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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-04-10 · 15 (10.4.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
15 (10.4.1925)
Date
1925-04-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«otifliudttt Frieden zu sichern. Er wird ei» Wellkomitee nur 1000 Pers»«m gebildet werden, in welchem die folgenden 11 Ko«' Zessionen Kn ^KrböÜnis -u ihrer Stärke vertreten fein werden: Jede dieser Konfessionen wird aus de« Kongreß durch einen Vizepräsidenten vertreten sein. Die praktische Tätigkeit der zu schaffenden Wellfriedensoereinigung der Kirche wird von eine« Sügliedrigen Komitee, welche» seinerseits einen 7ali«dttgen engere« Rat wählen wird, geleitet »erden. Die Dmglteder de» zu schaffenden «Komitees der Tausend" werden nicht «mein durch die Kirche», ernannt werden, sondern sie werden laut ihrer Eignung gewählt werden. So« der llnirxrsitSt Zerofale«. Anläßlich der Eröffnung der hebräischen Universität 1« Serusalem hat das vorbereitende Komitee für diese Lchchätte ein Heft herauggegehen. in dem die Vorgeschichte der Universität, ihre Ausgestaltung, die Bibliothek und die Verwaltung kurdargestellt werden. Man darf auf Grund dieses Schristchens. das mit mehreren vortrefflichen Reproduktionen geschmückt «st. hoffen, daß auf dem Skopus-Berge in Jerusalem in der Tat eine Stätte vorurteilsfreier wissenschaftlicher Forschung und geistiger Durchdringung im Entstehen begriffen ist. Aus -en Gemeinden. Berlin. Die Gesellschaft für Gesundheitsschutz der Luden „ASS", die seit ihrer Gründung im Jahre 1912 sanitärhygienische Propaganda unter den jüdischen Bolksmassen in ihr Programm ausgenommen Hot. entfaltet aus diesem Gebiete eine bedeutende ersolgreiche Tätigkeit. Um dem Volke allgemein hygienische Kenntnisse in anschaulicher Md faßlicher Form beizubringen. bat die ..OSE" ein hygienisches Wandermuseum mit Aufschnften in jüdischer Sprache in Dresden aufstellen lassen. Am 5. April cröffnctc die Gesellschaft ..OSE" dieses Museum in Berlin, im großen Repräsentantensaal der jüdischen Gemeinde (Orünienl-.rirgerstr, 29) für di« Dauer von 2 Wochen. Täglich geöffnet von 2—6 Uhr, an Feiertagen auch von 10-~12 Uhr vormittags. Beim Museum wird ein Dienst' von Aerzten organisiert, der die nötigen Erklärungen in deutscher und jüdischer Sprache erteilen wird. Die „$28" hofft, daß das Museum sich eine» starken Besuches erfreuen wird, nicht nur von den astjüdischen Einwanderern, sondern auch von den deutschen Freunden der „OSE". Berlin. Die Zunz^tfftung uuterftützt solche ungedriuckten Arbeiten «durch ein: Beihilfe ju Len Dmckkosten. welche in Mp. logisch-historischer Methode die Wissenschaft des Lrdenkms förbml Die AntraOriefe sind in deutscher Sprache und begleitet aon der ganzen Arbeit oder von einem für dir Beurteilung aus. reichenden Telle dis zum 1. Mat lSV M Fräulttn MMlewicz, Veriin % Artillerkssr. 1s. eiMfeichen. Für Istrd flnd IM M. . VerNn. Der 22. Mtrg b. S. vereinigte öle wissenschaftliche Wereintgyna iGischer Lehrer und Lchrertmien ZU Berlin zur Acker «res 30. Gedurt»ba«S, der im Rabme« einer FMHung «Kchia vegange« wurde. Dt« zahlreich erschienenen Kolleginnen , , . . Lävenherg. Herr^«s^lmrz auf dl« Geschichte der. de» verftesfenen SO ei«, gedachte 1b dewegten Werten der Männer und Fronen, di« heute nicht mehr unter uns weiten, eher deren rastlosem Bemühen im Dienste der W. D. eg in brr Savpveche zu danken fei. daß wir jetzt für nufere Kvstegenschast