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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-04-10 · 15 (10.4.1925) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
15 (10.4.1925)
Date
1925-04-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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acTib an den Lenker seiner Geschicke, an den Hüter, den Wächter Israels: „Wächter, wie steht es mit derNacht? IstdenndieNachtnochlmmer nicht zu Ende?" Und der göttliche Wächter er» widert: „Seid geduldig und harret aus. Der Morgen kommt, er kommt bestimmt: des dürfet ihr pcher sein. So wie auf jede Nacht der Morgen folgt, so folgt der. einst auf die Nacht der Bedrückung der Tag der Er» löiung. Doch auch die Nacht soll sein: so ist es bestimmt in meinem Ratschluß. Sie dient dazu, euch zu läutern, euch fähig und würdig zu machen jenes großen Tages, an dem die Völker der Erde wie aus einem Munde rufen werden: „Großes hat der Ewige an diesen getan. Noch freilich ist eure Nacht nicht zu Ende. Doch wenn ihr zu späterer Zeit fragen wollet, so kommt nur wieder und fraget. Seid hoffnungsfroh and zuversichtlich. Ein st wird der Tao erscheinen, da werdet ihr voll Jubels rufen: _Der Morgen ist gekommen, und geschwunden ist die Nacht." Am Sederabend, in der „Nacht der Bewahrung", blicken wir zurück in die Vergangenheit und denken daran, wie aus dem Dunkel des Ehaos die Ordnung der Welt geworden ist, wie unser Stammvater Abraham sich hindurchgerungen hat aus der Nacht des Zweifels zu dem Licht der Zuversicht, wie unsereAhnen in Aegypten aus dem Zustand -er Unfreiheit übergegangen sind in den Zustand eines Gottesvolkes, das sich seiner hohen, weltgeschichtlichen Sendung bewußt ist. And dann richten wir am Sederabend unfern Blick auch in die Zukunft voll Hoffnung und Sehnsucht. Am Sederadend „bauen" wir, wie der Volksmund die gottesdienstliche Familienfeier zu nennen pflegt. Da b a u en wir den Tempel der Zukunft, da geben wir unserer festen Zuversicht Ausdruck, daßdieNachtderBedrückungschwinden wird und mit ihr alle Wunden, die sie unserem jüdischenWesengeschlagenhat. Aus der Bewegung. Berlin. Vorstand. Geschiiflsfüheer und Büro der Vereinigung für das liberale Judentum e. D. haben um Aufnahme folgender Zeilen gebeten: Am S. April haben unsere Freunde Bruno Woyda nnd Aimi Locwenstein sich vermählt. Bride sind fett Jahren eifrige und hingebungsvo'le Mi'arbriter unserer Sache gewesen. Beide haben, aus den Kreisen der liberalen Jugendhewegnng stammend, an dem von früh an erkannten und erfühlten Ideal eines freie», aber aufdauenden Judentums frstgrhalten. Sie haben für unsere Sache mitgearbeitet, jeder an feinem Platze, mit allen ihren Kräften und unter Verzicht auf materielle Dortrile, die ihnen die Verwendung ihrer Arbeitskraft anderweitig gewährt hätte. Sie find uns in den Zeiten schwersten wirtschaftlichen und ideelle» Kampfeaufopfernde, zukunftsfrohe und treue Mitarbeiter gewesen. Wir grüßen sie an der Schwelle eines netten gemeinschaftlichen Lebens und hoffen, daß sie weiter mit »ns dem gemeinschaftlichen Ziel eatgegenstreben werden. ' Die Mi g'ieder der Redaktion der Jüdisch-liberalen Zeitung Wietzen sich den Glückwünschen für das junge Paar an und hoffen, daß es Herrn Chefredakteur Woyda nach der Rückkehr von einem Urlaub auch weiterhin auf Jahrzehnte hinaus gelingen möge, die „Jüdisch-liberale Zeitung" als das Organ dewutztreligiösen Judentums auszugestatten und zur Höhe zu führen. Aachen. Am 25. März fand hier die Gründung der Ottsgruppe „Vereinigung für das liberale Judentum" bei großer Beteiligung statt. Nachdem der Vorsitzende des provisorischen Komitees. Herr Gustav Blumenau, die Versammlung in warmen, von Begeisterung für die ewigen Wahrheiten des Judentums getragenen Worten begrüßt hatte, ergriff Herr Rabbiner Dr. Norden aus Elberfeld zu einem jüngeren Vorträge das Dort. Der Vortragende warf zunächst