Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 16 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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n)iei>cr gewählt, desgleichen zn Gemcinderäten die .Herren O. Osirr, Neben,fahl und Karl Kntz. Neu gewählt wurde Herr Franz Joseph. LeShaft wurde für Abschaffung der Generalversammlung •fscictrcicu. Die jetzige Form der Llcuereinschätzung und Erhebung ward nach den bisher vorliegenden Angaben der Vorzug gegenüber einer prozentualen Erhebung von der Einkommensteuer durch das Finanzamt mit diesergegeben. Aus Antrag erklärt sich die Gemeinde bereit, bei Kauf des geplanten Altersheimes — eine Anregung der jüdischen 7vrauenorganisativn Bremens — als Käufer aufzutreten und die Perumltung des Hauses zu übernehmen. Ein Antrag, den bremischen Staat zur Erhaltung der Neligionsschulen mit hcranzuziehen auf Grund der Reichsverjaiinng, wurde zurückgestellt bis zur Veröffentlichung der in Frage' kommenden Ausführungsbestimmungen. Ein schon häufig lebhaft diskutierter Antrag, den Frauen das Wahlrecht zu gewähren, ward vertagt, desgleichen ein Antrag, die Lteuerliste in Zukunft öffentlich auszutegen. obgleich sich über diele Frage ein lebhaftes Für und Wider entwickelte. Dein Keren Hajeffod, der neutralen Zugendvereinigung. dem Reichs'vund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Bremen» wurde finanzielle Unterstützung auf Antrag gewährt. Breslau. Nach Redaktionsfchluß erhalten wir Kenntnis vom Ableben des langjährigen Vorsitzenden der Breslauer Gemeinde, Eduard Lachs. Wir werden des Verstorbenen, der ein treuer Förderer unserer Bestrebungen bis zu seinem Lebensende war. in unserer nächsten Nummer gedenken. Breslau. Zn der Sitzung der Repräsentanienversammlung gelangten eine Reihe von Anträgen zur Annahme, u. a. ein Dringlichkeitsantrag des Gemeindenorstandes, der besagt: an Kultüsiteuern für das Haushaltsjahr 1925/20 werden 12t j, Prozent erhoben (gegen (> Prozent im Vorjahr): <t) bei den nicht steuerpflichtigen vorauszahlenden Lohn- und Gehaltsempfängern zu den von dem Relchsfinanzminifter zu diesem Zwecke festgesetzten Einkommensteuer-Pauschalbeträgen, b) bei den übrigen rorauszahlenden Lteuerpflichiigen zu den in der Zeit vom l. April!925 bis 31.' März 1926 fällig werdenden Einkommenstcuer-Voranszahlungen. Cassel. Alle 28 Jahre vollendet die Lonne ihren Kreislauf. Diesen Zeitraum, den wir auf dem Titelblatt des jüdischen Kalenders als Machsor godnne lachamah bezeichnet finden, leitet eine religiöse Feier ein, die als Kiduich hachamvh den Bojuchern der Lunagogc in der Rofenstratze am Rüsttage des Pafjahfeftes möglich wurde. Landrabbiner Dr. Walter hielt nach dein Morgengottesdienst eine Ansprache und erläuterte den religiösen Brauch, der dann in besonderer Weise Erwähnung findet, wenn die Frühlingssonnenwende im Sternbild des Latnrns auf die Nacht des dritten, den Vorabend zum vierten Wochentage fällt. Danzig. Der Rendant der Lnnagogengemelnde zu Danzig, Adolf Lern). feierte am 1. April fein 25jähriges Dienftjubilämn. Rach 20jähriger Tätigkeit bei der früher hier bestandenen Kolonialwaren-Engrosfirma 5)ermann Lövinfohn trat Herr Levq am 1. April 1900 als Rendant in den Dienst der Lhnagogengemcinde. Er ist nach Bereinigung der ehemaligen fünf Gemeinden zu der gegenwärtigen LlMigvgengcmeinde der erste Beamte, der bei der Gemeinde eine 25jährige Dienstzeit zurückgclegt hat. Dresden. Am 5. d. M. verschied plötzlich infolge eines Herzschlages Herr Komm.