ti» sichere Grundlage ihrer äußeren Existenz schaffen konnten, denn gerade am Morgen des 22. März habe di« Hemrivdeperice&tta den hochwichtigen Beschluß gefaßt, daß jeder Relial-n-- leheer. der sich im Dlewst« der Gemeinde bewähre, spätesten» nach stehen Dienstjahren armestellr «erden myß. Anstrrdem fei eine ganze Ralhe von RellckpnSIchrern fest angasteüt worden, und andere, bat denen eine Festanttellung nicht mehr möglich gewesen sei. hätten für ihr Alfer die PenstonSderechttch«« zuerkannt er. halten. Obgleich -lese materielle Sorgen, so führt« der Festredner weiter aus, für uns immer Sorgen zweiter Art gewesen seien, so hätte» wk doch nie vaökannt. daß die «ifsenschofillche ÄrchMuna ohne mabrrielle Sicherstellung gar nicht möglich sei. Da» Happs, sächlichste Ziel. «issenfchafWche Arbeit zu leisten und die Lehrer mJö heranAchWen, hätten wir während der SO Jahre stets vor Augen gchaht. mch es ist uns auch geglückt, einige Bücher zu uechesfeen and neue tzeravsmgchen. Mt einer gewissen 0»r nutzt«»« stellte Kalleae HlcheWb fast, daß die W. B. hier in Berlju und nach im Reiche heute eine achtunggebietende hML «innadme. und -atz die Gam-Undebehörden mit ihr in engste anadme getreten seien, werde die ..MfsenfchaftUche Bar- FEvngr elntmma Mscher Lebvrr und Lchrerkme» zu Berlin", die ja den «eltauS größten Teil aller Berliner Machen Lehrer in sich vereine, wm unserem Geareindeoorstande doch als dt« heWfene Bettrehma der Mischen Lehrerschaft zu Berlin ätschen. Zum Schluffe SLennltrckte er vn» die Glückwünsche der Gemei-nde-Äor. standet and der Gemeindebehörden. Das Taema oea Feftoortoaue» lautete: ^Arbeitsschule und Mischer BettgienSunterricht." Auf den Anhalt dieses auilgezelchneten Vortrages hier einzvgehen. kann ich mir wohl versagen, da er ja auch zu den Themen der Kölner VerhandStaaung ge. hört. Es war. wie eS immer ist. wenn Herr Dr. Lmoenberg spricht, fesselnd und interessant, and Hörerinnen und Hörer stan. den von Anfama-4s Ende im Banne der geistvollen Ausführungen. Dann kam Sie Kaffeetafel. — Zur Stimmung. die eben ein GeburtStagSkaffee erfordert, leitete die humorvoll« und witzle Ansprache deS Kollegen Abraham flbtr. AuKachend vom bevor' stehenden Peflach. der Hagadah, hatte «r mit „mah nischtanoh" und «daftllm -1« Lacher auf seiner Seite. Besonderes Lob und reichen Beifall erntete Fräulein Borchardt. bi« Tochter unseres Kollegen 3. Borchardt. die von Frau SeminarL-chrer Feige auf dem Klavier begleitet wurde, Lieder von Schubert. Brahms u. a. kunstvcklendet vortrug. 3m Laufe des Abends ergriff Herr Dr. LSwenherg noch einmal da» Mort, um in „ernster Rede" die Berdlenist« der drei MiGegründer der W. V. A. Auerbach, M. Abraham und H. Falkenberg gebührend zu würdigen und schloß mit einem donnernden Hoch auf sie. An einer zu Herzen gehenden Rede, in der nichts von der Resignation des Alters zu spüre« war. bewies uns Kollege A. Auerbach, daß fein Arbeitsfeld stets war und auch in Zukunft bleiben wird, da» -er jungen und jüngsten Kollegen. Ruht zu den Alten, sondern zu den 3ungen müßten wir ihn zählen. — Fräulein 3-nas sprach im Namen der jungen Lehrergeneration, mit Eifer und Liebe am Merke der Alten meitorzuachellen und es zu einem erstrebenswerten Ziele führen zu helfen. Kollege Georg Lewin trug mit echt schauspielerischem Können humorvolle Gedichte und Lieder jüdischen öÄälts vor und erntete reichen Beifall. Kollege 3. Brock feierte in,A gehaltvollen Säßen" die großen Verdienste unseres 1. Vorsitzenden um di« W. V. lieber 23 Aahre gehört Kollege Airschfe.!