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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-05-15 · 20 (15.5.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
20 (15.5.1925)
Date
1925-05-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Liese" Entwicklung redet eine klare, unzweideutige Sprache. Sie hat gezeigt, Latz, zum mindesten in Deutschland,- die Richtung, die entsprechend dem Beschlüsse -er Frankfurter Versammlung einen überwiegend deutschen Gottesdienst erreichen wollte, nicht wesentlich an Boden gewinnen konnte; sie hat gezeigt, Latz der jüdische Gottesdienst, wie er in den Jahrtausenden seines Werdens und Entstehens sein bestimmtes Gepräge durch das Hebräische erhalten hat, so auch das Hebräische als Rückgrat behalten muh; sie hat gezeigt, daß der das Hebräische zurück-drängende Beschluß der Frankfurter Versammlung sich nicht so durchführen läßt, wie er gefaßt war. Dieser Erkenntnis haben auch fast alle liberalen Gebetbücher, die seitdem entstanden sind, Rechnung getragen. Selbst das von Geiger, einem der eifrigsten Verteidiger des Frankfurter Beschlusses, für die Breslauer Gemeinde herausgegebene Gebetbuch entsprach nicht dem Frankfurter Beschlüsse, sondern baute sich auf dem Prinzip auf, daß der jüdische Gottesdienst im Grundton ein yebräischer ist und bleiben muß. Seine Nachfolger haben, der eine mehr, der andere weniger, in ihren für den liberalen Gebrauch bestimmten Gebetbüchern diesen Grunbton gewahrt und haben damit für das liberale Judentum der Gegenwart, und wie wir glauben auch der Zukunft, den Weg vorgezeichnet, den es gehen muß, tvenn es seinem Wesen und seiner Aufgabe treu bleib-n will: den jüdischen Gottesdienst so zu gestalten, daß er eine organische Verbindung herstellt zwischen der Muttersprache und -er heiligen! Sprache der Väter. Muttersprache - Gottesdiensisprache! Von Saniiätsrat Or. Alfred peyser. Als die Schriftleitung mich auftorderte, einen Beitrag zur Frage der Gottesdiensisprache zu liefern, überlegte ich lange, in welcher Eigenschaft ich dies tun solle. Als Vorstandsmitglied der jüdischen Reformgemeinde oder des Verbandes nationaldeutscher Juden oder als liberaler Abgeordneter zur Landesversammlung? And ich kam zu dem Ergebnis: Da der Ritus der Reformgemeinde ebenso bekannt ist wie der in gottesdienstlichen Fragen neutrale Standpunkt des genannten Verbandes, da außer mir noch andere liberale Delegierte in dieser ihrer Eigenschaft die Schattierungen des kultischen Liberalismus im Gemeindeleben behandeln werden, so will ich einfach und schlicht antworten: A l s r e l i g i ö s ^eingestellter Mensch, als Sohn meiner!Z*eit, als Bürger meines Landes. Meine Generation.Mrrzeft.M.dn mabnrwMnjchast. s Achen Aufklärungsperiode, kommt vom Rationalismus!her und hat sich nach vergeblichem Bemühen um!ex akt e Lösung der letzten Fragen in ihrer Mehrzahl erst in reiferen Jahren zur resignierten Anerkennung > des irrationalen Restes bequemt, dem Hebel und '.Schrauben nichts mehr abringen. Eine Minderzahl, zu mx auch ich mich.zähle, ist, sei es von geistig und seelisch ^hochstehenden Eltern und Erziehern beeinflußt, sei es iaus eigener Veranlagung, von vornherein nicht mit den extremen Lösern der Welträtsel mitgegangen, hat sich Zeit ihres Lebens ihren lieben Gott bewahrt, ja ihn : um so ehrfürchtiger bewundert, je ttefer sie lernend und forschend in die unfaßbare Mannigfaltigkeit seiner i Schöpfungswunder eindringen durfte. Beide Teile haben sich in unseren Tagen im Gottes-; glauben gefunden, nur ein kleiner Rest Unentwegter mag übrig geblieben sein, der hier ebensowenig interessiert wie jene Enttäuschten, die, nachdem sie in ihrer Die Tragik des mittelalterlichen Juden. Von A. vom Berg. Ueber die mittelalterlichen