Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 21 (22.5.1925)
- Date
- 1925-05-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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der Kunst, der Musik, der Literatur nicht bloß mit dem Auge der Sittlichkeit sehen, sondern sie vor allem mit Liebe begrüßen, wenn sie tiefste Religiosität auszulösen imstande sind. Alle Religionen sollten weltlicher werden — desto fester wird ein Gott dann im Himmel thronen, dem Himmel der Ewigkeit und des Unendlichen, dem Himmel der Unsterblichkeit und des seelischen Jenseits! Alle Religionen sollten den Menschen — hinaus aus der Enge der Tagesfragen, aus dem öden, kleinen Streit der Parteien — hineinführen in das „Reich Gottes". Alle Religionen sollten ihren Bekennern den Begriff der Weltgeschichte dahin eröffnen, daß diese niemals ein träges Beharren, sondern ein dauerndes Streben bedeutet, kein müßiges Warten, kein plötzliches Wunder, sondern die ungeheuerste Energie, die jeder von uns zu entfalten hat, eine dauernde Pflicht, Werte immer wieder zu überprüfen, Ethik immer wieder und wieder zu schaffen! Alle Religionen sollten der Menschheit — gerade am Erlebnis der Religion und der Tatsache ihrer Entstehung und Wandlung — das Verhältnis von Genie und Masse klarmachen. Gewiß ist es immer nur einer gewesen, von dem ungeheuere Umwälzungen ausgingen, einer, der mit Erlöserkraft, mit dem Gottesfunken in seiner Seele die Masse fortriß zu neuem Erleben. Aber damit haben gerade derartige „Stifter" dem anderen nicht den Stempel des Unwerts verliehen, den Stempel der Masse, die nur dazu gut ist, zu gehorchen und blindem Glauben zu fröhnen. Rein, der Rebenmensch ist der Rebenmensch, ist immer ein Wesen mit Herz und Gewissen, ist immer am Matzstab der Ethik zu messen, der Mensch diesseits und jenseits der Grenze, der Mensch meines Glaubens und der des anderen! Alle Religionen sollten bestrebt sein — bei aller Würdigung eines jenseits — die Heiligke it des Lebens zu lehren, oie Heiligkeit des geschlechtlichen Lebens, die Heiligkeit jÄer sinnlichen Freude, die Heiligkeit jeden Muttertums und die Heiligkeit jeder schwieligen Hand, die Heiligkeit jedes Iugeiröstrebens, das noch von Idealen zu reden weiß. Das Le ben das heilig sie Feld der Ehre, die Helden des Alltags die größten Helden, die Seelenwunden die ehrenvollsten, die Herzensopfer die rühmlichsten, der Kamps gegen Haß und gegen Lüge, der Kampf geg^u Unrecht und Gewalt jeder Art, der Kamps für den Armen und Unterdrückten, für den Gestrauchelten und den Gefallenen, der Kampf der „Grundsätze und des Charakters" — ein solcher Kamvf der h e i l i g st e Kampf, das ist die Gesinnung, die alle gemeinsam verbreiten sollten! Ia, Weltgeschichte soll nicht bloß Weltgericht, sondern genau so Weltliebe sein, Weltliebe zu dem großen Weltleben! Keine Liebe freilich zum eigene» Ich und zu dem Leben um leben Preis! Alle Religionen können ja davon erzählen, datz es einen rel.i gl$fen passiven Widerstand gibt, daß man dem Schwert nicht stets mit dem Schwert, sondern mit Hingabe seines Lebens ohne Handerheben und Waffengewalt begegnen kann; aber begegnen auch kann durch qualvolles Leiden, Preisgabe der Heimat und äußere Ehre, dauerndes Schmachten ohne Licht, ohne Lust! Alle Religionen haben gerade dadurch, daß sie ausharrten im Kampf mit dem Widersacher, dadurch, daß sie sich bis heute erhielten, nicht nur ihre Widerstandskraft gezeigt, ihr Verwurzeltsein in dem Ewigen, sondern vor allem damit auch bewiesen, daß sich der Kampf, den fie predigen, lohnt, daß Optimismus nur dann ein Irrtum, wenn man das Böse in der Welt nicht sieht, dann aber die lauterste, hehrste Wahrheit, wenn man an die Krafi des Guten glaubt und nicht müßig