Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 21 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5. Jahrgang •ner 21 0: fs ‘. /Zttlage -' ...; 22. Mai 192Ä Ser Katholizismus und die anderen Bekenntnisse. Von Ol. A l f o n s Steiger, Berlin. Der Katholizismus sieht auf dem Standpunkt, daß durch die Erscheinung Christi die Weissagungen des Alten Testaments objektiv erfüllt sind. Ferner demontiert die Glaubenslehre, daß dieser Christus subjektiv )ie Umwandlung der alten Lehre vornehmen konnte, weil er sich als Gottes Sohn legitimierte. Allerdings ist er nicht gekommen, um das Gesetz (sc. thora) und die Propheten aufzuheben, sondern sie zu erfüllen. Das Christentum ist demnach die Vollendung aller vorbildlich angedeutelcn Geheimnisse des Alten Testaments. Das Alte Testament ist wesentliches Beweismittel ftir das Christentum, also für dieses unentbehrich. Wir Christen würdigen den Wert des monotheistichen Bekenntnisses, zu dem der Schöpfer das Judentum ,erusen hatte; wir begreifen die Gottheit, die sich huldigen läßt durch Israel: „Höre, Israel: der Herr, unser ite, ist der einzige Gott!" And der Gott Israels ist wirklich Israels Herr. Israels Herrscher. Ilieos kratei. .Monotheismus imb Theokratie sind die wesentlichsten Grundsätze des Judentums zur Zeit der Geburt Christi. Dogmatisch wird aus dem Pluralwort elaulüm die Verwertung, daß in Gott mehrere Personen sind. Das Geheimnis allein schon in der grammatikalischen Form jhoh wird in christlich-dogmatischem Sinne bereits ^geläutert durch chokmah (Weisheit), die als Aeußerung!Gottes bereits in den Weisheitsbüchern erscheint. And was ist „Engel Gottes", die so oft erwähnte Zwischenperson zwischen Gott selbst und seinen menschlichen Geschöpfen Abraham, Mose, Elias u. a.? Am die eine und erste Person der Gottheit Md Christentum und Judentum sich einig. Chokmah ist zu deuten als der Heilige Geist. Der Erlöser selbst, aus Gott wie Licht vom Licht hervorgegangen und eines Wesens mit ihm und dem Geist ist der Lohn. Trinität lehrt das Christentum. Trinität -er Gottheit ist Glaubenssatz. Hier liegt also theologisch der Trennungsstrich gegenüber den Monotheisten, die nicht Christen sind. Christus ist aber auch Gnadenbringer. Die IGnadenlehre, die bei den östlichen Religionskonsiruktioiten gelegentlich angeklungen wird, ist im Christenht Lebenselement. Ob seiner eigenen Fehlerhaftigkeit M jeder Mensch in Sünden, „selbst der Gerechte Menmal des Tags", und verliert dadurch das Anrecht auf ewiges Glück, auf Glück nach dem irdischen Tode, ws transzendentales Lebensrecht. Durch den Tod iChrifti ist die Gnade in die Welt gekommen. Jeder .Mensch kann nun wieder Anteil haben am ewigen Lcken, an ewiger Seligkeit. Selig wird jeder, der bereit ist, alles zu tun, was Gott verlangt. Solch ein Mensch gehört allein schon durch seinen guten Willen zur kirchlichen Gemeinschaft (Thomas v. Aquin, Cajelan, iManning, Alexander vm. und Klemens XI.). 