Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 16 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6. Jahrgang Aummer 46 Mag« 47. April 4SL, Dom preußischen LandfOverband Die Eraebmsss der ersten Wah-len zum Rate des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden liegen nunmehr vor. Am.ersten Wahlkreis (Berlin) sind, wie wir bereits berichteten. 6 Liberale. 2 Zionisten, 1 Konservativer und 1 Mitlelparteiler gewählt worden. Es sind dies: Justizrat Makower. Justizrat Liiicn.hal. Frau Helene Mcyrr-Siarga.o Fustlnar Sonn yjcid. Professor Dr. Türk. Kammergerichtsrat Wolf, Direktor Kareski, Sr. 'Klee, Galewslu Dr. Freund. Wahlkreis 2 (Breslau): Landgerichtsdireklor i. R. Geheimer Mirra! Leo Goldfeld. Rechtsanwalt Fustizrat Georg P eis er. Wahlkreis!l (Frankfurt a. M.): Instizrat Dr. Blau, Fritz Sondheimer: Ersatzmann: Julius Goldschmidt. Wahlkreis 4 (Köln): Dr. Oskar Eliel; Ersatzmann: Rechtsenwall Dr. S. Klein. Wyblkreis 5 (Ostpreußen/Wesipreußen): Instizrat Holz- ALn-igsberg; 1. Ersatzmann: Geh-eimrat Dr. Falkenyeim, Königs- Um, 2. Ersatzmann: Rabbiner Dr. Roese, Tilsit. Wahlkreis 6 (Brandenburg, Pommern. Grenzmark): Benno Frldberg, Stettin; 1. Ersatzmann: Dr. Merzbach, Magdeburg. 2 Ersatzmann: Dr. Max Hirsch. Halle. Wahlkreis 7 (Schlesien): Max Grünwald, Beuthen; 1. Ersatzmann Rechtsanwalt Dr. Scheyer, Liegnih, 2. Ersatzmann: Kaufmann Paul Lohn, Gleiwih. Wahlkreis 8 (Hannover): Dr. Max Schleihner, Hannover; 1. Ersatzmann: Sanitätsrat Dr. Jacob, Kiel, 2. Ersatzmann: H. Jacob. Göppingen. Wahlkreis 9 (Westfalen): Rechtsanwalt Dr. Kahenstein. Bielefeld: 1. Ersatzmann: S. Großmann, Gelsenkirchen; 2. Ersatzmann: Direktor Daruch, Herford. Wahlkreis 10 (Rheinprooinz): Rabbiner Dr. Eschelbacher, Düsseldorf; 1. Ersatzmann: Dr. Eschwegr, Hamborn; 2. Ersatzmann: Hermann Leyens. Wesel. Wahlkreis 11 (Rheinprovinz II): Rechtsanwalt Dr. Herzfeld, Essen; 1. Ersatzmann: Rechtsanwalt Dr. Max Cohn, Bonn; 2. Ersatzmann: M. Meyer-Mberli, Coblenz. Wahlkreis 12 (Hessen-Nassau): Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt, Cassel; 1. Ersatzmann: Justizrat Moritz Marxheimer, Wiesbaden; 2, Ersatzmann: Gemeinde-Aeltester Levi Trepp, Witzenhausen. Frauen-Berufswahl. Auf jeher Tagung, aus dem Bericht jeder Anstalt tönt MS die Klage über den Mangel an gut ausgebildeten Kräften für die wirtschaftliche Leistung unserer Heime entgegen. Der Verein zur Ausbildung jüd. Hausbeamtinnen berichtet, daß sich inzwischen etwa 60 junge Mädchen zur Erlernung des hauswirtschaftlichen Berufes gemeldet haben. Aber nun kommt die Schwierigkeit: Es fehlt an geeigneten Lehrkräften in unseren Anstalten, die in der Lage sind, diese jungen Mädchen auch wirklich praktisch und technisch so auszubilden, daß sie allen Anforderungen gewachsen sind und fruchtbare Arbeit leisten können. Manche Anstalten haben aus Mangel an Lehrkräften ihre Ausbildungsarbeiten aufgeben müssen, so Ahlem — an andern fehlt es an der sachgemäßen Pädagogik, die für solche Aufgaben unbedingt erforderlich ist. Deshalb ist es notwendig, daß i ü ü. Gewerbelehrerinnen in genügender Zahl vorhanden find, die dann einen Stamm