Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 16 (17.4.1925)
- Date
- 1925-04-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Ich^iuuui ylchk _ Qiffit icywelgen» kann dmO Schwelg«» Jt’Af Vb-ach unö -es Leibes Sichrrhrit erkaufen. .Üch 1-elbi -er Geist. Ich mutz ihm Zeugnis legen. Kann nicht verschließen, was so mächtig quillt. Je härter amvachst die gemeine Not. Nur mn so mrhr treibt mich des GrifiS Gemalt. Entgegen -er Verheerung mich zu werfen. Die Hoffnung, -le -emokratische, die fortschrittliche Partei für oie Ärbeitersache, wie er sleverstand unführen wollte/ zu gewinnen, mußte Lassalle bald aufgeben und so wandte er sich dann, rasch entschliHen, g e g e n die früheren Fceunoe, — deren einer sein Verleger Franz Duncker war, und schuf sich in der an Triumphen so reichen Agitationssahrt, insbesondere durch die Rheinprovinz seine eigene Partei, den A U - gemeinenDeutschenArbeiterverein, der sich, insbesondere nach dem Htnzutritt Berlins, zur sozialdemokratischen Partei entwickelte. Die Rückkehr nach Berlin, wo er studiert hatte, war Laffalle freilich verboten worden. Als Fuhrmann verkleidet schlich er sich in Berlin ein und hielt sich hier heimlich auf. Als aber Humboldt beim Polizeipräsidenten v. Hinkeldey die Aufenthaltserlaubnis für Lassalle erwirken wollte, meinte der Präsident: „Ich habe gar nichts gegen Laffalle. Aber die Familie Hatzfeld fürchtet, daß mit ihm auch die Gräfin nach Berlin kommen könnte, und so hat sie den Hof gegen ihn mobil gemacht." „Den König nehm' ich auf mich", meinte Humboldt. And bald hatte er, wie schon erwähnt, Lassatle die Aufenthaltserlaubnis erwirkt. Die Werbetätigkeit ln der Hauptstadt konnte beginnen. Die Reden, die Laffalle aus seinen Werbefahrten und auch in den Bezirksvereinen Berlins hielt, rissen die Hörerschaft fort, rissen aber auch ihn in Prozesse hinein, die mehrfach zu Verurteilungen führten. Zwei volle Jahre seines allzu kurzen Lebens hat Laffalle ln Gefängnissen zugebracht, aber er nahm jede Verurteilung, ob zu vier, zu sechs Monaten Gefängnis, wie etwas hin, das nun einmal zu seiner Mission als notwendige Bedingung gehörte und er ging jedesmal in den Kerker wie zu einem Ball. Mehr als einmal von trüben Ahnungen bedrängt, sprach er davon, daß er dazu ausersehen sei, das Opfer seiner Bestrebungen zu werden, im Kampfe für die Arbeitersache zu satten. Das wahrhaft Tragische an Lassatles Ende ist aber, daß es ihm nicht betchieden war für die große Sache, der er diente, zu sterven, sondern daß er, verblendet durch eine banale Liebesleidenschast kopflos, sinnlos in einer Art von verspäteter Primaner- Lievesafsäre starb. Romanhaft immerhin, aber doch wie ein Roman größeren Stils, mit Helden höheren Formats begann die Liebesgeschichte zwischen Lassalle und Helene v. Doenniges. 3wei ungewöhnliche Persönlichkeiten, glänzend in der äußeren Erscheinung, überragend in Geist und Eharaki«/.MMsch)äm LempMMceM,. üdLrlegen'imd wie p Bezwingen, zum Herrschen geboren, entbrannten die beiden gleich bei der ersten Begegnung für einander. Die Hindernisse, die sich gegen ihre Verbindung auttürmten, vermochten ihre Leidenschaft nur noch anzufachen. Aber diese Leidenschaft s<yien auch Lassalles Sinne ganz zu umnebeln. Er, der ungewöhnlich scharfsinnige und überragend Kluge, gehetzt mehr noch vom ausgestachetten Trotz als von der