Fudcnmetzeleien, die für moderne Antisemiten so erhebenden Vorbilder eines „heldenhaften" Kampfes gegen die jüdischen Mitmenschen, find uns nur verhältnismäßig wenige Details sicher erhalten, ater ihrer einige reichen schon hin, den unverderbten Gegenwartsmenschen ahnen :,u lassen, daß es besser wäre, das Andenken an jene Scheußlichkeiten, 'die aus teuflischem Mißbrauch der Unwissenheit eines an sich gar nicht schlechten Volkes wuchsen, so wenig wie möglich zu wecken. Der Chronist Wurstisen erzählt uns, daß ,in Basel nach der Weihnacht des Jahres 1348 die Juden „in ein Oed des Rheins in ein hölzin Häuslein zufammengestoßen und jämmerlich im Rauch ersticket" wurden. Bei der IudcniVerfolgung in Schaffhausen 1401 wurden die Juden derart jgefoltert, daß sie auf einem Karren zum Scheiterhaufen gefahren!werden mußten. Man hatte ihnen die Waden ausgeschnitten, ^heißes Pech in die Wunden gegossen, sie wieder zuheilen lassen 'und dann abermals ausgeschnitten: die Fußsohlen wurden ihnen bis auf die Knochen durchgebrannt. Entsprechend« „Schandtaten" hatten sie unter der Folter natürlich „eingestanden", denn von einem der Armen wird berichtet, daß er sagte: „Ich weiß nicht, was ich alles bekannt, habe, aber bei solcher Marter hätte sich auch gesprochen, Gott sei nicht Gott." In Freiburg i. B. wurden 1439 am Freitag vor Maria Lichtmeß alle in der Stadt ansässigen Juden verbrannt, „auch Kinder und trageut Frowen". Als in Eßlingen die zur Mordgier aufgehetzten Bolksmassen zusammenliefen, um „alle Juden umzubringen". da versammelten sich die Verfolgten in der Synagoge, zündeten ihr Gotteshaus an und verbrannten sich mit ihm freiwillig, um nicht lebend in die Hände des vielköpfigen Ungeheuers zu fallen. Aehnliches begab sich zu Speyer und zu Worms, ßn E rfurt schlossen sich die Juden in ihrer Gasse ein. Kündeten ihre eigenen Häuser an und verbrannten in ihnen: mn 6000 Menschen jeden Alters starben so, weil ihnen dies bcffcr schien als langsam zu Tode gemartert zu werden, ihres Judentums wegen. Die geschichtlich bekannteste „Iudenhatz" ist 'die Plünderung der Iudengasse in Frankfurt im Jahre -1614. — >■ Im Christentum starb jeder „Märtyrer" „um seines Glaubens iwillen": die Juden können auf solche Uebertreibungen gut t verzichten, aber Wahrheit ist,. Laß ihr Glauben, bzw. ihr l Judentum den Ausschlag gab, als die. „ökonomischen Verhält-, Retorte anstatt eines Döus nur einen verkrüppelten Di-unculus vorgefunden halten, ihr Denk- und Forschungsgerät verzweifelt zertrümmerten, sich blindem Buchstabenglauben mit gleicher Einseitigkeit Hingaben, mit der sie einst gedankentiefe Aufklärung zum seichten Aufkläricht umschufen, und die nun am Werke sind, Religion und Kultur unserer Tage eifervoll rückwärts zu revidieren. All das gilt für Juden wie für Christen. Der Jude aber, der als Kind der Aufklärungsepoche gottesgläubig geblieben oder es wieder geworden war, ohne in Orthodoxie zu verfallen, tras auf eine ganz besondere Schwierigkeit: Die Synagoge gab ihm nur zum Teil, wonach sein Inneres durstete. Zwar ergriffen die alten Gesänge, rührten die alten Gebete und Gebräuche, aber das stumpfte sich ab wie jedes stereotype Zeremoniell und ließ allmählich kalt, zumal wenn der Mehrzahl der Gottesdienstbesucher mühsam verhehlte, zerstteute Teilnahmslosigkeit anzumerken war. Man verstand, was Jesaias (29, 13) sagt: „Sieh', dies Volk nayt sich mir nur mit dem Munde, mit den Lippen ehren sie mich, aber ihr Herz ist fern von mir und es ist ihre ganze Gottesfurcht nichts anderes als angelerntes Menschengebot." — Aber es fanden sich Rabbiner, von einem Geiste erfüllt, der den eigenen zum Mitschwingen brachte, und die Pr e d igt wurde zur Oase in der kultischen Wüste. Schließlich kam