leistungsfähiger Hausbeamünnen und Haushaltspflegerinnen heranziehen können. Nur ganz wenige jüdische junge Mädchen haben sich bisher dieser gründlichen, systematischen Ausbildung unterzogen, deren Lehrgang in jedem Stadium Aussicht auf gut besoldete Anstellung bietet und der Kenntnisse vermittelt, die nicht nur im beruflichen Leben nutzbringend zu verwerten sind, sondern die ebenso für jede Hausfrau, sie stehe an welcher Stelle auch immer, reiche Fruchte tragen. Vorbedingung für die Ausbildung ist: Vollendetes 17. Fahr, Reifezeugnis des Lyzeums oder Abgangszeugnis einer zehnklassigen Höheren Mädchenschule oder einer ncunstufigen Mädchenmittelschule oder Versetzungszeugnis in die 3. Klasse einer Studienanstalt. Erwünscht ist auch der Besuch einer einjährigen Haushallungs- oder Frauenschule. Daran schließt sich ein zweijähriger technischer Lehrgang an. der eine ariinblidje Ausbildung in allen hauswirtschaftlichen Fächern, Handarbeit, Wäsche anfertigen. Pädagogik u. a. vorsieht. Nach dem Besuch dieses technischen Seminars wird ein Examen abgelegt, und man erlangt die Berechtigung einer Lehrerin der tzauswirtschaftskunde und der weiblichen Handarbeiten. Die Änstcllungsmöglichkeiten für diese Lehrerinnen sind vielfache — tüchtige, gut ausgebildete Kräfte finden an Anstalten, Kinderheimen, Schulen und Krankenhäusern gut bezahlte Anstellung. Dieses Examen kann an vielen größeren Plätzen gemacht werden, z. B. in Köln. Frankfurt. Berlin, Düsseldorf, Hamburg u. a. An diese Ausbildung schließt sich die der Gewerbelehrerinnen an. Aufnahmebedingung in das Seminar ist vollendetes 19. Lebensjahr nach vorheriger Ablegung der Prüfung als Lehrerin der Hauswirtschaftskunde und weiblichen Handarbeiten. Es folgt ein ^/jähriger. Kursus, der in fachliche und praktisch-pädagogische Ausbildung zerfällt. Dann folgt /Zührige praktische Tätigkeit hausmirtschaftlicher und sozialer Art an einer Wohlsahrtsanstalt. einem Säuglingsheim oder einer ähnlichen Einrichtung. Nach Abschluß der Prüfung erlangt man die Berechtigung, als Gewerbelehrerin an staatlichen und anderen Schulen lehren zu können. Die wenigen jüd. jungen Mädchen, die diesen Beruf ergriffen haben, halten den Erfolg, daß sie sogleich, sei es in kommunalen, sei es in sonstigen Anstalten, günstige Anstellung fanden, in Gehaltsklasse und Pensionsberechtigung etwa einer Oberlehrerin entsprechend. Der jüd. Frauenbund sieht es als feine dringende Aufgabe an. dem Mangel an Lehrkräften entgegenzutreten und ruft alle ^ur Mitarbeit an diesem notwendigen Werke auf. In Rheydt besteht eine staatliche Handels- und Gewerbeschule für Mädchen, die Hausbeamtinnen, Hauspflegerinnen, technische Lehrerinnen und Gewerbelehrerinnen ausbildet. Während die anderen owcige des hauswirtschaftlichen Berufes an vielen Plätzen erlernt werden können, bilden nur ganz wenige Seminare Gewcrbeiehrerinnen aus. Die Kurse für diese in Rheydt, die nur IV2 Jahr beginnen, sind sehr überfüllt. Es wäre jedoch möglich, daß bei sofortiger Anmeldung noch einige junge Mädchen für Lk ober 192o Berücksichtigung finden. Für Unterkunft und. ri.uelle Verpflegung wird gesorgt, auf