Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 13 (27.3.1925)
- Date
- 1925-03-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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s. Zahrgaug Hummer -13 Beilage 27. $lärt 1925 Moralische Politik. Von Rabbiner Dr. Albert Wolf, Dresden. Politik ist das Gebiet, in dem gemeinhin der Grundsatz gilt: Der Zweck heiligt die Mittel." Darum verdirbt die Politik ' die Sitten. Zwar liegt es nicht von Haus aus im Wesen der Politik, daß sie alle Mittel, die zum Ziele führen, gut heißt. und den Erfolg über Recht und Anrecht entscheiden läßt. Die Beschäftigung mit dem Wohle der Stadt, des Staates, hat zur Voraussetzung das Wissen um das, was das Wohl des Staates, der Stadt, ausmacht. Darum muß der politischen Betätigung vorangehen die politische Erziehung, deren Aufgabe es ist, die rechte Einsicht zu lehren in das, was für das Gemeinwesen gut oder schlecht ist. Die alte sokratische Frage „was ist gut" ist darum eine durchaus politische Frage. Ist „gut" ein geistig sittlicher Befrist oder bezieht er sich auf die materiellen Güter? Die Antwort auf diese Frage entscheidet über das Wesen der Politik. Wenn das für einen Staat gut ist, was seinen Reichtum mehrt, seine Macht vergrößert, seine Grenzen erweitert, den Wohlstand der Bürger, dann ist zugleich die Politik „gut", die di-ese Ziele erstrebt und erreicht. Ist aber gut ein sittlicher Begriff, dann darf das Streben nach materiellem Wohlstand die Politik nur infoweit beeinflussen, als es dem Grundsatz der Sittlichkeit nicht widerspricht. Zweifellos ist die Politik der Staaten in der Mehrzahl der Fälle bestimmt worden durch die Rücksicht auf das materielle Wohlergehen, durch den Willen, die „Güter" des Staates und seiner Bürger zu mehren. Der Staatsmann, der aus sittlichem Bedenken eine Tat unterläßt, die dem Staate Nutzen bringen könnte, ist noch heute undenkbar. Sittlichkeit und Politik sind zwar nicht unvereinbare Gegensätze, schließen sich aber oftmals Ms. And dennoch könnte man versucht sein, eine Aebereinstimmung lwrzuslellen. Trefflich wird dies Ideal formuliert durch Moritz Lazarus in seinem „Ieremias". Zugleich wird an der betreffenden Stelle der Gegensatz klar zum Ausdruck gebracht. „Ieremias ruft seinen Zeitgenossen — und auch uns — zu: Nein, nicht Macht, Größe, Herrschaft ist das erste oder das eigentliche Ziel einer Nation, sondern Gerechtigkeit und Sittlichkeit." And um das Besondere in der Forderung des Ieremias scharf hervortreten zu lassen, bringt Lazarus ein Beispiel aus der Geschichte, das an der Forderung des Ieremias gemessen wird: „Vergleichen wir, so schreibt Lazarus, die Forderung des Ieremias mit der berühmten Handlung eines Römers, des Regulus. Dieser ist von den Puniern gefangen, wird aber entlassen um nach Rom zu gehen und dort den Frieden zu verhandeln: zugleich verspricht er. jedenfalls zurückzukehren. In Rom spricht er, nach seiner Aeberzeugung, daß die Verweigerung desselben dem eigenen Staate zum Vorteil gereichen werde, gegen den Frieden. Aber er hält sein Wort, er kehrt zurück, obwohl er weiß, daß dies sein Tod ist, den er auch erleidet; denn in Karthago wird MN wissen, daß er gegen den Frieden gesprochen hat. So ist denn seine Handlungsweise höchst ehrenhaft für seine Person! Do6 aber fällt keinem Römer ein, daß er, wenn auch für seine Person ehrenhaft, dennoch als Politiker mit Trug gehandelt hat. Er hatte den Leuten gesagt, ich gehe nach Rom um des Friedens , willen; in Rom ober hat er selbst gegen den Frieden gesprochen. Das aber gilt Sn Rom als redlich und ruhmvoll; wenn -es dem Daterlande zum Nutzen gereicht, gibt es keinem Unterschied zwischen Trug und Wahrheit. Das ist die politische Moral. Ieremias aber forderte moralische Politik." Wir sind noch weit davon entfernt, die Wahrheit dieser Sätze auch nur einzusehen. Wieviel mehr fehlt an ihrer Verwirklichung. Doch