Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 20 (15.5.1925)
- Date
- 1925-05-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2613366-2613788-2613808--1328-2618678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Repräsentantenversammlima. das er bis zq feinem Tode iimehatte. Wie er innerhalb seiner Gemeinde in Toleranz und Gerechtigbcitsliebe seines Amtes waltete, so hat er innerhalb aller jüdischen Organisationen, die auf dem Boden deutsch-vaterländischer Gesinnung standen, mit Bekennermut und Energie mitgearbeitet. Die Gründung der Ortsgruppe Königshütte des Zcntralvcreins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war sein Werk. Dem Verband der deutschen Juden gehörte er an führender Stelle an. Der deutsch-israelitische Gemeindebund berief ihn in seinen Vorstand und die oberschlesischen Heimatgcmeinden wählten ihn in Nachfolge von Eduard Levy, Schüller und Geheimrat Glogauer zum Vorsitzenden des oberschlcsifchcn Gemeindeoerbcmdes. Besonders in diesem Amte entfaltete er seine Tatkraft. Das Kinderheim in Iastrzcmb, das Waisenhaus in Rydnik waren die Insluuiionon, denen seine ganz besondere Liebe aalt. Hier nahm er sich der kranken und schwächlichen Kinder an. dort sorgte er für die Waisen, überall trat er den Bedrückten und Armen in herzlicher Weise entgegen, und lebte mit und für die Jugend und insbesondere mit der Jugend, die frühzeitig schweren beschicken ausgcsetzt war. Man muß ihn gesehen haben, wie er mit den Kündern spielte: seine freien Sonntage opferte er, um bei den Aermsten der Armen zu weilen, sic mit Gesang und Scherz zu erfreuen und Ihnen vergnügte Stunden zu bereiten. Das alles brachte der Mann fertig, der außerordentlich angespannt in seinem Berus arbeiten mußte, der eine große Praxis ausiibte, und in den weitesten Kreisen seiner obcrschlesischen Hcimat als AnnnN geschützt wurde. Zu bchn Kanu. >! noch seine ^Arbeiten i;;i Dienste der Allgemeinheit. Jahrelang war er ctadtnerordueier in Königshütte. Den gewaltigen Aufstieg dieser Stadt, die sieh binnen kurzer Zeit zu einem der größten* Inoustrieplätze Oöerschlesicns entwickelte, machte er an führender Steile mit. Daneben war er politisch als Demokrat tätig, der nie nies seiner Gesinnung einen Hehl machte und tatkräftig seinen Standpunkt jedem gegenüber ohne Ansehen der Person "vertrat. Den jüdisch-tibcraien Zugendvcrcin Abraham Geiger, Breslau, gründete er >n ter der Mitarbeit seines einzigen Soknes in Gemeinschaft mit seinem Jugendfreunde, Geheimrat Earl Reich. Sein Herz gehörte der Iugend und besonders der liberalen Jugend. Er wünschte dir Weckung der religiösen Gesinnung bei dem Heranwachsenden Geschlecht und freute sich besonders, daß inner^olb der Sroßgcmernde Breslau feine Wünsche in Bezug auf die Inaendoewrguna. zur Durchführung kamen. Die P e r s o n Bergers "bedarf einer besonderen Würdigung. Der. alte Berger war ein Feuerkopf stets gewesen. Mit großer Kraft und Anioannnng ging er daran, seine Wünsche in die Tat umzusctzen. Es i-rar ri.-hrend ihm zuzuhören, wenn er aus seiner Tugend- und Srudentenzcit erzählte. Mit harter Mühe schlug er sich damals durchs Leben. Er ernährte sich durch Stundengeben und schickte «vü'mco Geld nach Hause, um seine Eltern, die zahlreiche Kirde.