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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-04-17 · 16 (17.4.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
16 (17.4.1925)
Date
1925-04-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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auf Erden erreicht werden. Di-r Erkenntnis seiner Unerreichbarkeit könne ober den Menschen nicht in Verzweiflung Kürzen, weil chm di« Religion die Gewißheit gebe, daß sein ehrliches Streben in den Augen Gottes Gnade finde. Der Redner setzte sich warm auch für die Schaffung des Wlrbschaftsfriedens ein. Nicht das Leben sei der Güter höchstes, sondern das Lebenswerk des Menschen. Die Würde des Menschen müsse sich auf.'-rhnen gegen alle Bestrebungen, die statt deS wahren Friedens einen Scheinfrieden wollen. Als letzter Redner ergriff Dr. Dahlke vom buddhistischen Hause in Frohnau das Wort und bezeicknet-r den Buddhismus als die Friedensre-ligion schlechthin. Selbst einen Glaubenskrieg habe es in der Geschichte des Buddhismus nicht gegeben. Der Buddhismus sei aber kein antiker Vorläufer des Pazifismus, denn der Buddln habe nie vor einer Menge für den Wusrird'N geeifert, sondern sich immer nur an den einzelnen gewendet. Die friedfertige Gesinnung des einzelnen sei auch die Grundlage des Weltfriedens. Solle der Friede mehr sein wie ein bloßer Begriff» so müsse er ein Erlebnis des einzelnen werden. Zu diesem Erlebnis suche der Buddhismus den einzelnen und damit eine Menschheit zu erziehen, die Kriege nicht mehr führt, weil sie auf Grund einer höheren Menschlichkeit nicht mehr dazu fähig sei, da der einzelne Mensch zur Einsicht der Seldstverantwortlichkett gekommen sei, die den Menschen vom Tier unterscheide. Rach tiefempfundenen Worten des Leiters der Versammlung, die von den Anwesenden mit stürmischem Beifall ausgenommen wurden, endigte die schöne Veranstaltung. Zionismus und messianifches Mysterium. (Zionistische Vereinigung, Berlin, am 8. April, Feier zur Eröffnung der Universität in Jerusalem. 1. Es steht ein Satz eingeschrieben in unserer Seele: „And von Zion geht aus die Lehre und das Wort Gottes von Jerusalem." Und so lieben wir Zion als Bild des ewigen Tempels, als heiliges Haus aller Gebete der Menschheit. Und wisien wohl, daß Ewiges nicht in der Zeit und Heiliges nicht im Raum der Erde, sondern allein in den Wünschen und Träumen der Gemüter lebt. Doch wie wir, selbst aus Raum und Zeit geboren, vor allem den Sinnen gehören, so lockt uns wieder und wieder die sinnliche Welt und am meisten das Unmögliche: der Tempel aus Stein und Holz! Man hat in Zion ein Lehrhaus gebaut und eine Lockung errichtet: an ein Haus zu glauben, statt der Idee zu leb'en. 2. Vor dieser Lockung fürchtete ich mich beinah, als ich zur Feier der .Zionistischen Vereinigung" ging. Diese Furcht war unbegründet. Man sprach von der neuen Universität in Jerusalem. Aber das Pathos der Worte war leer, und nirgendwo in allen diesen Begrüßungsreden war auch nur der Schimmer einer lockenden Begeisterung. Dr. Alfred Klee brachte die Glückwünsche der Jüdischen Gemeinde Berlin. Es folgten Dr. Sol-weycnk (her b^iscb" sprach), Dr. Torczyner für die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Dr. Paul