Liebesleidenschast, machte einen Fehler nach dem andern. Vergeblich eilte er nach Genf, wo die Familie Doenniges wellte. Vergeblich versuchte er die bayerische Regierung zur Einflußnahme auf Vater Doenniges zu bestimmen. Vergeblich forderte er den Bischof v. Kettler in Mainz, der für Lassalle und seine sozialistischen Lehren viel verständnisvolle Teilnahme gezeigt hatte, auf, ihn schnell zu taufen und dann die Trauung zu vollziehen — er hatte ganz übersehen, daß die Doenniges überhaupt nicht Psalmen. Von Arthur Silbergteit. I. Zch will dir eine Hallelujabarte bauen, Der schräge Harfensaiten Segel sind,- Aufrauschen wie Gewänder schöner Frauen, Soll deine Fahrt im Himmelshochzeitswind! Und auf den Segeln sollen Lerchen wohnen ttnd selbst vergessen ihr geliebtes Nest Vor Jubel über deine Traumäonen, Bis See und Segel hält ein psalmenfest. II. Der Steinmetz wölbt die Kathedralenbögen Den Riesenkreisen deiner Himmel nach. Und seine Pfeiler starren so, als zögen Die Wipfelsäulen aus dem Waldgemach. In deiner Andacht hohe Tempelhallen, Zu deiner ewigen Lampe Liebesglut, Zu der die Könige und Bettler wallen,- Und deiner Meere Erdenteppichflui. Dient Mutter Nacht als Lager,- hymnisch raunen Die Winde deinen Schlummerhauch ihr zu. Dann schweigen selbst der Engel Erzposaunen, Und Schultemtauben schirmen deine Ruh'. kakholjjch, sondern protestantisch MLvLy, -Mehr und mehr gereizt, sandte er, der grundsätzliche Gegner des Duells, sowohl dem Vater Doenniges wie dem seiner Helene zum Bräutigam bestimmten jungen rumänischen Bojaren Raeowitza eine Herausforderung auf Pistolen. 3m Duell mit Raeowitza traf ihn eine Kugel, der er am 31. August 1864 erlag. Wenige Tage später wurde Lassalles Leiche durch Gräfin Hatzfeld von Genf nach Breslau überführt. Dort ruht sie auf dem jüdischen Friedhof unter dem Grabstein, der die von Prof. Boeckh formulierte Inschrift trägt: „Hier ruht was sterblich war von Ferdinand LassaUe dem Denker und dem Kämpfer." Diele Grabstätte war in den sechzig Jahren seither das Ziel der Pilgerfahrten von vieltausenden und abertausenden Verehrern des allzu früh Abberufenen. Zu denen aber, die einen Ruhmeskranz auf sein Grab legten, gehörte auch Fürst Bismarck. Bei aller gebotenen Zurückhaltung, denn es galt die Meinung abzuweisen, als hätte er sich sehr tief mit ihm politisch oder wirtschaftlich eingelassen, sprach Bismarck im Reichstag doch mit besonderer Wärme von Lassatle. Es war bei der Beratung des Sozialistengesetzes im September 1878. Bebel hatte erwähnt, daß Bismarck danach gestrebt und mit LassaUe verhandelt hätte, die jozialisttsch- Partei heranzuziehen, sich mit ihr zu verbinden. Bismarck bestritt, daß seine Begegnungen mit Lassatle irgendwie „Verhandlungen" betrafen. „Was mich als Privatmann außervrbenmch anzog, er war einer der geistreichsten und liebenswürdigsten Menschen, mit denen ich je verkehrt habe. Ein Mann der ehrgeizig im großen Stile war. Den kümmerlichen Epigonen, die sich jetzt mit thm brüsten, hätte er ein g u o s e g o zugerufen, er würde sie außerstande gesetzt haben seinen Namen zu mißbrauchen. ... Lassalle war ein seyr energischer, geistreicher Mensch, mit dem zu sprechen sehr lehrreich war. Unsere Unterredungen haben stundenlang gedauert und ich habe es stets bedauert, wenn sie beendet waren. Von „Verhandlungen" war schon deshalb nicht die Rede, weil ich in