- zu "Morgen hatten, zu unterstützen. Er war ein vie'feitigcr und ie:ng"isnger Mensch, den eine besondere Frohnatlrr uriszeichnete. Mir "besonderer Innigkeit war er der Musik zugemandt. Noäi in seinem letzten Lebensjahr ist er des nachts iK\\ 5<ön:gsh:i!te hierher gereist, um Sonntag vormittags Weingartner im Bresiaucr Konzerthaus dirigieren zu sehen. Seine Wanderlust iii hinreichend bekannt. Noch heute wird euf den Bauden de-. Schlesischen Gebirges von dem fröhlichen alten Herrn erzählt. der stets jeden mit seinem Humor und st in er urwüchsigen Fröhlichkeit mit fort riß. Daneben war er ein gu:cc und wohltätiger Mann, der nie aus seiner bescheidenen Herkunr. ein Hehl machte und stets in inniger Verehrung seiner Eitern gedachte. . Dieser eoie und gute 'Mensch wurde ein Opfer der Nachkriegszeit. Der Vertrag non Versailles, der die Abtretung Oberich'eficns forderte, brach ihm das Herz. Fn der ersten Wallung schickte er damals in Gemeinschaft mit dem gleichfalls verstorbenen ^R>'.b'ü-:nrr Dr. Kopfstein zu Beuthen ein Telegramm den Präsidenten Wilson, in dem er varlegte, daß das oberschlesische >ck--id un:7i!bar und unzerreißbar sei, daß das oberfchiefische Volk' nickt Polen sondern Deutschland zugehöre. Auch sein Hinweis und seine Meldung wurden unberücksichtigt gelassen, wie die vielen anderen, die damals aus unserem Lande Kamen. die Tatsache, daß Oberschlesien von fremden Truppen b.'ircht und der polnischen Willkür ausgcliesert wurde, machte ihn schwermütig und energielos. Als die Abstimmung ensichied. vr.p, mit vielen anderen Bezirken feine Heimatstadt Köuigsloöne an. Polen abgetreten würde, fiel er in sich zusammen. Er mußte es mit ainehen, wie das Waisenhaus in Rybnik, er mit bauen half und zu einer bewährten Anstalt machte, in fremde?. Besitz kam. Er sah die Auflösung des Kinderheims in Iastrzemö. er sah den Verfall der Wirtschaft und konnte die Zeit nicht mehr verstehen. co muhte er denn aus seiner oberschlesischen Heimatstadt sortgehen. knie seine Ehrenämter nieder und zog sich infolge seine? schwrrteiveudea Zustandes vom Beruf zurück. Er dämmerte dann noch wenige Monate in Breslau, umgeben tznn wenigen aocr treuen Freunden, dahin, dis der Tod ihm ein ior.fiCi Erlöser wurde. 'Er hat in den letzten Monaten den Tod herbeioesehn-. Ec zeigte durch sein Leben und seinen Tod, was cs heißt, ein deutscher Jude zu sein. 'Ans dem Breslauer Friedhof wurde er zur letzten Ruhe gebeitet. Biel-' seiner schlesischen Freunde gaben ihm das Geleit. An seiner Bahre wurden herzliche Worte des Gedenkens von dein Rabbiner der Breslauer Gemeinde Dr. Bogelstein, Hw Zuv.izrat Fachmann. seinem Freunde und Nachfolger im Vorsitz de-' olierschlesischen Gemeindenerdandcs. von Cnrt Brien'.tzer im 'Namen der Vereinigung für das liberale Judentum gesprochen. Sie Werke, die er gebaut, sind zerfallen: aber in der Geschichte des deutschen Judentums bleibt sein Andenken lebendig. B r i e n i tz c r, Breslau. ♦ ♦ Berlin. Als Termin für die Ende d. F. erforderlichen Wahlen öur Ncpräsentantenversammlung hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde in seiner letzten Sitzung Sonntag, den 29. November, bestimmt. Cs ist zu hoffen, daß bas Gemeindestatut bis dahin >P seiner neuen Form Geltung erhalten haben wird. In diesem Ichll dürste eine Neuwahl sämtlicher Repräsentanten erfolgen, sicherlich werden die Wahlen eine liberale Mehrheit in