Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 20 (15.5.1925)
- Date
- 1925-05-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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^rfiwtttfne zir g-mMfamer LaUW zusammentreten. ImMkckel« Punkt der Beratungen steht das Berdqndsthema: Das Arbeits« Prinzip im Wischen Religionsunlerrlcht, das von Dr. Löwen-! berg, Berlin/ und Lehrerin Frl. Marx, Köln, behandelt wird. Die Lehrerfortbildungsfrage hat Studiendirektor Dr. Gutmann, Berlin, zum Referenten. Ein Ortsausschuß hat es sich angelegen sein lassen, für Unterbringung der Gäste weitgehende Fürsorge ' zu treffen wnd die arbeitsreiche Tagung durch mancherlei Zer.! streuung urßd Unterhaltung abwechslungsreich zu gestalten. Neben ' Besichtigungen und gemütlichen Zusammenkünften ist auch die Aufführung eines Dramas „Saul", das den Kölner Lehrer S. Chaim ztzm Verfasser hat, vorgesehen. Königrhülste. Dem Oberschlesischen Kurier vom 2. d. M.; entnehmen myr: Aehnlich wie im vorigen Jahre auf dem jüdischen Friedhöfe t$ Pleß wurden in der Zeit vom 25. bis 28. April d.I. auf dem Wischen Friedhofe von Ni ko tat eine Anzahl Grabsteine aus d^rt Fundamenten herausgerrfsen und umgelcgt, andere wieder' zerschtqgen. Die Täter sind bisher nicht ermittelt. Luivvigsbrtrg. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird Religionslehrär Adelsheimer einem ehrenvollen Rufe als Religionslehrer nach Stuttgart Folge leisten. Die zahlreich erschienenen Gemeindcmritglieder, die seinen Abschiedsivorten am letzten! Samstag lauschten, legten Zeugnis ab von dem Vertrauen und der Achtung, dje sich Hr. Adelsheimer in I7jährigem Wirken in der hiesigen isr. Gemeinde erworben hat. In gewohnter, formvollendeter Weise schilderte Hr. Adelsheimer seine Hoffnungen, mit deinen er seinerzeit die Stelle angctreten, welch aufstrebende un!> blühende Gemeinde er damals airgetroffen habe und wie der Weltkrieg durch den Verlust sechs hoffnungsvoller Sühne den ÄnfOeg jäh unterbrochen habe. Rur langsam erhole sich die Gemeinde von diesem schweren Verluste. Die bleibenden Verdienste, die fich Herr Adelsheimer in seiner Stellung als Vorsitzender dev' Kirchenvorsteheramtcs und als Gemeindepfleger erworben hat, wurden in einer vorangegangenen Sitzung des Borsteheramts durch Vorsteher Drcyfus gewürdigt. Die besten Wünsche begleiten Den Scheidenden in seine neue Stellung. Hr. Adelsheimer hat sich in seiner langjährigen Tätigkeit in hiesiger Stadt auch weit über seinen eigentlichen Wirkungskreis hinaus viel Achtung und Wertschätzung erworben. — Der Nachfolger. Hauptlehrer Metzger von Hohrbach, wird sein Amt nächster Tage antreten. Melsungen. Ein stattliches Trauergefolge, in dem Vertreter der städtischen und staatlichen Behörden, der Bürgermeister und Landrat, der Kriegerjverein und zahlreiche Bürger des Ortes bemerkt wurden, geleitete den im 69. Jahre verstorbenen Kreisvvrsteher Isoac Speyer zur letzten Ruhe. Seit 1908 hatte der Verewigte das Amt des Krcisvorstehers bekleidet und trotz der in ländlichen Verhältnissen kaum zu vermeidenden Schmierigkeiten bei. allen jüdischen Kreisrstngcscsscnen Sympathie gesunden. Nheinbreitbach. Der Kölnischen Zeitung vom 26. v. M. entnehmen wir unter der Tleberschrift „Die Undank-Glocke": Auf der Wegscheide zwischen S'.ebengebirae und Westerwald, in herrlichster Rheingegend. liegt das Dörfchen Rheinbreitbach, schon den Römern 'durch sein Kupferbergwerk bekannt, von vielen berühmten Deutschen — Simrock. den Gebrüdern Grimm. Freiligrath u. a. — als Sommeraufenthalt geschätzt. In diesem traulichen Dörfchen wohnt