unseren Unterredungen wenig zu Morte kam. (Heiterkeit.) Er trug die Kosten der Unterhaltung allein, aber er trug sie in angenehmer und liebenswürdiger Meise. Jeder, der ihn kannte, wird mir in dieser Schilderung recht geben. Ich bedauere, daß seine polittsche Stellung und die meine mir nicht gestatteten, viel mehr mit ihm zu verkehren, aber ich würde mich gefteut haben, einen Mann von dieser Begabung und geistreichen Natur als Gutsnachbarn zu haben." Mit gutem Recht hob übrigens Bismarck wiederholt und nachdrücklich hervor, daß Lassatte ein Mann von echt nationaler Gesinnung war. Wenn an Laffalles hundertstem Geburtstag dieses tnerkwüvdigen Mannes in gebührenden Ehren gedacht' wird, dieses Mannes, dessen Lebensarbeit heute noch jo stark nachwirkt, dann wird man auch dessen gedenken dürfen, daß vieles in seinem Rechlseifer, ln seinem ungestümen Drang der Bedrückten sich anzunehmen, ein Erbteil seiner jüdischen Abstammung und Erziehung gewesen war. _ Ferdinand Laffalle und dasFudentvm. Von Dr. L. Barscha k. » I. Ferdinand Laffalle gehört zu den Menschen, in deren Leben ein überreicher Inhalt in eine Karge Zeitspanne zusammengepreßt wird, und deren Leben doch der Vollendung im höchsten Sinne ermangelt. Es bleibt Fragment, Torso. Ein Ziel wird erschaut, erstrebt, aber nicht erreicht. Der Ölbau in Kanaan. Von Wilhelm Wölkerling. Wie der edle Weinstock nahm der noch wichtigere Oel- oder Olivenbaum, dessen Zweig in dem Schnabel der heimkehrenden Taube nach der großen Flut zum Sinnbild des Friedens wurde, im Gartenbau des gelobten Landes die hervorragendste Stelle ein. Ueberall erfreute er sich der sorgsamsten Pflege, und das dankbare Gewächs vergalt diese Aufmerksamkeit durch eine reiche. Ernte. Der kalkhaltige, steinige Boden enthielt überdies in vorzüglicher Güte alle di« Stoffe, die der fönst anspruchslose Baum a« seinem Gedeihen verlangte. Darum war er auch in allen Teilen des Landes so massenhaft angebaut, daß man ihn mit vollem Rechte das Wahrzeichen Kanaans nennen konnte. Es gab kein Dorf, das nicht von Olivenaarten umgeben war, und schon von weitem kündeten solche Haine die Nähe menschlicher Niederlassungen an. Fm Lande Ephraim fanden sich wie an der phönizischen Küstenebene die. ausgedehntesten Oelbaumpflanzungen. Das ganze Tal von Hevron war ein großer Olivenwald, und Bethlehems Reichtum bestand in seinen Oelgärten. Die Ortschaften des benachbarten Philisterlandes, die blumenreiche Ebene Saron, die Hochebene Gilead und ihre weitere Umgebung schmückten herrliche Olivenwülder und gewährten auf dem sonst öden Kalkgestetn einen prächtigen Anblick. Der Oelbaum ähnelt mit seinen immergrünen, schmalen, länglichen. unterseitv silbrigen Blättern dem wunderlich verschlungenen Astwerk unserer Weide, unterscheidet sich aber von ihr durch den knorrigen Stamm, der infolge des langsamen Wachstumes ein hartes, gelbliches, äußerst wertvolles Nutzholz lieferte. Das war aber nur ein Nebenzweckdenn man pflanzte den Baum einzig und allein wegen feiner geschätzten Steinfrüchte an. die sich in großer Zahl aus den schneeweißen, angenehm duftenden, vierspaltigen. glockigen Blüten in achselstiindlgen Trauben entwickeln. Mit hoffnungsvollem Blick schaute der Oelbauer in die Zukunft,- denn wenn nicht dle gefürchtete Oelflicae verheerend auftrat, heftige Stürme fern blieben und genügender Tau das ausgedörrte