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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-04-10 · 15 (10.4.1925) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
15 (10.4.1925)
Date
1925-04-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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-er -Mvlsche Enltz«slq-pmr de- MmächMy Güte in dem ■m Hnxecht viel verschrienen 145. Psalm, kommt in Form und Gort durch die Uebersrhung zu vollendetem Rusdruck. Ebenso vollenSek war aber fyle chetorilsche Kunst, mit der die Deklamator In Miefe. Stücke — sämtlich aus dem Kopfe! — vortvug. Sie spricht chne hohle Theatrulik oder geistliche Würde, sondern stellt alles Avfs rein Menschliche, dafür aber spürt sie allen Einzelheiten Mt seinsl-rr Empfindung nach und ballt sie dann zu großen StirnmungSeivheiten zusammen. Eine reine und gleichsam aromatische Stimme, die gleichklingend hleibt im lyrischen Pianisslmo wie Im heroische« Fortissimo, unterstützt den Vortrag ebenso wie ein avz innerster Seele hermrfkpmmendeS Misnenfpiel. das sich doch nie M sehr hervordrängt. So gelingt ihr das Leidenschaftliche chensto wie daä oratorifch Epische, das Düstara wie das Strahlende, und sie reiht auch dm Kältesten und Mlderstrebendsten in die Gefühlswelt der Bibel mit. Den ganzen Abend über hatte man den Eindruck höchster Kultur. — einer Verbindung von Geschmack mrü Dirtuo-sttät und religiSs-künst'erischem Gehalt, die sozusagen geschlechkerlang vor» ieteifef ist, eines hervorragenden Beispiels von deutsch-jüdischer Geistesart. Das gab der ganzen Veranstaltung eine weit über das Gewöhnliche hinaus-gchende Bedeutung. Elberfeld. Am Mittwoch, den II. März, sprach im Kreise des jüdischen Wohlfahrtsverbandes Herr Kaplan Carls, der Generalsekretär des hiesigen katholischen Caritas-Perbandes. über Heist und Sinn der modernen Wohlfahrtspflege mit besonderer Berücksichtigung der Jugend. Gleichzeitig mit der Einladung zu diesem Portrag hat der jüdische Wohlfahrtsverband bekannt gegeben, daß seine Geschäftsstelle nunmehr „Jüdisches Wohlfahrtsamt" beißt. Zn einer außerordentlich gut besuchten Versammlung sprach am Montag, den Iti. März. Herr Professor Dr. Goldstein ans Darmstadt über das amerikanische Judentum. Die vielen Besucher dieses Vortroges wurden nicht enttäuscht, denn hie Ausführungen des bekannten Redners waren so interessant, daß man ihm wohl noch eine Stunde länger zugehört haben würde. Der Redner brachte vor allen Dingen aus seinen eigenen Erlebnissen sehr viel Neues und bisher den meisten Unbekanntes. Mit diesem Dortrag beendete der hiesige Mendelssohn-Verein die Reihe seiner Vorträge des diesjährigen Winters. Die Turnabende des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten üben auf unsere Tugend, da es hier einen besonderen jüdischen Turnverein nichr gibt, nach wie vor die größte Anziehungskraft aus. Das Geschäftsjahr des neutralen jüdischen Jugend-Vereins wurde am 24. März beschlossen'durch einen Vortrag von Herrn Dr. Heinz Kahn über „Karl Kraus, ein Prophet und Jude unserer Zeit". Die Bemühungen der hiesigen Gemeinde und der Bergischen Loge, die hiesige Jugend im neutralen jüdischen Iugendverein zujammenznschließen. machen immer weitere Fortschritte, so daß mit dem Zusammenschluß in der nächsten Zerr zu rechnen ist. Frankfurt o. M. Das