seit alters der biedere Jude Moses, der, als im Jahre 1870 Die Kriegstrommel geruht wurde, von England nach Deutschland eilte, um als Musketier gegen Frankreich zu marschieren. Und 1914 fiel der Sohn des'alten Moses im deutschen Schützengraben und gab sein Leben für Heimat und uns alle. Rheindreitkacher Kirchenglocken hatten während :des Krieges Material für Führungsringe und Granatzünder ge- ^kefert. Rheinbrcitbacher Bürger, katholische und evangelische f (der Ort besteht zu neun Zehnteln aus Katholiken), hatten ihr Scherflein gegeben. damit jetzt , neue Glocken für die einzelne : katholische Kirche gestiftet wurden. Die größte der neuen Glocken roibmete die Gemeinde den gefallenen Helden. Und nun das unsagbar Traurige: All die vor dem Feind gebliebenen Rheinbreitbacher sind auf der Glocke verzeichnet, nur der Jude Moses i wurde ausgelassen. Und in seinem kleinen Bauernhäuschen sitzt ein gebeugter achtzigjähriger Manu, der alte Moses, dem es. wenn er die Undankglocke hört, nicht in seinen alten Kopf will, daß christliche Nächstenliebe an Konfession und Parteizugehörigkeit gebunden ist. Schlochau. Nach einer Hindenburgfeier in Schlochau zog ein Trupp Hakenkrcnzlcr zur Synagoge und warf sämtliche Fensterscheiben ein. X r\ X 1 i IUI Aus der Bewegung. lOt a a IO! Bielefeld. Die am 4. d. M. von der hiesigen Ortsgruppe veranstaltete Versammlung, in welcher der erste Vorsitzende unserer Bereinigung, Herr Rechtsanwalt Stern aus Berlin über das Thema: „Toter und lebendiger Liberalismus" sprach, erfreute sich eines guten Besuches. Der Redner gab zuerst einen kurzen Uebcrblick über die Geschichte der Reformbewegung und wies nach, daß sie nichl das Werk von Gelehrten, sondern zu jeder Zeit aus dem Volke hervorgcgangen fei. Nach einer durchaus sachlichen Würdigung der gegnerischen Richtungen. Orthodorie und Nationalismus, bei welcher insbesondere' die Verdienste des Zionismus um die Erweckung und Pflege jüdischen Gemeinschaftsbewußtscins hervorgchob'en wurden, legte der Vortrogende überzeugend dar. daß die Wege und Zielsetzungen jener Richtungen falsch seien. Was auch heute noch. 2000 Jahre nach der Zerstörung des Staates, den Fortbestand unserer Gemeinschaft rechtfertige und dem Judentum in der Zerstreuung als Aufgabe gesetzt sei, das sei die Pflege der prophetischen Ideale von Menschheitsfricden und Völkerverbrüderung. Hierin und nicht in Ncubelebung nationaler Begrenzungen, auch nicht im starren Festhalten an veralteten Gesetzen erblicke der religiöse Liberalismus das Wesen und die Zukunftsausgabe des Judentums. -Aber es genügt nicht, nur mit dem Munde liberal zu fein. Nur der Liberalismus, der die Kraft habe, ein echtes jüdisches Gemeinschaftsbewußtsein zu wecken, sei wirklich lebendig, ein solcher werde aber auch den Nationalismus, die Modcrichtung unserer Zeit, überwinden. Deshalb müssen wir Liberalen ein positives Verhältnis zu unserer Religion und zu allem haben, was ihrer Erhaltung und Fortentwicklung dient. In diesem Zusammenhang erhob der Redner auch die Forderung nach jüdischen Volksschulen, und betonte, daß dieser Standpunkt mit der allgemeinen politischliberalen Einstellung nichts zu tun habe. Er ergebe sich einfach daraus, daß die Volksschulen heute noch fast' allgemein einseitig konfessionell seien. Den Schluß der über izststündigcn Ausführungen bildete ein Appell des Redners an die Hörer, ihre Gesinnung praktisch durch Stärkung der liberalen Organisation zu betätigen. Der Vortrag wurde mit großem Beifall ausgenommen. Eine Aussprache fand nicht statt.' Den sicheren Erfolg des Abends bildete eine