der Rcpräsentantenversammlung erbringen. Berlin. Der Berliner ordentliche Honorarprofessor Dr. phil. ct mod. Hugo Liepmann, der bekannte Philosoph, Nervenarzt und Gehirnsorschcr. ist im Ei. Lebensjahr gestorben. Professor Liepwann. der einer angesehenen Berliner jüdischen Familie entstammt, hatte sieh ursprünglich der Philosophie und den Naturwissenschaften gewidmet und veröffent'''ssi° beachtenswerte 'Abhandlungen über Kant und Schopenhauer. Erst nach seiner Habilitierung als Prrvatdozent der Philo,-phic wandte sich Liepmann dem Sludium der Medizin zu. Im Jahre 1899 wurde H Assistent an der Irrenanstalt Dalldorf und 1914 Direktor der Irrenanstalt Herzderge. 1017 trat er von der Leitung der Anstalt zurück. um sich ganz seiner wissenschaftlichen Arbeit und seiner Lehrtätigkeit an der Berliner Universität zu widmen. Liepmann gilt als der Begründer der modernen psychologisch-phänomenologischen Richtung "in der Psychiatrie, — er war der Schwager ^5 verstorbenen sozialdemokratischen Prrvatdozcnten Dt. Leo Arons, dessen Boykottierung wegen seiner sozialdemokratischen Gesinnung und jüdischen Abstammung die demokratische Oesseniilchkeit in Deutschland seinerzeit stark erregt hat. BerN«. 2« der Jahresversammlung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums hielt deren wissenschaftlicher Leiter Herr Professor Dr. Julius Guttmann einen Vortrag über „Maimonides als Philosoph". Der Abend begann mit einer Trauerseier. Die »lkademie verlor mit dem Tode August von Wassermanns einem tatkräftigen Förderer und Organisator. Herr Sanitätsrat Dr. Bradt gedachte in warmen Worten der überragenden Persönlichkeit des Verstorbenen, seiner wissenschaftlichen und menschlichen Größe, seiner Treue zum Judentum. Orgelklänge und hebräische Gesänge, die der Rede vornnsgegangen waren und ihr folgten, erhöhten die Weihe der Feier. Es folgte dann die finanzielle und der wissenschaftliche Bericht. Den letzteren hielt Herr Professor Guttmann. Es ist bereits ein großes Arbeitsfeld, das die junge Akademie erfolgreich in Angriff genommen hat. Mehrere Werke liegen bereits vor. verschiedene sind im Druck. Die Zahl der Mitarbeiter konnte erhöht werden. Herr Professor Guttmann nannte eine stattliche Anzahl von Themen, die gegenwärtig bearbeitet werden. Außerdem werden religionsphilosophische und exegetische Texte des jüdischen Mittelalters nach philologisch kritischer Sichtung des Materials neu ediert. Schließlich eröffnet sich die Akademie, in dem sie einen Teil der kleineren Schriften Hermann Cohens ins Hebräische übersehen läßt, den neuen Aufgabenkreis, der durch die Probleme der notwendigen Hinaufentwicklung der hebräischen Sprache in die Begriffswelt der modernen wissenschaftlichen Kultur ersteht. Nach Erledigung verschiedener. die Geschäftsordnung der Akademie betreffenden Fragen, und nachdem Herrn Sanitätsrat Bradt aus dem Kreise der versammelten Mitglieder für seine aufopferungsvolle Arbeit, die er der Akademie widme, herzlichst gedankt wurde, begann Herr Professor Guttmann seinen Vortrag. Herr Professor Guttmann unternahm es. an der zentralen Gestalt des Maimonides, die Motive und Tendenzen, die die mittelalterliche Philosophie bewegt haben, zu zeigen. Und zwar aus' dem Wege, auf dem überhaupt philosophische" Vergangenheit zur lebendigen Anschauung erweckt werden