Philantropin versammelte sich zu einer Gedenkfeier für Philipp Schiff, der Schüler und Wohltäter der Schule war. Herr Dir. Dr. Driesen schilderte den Verstorbenen als einen Menschen, rer seine Tage zählen lernte und ein weises Herz erlangte. Er sei nicht nur Philantropiner sondern auch Philantrop gewesen, der niemals müde ward zu geben, der aber außer einem guten auch ein weises Herz besaß, das ihm zeigte, richtig und mit richtigem Maß zu geben. Nur für eines habe sein Herz nie eine Schranke ziehen können, für seine alte Schule. Wie er an dieser gehängt hatte, und mit welchem gutmütigen Humor er an seine Schulzeit zurückdachte, das zeigt ein Kapitel Schiffs selbst, das Driesen porlas. Am meisten habe er angestrebt, was ja jetzt erreicht sei. daß das Phitqnftoptn Bollschule werde, und somit zur akademischen Laufbahn vorhtzrejte. Es - war ein merkwürdiger Zusammenhang, daß die Nummer der Frankfurter Zeitung, die die Mitteilung von der Genehmigung der Oberstufe brachte, gleichzeitig die Nummer war. in der die Todesanzeige desjenigen stand, der an dieser Idee am meisten gehangen hatte und sie gerade noch verwirklicht sehen durste. Chöre der ergriffen lauschenden Schüler und Schülerinnen rahmten die stimmungsvolle Gedächtnisrede ein. Frankfurt a. M. Als verspätete Purimveranstaltuna wurde zugunsten des Jsendurger Heims Goethes Jugendmerk ..Der Jahrmarkt von Plundersweiler" gegeben. 2m Mittelpunkt dieses Stückes steht die Tragödie vom bösen Haman und von der Errettung der Juden durch Mordeschu. Dieser Staff hat ja ln sämtlichen Literaturen des Abendlandes Eingang gefunden, und die verschiedensten Dramatiker haben ihn als Vorlage für ihre Dichtungen benutzt. In der französischen Literatur ist er von Racine in seiner Tragödie „Esther" verarbeitet worden und besonder» an diesen Dichter lehnt sich Goethe an. der allerdings nur zwei Szenen der Tragödie vorfuhrt, di» Derläumdung der Juden durch Haman unb ihre Errettung durch Mvrdechei. Den flehentlichen Bitten des Letzteren gelingt es. di« Königin Esther zu veranlassen, daß sie beim König Ahasveros für das Leben der zum Tode bestimmten bittet. Auf einem Jahrmarkt läßt Goethe diese Szene durch fahrende Schauspieler aufführen, während das bunte und muntere Treiben eines Volksfestes herrscht. Das Volk belustigt sich durch heitere Vergnügungen, und die verschiedensten Handelsleute preisen ihre Waren an. Unter der Regie des Herrn Robert wurde Tüchtiges geleistet, wenn auch ein Teil der Mitwirkenden sich bisweilen noch nicht recht mit der ungewohnten Aufgabe der szenischen Darstellung vertraut gemacht hatten; jedoch Dilettanten muß manches verziehen werden. Echt künstlerisches Empfinden zeigte lediglich Liefe! Simon als Esther, die mit Anmut und vollendeter Lieblichkeit ihr vielseitiges Talent zur Geltung bringen konnte. Getanzt wurde unter Anführung von Fräulein Iacoby äußerst flott, und manche Dame konnte hier ihre Kunst zeigen. Der wohltönend« Baß des Herrn Erl. der im zweiten Akt einige Lieder zu Gehör brachte, riß die Hörer zu stürmischem Beifall hin. Fm allgemeinen aber mußte dic Aufführung den Eindruck krassesten Dilanttantismus hinterlassen: das Theaterspielen sollte man doch wirklich geübteren Künstlern überlassen. Frankfurt a. O. Am l. April verließ Herr Rabbiner Dr. Salomonski unsere Stadt, um einem Rufe nach Berlin zu folgen. Aus Veranlassung der Gemeindekörperschaften versammelten sich die Mitglieder, um sich von ihrem Seelsorger und Freunde zu verabschieden. 