3n diese Deduktion gehört noch ein Schlußglied, das hier notwendig ist: Wie steht die Kirche zum Judentum? - Die Kirche erkennt das Judentum als ihre Wurzel an; sie betrachtet das Judentum als eine göttliche Institution, die den Erlöser in die Welt einsühren sollte. Die Kirche lehnt heute das Judentum als selbständige Erscheinung ab, weil es von ihr überholt, in sie aufgesogen!isi. Theologisch bettachtet hat das Judentum die Wahr-!heit, die Kirche die volle Wahrheit; das Judentum hat M Gesetz, die Kirche die Gnade als Krönung des Gesetzes; das Judentum führt durch den Messiasgedanken Messias, die Kirche ist Christus. Aach diesen Feststellungen wird es begreiflich, wenn man die Frage nach der Möglichkeit einer Gemeinischastsarbeit zwischen Katholizismus und anderen Bekenntnissen, von denen hier wohl in erster Linie das Judentum interessiert, stellt und zu lösen sucht. Man kommt nicht um eine erste These herum: Es ist nämlich absolut unmöglich, von einer „Arbeitsgemeinschaft" im Sinne mancher Bildungen und Bindungen neuester Zeit zu sprechen. Ein gradueller Anterschied besteht ostensichtlich zwischen „Arbeitsgemeinschaft" und „Gemeinschaftsarbeit". Die letztere Form außerkirchlicher Tätigkeit zum Wähle der Angehörigen der Kirche und eines weiteren Menschheitskomplexes ist wesentlicher Bestandteil der -kirchenarbeit zu allen Zeiten gewesen. Essei nur erjinnerf an Friedensmaßnahmen des Vatikans zur Vermeidung oder Verkürzung von Waffenhandlungen Wischen Völkern. Allgemein bekannt sind auch kirchliche Schritte auf dem Gebiet des sozialen Lebens. Gemeinschaftliches Arbeiten der Religionsbekenntnisse ist keine historische Seltenheit. Man muß jedoch M Einzelsall prüfen, ob Zweckmäßigkeit oder wahrhaft innere Aeberzeugung die Triebfeder war und ist. 3m Bereich des öffentlichen Lebens sehe ich die praktische Gemeinschaftsarbeit in der Erhaltung des staatsrechtlichen Schutzes der einzelnen monotheistischen Bekenntnisse. In Deutschland genießt das Judentum den gleichen Staatsschutz wie die christlichen Bekenntnisse. Diese Verfassungsbesiimmung ist jedoch noch nicht panz Allgemeingut geworden. Hand in Hand hiermit fleht der Schutz des einen Gottes gegen Lästerung, eine strafgesetzliche Notwendigkeit. Der Staat muh sich des wertes religiösen Bewußtseins seiner GttederBewutzt sein und sie demgemäß neben der Achtung vor ihrem Ritus auch finanziell sichern; die Ausbildung der Priesterschaft, an sich Sache der Bekenntnisse, garantiert der Staat durch Examina, die aus seiner Autorität fließen. Die Kirchenvermögen schlechthin sind als unversiegbare Kraftquellen besonders zu schätzen. Soweit Andeutungen über die staatsrechtliche und öffentlichrechtliche Bedeutung der Bekenntnisse und damit des gemeinsamen Arbeitens der Monotheisten. Nicht unwesentlich ist der Schutz, den, allerdings außerkirchlich, die Orthodoxen (dieses Wort meine ich in seinem wahren Sinne! D. Vers.) sich selbst gegenseitig gewähren müssen in der Abwehr gegen die Spötter, die mit § 166 RStGB. nicht gefaßt werden können, und in der Frontbildung gegen den Atheismus. An anderer Stelle') habe ich mit hunderten von Belegen dargetan, daß gerade Deutschland gegenwärtig ein Herd freigeisttger Betätigung ist. Die Beweisführung ist — leider — schlüssig nach der Richtung, daß dieser Kampf, der in seinen Auswüchsen vor Tätlichkeiten nicht zurückschreckt, ausnahmslos gerade die drei staatlich geschützten Bekenntnisse angreift. Hier ist die gemeinsame Arbeit notwendig, ja sogar dringend erforderlich. Vergessen wir doch nicht, daß wir alle in der Hochsiurmzeit des November 1918 in nicht ganz unbegründeter Sorge um ein weiteres Bestehen und Leben unserer kirchlichen Einrichtungen in maßgebenden politischen Kreisen Berlins führende Geister der beiden geistlichen Bekenntnstse und des Judentums beisammen fanden, die um die Verteidigung ihrer heiligsten Güter sich mühten. Es muß uns heute eine heilige Gewißheit sein, daß