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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-03-27 · 13 (27.3.1925) · page 6

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
13 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Aus den Gemeinden. Allenstein. Die in der Provinz Ostpreußen gelegene Mische Gemeinde Allenstein hat einen Beitritt zum Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden abgelehnt. Aeber das Motiv ist nichts bekannt. Wie der ZTA-Vertreler erfährt, ist die Gemeinde Allenstein, abgesehen von der Gemeinde Frankfurt a. O„ die einzige jüdische Gemeinde von einiger Bedeutung in Preußen, die den Beitritt zum Landesverband abgelehnt hat. Dabei sind natürlich jene Gemeinden nicht berücksichtigt, die dem Halberstädter orthodoxen Verbände angchören. Berlin. Pon der Bereinigung der Kantoren Groß-Berlins und Umgegend wird uns geschrieben: In der ersten Generalversammlung nach Wiedererstehen der Vereinigung (16. 3.) konnte der Vorsitzende Guttmann in seinem Berichte auf ein Jahr harmonischer befriedigender und nutzbringender Zusammenarbeit im Sinne der neugcstaltetcn Bereinssatzringen Hinweisen. In acht Vollversammlungen und sechs Vorstandssitzungen waren Gegenstände ideeller und wirtschaftlicher Natur ausgiebig behandelt und praktischer Auswirkung zugeführt worden. Unter anderem ivär einem instruktiven Gastvortrag des Herrn Arno Nadel Berlin aus dem Gebiete des s y n a g o g n l e n Gesanges ein Referat des Kollegen Guttmann „U e b e r künftigcKnntorena rr s b i l d ri n g mit Rücksicht aus die neue Lehrerb i l d u n g" gefolgt. — Eingehend hatte man auch zu den Landcsvcrbandswahlen Stellung genommen, zugleich erhoffend, eine ständige Vertretung des Kantorats im ..Rate" erwirken zu können. Von ermunterndem Erfolge begleitet waren die Bestrebungen, den Kantoren der Berliner Privatgemeindcn gesicherte und auskömmliche Existenz zu schassen. Dreien Kollegen wurde die vermittelnde Hilfe der jetzt 60 Mitglieder zählenden Vereinigung im Konflikte mit ihrer Gemeinde zuteil. Berlin. Wie in der jüdischen Presse verlautet, ist neben dem konservativen Rabbiner Dr. Carlebach, der zur Zeit in der Talmud-Thora (Real-Schule) der Hamburger iüblichen Gemeinde amtiert, auch die Wahl liberaler Rabbiner in Aussicht genommen. So nennt die Presse den Namen des Herrn Rabbiner Dr. Dienemann in Offenbach, früher in Ratibor. Genannt wird auch Rabbiner Dr. Rieger, den feine rabbinische Laufbahn über Potsdam, den Hamburger Tempel, das Landrabbinat in Braunschweig, nach Stuttgart geführt hat. Dr. Rieger ist als Publizist und Verfechter der Tendenzen des Cenlralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens weiteren Kreisen bekannt. Ferner wird genannt Rabbiner Dr. Gans, der zur Zeit Religionslehrer am Lehrer-Seminar der Berliner jüdischen Gemeinde ist. Wie weit diese Pressemeldungen auf Authentizität Anspruch erheben könneu bzw. wie weit es feststeht, daß die betreffenden Herren eine; Berufung nad; Berlin anzunehmen bereit sind, muß noch dahingestellt bleiben. Berlin. Die Großloge für Deutschland VIII A. OB. B. hat Stipendien in Höhe von je 1200 M. jährlich ausgesetzt für zwei Studenten, die sich dem Rabbiner- oder Lehrerberus widmen wollen. Das Stipendium kommt nur für junge Leute in Betracht, die mindestens zwei Semester absolviert haben. Berlin. Reben die drei bekannten Anstalten zur Ausbildung . jüdischer Theologen, das Rabbinerseininar für das orthodoxe Judentum in Berlin, Ae Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und das Breslauer Jüdisch-Theologische