Erdreich befeuchtete, durste er "eine' reiche Ernte ermatten. Dann herrschte allgemeine Freude. Gehörten doch die Oliven zu den unentbehrlichsten Früchten des Landes, und von ihrem Gedeihen hing das Wohl und Wehe vieler Familien ab. Fm September waren die Oliven reif. Sie hatten, bei der Größe unserer Pflaumen, eine schwarzgriine Farbe. Jung und LasMe wurde am U. April 1885 zu BrsSlau als Cohn eines wohlhabenden Kaufmanns geboren. Der Vater stammte aus Loslau in Oberschlesien. Loslauer — Löffel — Lassal; Laffalle schrieb sich der Sohn erst nach einem Aufenthalt in Paris.) In das Leben im Elternhause und in die Entwicklung und Jugendgeschichte Laffalles gewährt das Tagebuch, das er als Fünfzehn- und Sechzehnjähriger führte, einen tiefen Einblick voll psychologischen Reizes. LassaUe schildert seine Schulerlebniffe, den Kreis, in dem er lebt, kritisch/frühreif: oft wird man unsympathisch berührt, aber immer wieder wirkt die strenge Wahrhaftigkeit versöhnend, denn nichts wird verschwiegen oder beschönigt. Aus seinen eigenen Wunsch meldet ihn der Vater vom Gymnasium ab und bringt ihn nach Leipzig auf eine Handelsschule. Da aber erwacht in öem Knaben die Erkenntnis, nicht zum Kaufmann geboren zu sein. „Es ist mir jetzt klar geworden, daß ich Schrift will hintreten vor das deut Letter werden will. Ja, ich che Volk und vor alle Völker und mit glühenden Worten zum Kamps für die Freiheit ausfordern. Ich will nicht erschrecken vor dem drohenden Äugenzucken der Fürsten, ich will mich nicht bestechen lassen von Bändern und Titeln, um, ein zweiter Judas, die Sache der Freiheit zu verraten. Rein, ich will nicht eher ruhen, bis sie bleich werden vor Furcht. Von Paris aus, dem Lande der Freiheit, will ich wie Börne das Wort zu allen Völkern der Erde schicken, und alle Fürsten follcix zähneklappern und einseh en, ihre Zeit ist gekommen." Es sind Worte eines Fünfzehnjährigen, mit aller Uebertreibung eines solchen, aber sie formulieren doch ein klar geschautes Ziel. Der Vater sieht seinen Herzenswunsch jetzt erfüllt: Der Sohn will studieren. Er will „das größte, umfassendste Studium der Welt, das Studium der Geschichte" ergreifen. Rach mancherlei Schwierigkeiten, die ihm von der Schulbehörde in den Weg gelegt werden, besteht er 1843 nach privater Vorbereitung das Abiturium. Es folgen Studienjahre in Breslau und Berlin, in denen die Bekanntschaft mit der Philosophie Hegels entscheidend für Laffalle wird. Sein Denken wird von seiner Studienzeit andauernd von Hegel beeinflußt: vor allem ist es dessen Staatsanschauung, die für ihn maßgebend geworden ist. Hier wird endgültig mit der naturrechtlichen Lehre vom Staatsvertrag gebrochen: der Staat ist die Verwirklichung der sittlichen Idee. Äuch soziale Probleme treten an den Studenten heran, ihm wesentlich durch die sozialistische Literatur der Franzosen vermittelt. Noch sind seine Zukunstspläne unsicher: er arbeitet an einem Werk über Heraklit, das ihm die akademische Laufbahn eröffnen soll. Da lernt er 1846 Sophie v. Hatzfeidt kennen. Er wird ihr Bevollmächtigter in ihrem Eheprozeß, und zehn Jahre lang führt er den Kampf ums Recht für sie. Prozeß reiht sich an Prozeß: Laffalle bildet sich zum vollendeten Gerlchtsredner aus. Das Streben nach wissenschaftlicher oder politischer Tätigkeit wird vollkommen zurückgedrängt. Sophie v. Hatzfeldt und sein