diese Einigkeit viel Anglück vermieden hat. Ist heute nicht die gleiche Gefahr gegeben? Ist das Hakenkreuz nicht bewußt antikirchlich und antisynagoaal? Es bleibt uns demnach nichts anderes als praktische Möglichkeit über, als daß wir uns Monotheisten zusammenfinden in gemeinsamer Verteidigung unseres verfassungsmäßigen Schutzes, in der Abwehr dergegnerischen Angriffe und in der Erweiterung des Wissens jenes noch neutralen Ringes, der um uns liegt. Dieser Ring enthält jene Elemente, die Gefahr laufen, Relickonsgegner zu werden. Jedes Bekenntnis hat ein Äaturrecht aus die Verteidigung durch seine Angehörien. Da es aber unter uns Monotheisten Gemeinsameiten gibt, muß auch unter uns gemeinsam gearbeitet werden. Heute mehr als je! .. . Buddhismus als Gemeinschaftsarbeit. Bon K. Fischer, Berlin-Frohnau, Buddhistisches Haus. Als Prinz Siddhattha Gotama nach schweren inneren Kämpfen zur Durchschauung des Lebens und der Wirklichkeit gelangt und damit ein B udd h a, ein E r w a ch t e r, geworden war, sah er, wie die Texte erzählen, in Aruoela am Afer des Flusses Neranjara „einsam, zurückgezogen, das Glück der Befreiung genießend". Da kam ihm der Gedanke: „Mit großer Mühe habe ich diese Lehre erreicht, die stille, hohe, Weisen verständliche. Dieses Volk aber ist vergnügungsfreudig, genußsüchtig; es wird die Lehre nicht verstehen. Wenn ich nun die Lehre zeigen würde, so würde das für mich eine Beschwerung, eine Belästigung sein." Und so, heißt es, neigte sich dem Erhabenen der Geist zum Genießen und nicht zum Zeigen der Lehre. Brahma Sahampatt aber erkannte diesen Gedankengang des Buddha und machte sich aus seinem Brahmahimmel auf, um den Erhabenen zum Zeigen der Lehre zu veranlassen. Nach mehrfachem Bitten Brahma Sahampatis erst ließ der Buddha sich bewegen, seine Einsamkeit aufzugeben und, von Mitleid bewogen, den Menschen die Lehre zeigen. „Es gibt Wesen weniger beschmutzter Art, die werden verloren gehen, wenn sie oie Lehre nicht hören, die werden die Lehre verstehen." Diese Erzählung, die mit dem Nankenwerk indischer Phantasie durchweht ist, läßt das Verhältnis des Buddhismus zur Gemeinschaft der Menschen als solcher erkennen. Am dieses Verhältnis recht verstehen und den Wert dessen, was der Buddhismus als Gemeinschaftsarbeit leistet, richtig einschätzen zu können, wollen wir einen Augenblick bei dem verweilen, was der moderne Europäer als wertvolle Gemeinschaftsarbeit bettachtet und so den Unterschied zwischen ihr und der vom Buddhismus aus möglichen klar stellen. Der moderne Okzidentale versteht unter Gemeinschaftsarbeit die Sorge für die Gemeinschaft, wie sie sich im Zusammenleben der Menschen als Familie, Berussverband, Staat usw. darstellt, im positiven Sinne als Altruismus, soziale Fürsorge und dgl. Eine solche Arbeit setzt notwendig irgendein Programm voraus. Die verschiedenen Formen des Programms zu erörtern, ist hier nicht möglich, aber auch nicht notwendig. Es genügt festzustellen, daß wir unter einem Gewirr von Programmen und Bestrebungen leiden, die teils in gleicher, teils in entgegengesetzter Richtung gehen und uns in immer neue Konflikte und Probleme verstricken. Bon der erwarteten Besterung der allgemeinen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse aber ist nichts zu spüren, so wenig wie von einer Besserung in bezug auf Duldsamkeit und Wohlwollen im persönlichen Verhältnis der Menschen untereinander. •) „Der neudeutjche Heide im Kmnpf qegen