- dem Vorstand« an und über 3 3-hre lenkt er mit sicherer Hand unser Bereinsschiffletn. und daß er das voll« Vertrauen -er Berliner jüdischen Lehrerschaft genießt, zeigte unsere Festsitzung ln reichstem Matze. Es wechselten ernste Md heitere Vorträge einander ah. »ich Hab« ich etliche, die zur Feier de» Geburtstagrs ihr Echerflein beigekragen haben, unerwähnt gelassen, so ist mx der mir zur Verfügung sichende Baum Schuld daran. In unserem Danke aber sind sie mit elngeschtonen. Jedoch eines möchte ich noch «ewähnon. denn es beansprucht •*!«« besondere Bote: Es ist dos sinnige Wanderlied, das Kollege Hirschfeld der Äugend sang, Dichter und Komponist in einer Person. M- MLch di« TrennongSstunde für die Feier schlug, da blieben noch aide ein paar Häuser weiter bei einem Glase Bier gemütlich beisammen. So kam denn jeder zu guter Letzt auf sein« Kostem Bon«. Am 26- Mörz, beging der Kantor und Religtonslekrer Isidor Baum der hiesigen Synagogenaemeind« das 3»« biläum feiner SSjährigen amtliche« Tätigkeit in Bonn. Am isreßMischen Lehrerseminar in Köln vorgebildet. war er zunächst zehn 3ahrr lang in Zülpich als Kantor und Lehrer tätig und kam dann IM nach Bonn. BreßliM. 3m Sommer-Semester 19?s werden folgende Vorlesungen aehaUen: Herr Seminar-Rabbiner Prof. Dr. M. Guttmann: 1, Talmud Sehamoth tstat.) vom 10. Abschnitt ab {21). 2. Talmud Baba Mezia (mrs.) vom 8. Abschnitt ad tB). 3. Dezisoren: Sore Dea (Fortsetzung). 4. Apologetische Bor. lesungen mit Ueoungen. Herr Dozent Dr. 3. Lememaimr 1. Gersonides. Lrescos. Aldo. 2. Lektüre philosophisch Wichtige, Stücke aus dem Mischne.Thora. 3. Wiederholung her hebräischen Ilexionslehre und Besprechung der Worlbildnngsleh»« i» An. fchluß an Analysen aus dem Gebetbuch (B). 4. Schulchan "Lruch {Gebete und Thara-Borlesung). S. Slerionslchre de»!>ebraischen Nomen für Anfänger (E). 6. Talmudische Uebungen C. Mischno und Gemara Berachoth). 7. Sidra^und Dastarä C). 8. Homiletische Uebungen. Herr Dozent Dr. A. Lewnowitz: 1. Die Grundlagen de» Zudeutum» und die Hauptrichtunaen der Wertphilosophie der Gegenwart (Iottsetzuna). L. Dt« M schen Denker de» 19. Johrhunderts in ihrer Anschauung vom Wese« de» Judentum» nebst Lektüre ausgewählter Stellen au, ihren Schriften. S. Di« Religionen des alten Orient». 4. Di« tzauptrichtuugen der Pädagogik der Gegenwart in ihrer Be. deutuna für di« Methodik ve» jüdischen Religionsunterricht». Herr Dozent Dr. 3. Rabin: 1. Bibelexegese: a) Hesaia. 40—Hs (A). b) 3os«a und Richter (B). 0 NordfranMsche Bibel. Kommentare (A). S. Geschichte: Bon der Makkahäerzeit dir zum Abschluß der Mischno. 3. Geographie Palästinas. 4. Alt. hebrSische Inschriften (A). 5. Talmud: a) Baba.bnthra llk (A. eurs.). b) Sabbat (B. stat.). Da» Sommer.Semester beginnt am 27. April; die Aufnahmeprüfung erfolgt am 26. April. Meldungen sind an den Dorsihenden des Dozenten-Kollegiums Breslau I, Wallstraße 14, zu richten. Alle Vorlesungen werden unentgeltlich gehalten. Den Studierenden aller Fakultäten steht es frei, an einzelnen Vorlesungen teilzunehmen. Es ist dazu di« Anmeldung beim Vorsitzenden des Dozenten-Lollegiums und die Erlaubnis des -etreffenven Dozenten erforderlich. Breslau. Am Donnerstag, den 26. März, fand eine Sitzung der Repräsentantenpersammlung statt, in welcher u. a. von der Konstituierung de» Gemeinde-Vorstandes Kenntnis gegeben wurde. Danach führt in diesem Lanügerichtsdirektor a. D. Geheimer Zustizrat