-Rat Max Elb. Dresden, im 73. Lebensjahre. Ein großer Teil seines vielbeschäftigten und reichen Lebens war seinen jüdischen Interessen gewidmet, denen er bis in seine letzten Tage treu blieb. Als langjähriger erster und alsdann Ehrenvorstand der jüd. Gemeinde Dresden leitete er deren Geschicke, als Vorbild eines liberalen Gemeindevorstandes, der es verstand, den religiösen Bedürfnissen der deutsch und liberal gesinnten überwiegenden Mehrheit Dresdens Rechnung zu tragen, ohne es an Toleranz anderen Richtungen gegenüber fehlen zu lassen. Bielen Ehrenämtern in Wohltättgk"itsöereinen und im Centralverein widmete der von industriellen Unternehmungen schon so viel in Anspruch Genommene seine Arbeitskraft, und auch unserer Bewegung galt stets sein ungeteiltes Interesse. Frankfurt a. M. Das Reformrealgymnasium „Philanthropin" in Frankfurt a. M.. das seinem 125jährigen Jubiläum entgegengeht, befindet sich in weiterem Ausbau. Eine neue Obersekunda wird Ostern 1925 eröffnet. Auch der Teil des Schulwerks, welcher der Ausbildung der weiblichen Zugend dient. Lyzeum und daran anknüpfend Frauenschnle und Frauenfchulyeiin, werden weiter entwickelt. Der öffentliche Charakter des Philanthropins gewährleistet eine Anerkennung des Abiturientenzeugnisses von Seiten der Regierungen sämtlicher deutschen Länder und der mit Deutschland im Austausch der Zeugnisse stehenden ausländischen Regierungen. Prag. Die jüdische Fürsorgezentrale in der Tschechoslowaklschen Republik mit dem Sitze in Prag V.. Maiselova 18, hat sich außer anderen Zielen die Einschränkung des Wanderbettels in jüdischen Kreisen zum Ziel gesetzt und führt diese Aufgabe mit Erfolg seit einigen Jahren durch. Sie organisiert die ganze jüdisch-soziale Fürsorge in der Tschechoslowakischen Republik. Sie besitzt die Evidenz über die jüdischen Humanitären Vereine und sozialen Institutionen, sie strebt dahin, daß sich diese Vereine uno Institutionen in ihrer Arbeit ergänzen und zu großen Aktionen konzentrieren, zu denen keine von ihnen allein reichen würde. Die Fürsorgezentrale linderte die Not der jüdischen Emigranten, die auf der Durchreise nach Amerika in Massen die Republik durchquerten, sie linderte dre Not der Flüchtlinge, die auf dem Boden der Republik vor den Unbilden ihres Heimatlandes Zuflucht suchten, sie ermöglichte vielen Hunderten von Hochschülern die Beendigung ihrer Studien an den hiesigen Universitäten und führte die tilfsaktion für die Waisen nach den Opfern der Pogrome, des ungers und der Epidemien in der Ukraine durch, sie half den notleidenden jüd. Institutionen, insbesondere den jüdischen Badchospitälern. Um auch helfend und notlindernd eingreifen zu können, wo es der Augenblick erfordert, so z. D. in Karpatyornßland, wo Tausende von verwaisten jüdischen Kindern dem junger in unbeschreiblichem Ausmaße preisgegeben sind, bedarf dte jüdische Fürsorgezcntraie der moralischen und materiellen Unterstützung der gesamten Iudenschaft der Republik. Die jüdische Ooffentiichkeit soll nicht weiter blinde Wohltaten üben und jeden wahllos unterstützen, der Almosen verlangt, sondern jeder -"lde soll seine Mitgliedschaft zur jüdischen Fürsorgezentrale Minelden, Mindestbctrag 2» Kc. und es ihr überlassen, die Würdigkeit und Dürftigkeit der Hilfesuchenden zu prüfen, überall die Wurzeln des Uebels zu beseitigen und der Not und dem Elend durch rechtzeitige, verständige und gerechte soziale Fürsorge zu steuern. Rattbor. An der jüdischen Volksschule sollen 3 Wochenstundcn für Handfertigkeitsunterricht eingelegt werden. _ Usingen. Ein unverhofftes Wiedersehen mit einem seit 5 Jahren vermißten Angehörigen war der im nahen Kransberg wohnenden Familie Goldfchmidt vergönnt. Damals war der w ben zwanziger Jahren stehende Hugo G. in