Politik treibt nicht nur der Staat. Auch Gemeinschaften sind auf politische Betätigung angewiesen. Di« Angriffe, denen das Judentum auch nach dem Untergang seines Staates zu allen Zeiten aus-gesetzt war, haben es gezwungen, sich mit seinen Gegnern auseinanderzusehen. Anch das Judentum muß sich in die politische Arena begeben. Die allgemeine Frage nach dem Ziele der Politik müssen wir wiederholen im Hinblick auf das Iudentum. Gewiß sind in erster Linie angegriffen unser« bürgerliche Gleichstellung, unsere Rechte und Freiheiten als Kinder des Staates und unser materielles Wohlergehen. Diese Güter sind zu verteidigen. Aber das Iudentum hat doch noch andere, wesentlichere Ziele. Sem letztes Ziel ist die Erfüllung seiner Idee, der Idee des Gottesglaubens, der Sittlichkeit. Nur durch religiös-sittliche Betätigung kann dieses Ziel erreicht werden. Dadurch ist die .Art unserer politischen Arbeit bestimmt. Mit anderen Worten Beitragszahlung. Oer Beitrag für das zweite Vierteljahr 1925 ist am 1. April fällig! Oer Mindestbeitrag beträgt Mark 2.50 einschließlich Zeitungsbezug. Da, wo Ortsgruppen bestehen, sind hiervon Mark 1.- an diese abzuführen; wo keine bestehen, ist der volle Beitrag von Mark 2.50 an die Unterzeichnete Vereinigung zu zahlen. Sind mehrere Angehörige einer Haushaltung Mitglieder der Vereinigung, so ermäßigt sich der Mindestbeitrag für das zweite und jedes weitere Familienmitglied auf Mark 1.50; von diesem Beirage sind da, wo Ortsgruppen bestehen, Mark 0.50 an diese avzuführen. Die ordentlichen Mitglieder der „Jüdisch-liberalen Iugendvereine" haben nur Mark 1.- vierteljährlich für den Bezug der Zeitung zu zahlen. Von den Mitgliedern in Augsburg, Berlin, Bingen a. Jit}., Bochum, Zli-Breslau, Brieg, Cassel, Cottbus, Danzig, Dortmund, Dresden, Frankfurt a.M., Freiburg i.Br., Gelsenkirchen, Heidelberg, Kaiserslautern, Königsberg, Konstanz, Leipzig, Liegnitz, Lünen, Magdeburg, Mainz, Mannheim, Münster i.W., Tramslau, Offenbach a.M.. Ohlau, Oppeln, Aatibor, Schneidemühl, Schweidnitz, Sobernheim, Stettin, Ltlm a. D. und Wiesbaden wird der Beitrag durch die örtliche Organisation (Ortsgruppen, Liberale Vereine, Züdisch-liberale Zugendvereine oder Vertrauensleute) eingezogen. Diese Mitglieder haben einen direkten Beitrag an die Zentrale also nicht zu leisten. Alle anderen Mitglieder unserer Vereinigung fordern wir auf, den Beitrag umgehend direkt an das Büro, Berlin W 5, Mauerstraße 22, Postscheckkonto: Vereinigung für das liberale Judentum e. V., Berlin Tir.137069, mittels beiliegender Zahlkarte einzusenden. Wir machen darauf aufmerksam, daß der angegebene Beitrag elnen Mindestsatz darstellt und richten an alle Mitglieder, die dazu irgend in der Lage sind, die dringende Bitte, freiwillig darüber hinaus einen möglichst hohen Betrag zu zahlen, da der in dauernder Entwicklung befindliche Ausbau unserer Organisation und der Zeitung immer gewaltigere Mittel erfordert. Zugleich fordern wir die Abonnenten der „Jüdisch-liberalen Zeitung" zur Zahlung des Bezugspreises für -as erste und zweite Vierteljahr 1925 in der Höhe von je Mark 2.50 auf. Rach dem 15. April 1925 sind wir genötigt, die noch nicht eingegangenen Beiträge durch postnachnahmc einzuziehen. Wir weisen auf die dadurch entstehenden Mehrkosten hin und bitten um pünktliche Einsendung der Beträge. Vereinigung für das liberale Iudentum e. B. ist hier gesagt, worin nach Lazarus die Forderung des Ieremias gipfelt: nicht nur Moral i n der Politik, sondern Moral a l 3 Politik. Diese ethische Forderung, die sich aus dem Wesen des Judentums ergibt, wird mitunter mißachtet. Auch der Kamps des Judentums ist zu sehr eingestellt auf den äußeren Erfolg. Und darum -ist die Wahl der Mittel manchesmal nicht durch das sittliche Ideal, sondern tmrd) den Hinblick auf den Erfolg bestimmt. Das Iudentum, das sich selber' treu bleibt, darf aber selbst im