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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-04-10 · 15 (10.4.1925) · page 4

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
15 (10.4.1925)
Date
1925-04-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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{§} BÜCHERSCHAU. |§ Karl Juatus Obenauer: Goethe in feinem Verhältnis zur : Religion. Erschienen 1925 bei Eugeu Diederichs in Jena. Erst eine kommende Zeit wird eine abschließende Betrachtung über den Wert der Religion als Kulturfyktor und als Bildner der menschlichen Seele schreiben können. Die heutige, in der alle Meinungen und Wertungen fließend geworden und in Umbildung begriffen sind, ist dazu unfähig. 1 he ausgezeichneten, jetzt schon wieder fast veralteten Arbeiten von P f 1 e i d e r e r und T r o e 11 s c h, der Philosophen auf der einen, Seite, der historisch orientierten Forscher, wie O i r g e n s o h n und W u n d t auf der anderen Seite, und drittens der von der Psychologie kommenden Gelehrten wie R e h m k c und W o b b er min - widersprechen einander in wichtigen Punkten. Sie - reden vielfach aneinander vorbei. Nur in dem wundervollen Buche von Otto über „Das in an hat man festen Boden unter den Füßen. Dieser Boden / ist erst seit kurzem erkenntnistheoretisch abgegrenzt; mit viel Qliiek hat die moderne deutsche Religionsphiiosophie diese sichere lusei noch nicht.verlassen. - Mit Genugtuung kann man in letzter Zeit feststellen, daß das Interesse für religiöse Dinge wieder im Zunehmen begriffen ist; die Frgänzungsbedürftigkeit des vitalen Weltbildes für das Nachdenken läßt sich eben nicht auf die Dauer eliminieren, lind der Glaube an eine irgendwie geartete- Wechselwirkung zwischen dem Menschen und einer übersinnlichen „Geistigkeit alles Geschehens“ (Herrn. Cohen) ist .lief in der Menscheunatur begründet. Bei all' den verschiedenen Meinungen und Gedankengängen unserer Tage ist ein Buch wie das vorliegende, welches rein kompilierend und beschreibend das Verhältnis eines der geistig umfassendsten Menschen zu diesen ungeheueren Problemen darstellt, außerordentlich zu begrüßen. ,Obenauer hat sich in den letzten Jahren durch seine ausgezeichneten religionsphilosophisch eingestellten Arbeiten über Goethe’s „faustischen Menschen“ und über Niet /. sehe einen Namen gemacht. Dieses Werk über Goethes Beziehungen zur Religion ist aus Vorträgen, die der Verfasser 1919 und 1920 in Darmstadf, Heidelberg und;'Mannheim gehalten, hat, hervorgegangen. Rühmenswert ist Obenauers Fleiß und Wissen. Mit unendlicher Geduld und wissenschaftlicher Akribie hat er aus dem gewaltigen Lebenswerk des Titanen, aus seinen Gesprächen, Briefen und Aufzeichnungen alles zusammengetragen, was mit seinem so interessanten Thema in Berührung steht, v Er schildert an der Hand seines großen Materials das Erwachen des religiösen Bewußtseins bei dem jungen Goethe, die Anschauungen des reifenden Menschen über Gott und Natur, die Gedankengänge des Alternden über Religion, Unsterblichkeit und Bestimmung des Menschen. In sehr interessanter Weise ist die Wirkung, welche die Bibel auf den jungen Goethe ausgeübt hat, im ersten Teil geschildert. Das Buch Hiob, die Sprüche Salomonis, das hohe Lied, wurden