größere Anzahl von Beitrittserklärungen. Die Ortsgruppe weiß es dem Verbandsvorsitzenden Dank, daß er die Mühe der Reise nicht gescheut hat, um uns diesen interessanten Abend zu verschaffen und unserer Arbeit einen weiteren Antrieb zu. geben. Danzig. Unsere hiesige Ortsgruppe veranstaltete am 6. Mm einen Vortragsabend, zu dem .Herr Robert Hirsckfeld- , Berlin, als Redner gewönne!, war. Hirschfeld sprach über „Indische.Erziehnngssragen und die jüdischen Parteien". Nach- Oer itidisdie Auftakt zur Jahrhundertfeier des Börsenvereins der Budmändler. Ein nettes Stückchen antisemitischer Pöbelei leistet sich das offizielle Fachblatt des Buchhandels, das „Börsenblatt". Im redaktionellen Teile gibt cs den Ausführungen eines „Kollegen" des Herren Perschmann in Würzburg Raum, die den „Fall Bettauer" (Wien) (der das Fachblatt der Buchhändler garnichts angeht) behandeln. Der Mörder Bettauers, dessen Schutz und Verteidigung dieser Artikel offenbar bezweckt, w:rd von dem antisemitischen Agitator als „junger Deutscher" von Herzen bedauert, und beklagt, das; gegen ihn überhaupt Anklage erhoben wird. Bettauer wird als Pornograph bezeichnet, obwohl der Schreiber des Artikels nicht eine Zeile von ihm gelesen hat. sondern nach eigener Angabe nur „aus Berichten" urteilt, und dann heißt es wörtlich: „Betlauer war Jude. Manchen Leser höre ich jetzt ausrufen: „Natürlich". Ich will mir dieses „Natürlich" nicht zu eigen machen. Es gibt auch deutsche Pornographen. (Also Juden sind keine Deutschen, aber Juden sind sämtlich Pornographen — einen anderen Sinn hat der kurze Satz nicht'. Einsender.) Sehr auffallend ist aber immerhin, daß bei allem, was an Pornographie offen oder heimlich angebotcn wird, der jüdische Ursprung ganz gewaltig überwiegt (eine durch keinen Beweisversnch gestützte leichtfertige Behauptung!) und in umgekehrtem Verhältnis steht zu der jüdischen Einwohnerzahl Deutschlands (!). Und bedauerlich ist, von jenen ihrer Rassegenossen (!), von denen der Bolksmnnd (!) spricht, es gäbe „auch anständige darunter", bis heute auch nicht ein Einziger sich berufen gefühlt hat. nachdrücklich diesen Auswurs der Menschheit non sich abzuschüttcln. (Also nur dem Volksmund nach, aber nicht in Wirklichkeit, meint dieser .Herr Perschmann in Würzburg, gibt cs „and) anständige" Rasscgenossen.)' In diesem Ton geht es weiter. Der Zweck des Ganzen ist, wie oben nngedcutct. unverkennbar: In das schwebende Gerichts- \ Spredisaal. verfahren zu Gunsten des Mörders cinzugreifen. Und das offizielle Fachblatt des Buchhandelsnimmt keinen Anstand, sich dazu gebrauchen zu lassen. Zufällig aber bringt cs vor diesem Bcttaüer-Artikel einen anderen redaktionellen Angriff gegen ci” „pornographisches" Biatt, das von einem unzweifelhaft ivir' Verleger herausgegeben wird und in dem das gegenwar..^ — längst von den Rechtsparteien regierte — Deutschland bezeichnet wird als „das verlotterte und autoritätslose Rachkricgsdeutschland." Nach dieser mitgeteilten Probe wird man es verständlich finden, daß der Ekel vor solchem Treiben das in dem für den Buchhändler »heut leider absolut unentbehrlichen Fachblatt schon seit Jahren eingesetzt hat, den Inchaber des alten Heine-Verlages Hoffman» und Campe veranlasse, das nachstehende Telegramm au den Vorstand des Börsenvereins der deutschen Buchhändler zu richten: „Ablehne Teilnahme Generalversammlung und Feier wegen planmäßiger antisemitischer Pöbelcien Börsenblattes wie in Nr. 104. Gratuliere Redaktion und Verwaltung, die diesem zum Zweck antisemitischen Mörderschutzcs verfaßten Artikel Raum gaben, zu geschmackvollem 'Auftakt