Seminar, ist eine vierte Anstalt getreten, die schon feit einigen Zähren be- > sieht, aber doch bisher mehr in der Stille gewirkt hat. Es ist das die von Direktor Zosef Carlebach ins LÄen gerufene Zerschiwah j i» Hamburg DieHamburgex Zsschiwah.,bsssicht j?tzt oiep,Jahre, i Bisher haben neun Studierende das Institut mit Erfolg ‘abfoljchiert. Die Zahl der Studierenden und Hörer beträgt augenblick- WWMWWW>WM>WWWW>»W>WMWW»WWM»>»WWWW>WWW>W>W>»W>W»>W (Nn verpfuschtes Leben? Heiteres aus dem Tagebuch eines jüdischen Kämpfers. Bon Artur Schweriner, Berlin. (8. Fortsetzung.) Ein Bräutigam ist über Sabbat in der Gemeinde, um Umschau zu halten unter ihren schönsten Töchtern. Ist das ein Spießrutenlaufen! Jedermann hat Nicht nur das Recht, sondern geradezu die Pflicht, sich um den Freiersmann zu kümmern, als handele es sich um eine Verlobung aller mit allen. Ein besonders großer Tag! — Sabbatvormiltag geht ein großstädtisch gekleideter Mann, mit einem Zylinder auf dem Haupte, über den Marktplatz. Er balanciert... Die spitzen Pflastersteine graben sich tief in die Sohlen der Lackstiefel ein, und nur wer das 0!ück hat, unversehrt über dieses Gemisch von Fußangeln und Drahtverhau zu kommen, kann die Braut heimfuhren. Es ist ein offenes Geheimnis: Mit Frida Cohn ist eine große Partie im Gange! Aber auch eine „ausgefallene Sache!" Sie wissen nicht, was eine „ausgefallene" Partie ist? Wenn ein reiches Mädchen. die einzige Tochter eines wohlhabenden Mannes, mit 80 000 Mark Mitgift, nicht einen Doktor (sprich: Dokter!) heiratet. Der Zukünftige von Frida Cohn soll ein Schriftsteller sein, den sie auf einem Maskenball in Berlin kennengelernt hat und von dem sie nld)t lassen will. Eingeweihte wissen, daß sie nach einer stürmischen Auseinandersetzung mit ihren Eltern erklärt hat: „Wenn id) Karl Heinz nicht kriege, gehe ich ins Wasser." T h o r a v o r l e s u n g in der Synagoge, vor der sich Karl Heinz mit seinem Schwiegervater in spe pünktlich getroffen hat. Schwiegermutter und Braut sind daheim geblieben, um den Frauen auf der Galerie nicht billigen Redestoss zu geben, an dem während der Thoravorlesung niemals Mangel ist. Da werden die neuesten Hüte und Kleider gemustert: da wird alles durchgesprochen, was an wichtigen Begebenheiten sich im Laufe der vergangenen Woche zugetragen hat. Wenige sind sich dessen bewußt, daß die Würde des Gottesdienstes einer Art Verwilderung Platz gemacht hat, mit der frommes Empfinden nichts zu tun hat. Aller Augen richten sich beim Betreten des Gotteshauses auf Karl Heinz und seinen Schwiegervater. Wie wenn eine Primadonna auf einer Festlichkeit erscheint. Lebhafte Unterhaltung übertönte bald die Stimme des Kantors, dem der Vortrag so in Fleisch und Blut übergcgangen ist, daß er keinen „Rigen" (Ton) auslassen brauchte, als er sich umsah, um mitzusehen. Hermann Hirsch, David Crohn und' Max' E ochst stecken die Köpfe zusammen. „Gott soll hüten für ungeratene Kinder! Cohn hat mit seiner Tochter auch etwas anderes vorgehabt. Aber wer ist schuld? Die Mutter. Sie wollte mit dem Kind zu hoch hinaus. Erst in die Pension, und dann jedes Zahr ein paarmal nach Berlin. Die Kleinstadt ist nicht gut genug." „Die Frida war immer schon für die Großstadt geboren. Wenn es im Laden klingelte und der Vater sich freute, daß Kunden kamen, lief sie hinaus. Sie konnte das Klingeln nicht vertrage n." „Der Schwiegersohn wird das Geld, das sich Cohn durch Fleiß erspart hat, bald klein kriegen." ....... „Was ist das eigentlich, e i n S ch r i f t st e l l e r? Zn meinem Leben habe id) noch nichts von solch