dem werdenden Genie Leuchten, die sein gesamtes späteres Denken und Schaffen befruchteten und anregten. Die Geschichte der jüdischen Patriarchen hatte schon den Knaben Goethe ungemein gefesselt, und Zeit seines Lebens hat er die gelebte Einheit von Philosophie und Religion im alten Israel bewundert. Die zahlreichen, tiefen und schönen Aeußerungen und Betrachtungen Goethes über diese Epoche und über die heilige Schrift sind fast vollständig zusammengestellt. Ist doch gerade die Geschichte der jüdischen Religion überreich an gewaltigen Einzelpersonen, welche zur Reinigung und Entwicklung des Gottesbegriffes beigetragen haben. Nur im antiken Judentum führt die Entwicklungslinie und der Aufstieg zum reinen Monotheismus in gerader Linie empor. Wie bei keinem anderen Volke 'haben hier bedeutende Köpfe die spezielle Entwicklung geleitet und haben immer wieder mit Erfolg in sie eingegriffen. Das zweite große Erlebnis Goethes in der folgenden Zeit wurde ihm ebenfalls ein religiöses Genie des Judentums, Sjiinoza. „Ich fühle mich Spinoza sehr nahe", schreibt 1784 Goethe, „obgleich sein Geist viel reifer und reiner ist als der üieinige". ' ln den folgenden Jahrzehnten wird der nicht persönlich begrenzte Gottesglaube und das religiöse Bewußtsein — im tiefsten und weitesten- Sinne des Wortes — immer reifer und gewaltiger. Der zweite Teil des Faust und die Gespräche Goethes zeigen die ragende Höhe, zu der er emporwuchs. Alles in allem handelt es sich bei Obenauers Werk um eine wertvolle Arbeit, die trotz einer gewissen Trockenheit stets fesselt. Das Buch füllt eine Lücke in der riesenhaften Goethe-Literatur aus. Dr. Ludwig D a v i d s o h n Berlin. Geschäftliche Mitteilungen. FrüHlingsausstellung Bei Grünfeld. Kaum lockt draußen der erste warme Sonnenstrahl. Ist auch schon in den Schaufenstern des Leinenhauses Grünfeld in der Leipziger Straße ein Garten mifgeblüht. Biolett in allen Tönungen vom blaßeften Fliederblau zur dunklen Peilchenfarbe beherrscht das erste Fenster. Das Rofa-Ula der Herbstzeitlose gibt den liebergang, Champaguergelb die Gegenfarbe. Daneben kräftiges Blau, in das blumige Florkleidchen von jugendlichem Reiz komponiert wurden, und zwei auf rat gestimmte Fenster, in denen die leichten karierten und gestreiften. Sommergewänder sich zeigen. Drei weitere Fenster sind vornehm schwarz-weiß gehalten und locken mit eleganter Ober- und Unterkleidung, reizenden Morgenanziige». wollseideyen Jäckchen. Piese Schau ist ein erfreulicher Auftakt für bie Ausstellung von Frühlings- und Sommerneuheilen im Hause, bie sich mit ebensoviel Geschmack als Ganzes wie in der Einzelheit dardietei. Hinter einem grünumiaubten Bogen, zwischen schimmernden Glasscheiben öffnet sich ein Gang mit doppelseitig eingebauten Kojen, die unter raffiniertem Seilenlicht mit Erlesenstem im intimer Damenkleidung locken. Dahinter die Perspektive auf einem Kaffeetisch mit zwangloser Gruppe, die die neuesten Moden in ihrer lichten und luftigen Kleidung darstellt. Rundherum allerliebste Ki^derkilt eichen, Spielhöschen mit Fiermotiven als Zierrat, verführerische Strand» und Stadtkleidchen, Stoffe in weiß und allen Dlütenfarben, Waschseiden, wohlfeile Kunstseide mit Baumwolle «erarbeitet, Crepes. Crepes Georgette, Doih „Fresko" ein