der Jahrhundertfeier, der breiterer Oeffentlichkeit nicht vorenthalten werden soll". Das große Teile des Buchhandels mit der Kulturschande des 'Antisemitismus behaftet find, zeigt dieser Vorfall leider nicht zum ersten Mal. Dieser Haltung entspricht mich, daß das Börsenblatt von der Verurteilung des Verlegers Fritsch zur Zahlung der 'Auslobung von 10 000 Papicrmark wegen gefälschter Talmudübersctzung noch mit keiner Zeile berichtet hat, während es sonst jedes kleinste Vorkommnis aus dem Buchhandel sofort in Sperrdruck meldet, wie z. B. vor 14 Tagen: daß dem Buchhändler Sowieso die bronzene Kricgsdenkmnnze (!) am fchmarz-meiß-roten Bande verliehen wurde — was den bekannten geschäftsgewandten „Verleiher" genau so ehrt, wie den „Dekarierten ... 'A. B r i c n i tz c r i. Fa. Hosfmann & Campe. dem er einleitend die drei großen jüdischen Parteien, die religiöse, nationale und die indifferente geschildert hatte, führte er aus, wie diese Parteien sich zu einzelnen Erziehungsfragen stellen bzw. stellen müssen: zur Frage der Schule, der häuslichen Erziehung, der häuslichen Feiern und der Lektüre. Der Vortragende, der durchweg sachlich sprach und sich auf hohem Niveau bewegte, wurde vielfach von Zwischenrufen der Zionisten unterbrochen, die dann in der Diskussion reichlich zu Worte kamen. Es zeigte sich leider, daß man im Zeichen der bevorstehenden Rcpräsentantenwahl stand, denn die zionistischen Diskussionsredner überboten sich, wie selbst einzelne ihrer Parteigenossen bekennen mußten, in persönlichen Verunglimpfungen des Referenten. Um so wohltuender mar es, als unser Freund Erwin L i ch t e n st e i n diesen 'Anmürfen cntgegentrat und ein Bild von der Tätigkeit und Persönlichkeit des Referenten entwarf. Als letzter Diskussionsredner stellte George G o e tz dem „Zionsgedanken" den „Europagedanken" gegenüber und führte aus, daß die praktischen Kulturaufgaben'der europäischen Juden iu Europa liegen und daß dem Judentum auch bei einer Konsolidierung Europas wichtige Aufgaben und eine durch sie geheiligte Zukunft beschieden sei, für die unsere Lehrer und Erzieher auch unsere Jugend begeistern sollten. — Die Veranstaltung war von seiten unserer liberalen Parteifreunde sehr schwach besucht — wiederum ein Zeichen dafür, daß unsere indifferenten Mitläufer die Zeichen der Zeit nicht zu deuten wissen. Trotzdem kann der Abend als ein Erfolg für unsere Bewegung gebucht werden. Frankfurt a. M. Am 11. d. M. fand eine Monatsversammlung der jüdischen Iugendgemeinschaft statt. Zunächst wurde seitens des Vorstandes den Mitgliedern oorgeschlagen, sich der Arbeitsgemeinschaft jüd.-lib. Iugendocrcine 'anzuschließen, um einerseits daselbst festeren Rückhalt zu haben, andererseits den Vorteil des Zeitungsabonnements den Mitgliedern zu gewähren. Dies sei bis jetzt noch nicht geschehen, da erst abzuwarten war, ob die gegründete Gemeinschaft durch energische 'Arbeit ihre Existenzberechtigung erweise. Der Vorschlag wurde von der Versammlung angenommen, und gleichzeitig' der bisherige Mitglicdsbeitrag von vierteljährlich 1,— Mark auf das doppelte festgesetzt, da 1.— Mark vierteljährlich für Zeitungsabonnemenl nach Berlin abzuführen ist. Als offizieller Name der Gemeinschaft wurde „Jüdisch-liberale Iugendgcmeinschaft" gewählt. Der Vorsitzende gab danach einen kurzen Rückblick über die seit der Gründung geleistete 'Arbeit, teilte die verschiedenen an den Verein ergangenen Einladungen von Ausstellungen, Feiern, sowie vom Markenhof mit. und'regte an, daß die Sönnlagsspoziergänge mehr forciert werden sollten. 