Goldfeld den Vorsitz, dessen Stellvertreter sind Rentier Waldstein und Zustizrat Hirschberg. das Amt des Kasscnvvrstthsrs hat Bankdirebtor Hanke inne, dessen Stellvertretun-i besorgt Äerlagsbuchhändler Marcus, und als Kassenkontroiieur und Rechnungsprüfer fungiert Erich Bayer. Aus der Reihe der Anträge, die angenommen wurden, ist ein DringUchkeitsantrat; des Gemeindevorstandes zu nennen, der besagt, daß an Kultur steuern fiir das Haushaltsjahr 1923 Wh Prozent Zuschlag erhoben werden: a) bei den Lohn, und Gehaltsempfängern zu den vom ReichsfinanMtnister zu diesem Zwecke festgesetzten Ein Lammensteuer-Pauschbeträgen. b) bei den übrigen Steuerpflichtigen zu den in der Zeit vom 1. April 1925 bis 31. März 1926 fällig werdenden Einkommenssteuer-Vorauszahlungen. Bei diesem Punkte wurde einem Zusatzantrag aus dem Kreise der Per. sammlung stattgegeben, nach dem der Parstand beauftragt wurde, durch eine noch au-znarbeitende Vorlage die verschiedenen Härten bet Vorauszahlungen zu mildern. Rach langer Aussprache lehnte die liberale Mehrheit der Versammlung sodann einen pan den Zionisten und Konseryativen unterstützten Antrag des Rechts, nnmalts Jacobsvhn ab. nach welchem aus Gemeindemitteln ein Betrag von 3000 Mark dem PalLstina-Aufbaufonds zugeführz werden sollte. Eine gleichfalls lange Aussprache gab es bei der Wahl der Vertreter zum Vermallungsrat der Preuhifchen Landesversammlung jüdischer Gemeinden, und e» wurden hier die Liberalen Geheimrat Goldfeld und Sustizrat Peiler gewählt. Da di« Sitzung durch die langen Aussprachen sehr in di« Länge gezogen wurde, beschloß man. die noch auf der Tagesordnung stehenden Punkte in der nächsten Versammlung m beraten. Zu Beginn de? Sitzung fand di« Uebergabe des Bildes d«» verstorbenen Repräsenlantenvorstehers Professor Dr- Wohlauer, das Kunstmaler Siegfried Labofchin ousgeführt hatte, für den Sitzungssaal statt. Ehemnitz. 2m diesigen Mischen Mendveretn sprach Frau HerrnstM^Settingen aus Berlin Wdelstücke -um Thema: Bom Sinn des Levens, in der Uebers-ehung unseres R-Äbkinots. Herrn Dr. Fuchs, mit einem einlette^en. tief phllosuptzischen Dortrag von demselben Wer das gleiche Thema. Die Ueberfttzungen. in den KuMvrmen -er hebräischen Sri' ginale. q«f streng wiffenschasklichen Forschungen beruhen-, phnx doch deren Schwierigkrtt zn veeratvn. heben schon oft Helle Begetstervng ausgelöst, so auch diesmal. Die hochintereffani« Sk»' phik deS Sy. Psalms, wie der Humor deS 6. Gsterkqpttels. die Brchindnng von reftaiSsem Pathos und MärcheN'Ralpltäk kn Buche Apna, wie die schwermüttme Problematik deS 3S. PladnS. dt« sonnig« LicheSdithyrambik des Hohen Liehet, vor alle«? eher Sin orrpfuscht«! Leben? Heißeres au« Ke» Teseduch eine« Msche» Kämpfer«. B-n Arßnr Schweriner. Berlin. , Gehr lange» aufmerksame» Betrachten besonder» der Abweichungen der Hypothenuse «eine» Rasendreiecks, Händedruck und vierzehn Tage Urlaub. {10. Sortsetzung) XU. Während der Kriegsiahre gab es keine Parteien, es gab nur Deutsche. Kriegserlebnisse zu schildern, überlasse ich Würdigeren. Da» Generalkommando in Frankfurt war der Ansicht, daß ich journalistische Aufgaben besser lösen konnte als kriegerische und ließ mich Daheim, und der Kaiser schickt« mrt wie vreten Munitionstteseranten das Vsrdienstkreuz. Aber ich wollte auch mit dabei gewesen sein und meldet« mrch frei« willig. Ausbildung in dem weinseligen Oberlahnstein. Not* ausbildung für Garnisondienstfähige. Netter, höflicher Ober« leutuant: „Herr Redakteur. Sie halten 3hr Gc, mehr wie eine Mistgabel!" Ungebildeter, heimottrcuer Feldwebelleutnant. der nur ein einzige» Mal wagte, sein Mütchen an mir zu kühlen. 