einem Beruf gehörb" . - „Ein Schriftsteller ist, wenn man schreibt." lich 60. Einer der Hörer, der mit dem AaWner^viplour ausgestattete Dr. Zoel, hat einem Ruf als Lehrer an Vr'r Tachkemoni- Schule in Palästina Folge geleistet. Zn den Kreisen der Anstalt sieht man der Möglichkeit des Scheidens Dr. Carlebachs, der bekanntlich als Rabbiner der Berliner Jüdischen Gemeinde in Aussicht genommen ist, mit Bedauern entgegen, weil Gründung und Existenz der Anstalt, die, da Hamburg ja auch Universitätsstadt ist. weiteres Aufblühen verspricht. im wesentlichen bisher mit der Person ihres Leiters aufs engste verknüpft ist. Berlin. Zn der Zohannisstraße 8 zu Berlin wurde seitens des Hilfsvereins jüdischer emigrierter Arzte ein Ambulatorium für unbemittelte Kran«« errichtet. Einen großen T-ril der Mittel für das Ambulatorium hat der amerikanisch-jüdische Arzt 'Dr. Rongy aufgebracht. Am 22. März fand die feierliche Eröffnung statt, bei welcher der Vorsitzende des Vereins emigrierter Äerzte, Dr. Goldberg, das Mitglied der Exekutive der Welchllfskonfrrenz, Dr. Brutzkus, der Vorsitzende des Verbandes russischer Juden, Teitel, und im Namen der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Herr Caspari, Ansprachen hielten. Bühl (Baden). Drei Feste konnte Herr Bezirksrabbiner Dr. Mayer in ganz kurzer Zeit nacheinander feiern. Zm Oktober vorigen Zahres war es die goldene Hochzeit, am 1. März d. Zs. den 80. Geburtstag, den Höhepunkt aber erreichte das am Sonntag, den 15. März gef«i-rrte 40jährige Ortssubiläum, das unter Teilnahme der staatlichen, städtischen und kirchlichen Behörden und aller Schichten der Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession festlich begangen wurde. Zn der Synagoge fand eine Feier statt, in der nach einem einleitenden Chorgesang Herr Rabbiner Dr. Oppenheim aus Mannheim die Festrede hielt, der Vorsteher und Bezirksälteste Herr Albert R osen seid die Glückwünsche der israelitischen Gemeinde und des Bezirks überbrachte, der Synvdalabgeordnete, Herr Josef Kaufmann-K-ehl, die Verdienste des Zubilars um den Bezirk würdigte und der Vorsitzende des israelitischen Oberrates, Herr Dr. Stein-Karlsruhe, Herrn Rabbiner Dr. Mayer für seine Mitarbeit als Konferenzrabbiner dankte und eine Adresse mit einer Ehrengabe überreichte. Zn allen Ansprachen kam die Verehrung Undankbarkeit, die Herrn Dr. Mayer beim Aebertritt in den Ruhestand für sein segensreiches Wirken entgegengebracht wird, zu erhebendem Ausdruck. Rach einer kurzen Ansprache des Nestors der Lehrerschaft des Bezirkes, bestieg Herr Dr. Mayer selbst die gewohnte Kanzel und dankte allen für die Beweise ihrer Dankbarkeit, insbesondere auch der Stadtgemeinde Bühl, die ihn zu ihrem Ehrenbürger ernannt hat. Der Synagogenchor schloß die insbesondere durch den Gesang des Herrn Bruchsaler verschönte Feier mit dem Vortrag des Psalms 67. Eine glänzend gelungene gesellige Veranstaltung, auf der auch Herrn Dr. Mayer die Ehrengabe des Bezirkes überreicht wurde, vereinte am Abend die Gemeindemitglieder und die Fesigäste und beendete so den Ehrentag des Zubilars, für dessen würdige Ausgestaltung besonders Herrn Albert Rosenfeld Dank gebührt. Möge Herrn Rabbiner Dr. Mayer im Kreise seiner Angehörigen und seiner Gemeinde noch ein langer und sonniger Lebensabend nach semem so verdienstvollen Wirken im Dienste des Judentums beschieden sein! Cassel. Zn außergewöhnlich körperlicher und geistiger Frische beging Geheimer Zustizrat Dr. Rinteln, ehemaliger Landgerichtsrat am hiesigen Landgericht, seinen 75. Geburtstag. Als Mitglied des Vorsteheramts