die französische -.Fremdenlegion verschleppt worden, ohne seiner Familie Nachucht geben zu können. Unerwartet ist cr vor wenigen Tagen >u die Heimat zurückgekehrt. Oie Stelle deleitenden Arztes der inneren Abteilung in unserem »rankem,aus ist zum l. Ottob r 1925 neu zu besehen. Bewerbungen mu Lebenslauf und Zeugnisabschriften, sowie alle Anfragen sind an SJ[ten ^Emetnd.büro, ^ahrgassa dis längsten- 20. Mai 1925 zu Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt a. M. Aus oer Bewegung. Berlin. Die Bezirksgruppe der Südwestlicken Vororte Friedenau, Steglist. Lüdende, Lichlerfelde. Zehlendorf und Dahlem lud am ü. April, abends 8 Uchr, im Restaurant „Rheingau", Friedenau. zn einer Versammlung ein. die auch von Freunden und Anhängern der jüdisch-liberalen Sache befuckt war. Der Vorsitzende der Bezirksgruppe. Herr Schriftsteller Carl Beer, bearüßke die Anwesenden, besonders Herrn Dr. Lippschltz vom Hauplvorfkanö, die Referenten des Abends, die Herren Seminar» lehrer Falkenberg und Lehrer Rosenblatt, sowie einen alten Mitbürger unseres Bezirkes, den 82jährigen Herrn Pick, und dankte in herzlichen Worten für deren Erscheinen, lieber die Vorbedingungen und den Werdegang, die zur Gründung der Bezirksaruppe führten, gab Herr Beer zunächst Aufschluß. Es sei den Bsmühungen des Herrn Lehrer Sauber zu verdanken, daß ein längst gehegter Wunsch liberal Denkender und Fühlender zu einem Entschluß kam und damit zur Gründung der Bezirksgruppe. Die letzten Landesvrrbandswaklen hätten aber auch im hiesigen Bezirk bewiesen, daß wir ein Recht dazu besäßen, hier festen Fuß zu fassen, denn der liberale Einschlag habe eine überwältigende Mehrheit ergeben, im Gegensatz zu oen anderen religiösen und völkischen Richtungen. Herr Dr. Lipschlh brachte sodann die Grüße und Wünsche vom Hauptvorstand zum Ausdruck und erläuterte zahlenmäßig die Entwicklung der liberalen Vereinigung, wobei er auf die Mitarbeit der Damen im besonderen und auf die Repräsentantenwahleii zu Ende des Jahres im allgemeinen hinwies. Der Vorsitzende dankte dem Vorredner und betonte, daß es nicht in der Absicht der Bczirksgruppe läge, eine Kampforganisation zu bilden, vielmehr der liberalen Idee zu ihrem Rechte zu verhelfen, besonders aber die Jugendbewegung für diescn Gedanken zu interessieren und sie unter die schützenden Fittiche der Bezirksgruppe zu bringen. Es kamen nun die Referenten des Abends zu Worte. Herr Eeminarlehrer Falkenbcrg sprach über den Begriff des Liberalismus innerhalb und außerhalb der Religion. Ein Irrtum, der sich als sehr verhängnisvoll gezeigt habe, sei die falsche Auslegung über den Liberalismus. nämlich die „Verneinung", die immer nur Negatives versteht, wenn sie es wagt, an Althergebrachtem zu rütteln, während doch der Liberalismus den Ausbau »ach allem Gesetz fördert und bejaht. Vergleiche mit der Orthodoxie, die uns die Pflicht nimmt, selbst zu denken und zu fühlen, dir Romantik und der Nationalismus. der sich im Zionismus bekundet, di-r Mystik in der Glaubenslehre. die nach Dr. Martin Bnbsr jetzt schon die Jugend beeinflußt und zum Chassidismus führt, und letzten Endes Gegen- Überstellungen zur christlichen Glaubenslehre fvon der Auffassung Luthers und Paulus', die die Orthodoxie als Sakrament betrachten), fesselten die dankbaren Zuhörer bis zum Schluß der geistvollen Ausführungen. Herr Lehrer Rosendlalt, her zweite Referent behandelte das politische Thema mit her Frage: „Wie ist die liberale Bewegung der heutigen Tage entstanden?" Das Judentum habe die "„goldene Freiheit", vom Ghetto angefangen, nicht verstanden, weil sie die Form des Judentums über den