Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 19 (8.5.1925)
- Date
- 1925-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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5. Jahrgang Hummer 19 Beilage 8. Mai 1925 Aus den Gemeinden. Berlin. Der Deutschen Allgemeinen Heilung vom 29. April entnehmen wir folflenöe Betrachtung: Am 29. April iö25 erschien auf dem Rathaus zu Berlin ' Simon Kremser, um das Bürgerrecht zu gewinnen. 2m Protokoll erklärte er, „er wolle die' Entreprise eines Fuhrwerks von den hiesigen Toren und in der Stadt übernehmen". Als Geburtsort gab er Zültz in Oberschlesien an, sein Alter auf 56 Zehre. Er sei mosaischen Glaubens und der Sohn des in Zültz verstorbenen Kaufmanns Löbel Kremser. Am 9. Juni wurde kl in der Synagoge vereidigt und damit Bürger Berlins. Kremser ist für den Berliner Verkehr von großer Bedeutung geworden. Die Wagen, die in Berlin noch heute „Kremser" genannt werden, hatten gute Federn und waren mit einem Verdeck versehen. Das Unternehmen der mietbaren Wagen ging aber schon nach zwei Jahren ein. Kremsers Leben ist vielseitig und interessant gewesen. Er wurde am 15. November 1775 geboren und fungierte 1800 als „Kgl. preuß. Kriegscommisfarius" im persönlichen Dienste Blüchers. Von diesem mit dem Transport der Kricgskasse betraut, rettete Kremser diese auf einem schwierigen Rückzüge glücklich aus Feindeshand. Als Belohnung erhielt er dafür das' Eiserne Kreuz und den Orden pour-le-merire. Während der Befreiungskriege war er ständig an Blüchers Leite und wurde von ihm auch beauftragt, den Transport der Wtoria des Brandenburger Tores von Paris nach Berlin zu leiten. Nach den Kriegsjahren kaufte Kremser die dem General Park gehörige Herrschaft Lossen mit Linden, Iägerndort jimd Löwen und schloß hier eine zweite Ehe mit der Witwe des Barons Adlersthal. Nach wenigen Jahren verkaufte er seine Besitzung mit hohem Berlust, ging nach Berlin zurück und begann mit 5000 Mark, dem Reste seines Vermögens, in Berlin den Omnibusbetrieb. Die Konzession datiert vom Mai 1825 und lautet darauf, „ganz allein sogenannte Omnibusse am Brandenburger Tor nufzusteUcn." Der Unternehmer nanunsie „Kremserwagen." 1827 ging Kremser, da er viel an dem Unternehmen verhiren hatte, müiellv-.. nach Rußland. Auch dort war er wieder lim Transportwesen tätig, wurde russischer Major und als solcher eit 1849, als er nach Breslau zog, auch pensioniert. "Noch au?!deni Sterbebett bekam er zwei hohe russische Orden. Kremser Pst auf dem Barbarafriedhof in Breslau begraben. Berlin. Der Borstand der jüdischen Gemeinde z'u Berlin ittct uns um Aufnahme folgender Mitteilung: Wir beabsichtigen, sofort Kurse zur Ausbildung von Reigionslehrern und Religionslehrerinnen evtl, auch .Kantoren eiu- Ürichten. Die Dauer der Kurse wird voraussichtlich 4 Jahre betragen, lm Ende der Ausbildungszeit findet eine Abschlußprüfung tcitt. Borbedingung für die Aufnahme ist die Reise für Obersekunda der das Abschlußzeugnis einer voll nusgestalteten anerkannten "ittelschule. Allgemein verbindliche Fächer sind .hebräisch, biblische und Üdische Geschichte, Psychologie, Pädagogik, Methodik des Reftionsunterrichts. Deutsch und Geschichte. Diejenigen Schüler, die auch zu Borberern ausgebildet werden ollen, erhalten einen ausreichenden Unterricht in der Musik lind im Kamorat. Schülern» die hinreichend Zeit und Begabung besitzen, nameutich solchen, die am Unterricht in der Musik nicht teilnehmen. oll