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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-03-27 · 13 (27.3.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
13 (27.3.1925)
Date
1925-03-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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9tic und nimmer aber kann der Liberalismus gleichbedeurend sein mit dem Indifferentismus oder gar mit dem Willen, neue Entwicklungsmöglichkeiten des jüdil'tyen Lebens zu stören und zu zerstören. Warum war es in früheren Jahrhunderten unsere rdifliöfc Pflicht, die frommen Almosenempfänger in Palästina zu unterstützen, und warum sollte es nicht von jetzt an unsere religiöse Pflicht sein, den Juden im heiligen Lande zu helfen, weil sie nicht mehr Almosenemp-;ringer sein wollen, sondern Kolonisten und Arbeiter? d'- war mir unserer Heimarliebe wohl vereinbar, daß u .' unsere heimatlosen Brüder nach Argentinien und Mexiko beförderten oder durch unsere Hitfsvereine ih'.'.en halfen, daß sie aus ihrer Hölle im Osten vielleicht nach einem Fegefeuer im Westen kommen. Dagegen sollte es mit unserer Liebe für unsere deutsche Heimat l-üchr mehr vereinbar sein, den Heimatlosen zu Helsen, -ft sie in Palästina vielleicht eine wirkliche Heimat •,.Oc-u. Ich verstehe nicht, warum die Ehre des Iudenrums erhöht wird, wenn die Auswandernden im Ghetto non London oder New ^ork Trödler werden, und warum öiese Ehre erniedrigt werden soll, wenn die Auswandernden als Handwerker und Techniker, Winzer nad Gärtner in Palästina produktive Arbeit leisten und das „dürstende La ab "erquicken oder gar als Bauern, ans steinigem, aber heiligem Boden säend, das herrliche Lied wieder singen werden: „Die unter Tränen säen, werden mit Jubel ernten." Was kann nach menschlicher N Aussicht kommen, daß wir die Erfüllung jüdischer Hoffnungen fürchten müßten? Der weitaus größte Teil i »; sechzehn Mülionen Juden wird auch in Zukunft außerhalb Palästinas leben. Nur ein kleiner Aeberrest n i.o zurückkehren. Es wird auch in Zukunft englische, srangösische, amerikanische und deutsche Juden geben, ui-d die deutschen Juden werden auch in Zukunft, wie bi;.; stßt hi den sechzehn Jahrhunderten ihrer Geschichte, mii der Liebe für die deutsche Heimat und Kultur die Treue gegen ihr Judentum verbinden und Heimat und Glauben in einem Herzen heilighalten. In Palästina wirb vielleicht eine neue Nuance des Judentums entslehen, ein Judentum aus einem Guß, sagen wir ein „jüdisches" Judentum, das durch die Berührung mit dem heiligen Lande seine Schöpferkraft wiedergewinnt und, von Len Juden in der Welt gefördert, ihnen etwas von seinem Geiste schenken und zu ihrer religiösen und geistigen Erneuerung beitragen wird. Führende Juden in Amerika und England, Männer, die keine Zionisten sind, haben sich bereit erklärt, in die „Iewish Agency" emzutreten und den Aufbau des heiligen Landes als jüdische Sache und nicht mehr als Parteiangelegenheit zu überwachen und zu fördern. Es gibt keinen sittlichen Grund, daß die Führer der deutschen Juden und die Liberalen voran, nicht das gleiche tun. Gewiß ist die Not in unserer -eigenen-Mitte groß genug, aber die deutschen Juden waren nie hilfreicher und für das Judentum opferfreudiger als in den Zeiten der eigenen Not. VonZionging schoneinmal dieLehreausundausdemheiljgenLanöe kann wieder die religiöse und geistige Wiedergeburt konimen, die allein die Juden in der Welt von dort ersehnen können. Die Geschichte der jüdischen Gemeinschaft ist einzig« artig, für sie gibt es in der Welt keine Parallele. Für unser jüdisches Schicksal können wir aus der Weltgeschichte nichts lernen. Nur unsere eigene Vergangenheit ist lehrreich für unsere Zukunft. 