2m Namen des Vorstandes hob der Vorsitzende die umsichtige, rastlose, gewissenhafte und erfolgreiche Tätigkeit des Scheidenden zum Wohl der Gemeinde und des gesamten Judentums rühmend hervor, während der Vorsteher der Repräsentanten ihm den Dank de» Kollegiums und die wärmste Anerkennung aller Übermittelt«. Sehr herzliche Worte fand der erste katholische Geistliche der Stadt, der die Grüße seiner Gemeinde brachte und schilderte, mit welcher Liebe und Hochschätzzing man auch in anderen Kreisen Frankfurts und des ganzen Bezirkes, bei den staatlichen und anderen Behörden des Scheidenden gedenken werde. Als der Pfarrer die innige Freundschaft ermahnte, die ihn mit Herrn Dr. Salomonski und seiner Familie auch weiter vereinen werde, waren alle Anwesenden aufs Tiefste, ergriffen. Ferner sprachen Vertreter des Jugendbundes und der Ortsgruppen des Central- Vereins, und rühmten die Arbeit unseres Seelsorgers in ihren Organisationen, die er geschaffen, und zu ihrer jetzigen Hohe geführt habe. Am letzten Sabbat hielt dann Herr Dr. Salomonski in unserm festlich geschmückte» Gotteshause seine Abschiedsredc. und am Nachmittag versammelten sich an der gleichen Stätte alle Schüler unserer Gemeinde zu einem letzten Jngendgoitesdienst um ihn. Am folgenden Tage fand in lehr großem Nahmen eine Feier in der hiesigen Hardenberg-Loge des UOBD. statt, deren Gründer und erster Pkäfident Herr Dr. Salomonski war. In ausführlicher Rede würdigte der derzeitige Präsident sein rastloses Wirken für das Wobl des Ordens. Von Nah und Fern waren Vertreter der Gemeinde«, auf die unser Rabbiner seine Seelsorge ausgedehnt hatte, herbeiaeeilt, um ihre Liebe und Dankbarkeit nochmals zu bekunden. Unter vielen Sprechern erwähnen wir nur Herrn Rabbiner Dr. Elsaß. Landsberg a. Warthe, der die Grüße seiner Gemeinde überbracht« und ergreifende Worte des Abschiedes von dem treuen Freunde und Amtsbmder sank Als sichtbares Andenken an seine hiesige Tätigkeit wurden dem Scheidenden reiche Ahschredrgaben ' der Gemeinde und der genannten Organisation««> überreicht. Nicht unerwähnt bleibe schließlich, daß auch der Führer der hiesigen Zionisten. Herr Rechtsanwalt Aronheim, bei der letzten Jahresversammlung der Chemra Kadischa in bemerkenswerter Rede Lob. Dank und Anerkennung unserem Rabbiner in wärmsten Worten gezollt hat. — Möge es dem Scheidenden und seiner Familie auch fern von unserer Gemeinde. die ihm ein treues Andenken bewahrt, Wohlergehen! Hamburg. Bei Eröffnung der Hauptversammlung de» Israelitischen humanitären Franenvereins wies die Vorsitzende Fräulein Lidonie Werner (2. Vorsitzende des „Hamburger Stadtbund") auf die sich stark vergröbernden und nur durch »mmmUmiIi Scheck» dl*Mf '«MW Güter» doch 1« letzt«» «m» stntuMTt Voitze». ,_Motzeit zj» tzchyättige«-e« Lehre» »MrchVe» Verein» hi«. Mr IffloOQ Mord arrfgekracht . «her die «tatim« Abteilungen, ihre Stele und Mrheft bertchtVe« tzteronf die ÄbteilvNgelettennneu. vo» denen Sen« Avni Bauer nie »Müleistandsküche" schilderte, die nicht nur dort «« e» wünsch««»»«rt erscheint, auch weiter ein kräftiges Essen zu niedrigen Preisen verabfolgt, sondern über dien hinaus Gelegenheit