einen Rückblick aus die religiös« Zustände im vergangenen Jahrhundert und wie» in brettere« Ausführungen nach, daß das Verhalte» der Orthodoxie durch ihre starre Unnachgiebigkeit und ihren vollständigen Mangel au Verständnis für die Zeichen der Zeit größtenteils an de» vielen Austritten aus dem Judentum, wie auch an dem immer mehr um sich greifenden religiösen Jndifferentismus schuld war. — Darum, so fuhr der Vortragende im zweiten Teile fort, ist die jetzt eintretende Bewegung für den religiöse« Liberalismus eine Notwendigkeit zur Erhaltung des Judentums. Der religiöse Liberalismus, der auf dem Standpunkt steht, daß auch die Religion des Judentums entwicklungsfähig und entwicklungsbedürftig ist. kann sich nicht mit allen überlieferten Glaubens- Vorstellungen und Zeremonien befreunden, wenn er den modernen Anschauungen Rechnung tragen will. Wunder, der persönliche Messias, die leibliche Auferstehung der Toten und Aehnliche» können für ihn keine Geltung mehr haben. Ebensowenig können überlieferte Zeremonien, die uns religiös nicht mehr beeinflussen, betbehalten werden. Positiv legte der Redner großen Nachdruck auf die Feier der Sabbate und der Feste im Gotteshaus und in der Familie, wenn auch in gemilderter Form. Desgleichen hielt er die Beibehaltung der hebräischen Sprache im Gottesbimste, wenigstens zum Teil, für durchaus gevoten. — 2n strengen Worten wandte sich der Redner gegen die Scheinotthodoxie und Vogel-Strauß-Politik. Nur offenes, ehrliches Bekennen und Besprechen der jüdischen Probleme dann uns die Zukunft unseres Judentums gewährleisten. — Reicher Beifall lohnte den Redner für seine vortrefflichen Darlegungen. — An den Dortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache, insbesondere über die Stellungnahme des religiösen Liberalismus zur äugend. Hierauf fand die Konstituierung der Ortsgruppe durch Wiederwahl des bisherigen provisorischen Komitees statt. — Der neue Vorstand hat bereits mit starkem Eifer feine Arbeiten begonnen. Berlin. Am 26. März sprach Herr Georg Seliasohn über ..die Juden als Vermittler arabifdjer Kultur im Abendland". Der Herr Vortragende gab zunächst eine eingehende Erläuterung des Begriffes „Kultur", um alsdann die "Juden als Träger und Vermittler der exakten und Geisteswisfenschaften zu schildern. Besonders ausführlich wurde die Wirkung der arabischen Kultur auf das Judentum selbst geschildert. Die große Menge gebotenen Stoffes ließ auf ein äußerst intensives Quellenstudium schließen. Der Ausblick auf die moderne Zeit, mit dem der Herr Vortragende seinen interessanten Vortrag schloß, hat hoffentlich recht viele zu eigenem Nachdenken angeregt. Wir machen bereits heute auf die am 23. d. M. stattfindende Generalversammlung und den Vortrag des Herrn Prof. Friedländer aufmerksam. " : g m'.M i»!V Berlin. Auf Veranlassung des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin E. D. fand am Mittwoch, den 25. März, im Hause von Frau Rosa Sachs, Brückenailee 1, eine gutbesuchte Frauen-Versammlung statt .in der Herr Professor Dr. Elbogen sprach. Der Redner ging vom Gegensatz zwischen der orthodoxen und der liberalen Anschauung vom Judentum aus und legte die vierfache Wurzel des religiösen Liberalismus dar. Zunächst die Bewertung der Formen nicht als Selbstzweck, sondern als Mitte! zum Zweck und daher die Unterscheidung zwischen solchen, welche den letzten Zwecken der Religion förderlich fein können, und solchen, die jede religiöse Bedeutung verloren haben. Sodann die geschichtliche Auffassung der Religion, die sich in der Betrachtung aller Glaubensbekenntnisse geltend gemacht hat und auch vor dem Judentum nicht haltmachen, das uns dieses nicht als starre, sondern als bewegliche. dem Gesetze der Entwicklung unterworfene Lelne und Lebensführung darstellt. Wie überall in der.modnnen Wisj§y- "schaft, gilt' auch für die Religion die Autonomie des Denkens,' die kritisch an die