der Israeliten hat Dr. Rinteln an allen Beratungen seit vielen Zähren regen Anteil genommen und sich durch sein U:- benswürdvges und zuvorkommendes Wesen in allen Kreisen der hiesigen Gemeinde große Sympathien erworben. — Der Israelitische Gem-rmbeverein hielt in voriger Woche seine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Apotheker Nußbaum, erstattete den Jahresbericht, der sich aus die währenddes verflossenen Geschäftsjahres bedeutsamen - Erelgnisie innerhalb der jüdischen Gemeinde bezog, u. a. auch zu der Auflösung der jüdischen Volksschulen „Wenn einer Gedichte macht." „Mein Schwiegersohn dichtet auch und hat „Getreide und Fourage en gros". Letzten Dienstag auf der Hochzeit von einer weitläufigen Kusine haben wir ein Tafellied gesungen, und alles hat gestaunt. Rach der Melodie ,I ch bi n -rinPreuße" — die ganze Familie hat. er besungen. „Der Onkel starb, Rosalie führt die Wirtschaft, And Onkel Julius war nun ganz allein . . Großartig hat er gedichtet und ist doch ein tüchtiger GeschästSmann dabei. Aber so was als B,e r ms — soll Gott hüten!" „Meine Tochter sagt, er soll furchtbar freie Bücher schreiben. Frida hat ihr eins geliehen: „Die Freunde der Hertha . . ." — Den Nachnamen habe ich schon vergessen. Meine Frau ist empört gewesen über das Buch. Stellen hat sie mir gezeigt, ich kann Ihnen sagen, Stellen ... so was Freies habe ich noch nicht gelesen." Die andern beiden wie aus einem Munde: „Wir werden uns das Buch heute nachmittag holen lassen. Frida braucht aber nicht zu wissen, daß ihr es uns geliehen habt." „So was liest man doch nur der W i s's en s ch a f t halber und weil einem der alte Cohn leid tun kann." „Karl Heinz. . . Gleid) zwei Ramen auf einmal! Die Hauptsache sind Einnahmen, nicht zwei Namen!" . . . Bewegung geht durch die Reihen der Gläubigem Karl Heinz wird „aufgerufe n" und spricht den Segensspruch mit geläufiger Eleganz. „Spaß wird der Alte mit ihm studiert haben, bis er ihn so weit hatte." ,,'Re komische Aussprache! Man könnte meinen, er spricht spanisch." Die Gemeinde hält den Atem an, Es geht ans Spenden. Spenden über fünf Mark werden nach einem, alten Brauch der Gemeinde, damit jeder verstehen kann, in deutscher Sprache mitgeteilt. Es ist heraus. Die Sensation des Tages: 100 Mark. „Wer einen reichen Schwiegervater hat. kann leicht spenden. D cr Alte wird es doch bezahlen müssen." „Ich hör' schon, wie die Frau Lohn gesagt hat: 100 Mark muß er „menadder" sein, damit das Gerede aufhört. Mehr hat vorige Woche der Sohn von der Frau Abraham aus Amerika, dem halb Amerika gehören soll, auch nicht gegeben." Lin seltenes Glück: Eine Barmt zw oh zum Schluß. Der Junge trägt schreiend vor, daß die Wände der Synagoge beben. „Den hat Rebb Kallme ausgeblldet. Er kann schlecht hören und da müssen die armen Kinder schreien, daß man Angst hat, die Schule stürzt em." „Ein begabter Zunge.' Zn der Schule ist er immer der Erste." „Ich weiß nicht, was die Leute für Glück mit ihren Kindern haben. Da wird nicht viel Wesen davon gemacht und beider kümmert sich um sie, und sie lernen in der Schule, als ob der Vater ein Professor ist. Zu allem gehört Glück." ,^ch wollte ihm ein Buch schenken, aber meine Frau hat gesagt, ein Bud) hat er s ch o>n." Als sie aus der Synagoge treten, fahren zwei Leiterwagen mit polnischen Gutsarbeitern und Arbeiterinnen über und über beseht, vorbei. Ein buntfarbiges Bild. Inmitten des ersten Wagens Braut und Bräutigam, die durch das holprige Pflaster hin- und hergeworfen werden. Brautführermit kleinen roten Bändern im Knopfloch kreischen vor Freude, und