man nur noch der Predigt wegen. Woran das wohl lag? Ich meine, weil sie in unserer deutschen Muttersprache zu uns rodete, weil deren unendliche Modulationsfähigkeit dem gleichen Geistlichen bei Wiederkehr der gleichen festlichen Gelegenheit gestattete, jedes Mal, gleichsam als ein anderer, aufs neue zu fesseln. Ich kann mir gut vorstellen, daß vor einer Gemeinde, die Hebräisch von Kindesbeinen an so beherrscht, daß keine Wendung, keine Schattierung dem Hörer entgeht, von einer hebräischen Predigt die gleiche Wirkung ausgohen mag. Aber meine Muttersprache ist die deutsche. Selbst wenn ich Neigung hätte. Hebräisch intensiv zu lernen, würde es mir am Ziele bestenfalls so gehen wie demjenigen, der eine fremde- Sprache „fast" so gut spricht wie die eigene. Das Lexikon in der Tasche wäre vielleicht eines Tages entbehrlich, das Wörterbuch in meinem Inneren, das beim Hören automatisch übersetzt, würde ich nie los. And das in meinen innerlichsten Augenblicken! Sott ich mich also zu Surrogat entschließen, wo ich Echtes besitze? Nein und abermals nein. Run aber ist ja die Predigt bis weit in das konservative Lager hinein längst deutsch. Ebenso heilig jedoch sind dem Menschen die Augenblicke, wo sich in der Weihe des Gottesdienstes Wünsche, Gedanken, Regungen seines Inneren vor dem höchsten Wesen zu Vorstellungen und.Begriffen, Bitten und Vorsätzen...formen, wo sich dem Herzen schließlich das Gebet entringt, mag ein Gebetbuch die äußere Amrahmung bilden oder nicht. Eine Andacht, durch Unzulänglichkeit sprachlicher Verständigung zu Erdenschwere herabgedrückt, — welch eine absurde Idee! „Ein Gebet ohne Andacht", so sagt aber schon der Talmud, „ist wie ein Körper ohne Seele." Ich kann mir als der, der ich nun einmal bin, nicht vorsiellen, daß ein Mensch Worte der Liebe zu seinen teuersten Angehörigen deutsch spricht, zu seinem Gotte aber in gleicher Innigkeit hebräisch. Ich kann mir ebensowenig vorstellen, daß ein Mensch, der nach Erleuchtung, Vervollkommnung strebt, die Geistesgrößen seines Volkes, den Kreis anregender Freunde in der ihm angeborenen deutschen Sprache auf sich einwirken läßt (fremdsprachige Werke bilden ja nur Ausnahmsfäue für wenige), daß er aber Lehren und Weisheiten seiner Religion willig in hebräischer Sprache aufnähme oder nisse", die dos Werk der andersgläubigen Mehrheit waren, persönliche „Schuldige" als Opfer suchten. „Mit Blut und Tränen bezahlten die Juden die Folgen des kirchlichen Zinsverbots", sagen heute einige tolerante Christen. Entspricht dies auch nur oberflächlicher Geschichtsbetrachtung, so ist damit doch die Wahrheit formuliert, die noch von jedem, der überhaupt sehen will, begriffen werden kann. Hätte jenes Zinsverbot nämlich nicht bestanden, so wäre die mittelalterliche Oekonomie in ungefähr dieselben Krisenverhältnisse geraten, die Juden hätten auch jedes andere Manko in der Rechnung ut bezahlen gehabt, wie sie ja auch heute der Sündenbock sein müssen, obgleich den Christen das Zinsnehmen längst nicht mehr verboten ist. Die ganze Wahrheit liegt also viel tiefer, aber immerhin läßt sich das Verhältnis mit der Einsicht bezeichnen, daß es im Mittelalter ohne Zinsgeschäfte nicht mehr ging, daß die christliche Kirche deshalb die mit dem Zinsverbot nicht belasteten Juden einerseits in ihren wirtschaftlichen Dienst stellen, den jüdischen Leiher und Wechsler auf vielfache Art begünstigen mußte, und daß sie andererseits den Juden gelegentlich der ausgepowerten und wild gewordenen Dolksmafse als „Opferlamm" vorwarf. Dies einmal, wenn auch nur kurz, im Zusammenhang zu zeigen, sei Aufgabe der folgenden Zeilen, denn cs gibt sogar Juden genug, die hinter den antisemitischen Phrasen von einer besonderen Befähigung des Fuden zum „Wuchern" viel