2n Erwartung einer Besichtigung. Dt« Rekruten erhallen einzeln den letzten Schliff. Zch werde vor di« Front gerufen. Der Herr Feldwebelleutnant mauschelt: „Denken Sie. hart bin ich der General! Verstehen Sie?" 3ch schweige. Dreimal wiederholt der Herr Vorgesetzte permeintlich witzig die Frage und setzt schließlich hinzu, ob ich schwerhöria sei. „Ich verstehe nur deutsch. Herr Feldwebelleutnant"' ..Also: Henken Hie. ich bin heut der General! Verstehe« Sic jetzt?" „Jawohl, Herr Feldwebelleutnant!" „Was find Sie von Beruf?" „Redakteur. Herr Feldwebelleutnant!" Ich hatte seitdem einen anständigen, ivohlwollenden Vorgesetzten. Weihnachtsfeier 1916 in der Kaserne. Festlich« Stimmung. Ein schmächtiger Apotheker tritt vor. wendet sich in strammer Haltung zum Bataülon-chef. der dos Zeichen zum Beginn gibt. Der öiingling hält «inen melodramatischen Vor, trag, in dem der Schmerz zum Ausdruck gebracht wird, daß me Soldaten fern von Eltern. Weih und Kind die Feiertage verbringen müssen. Der Junge hat dramatische» Talent und macht seine Hach« mit so vielem Geschick, daß th« acht Tage Urlaub sicher sind. Dem Oberstleutnant kullern geruhtt me Tranen über die Wangen. Der Oberstleutnant aMdia zu dem Dortr-aenden:-Hie kännen acht Tage i« UBmd fahre«!*Stnd <H« M* Verfasser? Da» war ia wundervEl" ' «Sa ,**U"*,Sd>rstI„,i,«»lr 23tr!afftttft tu SlwIitM« SÄwilnKl" »BartretenN —1 2ch werde zum Oberstleutnant da» schöne Weihnacht». Vier Wochen später, ins Bataillonsbüro gerufen. „Sie sinh doch der Mann, der g«dicht verfaßt hat?" „3u Befehl. Herr Oberstleutnant!" „Sie sind Redakteur von Beruf?" „Zu Befehl. Herr Oberstleutnant!" „Hier in Lahnstet« ist andauernd große Schweinerei. Die Stadtverordneten hetzen die Bmülkemng gegen da» Militär auf. da» die Lebensmittel verteure tfa. Das „Lahnsteiner Tageblatt" bringt ausführliche Berichte über die Stadtverordneten» Versammlungen. Bon vielen Seiten wird mir gesagt, es gärt in der Bevölkerung. Hoben Sie verstanden?" ,.Iv Befehl. Herr Oberstleutnant! Es aärt in her Stadt!" „Ich üb ertrage Ihnen hiermit die Zensur über da» „Lahnfteiner Tageblatt". Der Verleger ist per« pflichtet. 3hnen vor Drucklegung die Druckbogen zu übergebe». Sie haben das Recht und die Pflicht, alles das entfernen zu lassen, was geeignet ist. das Ansehen de» Militärs in der Oeffentlickkett heropzuletzen. verstehen Sie?" „Zu Befehl, Herr Oberstleutnant, das Ansehen de» Militärs herahufetzen!" »Sie erhalte« der Schreibstube eine Legitimation. Ähr Dienst beginnt heute. Eie erstatten mir jeden Tag schriftlichen Bericht!" tzachbestitckt Kehre ich in die Kaserne zurück; ei« wenig gedruckt trete ich mein hohe» Amt an. Wie wird man mich als Zensor ,m „Lahusteiner Tageblatt" ousneh. men? Da» militärische Auftreten lag mir nicht. Der Verleger wußte schon Bescheid, weshalb ich kam. Sr hatte vom S o r n i. fpnältesten bereits ein Schreibe» in Händen, -aß sein Blatt unter Zensur gestellt sei. Wir schimpften bei einer gute« Tasse Kaffee gemeinsam über di« Knebeluno der Dresse, und er verstand, daß ich nur kam. weil ich Befehle aussubren mußte. Ick hatte Hlöck. Ein Inserat, in dem zu einer P r o t e st - Versammlung dagegen aufgefordett wurde, -aß noch eine Kvmpagnie in dk klein« Htadt gelegt werden sollte, verfiel meinem Lensurstift. Der Metteur wollte ein Füllsel an