Urkunden und Lehren der Religion herangetreten ist nnd zu einer neuen Ausfassung derselben, zum Bruch mit allem Dogmatismus geführt hat. Endlich trat das überall im modernen Leben geltende Gesetz der Selbstbestimmung hinzu, das auch auf religiösem Gebiet die Autorität der Ueberiieferung verwarf und Selbstbestimmung anftrebte. Aus diesen Wurzeln sproßte die liberale Anschauung, die in Abraham Geigers Ruf nach Reform Ausdruck fand und ein positiver Versuch zur Lösung des religiösen Problems des Judentums ist. An den Bortrag schloß sich eine sehr rege Diskussion an. in der verschiedene Fragen gestellt wurden und die Anschauungen sich klären konnten. Allgemein zollte man Herrn Professor De. GKögen fft» feine auf HefvWE Höhe MckdyrMitfühttlnsen sehr herzlichen Dank mb sprach dm Wunsch nutz, daß solche Vorlesrmger de» öfteren - wiederholt werden sollten nno auch Freunde und Bekannte der Anwesenden daran tellnehme» mögen. Elberfeld. Die am 4. März wieder in das Leben gerufene Ortsgruppe der Bereinigung für das liberale Judentum hat eifrig zu arbeiten begonnen. Es sind bisher schon mehr als 200 Personen al« Mitglieder gewonnen worden. Eine erste öffentliche Versammlung soll noch im Laufe des Monats April stattfindea. Im Vorstand der Ortsgruppe sind als erster Vorsitzender Herr Rechtsanwalt Strauß, als zweiter Vorfitzendxr Herr Rabb. Dr. Norden, als Schriftführer Herr Oberkantor Zivi und Frau Hede Israel vertreten. Außerdem gehören dem Vorstand Herr Viktor' Fischei, Herr Rechtsanwalt Brück nnd Fräulein Schweizer an. Da die Gemeinde in Elberfeld, wie die Wahlen» zum Landesverband gezeigt haben, zum weitaus größten Teil auf liberalem Boden steht, »st ein schnelles Aufblühen der hiesigen Ottsgruppe mit Sicherheit zu erwarten. Hamburg. Die Ortsgruppe Hamburg wählte am :;0. März einen neuen Vorstand, der sich aus folgenden Personen .zusammensetzt: erster Vorsitzender Karl Bunzel, zweiter Vorsitzender I. M. Bald, erster Schriftführer Dr. Fürth, zweiter Schriftführer Frl. E. Rosenbera, Kassierer Ignatz Mandl. Beisitzer: D.-. Urias, Frl. Sidonie Werner, Oscar Heymann, Moritz S25r.lt:,. Mannheimer. Da der von der Ortsgruppe im vorigen Jahre veranstaltet; Sederabend sich eines außerordentlich güten Zuspruchs zu erfreue» hatte, wird auch In diesem Jahre ein solcher "Abend stattsinden. Den Seder wird auch dies Mal wieder Herr Rabbiner Dr. Rülf geben. Jap echte Soöener Mineral- Pastillen tzusten, gegen Heiserkeit, Verschleimung. Seit 4» Jahren glSazenö bewährt. 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Das Warenhaus galt zuerst als Feind des Kleinhandels, aber es läßt sich nicht leugnen, daß die Methoden des Warenhauses, fei es in der Art der Reklame, sei es im Einkauf oder bei der Abfertigung der Kundschaft befruchtend auch auf die kleinen Unternehmungen gewirkt haben. Es ist bemerkenswert, wie stch das WarenhauSsystem trotz aller Anfeindungen von antisemitischer Seite, trotz des Kanlpfes mit der Konkurrenz des meinen Handels durchsetzen konnte. Es entspricht eben einem höheren Prinzip der Wareiroerteilung und es ist kein geringes Verdienst jüdischer Kaufleute, dieses Prinzip in Deutschland dorch- Sesetzt zu haben. Haben die bisherigen Wlrtschaftsführer noch Jahrzehnte gebraucht, um sich ihre hervorragende Bedeutung zu fichern, io bedurfte es bei der jüngeren Generation oft nur ebenfti vieler Jahre, vm in die Höhe zu kommen. Zuerst muß JacobMichael und ftin Konzern genannt werden, dessen Entwicklungsgeschichte ln Deutschland seinesgleichen nicht hat. Jacob Michael, so berichtet Kichard Lewinsohn in seinem Buche „Die Umschichtung der europäischen Vermögen", hat es fertig gebracht, mit dreißig Jahren ü«r größte Geldgeber und einer der reichsten Leute Deutschlands ja werden. Er stammt aus Frankfurt a. M., wo er am 29. Februar 1894 geboren ist. Der Sohn eines kleinen Kaufmanns, der allmählich zu Geld kommt. Ruch drin Besuch der