mehr suchen, als dahinter steckt. Zunächst muß gesagt werden, daß ursprünglich unter den Begriff „wuchern" nicht nur übermäßiges Zinsnehmen, sondern jedes Zinsnehmen überhaupt fiel. Die urchriftlichen Funktionäre hatten gemäß dem naiven Kommunismus, der die Wiege der neuen Lehre war, von dem gelebt, was ihnen die Brüder freiwillig gaben. Der Klerus der werdenden Kirche erstrebte neben immer größerem Landbesitz auch einen vollkommenen Unterhalt durch die Laien. Mit dem Kommunismus schwand die Opferwilligkeit, und was nicht freiwillig gegeben wurde, erzwang die Geistlichkeit, immer höhere Anforderungen stellend. Der Zehent, die Steuerform der alten Völker, die noch keine Geldwirtschaft kannten, war von Rom übernommen worden: als die Germanen seßhafte Bauern wurden, nahmen Könige, Fürsten und Adel den Zehnten an Früchten und Vieh, mit der Ausbreitung des Christentums entstanden die Klöster, die ihre Ländereien an die Bauern verpachteten und als Pachtpreis den Zehnten erhoben. Der Weltklerus erkämpfte sich gleich, falls einen Zehnten und bereits das Konzil zu Macon, 585>. bestätigte ihn als ein Recht der Kirche, indem es auf die in Momenten andächtiger Sammlung die daneben-' stehende Aebersetzung mit dem Artext vergliche. Interesiant, wie der Ehrwürdige Samson Rafael Hirsch, eine hervorragende Stütze der Orthodoxie, sich mit diesem Dilemma abfindet (vgl. Versuche über Iißroels Pflichten in der Zerstreuung, Frankfurt a. M., Kaufsmann, IV. Auflage 1909 S. 488 sf.). Er weist die Erlaubtheit von Konzessionen mit Gelehrsamkeit und Scharfsinn aus der „Lehre" nach und sagt: „Ansere Chachomim lassen daher sowohl allgemein als auch bei allen einzelnen Teilen des Gottesdienstes, selbst nachdem wir Aus ihren Händen Th'fillauß in hebräischer Sprache empfangen haben, nicht zweifelhaft, daß derjenige, der, dieser Sprache nicht kundig, sie in ihm verstündlicher Sprache ausdrückt . . . seine Aufgabe erfüllt." Aber ein wenig angst wird ihm doch dabei und er hält es (an anderer Stelle) nicht für ganz unbedenklich, den Gottesdienst allgemein in jedesmaliger Landessprache einzuführen. Die Frage ist ja uralt. Rach Eibogen (Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung, Leipzig, Gustav Fock, 1913 S. 187 ff.) wissen wir, daß Nehemia schon in Palästina die Zurückdrängung der hebräischen Sprache beklagte, „in der Diaspora wurde sie kaum noch verstanden, auch die Gebete wurden dort bisweilen in der Landessprache gesprochen". Aramäische, arabische, persische, spanische, portugiesische, italienische usw. Aebersetzungen hat es gegeben, die Aebertragung wichtiger Teile des Gottesdienstes in die Landessprache hat fast überall und zu jeder Zeit als berechtigt gegolten. Wir Liberalen aber halten uns ja nicht mehr sklavisch an Vorschriften alter Zeilen, wir suchen der ordnenden Vernunft die gebührende Stellung zu geben^ Run zitiert Goethe (Brief an A. O. Blumen-i t h a l, 28. Mai 1819) ein tiefes Wort des Koran: „Mir haben keinem Volk einen Propheten geschickt als in seiner eigenen Sprache." Die Propheten mußten einst hebräisch mit dem jüdischen Volke sprechen, der Prophetismus, des modernen Judentums Grundlage, braucht das nicht mehr. Er arbeitet an der sittlichen Er-- Ziehung heute lebender Völker, zu denen er täglich neu redet. Darum mutz er in ihrer eigenen Sprache zu ihnen sprechen und das ist nicht mehr die hebräische, nicht mehr die aramäische, das sind die modernen Welt-j sprachen, das ist für Deutschland einzig "und ausschließ-s lich die deutsche. Wer sich als Deutscher fühlt und wem, es dabei um sein religiöses Judesein so ernst ist, daßer es lebendig zu erhalten und zu vertiefen wünscht^ für den kann es nur einen Gottesdienst in deutsches Sprache geben. Man mißverstehe