Antrag könnte u 11 c 1 ^-Liveroe.eyrerinnen uiijiiymuciii, uuiuuaycii-gi, lief) wenigstens 10—12 ausgebildete technische Lehrerinnen oder Hauswirtichaftslchrerinnen zur Weiterbildung melden. Auch hier ist eine Studienbeihilfe in Aussicht gestellt. Ich möchte noch einmal alle Mütter, die vor her Berufswahl ihrer Taster steten, auf diese aussichtsreiche wertvolle Ausbildung Hinweisen. Anmeldungen Und Anfragen bitten wir an den israel. Frauen-?Erein Rheydt, Schriftsühxexin Frau Ruth Stern, Pierhaus- Maße 9, zu richten. Jur Schließung -er Jüdischen Lehrerbildung-- anstatt in Berlin. Von Hermann Becker -Berlin. Eine ungehaltene Rede. Am 30. März wurde die seil 68 Fahren bestehende Lehrerbüdungsanstalt durch einen feierlichen Akt geschlossen. Leider hat das Festkomitee verabsäumt die ehemaligen Schüler der Anstalt bei dieser Schlnßfeier zu Worte kommen zu lassen, damit auch sie in Dankbarkeit und Liebe ihrer slmn mster und ihrer früheren Lehrer gedenken können. Es fei dem Verfasser, als einem der ältesten noch lebenden Zöglinge, der vom Oktober 1869 bis zum März 1873 die Anstalt besuchte, gestattet, seinen Gefühlen, zugleich als 2. Vorsitzender des Verems Lehrerhort der ehemaligen Zöglinge -der Anstalt, an dieser Stelle zum Ausdruck zu bringen. Sehr verehrte Fcstversammlung! Wenn ich mir gestatte, nach den vortrefflichen Vorrednern, dem Herrn Geheimrat als Dezernenten des Prooinztal-Schulkollegiums für unsere Anstalt und dem verdienten, nunmehr dem letzten Direktor unserer alma mster, Herrn Dr. Gutmann, das Wort zu ergreifen, jo erfülle ich nur eine sittliche Pflicht, die jedem von uns obliegt, sobald er bewegten Abschied nimmt von einem nahen Angehörigen oder lieben Freunde, dem er so unendlich viel für sein geistiges und sittliches Menschentum zu verdanken hat. In dieser Lage befinden wir, die ehemaligen Zöglinge der "Anstalt, auch uns in dieser wehmütigen "Abschiedsstunde. Ein alles Wort, das leider schon seit langer Zeit zur Phrase geworden ist und — wie schon Talleyrand sagt — in den meisten Fällen nur dazu dient, um unsere eigentlichen Gedanken zu verbergen, lautet: ,ve niortuis nil nisi bene!' Don den Toten sollen wir nur Gutes sprechen. Für uns aber, die ehemaligen Zöglinge, soll und darf dieses Wort kein abgegriffenes Schlagwort sein, wenn wir in diesem "Augenblick in tiefer Wehmut der Zeiten gedenken, da wir hier zu den Füßen unserer Lehrer, der Elite der jüdischen Lehrerschaft und der pädatzogischen Erfahrung, saßen, die in unsere Herzen den Samen einpflanzten. aus daß er blühe und reiche Frucht trage zum Segen der Heranwachsenden deutschen jüdischen Fugend und zum Segen des deutschen Judentums. Fn diesem Sinne führte unsere "Anstall mit Recht den Namen eines Seminars, einer Anstalt, in welcher der Samen ausgestreut wird für die tausendfällige und herrliche Frucht, an der die Heranwachsende Fugend für alles Gute und Schöne im Judentum, im Daterlande und in der Menschheit sich labe und begeistere. Aus einer Welt mit engem Gesichtskreise, fast alle aus dürftigen Verhältnissen, aber mit Begeisterung und Liebe für ihren erwählten Beruf, der ihnen nach