Realschule wird zu Beer, Sondheimer & Co. in die Lehre geschickt. Als sehr junger Mensch kommt er nach Paris, macht mlt 18 Jahren auf eigene Faust Radiumgeschäfte und ist. als der Krieg ausbricht, schon VI parkier Kaufmann. Der Militärdienst hindert ihn nicht, stch weiter kaufmännisch zu betätigen. Cr wird darauf anfmerkl<lm, daß das Herr Wolfram braucht und bringt die einzelne, bisher unbeachtet gebliebene Fundstätte, Me Haldenrückpände im Erzgedirge, an stch. Zusammen mit seinem Vater gründet er 1915 wit 600 000 M. eine Gesellschaft für Grrchenbetrieb. Die RÜstongsmdustrie braucht Woisram, es wird zu jedem Preise abgenommen. 1918 wird Jacob Michael auf Veranlassung des Kriegsministeriums reklamiert. Mit Riesenschritten geht es jetzt vonoärts. ES wird eine neue o'rma gegründet, die mit Metallen und Chemikalien handelt. Im Elan de werden noch während des Krieges Filialen errichtet. Mit dem Friedensschlutz muß die WolfranNrroinmmg als onren- '"bel^ eingestellt werden, das Geschäft mit Chemikalien wird aus- 9^ehnt, eine Reihe chemischer Fabriken werden aufoekauft. 19^3, am Ende der Inflatlonsperlode, kontrolliert Michael bereits '» chemische Gesellschaften, darunter eine Anzahl alter uud recht ve-eutendor Werke; dazu eine Fabrik ln Magdeburg mit 600 «weirern. die Apparate für die chemische Industrie hersteüt, «erd gemeinsam mit dem Aeichsoerkehrsmintfierium gegründete «Gevla" zur Ausnutzung der Best^ndr ehemruiger Staalsbetriede. Ausländtsä-e Gesellschaften werden angeglieöert. In der Berliner Zentrale sind 350 Angestellte tätig. Kaum erkennt Michael als einer der ersten, daß es mit den Inflatlonsgewinnen zu Ervde ist, so wird aus dem Kaufmann nnd Industriellen der Finanzmann. Im Rovember 1923, wo für den Dollar im Rheinlande 7 dis 8 Billionen bezahlt werden, verkauft er seine Devisen- und Effektenbestände und stapelt gewaltige Papiermarkmengen auf. Wenige Wochen später herrscht starker Kavitalmangel, Michaet ist liquide und kann zu den damals üblichen Hohen Zinsen seine Gelder ausleihen. Der Post leiht er zu 4 dis 5 Prozent im Jahr, also nach den damaligen Begriffen fast umsonst, 30 Millionen Mark. Rach der Sanierung der Post leistet st» Michael einen Gegendienst, indem sie ihm ihre Gelder gleichfalls za sehr niedrigen Zinsen zur Verfügung stellt. Ein Ziel, das sich Michael gesteckt hat. vom Veldverleiher zvm Finanzmagnaten großen Stils zu werden, hat er bisher nicht erreicht. „Mit diesen, sagt der von uns erwähnte Lewlnsohn über ihn, „von einem großen Selbstbewuhtsein zeugenden geschäftlichen Plänen steht seine persönliche Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit ln merkwürdigem Kontrast. Wenn er auch nicht dir leichte Hand hat und die künstlerische Freude daran, einen Teil des Geldes, das er zusammengerafft hat, für gute Zroecke wieder herzugeben, so steht er doch in dem Auf, stch als stiller Wohltäter zu oetättgen, wobei die stärkste Triebfeder seine orthodoxe Frömmigkeit ist. Wohin der Weg des dr-ritzlgjähriaen Michael führt, läßt sich heute noch nicht übersehen, aber es tst kein Zweifel, daß i« ihm wie in seinen ebenfalls noch sehr jungen Mitarbeitern eine Cxp«anstonskraft steckt, die ohne die Gefahr schwerster Wirtschaftlicher Explosionen nicht mehr auszuhalten sein wird." Gleichfalls ein Dreißigjähriger ist Richard Kahn, dem vor mehreren Jahre», als sein Vertrag mit den Deutschen Werken im Reichstag erörtert w-urde, der damalige Reichsschahminister Raumer nachsagte, er besitze nicht einmal eine eigene Firma. Dabei kontrollierte Kahn schon damals eine ganze Anzahl von angefrheneu Werken der Metall- und Motoremudustrie. Die Rhenanla- Motorenfabrik ist von ihm technisch und finanziell entwickelt normen, einen Flugzeuqmoior hat er weieurlich verbessert. Einer seiner Mitarbeiter sagte von Kahn: „Als Generaldirektor dieser Motorenfabrik war Kahn Tag und Nacht auf dem Posten. Angeheare Geldsummen