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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-04-03 · 14 (3.4.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
14 (3.4.1925)
Date
1925-04-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Die Saläre für die Bürobeamten, deren Zahl durch Abbau vieler Beamten sehr reduziert worden ist, betragen 400 000 M. Auch für diese Beamten ist die Friedensbesoldung eingeführt worden. An Pensionen müssen 240 000 M. jährlich bezahlt werden. Das singroße Erfordernisse, aber die BerlVer jüdische Gemeinde mit ihren über 200000 Seelen and ihren 88 000 Steuerzahlern verlangt eine gut organisierte Verwaltung. Hierfür reicht natürlich die Arbeit der ll Vorstandsmitglieder und der 21 Reprä'rnlanten nicht aus. Die Zahl dieser Ehrenbeamtcn, die mit Arbeit überlastet sind, muß bedeutend vergrößert werden, und die Vorbereitungen für die Vermehrung sind bereits im Gange. Der Etat zeigt am besten, wie weit verzweigt die Ausgaben sind, aus die sich das Wirken und Schassen der Gemeinde beziehen. Bei dem Anschwelten aller Ausgaben, die sich int Etat von 1025 deutlich zeigt, ist es erforderlich, daß die Verwaltung große Sparsamkeit übt, damit ein Defizit oermieden wird und die Steuern nicht erhöht zu werden brauchen. Eine sparsame unvorsichtige Finanzvenvaliung ist die Grundlage für das weitere Gedeihen und für den gesicherten Bestand unserer Gemeinde. « £ 4 ♦! M r Aus den Gemeinden, i 81 rOr rOr ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Berlin. Die 0\ v p vü s e m u n i c i\ uc v i aut m lrma der Berliner Jüdischen Gemeinde l,iclt cm .50. Riärz eine Sitzung ab, in der sie sich mit dem »on der Jüdischen Volks Partei ausgehenden Antrag, die Eröffnung der Hebräischen Universilät r,n Jerusalem am I. April ofsizicli zu begrüßen, befaßte. Bekanntlich bat der Borst and der Gemeinde in einer am 24. März abgehalrenen Sitzung bei Anwesenheit non fünf Vorstandsmitgliedern mit drei gegen zwei Stimmen einen Antrag, die Hebräische Universität zu begrüßen, ab ge lehnt. Für den Antrag stimmten der Vertreter der Kvriscrvctwen Galewski und der Vertreter der Jüdischen Boikspartei Herr Dr. KoUcnscher: gegen den Antrag stimmten di.' drei liberalen Vertreter Wolfs. Makowcr und Fuchs. Zwei stinnnberechtigle Vorsteher, ein Liberaler und ein Volkspartciler. fehlten. Die Rcvräsentantenversanrinlung hat nunmehr von dem ablehnenden Beschluß des Vorstandes keine .Kenntnis genommen und ihrerseits mit Einstimmigkeit beschlossen, ein in ivarmen Tönen gehaltenes Begriißungstelegramm. zur Eröffnung der Hebräischen' Uniucrsilät nach Jerusalem zu senden. Vorher hielt der Vorsitzende der Äeprnsentanlenvcrsammlung. Rechtsanwalt Stern, eine große Rede, in der. er die Bedeutung der Hebräischen Universität in Jerusalem und ihres Judaistifchen Institutes eingehend würdigte. In derselben Sitzung befaßte sich die Repräscutantenvcrsammlung mit dem Antrag, die Rationalbibliothck in Jerusalem finanziell zu unterstützen. Vor einiger Jeit hatte Herr Prof. Dr. Heinrich Locive, der Direktor der Jerusalemer Olationalbibliothek. den Antrag gestellt, dieser Bibliothek eine Subvention zu gewähren. Diesem Antrag wurde damals nicht stattgegeben, sondern 'beschlossen, einen gewissen Betrag für Bibliothekw'escn im allge- H OGOOOOOGOGOOGOOGOOGOOGGOOGOOOOOGOOOOOCB ücrrenAniüge and Mäntel | na di Ma& in voll- Q endeter Paßform Mk. I q Leo Sonnenschein! Potsdamer Sir. 3?,- J^JiJuwsln | IfiO0OOOOOOOOOOGOOOOOOGOOOOOOOOOOO©OOOO0O* wasdic liefert tadellos sauber gewaschen zu billigsten Tagespreisen Inh. Otto Babekuhl, Brunnenstr. 