einer harten und dürftigen Seminarzeit, in der sie sehr oft trotz mancher Unterstützung edler Menschen, hungern und darben mußten, traten die Zöglinge vor jenen mehr als '50 Fahren in die Anstalt ein. Wir wußten wohl, daß in, dem von uns erwähllen Berufe auch Rot und Entbehrungen unserer warteten, daß wir keinen freien, sondern einen unfreien Beruf erwählt hatten. Jedoch wie einst der fromme tzillel, nach talinudischer Uebeclieferung. die Nacht aus dem Dache des Lehrhauses in der Nähe des Schornsteins zubrachte. um von dort aus die weifen Lehren der weisen Lehrer zu hören, weil er nicht den winzigen Betrag besaß, der für den Eintritt in das Lehrhaus gezahlt werden mußte, und wie einst der junge Moses Mendelssohn dem Torwächter in Berlin auf sein« Frage, was er in Berlin zu tun gedenk«, nur das Wort „lernen" zur Antwort gab. jo hatten wir Jünglinge jener Zeit nur den innigen Wunsch zu lernen, und ideale Ziele zu pflegen, ohne an die Not und Entbehrung zu denken, die unser im Seminar und im Berufe harrten. Und wie stellten sich diese Jünglinge, zum Teil noch Knaben, bei ihrer Entlassung aus dem Seminar dar! — Vollbewußt ihrer hohen Ausgabe. Hüter des Judentums zu sein, erfüllt van dem Streben, das kommende Geschlecht für die Mitarbeit an und in der deutschen Volksgemeinschaft zu befähigen, aber auch durch unermüdliche Fortbildung, durch berufliche Treue, durch stolzes Selbstbewußtsein sich die Achtung ihrer Verussgenossen zu erwerben und eine Zierde ihres Standes zu werden. Ist es da nicht mehr als bloße Pflichterfüllung, wenn wir, die ehemaligen Zöglinge, in dieser letzten Stunde, die noch einmal Lehrer und Schüler in diesen Räumen vereinigt, unserer Lehrer in unauslöschlicher Dankbarkeit gedenken, die uns unseren "Aufstieg ermöglicht haben. Wir sehen zu unserer großen Freude noch einen einzigen unserer Lehrer aus jener großen Zeit in unserer Mitte, Herrn Seminardirektor Dr. Holzmann. Mein sehr geehrter Vorredner, Herr Direktor Dr. Gutmann, hat bereits in beredten Worten der unschätzbaren Verdienste unseres lieben Dr. Holzmann gedacht. Mir aber, als einem seiner ältesten Schüler, der vor" mehr als 50 Fahren das" Glück hatte, feinen Worten zu lauschen, sei es vergönnt, in dieser Stunde und an divsem Orte, zugleich im Namen der ehemaligen Zöglinge, die unauslöschliche Dankbarkeit und tiefe Verehrung, die mir ihm seit einem halben Fahrhundert bewahrt haben, züm "Ausdruck zu bringen. Unsere "Alten, so berichtet der Talmud, nannten ihre .Lehrer „Vater". Sie wollten damit sagen, daß jeder Lehrer der geistige Vater seiner Schüler sei. weil von allen Erziehungsfaktoren niemand so großen Einfluß auf die geistige und sittliche Bildung des Zöglings hat, wie der Lehrer. Fn. diesem Sinne betrachten wir eilten auch unseren Herrn Direktor .Holzmann als unseren Vater und freuen uns. ihn noch heute itt unserer Mitte zu sehen. Wie sehr er aber diesen Namen verdient und wie nachhaltig er aus seine Zöglinge gewirkt hat, dafür ist mein geehrter Vorredner, Herr Direktor Dr. Gutmann, ein klassischer Zeuge. Denn Herr Dr. Gutmann, ist ein geistiger Enkel unseres verehrten Dr. Holzmann. Er