wird, diese siegende Kraft immer wieder im Das alte mb das neue Europa. Bon B. W. Segel. Eines der wichtigsten Bücher, die jeder gelesen haben muß, der sich über die brennenden politischen Fragen der Gegenwart orientieren will, ist ..Weltpolitik vor, in und nach dem Kriege" von Dr. Heinrich Schnee, ehemaligem Gouverneur von Deutsch-Ostafrika (Vertag Quelle und Mayer, Leipzig 1924). Es ist dies eine ungemein lebendig geschriebene Geschichte der europäischen Diplomatie und zugleich eine Darlegung ihres Wesens und innersten Getriebes, in jener neuesten Periode ihrer Entwicklung, die den Weltkrieg vorbereitet hat. Hier spricht einer von denen, die dicht am Steuerruder standen und den Gang der Dinge aus der nächsten Nähe betrachten konnten. Es ist einer, 'der weiß, was war und zugleich die Ehrlichkeit und den Mut hat, zu sagen, was er weist. 2n einigen einleitenden Kapiteln wird die Entstehung der Welt Politik dargelegt, dann werden deren Träger geschildert, der Inhalt der Weltpolitik. ihr Zusammenhang einerseits mit der Weltwirtschaft und andererseits mit der Moral erörtert. Sodann wird der Gang der Weltpolitik seit der Entlassung Bismarcks über die Einkreisung Deutschlands hinweg bis zum Ausbruch des Weltkrieges dargestellt. Anschaulich schildert der Verfasser die Entstehung jener „moralischen" Koalition gegen Deutschland, welche in diesem Kriege einen so furchtbaren Ausdruck gesunden hat. Den Hauptantcil an der Bildung dieser Koalition hatte die äußerst geschickte und skrupellose englische Propaganda, der aber die A l l d e u t s ch e u nur allzu geeignetes Material boten. Der Verfasser bietet eine Blütenlese aus den alldeutschen Veröffentlichungen, die die Aufforderung zu einer aggressiven Politik enthalten, „die wir als unsinnige, lügnerische Erfindungen unserer Gegner anzusehen geneigt wären, wenn wir ihnen nicht in fo'chen Schriften begegnen würden." In einer heißt es z. D.: ./Deutsche Weltherrschaft ist das einzige Ziel, 'das uns vorschwebt, alles andere ist uns gleichgültig." Ein anderes Mal heißt es: „Unser Expansionsdrana ist es, der uns auf die Dahn der Eroberung treibt." Das sind noch die Zahmsten unter den alldeutschen Tiraden, die geholfen haben, in der Well allmählich jene Stimmung zu schaffen, die unbedingt nötig war, um den Weltkrieg oorzub ereilen. Und dieselben Alldeutschen und ihr Anhang rufen jetzt am lautesten, daß die Juden es gewesen sind, die den Weltkrieg herausbesckworen haben, „um Deutschland zu zertrümmern und ein Weltreich mit dem K ö n i g aus dem Stamme Davids an der Spitze zu begründen . . Einzelne Kapitel dieses Buches, welche einen tiefen Einblick m die intimen Irrgänge der Weltdiplomatie Leben fruchtbar zu machen! Kurz, Hüter zu sein des Ideals — ist die herrlichste Aufgabe jeder Religion, ihre heilige Lebensphilosophie! Aber selbst das sollten alle betonen, daß auch Handel und Wandel, Geschäft unb Börse religiöser Betrachtung zugänglich sind, daß sie zum Neid führen können, zur Trennung der Menschheit, wenn nichts als Verdienst trieb den Ausschlag gibt, daß sie aber wertvollste Mittel sein können zur Einigung der Menschheit und ihrer Verbrüderung, wenn Gedanken des Friedens auch hier vorherrschen. Und weil jede Religion dazu berufen, derartiges ln der Welt zu verbreiten, sollten alle Religionen auch gemeinsam bemüht sein, diese Verbreitung dauernd zu fördern, weil so nämlich die Kraft der Religion überhaupt mächtig in die Erscheinung träte, weil sie so immer wieder kulturfähig würbe, als Weltmacht dastände, welche berufen ist, mitzuwirken am Schicksal der Menschheit! Weil so aber auch am ehesten die Brücke geschlagen würde von Glauben zu Glauben, von einer Seele zu der des andern. Schon ist gelegentlich derartiges