79 Fernspr.: Humboldt 2351. Freie Abholung jederzeit. Ein verpfuschtes Leben? Heiteres aus dem Tagebuch eines jüdischen Kämpfers. Von Artur Schweriner, Berlin. (9. Fortsetzung.) Die deutsche Erziehung der jüdischen Jugend der Provinz Posen wurde von den jüdischen Lehrern in geradezu vorfoiMidKr Weise gefördert. Der christliche Schulinspektor machte kein Hehl daraus, daß der Lehrplan der sechsklassigen jüdischen Schule der Heimat sich in Berlin sehen lassen konnte. Natürlich siel die Persönlichkeit des Lehrers stark ins Gewicht. And weil wir das Gluck hatten, einen ausgezeichneten M a n n in unserer Heimat als Leiter des jüdischen Schulwesens zu haben, war Dankbarkeit eine selbstverständlich: Pflicht. Ein Besud) der Heimat ohne einen Abstecher bei dem Lehrer war etwas Unmögliches. Jedesmal klagte er „in diesem Jahre" besonders schlechtes Matcrial in der Oberklasse zu haben. „Denken Sie nur, was heute passiert ist!" „Eine Schülerin war so liebenswürdig zu behaupten, Schlesiens-eieinSe e." And ein Sohn unserer Stadt beantwortete mir dje Frage, was der Knochen auf der Scderschüssel bedeute: „D e r Knochen erinnert an die Gebeine Josefs in Aegypten." Auf der Rückfahrt habe id) das Vergnügen, mit dem jungen Stern, der immer das R eu e st e aus der g a n z-e n Pr o - vinz Posen weiß und deshalb den treffenden Beinamen Sch korim-Stern (Liigensicrn) erhalten hat, in einem Abtei! zusammenzufahren. In B o mst sei neulich eine drollige Geschichte passiert. Der Rabbiner dort, bereits 72 Jahre alt, halle/feit Jahren an jedem Sonnabend zu dem betreffenden Wochenab'fchnitt dieselbe Rede, so daß Eingeweihte bereits auf dem Wege zum Gottesdienst die ersten Sätze der zu erwartenden Predigt hersagen. Es fei deshalb bereits Tradition der Bomfter Gemeinde, während der Predigt des greisen Rabbi ein Mittagsschläfchen ü conto d e r Na ch m i tta gs r uhe zu halten. Neulich sei ein Fremder in die Synagoge gekommen und habe während der Rede bitterlich geweint, so laut geschluchzt, daß die Ringsherumsitzenden keinen Schlaf finden konnten. Als sie den Fremden bestürzt fragten, wesh a lb ihn d i e Red-e d es Rabbiners s o e rg r e i fe, antwortete er mit tränenerstickter Stimm«: „Auf die Predigt gebe ich gar nicht Acht, aber euer Rabbiner hat denselben Bart wie mein Zickchen, das in «unserem Haus vorige Woche e i n g >e g a n g e n ist, und d a m-u ß i d) i m m e r da ran d e nk-rn. . - - ' - meinen bereit zu stellen. Jetzt aber wurde dieser Beschluß dahin modifiziert, dos; die Jüdische Gemeinde die Summe von 10000 Mark für Bibliothekswesen mit besonderer Berücksichtigung des Judoiftifchen Institutes der Hebräischen Universität in Jerusalem bereitstcllt. Praktisch bedeutet dieser Beschluß soviel, das; der gesamte Betrag dem Iudaistischcn Institut zugute kommen wird. In dieser Sitzung kam auch die Vertretung der Berliner Jüdischen Gemeinde im Rate des Preußischen Landesverbandes zur Sprache. Wie schon mitgetcilt, hat der Vorstand der Gemeinde zu dem Rat des Landesverbandes sechs Vertreter der Liberalen Vereinigung, zwei Vertreter der Jüdischen Polkspartci und einen Konservativen gewählt: ferner den keiner Partei angchvrendcn Herrn Dr. Jsmar Freund. Die Jüdische Volkspartci, die der Zahl ihrer Wähler nach aus drei Vertreter im Rate Anspruch erhebt, protestierte gegen dieses Wahlergebnis. Die Abstimmung zeitigte aber das Ergebnis, daß die Rcpräsentantenversammlnng den Beschluß des Vorstandes bestätigte, demgemäß die Fraktion der Jüdischen Volkspartei über nur zwei Vertreter im Rate verfügt. Nach