kann. Durch Beziehungsetzung zu modernen, uns selbst bewegenden Gedanken. Auf den gleichen Nenner des gemeinsamen Interesses gebracht, tritt die Differenz der Zeiten und zugleich die ewige Kontinuität klar in Erscheinung. Der Gegensatz von Antike und Welt der Bibel, der prinzipielle systematische Ausgleich, der hier postuliert und in den verschiedensten Formen versucht wurde, weist auf eine Fülle von Problemen, die gegenwärtiges und mittelalterliches Denken gemeinsam haben. Die moderne Denkarbeit an dem Ausgleich von Wissenschaft und Religion findet ihre Paralelle in der Philosopyie des arabisch-jüdischen Mittelalters. 'Allerdings ist hier cin grundsätzlicher Unterschied vorwegzunchmen. Eine Negation der Religion, wie sie das moderne Geistesleben kennt, ist dem Mittelälter, abgesehen von vereinzelten, unwirksam gebliebenen Erscheinungen unbekannt. Was den monotheistischen Religionen gcgenübersteht, sind nicht antireligiöse Bewegungen, sondern es ist das aristotelisch-neuplatonische, selbst durchaus religiöse Weltbild. Dieses Weltbild — wir können von den Verschiedenheiten zwischen Aristotelismus und Neuplatonismus in unserm Zusammenhang abschen — ist logisch-dynamische Teleologie. Die Welt wird begriffen als ein System zwecktätiger Kräfte. Diese Zwecktätigkeit, die hier gemeint ist, ist nicht die des modernen Bitalismus, sie ist vielmehr so zu verstehen: Der Begriff des Dinges ist von dem Ding selbst nicht zu trennen, sondern er ist die ihm einwohnende, zwecktätige Kraft. Die Mannigfaltigkeit der Dinge entfaltet sich aus einem letzten Prinzip. Aus Gott. Dieses Entfalten der Vielheit aus der Einheit ist zugleich ein logischer Prozeß. Logischer und realer Zusammenhang fallen zusammen. So flüchtig diese Skizze ist, reicht sie doch aus, um den Gegensatz zwischen diesem Weltbild und dem Monotheismus und damit das Problem, das Maimonides zu bewältigen hatte, zu beleuchten. Zunächst scheint eine ganze Fülle von Gemeinsamkeiten den Gegensatz zu verwischen. Ein Göttliches als Ursprung. Seine Entfaltung in einen Zweckzusammenhang. Die Rückbewegung der Seele vom Mannigfaltigen zum Einen. Das Verdienst des Maimonides ist, daß er trotz aller Analoga den bleibenden Gegensatz nicht aus dem Auge verloren hat. Den Gegensatz zwischen dem dynamisch-unpersonalistischen Weltbild des neuplatomschen Aristotelismus und dem personolistisch-ethischen Weltbild des Monotheismus. Für die Religiosität des Monotheismus gilt die Welt nicht als notwendiger Zusammenhang, sondern als Willenszusammenhang aus Freiheit. Wie groß die Gefahr der Identifikation der beiden Weltbilder. die hier vorliegt, ist, zeigt sich z. B. bei den Fallen der Vorsehung und der Prophetie. Gewiß läßt sich Vorsehung im mittelalterlichen Aristotelismus unterbringen. Die notwendige Zweckordnung wird ganz einfach als Ausdruck der Vorsehung angesehen. Ja, aber dann ist dem Begriffe der Vorsehung der personale Charakter genoinmen. Vorsehung ist dann nicht "mehr Sache des Willens und der Freiheit. Ebenso die Prophetie. Sie scheint sich ohne weiteres der Erkenntnislekre des Aristotelismus einzufügen. “QUs Erkennende haben wir Anteil am höheren Sein, strömt die Wahrheit, das göttliche Sein auf uns ein. Prophetie ist Erkenntnis, von ihr nur graduell, nicht prinzipiell verschieden. Maimonides nimmt nun solche