Hirsch für das Kartell jüdischer Verbindungen. Zum Schluß sprach der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung. Dann nahm nach einer kurzen Pause Martin Bub er das Wort zu seinem Vonrag uiier aas mesfianifche Mysterium". Und hier war allerdings eine Fülle feiner und schöner Gedanken. Doch es ist sonderbar, daß gerade er, der begeisterte Zionist, in sich selbst die Fruchtbarn-rit der Verbindung jüdischer Mentalität und deutschen Wesens überaus deutlich zeigte: in der Physiognomie feiner Erscheinung, in der Struktur seines Philosophierens selbst. Er hat das strenge, harte und schöne Pathos, bas beinahe n o r b. deutsch ist. Und er hat die weiche, gütige Milde der Stimme, wenn er vom Leiden spricht, bas brr geknechtete Jude des Ghetto immer vielleicht am besten verstand. Er hat die Mystik des Deutschen Und das rationale. Sinnieren des Talmudjuden. Er hat aber vor allem auch öle Naivität des deutschen Professors, der einer im Grunde oolttisch-rn Versammlung eine Stunde lang eine Philosophie vorzulesen unternimmt. Ich würde wünschen, daß der Vortrag Bubers bald im Druck erschernt. Es war — und das auch dem ..Unpolitischen". der gern hören wollte — auf die Dauer unmöglich, dem Gedankengang ganz zu folgen. Und auf weile Strecken setzte die in jedem Moment geforderte Aufmerksamkeit gänzlich aus. So ist es auch mir nur möglich, allein einige Gedanken kurz zu referieren. 3. Es ist die Rede von den auf den Messias bezüglichen Stellen des 58. Kapitels des Buches Jesajas. Diese Stellen vom „amen Knecht Gottes" sind von christlicher Seile auf Jesus Christus gedeutet worden, und dag e g e n von jüdischer Seite als bezüglich auf das „Volk Israel". Diese Deutung stützt sich auf den Umstand, daß auch an anderen Stetten des Jesajas vom „Knecht Gottes" als von Israel die Rede ist. Aber sie übersieht den grundlegenden Unterschied zwischen diesen verschiedenen Stellen. In dem in Rede stehenden Kapitel ist der Begriff des Gottes- Knecht ohne Zweifel nicht kollektiv, sondern individual, auf eine Person bezüglich gemeint. So hat man denn auch auf verschiedenste historische Persönlichkeiten hingewiesen. Aber mit Unrecht. Denn ln der uns bekannten Geschichte findet sich keiner, auf den das hier Gesagte seine aDi.-iua.c ^>nn-.nliuug finden könnte. Darf aber dann also der Bericht des Jesajas auf eine erst künftige Erscheinung gedeutet werden? Auch diese Deutung ist abzulehnen. Denn die betreffenden Stellen des Jesajas sind nicht in einer nur rhetorischen, sondern in einer durchaus real gemeinten Vergangenheit gehalten. Aber vielleicht ist hier überhaupt jede Alternative abzulehnen, sowohl die Alternative: Kollektiv oder Individual als die andere: Historisch oder Künftig. Nicht das Volk Israel ist als Messtas gemeint, aber ebensowenig irgendein einzelner Mensch» sondern das Ich, das in sich daS Volk lebendig fühlt, das im Ick sprechende Israel, das personalisierte Volk. Und ebenso: nicht ein erst Künftiges ist zu denken als mrsfiannckes Ereignis, sondern eia wirklich Geschehenes, aber nicht ein einmalig Geschehenes, sondern ein allmaliges und so Allvergangenheit und Allzukunst zugleich. Der Messias war und i ft und wird s e i n. Alle die, die in sich