ist ein Schüler "des verewigten Seminarlehrcrs Kirstein in Münster, eines Seminargenossen "von mir. der, wie ich. das Glück hatte, zu den Schülern des Herrn Dr. Holzmann zu gehören. "Auch der übrigen verewigten Seminnrlehrer hat bereits mein Vorredner in Liebe und" Dankbarkeit gedacht. Ich bin glücklich, daß ich Gelegenheit habe, noch anderer unserer damaligen Lehrer zu gedenken. Da ist unser erster Religionslehrer, Herr Rabbiner Dr. "Aub. zu nennen, der freilich nur kurze Zeit dem Kollegium angehörte. der es aber auch in dieser kurzen Zeit verstanden hat, uns das Wesen des Judentums. im großen Zusammenhang mit den menschheitlichen. Zielen, ohne einseitige und'begrenzte "Anschauungen, zur Er-' Kenntnis zu bringen. Herr Professor Dr. Martin Philippjahn, der spätere Rektor der Universität Brüssel, ein freiwilliger Mitkämpfer im französischen Kriege 1870/71, der Lehrer der Geschichte. Geographie und deutscher Literatur, der uns das Wesen des deutschen Geistes so klar erschlossen hat. sein Nachfolger. der nachmalige Univerfitätsproscssor Dr. Ludwig Geiger, setzte in gleichem Sinne unsere "Ausbildung zu deutschen Menschen fort. Hier sei auch unser alter, lieber Samuel Piek, der Lehrer der Mathematik, genannt, dem das leibliche Wohl seiner Schüler ganz besonders am Herzen lag und der stets bereit war, bei unserem alten Horwitz zu vermitteln, und den Sturm abzulenken. der sich so oft vom „Rektor Hörwitz", wie er sich gerne selber nennen hörte, gegen so manchen „Schuldigen" unter den Zöglingen gewendet hatte. Auch des alten Raphael Lohn, des Seminarübungslehrers, müssen wir mit inniger Dankbarkeit gedenken, eines Meisters der Pädagogik und unvergleichlichen .Praktikers. Ferner sind zu nennen: Dr. Mar Simon, der. Lehrer der Physik, der es verstand, die schwierigsten physikalischen Probleme uns klar und deutlich zur Erkenntnis zu bringen. Für den Geist, der in jener „guten, allen Zeit" an unserem Seminar und in weiten Kreisen unseres Vaterlandes herrschte, sei die Tatsache nicht vergessen, daß dem. Lehrer- Küllmium auch zwei christliche Lehrer angebörten: der Lebrer der Naturgeschichte, der spätere Seminarlehrer am evangelischen Schullehrerseminar in Berlin, der Herausgeber eines großen, dreibändigen pädagogischen Handbuches. Sprackhoff. und der. Kammermusikus Ronneburger, der Lehrer des Biolinunterrichtes. Unnötig ist es wohl, zu sagen, daß die Verschiedenheit des Bekenntnisses auf das Verhältnis zwilchen Lehrern und Schülern »nicht Jteit geringsten Einfluß hatte. Sie alle deckt der kühle Rasen, aber für uns, ihre Schüler, die nun auch schon lange zu den "Alten gehören, find sie mein gestorben, ihr Geist lebt noch heute in uns, in unseren Schülern und in unseren Gemeinden fort, denn cs ist der Geist, von demi der Dichter sagt, daß er in Aeoncn nicht untergehen wird: , And so wie wir, die ehemaligen Zöglinge, von unseren Lehrern sagen: „Denn wer den Besten seiner Zeit genug gelebt, der \ hot gelebt für olle Zeiten", so wird in einer "besseren und glücklicheren Zeit, die wir Alten freilich nicht mehr erleben.1 werden, das deutsche Fudentum .van der Jüdischen