zu gemütlichen Erholung,stunden und zu festtäglicher Besetz»«- der Feiertage schafft. Pom Segeberger Erholungsheim, das t« Vorjahr eine« größeren Umbau unterzogen und »um Teil neu eingerichtet wurde, sprach Frau Lalawon. -ine Erweiterung dieser so notwendigen Pflege und Kräftigung der Fugendlichen bedeutet dir Versendung tuberkulös und ikrovhulö» veranlagter Kinder in di« KmderheiistStte auf Wo», deren eine Abteilung vom Hamburger Wohlfahrtsamt dem yumanttäre« Frauenvarein zur Unterbringung feiner Schützlinge überlassen wurde. Die Zahl der hier im Sommer 1924 m beet Kurperlode« untergebrachten Kinder betrug nach dem Bericht von Frau Dr. Bargeduhr 136. Auch hier waren die Kurerfolge, trotz hegreiflicher Erschwerungen, lehr erfreulich. Ebenso segensreich betätigte sich auch der ..Fürsorgeausschuß". dessen jetzige Leiterin Frau Heimann darauf hinweist, haß e» sich hauptsächlich um Schaffung von Erwerbs- «öalichkeiten handelt. Die letzte und jüngste Arbeitsgruppe ist die von Frau Meyer-Lehmann geleitete Bezirksgruppe linker Alsterufer, die ebenfalls eine äußerst rege und erfreuliche Tätigkeit entfaltete. Der Weiterverlauf der Tagesordnung brachte dann den von Frau Luria gegebenen Kassenbericht, dem Frl. Werner den Hinweis auf die so schwierige Beschaffung der für so verschiedenartige und umfassende Sozialarbelt unerläßlich notwendige« Geldmittel und warme Anerkennungsworte für alle getetltete Arbeit und Mühe, wie auch für jede pekuniäre InteressenLetätigung anfchloh. Da» Ergebnis der Dorstandswahl war eine durch Akklamation heroelgeführte Wiederwahl der früheren Vorstandsmitglieder. Bestätigung der im Laufe des Berichtsjahres durch verschiedene. Austritt« notwendig gewordenen Zuwahlen, der Dame« Katzenstein. Jaffä, Meyer-Lehmann. Hochberg »nd die Neuwahl von Frau Dr. Derenberg und Frau Dr. Engelmann. Königshofen. Auf dem jüdischen Friedhof in Königshofen wurde eine große Anzahl von Grabsteinen «mgeworfen. auc mehreren Grabdenkmälern wurden die Marmorplatten heraus geschlagen und die Trümmer auf dem Friedhof zerstreut. Die Erhebungen sind elngeleitet. bisher wurden die Täter nicht eruiert. Lanka (Hessen). Lehrer Jakob Spier, der seit seinem Abgang vom Kasseler Seminar im Jahre 1879 in hiesiger Gemeinde als Lehrer und Kantor tätig war, feine 46jährmr Amtstätigkeit also ausschließlich hier verbrachte, und als Erzieher der Jugend Ersprießliches geleistet hat. auch den Erwachsenen durch rettgiöse Belehrung Führer im wahrsten und edelsten Sinne des Wortes wurde, trat am 1. Avril in den wohlverdienten Ruhestand. Mit Bedauern sieht ihn di« Georcinde. deren Interessen er mit seltener Treue und Gewissenhaftigkeit vertrat, au« seinem Amte scheiden. Seine Liebenswürdigkeit hat ihm tr> allen Kreisen große Sympathien erworben. Die besten Wünsche eines ungetrübten, frohen Lebensabends begleiten ihn für die künftigen Jahre. Die Stelle soll bald wieder besetzt werde«.' Beverdungsgesach« nimmt das Dorsteheramt der Israeliten in Kassel entgegen. §| Aue der Bewegung. § I MM »f ♦ ** MM« 4»<' (Fortsetzung vom HauptblLtt.) Frankfurt ». M. Sin erster Bersammlemgsab«nd ries am Dt-rnAtag. den 24. März« die Mitglieder Her neybegrünsaljan Jugendgemeinschaft zusammen. Den Men» leitete ein Bveßöaa des Herrn Rabbiners Dr. Geligmann über das Thema: „Was ist liberales