geschehen. Aus Zufall aber sollte Gewohnheit werden, zielbewußte, planmäßige Arbeit! Immer wieder gilt es, in die Oeffentlichkeit zu gehen und gemeinsam' für Religion 3U demonstrieren, durch Stabt-, durch Land-, durch Weltkonferenzen, durch Aussprachen nicht zuletzt mit den „Laien" jeden Standes undieden Ranges'— aber nicht durch Angriff und durch Weltferne, sondern durch Verständigung und durch Wellglühn, durch Weltinteresse und durch Weltkunde. Auf zur Tat! Das Judentum wird bereit sein! Abgrenzung — Verständigung — Gemeinschaft. Von Pfarrer Lic. theol. Ernst M0ering-Breslau. Seit der sogenannte Deuterojesaia den Heiden Kyros als Gottes Werkzeug bezeichnete, von einer Sendung der Iuden an die anderen Völker sprach und überzeugt war, daß an dem göttlichen Heil auch vorläusig noch Gott ferne Völker tellnehmen würden, ist (prinzipiell) die nur auf ein Volk oder ein Land beschränkte Religion überwunden und der religiöse ttniversalismus in Erscheinung getreten. Im Wettbewerb der Religionen scheiden alle Rationalreligionen von vornherein aus, unb der Kampf kann nur stattfinden zwischen den Weltreligionen, die keine Volks- und Landesgrenzen kennen, sondern sich an die Menschheit wenden. Allein (das Wort Weltreligionen sagt es schon): wir sind nicht zu einer religiösen Gemeinschaft gekommen, sondern haben mehrere weite . Teile der ^Lrde umfassende Religionen. Daß es so ist, scheint in der Eigenart des Lebens begründet zu sein. Wo wir reiches, bedeutsames Leben haben, muß sich das Leben individualisieren, spezialisieren, nuancieren. Wie ein jeder Mensch sich mehr oder minder begrenzen muß, will er etwas erreichen, so verlangt auch die Menschheit Gliederung, Formung und also Abgrenzung, Individuation. Auch das religiöse Leben macht hiervon keine Ausnahme. Wer nicht in einer Religion zu Hause ist, ist in keiner heimisch und somit nicht religiös. Gewiß wird keine der Weltreligionen den Anspruch aufgeben, die Welt zu erobern, und in der missionarischen Kraft (nicht zu verwechseln mit Fanatismus!), äußert sich die Intensität ihres Lebens. Die christliche Religion ist durchaus der Hofstrung, daß einmal „ein Hirt und eine Herde" sein werden, und wer nicht in irgendeiner Form an der Verwirklichung dieses gewähren, sind für uns Juden von besonderer Bedeutung, dcr eine gewisse Partei in unserer Mitte unsere Gemeinschaft in das Getriebe der internationalen Weltootitik verstrickt hat. Sv z. B. das Kapitel, weiches die englische Orientpolitik behandelt. Bis vor etwa anderthalb Jahrzehnten war Großbritannien der traditionelle Beschützer der Türkei und der zuverlässigste Verteidiger ihrer Unversehrtheit. Als aber das Bündnis mit Rußland und eine Einigung über die beiderseitigen Interessensphären in Mittelasien zustande kam, wurde dasselbe Großbritannien über Nacht der grimmigste Feind des bisherigen Schützlings und der Rächer seiner bis dahin straflos an den Armeniern verübten Greueltaten: im Weltkrieg arbeitete England an einer gänzlichen Zertrümmerung des Osmanenreiches und war sogar bereit, Konstantinopel und die Meerenge an den Erbfeind Rußland auszuliesern. Unwillkürlich denkt man an das jüdische Palästina, das England jetzt als Stützpunkt mitten im arabischen Volksmeer errichtet, um sich den' Landweg nach Indien frei zu halten. Wie lange wird es dauern, bis das jüdische Palästina im Wandel der weltpolitischen Umstände von dem Schicksal der Türkei ereilt wird?... Auffällig ist es, daß in diesem überaus tüchtigen und gewissenhaften Buch ein schlimmer Lapsus sich findet: 2n dem Kapitel, welches die Entwicklung dcr Dinge in Rußland behandelt, heißt es (S. 389): „Tatsächlich war es eine verhältnismäßig kleine Zahl von Leuten verschiedener Herkunft, überragend Juden, welche