opferte er für die Versuche an den Motoren. Manche schlaflose Raryt verbrachte er gemeinsam mit einigen Monteuren hinter den Slschleudernden Rotationsmiffchinrn im windigen, schmutzigen Bremsstand. Seine Rücksichtslosigkeit gegen sich selbst riß Angestellte und Arbeiter mit. Auch ln Lohnfragen galt er als loyal oenkend-rr Arbeitgeber" Der Kahn-Konzern zählt heute zu den bedeutendsten Gruppen der Maschinenindustrie. Gemeinsam mit der A. E. G. hatte er die großen Wöllerrdorfer Staatswerke in Oesterreich gepachtet,- aus diesem Geschäft mußten stch die beiden Partner jedoch mit erheblichen Verlusten Mückziehrn. In die gleiche Kategorie gehören die beiden Wiener Bose! nnd CastigUoni. Eigentlich stammt nur der eine, Siegmund B o se l, aus der schönen Stadt an der Donau. Als Sohn eines kleinen Tuchhändlers ist er bei Anfang des Krieges Angestellter in einer Konfektionsfirma. Er wird Einkäufer für die Derreichische Heeresverwaltvng; am Ende des Krieges besitzt Bolel nicht nnr ein stattliches Vermögen, sondern auch, als «zünfundzwanzigjähriger, den Kommerzienratstitel. Run wird er Großfinanzier, er stellt ein Anzahl industrieller und anderer Unternehmungen unter seine Kontrolle, erobert die alte Wiener Amon- Bank, wird zum „Stin-nes" in den Nachfolgestaaten der öfterreichisch-ungarischen Monarchie, gründet Zeituitgen und wird schlleßlich Vertreter des dem Rockefeller Trust nahestehenden Äew-'Porkrr Bankhauses Kuhn, LoebLCo. Seine wirtschaftliche Potenz scheint auch durch die Dntaitonsperiode nicht gelitten zu haben; konnte er doch erst vor wenigen Wochen die dem Untergang nahen Hammerbrot-Werke von der österreichischen Sozialdemokratie ohne weiteres übernehmen. Weniger gut hat es das Schicksal mit Camillo Lästigl i o n i gemeint. As Sohn eines Tri-rster Rabbiners betätigt er sich während des Krieges in der Auto- und Motorenbranche. Er organisiert die Flugzeugindustrie und gründet mehrere Autogeselischaflen. Rach dem Krieg wird er Vermittler zwischen den österreichischen und ausländischen Industrie- und Finanzgruppen, beherrscht mit Stinn-es die Alpine Montan-Gesellschaft und gewinnt maßgebenden Einfluß auf dle ungarische und ffcyechoslowaktsche Industrie. Me schwere Krise, die im Herbst 1924 über Oesterreich hereinbrach, brachte auch CastigUoni za Fall. Beim Zusammenbruch der Wiener Depositenbank, deren Präsident Lastialionl war, war er kaum noch m der Lage, dir vom Gericht geforderte Kaution zu stellen. Der größte österreichische Inflationsgervinner brach an den Folgen der Deflation zusammen. Wir konnten hier, rollten wir nicht zu sehr ln dle Breite gehen, nur einige von jenen Persönlichkeiten nennen, die man als jüdische Wirtschastsführer bezeichnen kann. Cs schien die Leiter der großen Banken, es fehlen dle Grotzkaufleule und Industriellen aus drr Textil-, Leder- und Schuhbranche. Es schien auch die Konzernfürsten aas dem Brau- und Brenngewerbe, es fehlen jene Männer, die als Wissenschafter oder als Publizisten die Theorie deS wirtschaftlichen Lebens befruchtet, seine Praxis verfolgt und dargestellt hohen. Aber wir gsauben schon gezeigt zu haben, was es mit der antisemitischen Bchauptung, der jüdstchen Rasse eigne keine schöpferische Kraft, auf sich hat. Anker denen, die der Wirtschaft vorwärtsweisenden Jmvuls geben, stehen Juden in nicht geringer Zahl an führender Stelle. Sie ernten nicht da, wo aridere gesät haben, sondern find immer bereit, neue Wege zu gehen, selbst dann, wenn eS nicht sicher ist, daß am Ende ihrer Tätigkeit der persönliche Erfolg steht. And wenn schließlich eingewendet werden mast, daß nur die kapitalistische Wirtschaft, das Streben nach Anhäufung von Einkommen und Besitz, den Juden anlocke, so sei demgegenüber auf Sowietrußland hingewiesen, wo im Aufbau einer neuartigen MrtschaftSoerfafsung wiederumi Juden an hervorragender stelle stehen.

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