das Leiden des Volkes, das Leiden aller Menschen fühlen, es tragen und es lieben, und mehr: es willig lieben, und mehr: es willig lieben um des Heiisplanes Gottes willen, sie sind die verborgenen Erlöser aller Zeit. Und die Verborgenheit gehört zu ihnen. Und jene, die aus ihrer Verborgenheit hinauszugehen unternehmen, sind die „falschen" Messtasse. Denn sie-- nicht von Bösem bestimmt, aber eben falsch geleitet — widersprechen so mit fief) selbst der 3 b cc des lii cn in ui scheu Mysteriums. Denn st? :ro n bo> Unmögliche: das A l l malige verein maligen, das Ewige verzeitlichen!' Das A l l malige verein maligen! Ist damit nicht auch jedem Zionismus das Wort gesprochen? Sofern er jedenfalls mehr als eine Angelegenheit praktischer Ucberlcgung. sofern er religiöse sein will? Ist nicht vielleicht auch er ein „sa is ch e r" I Messias? w , u.ir mir seltsam, dieser. Wort von der Vereinmaligung des Allmaiigen vom blauwslßen Katheder zu hören. Ich glaube, daß es sehr w a h r ist. Es sagt vielleicht nicht sehr viel anderes, als was wir eingangs erwähnen durften: Das wahre Zion liegt in d-rn Träumen und Wünschen der Menschheit. Und die Lehre Gottes geht aus: immer und überall von dem ewigen Tempel in den Gemütern. Die Universität auf dem Skcposberge :n Palästina ist uns als ein neues Haus der Wissenschaft eine Freude unter dem Gesichtspunkt des wissenschaftlichen Lebens. Als Bekenner -eines ewigen Jerusalem wird sie und muß sie uns gleichgültig sein, wie jede andere auch. Ist sie das nicht, dann könnte es sein, daß wir wieder ein goldenes Kalb umtanzen, statt den Geboten einer -ewig unsichtbaren Gottheit in Treue zu dienen! Hans Margolius. es» Aus den Gemeinden. Arnstadt. Am 1. April konnte Lehrer A. Heilbrunn das 25jährige Jubiläum seiner Wirksamkeit als Lehrer und Kantor der hiesigen Gemeinde begehen. Ans diesem Anlaß wurde beim Sabbatgöttesdienst am 3. cr. in feierlicher Weise dieses Umstands gedacht. Lehrer Steinhardt. Magdeburg, ehrte den Jubilar durch eine Festansprache. Glückwünsche und mannigfache Aufmerksamkeiten seitens des Gemeindevorstandes, der Mitglieder, der Schuljugend und anderer Freunde bezeugten die lebhafte Teilnahme, die weite Kreise an dem Ehrentag des 3ubilars bewiesen. Ein verpfuschtes Leben? Heilereaus dem Tagebuch einer jüdischen Kämpfers. Von Artur Schweriner, Berlin. XIII. (U. Fortsetzung.) Rur einmal noch hatte ich einen „Konflikt" mit untergeordneten Organen der Obersten Behörde, als man mich wegen „p a z i f i st i s ch-e r Anwandlunge n" zur Rede stellte. Am 5. Rooember 1914 hatte «ich ein Gedicht „V ö l k e r s r i e d e n" veröffentlicht, in dem ein Spaziergang durch den Wald geschildert wird. Kräftiger Mänwrrschritt schreckt mich aus stillem Sinnen auf: ... Ein Wehrmann war's, er lenkt den Schritt zum Bahnhof, Verlassenseine Berge und den Heimatsort. Denn drüben hinter seinen Bergen tobt der Streit, Wo Völker ringend bluten um ihr Bestes. Dorthin muß er zum Kampf für Vaterland und Volk, Und wenn es sein muß: Stervrn ans dem Feld der Ehre. —• Die Sonne schwand schon hinter Bergeshöh'n, Das Laub, es raschelt welk zur Erde nieder, Leis mahnend uns an die Vergänglichkeit Der großen und der größten aller ird'schen Dinge. — Und Abend