Judentum" ein. Er führte etwa folgendes ans: Bon biblischen Zeilen her gab es keine Spaltung im Juden, tarn. Außer einer kleinen Ausnahme, den Karäern. gab es «fr Aaden, kein« solchem oder andersartigen, sondern mir Juban. Und man muß sich fragen, wie konnte diele Einheit zyt-mmengehalten werden? Der äußerlich« Grund hierfür war der Ätt> hal> o v h I e r u sch o l a i i m" sehnsuchtsvoll in ..D a s n ä ch st e Jahr in Berlin" mit antizionistischer Respektlosigkeit verdeutschte. Während dieser Unterhaltung kauten wir Mazzolh.- Krümel, und wir hätten uns an den Passach-5)cimatklängcn sicherlich noch gern erfreut, bis es Zeit mar. das Morgengebei M sprechen, wenn uns nicht das Eintreffen eines neue« Ver wundetentra »Sportes zurück in die rauhe Wirk- "chkeit geführt hätte. Wir trennten uns mit dem Hoffnungswort der Haggahah: Im nächsten Jahre, so Gott will, freie Leutes 2n Frankstlrt a. M. fanden fortlaufend Pressekonfe? lenzen für die Redakteure statt, die im Bereich des Armeekorps amtieren. Oberst Nikolai brachte herzliche Grüße vom Kaiser und von tzindeuburg. Dann wurde an der Hand reichen statistischen Materials der ..Nachweis" erbracht, daß ein bedeutungsvolles Eingreifen Amerikas ganz ausgeschlossen sei, weil an lLchiffsraum fehle und die deutschen U-Boote einen großen Prozentsatz der Transportschiffe versenken würden. Ein Blick genügte, um festzustellen, haß an diesen Konferenzen nur ein kleiner Bruchteil von Presseleuten jüdischen Glaubens iennahnr. Unter den Stammgästen befanden sich viel« Führer der nachkriegszeitlichen nationalistisch-antisemitischen Bergung, die später alltäglich in großen Lettern die Mär von dem jüdischen Dolchstoß pon hinten verkündeten. (Fortsetzung folgt.) Di« Dtsjuduog der altdeutschen Dichtung. Bon Dr. HugoSpiegler, Wien. Ja moinem Artikel über die 3udenfrage auf den Hochschulen, k«e zu Beginn dieses Wintersemesters in der .Jüdisch. liber-alen Zellyng" erschien, habe sch anaedeutet. daß die von den Hakensv sehr bedauert» Verjudung des deutschen Geistes, levenü nicht erst seit den Aevolut'.onen von 1848 und 1918 datiert, lontztzrn schon Jahrhunderte vor der bürgerlichen Emanzipaftorr »er Juden eingesetzt hnl, wie hie Durchsetzung der alldeutschen Poesie mif biblischen und talmudischen Motiven beweist. Mit olel«r Behauptung bin ich aus allgemeinen Unglauben gestoßen, was mich weiter nicht wundert, da die chrlstlich-deutsche Jugend vse Beschäftigung mit der deutschen Literatur den Juden und die Wiche Jugend das Sku-ium des Talmuds den HaKenKreuzlern überläßt, beide Teile daher durch die E-inseitigkeit ihrer Ute> tarltö)Wi Vorbildung außerstande sind, die wechselseitigen Be- 3'ehmgen der genannten Literaturen zu kontrollieren. Ich wurde also pon asten Seiten mehr oder weniger ironisch aufgefordert, für meine „kühne" Bchauptung Beweise zu liefern. Das will ich mennif tun, wobei ich noch besonders betone, daß diele Beweise »elntzn Anspruch aus Vollständigkeit haben, .. Am wenigsten überraschend ist es wohl, daß die zum Christen. ^m.h«achriuu Gurmanen biblische Stoff« poetisch zu be» «veiteni bog-nnen. Bemerkenswert ist hierbei nur hie Tatsache. w von manchen christlichen Strpmünaen der Jetztzeit vrr--- wchle sittliche Kontrastierung zwischen dem Alten und dem Neuen ^stament" hei den Christen des Mittelalters unbekannt