an die Spitze traten." Der Verfasser kann natürlich nicht alles aus erster Hand wissen: feine Kenntnisse über Rußland schöpfte er offenbar aus den Tageszeitungen, die in ihrer erdrückenden Mehrzahl die Legende vom Ucberwiegen der Juden in der Sowjetregicrung wiederholen, während keine sich die Mühe nimmt, festzustellen, daß, wie Bulaschow in seiner Schrift „Judentum und Bolschewismus" nachgewiesen hat, in sämtlichen Zweigen der in- und ausländischen Sowjetverwaltung und -Herrschaft alles in allem etwa 24 vis 25 Juden hervorragenden Stellen tätig find, unter mehr als lausend Personen, die das Statut der Beamtenschaft umfaßt. Allein der Apparat unserer Abwehr des Antisemitismus ist so mangelhaft, daß unsere besten Verteidigungsschriften gar nicht in die Hände derer, für die sie bestimmt sind, gelangen. Die großen liberalen Blätter, die man gewöhnlich als Iudenblätter bezeichnet, für deren wirkliche oder vermeintliche Schandtaten und Taktlosigkeiten die jüdische Gesamtheit verantwortlich gemacht wird, weil an deren Spitze einige bereits längst oder vorläufig noch nicht getaufte Juden stehen, die großen liberalen Blätter, die so unendlich viel zur Verbreitung und Verbitterung des Judenhasses beigetragen. Gedankens mitarbeitel, ist (trotz sonstiger lauter Pathetik) nicht von der Kraft seiner Religion überzeugt. Doch nicht nur aus diesem Grunde ist wirklicher Frömmigkeit die universale Tendenz eigen. Auch jenseits der Grenzen seiner eigenen Religion lebendige, wahrhafte Anbetung Gottes „im Geist und in der Wahr. -eit" wird der wirklich Fromme als seinem eigenen Leben im Letzten vertraut fühlen, mögen auch die Formen und Ausdrucksweisen gänzlich andere sein, genau so wie der Fromme auch innerhalb seiner eigenen Konfession das nur Angelernte oder gar den „religiösen Betrieb" von der wahren Anbetung zu sondern weiß. Selbst in einer Zeit, in der universale Tendenzen zurückgetreten waren, sagt Luther: „Die Kirche Gottes ist keine so alltägliche Sache, wie es dies Wort ,Kirche Gottes" ist, und die Heiligen begegnen uns nicht so oft wie das Wort,Heilige Gottes". . Wer weiß, ob nicht während des ganzen Laufes der Welt, von Anbeginn an, es immer so um die Rirche Gottes bestellt gewesen ist, daß einiges Volk und Heilige Gottes genannt wurden, die es doch nicht waren, aber unter ihnen wie ein Rest waren und nicht Volk Gottes oder Heilige genannt wurden, wie es die Geschichte von Kain uno Abel, Israel und Iakob zeigt." Weih man aber so Namen und Sache zu unterscheiden, dann werden sich die wahrhaft Frommen aller Religionen im Letzten verstehen, selbst wenn ihre Verständigung schwer ist. Indessen darf man nicht zu hofsnungsftoh eine Einigung aller erwarten. Ich bin der festen UeberzengunLdaß eine wirkliche Vereinigung der Menschen nur möglich ist auf religiöser Grundlage. Mag man immer etwa im Völkerbund die Staaten zusammenfassen und Kriege durch vernünftige Aeberlegung auszuschalten versuchen, die bloß auf die Vernunft begründete Vereiniguna wird zerstieben, wenn die großen Leidenschaften sich ausmachen und gegen alle Vernunft die Völker aufelnandevpratlen lassen. Rur die Bindung an Gott kann dauernd vereinigen. Allein (so reich an seltsamen Gegensätze» ist das Leben): auf alten anderen Gebieten kann eher eine Verständigung erfolge» als auf dem der Religion. Viel eyer wlrd es eine Internationale der Gelehrten oder der Künstler geben als eine religiöse Einheit der Menschen. Mt absoluter Notwendigkeit sind alle Unionsoestrebunge» auch nur der Christen gescheitert, und selbst dann, wenn sie von den erlauchtesten Geistern (Leibniz!) inauguriert wurden. Das hat seinen Grund in der Eigenart der Religion. Sie ist durchaus lauter Leben oder sie ist nur Hülle, nicht