ward's. Der Wind kam kühl herüber. Er kündet bang: Der harte Winter naht. Cr naht mit Eis und Schnee und L-rid und Freud, Und bringt die Sehnsucht nach d-em Frühlingstag. Mein Denken eilt im raschen Flug voraus, Durchmißt die große Zeit mit flücht'gen schnellen Schritten Bis er das Ziel erreicht. Die Brust wird weil, die Augen leuchten flehend dem entgegen, Der die Geschicke aller Menschen milde lenkt. Die stumme Bitte ringt sich bebend von den Lippen: O Herr! Gib mit dem Lenzden Völkerfrieden! Das harmlose Gedichtchen war geeignet, den deutschen Siege sw illen zu lähmen. Irgendein Denunziant hatte es dem Generalkommando eingesandt, und als ich nach zwei Jahren in die Oberlcchnste-iner Garnison kam, war ich als „P a - zifist" vornotiert. Der schlechte Eindruck, den dieser Dolchstoß von hinken in jedem Patrioten hinterlassen mußte, wurde schnell beseitigt durch ein ompagnie - Marschlied" nach der Melodie: „Lippe - Det mo ld eine wunde r s ch ö n -e Stadt". Be- Sonders inbrünstig wurden auf langen Märschen zwei Verse geungen, in denen der jüdische Dichter mit den Drückebergern abrechnete: Es kommt zu dir manch' Reklamant, Der dachte, er kommt nicht. Ließ stempeln sich, er darf nicht weg, Sonst ginge alles in den Dreck. Und niemals kä-m' der Sieg, Wenn er müßt' in den Krieg. O lieber, liebster Reklamant» Soll'n wir alleine geh'n? Wir alle haben'- Lieb' zu Haus, Das weinet sich die Augen aus, Und Kinder klagen bang: „Bleib', Vater, nur nicht lang!" Das Marschlied wurde in der Presse Westdeutschlands veröffentlicht. Die fromme Presse unterschlug allerdings einen Vers, der unserem Haupt mann am besten ketzerischen gefiel: 0 In Oberlahnstein fitzen drin Viel schöne Mägdelein. Sind wir schon all schier dreißig Jahr Und standen vor dem Traualtar, Von uns ist keiner blind, Zeigt sich ein schönes Kind! Besonders die „nationalen" Drückeberger nahm ich mir ansü Korn, weil ich ahnte, daß di-r „Judenzählung" der Vorbote der antisemitischen Offensive gegen die angebliche „jüdische Drückebergerei" sein werde. In meinem Gedicht: „Unentwegte" schilderte ich einen deutschen Mann, wie einer deutsch nur sein kann, dem deutschnational sogar -eine Qual! Vier Jahre Krieg. „Sieg!", schrie er, „Sieg!" Laß Massen grollen. Wenn wir nur wollen, Dann siegen wir. Heil, Kaiser, Dir! Nicht locker lassen Den Feind fest fassen. Bis er um Frieden betteln muß, Dann erst ist Schluß!" Doch die Begeisterung fand ihre Meisterung, als -er zur Untersuchung vor den Stabsarzt durch den Liebesbrief eines Postfräuleins eingeladen wurde. Gab das ein peinlich lieberraschen: Montag morgen reingervaschen . . .! „Soweit sind wir schon?" schreckbleich er faucht, Daß man mich kranken Mann noch braucht?" Armes Vaterland, Wenn's mich in's Feld noch schicken muß . , . Ich glaube, wir machen am besten Schluß!" Das Jammern und Klagen drei Tag hat gedauert, Im Fieber hat er auf die »Sitzung gelauert . . . Rur ab und zu, wenn er klagte, Ich nebenher fragte: „Die Sie heut wervös auf und ab hier wandern, Monsieur, verstehen Sie jetzt die andern?" Er zuckt die Achseln; Verlegenhoitssah: ,2a, Freund, ein jeder an feinem Platz!" Glückstrahlend kommt er am vierlen Tage. Zu End' ist der Ungewißheit Plage. M wußte es ja. Bin