war. Charakteristisch in dieser Hinsicht ist es. daß derselbe Sachse, der im 9. Jahrhundert den „Heliand" (Heiland) dichtete, auch das erste Buch Moses in Verse gebracht hat. Rehen dieser altsächsi' s ch e n Genesis siilü aus dem Mittelalter noch drei andere deutsche Bearbeitungen desselben Stoffes erhalten, die nach ihren Fundorten die „Wiener", die „Millstätl« r" und die „B o r a u * f Genesis" benannt wurden. An die „Wiener Genesis" schließt sich ein „E x o d u s".Fragment an, das aber, wie man aus der stilistischen Berschiedenheit schließt, von einem anderen Autor herrühren dürste. Die Millstädter Genesis ist eine Bearbeitung der Wiener und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Borruer Genesis zeigt sprachlich die Eigenheilon der Hebergangszeit von, Alchochdeutschen zum Mittelhochdeutschen, also der Wende vom l2. zum 13. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert machte sich der Schweizer Ritter Rudolf von Ems an dt« Abfassung einer gereimten „Weltchronik. Da er aber nach -amaliaer Sitte mit der Erschaffung der Welt begann, dam er trotz 36000 Versen nur bis Salomos Tob- Auch ein Fortsetzer brachte es nur bis zur Zeit des Propheten Elias. Obwohl also dieses Werk im Stofsbereich des Alten Testaments stecken blieb, fam es bei den Zeitgenosien ungeheuren Anvang. ein Beweis, wieviel liebevolles Interesse das christliche Publikum damals auch der jetzt so vielfach verlästerten „Iudenbibel" entgegenbrachte. Bielleicht werden dt« Hakenkreuzler aus dieser Tatsache den Schluß ziehen, daß die Deutschen des Mittelalters viel schlechtere Christen gewesen sind als der Breslauer Herr Gymnasjälprofessor, der t« unseren Tagen unter Billigung eines preußischen Gerichtshofes die heiligen Bücher der Juden als den Niederschlag sittlicher Verkommenheit entlarvt hat . . . Besonders beliebt war im dsutschen Mittelalter dl« Gestalt des Königs Salomo. Einerseits bewunderte mau lein« sprichwörtliche Weisheit, die ihn sogar zum Herrn drr Dämonen wachte (so im ,.Lob Sa!omos"). andrevsetis belächelte mau seine Vi«(- w e i b e r e t. ,Salomo und Morolf" ist der Titel zweier Gedich^ aus ganz verschiedenen Jahrhunderte« (das ein« entstand um 12QQ, das andere im 14. Iahchundert), die den König in derber, ja obszöner Weise als Hahnrei oerfpotte«. * Andere biblische Hilden altdeutscher Poesie waron Iudittz, deren Schicksal zwei der Zeit und dem Dialekt «ach ganz «erschiedene Bersifexe rum Besingen angeregt bat. ferner Moses, Iysua. Bileam, .^iosef in Aegypten". „Die drei Jüngling« Wn Feuerosen". Diese Gedichte sind t« der „Borauer Handschrift" auf »ns gekommen, aber künstlerisch höchst mindmurertige Reimereien, die nur zum Lachen reizen, wobei die Komik der älteren .Iuditk" vielleicht eine vom Berfaster beabsichtigte war. während di« jüngere „Judith und die meisten der aderen Metten Gesänge Perlen unfreiwilligen, jn der poetischen Impotenz dar Verfasser begründeten Humors dgrstMen. Dagegen hat die anhaltende Beschäftigung mit da« oben mn MS übersetzte, paraphrasierle »nd kommentierte -4 dar Rks Willi« ram. für das näMe. dat«Wo Jahrhundert, ist dar -Ärit' bortsr Hohe £i*(r charakteristisch, für das dreizehnte die Mch. richtung des Magdeburger Konsta^rß BrunovonGchön«' deck — «in« sehr ernste. govMgg Bsvegvng st» dtzlH-an Geisiesieb«« beroorgerufen. die