder genügt. Unsen m überwiegender Mehrheit befindlich liberale GemeinbevertretuA hat dieses Opfer gebracht, um den Frieden und die Einheit in der Gemeinde zu erhalten. Es ist nun vor allem an unser» orthodoxen Gemeindemitgliedern, dieses weitgehende Entgegenkommen auch voll und ganz zu würdigen. Hamburg. Mit dem Wunsch um Veröffentlichung, dem wil gern Nachkommen, erhalten wir folgenden Aufruf: Deutsch-jüdische Jugend! Die Leidenschaft der Zeit rüttelt an Euren-Seelen. Ihr fragt, Ihr zweifelt. Ihr sucht nach einem festen Halt. Was Ihr m einem Augenblick in Eurem Bewußtsein gesichert vermeint, stellt der nächste Augenblick Euch wieder in Frage. Deutschvölkische bezeichnen uns als Landfremde, als Nichtdeutsche und Iüdischnationale nehmen von jenen den Gedanken der Fremdheit auf und wollen uns unser deutsches Gefühl verwirren und verfälschen. Wir aber sind Deutsche, deutsche Landschaft gab uns das Urerlebnis des Heimatgefühls, deutsche Sprache die Möglichkeit der Bildungserlebnisse. Man versucht uns anderseits die jüdische Religion, dieses Einzigartige, das die Weltreiche und Völker des Altertums überlebt hat, zu entreißen. An die Stelle jüdisch-religiöser Bindung will man eine zionistisch-völkische setzen. Wie wir als Juden den Zionismus ablehnen der das Wes« des Judentums verkennt und es neuzeitlichen politischen E> scheinungssormen gleichsetzen will, so bekämpfen wir als Deutsche den Antisemitismus, der das Wesen des Staates und der Ratio» verkennt und mit unbewiesenen und unbeweisbaren Rassebegriff« arbeitet. Eindeutig geht daraus die Stellung hervor, die der deutsch« jüdische Mensch cinnehmen muß; es gilt in uns jungen Mensa« die Kulturoerbindung zwischen deutschem Volkstum und jüdisch« Religion zu festigen. „Einheit des Volkes, ist Einheit des Geistes". Einheit des Geistes aber ist Uebereinstimmung aller über die Grundlagen des menschlichen Zusammenlebens im eigen« Volke. Deutsch-jüdische Jugend, Studenten, Handwerker, Kauftest^ und Schüler, wir rufen Euch zum Zusammenschluß auf! Jacob Ettlinger. cand. jur.; Hermann Buttenwieser? Thea Blitz, stud. jur.; Helmuty Nathan, cand. med^ _Kurt Nathan;_Herbert Hochfeld._ Werbt neue Leser! Wenn atte Raufleute wüßten -aß fit sich für das Gehalt eines Laufburschen eine Selbstanschluß ° Telefon - Anlage mittleren Umfanges leisten können, dann würöe sich -er Telefon-Verkehr schneller, einfacher unmit weniger Jerger abwickeln als bisher. Sitte ftagen Sie unter Mnt Uor-en 1124 bis 2an. wenn Sie aber keinen /lnschluß bekommen, weil außer Ihnen zu gleicher Zell auch andere aarufea, -ann schreiben Sie eine Postkarte an -ie Serliner Privat-Telefon-Gesellschast, Rosenthaler Straße 40. J