A. D. $r Weiter kam er nicht, Denn der Heeresbericht War grab' «rM jenen, Mit «rnstek Midnen Aub. Hier ist nun auch der alte Stadtgraben am »Geyev schloß" der Neuzeit zum Opfer gefallen. Der Graben diente lange Zeit den dortigen Israeliten als Begräbnisstätte und war einer der ältesten Iudcnfriedhöfe Deutschlands. Der Stad!, graben wurde cingeebncl und soll als Sportplatz Verwendung finden. Berlin. Dieser Tage wurde das van den Logen des Unabhängigen Ordens Vnci Brith in Lichtcrfelde-Ost neu er. baute Altersheim seiner Bestimmung übergeben. Der Neubau, der durch eine zweckentsprechende Anlage und würdige Ausstattung sich auszeichnet, bietet Unterkunft für 40 Loaenangehärige. während im alten Hause bereits 25 Logenangehörlge ihr tzein,' gefunden haben. Die Weihereden bei der erhebenden Feier wurden von dem Vorsitzenden des Altersheims S. Kirschstcin und von Rabbiner Dr. Dlumenthal gehalten. Bremen. Die Israelitische Gemeinde zu Bremen entwickeltl sich zur Großgemeinde. Oer Mitgliederbestand 1919 274 betragend. ist heute auf 410 angewachsen. Das wirkt sich aus in dem Bestreben, neue Formen für die Gemeindeverwaltung, ihr« Wahl und das Gemeindeleben zu finden. Davon gab diel Generalversammlung am 1. April d. I. beredtes Zeugnis. Bei Eröffnung der Versammlung wies der erste Vorsteher. Herr Mar Markreich, nach einer .Trauerkundgcvung für den verstorbenen Reichspräsidenten, darauf hin. daß er zu seinem Bebauern auch diese Tagung noch unter dem Zeichen der Sktzungen vom Jahre 1877 eröffnen müsse. Die Iustizkommission des Senats habe aber den Entwurf der neuen Satzungen mit derartig vielen Abänderungen znrttckgchcn lassen, daß die Gestalter dieser Satzungen kaum ihren eigenen Entwurf wieder erkennen würde!,. Mit Hilfe kompetenter' Fachleute, die mit der Materie der jüdischen Gemcindeverfassnngen im deutschen Reiche vertraut sind, soll nunmehr schnellstens das neue Gemeinde-Statut geschaffen werden. Die bisherige Form der Wahl zum Gcmcindevvrstanü > habe sich als unmöglich erwiesen. Wahlen, die von Zufalls. Mehrheiten abhänqen, können nicht die Homogenität, die Arbeitsfähigkeit eines Gemeinde-Kollegiums verbürgen. Es wird nmwcnbig fein, daß in Zukunft die Gemeinde-Versammlung einen Mann ihres Vertrauens mit der „Kabinettsbildung" betraut. Der anschließend gegebene Jahresbericht konnte von rechten Erfolgen jüdischer Gemeindearbeit in Bremen berichten. Stelle des unvergeßlichen Rabbiner Dr. Rosenack ward der bisher in Salzburg amtierende Rabbiner Dr. Felix Aber nach Bremen berufen. 'Ihm find die wesentlichen Verbesserungen in der Religionsschule zu danken, nicht nur eine Modernifterung der Lchrivcise ward eingefiihrt, eine Zunahme der Schulenanzahl von 5ü°v> ist zu verzeichnen. — 120 Kinder, darunter diel Kinder der durch die rigorosen amerikanischen Einwanderungsgesetzc in Bremen festgehcüienen Emigranten, werden in 6 Klassen und mehreren Sonder-Abteilungen unterrichtet. Der Jugend- Gottesdienst wieder ins Leben gerufen, erfreut sich zahlreichen! Besuchs. Auf den G e m c i n ö c a b e n b c n, deren Besucherzahl stark im Zunehmen begriffen ist, sprachen: Rabbiner Dr. Aber über „Die religiösen Strömungen Pordcrasiens im Zeitraum der Phröpheten", E. Tocplitz. Frankfurt, „Religiöse