'Alsdann hielt Frau Liefet Oppenheim einen Vortrag über jüdische Dichter mit Rezitationen, in welchem sie in ihrer fraulich sympathischen Weise einen Kreis von Fchuda Halevn beginnend, über die Moderne (Zuckermann, Werfel. Elle Lasker- Schüler) zu Uriel Birnbaum, dem Jünger im Geist der Frömmigkeit des Iehuda Haievy schloß. Mit Leu gutausgewühlten, schlicht vorgctragenen Dichtungen gab sie uns 'einen Einblick in die Eigenarten der Dichter, die tieffrommc Sehnsucht des Andalusters, den Zwiespalt zwischen Religion und Volkstum Zuckcrmanns, Werfels MitleidsLichtung, dre ihn olles Leid der Welt Mitempfinden läßt, ihn eigene Freude als unrecht empfinden läßt, wenn seine Milkrcaturen seufzen, die seelische Zerrissenheit Else Laskcr-Schüiers, der einig suchenden, und schließlich zeigte sie den jungen Dichter Uriel Birnbaum, den sie als zu größten Hoffnungen berechtigend schilderte, wie er. die eigene Freiheit willig binwerfcnd. sich hingibt seiner Religion, dem Willen seines Gottes. 'Als einendes Band als der Gestalten, die sie in wenig Worten vor uns hinstellte, sab Frau Licsel Oppenheim ihre Liebe zu ihrem Gott und zu den Menschen. Köln. Die Wahlen zum Landesverband preußischer Synagogcngerncindcn haben in erheblichem Maße dos Interesse an' jüdischen Angelegenheiten erweckt. Es darf sesigcstellt werden, daß insbesondere weite .Kreise des religiösen Liberalismus sich wieder stark mit jüdischen Fragen zu beschäftigen beginnen. Dafür zeugt die Wahlbeteiligung am 1. Februar, die sowohl in Köln als auch in ganz Preußen dem Liberalismus die absolute Mehrheit gebracht hat. Es wäre falsch anzuuehmen. es sei lediglich das politische Element, das jene Kreise in Bewegung versetzt Härle. Zivcifellos liegt dieser Bewegung auch die 'Tendenz zugrunde, eine Belebung und Stärkung religiöser Energien herbeiznführen. Diesem Ziel diente auch die erste öffentliche Versammlung nach der Wahl, die die Kölner Vereinigung für das liberale Judentum am 7. Mai cinberufen hatte. Dev Redner des Abends. iVrr Dr. Mayer aus Berlin, übte einleitend Kritik an dein Scheinliberalismus, dem die Merkmale sohlen, die von einem Kampf um religiöse Einsichten zeugen. Wahrer Libern, lisnrus sei beschlossen in dem Streben nach Durchdringuna des menschlichen Daseins mit religiösen Gehalten, wobei die Würde des Menschen gewahrt lverde durch bewußte Einschalning der Verminst in das Getriebe der irrationalen Geistesbeststud:. Indem sie regulativ eingreift in den Prozeß geistigen Wachsens, icljafn sic die Grundlagen zu einem religiösen Erlebnis, das nicht ge- > Hunden ist an den (Klauben an starre Tradition, sondern das dem j j Prinzip der Entwicklung huldigr auch im Bereich des Religiösen.! i Weiterhin verbreitete sich der Nc-d-uer über das Sichtbar > I werden des Erlebnisses in der äußeren Form, t-ur die 'keine; j wie auö) immer geaA.m religiöse Richtung Verzichteir könne. Erst die Hebung des religiösen Brauchs in Haus und Gemeinde schäfte die Einheit in der Grundhaltung einer Menschengemeinschaft, die deren Fortbestand sicherstelle. Der Verlauf der Versammlung verstärkte die Hoffnung dev Teilnehmer, es werde in der kommenden Zeit ein reges Leben und Schaffen innerhalb des liberalen Lagers zu verspüren sein. Magdeburg. Am Sonntag, den 10. Mai fand eine Halbtagsradtour nach Forsthans Külzau statt. 