ein weitergehender Unterricht erteilt werden, der sie bciihigt, nach Absolvierung des Kursus die Abiturientenprüfung bzulegcn. Bedürftigen Schillern — auch von außerhalb — können usreichende' Stipendien in Aussicht gestellt werden. Schulgeld ird nicht erhoben. Lehrmittel werden unentgeltlich geliefert. Bei dem augenblicklich bestehenden Mangel an Religionschrcrn und Kultusbeamten ist zu erwarten, daß die Schüler ofort nach Ablegung der Abschlußprüfung Stellen erhalten. Meldungen nimmt der Leiter der bisherigen Lehrcrbildungsnstalt der Gemeinde, Herr Studiendirektor Dr. Gutmann, in keiner Sprechstunde (Sonntag 9—10, Montag bis Freitag 12y? lVi*) entgegen. Berlin. 2n den Kreisen der jüdischen Wohlfahrtspflegcrinuen nd Sozialbeamtinnen besteht seit langer Zeit der Wunsch, ich zu einer Bereinigung analog wie der Verband der evangelichcn und katholischen Wohlfahrtspflcgcrinnen zusammenzuchließen. Um einen solchen Verband zu konstituieren, finde: am Sonntag, den 10. Mai 1 9 25 eine Besprechung aller beruflich arbeitenden Sozialbeamtinnen. Fürsorgerinnen. Erzieherinnen usw. statt. Weitere Anmeldungen sind an die Geschäftsstelle Berlin E2, Rosenstr. 2/4, erbeten. Berlin. .Verein selbst. Handwerker jüd. Glaubens Berlin e. B. Am Donnerstag, den 14. Mai, findet im jüdischen Gemeindehaus, Rosenftraße 2/4, pünktlich 8 Uhr, eine Mitgliederversammlung statt, zu der um zahlreiches Erscheinen gebeten wird. Bremen. Der Oberkantor des israelitischen Tempels in Bremen und bekannte Komponist, Herr Josef Heller, beging dieser Tage das Jubiläum seiner vierzigjährigen Tätigkeit als Oberkantor. Heller wurde am 25. März 1864 in einem Städtchen des Komitats Szatmar geboren und erhielt feine erste Ausbildung an der kgl. Musikschule zu Debreczin. 1885 wurde er Oberkantor in Kavosvar, 1889 wurde er als Oberkantor nach Brünn berufen. Heller genießt nicht nur als Oberkantor einen über seinen Wirkungskreis hinaus gehenden Ruf, sondern er hat sich auch durch seine kompositorischen Schöpfungen aus dem Gebiete des Snnagogengcsanges einen großen Namen in der ganzen Weil erworben. Seine Hauptschöpfrmg ist das zweibändige Werk „KM T'hiiloh", weiches die Lithurgie des gesamten israelitischen Gottesdienstes umfaßt. Der erste Band wurde von dem nlnsikhiitorischen Institut der Wiener Universität für die „Denkmäler der Tonkunst" erworben. Dieses Werk wird auch in den Krciiett der nichtjüdischen Musiker sehr hoch geschätzt. In den im Jahre 1918 in Berlin erschienenen, vom 'Musikdirektor A. Friedn'.ann herausgegebencn Lebensbildern berühmter Kantoren wird festgestellt: „Hellers Kol T'hilloh" wird für die künftige Entwicklung des Synagogengesanges richtunggebend sein. Cassel. Der Israelitische Gemeindeverein, der es sich angelegen sein läßt, zu bedeutsamen Fragen des hiesigen Gemeindelebens Stellung zu nehmen, hatte feine Mitglieder zu einer Versammlung geladen, welche als einzigen Punkt der Tagesordnung „Die jüdische Volksschule in Cassel" aufwies. Aus dem nachträglich bekannt gewordenen Referat des als Redner bestimmten Rechtsanwalts Dalberg „Die jüdische Volksschule und ihre Förderung" ersah man erfreulicherweise, daß es den Einberufern um positive Mitarbeit zur Erhaltung und Ausgestaltung der jüdischen Volksschule zu tun war. Der Referent gab einen geschichtlichen Rückblick von der mehr als hundert Jahre alten öffentlichen israelitischen Schule Cassels, der ersten und ehrwürdigsten in .Hessen, die anfangs als