Lehrer-! bildnngsanstalt und von ihren Lehrern, denken. Wir ehemaligen, Zöglinge dieser "Anstalt, die für uns das Ziel und der Fnhalt] unseres geistigen Jerusalem gewesen ist, mir wallen in dieser! letzten Stunde von ihr "Abschied nehmen mit den wehmütigen,; aber so tiefergreifenden Worten des Psalm 137: „Wenn' idH dein vergesse, Fernsalem, so versage meine Rechte. Es klebe s meine Zunge mir am Gaumen, sä ich dein nicht gedenke, jo ' ich nicht erhebe Fernsalem aus den Gipset meiner Freude!" Der Wille zum Frieden. linier der Devise „Schon wieder Krieg?" halte öle Deutsche Liga für Menschenrechte am 7. April zu einer Kundgebung im ehe/ maligen Preußischen Herrenhause eingeladen, in deren Rohmen Vertreter der großen Wettanschavnngsgemeinschasten von ihrem Standpunkt aus die Stellung zur Weltfriedensidee entwickelten- In gedrängter Kürze (jedes Referat durfte nur eine Viertcistunde in Anspruch nehmen) trugen die verschiedenen Redner dos. was sie und ihre Gemeinschaft zum Weltsriedensgedonken zu sogen hotten, oin-er gespannt lauschenden Menge vor. und ihren Ausführungen folgte immer wieder dankbarer und herzlicher Beifall. Nachdem der Leiter der Versammlung die außerordentlich zahlreich Erschienenen begrüßt hatte, ergriff Rabbiner- Dr. Gotlschalk als erster das Wort. Ausgehend von der Verheißung des Propheten Jcsaia umriß er dos Wesen des Judentums als einer Religion der Zukunft, einer Religion des Menschen und einer Religion des Lebens und damit einer Religion des Friedens. Schon Gideon habe erkannt, daß das Wesen Gottes im Frieden sich auswirke (Adonai Scha-') lom). Der Talmud nenne den Frieden „die Hefe im Teig". 3m Mittelalter habe Maimonides die Weltherrschaft des Judentums als die Herrschaft des Friedens gefordert, und irr' der Reuzeit hätten Lazarus, Cohen und Steinthal in beredten Worten vom Judentum als der Religion der Zukunft Zeugnis abgelegt, &cr: auch christliche Gelehrte, u. n. Gunkel und 'Ernst Sellin ihre warme Anerkennung nicht versagt hätten. MS Religion, des Menschen offenbare sich das Judentum, wenn eS den Grundsatz, wattrn lasse, daß nur d i e Grese sterbe, die sündige, wenn sie also den Menschen am Maßstab der Ethik messe. Der Volksführer müffc ein von Gottesfurcht durchgeistigter Friedensführer fein, derstaatliches und religiöses Leben zu einer Einheit verbinden könne, er müsse ein Mann sein, dem es, wie Kant sagt, sittliche Aufgabe sei, den ewigen Frieden herbeizuführen. Daß das Judentum eine Religion des Lebens sei, gebe wohl den stärksten Antrieb zum Frieden. Zhr Grundsatz: „Wähle das Leben!" gebe die Stellung des Judentums eindeutig wieder, die Stellung, der auch Stefan Zweig den Ausdruck verliehen habe mit den Worten: „Heilig ist kein Krieg, heilig ist kein Tdd. heilig ist das LÄ»en!" Trvhdem hätten die Juden zu allen Zeiten zv sterben gewußt, weil sie das Leben der -ewigen Idee ihren: Körper-, lichen Leben vorgezogen hätten. Es gebe keinen heiligeren Kampfplatz Mr- Verwirklichung ewiger Ideen als das Leben selbst. Die Liebe der Mutter, di-e Arbeit des Vaters, das Glühen des Jünglings und des Mannes im Kampfe um die Gerechtigkeit gäben genug