'Alle Vor- und Nach-- zügler trafen uacl) großen und kleinen Irrfahrten und verschiedenen Pannen mit der .Hauptgruppe in Külzau zusammen., Gemeinsam fuhren nur die wunderbaren Waldwege im Niegrippcr Forst zurück und landeten gegen Mittag vergnügt und ziemlich erhitzt wieder zu .Hause. Magdeburg. Der 1. Vorsitzende des jüdisch-liberalen Iugendbundes „Heimat", Herr Edgar Friedmann, bittet uns um Ausnahme folgender Zeilen: In unserer Versammlung am Sonntag, den 3. Mai, wurde Ernst Steiner zum 2. Vorsitzenden und Dolf Rosenberg zum 2. Schriftführer gewählt. Anwesend waren 5'6 Mitglieder. Anschließend au die Tagesordnung waren wi: im gemütlichen Kreise zusammen bis 9 Uhr. Wir bitten alle unsere Mitglieder, vor allem aber deren, Eltern, von folgendem genau Kenntnis zu nehmen: 'Alle Veranstaltungen, gleich welcher der beiden Gruppen, besonders aber die der Iugendgruppe, finden stets unter Begleitung erwachsener Mitglieder, beziehungsweise unter Aufsicht einer der Vorstandsmitglieder statt. Ausflüge usw. werden vorher durch die Zeitung und durch Aushang bekanntgegcben. Irgendwelche Spaziergänge nsw. einiger oder mehrerer Mitglieder gelten durchaus nicht als Veranstaltungen vom Ili aus, sofern sic nicht offiziell bekanntgegeben worden sind. i t t r & | Verfammluugskalenoer. | g \ »♦»»<>»♦»»♦♦»»»»♦•«♦♦»♦♦•♦♦»»♦*»♦<>♦♦♦♦♦ Berlin, (liberaler Verein. Ortsgruppe Norden.) Die Ortsgruppe Norden ladet alle Mitglieder und Interessenten zu ber am 19. Mai. Schönhauser 'Allee 162 pari., stattfindenden Versammlung ein. Tagesordnung: Vortrag des Chefredakteurs der B. Z. am Mittag, Herrn Egon I a c o b s o h n : „Erleb-! nisse eines modernen I o u r n a l i st e n.“ Der Vortrag beginnt pünkttich 8Vj Uhr. Vorher pünktlich um 7",st Uhr findet an derselben Stellen die ordentliche Generalversammlung statt. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und .Kassenbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. Der Vorstand. I. Ast 5). Falkcnberg, 1. Vorsitzender. Berlin. (Liberaler Synagogenvcrcin Norden.) Der Gottesdienst in der Schönhauser Allee 162 findet statt: Freitag abend 7,15 Uhr, Sonnabend vormittag um 10 Uhr. Av> Sche w n a u s s e st e zur gleichen Zeit. Predigt Herr Rabb. Dr. Salomouski. Anmeldungen für die Ortsgruppe Norden des liberalen Vereins und für den liberalen Spnogogenvercin Norden sowie Ausgabe der Synagogenkarten für die hohen Feiertage in unserer Geschäftsstelle: Arthur Zander. C 54, Linienstraße 45, Amt Norden 3233. Breslau. (Jüdisch-liberaler Iugcndvercin „Abraham Geiger".) Sonntag, den 17. Mai. Ausflug nach Malisch.^ Trefsahrl Breslau-Liegnitz. ^Ibfahrt Breslau Hauptbahnhof 6,10 Ulir. Treffpunkt Nordhotel 5ßr Uhr, Abfahrt'Liegnitz 6,20 Uhr. Gäste ans den Nachbarilis herzlich willkommen. Liegnitz. (Liberaler Verein der Synagogengemcinde.) Sonnlag. den 17. d. M.. gemeinsamer?lusf!ug mit dem Breslauer „Ili". Abfahrt in Liegnitz Sonntag früh 8"', Uhr. Zupfinstrumente bitte mitzubringen. 'Näheres siche Breslau. Magdeburg. Am Donnerstag, den 21. Mai (Himmelfahrt), findet eine Radtour nach Gommern—Loburg—Magdeburgcrforth—Burg statt. Treffpunkt: Pünktlich 7 Uhr a;n Kaifer-Otto- Dcnlrmal (Alter Markt). Rückkehr mit dem Inge von Burg kurz nach 9 Uhr abends. Teilnehmermeldungen st.rcd bis Dienstag, den 19. Mai, bei Ernst Steiner. Iohannisbergstr. l. Telefon 3520, abends zwischen 7 und 8 Uhr abzngeben. Iu der Unterzeichneten Gemeinde ist die Stelle eines Rabbiners liberaler Richtung zu besetzen. Das Iahresgchalt betrügt je nach dem Dienstalt:',! für das auswärtige Tätigkeit angerechnet werden kann, 9000 bi"' I >4000 Vlarlr: hierzu tritt ein Anteil an den für LDisualicn cin: j gehenden Beträgen. Es wird auf besondere lojssenschaftlichc ' und rednerische Befähigung Wert gelegt. Meldungen sind bis 10. Juni d. I. einzur'eichen. Berlin, den 3. Mai 1925. Borstund der jüdischen Gemeinde zu Berlin.