natürliche Erklärungen religiöser Phänomene auf, läßt aber in sie die biblischen Elemente doch einsließen. So kommt er zu einem Wissen Gottes auch vom Individuellen, obwohl aus dem rationalen Vorschnngsbcgrjff solches nicht folgen könnte. Und ebenso läßt er vor. der Prophetie des Moses, die er gegen jede andere Prophetie kennzeichnen will, die übernommene Erklärungsweise fallen, und läßt so den Absolutscharakter der jüdischen Religion unangetastet. Ganz klar aber hat Maimonides den Gegensatz Volunlarismus-Dynamismus in der Frage der Weltschöpfung gesehen. Zeitlichkeit oder Ewigkeit der Welt, das ist das Problem,'und es ist das Problem der Geschaffenheit der Welt durch freie Schöpfertat Gottes oder der alle freie Entscheidung nushebenden Notwendigkeit der Welt. Maimonides geht von den Antinomien des Substanzbegriffes aus und zeigt, daß von der Philosophie die Frage ebenso für als wider entschieden werden könne und daß bei dieser rationalen Unentscheidbarkeic die Entscheidung der Bibel um so zwingender ist. In einem Punkt aber hat Maimonides den Uebergang von der Wertwelt jüdischer Religiosität zur hellenischen bedingungslos vollzogen. Die Erkenntnis ist ihm der Weg der Einsweroung mit Gott. Das ist nicht mehr die prophetische Lehre, die solche Einswerdung durch die sittliche Tat möglich gesehen hat. Der Grund dieser Abkehr ist aber nicht allein darin zu suchen, daß Maimonides selbst, der eine vornehmlich erkennende Natur war, die Kontemplation als höchste Lebensform erscheinen mußte, sondern auch darin, daß sich auch auf jüdischem Boden bereits eine Umwertung vorbereitet hat. Für den Talmud ist der Chochom allmählich das, was für den Prophetismus der Zadik war. Maimonides beeinflußt diese Entwicklung aber um so entscheidender, als er auch daranging, das System der jüdischen Gebote und Lehren von seinem neuen Weilgcsichtspunkt zu gestalten. Hier ist aber zugleich der Punkt angewiesen, der der Ausgangspunkt für den Widerspruch gegen Maimonides bildet. Erst tastend und unsicher, von kleinen Geistern, die sich instinktiv in ihrer traditionbllen Religiosität angegriffen fühlten, bis dann dieser Widerspruch in Crescäs seinen geistvollen systematischen Vertreter fand. Doch das System des Maimonides bleibt uns als grandioses Denkmal jüdischen Geistes. Als Zeugnis einer Persönlichkeit, in der wir die Haltung klaren Verstandes und religiöse Tiefe vereinigt sehen. Cassel. Letzten ÜJtttttood) wurde der im Auftrag der Akademie für die Wissenschaft des Judentums in Berlin von Dr. Leo Strauß aus Frankfurt geleitete Kursus für Hebräisch und jüdische Geschichte geschlossen. Ein zweiter Kursus soll im Herbst stattfindcn. Erholungsbedürftige Kinder minderbemittelter Eltern find von der Ferienkolonie der Sinailoae zu einem vierwöchigen Kuraufenthalt nach Bad Nauheim geschickt worden. Ein zweiter Transport soll im August nach Kissingen reisen. Darmstadt. 