Inhalt. Der Fromme ist bezogen aus Gott, und er ist es in der Leidenschaftlichkeit des Glaubens. Er ist es so, wie es Luther sagt, als ob er und Gott allein wären und sonst niemand aus der Welt. Die Religion ist also absolute Gegenwart. Allein sie dringt in unser Inneres, und dieses Innere und Innerste kommt „weither", ist beladen mit Geschichte, und insofern hat die Religion, die durchaus gegenwärtiges Leben ist, mit der Vergangenheit zu tun. Schnell hat sich daher Iapan Europa angepaßt, mehr noch: Europa in sich ausgenommen. Auch im fernsten japanischen Dorf ist an die Stelle des Wunderdoktors der nach abendländischen Methoden gebildete Arzt getreten. Aber die in Iapan ansässigen Religionen sind nicht verdrängt, und es muß in eigenartiger Weite „die Zeit erfüllt" sein, soll eine religiöse Verkündigung einen mächtigen Siegeszug antreten, wie es in unserem Kulturkreis das Judentum, oann das Christentum, später der Islam getan haben. Diese Verwurzelung mit der Vergangenheit macht jede religiöse Verständigung schwer, selbst in außenliegenden Fragen. Für den wirklich Frommen ist es völlig gleichgültig, ob man den Freisasss» schweigen sich über die jüdische Abwehrliterarur gründlich ans. Nie wird dort ein Buch dieser Art besprochen. Zn den seltensten Fällen bringt man darüber eine verschämte, möglichst farblose Notiz an einer versteckten entfernten Ecke. Die nichtliberalen Blätter, auch die nicht antisemitischen, haben erst recht keinen Anlaß, sich mii diesem Schrifttum zu befassen. Derart erführt das nichtjüdische Publiinnn überhaupt nickt, daß die antisemitischen Legenden und Dichtungen Lügen ge st rast werden. So mancher „überzeugte" 'Antisemit Hai seine lieber.',eue.una aus der weitverzweigten, fast unerschöpflichen, auliseminschen Literatur gewonnen. Er würde sich gern eines besseren belehren Fussen, aber er hat keine Ahnung, daß eine ganze Anzahl^ trefflicher Bücher vorhanden sind, aus denen er Belehrung schöpfen könnte. Denn der Leserkreis nuferer Adwehriireratnr beschränkt sich auf uns Juden: unsere Gegner erfahren in den seltensten Falten etwas daran. Daher die Zühlebigkeil der aMisemitifmen Legender., trotzdem sie zehnfach widerlegt wurden. Es ist eine förmliche Sifyphus-Arbeit. — ' „T rümmerfeld Europa. ein Brevier f ü t jeb ermann" (Franz Schneider Verlag, Berlin), schaden an der Haneines überreichen Tatsachenmaterials aus allen Kriegsländern Europas die Verheerungen, die dcr Krieg üiii w-en Gebieten des materiellen und des geistigen Lebens der Kulnu'- menschheit anberichtet hat. Dieses Buch mit seiner ungeswaüuU' len Sprache schreckt vor keiner Wahrheit zurück, mag ste noch so bitter und ungemütlich sein. Ein scheinbar mm,u irres Buck, aus dessen Härte jedoch eine prachtvolle Zuversicht aussteögr. Unbeirrt von dem Gesicht der heutigen Weit werden nie Emwicklungslinicn gezogen, die in die Zukunft der europ.'.ii'chcn Völker führen. Mit großer Eindringlichkeit und Urbarzeupru.gskraft wird die Lehre vertreten, die in jetziger Zeit namentlich für Deutschland von tiefer Bedeutung ist, daß für die Zuincnst eines Volkes nur feine inneren Kräfte maßgebend find, M; äußere Knebelung ein Volk mit wahren Kräften ebensowenig Niederhalten kann, wie Erfolge äußerlicher An keiner Nation auf die Dauer neue Lebenssäfte verschaffen, sobald seine Gewebe morsch geworden sind. Nur die innere Erneuerung, die sittliche Wiedergeburt, kann Völker wie Individuen vom Untergang retten. — » Das Hauptübel, an dem das Vorkriegs-Europa angeblich litt und welches Wilson mittels seiner vierzehn Punkte radikal zu kurieren versprach, war das Nationalitätenproblem- Die Donaumonarchie ist jedenfalls daran zugrunde gegangen. Der Rattenkönig von Friedensschlüssen, die in Versailles und