selbständige Anstatt, später als Seminar-Uebungsschule bestanden hatte, bis sie im Jahre 1921 nach dem Votum der Gemeinde zur vierklnssigen jüdischen Volksschule der Casseler Gemeinde umgestaltet worden war. Die vierjährige Geschichte der Schule in ihrer letzten Fassung bietet dem Beurteiler ein wenig erfreuliches Bild. Mannigfache Gründe lokaler Natur, die hier nicht erörtert werden können, haben eine gedeihliche Entwicklung der Schule verhindert. Nicht zuletzt hat die Reduzierung der Lehrkräfte, anfangs waren es vier, heute sind es nur zwei im Hauptamt beschäftigte mit einigen Hilfskräften, neben der ausgesprochenen Antipathie gewisser Kreise gegen jüdische Schulen überhaupt einen Rückgang der Besuchszisfer veranlaßt. Eine kaum glaubliche Kurzsichtigkeit mancher Eltern, für die geistige Unzulänglichkeit ihrer Kinder die jüdischen Lehrer verantwortlich machen oder die „Bürgerschule" gegen die jüdische Schule 'ausspielen zu können, die geradezu lächerlich wirkende Nachahmung der Methoden derer, die sich in fremder Umgebung angeblich ivohler fühlen als im eigenen Lager, trotz der' in allen Volksschulen hinsichtlich des Schülermaterials bestehenden Gegensätze, haben außerdem mit dazu beigetragen, die schwachen Hoffnungen derer restlos zu zerstören, die eine günstige Fortentwicklung des Schulbetriebs erwartet hatten. Trotzdem wird die Schule heute noch von 70 Kindern besucht. Diese Zahl läßt die Eristenznotwendigkcit außer jedem Zweifel erscheinen. Die Tatsache aber, daß die Schule gleich den übrigen Bürgerschulen mit einem meistens nach vierjährigem Besuch stattfindenden Abgang einzelner Schüler zur höheren Schule zu rechnen hat, zwingt zur Erkenntnis, die bisher frommer Wunsch geblieben ist, daß man den unteren Klassen mehr Schülermaterial zuführen sollte. Einzelne Versuche verärgerter Eltern, die Leistungsfähigkeit der Schule zu diskreditieren, haben sich gerade durch die diesjährigen Erfahrungen als lächerlich und sinnlos erwiesen; sämtliche Schüler und Schülerinnen, die für höhere Lehranstalten angemeldet waren, sind von dem mündlichen Teil der Aufnahmeprüfung befreit gewesen. Mehr werden keine anderen hiesigen Bürgerschulen ausweisen, auch die anspruchsvollsten Eltern nicht verlangen können. . Der Referent betonte das Bedürfnis der Gemeinschaft und Solidarität und richtete an die Gemcindeältesten den Appell, die Anstellung eines dritten Lehrers baldigst zu bewirken, während die Eltern zur eifrigeren Mitarbeit, die der Förderung der Schule zu gelten habe, aufgcfvrdert wurden. In der Anssprache. an der sich neben dem als Versammlungsleiter fungierenden zweiten Vorsitzenden, Rechtsanwalt Dr. Oppenheim. Mitglieder des Borstandes, des Etternbeirntcs, des Lehrkörpers und andere Damen und Herren der Gemeinde beteiligten, fanden die vom Referenten auf die Schulförderung abzielenden Anregungen und Vorschläge einmütige und nachdrückliche Unterstützung. Von allen Rednern wurde nicht nur die Notwendigkeit der jüdischen Schule aus erzieherischen, kulturellen und sozialen Gründen anerkannt, sondern auch die Aufrüttelung der sondere Aufmerksamkeit zuwcndcu. Loemcnthal, geleiteten ihn in die Synagoge, während ihn der Kantor, Herr "Adolf Arische!. sehr stimmungsvoll mit dem Gesänge „Borurh habo' begrüßte. Hieraus nahm der Rabbiner leinen mit Blumen geschmückten Platz ein. Kanzel und Altar wiesen ebenfalls Pflanzenschmuck ans. Nach „Mismaur schir l'jaum ha schaboß" betrat Herr