mich nicht! Ich weiß sehr wohl, daß genau wie jedes Meisterwerkes feinste Feinheiten, schönM, Schönheiten, tiefste Tiefen vielfach der Aebtzrsetzung unzugänglich sind, auch unsere Thora nicht restlos übersetzbar ist. Es mag wohl lohnend fein, um in Tiefen, Schönheiten, Feinheiten einzudringen, He- »zu treiben. Das aber ist Sache des Einzelnen, eeigneten, nicht Sache des Gottesdienstes, der Synagoge, die, wie ihr griechischer Name besagt, eine vielköpfige Gemeinde „zusammenführt". Aber wir erhalten jä noch heute pietätvoll aus versunkenen Kulturen, auf denen die unsere beruht, Elemente. So neben anderem die drei griechischen Säulen. Als solche Säulen sollen Sprachdenkmäler in unseren Gottesdienst hineinragen, ein Zeichen der Pietät und eine stolze Erinnerung an das Große, was die Kul-s tur unserer Ahnen zu der des Abendlandes beitragew durfte. So sind im Gebetbuch der jüdischen Reformgemeinde zu Berlin unter anderem hebräisch enthalten: Schmal), Keduschah, Hauptsätze des Kadisch, Schluß-; worte des Versöhnungstages Adonai hu haelohim. In mosaische Gesetzgebung hinwies. Die Laien leisteten scharfen. Widerstand, aber die Kirche beaab sich unter den Schutz der' weltlichen Macht und 779 versieh ihr Karl der Große das- Zehentrecht in aller Form und selbst des Kaisers Lehrer und. Freund Alcuin eiferte vergeblich zugunsten der mit Gewalt! unterworfenen Sachsen gegen die Bischöfe, die er ermahnte,', mehr Prediger als Räuber und Beutemacher zu fein. War! der Zehnte erst sicheres Recht, fv wurde er praktisch bald zum fünften Teil aller Erzeugnisse bis auf die Haare der vierfüßigen Tiere, denn er ward allmählich Handelsartikel und der Käufer der Zehntenrechte hatte das Bestreben, möglichst viel aufzuschlagen. Die Bedrückung des Volkes wurde derart . groß, daß die Kirchengesetzgebung schließlich den Verkauf der Zehntenrechte nur noch unter Klerikern gestattete, d. h. den wuchernden Laien ausschloß. Die geistlichen Zehnten sind erstdurch neuere politische Umwälzungen abgeschafft, die mittelalterlichen Bauern wurden davon in dem Maße tiefer bedrückt, als Handel und Geldwirtschaft Zunahmen. Gegen den aufkeimenden Kapitalismus wehrte sich die Kirche am meisten, er< brachte Schaden an ihrem Grundbesitz, als er aber siegte,! fand sie sich mit ihm ab, nahm Zins und „wucherte" nun auch formal, denn dem Wesen nach war ja der Zehnte schon' „Wucher" und in vielen Fällen sogar übermäßiger Wucher. Chrysostomus wollte schon jeden „Kausmann" aus der! Kirchengemeinde ausgeschlossen haben, verächtlicher noch waren ihm die „Zinsforderer": Augustinus, Ambrosius. Hieronymus verdammten alles als Wucher, was außer der geliehenen Sache an Gewinn zurückerhalten war, sei es Geld, Ware oder irgendein anderer Vorteil. Die canones der Apostel verlangten, die Kleriker sollten bei Strafe der Ausstoßung alle weltlichen! Geschäfte, den Kaushandel aber wie die Pest meiden. Die ersten Päpste. Synoden und Konzile drohten mit hohen Strafen.! aber Laien und Klerus wurden schon früh gut „kapitalistisch".! und in dem Maße, wie das Christentum in die römische! Gesellschaft hineinwuchs und auch zur Religion der Besitzenden, wurde, wodurch die Gemeinden ihren ursprünglichen kommunistischen Charakter verloren, blieb aller Kampf gegen den! Wucher wirkungslos. Die Kirche mußte schon froh sein, wenn sie ihre allzu hadaierigen Vertreter etwas beschränken konnte denn Laien wie Kleriker wußten, alle Zinsverbote auf vielfältige Art zu umgehen. Die Kirche hatte, als das Christentum Staatsreligion wurde, alles und jedes Zinsnehmcn verboten/ da ja überall die Naturalwirtschaft herrschte, die man für \ dauernd hielt. Der Handel war in den Stürmen der Völker- >

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