2ln 5)errn Rabbiner Dr. Italiener war der Ruf ergangen, nach Berlin als Rabbiner der dortigen Gemeinde überzusiedeln. Diesen Ruf hat er jedoch abgelehnt. Von mehreren Darmstädtcr Lesern unseres Blattes sind uns Schreiben zugegangen, in denen die Freude darüber zum Ausdruck kommt, daß ihr Rabbiner, Herr Dr. Italiener, seiner Gemeinde treu blcibcn wird. Dresden. Am Sonntag, den 3. Mai d. 3., fand in Dresden eine Sitzung aller jüdischer Gemeinden Sachsens statt. Die Versammlung hat auf Grund eines Referats des Vertreters der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge und Arbeitsnachweise, Herrn Dr. Kreutzberger, beschlossen, eine Landeskasse für den Freistaat Sachsen zu" gründen. Die Landeskasse hat die Ausgabe, den gesamten Durchwandererverkehr Sachsens zu zentralisieren. Als Sitz der Landeskasse wurde Leipzig bestimmt. Die Landeskasse Leipzig wurde verpflichtet, die Durchwanderer auf möglichst weite Strecken zu befördern, das Meldewesen gut zu organisieren und der Schaffung eines Arbeitsnachweises nLherzutreten. Die der Landeskasse ängeschlossenen Gemeinden (Annabcrg, Bautzen. Chemnitz, Dresden, Leipzig. Plauen, Zittau. Zwickau) verpflichteten sich, vorläufig 2 Prozent ihres Steuersolls an die Landeskasse abzuführen. Die Versammlung sprach den Wunsch aus. daß sich möglichst bald alle dem Freistaat Sachsen angrenzenden Provinzen ebenfalls zu dem Gedanken der Zentralisierung bekennen und die Gründung von ProvinzialKassen in die Wege leiten sollten, um die Wanderfiirsorge in Deutschland einheitlich zu regeln und in sinnvolle Bahnen zu leiten. Essen. Durch die Gründung zahlreicher neuer neutraler jüdischer Turn- und Sportvereine und -gruppen sR.j. F.) war der Wunsch nach einer straffen sportlichen Organisation entstanden. 2llte Vereine, wie I.T.V.02 Köln. Hakoäh, Essen, hatten mit 'Ausnahmegesuchen in die paritätischen Verbünde trübe Erfahrungen gemacht. Es blieb also nichts anderes übrig, als die bestehenden rein jüdischen Vereine zusammenzufassen und ihnen eigene Kampsmöglichkeiten zn schaffen. Der Turn» und Sportklub Hakonb, Essen, als größter Berbandsverein (800 Mitglieder) ergriff die Initiative und stellte die Verbindung zwischen den einzelnen Vereinen her. Die Vorarbeiten führten schließlich zu der am 26. April in Essen stattgefundenen Vertreteroersammlung. Diese Tagung war von folgenden Vereinen, die auch alle dem Verbände angchörcn, beschickt: ,,Iüd. Turn-Verein 02, Köln, Turnklub 06, Aachen, Turn- und Sportgr. des jüd. Bürg. Vereins, M.-Gladbach.Turngr. R.j.F., Crefeld, Turn- und Sportver. „Makkabi", Düsseldorf, Turn- und Sportklub Hakoah, Essen. Turn- und Sportklub Hakoah, Gelscnkirchen, Turngruppe R.j.F.. Elberseid und Dortmund, Jüd. Sportverein Osnabrück und die verein.^ Turnerschaften, Hannover. Der Verband umfaßt zur Zeit zirka 3000 Mitglieder. Die offizielle öffentliche Verbandsgründung verbunden mit einem» Sportfest, findet im Juni in Essen statt. Es wird erwartet, daß sich noch bestehende neutrale )üd. Turn- und Sportvereine in Westdeutschland dem „Vintus^ anschließen, damit der kleinsk Verein, durch die Verbandsangehörigkeit erstarkt straff organisiert, jeden bisher den Leibesübungen durch Turm» «Bä>! Sport fernstehenden Juden erfassen kann. Die Bereinsverireter beauftragten den Vorstand des Satt* und Sportklub Hakoah, Essen, mit der vorläufige» 552hnmg. des Verbandes unter eventueller Hinzuziehung von Vereins- Vertretern.' Die 'nachstehend^ Sßtschließung soll die ftttnbgtimttg. an die jüdische Oesfentlichkeit sein von der größte Anteilnahme! an dem Wirken des „Bintus* erwartet wird. Entschließung. Die am 26. April 1925 in Essen vereinigten neutralen Dtt». und Sportvereine Westdeutschlands haben soeben den^ ^DintusE Verband