Lhrijkn und Juden". Germania, Berlin 1924. ... All diese Programme des modernen Okzidentalen sind aber nur möglich als Rückwirkung eines irgendwie gerichteten Glaubens, sei es der jüdische oder christliche Gottesglaube, sei es der Glaube an den „Fortschritt" der Menschheit im materialistisch-idealistischen Sinne, wie der moderne Monismus und verwandte Richtungen ihn lehren, oder sei es eine andere Form des Glaubens. Allen Bestrebungen gemeinsam ist der Versuch positiver Einwirkung auf den Mitmenschen. Die Stellung des Buddhismus zur Gemeinschaft ist grundsätzlich anders geartet. Zwar auch für ihn ist Voraussetzung alles Wirkens für die Menschheit eine gemeinsame Basis, aber dies ist nicht die aus dem Glauben entspringende Gotteskindschast oder Brüderlichkeit aller Menschen, nicht ein irgendwie beschaffenes Ideal, sondern die Wirklichkeit des Samsara, des „Zusammenwanders" der Wesen. Durch das Nichtwissen über das, was Leben im tiefsten Grunde ist, und damit über sich selber und durch den aus dem Nichtwissen entspringenden Lebensdurst wandern die Wesen von einer Lebensform zur andern, von Geburt zum Tod, vom Tod zu neuer Geburt, zu neuem Tod und immer weiter, seit Anfangslosigkeit so sich immer aufs neue zum Leben, zum Leiden verdammend. Nicht eher kann dieses Wandern, das ein individueller, geist-körperlicher Ernährungsvorgang ist, ein Kampf aller gegen alle, aufhören, als bis das Nichtwissen und damit der Lebensdurst im zähen Kampf des einzelnen mit sich selber völlig ausgelöscht, vernichtet ist. Hört das Nichtwissen auf, so hört der Lebensdurst auf, das letzte Dasein rollt im Zustande völliger Suchtsreiheit ab, das letzte Ziel des Lebens, das Aufhören, das Verlöschen (Nibbana, Sanskrit: Nirvana) ist erreicht. Eine neue Geburt und damit neues „Altern, Krankheit, Sterben, Kummer, Jammer, Leiden, Elend und Verzweiflung" ist nicht mehr möglich. Damit, daß der Buddhismus den Schwerpunkt des Lebens den einzelnen und besten Kampf mit seinem Lebensdurst in allen hohen und niedrigen, seinen ungroben Formen verlegt, lehrt er -och aber nichts als ein Sich-aus-dem-Staube-machen? I ch habe genug vom Leben, was kümmern mich die andern, i ch sehe zu, loszukommen. Wenn es im Dhammapada, einer buddhistischen Spruchsammlung, heißt: „Dein eigenes Wohl für andrer Wohl, sei's noch so groß, gib niemals hin", so ist das doch nichts als krassester Egoismus? Ganz abgesehen von dem sich sofort erhebenden Einwand, daß ja niemand beweisen könne, es verhalte sich mit dem Leben so, wie der Buddhismus es lehrt, daß also hier, nichts als eine Form des Glaubeus vorliege, der jede andere mindestens gleichberechtigt gegenüberstehe. Nun, der Buddhismus ist oft genug als Egoismus beurteilt und verurteilt worden. Das dieses Urteil falsch sein muß, zeigen die Ergebnisse, die er in seiner Verwirklichung gerade im Verhältnis der Menschen zueinander zeitigt, und die man heute noch in Ländern, wo der reine, ursprüngliche Buddhismus noch herrscht, ohne weiteres erkennen kann. Große Persergemast. Brücken m. Franse, 730X85 cfmy wunder volle Farben^ in solidem Brüssel• Ort. Gewebe,zwei verschiedene vornehme Musicr M. '* Praohtyolle/. seidig'^Ja n scen de echte Gebet-. Teppiche in den herrlichsten Farben gute große -S„i , Formate , r jedes Sfück .M.tzsTsr. 7oo.-sz>: ' Schon/erbige,kleine J fr echte Beludschistan Brücken u. Vorleger « m. 100.-80.' i,. 60.' 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