Inhalt stellte. Die moderne Umwälzung auf religiösem Gebl-et habe erst der Liberalismus gebracht, aber nicht im falsch verstandenen Sinne unserer Gegner, die in unseren Bestrebung-rn eine Gefahr wittern. Programmatisch seien die Forderungen der Liberalen festgelegt, nämlich auf religlLsem Gebiet und auf dem Gebiet des Bildungswesens, ferner auf sozialem Gebiet und auf dem Gebiet der Verwaltung, unter Betonung dessen, daß unsere „Jüdische Gemeinde" eine durchaus religiöse und keine Volksgemieinde sei. Der Kampf gelte nicht nur den Gleichgültigen in unseren Reihen; wir dürfen -es auch nicht dazu kommen lassen, uns von Minderheiten, gleichviel, von welcher Seite, bevormundert oder terroristieren zu lassen. Wir sind stark genug, um sie aus dem Felde zu schlägenj wenn wir. wt« bei den letzten Wahlen, so auch zu den bevorstehenden Reprälsentantenwahlen geschloffen Vorgehen und dem Liberalismus zum Siege verhelfen. Die Ausführungen des Herrn Lehrers Rosenblatt fanden Zustimmung und Beifall. Ein Antrag des Zahnarztes Herrn Dr. Neuba.nr, Friedenau, wonach der Vorstand als endgültig gewählt zu betrachten sei, wurde einstimmig angenommen. Hinzugeroählt wurde Herr Julius Kulnewsky aus Lichterfelde als Beisitzer. Eine Anzahl Herren und Damen wurden als Mitglieder ausgenommen. Der Bericht über die Gründungsversammluna vom 16. März 1625, vorgelösen von dem Schrifbsührer Herrn Heinrich BlumenHat, wurde genehmigt. Eine sehr ausgiebige Diskussion wirkte anregend und hielt die Versammelten bis zum Schluß der Sitzung beisammen. Frankfurt a. M. Die jüdische Iugendgemeinschaft beging das Peffachsest mit einem von Herrn Rabbiner Dr. Salzberger gegebenen Sederabend, welcher eine lebhafte Beteiligung der religiös empfindenden und festlich gestimmten Jugend aufwics. Wenn dieselbe auch nicht wie die Weisen von Bene Berak bis zum Morgengrauen versammelt biieb, so mar es doch nach Mitternacht, als die letzten Lieder der Haqadah erklangen. Auch diese Veranstaltung, ebenso wie die Ausflüge und Arbeitsgemeinschaften. die sich lebhafter Teilnahme erfreuen, zeigt die erfolgreiche Tätigkeit der neuen Vereinigung. Gelfenkirchen. Am 6. April veranstaltete die Ortsgruppe Gelsenkirchen der Vereinigung für das liberale Judentum den ersten geselligen Abend, der einen überaus harmonischen Verlauf nahm. Der 1. Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Katz, hielt einen Vortrag über „Die Poesie des Sabbats und der Savbat in der Poesie." Die Zuhörer lauschten den poesievotten Ausführungen des Redners mit großem Interesse, und namentlich die Schilderung des Freitagabend mit seinen religiösen Gebräuchen löste bei den Anwesenden eine weihevolle Stimmung aus. Besonders umrahmt wurde der Vortrag durch die künstlerisch wiedergegebenen Sabbatgesänge durch Herrn Kantor Bändel: lecho daudi in 3 verschiedenen Melodien, Weschomru und Adonoi moloch, sowie die Rezitation verschiedener Sabbatgedichte von Jakob Löivenberg und Herrn tzauptlehrer Katz, vorgetragen von Fräulein Anni Bnchthal. Außerdem erfreute Fräulein Amalie Löwenstein die Zuhörer durch fein ausgeniählte weltliche Lieder. Mannheim. Die hiesige lib.