in der Mystik des vierzehnten Iahchunderts gipfelte. Solche Bedeutung erlangte das atttestamen. tarische Liebesgedicht allerdings weniger durch seine lyrischen Vorzüge, als vielmehr durch seine christlich.kheologische Deutung als eines Sehnsuchlsgesangs der „mimenden Seele . die nach der Vereinigung mit Gott strebe. Derlei theologische Deutungen kommen schon in der früher erwähnten „Vorauer Genesis" vor. deren Verfasser beispielsweise die drei Engelschöre als die drei geistigen Kräfte Gedächtnis. Vernunft und Liebe avslegt. Die merkwürdigste und für die Verjudung der altdeutsche» Poesie charakteristische Tatsache ist aber die. daß solche Interpretierungen nicht bloß im katholischtheologischen Geiste erfcüaen, sondern fchr häufig auch im --- rabbiNischen. So isi in das früher zitterte „Lob Salomos" ein fränkisches Gedicht, das des biblifchen Königs Hofhaltung, sein Ansohen und seinen Ruh»> im Spielmannston preist, eine radbinische Sage eingeschaltet: .Octtomo und der Drache". And m diese Kuriosität norl, m erhöhen, begegnen uns talmudische Motive sogar in solcheic Dichtungen, die stofflich mit dem Judentum übechaupt keinen Zusammenhang zu haben scheinen. So enchält das berühmte „Rtezanderlied" des fränkischen Priesters Lamprecht (um IM entstanden) die talmudtiche Erzählung von dem Vordringe i Alexanders des Großen zu den Pforten ves Paradieses, wo er über die Richtigkeit aller irdischen Macht und Groß« avsgekiäri wirb. Das Gedicht des von uns schon zitierten Schweizers Rudatfv«nEmS(13. Jahrhundert) „Der gute Gerhard ist nichts anderes als ein« in das deutsche Kaisermilieu verlegte Variante h«r talmudischen Erzählung von dem gelehrten Rabbi, der seine" Künfsigsn Genpsien m Paradiese kennen lernen will. Gott zriai ihm im Traume den — Schächter. Voll gekränkter Eitelkeit sucht der Rabbi am nächsten Morgen diesen schlichten Mann aus uni erkundigt sich nach dessen gottaefLAgen Werken. Da erfährt et «ine GHchlchte von edler Aufopferung und Selbstüberwindun-p die in ihren wesentlichen Zügen mit dem ühereinstnnmt. was der christliche Held des Gedichts m Rudolf von Ems vollbracht hat. Der Nürnberger Meistersinger Hans Sachs dichtet im Sabre 1359 einen Schwank folgenden Inhalts: Ein Witwer, 50 Jahre alt. mit teils noch schwarzen, teils schon grauen Haaren, heiratete zwei sifrauen, eine alle vnd eine junge. Die alte zupfte ihm j^ " schwarz» Haar aus, *<u»f daß er würde au Gestalt -- ihr gleich geschaffen, grau und alt, — um feine Gunst dann zu erschleichen. - da gleich sich freut mit seinesgleichen". Die junge tat aus Eifersucht das Giwentetl: ..Wo sie graue Haare fand, zupft sir 9? ans mit flinker Hand." Po bekam der Mann schließlich einen kahlen Kopf, mit dem er seinen Sohn erblich belastete. Daher starumen di» Kahtk-yfe tn der Welt. Diese heitere Geschichte steht — ohne die rafsentdeorettsche Schlußfolgerung Sachsens — wörtlich im Talmud (Baba Kama 00). Hans Sachs gibt allerdings eino andev» Su«a an. und es ist Ihm ahne weiteres zu glauben, di»; er hi» eigentliche nicht hat. Es tff ja das typisch« Schick« des Iudantums. di« Grifteskvkd» 6« GauWdrtt tmmröfcfM&tfi» haben und noch zu k - fruchten ynd »er«ä«wtt m»-an Pank ßskroae« zu weeden, wett! die an Hm tza, nicht «Ml M P» i» f»f«»r Schuld fichen,

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