Kunst" (Lichtbildervoitrag). Dr. Jonas, Hamburg, über „Das jüdische Volk am Wende« * punkte der Weltgeschichte", Dr. med. Buchholz, Bremen, „Der Jude in der modernen Rassenlehre." Synagoge und Friedhof wurden mit Hilfe gütigcrl Spender weiter würdig ausgestaltet. Ein Synagogen-Neubau ist eine unbedingte Notwendigkeit für die Gemeinde Bremens geworden, das kam auch in den Ausführungen des Vorsitzenden des Synagogenbanfonds zum Ausdruck. Die Gemeinde ist bemüht, burd) alljährliche Aufnahme eines erheblichen Ctatspostens für diesen Zweck in Bälde den jetzigen unzureichenden Verhältnissen abzuhelfen. Der Jahresbericht schloß mit einem Hinweis auf die am bleidien Tage erfolgende Eröffnung der jüdischen Universität in Jerusalem. Ein heftiger Kampf entwickelt sich bei der Neuwahl der 2. Vorstehers. Um der neuen Gemeinde-Wahlocrfassung recht baldige Einführung zu ermöglichen, versuchte eine größere Gruppe die Neuwahl eines 2. Vorstehers auf weitere 3 Jahre vergeblichst zu inhibieren. Herr Nathan Grünberg ward zum 2. Vorsteher Hat er da vernommen. Daß wir nur wenig vorwärts gekommen. „So 'ne Schweinerei, 's ist doch zn dumm!" Kreischt er, „und hier laufen Leute 'rum Zu Hunderten ganz ungeniert . . . Und die Siegesstimmung wird sabotiert, Und es fehlt der große deutsche Geist, Der alle Kräfte zusammenreibt. — — — —. —* — — — Die Revolution kam. Die Wogen des Judenhasses gingen hoch. Mir wurden zu Dutzenden Schmähschriften anonym! zugeischickt, in denen „n a ch g e w i e s e n" wurde, oaß die Zeij tungen Förderer der Juüewinteressen und Feinde der Sache dec ^aenen Nation sind. „Der englische Hebräer Moses Monteflore" habe gesagt: „Solange wir nicht die Presst der ganzen Welt in Händen haben, um die VAker zu Mscheir und zu betäuben, bleibt unlsere Herrschatt ein Hirngespinst!" uj«. usw. Die Hetzer entstammten sämtlich oen sogenannten bejlse«s ren Kreisen. Ich rechnete mit ihnen ab: Drei Matrosen, wer hält' es gedacht Haben hier Revolution gemacht. Wo waren, zum Teufel! alle, die Heule noch für die Monarchie Und den Kaiser sterben wullen Angesichts probater Pullen? Die noch Hurra! Hurra! lallen, Wenn sie schon vom Stuhle fallen?! . . „ Ach die Tapferen damals bebten, Waren frohe, daß sie lebten, Zogen aus die gute Kluft, Draußen wehte dicke Luft . . .! 3m Hintergrund erschie-nen die völkischen Gymnasiasten, im Vordergrund die kleinen bunten Zettel des »Deutsch' völkischen Schuh- und Truhbundes". Der Aushänge- Kasten unserer Zeitung war täglich mit neuen Zetteln bettle®** Ich wehrte mich gegen diese Lausbuben-Landplage: 2m Deutschen fünf, der Geselle ist faul. Bis Obersekunda, wird das eine vual! Dod) ist er sd)on deu.schnariona!. Hat wenig Verstand und ein großes» Maul. Wenn's keiner steht, im Klosett, in der Bahn, Da streckt er heraus die Heldvnzunge, Beleckt die Zettel, der dumme Junge Und klebt sie an im Hebdemvahn. Du feiger Bub', verstehst di« Chose. Wie man es seh'n kann, tadellos: Doch, schnapp« ich dich einmal bloß, Gibt's ordeMch was auf die Hose. Ls half nichts. 2n die Verhetzung wurde System gebrochl Es handelte sich bald nicht mehr m frte Ausschreitungen W zelnpr. <Foryetzung folgt.)

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