Verkündigung des Abstimmungsergebnisses verließen die Vertreter der Indischen Volkspartci demonstrativ den Sitzungssaal. Die Rabbiner der Berliner Jüdischen Gemeinde sandten zur Eröffnung der Hebräischen Universität in Jerusalem ein in hebräischer Sprache abgesaßics, in warmen Tönen gehaltenes Begrüßungstclegriimm äb. Casirl. Auf eine fünfzigjährige Tätigkeit im Lehrberuf blickt in diesen Tagen Lehrer a. D. I. Herzberg zurück. Bis zur polnischen Okkupation Posens war Herzberq erster Lehrer an der Religions schule in Vromberg, Als Verfasser methodischer Schriften für den Religionsunterricht hat sich der Jubilar, der sich bewundernswerter 'körperlicher und geistiger Frische erfreut, in weiten Kreisen einen geachteten Rainen verschasfr. Auch außerdem ist er wiederholt' mit schönem Erfolge schriftstellerisch hervorgetreten. Mil besonderer Freude werden alle diejenigen an dem Ehrentage seiner gedenken, die ihm geistige Anregung und Förderung verdanken. Frankfurt a. M. Der Jüdische Frauenbund reranstaltcte Donnerstag, den 20. Mürz, zugunsten seines Heimes in Ren- Isenburg eine Nachtvorstellung, "zu der das Reue Theater zur Verfügung gestellt war. Das Jahrmarklsfesi von Plunde-rsweilern des nickt ganz unbekannten Dichters Goethe gab den vielen jungen Künstlern und Künstlerinnen Gelegenheit, im Spiel selbst wie in reichlichen Einlagen sich bestens zu produzieren und das sehr zahlreiche und beisailskräftige Publikum durch Spiel, Gesang und Tanz wie durch hübsche Anblicke zu erfreuen. Die überaus große Anzahl derer, die sich auf der Bühne wie in einem für diesen Zweck gebadeten Liebhaber-Or ehester zusammengefunden batten, aufzuzählen ist nicht möglich. Jeder tat sein Bestes, und so waren die Zuschauer des wohl ausverkaufteil Hauses in angenehmste Stimmung versetzt. — Das elegante Publikum benützte die große Pause, während welcher sich Zuschauer und Miiwirkende im Foyer drängten, zum Besten des wohltätigen Zwecks sich leiblich zu stärken. Der Jüdische Frauenbund dürfte mit dem gesellschaftlichen, vor allem aber auch mit dem materiellen Erfolg, der dem in ganz Deutschland bekannten Neu-Jsenburger Heim für Mütter und Kinder zuslieht, bestens zufrieden sein. Frankfurt a. M. Im patriarchalischen Alter von 83 Jahren verstarb am Sonnabend, den 21. d. M., einer der angesehensten und einfluhreichsien Männer unserer jüdischen Gemeinde. Philipp Schiff war eine markante Persönlichkeit, die aus dem alten Frankfurt ihre Erinnerungen, ihr Gemeindebewußtsein und ihr starkes sittliches und jüdisches Verantwortlichkeiisbrwußtsein in , stanz hervorragender Weise bewahrt hatte.. Lange Jahre Mitglied des Vorstands der Gemeinde, an führender Stelle in der Gemeinde sowohl wie'in der Kommune, sozial durch Rat und Tat durch persönliche Werbekraft und Initiative wirkend, hat er einen starken Einfluß aus das Gemeindeleben und auf die Gestaltung der sozialen Einrichtungen, die gesamte Wohlfahrtspflege auSgeübt. Er war ein Wohltäter großen Stiles, der nicht nur selber gab, sondern andere zum Wohltun anzuregen md)t müde wurde. Von ausgeprägtem, fast leidenschaftlichem jüdischem Bewußtsein, konnte er unnachsichtlich sein gegen jede jüdische Fahnenflucht und jedes mangelnde jüdische Verantwortlichkeitsgefühl. Hochgebildet, weitsichtig, klug im Rat und energisch im Handeln, hat -er seine körperliche und geistige Kraft und Tüchtigkeit bis in die letzten Tage seines Lebens bewahrt. Aus altjüdischer Frömmigkeit hervorgegangen, war er voll Verständnis und seelischer Teilnahme für das liberale Judentum, feine Forderungen und feine Leistungen. Innige