die Braut stimmt fröhlich mit ein. im Bezirk Stellung nahm und eine sehr rege und lebhafte Ayj.1 spräche hervorrief. Es erfolgte außerdem die Erstattung Kassenberichts trab Vorstandswahl. Für den auSscheidenden F,.I brinanten Ludwig Katzenstein wurde Dr. Ernst Plaut in Vorstand gewählt; auch Frau Eugen Marcus trat als weiterer MiWed in den Vorstand ein. Erfurt. Von den Bewerbern um die hiesige Kantorenstsli«! wählte die AeprSsentanlenversammlung Herrn Paul Mayer aus! Karlsruhe. Erfurt. Am Sonntag, den 8. d. Mts., hatten sich die Fr-rnndr! des Herrn Ziegler, welcher «inen ehrenvollen Ruf als Oberkantor nach Freiburg. i. B. Folge leistete, zu einer Abschiedsfeier ftr Herrn Kantor Ziegler und seiner Gattin zahlreich im Gesellschaft,, raum der Erfurterloge eingefunden. Es mar eine schöne yarmo, Nische Feier, durch welche man den Scheidenden di« Wertschähung, die sich dieselben in hcchem Maße hier erworben, kungegcbcn. Herr Dr. Salzberger würdigte in beredten Worten dir Verdienste des Scheidenden, der in jeder Hinsicht durch seine ka». torale Begabung und pädagogische Fähigkeit ein vorbildlicher Lehrer und Kantor war. Er entwarf in humorvoller Schilderung I em vergleichendes Bild zwischen dem König David und -ms Kantor David Ziegler. Als äußeres Zeichen der Liebe und Verehrung widmeten hie! Freunde dem Zieglerschen Ehepaar zwei kunstvoll gearbeitete silberne Becher, öle von Herrn Dr. Salzberger mit sinnigen Wor-1 ten den Scheidenden überreicht wurden. Als Präsident der Erfurterloge sprach Herr Rechtsamvali | Dr. Heilbrun. Auch -er drückte sein Bedauern aus, daß die Gemei«e einen solchen Kantor verliert, der in jeder Weise den! Gottesdienst zur höchsten Erbauung gestaltete, und der durch feinen Unterricht auf die Jugend so anregend einwirkte, daß seine Schüler in treuer Liebe und Verehrung ihm zugetan stnd. Herr Melevhof sprach in schönen, kurzen Worten, daß er m\ einen Wunsch hat: ,Mück!" „Glück im neuen Wirkungskreis und Glück fürs ganze Leben!" Die musikalischen Darbietungen der Herren Markowth uck Malsch boten uns einen hohen künstlerischen Genuß, dem vir gerne noch länger gelauscht hätten. Zn tiefbewegten Worten dankte Herr Kantor Ziegler für die ihm und seiner Gattin erwiesene Ehrung. Er betonte, daß er immer nur bestrebt gewesen sei, nicht nur dem Einzelnen, sonüeni dem Ganzen zu dienen und daß er nur das Gute gewollt, ober in seinen Bestrebungen zur Ausführung des Guten oft verkamt! worden sei. Frankfurt a. M. Die Achawa, PenstonSkasse israelitischer I Lehrer, hielt kürzlich ihre diesjährige Dorstandssihung ab. Zwei um die Entwicklung der Kaste verdiente Mitglieder, Hauptlchr«! Frei in München und Lehrer Emil Gabriel in Offenbach, fini durch den Tod aus ihrem Wirkungskreis, der auch der AuSgestÄlang der Kaste galt, gerissen worden. Ausgeschieden ist ferner, I Lehrer M. Steinhardt in Magdeburg, während Lehrer Heilbrrwe in Cassel und Oberkantor Fraenkel in Nürnberg neu in den Vorstand eintraten. Für das aboelaufene Zahr sollen 30 M. vre Quote an die Pensionäre gezahlt werden, während im Vorfahr« nur 5 M. pro Teil gegeben werden konnten. Zn Krankheitsfälle« und bei anderer Notlage wurden außerdem Unterstützungen M die Mitglieder gewährt. Der Vorstand bittet, da daZ Vermögen der Kaste während der Inflationszeit größtenteils geschwunden ist, durch Ehrenmitgliedschaft die Bestrebungen der Kaste zu unterstützen und ihr mit einem Jahresbeitrag von 6 M brizutroten. Auch die Mitglieder werden um Förderung her Ziele der Kaste gebeten. Geldsendungen können auf PoUcheä Rr. 474 52 (Achawa, PenstonSkaffe