42 000 Männer, Frauen und Kinder kehrten vor bald zweieinhalb Jahrtausenden aus Babylon nach Palästina zurück. Diese kleine Schar sammelte und schuf die Bibel, ihr verdankt die Welt nicht nur die monotheistischen Netigionen, sondern auch die Umgestaltung und Erneuerung der Menschheit und ihrer Kultur. Die jüdische Universität in Jerusalem ist ein Panier und Wahrzeichen, das die Juden in der Welt zur Hilfe für den Aufbau Palästinas aufruft. Die Eröffnung dieser Universität bedeutet vielleicht den Beginn einer neuen Epoche in unserem Geistesleben und ist in unserer viertausendjährigen Geschichte eine Stunde der Gnade, die die Vorsehung uns in einer Zeit seelischer und wirtschaftlicher Not schenkt. Wir wollen der Vorsehung für die Stunde der Gnade danken und dem heiligen Lande mit warmem Herzen helfen. Ex Oriente lux. 3nr Eröffnung -er jüdischen ltniversiiät in Jerusalem. Bon Dc. Hugo S p i e g l e r. Am 1. April wird in Jerusalem eine jüdische Universität eröffnet, für die eine Neihe namhafter Gelehrter und zahlreiche Bücherschätze — so die ganze Bibliothek des berühmten Budapester Orientalisten Geldziher und die des Wiener Philosophen Popper-Lynkeus — gewonnen wurden. Die Eröffnung einer Hochschule auf dem Boden, auf deni dereinst das Fundament zur abendländischen Kultur von heute gelegt wurde, ist ein Ereignis, würdig, alle Völker der Erde aufhorchen zu lassen. Groß ist die Verantwortung eines Lehrinsiituts auf solcher Stätte, aufder einst Lehrer gepilgert sind, deren Ideen die ganze Menschheit geistig befruchtet haben. Wir hoffen, daß die neue Universität den Traditionen gerecht wird, mit denen sie, obwohl eine Neugründung, schon durch die Wahl ihres Standplatzes verknüpft ist. Fürs erste wäre es schon eine große Tat, wenn sie den wissensdurstigen jungen Juden aus den Ländern, in denen de iure oder de facto der numerus clausus eingeführt ist, den Weg zum Licht erschließen würde, den ihnen die politifche Engstirnigkeit der Heimat verrammeln will. Leider muß man aber gerade in dieser Hinsicht skeptisch sein. Die Universität ist nämlich eine Gründung der Jüdisch-Nationalen und diese setzen ihren Ehrgeiz darin, vor altem die heilige Sprache unserer Väter zu neuem Leben zu erwecken. Das ist gewiß ein sehr schöner Vorsatz, aber er birgt die Gefahr in sich, die Hochschule auf einige Generationen hinaus praktischen Lehrersolgen zu entziehen, nämlich solange, bis die uralte Sprache eine vollständige Terminologie für den gesamten Komplex moderner Wissenschaften aus sich heraus geboren hat und bis ein Geschlecht auftvächst, Oie Muschel Von Max Rosenfeld Ich halte eine Vorweltmuschel an mein Ohr — Es rauscht... Ich rufe lauschend in die Muschelspalte: „Gibt es ein Ienseits — sage, du Iahrtausendalte!" Da rauscht es aus der Muschel geisterhaft hervor: „Verwandlung nur ist alles Sterben, Was da lebt kann nie verderben. .Der Tod ist der Verwandler hier auf Erden: Diesseits wird Ienseits, Ienseits Diesseits werden... Literarische Umschichtung. Auch in unserem Schrifttum entwickelt sich eine gründliche Wandlung. Die Revolutionen im Reiche der Literatur vollziehen sich freilich unblutig. Ohne jeden Lärm sogar, wenn