Freundschaft verband ihn mit dem so früh dahingegangenen Julius Piotkc, mit dem zusammen er für die Neugestaltung eines modernen jüdischen Gottesdienstes hier wie überhaupt für die Neuerwrckung jüdischen Interesses in den teilnahmslos gewordenen hiesigen jüdischen Kreisen ^warb. Mit innerstem Interesse verfolgte er den Aufschwung des jüdisch-liberalen Lebens, und noch in "den letzten X. Jahren wußte er die Erben seines Bruders Jakob Schiff h,| Amerika zu einer nahmhasten Gabe für jüdisch-liberale Zweck« I zu bestimmen. Unter allgemeiner Teilnahme nicht nur der jüdischen Gemein^., sondern auch der städtischen Behörden und der Berufsgenoss^I wurde Philipp Schiss am Montag, den 23. d. M., zur letzten Ruhe begleitet. An seiner Bahre sprad) Bürgermeister GrSs den Dank und die Anerkennung der Stadt Frankfurt aus fm das vorbildliche, selbstlose soziale Wirken des mit seiner Vater, stadt und ihrem kulturellen und sozialen Leben so innig ver. bunbenen Mannes, der auch an dem Zustandekommen der An,, verfilät großen Ayleil hatte. Den Dank d-er Gemeinde über, brachte mit gerührten Worten in Abwesenheit des ersten Vor. sitzenden Justizrat Dr. Blau, Herr Dr. Baerwald. Von demI Almosenkasten der jüdischen Gemeinde und all den anderen zahl, reichen Wohltrisinstitutionen brachte Bernhard Simon mit tief, bewegtem Herzen den letzten Gruß, für die früheren Beruß, genossen, die Maklerkammer, deren Vorsitzender der Verstorbene lange Jahre gewesen, der stellvertretende Vorsitzende. **A*r*M*w*#*wtt*,tMHM,*,M***w*****M**wTrr*!01 Versammlungskalender. I § 44444444444444444444«! Berlin. (Liberaler Synagogenverein Norden.) Synagoge! Schönhauser Allee 102. Vom Pessachfesi ab wird der Sabbatgottesdicust voll ausgebaut. Er findet von da ab jeden Freitag 7 Ahr, jeden Sabbatvormittag (10 Ahr) statt. Alle religiös-liberal Gesinnten, die unser Werk geistig unmateriell stützen und fördern wollen, werden gebeten, dem Liber«, len Synagoaenverein Norden bcizutrelen. Geschäftsstelle: A. Zander, Linienstr. 43, Tel. Norden 3233. Breslau. (Jüdisch-Iiberaier Jugendverein „Abraham Geigers Dienstag, den 7. März, abends Ahr, im Bereinsznnmer öcs | Konzerthauses: Diskussionsabend: die Lehren des Judentums, r schnitt Gerechtigkeit. Referent: Herr Kurt R-ebel. Magdeburg. (Jüdisch-liberaler Jugendbund „Heimat".) Wir! laden hierdurch ein zur ordentlichen haibjähriichen Generalversammlung am Sonntag, den I. April, vormittags VAX Ahr, im Klassenzimmer des Gemeindehauses Große Schulstr. 2 c. Tagesordnung: Bericht des Vorsitzenden: Kassenangelegenhei'ten: Satzungsänderungen: Neuwahl: Verschiedenes. liniere diesjährige Sederabcndfeier findet am 2. Abend, am Donnerstag, den 9. April, statt unter Leitung von Herrn Rabbincr Dr. Wilde und einiger Damen, die sich uns freundlichst zur Verfügung gestellt haben. Lokal und Zeitfrage sowie alles andere! Nähere am Sonntag. Elabliss^merü Cafe Friedrichstraße 60 -* Ecke Leipziger Straße Das vornehme Familien-Kabarett mit reichhaltigem, auserlesenen Programm. .Gas tspiel: KÄTE LOISSET der weibliche Sylvester Schaffer. I2clill*Rex, der feingeistige Spötter, Frife Tadiauer, der brillante Humorist, 4 Kletts, alpine Lieder, Marga Tulode&ka, Edwiga Doley Guenca Tavera, Anita Jasnowa Marie Chevalier, 2 Glässner Conference: R ATH^REX. Kapelle Vieten. Als in Mainz int Jahre 1912 öffentlich Angriffe gegen das Zentrum wegen dessen judenfeindlicher Haltung erhoben wurden, antwortete Kommerzienrat Molthan, Zentrumsführer in Hessen, er müsse diese Vorwürfe entschieden zurückweisen. Keine Partei habe für das Judentum