neuer Stoff von eigenartig schillernder Wirkun., — Bastseide gepreßte Kunstseide. So gibt das Girrte sich über, sichtlich und festlich. Ueber Einzelheiten ist anzumerken: Die neue Mode bevorzugt allerduftigste Stoffe, zum Teil in kecken Farbenstellungen. Man sieht Streifen in Lavendelblau mit gelb und schwarz-weiß; viele weiße Kleider tragen korallenroten Aufputz, auch wieder Leder gürte! und bunte Knöpfe. Sehr hübsch die vorn durchgeknöpften Waschkleider — das Schlupfkleid hat die Alleinherrschaft au? geben müssen. Bei den weißen Fuiigmädchen-Kleidern, die sich trotz der bunten Mode'behaupten, liegt der Wert in der Bei. a r b c i t u n g : Handstickerei, Fileteinsätze. Durchbruch und Säumchen: für künstlerische und gediegene Ausführung, gerade dieser Techniken, genießt die Firma Griinseld alten Ruf. 3n Jumpers und ähnlichen Ueberkleidern hat das Haus neuerdings fein Lager wesentlich erweitert. Bastseide sieht man bedruckt, helle Boiles find farbig umsäumt. 2n den Kojen rmi dunkelblauem oder schwarzem Hintergrund werben lachsfarbene, apfelsinengelbe, kanariengelbe, sandgelbe, fliederblaue, mattrosa, weißgrüne, auch schwarze Kombinationen, Schlafgewänder, Morgenmäntel, Häubchen, Seidenstrümpfe um Gunst. Die Fra» von Welt findet hier jede Laune befriedigt. Im oberen Stockwerk finden wir das Neueste gu Gar - d i n e n. Die etwas einförmige Häufung zahlloser Muster iü vermieden. Dafür sind charakterisierend einige „Interieurs" eil* Szeuenbildcr gestellt; fehlen nur die Spieler. Und im übrigen — jenseits der Mode — die Prachtstück: handgearbeiteter Stores für das Eigenhaus, das Schlößchen, den Festsaal, — klassische Muster aller Stilarten: für die Anschärfung solcher Kostbarkeiten mar man von je bei Grünfeld wohl beratet. C h a r 1 o 11 e D e n g. Warbt neue Leser cDipi.*3ng. föruno dfOoyda $TIW ^Woydü geh. ßoewensiem VermäHlte Berhn, A£ri) 1925 z. 2t. auf Reisen danken gleichzeitig für erwiesene Aufmerksamkeiten Konditorei Konzert-Cafe KONDITOREI UND KONZERT-CAFE ALEXANDERSTRASSE 23 OOOGOGOGOOGOOOGG GOOOOOGGOOGGGGOOOOO SAMSONSCHULE in Wolfenbüttel staatlich anerkannte Realschule und Schülerheim Gcgr. 1786 Das Sommersemester beginnt am Dienstag den 21. April 1925 Anmeldungen und Anfragen an die Schulleitung erbeten Xeu eröffnet Spiel-, Billard- und Vereinszimmeu ' KONDITOREI UND KONZERT-CAFk KÖPENiCKER STRASSE ECKE BRÜCKENSTRASSE KONDITOREI UND KONZERT-CAFf; KÖPENICKER STRASSE 53 y * KONDITOREI NEANDERSTRASSE 32 K / KONDITOREI BRÜCKfiNSTRASSE 2 \ r * | Bestellungsannahme??& 00000000000000000000000003000000000000000 I p.p.p. ppp. wm rm l Lombardhaus Beleihtltl C6N Wittenbergplatz ——■—■—■■■ staatlich konzessioniert Juwelen, Gold, Silber BerlinW.Tauentzienstr.l und Warenposten Hochpt. Tel.: Steinpl.709,10225 Geöffnet 9-5, SonnabcL 9*3 Ulrf A tn RplAihunff Filia,e: wmenber*P,atz4 All lU'DClClIlUlIg Telephon: Amt Steinplatz 7046 An* und Verkauf p.p.p. 1 Lombard-Kredite Frau*.Weinbrand M. 5.— 1922 er Liebfrauenmilch M. 160 Altar Malaja M. 2.5) 1921er Burgunder M. 2.39 1921er WdB. Bordeaux M. 2.50 jsüß) Wem* ohne Steuer. Hugo Nathan Wtingrofih&ndlung CHARLOTTENBURG 4 Kantstr. 134 b. Steinplatz 10642. auf Autos, Wertsachen, Waren Komm.-Ges. 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