di« Steve setzen. Ich bat aber, daß sie weiß blieb. Erstens könnte man höheren Orts sehen, wie prompt ich arbeite, und zweiten» würde dadurch die Zeitung interessauta «macht. Es klang «in wenig paradox, als ick faste: ..Aras man nicht lesen kan«, wird am meisten ge« läseni Wa» wird da» für ein Rätselraten in per Stadt gehen!" De, Amsprfipste« ward gut. aber da» Geschäft ging schlecht. Der Verleger wurde vorsichtig, und ich hatte bald nicht» sehr zu tun. $n den Berichten an da» Bataillon wurde zwar immer darauf hingewiesen, daß «w die Furcht vor dem Zensor die Wandlung der Ding« herdeigeführt habe, aber die Einziehung de» Posten» mußte dach sah» bald ermattet werden. Ich klagte dem Verleger, in dessen Hau» ich fteundschaftNch verkehrte, mein Leih, und mir kam«» überein, daß wir ab und zu in de« Textteil einige blinde JeNen hauen wollte«, so daß kleine weiße Schönheitßfteche zu» Vorschein kamen. E» war für den Zensor und für dm Msatz der Zeitung vorteilhaft. .. . Am Pessach-Abend 1917 log ich als Garnlsonverwundeter im Lazarett. Mein Rachbar war ein im Weste« schwer mitgenommener junger jüdischer Kaufmann au« Ar«Äfutt a. M. Er hatte aus feiner Heimatstadt ein «leine» Feiertassvaketcken bekomme», das u. a. einia« Mig zerbröckett« Mazzoth enthielt. Hin christlicher Kamerad tagt* uns. wie wir jetzt zu solche« schneeweißen Vt»qnit kämen. Ich hielt dem intelliaenten Hessen ei««» längeren Vortrag über di« Bedeutung der ^.vsterkuchens". ..Habt ihr eine komisch« Religion", meinte der Beltkrtt in waschechtem kurhessischen Dialekt, ».ihr eßt da» Brut de» Elends an Feiertagen, wir essen «s alle Tage." Mein Frankfutter Freund und ich unterhielte« uns ettttS über den Sederadend. und Bilder her Kindheit tauch* t«n vor uns auf. M« schwer acht Tage lang Mazzvth mll Honig m ertragen und wie das Einbrocken in denKaffee rationeller und bekömmlicher gewesen sei. Die TassW PWW* ..Hsteraeschirrs" seien pp» ganz besonderer Art gewesen. Tystft artige Gebilde, die einen halben Liter faßten. Mur die fKtftfct hotten kleine Tassen, auf denen allerler Inschriften kaum noch lesbar, auf dos würdige Alter schließe« ließen. Zwei Äu» schriften seien mir noch im Gedächtnis auf den für flttv* Schwester und mich bestimmten Taffen: „Dem g«t«N Kinde" und „Dem Silberpaare". Und dann verbrachten wir den Abend mit heiteren Rück* blicken, die den alten psychologischen Grundsatz bestätigte«, haß entgegengesetzte Erinnerungen sich wecken. HM« den schön«», süffigen Braubacher Wein, damals am Seher' abend Ros ine uwe in, nach einem patentierte« Rezept-de» seeligen Großvaters hergestellt. Lot hätte niemals die Uvrühw^ lich« Rolle in der biblischen Geschichte gespielt, wen« er aus seinem Weinberg den Rosinenwein des seeligen Großvaters ge« baut hätte. Und wie wir uns pan« auf di« lins« Seife hinlehnten, um vorschriftsmäßig den Becher «- ein Meipalas im Format eines größeren Fmgerhuts — zu leeren, und W* wir nur nippen durften, um nicht ..schicker" zu werde«. Und wie w»r dann den Jeigefing«? zehnmal bei Nennung der 111 Plage« in das Weinglas stechen durften, um ihn nachher wohlgefällig abzulecken. Und wie Mir HM „A p h i k a u m o n" aus dem sicheren Persteck suchten, vnh wie wir alle Kräfte de« Lunge anwendey mußten, um den öt«W' nehmenden letzten Ber» de» „Eckod Mi I au dea" mitsingen zu können. Und wie dann meine Mutter, di« gern mit ihren Kindern in Berlin Zusammenleben roplltez da» ,g«f4[)a» »1

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