soviel getan als gerade die Zentrumspartei, die es durch die Tat bewiesen habe, daß cs für Ausnahmegesetze nicht zu haben sei. Justizrat Dr. Schmitt erinnerte an die Dankschreiben, «die Windhorst von den angesehensten Juden Deutschlands erhalten habe. XI. In der reichstagslosen Zeit — vor dem Kriege hatte ein Jahr nicht viel mehr als 100 Sitzungstage — übernahm ich die Schristteitung von Zeitungen, die ich von Berlin aus bediente. An Ort und Stelle konnte man sich am besten über die besonderen Notwendigkeiten der Zeitung unterrichten. So konnte ich in der Provinz einen Einblick gervinnen nicht nur in das polittsche Zeitungsgetriebe linksstehender Blätter, sondern auch in das Anpolitische der sogenannten ,/Sener a l a n z e i g e r - P r e s s e". Wer den Kampf für die Gleichberechtigung der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens mit Besonnenheit fuhren will, der braucht es nicht zu bedauern, Leitartikler in einer überparteilichen Zeitung gewesen zu sein. Es ist durchaus keine unsittliche Ausgabe, einmal über den Parteien zu stehen und nicht alles durch die Darteibrille zu betrachten. Wer alle Zeit unentwegt in die Partemerbe hauen kann, hat es natürlich einfach. Der Mann des Ausgleiches mutz sorgfältig abwägen, alles Trennende möglichst beiseite stellen und überall die Förderung des Volksganzen als höchstes Gebot über seine Arbeit stellen. Redakteure an der Generalanzeiger- Presse waren deshalb große Seltenheiten, weil die jüdischen Journalisten zu 99 Prozent oppositionell eingestellt waren und .Links- Färbe" bekannten. In einer großen westdeutschen Stadt war man deshalb sehr erstaunt, daß ein jüdischer Redakteur nicht Kultur'' kämpferische Artikel schrieb und mit dem Zentrum in Freunds fchaft und Frieden auskam. Die Zentrumspreffe Westdeutschlands hatte (in der Vorkriegszeit. Schriftleitung!) eine starkel antisemitische Rote, und es gab wohl keinen überzeugteren Antisemiten als den Pressevertreter der größten Kölnischen kacholrschcuf Zeitung in Berlin. Milbeeinflußt war diese antisemitische Stellungnahme Zentrumspresse zweifellos durch die Tatsache, daß es in öetl Relchshauptstadt hauptsächlich Juden waren, die „g eg en i>iö| Volksverdumm u n g des klerikalen U11 r a m o ntü' n i s m u s" zu Felde zogen. Mir ist erinnerlich, daß sei-nerze'it On| Reichstag folgend er Vorgang einiges Aufsehen erregte: Der Herausgeber der „Wahrheit", der antisemitische Reicks lagsabgcordnete Bruhn, war durch einen Prozeß wLge>n Erpressung so stark mitgenommen worden, daß, als er die Tribüne betrat, die Abgeordneten der Linken und der nationalliberalen Partei demonstrativ den Sitzungssaal verließen. zurückble'ibenden Reichstagsabgeordneten, die das Auditorium fäll Herrn Bruhn bildeten, waren fast ausschließlich Z e n t ru m s ab ge o rd n et e. Ich habe mich oft mit katholischen Kollegen über die „Vcrjudung" der Presse unterhalten und ihnen klar macheu können,! daß es sich um ein Schlagwort handelt. In ganz Westdeutsch' la nd gab es um 1910 acht jüdische Redakteure, von d-rnen sechsl in sozialdemokratischen Redaktionen saßen. An freisinnigen I Presseorganen waren bis auf ein in jüdischem Besitz befindliches Blatt in Dortmund jüdische Redakteure nicht angestellt. (Fortsetzung folgt.) ü HDD ItZD I. DOÖRIN S Konditorei und Kaffee Jerusalemer Str. 16 Zentrum?ys6.2927 Spandauer Brücke 7 Norden 2925 Zu den Festtagen empfehle: Torten, Baumkuchen, Makronen, Konditorwafg Der Verfindet nur Spandauer Brücke 7 kauf der / ntm Eingang vom Hof, statt

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