-jlld. Bereinigung hielt am 30. v. Mts. einen Vortragsabend ab mit dem Thema „Lehren und Lernen in Israel." Referent war Herr S. Lievermensch. Lehrer in Mannheim. Er führte ungefähr aus: Seit ältester Zeit hat man in Israel auf religiöse Unterweisung das größte Gewicht gelegt, weil hierin die besten Geister den Pulsfchlag jüdischen Seins gefühlt haben. Man nie der Anschauurw: Lernen führe auch zur Betätigung eiste der Lehre. Diese einzigartige Hingabe eines ganzen Volkes an das Studium Zeiner Lehre ist zu begründen durch das Wesen der führenden Persönlichkeiten des Volkes, insbesondere der Propheten und großen Lehrer, die mit glutvoller Beredtsamkeit das Volk zum Studium der Lehre hmführten, weiter durch den zum Enthusiasmus gesteigerten Glauben an die Unübertrefflichkeit der Lehre, endlich durch den universalen Charakter der Lehre selbst, die nicht nur religiös-moralischen Stoff, sondern auch das Zivil- und Strafrecht umfaßte. Ein Lehrstoff von solchem Umfang erforderte eine gewaltige Intensität der Vertiefung. Nicht aus Ueberheblichkeit oder Gelehrtendünkel hat man die Anschauung vertreten, daß der im Gesetz Unbewanderte Kein vollkommen Frommer sein könne. Die Seligpreisung der Armen im Geiste konnte nie auf dem Boden jüdischer ^Gedankenwelt erwachsen. Redner schloß mit der Aufforderung: Gedenket der Lehre meines Dieners Mose. An der Diskussion beteiligten sich die Herren Engelbert, Hauptlehrer Stiefel und Pr. ApvÄ. Die interessanten in schöner Sprgche vorgHogeneK Ausführungen hätten. eine größere Zu- Hörerschaft örrment. BÜCHERSCHAU. Au* Jüdischer Seele. Von Siegfried Gelles. Verlag 8. Rosenberg, M.-G!adbach. 43 Seiten. „Lall mich in fernes Land dich führen, ins Jugcndrcich der Religion. Ich zeige seine Straßen dir und seine Städte, seine Berge, seine Tiiier. Seiner Sterne Sprache sollst du hören, den Stimmen seiner Grüfte lauschen. Der tote Stein beginnt zu sprechen, und die Wasser wollen nicht schweigen. Und alle, alle stimmen an ein Lied, ein Jubcliicd vom höheren Menschen.“ Dieses Vorwort zeigt die ganze Eigenart des Büchleins. In Nietzsche nachgeahmtem Prophctenstil, in epigrammatisch zugespitzten Aphorismen, in farbigen, oft zu grellen Bildern ziehen uralte biblische Gestalten und Szenen an uns vorüber. Alte Krüge mit neuem Wein gefüllt. Ein Gottsucher wandelt auf den Siraßcn der Vorzeit, im Heiligen Lande, um tote Symbole lebendig zu erschauen. Viel Sturm und Drang, viel Uebcrladencs stört den reinen Genuß. Aber vieles ist wehrhaft schön und ergreifend, vor allem das Kabinettstück „Morija“. -Stilistisch anfechtbar sind mehrere Partizipialsätze, wie Seite 25 „Aufblickend nur zu einem Himmel der Vernichtung, kam vom Himmel Verderben auf mich“. Gehaltener und gedämpfter im Ton wäre das Büchlein ein noch reinerer Genuß. Fülle erdrückt und Schall betäubt. Aber ungeachtet dieser Ausstellungen ist diese:., auch vom Verlag schön ausgestattctc Büchlein als das Werk eines auf neuen Bahnen Wandelnden, dichterisch Begabten, nach »»erschlossenen religiösen Quellen Dürstenden freudig und dankbar zu begrüßen. Rabbiner Dr. S e l i g m a n n , Frankfurt a. M. Jakob Loewenberg, Kämpfen und Bauen. Der Gedichte „Aus jüdischer Seele , vierte vermehrte Auflage. Verlag von M. Glofau jr., Hamburg 1925. Auf feinem, holzfreiem Papier in schönem Leinenband. 107 Seiten; Preis 3,53 M. Loewenbergs Gedichte sind unter dem Titel ..Kämpfen und Bauen" erschienen, früher „Aus jüdischer Seele“ benannt. Die Sammlung ist vermehrt und hat wohlverdient die vierte Auflage erlebt. Es wäre nicht;n hoch verstiegen, wollten wir vorliegenden Gedichten den klassischen Namen „Lait-r und Schwert" geben. Die Lyra Loewenbergs klingt harmonisch schön, so wundersam möli, durch/ittert von einer wehmütigen Resignation und doch nicht dem tatenlosen und schwärmerischen " Drang eines falschen Golusschlcknals ergeben. Im Gegenteil! Der Dichter zückt das Schwert gegen Vorurteil und Verleumdung seitens unserer verblendeten Hasser und zeigt in vornehmer Kampfesart, wie Judentum und Deutschtum sich innig ergänzen. Als Motto zu Loewenbergs Gedichten möchte ich seine eignen Trochäen zitieren: „Stets noch harr’ ich des Messias, der den Drachen niederringt, der uns Zwist und Zweifel tilget und der Welt Erlösung bringt. Kommen wird er! Einmal endlich schwinden muß der Menschenqual, einmal alle licht umscheinen reiner Liebe Himmelsstrahl.