Kommerzienrat Locwcnstein den Altar und hielt an den Rabbiner eine herzliche Ansprache. Alsdann^. bestieg .Herr Dr. Neufeld die Kanzel und hielt seine Antrittspredigt, in der er gewissermaßen ein Programm seiner Tätigkeit entrollte. Mit dem Segensspruch „Schechesonu", mit dem er sich dafür bedankte, daß das Geschick ihn hierher geleitet hatte, begann er über die Aufgaben eines Rabbiners i> »»**t*, |vii» Nu:ijviniivu\ uu| <)üuatM’. im v>mu jui Literatur und Wissenschaft richten. Gerade darin sähe er ein Mittel zur Aktivierung des Gemeindelebens, und Vertiefung jüdischen Wissens. Die fast vollzählig versammelte Gemeinde folgte in weihevoller Stimmung seinen Ausführungen, die er mit „Ieworechecho' schloß. Hörde i. W. Eine erhebende Abschiedsseicr für unseren nach Berlin berufenen Herrn Prediger Rosenthal veranstaltete kürzlich die hiesige Synagogcngemeinde. Im Morgen-Gottesdienste, nach dem Einheben der Thora, hielt Herr Rosenthal seine Abschiedspredigt. Ausgehend von den hohen Gedanken, die das Passah-Fest in litis erweckt, zeichnete der Prediger in großen Zügen ein Bild von der Aufgabe Israels in der Gegenwart wart. All die hohen Ideen des Judentums, die er so oft vor der Gemeinde entwickelt, stellte er noch einmal vor die Seelen seiner Hörer. — Nach dem Gesang des „Gebets" von Hiller»; von Fräulein Julie Feldheim künstlerisch mit Orgelbegleitung vorgetrageu, gedachte der Prediger all seiner Mitarbeiter, der loten, wie der lebenden, und erteilte dann zum letzten Male seiner Gemeinde. den priesterlichen Segen. Danach bestieg Herr Dr. Zürndorfer die Kanzel, um im Aufträge des Vorstandes dem Seelsorger den Dank der Gemeinde in tief empfundenen Worten zum Ausdruck zu bringen für alles, was er in lljähriger Wirksamkeit im Gottesdienst, in Schule und Haus für die Härder Gemeinde geleistet. Er schloß mit dem Wunsche, daß Herr! Prediger Rosenthal an der Stätte seiner künftigen Wirksam-! keit die Befriedigung finden möge, die das ihm so ehrenvoll! übertragene Amt erfordere. — Hieraus fand die Begrüßung des> neuen Predigers, Herrn Stern, statt, der in seiner Predigt eine! Schilderung seiner künftigen Wirksamkeit gab und das Gelöbnis ablegte, sein Amt im Geiste der Versöhnung zu führen. —\ Die Gemeinde hatte sich zu der Doppelseier recht zahlreich eingefunden und lauschte voll Andacht den Worten der Redner. Kattowitz. Die israelitische Gemeinde Kattowitz hat den Rabbiner Dr. Lewin Iecheskel angestclll. Dadurch erhalten auch die jüdischen Schüler höherer Lehranstalten polnischen Religionsunterricht. Dr. Lewin studierte in Krakau, diente im polnischen Heer als Rabbiner im Boischewistenkrieg und betätigte sich im polnischen Plebiszit in Oberschlesien. bewä@rle Stoffe, gute Verarbeitung, tadelloser Silz sind, die Vor&üge unserer Kleiduna ■nniiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiBiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiitiiiniir ßemn-Wster Cheviot, mit dezent, Lieberitaro TTv7 Öemn-Illsiera^ttfijoo modern gemustert . ... M. %ßeflt 6emn-‘ülshr™'£!,°a Koo land, 2 reih., mit Rückengurt M. ßetr.-Wster 44 sloo Whipcordpehr strapazierfäh. Qm.-Qllstev mode. farbiger Gabardine, prima 4 /BOO Qualität.M.J, Covercoat-(Paletots Sportform, mit aufgesetzten Taschen. . 11S.-, 10O~., 7 7.-.VVJ 0err.-9aletols SSSf. r&oo rengo, Cheviot . . 65.-. 63* AlaueSakhoAnzüge wollene Qualitäten in modern. ein-uuzweireifuForm. 14. 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