israelitischer Lehrer), Frackfurl a. M., übermittelt werden. Fraukfurt a. M. Anfang Aprit d. Z. sollen in den Räum« des Kuustvereins unier dem Titel jüdische Gemeinde Frankfurt o. M. von ihrer Entstehung bis zur Mitte des 19/Jahrhunderts" alle Altertümer und Abbildungen, die geeignet fick. Die alte Frau Samuel tritt an mich heran, schüttelt de» Kopf und sagt philosophisch, auf das Hochzeitstreiben weifend: ,,E' kurze Freud-e und 'ne lange Trauer!" Abends ist große Gemeindeversammilung. Die Stadtvcrordnetenwahlen stehen vor der Tür. Es ist svibstverständlich, daß die Juden mit den Evangelischen zusammen sttmmen, um die Polen in Schach zu halton. Alle Boy kottdrohungen der polnischen Geistlichen von -der Kanzel hrrck können die Juden in ihrer selbstverständlichen deutsche» Haltung nicht schwankend machen. Durch den polnischen Schülerstreik ist die gegenseitige Der/ bitterung besonders stark. Die polnischen Schmer antworten a»! Gcheiß ihrer Eltern den Lehrern nicht, die ihrerseits die rebelli-! schen Kinder stunden-lang nachsitzen lasten. Zn der Versammlung wird ein Aebergrifs eines deutsche» Lehrers viel belacht. Er ließ die polnischen Kinder zwei Stunde lang „H e i l D i r i m S i e g e r k r a n z" singen, was sie mich begeistert taten, den Befehl der ausgehehten Ettern trotzdem bcfolgend. Da sie sich weigerten, auf die in kleineren Zeitabstände» > an sie gerichteten Fragen: ,Labt ihr nun genug?" zu antworie» — auch ein „Rein" war streng verboten — mahle»j sie ad infinitum singen. Bezeichnend ist folgender Vorfall während der Gemeindeversammlung. Bei einem der zwei aufzustellenden jüdische»! Kandidalen für dir deutsche Liste wurde bemängelt, daß et nicht reden bann. Dieser Einwand wurde von autoritativer Seik damit abgetan, daß es überhaupt Nicht notwendig sei, in drr Stadtverordnetenversammlung große Reden zu halten. Es käme auf die Abstimmung an. And auch hier brauche man Jat| nicht wissen, worum es sich handele. Sind die Polen da! für, st im men die Juden dagegen! _ (Fortsetzung folgt.» ©«ncine Ses««schast der Freund« de« Jüdischen Buche« <£. V. Berlin. Die Gesellschaft will durd) Vorbild und Kritik dahin wirken, daß das jüdische Buch auch in seiner äußeren Gastaltung als repräsentativ für dos Niveau des jüdischen Geisteslebens gelte» kann. Sie erstrebt die Veredlung des jüdischen und insbesondere des hebräischen Buchdruckes, sorvie die Anwendung techni!»! vollendeter Reproduktionsversahren bei der Neuherausgabe sck tener alter Werke. Als Prioatdrucke für ihre Mitgliedes publiziert sie charakteristische Werke zeitgenössischer Wissenscha^ und Literatur sowie typographisch oder inhaltlich bemetkenswertc, schwer zugängliche, alte Drucke. Für das Jahr 1924 erschien als erste Veröffentlichung drr Faksimiledruck des Sefer Meschalin, eines mit ' interessante» Holzschnitten gesdMückten Fabelbuches nach dem jüdisch-deutsche» Original von 1687. Als nächste Publikation erscheint Arno!» Zweigs' Drama: „Der Abtrünnige" als Druck der Ernst Ludivi- Presse, Darmstadt. Weitere Veröffentlichungen sind in bereitung. .,,, Die Gesellschaft versendet soeben einen ausführlichen BerB über ihr« Ziele und Pläne. Das von Poeschel & Trepte, in dt» Goeschen-Antiqua bibliophil einwandfrei gedruckte Heft |u;u|i« «fl vvtjitug if uti trägt 20 Mark, wofür Publikationen und Zeitschrift der sellschaft unentgeltlich geliefert werden. Interessenten könne» das Heft von der Geschäftsstelle Berlin C2. Kaiser-Wilhel>"' | straße 12, auf Verlangen unentgeltlich erhalten.

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