“ Rabbiner Dr. Arthur Rosenthal, Berlin-Liclitenberg. «s» -■ Versammlungskalen-er. r ♦ r r Berlin. fIüdisch-liberaler Iugendverein). Am Donnerstag, den 23. April, in oer Fasanen-Str. 79/80 abends 8 Uhr pünkt- . lief) GeneralverfqmtMya. lGeschäftsbericht über das abgelaufenej Jahr, -leuwahk de»-Borstänoes u. «.) Danach um Vz9 Uhr! Dortrag von Herrn Prof. Iofua Friedländer „Psalm 51". - Breslau. (Jüdisch-liberaler Iugendverein „Abraham Geiger")^ Dm Dienstag, den 21. April, abends 8L't Uhr findet im Ber-j einszimmer des Konzerthauses ein Diskussionsabend unter Leitung des Herrn Egon Dickmann statt. Geschäftliche Mitteilungen. „Das Ta-e-gesprSch der eleganten Dell" Ist der ln diesen Tagen von der pel,« und- Modestrma ll.St Herpich Göh«», Beelin 50366, Leipziger Gtrafia 9/11, herau«gebrach«n reich illustrierte Arüyiahrs-Natalo-. UnmSgiich ist «4, auch nuc eine tun« Auswahl all dessen zu besprechen, was uns da an eleganten wie auch einfache en Belieidunasstücken für Damen und Herren dargeboten! wird, nicht Stile f auch darum, weil jedes Stück von Herpich feine besondere Note hat' und für sich erwähnenswert wäre. Mit prunkvollen VelMänt-ln,pelsumnahmen,pels«Kolliers, SchalsMuffen. Krawatten« fängt e an. Danach ^rühjahrsmoden — Kostüme, Komplet«, Mäntel, Kleider, Blusen — nach allerneusten Modellen, fast ausnahmslos eigener Schöpfung neben ge »mackvollen Sesellschasts-Lotietten In imübenroffen reichbaliiger Auswahl. Die kürzlich staitgefundene, tenplelslos besucht Modenschau h^t greeigi, welch begeistert« Zustimmung den Srzeug« ntssen dieses Hauses von der eleqanten Meli entg gengebracht wird. Auch Hüte in bekannt entzückende' neuartigen Formen und Farben, Handschuhe und Strümpfe, siiv in dem^ Katalog vertreten, neben all den modische« Kleieigkeiten, die zur Ausstattung der Dame von Del! gehören, reizvollen Täschchen, rPartei Schirmen, Fächern usw. Sodann find a:if den Seiten A-24 in ausführlicher Darstellung, Sportkleidung für Damen und Herren, be-ond-rs auch Automobstsport« und Ledertteidung, Jagd« und Nelssoortklelduna, Sportgeräte und Ausrüstungen für jede nur denkbare Sportart, reich illustriere vertreten. Ein unentbehrlicher Ratgeber für jeden, der sich sportlich unterrichten ober ausstatten will Fm Anschluß daran wird fertige He re ne kleidung und beionders wieder die Kesellschoftektridung des Herrn zur Scha>» gestellt,- von dem seidenem Oberhemd angefanqen bis zum Smoking- und Frackanzug nach neuestem Schnitt neben paieto-s und Alstern, Geh«, Sport- und Autopelzen. Den Beschluß machen die bei Hervich in kaum anderswo so relchdaltlger Auswablt anzutreffenden T pptche, orientalischen und den scheu Ursprungs, antik- Gobelins, Kelims,! Orientkudst und Stickereien, alte Elfenbeinschnitzereien — in einer Fülle und Farbenchönheit, die geradezu blenden muß. «251. preuß.-^taats-Lvtterie^ |j Hauptgewinn ev.: J| 82 Millionen Mark 8 8 1 Million Mark 8!2nr« tioooooo s HO ü2 8 500001 Gewinne ,«.»«.1000000;! 2” »„.600000! 821ÜI«.4000008 llOSSil0000008 300000 il4%.700000S I Ziehung 17. nn? 18. AprU 1925 jj I V» '/. V» Vi 1 Doppeilos j! II 3,— 6#— i2r- 24r- 48^— M. pro Kl. II Offerten und versendet [J Staatlicher Lotterie-Einnehmer II Fetlctuenf eld I Berlin SW 19, Kommandantenstraße 69 « F«aspr.:0SniioN8897. -PvstfchvMurkoBerltaSIIN|S «tzchvnttVK» gwettt «, flnmft imti}