Anlaß zum größten Heldentum. Am Schluffe seiner Ausführungen, richtete der Redner besonders an die anwesenden jüdischen Zuhörer die Aufforderung, sich der Friedensbewegung als Mitkämpfer anzuschließen. denn Gott wolle den Frieden. Rach ihm ergriff Prof. Riemann für die Freidenker und Monisten das Wort und bezeichnete den Pazifismus als eine Vewegung der Vernunft gegen die Dummheit des Krieges. In kurzen Zügen gab der Redner ein Bild der geschichtlichen Entwicklung des Freidenkertums und des Monismus und ließ erkennen, daß aktiver Pazifismus in monistischen Kreisen erst nach dem Kriege in das Programm des monistischen Bundes ausgenommen worden sei. Wenn auch in monistischen Kreisen darüber Meinungsverschiedenheiten herrschten, ob cs möglich sei. den Krieg zu beseitigen, ohne die wirtschaftliche Ordnung zu ändern, so sei man sich'darüber einig, daß durch Erziehung der Jugend und der Erwachsenen, insbesondere auch der Frauen, eine neue Mentalität hergestelll werden müsse, yuf Grund bereu die Menschheit lernen könne, sich sinnlose Leiden zu -ersparen. Als Vertreter des Protestantismus ging Pastor Hans Franke von der pessimistischen Beurteilung des menschlichen Schicksals durch das Reue Testament aus, die die Grundlage der Förderung sei/daß den Menschen durch Lieb-e und Barmherzigkrii geholfen werden müsse. Der Redner erblickt in dem neptestamentlichen Ideal der Welterlösung trotz vielfachen Widerspruches auS dem theologischen Lager nich"ts anderes als die ideale Forderung der Weltbeglückung. Diese Weltbeglüchung könne nach dem Reuen Testament nicht von den Mächtigen und Starken, sondern nur aus der dunklen Tiefe kommen. Das Reue Testa- .ment siehe der weltgeschichtlichen Entwicklung verneinend gegenüber. Es hätte nicht sein müssen, daß die Menschheit in Rassen und Völker, durch Sprache und andere Trennungsmomente gespalten sei. Trotz des Auftretens Christi sei das Heil der Welt noch kaum angebahnt. Das Gotlesreich, das durch Christus gestiftet und gep-flanzt fei, müsse in die Wirklichkeit umgesetzt werden durch eine llmkehr der Menschheilsentwicklung zu einer Gemeinschaft aller Menschen, in der es keine Differenzierungen, keinen Kampf, keine Berechtigung des Rationalismus gebe, sondern nur eine Organisation der Bevölkerung der ganzen Erde zur gemeinsamen Verwaltung ihrer Güter. .Dr. Schwellenbach legte dann die Stellung der katholischen 'Weltanschauung zum-Friedensgedanken dar. Die grundlegende Idee des Katholizismus sei die Idee des Gottesreiches. Der Redner erinnerte an die Enzyklika des Papstes Pius XI. von Weihnachten 1922, in der es klar ausgedrückl sei, daß das Reich Gottes nur durch d-en Geist lebe. Der Katholizismus stche zu den Worten der Schrift: »suchet das Reich Gottes und seino Gerechtigkeit und alles dieseslnämlich. die materiellen Güter) wird Euch dazu gegeben werdey! So sei es klar, daß die Idee des Gottesreiches sich nur aus GerechttA-rit-und Frieden ausbauen könne. Das Leben Jesu sei für den Katholizismus der Ausdruck reinsten Menschentums, ihm müsse man nachleben, um dem Jh^al nahe zu kommen. Dieses Ideal sei aber gottmenschlich, nndckönne niemnls