politischem Kampfe sich nur solcher Mittel bedienen, die seinem Iedeal entsprechen. Wie bas Ziel ein ethisches ist, so muß auch der Weg moralisch unbedenklich sein. Fast erscheint es überflüssig, darauf hinzuweisen, daß selbstverstäivdlich das gleiche Prinzip Anwendung finden muß im innerjüdischen Leben, im Kampf der Parteien. Ereignisse aus der? letzten Zeit machen aber den Hinweis notwendig. Die Wahlen zum preußischen Landesverband sind ein Beispiel dafür, wie der Kampf von Juden nicht geführt werden darf. Für die innerjüdische Politik sind zweifellos keine materiellen Gründe maßgebend. Es ist eine Politik, bei der es sich nur um die Verwirklichung geistig-sittlicher Ziele handelt. Hier darf nicht gekämpft werden um Macht, Größe, Herrschaft. Das materielle Wohlergehen steht in keiner Verbindung mit diesem Kampfe. Die Frage lautet nicht: Wie komme ich zur Macht, damit es mir besser gehe? Die Frage lautet: Welches ist die richtige Idee des Judentums und wie erreiche ich ihre Anerkennung und Verwirklichung? Entsprechend dem Ziele müssen darum auch die Mittel sittliche sein. Die Grundgedanken des liberalen Iudentums wurden hervorgerusen durch den Widerspruch zwischen der Verpflichtung, die unser Wille zum Iudentum uns gegenüber dem Herkommen auferlegt und dem Verantwortungsgefühl gegenüber dem religiösen und sittlichen Bewußtsein. Die überlieferte Anschauung, der gewohnte Brauch, die alle Form stehen oslmals im Gegensatz zu unserer sittlichen Erkenntnis und zu unserem religiösen Gefühl. Die Formen und Anschauungen des Iudentums in Einklang zu bringen mit unserem mordernen Empfinden und unserem religiös-sittlichen Bewußtsein, ist dir Aufgabe des liberalen Judentums. Diese Aufgabe als sittliche Verpflichtung aller Juden erkennen zu lassen, ist Zweck der Organe des liberalen Iudentums. Der sittlichen Höhe der Aufgabe entsprechend muß auch der Kamps, den sie bedingt, auf sittlicher Höhe geführt werden. Wir haben die Pflicht, unsere Aeberzeugung zu wahren, haben für die Verwirklichung dessen einzutreten, was wir für das Rechte halten. Das fordert das Iudentum von, uns, das verlangt unser Gewissen. Aber wir vergehen uns gegen uns selber, wenn wir die Wahrheit, für die wir eintraten, durchs ungeeignete, weil unheilige Mittel, zum Siege führen wollen.! Der Gegner, der uns mit unsittlichen Mitteln bekämpft, wird an seiner eigenen Anwahrhaftigkeit scheitern. Zusammeusassend sagen wir: Das wäre zu erstreben, daß nicht' mehr die Politik darüber entscheidet, was gut ist, sondern daß das! Gute die Politik bestimme. Nicht politische Moral, sondern moralische Politik! Das Iudentum ist eine sittlich-relügiöse Macht. Wer im Kampfe für das Iudentum steht, muß sich der Verantwortung bewußt sein vor dem Geiste des Iudentums. Liberales Iudentum ist uns eine sittliche Verpflichtung. Die Ausgabe, die uns damit gegeben ist, erfüllen wir nur dann, wem: auch unsere Arbeit für das liberale Iudentum von sittlichem Geiste erfüllt ist. Den Glaubenssatz wollen wir uns zu eigen machen, den der Geist des Iudentums uns lehr!: Sinn aller Politik ist die Verwirklichung des Guten. W ' /t vrx ßXQ&n&n, aci5 guten »Stößen qefejeügL, P von, vot^uQttefcec Sa|SJbim ixod. axjJfs&xft pzeiswe^d!' 6eernmfter’^&t Oerm-Hlfter*'^, Cheviot, zweireihig, modern, M, 6800 Oerrm-iUfter % fierm-Wfier-a. zweireihig, mit Rückengart. ff. ■euer Shellend mit angewebter Abseite aparte Modeneuheit ....... .M. 5/3 6err.-9alelots TZZ° 48 OO mitleb o. dunkelgrau M. 65, 68 ßabaröine-Kläntelz prSanierten Stoffen in versdnede- 3 000 nen Farben und Formen von M. 3(7 an “Blaue <5acc0'8nzüge reinwollene Qualitäten in mod. äZHOO einn. zweireihig. Formen 90,27 CFO 6emn-$nzugztf7' a.»™ mtutertet Cheviot. . . . . , M. 90 öccco-fln}ug Cheviot, Gr&tenmuft. m. Streifen 31/ Sacco-SUisug <sss mit dezentem Ueberkaro . . M. 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