Vater, hat er einmal geäußert, wären die einzigen Menschen, die er wahrhaft liebe. Was ihm die Gräfin bedeutete, hat er in späteren Jahren auf das schönste ausgesprochen: „Sie ist mein eigenes, noch einmal verkörpertes Ich. Sie ist identisch mit allen Gefahren und allen Triumphen, allen Aengsten und allen schweißtriefenden Arbeiten, allen Leiden, Anstrengungen und Siegesgenüffen, kurz, mit allen Emotionen, die meine Seele je durchgemacht hat. Sie ist so identisch mit meiner Seele selbst." „Mein Verhältnis zur Gräfin hat von dem eines Sohnes zur Mutter und eines Bruders zur Schwester und eines Freundes zum Freunde und eines Vaters zur Tochter — es hat von alle diesem etwas, aber es hat nichts von dem eines Liebenden zur Geliebten." Sie blieb dauernd mit ihm verbunden und hat nach seinem Tode sein Werk Alt beteiligte sich an dem Einsammeln; denn der Oelbauer brauchte jetzt reichliche Hilfe. Munter ging die Arbeit vonstatten, und die Jugend konnte nicht genug die köstlichen Früchte loben, deren Vorzüglichkeit sie dabei immer wieder erprobte. Zuerst kam die Auslese, die darin bestand, daß man die völlig reisen, tadellosen Oliven mit der Hand pflückte. Sic ließen schon nach einem ganz gelinden Drum das klare grünlich gelbe Oel fließen. Dieses wurde viel begehrt und stand als Edelware hoch im Preise, so daß ein jüdischer König selbst dem ägyptischen Pharao mit diesem „Fungfernöl" ein fürstliches Geschenk machte. Weniger Sorgfalt erfuhren die Mittelsrüchte. Man schlug sie rücksichtslos mit sangen Stangen ab oder schüttelte sie von den Aesten und suchte sie auf, wie man bei uns die Wallniiffe aufliest. Ein mittelmäßiger Baum gab durchschnittlich gegen zwei Zentner Oliven, die 30 bis 50 Pfund Oel lieferten. Mit dem Keltern mußte bald begonnen werden, da die oft verletzten oder angestoßenen Früchte leicht in Fäulnis übergingen. Dies mußte unbedingt vermieden werden, weil das Oel dann einen unangenehmen Beigeschmack anuahm und dadurch an Wert einbüßte. Das Pressen geschah auf ganz einfache Weise. Man legte auf große, etwas nach unten geneigte Steinsliesen glatte Bretter und darauf die dünn ausgebreiteten Früchte, und übte durch das Körpergewicht der damit beschäftigten Arbeiter, die sich an einem hölzernen Gerüst sesthielten, den nötigen Druck aus. Oelmühlen, die durch Esel in Bewegung gesetzt wurden, kamen erst spät auf. Das langsam abfließende Oel sammelte sich in steinernen Becken oder andere» Gefäßen und wurde erst nach mehrtägiger Ruhe behutsam abgcgossen, wvbei der Bodensatz zuriickblieb, und durch engmaschige Siebe oder Leinentücher von den letzten faserigen Beimischungen befreit. Diese mühsame Arbeit verlangte neben großer Sorgfalt peinlichste Sauberkeit, und bedingte ihre genaue Beachtung den Preis der «Ware. Denn die Händler und'Krämer waren gewiegte Kenner, die minderwertige Angebote einfach zurückwiesen. Das Olivenöl spielte in volkswirtschaftlicher Beziehung als wichtiger Handelsartikel für das Land eine bedeutsame Rolle. Fm Haushalte vertrat es die Stelle unserer heutigen Butter. Man briet und buk mit ihm, tauchte das Gemüse hinein, richtete damit Salate an, träufelte es auf das tägliche Brot, benutzte es als heilende Arznei bei Mensch und Tier sowie zu gottesdienstlichen Verrichtungen, wühreno die geringeren Sorten zum Brennen dienten oder als Schmiermittel Verwendung fanden.