jüdischer neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands mit dem Sitz in Essen aegründet. Sie erwarten, daß sich diesem Verband all« i» Gebket de» Verbandes befindlichen neu und neu zu gründenden neutralen jüdischen Turn- und Sportvereine anschließen. Sie spreche» außerdem die Erwartung aus, daß noch im Laufe des Sommers eia Gesamtverband gegründet wird. Der Verband erstrebt eine körpevliehe Ertüchtigung der jüdischen Iugend und rechnet^ mit der Unterstützung aller jüdischen Korporationen und Verbände, insbesondere will cr eine Interessengemeinschaft mit dem R.3.3. bilden. Das letzte Ziel wird die Anerkennung durch die deutsche Sportbehörde sein und bleiben. Frankenau. Die hiesige jüdische Gemeinde beklagt den Heimgang ihres Vorstehers M. Plaut I., der 30 Jahre die Interessen des jüdischen Gemeinwesens mit Gewissenhaftigkeit und Treue vertrat. Als ehemaliger Kriegsteilnehmer wurde der Verstorbene in üblicher Weise durch Teilnahme des gesamen Kriegervereins an der Beerdigungsfeier und Niederlegung eines Kranzes am Weltkriegdenkmal 1914/18 geehrt. Frankfurt a. M. Der Magistrat der Stadt Frankfurt a. M. hat das Örvthschildsche Besitztum zwischen der Eschenheimer und Ginnheimer Landstraße zum Preise von sieben Millionen Mark angekaust. Frankfurt a. d. O. Das freigcmordcne Rabbinat der jüdischen Gemeinde Frankfurt a. d. O. ist durch Berufung des Rabb. Dr. Grün, eines 'Absolventen der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, neu besetzt worden. Wir begrüßen Herrn Rabbiner Dr. Grün, der seit langen Jahren Mitglied unserer Vereinigung ist, an der neuen Stelle seines Wirkens. Grebenstein (Hessen). Der Nestor der jüdischen Lehrerschaft Hessens, Herr H. Rosenbaum, der mehrere Jahrzehnte die hiesige Lehrerstelle mit ersprießlichem Erfolge versah und auch heute noch allen Bestrebungen der Lehrerschaft regstes Interesse entgegenbringt, beging am 5. d. M. mit seiner Gattin das goldene Ehejubiläum. Obwohl der Jubilar im 81. Lebensjahre steht, erfreut er sich außergewöhnlicher körperlicher und geistiger Frische. Hann.-Miindrn. Auf eine dreißigjährige Tätigkeit im 2lmte der hiesigen israelitischen Gemeinde konnte am 1. Mai Lehrer und Kantor Theodor Wertheim zurückblicken. Hersfeld. Gevatter Hein räumt in letzter Zeit stark unter den Veteranen des Bezirks auf, die ihre Tapferkeit vor dem Feinde in glänzender Weise bezeigen konnten und ihrer Glaubensgemeinschaft zur Ehre gereichten. Als einer dieser Tapfersten darf wohl der im 78. Lebensjahr verstorbene Zeisel Goldschmidt betrachtet werden, dem für eine von ihm geführte Patrouille vor Sedan das damals seltener verliehene Eiserne Kreuz zweiter Klasse zuerkannt wurde. Seine allgemeine Wertschätzung trat durch die Teilnahme des Generals Graup und des Oberstleutnant Doering in Uniform an der Bcisctzungsfeier deutlich zutage: auch der Kriegerverein gab mit der Kapelle seinem Ehrenmitglied das letzte Geleit. Äm Grabe widmete Oberstleutnant "Docring als Vorsitzender des Kreiskriegerverbandes Hersfeld dem allseitig geachteten Veteranen einen ehrenden Nachruf. Köln. 2lm 2. und Z. Pfingsttag findet in der hiesigen Rhcinlandioge der 8. Verbandstag des Verbandes jüdischer Lehrervercine im Deutschen Reiche statt. Zum zweiten Male nach dem Kriege werden Vertreter der einzelnen größeren und kleineren