nicht gerade einmal dns Theater zum Schauplatz einer solchen Umwälzung wird. So hat sich denn eben, abseits von den politischen Tumulten und doch mit ihnen im Zusammenhänge, eine wesentliche Umgestaltung ans dem Gebiete des Fraucnschrifttums durchgeietzt. ohne das; diese sehr bemerkenswerte Tatsache bisher besonders beachtet oder gar zum Gegenstände einer eingehendercn Untersuchung gemacht worden wäre. Freilich haben diese Gren,'.Verschiebungen, grundsätzlich festgclegt, praktisch sich noch nicht sehr trufsaliend ausgewirkt. Wir leben eben in einer Epoche gründlicher Grenzreglllierungen und die Atlanten, die vor wenigen Fahren gedruckt wurden, haben heute nur noch einen historischen Wert. Auf ganz Europa, Asien, Anika erstreckt sich dieietz Zueinander- und Auseinandcr-Fließen der Farben, in die sich auf den Karten die verschiedenen Länder kleiden — wie sollte allein das Schrifttum sich dem Einflus; dieses großen Grenz-Durchein-ulders entziehen! Scharf und klar war ehedem der Strich zwischen Männer¬ und Frauen-Literatur gezogen, seitdem die Frau sich übcrha'.rpi den Zutritt in das Reich der neueren Dichtung erkämpft!-at. Ais Genießende war sie nie zu entbehren, war sie stets d'.r 5>al^ die Zuversicht der Dichtung. Als Persönlichkeit war iie ihr Gegenstand, als Schaffende hat sie lange das Bürgerrecht in diesem Reiche nicht besessen. Seit der seligen Sappho und fei den lateinischen Dramen Hroswitns, der Nonne von Gandersheini. ist die Schriftstellerin immer nur als eine mehr vder »linder freundlich geduldete Fremde im Reiche der sche.sfenden Literatur betrachtet worden. Noch der Frau v. Stael uiuiuarutc Napoleon ans die etwas kokett vorgebrachtc Frage, weiche Frau er für die bedeutendste halte, soldatisch derb: ..Diejenige, die am meisten Kinder zur Welt bringt!" Wieoie! Schätze e.u echter Poesie sind nicht in den Seelen, mit den Seelen so vieler bedeutenden Frauen uniergegangen, Schätze, die doch mit erheblichem Gewinn für unseren Literaturbe!itz Hutten gehoben werden können! War nicht Charloltei Stieglitz, die sich den Dolch in die Brust stieß, um ihren. Gatten durch eine starke Erschütterung äum Schaden aufzurütteln. eine größere Dichterin als .der Gatte, dem iie dieses Opfer brachte, ein stärkeres Talent als dieser überschätzte Gatte, obwob! sie nie etwas für den Druck geichrieben hatte! Die wenigen Frauen aber, die nicht nur genießend sondern auch gestaltend, schaffend, zur Literatur in Beziehung standen, waren durch die Natur der Dinge auf eine sehr enge Provinz im unendlichen Reiche der Dichtung angewiesen. Auf das Innenleben in seiner zwiefachen Gestalt, auf das Leben in Gemüt und Seele sowie auf das Leben in der Enge ihres Hauses. Schwer und unabwälzdar lastete auf ihr das eherne Gesetz, dem Schiller die erschöpfende Formel gab: Oer Mann muß hinaus Ins ftindttche Lrbr». Muß wirken und streben. Muß wetten und wagen Das Glück zu erjagen. Demgegenüber stand es ein für allemal fest: .drinnen walle 1 Die züchtige Hausfrau Die Muster der Kint-er Und herrschet weise Zm häuslichen Kreise. Damit waren die Grenzen für das Schaffen non Mann und Frau auch in der Dichtung abqefteckt. Die Schilderung des „feindlichen Lebens", die Fnteresfenkonflikte in Staat und Gemeinde, der Kampf ums Dasein, dos Aufeinanderprallen dev sozialen Gegensätze, die Welt der widerstreitenden wirtschaftlichen. kulturellen Interessen, das war das Gebiet des M a n n e s, der Frau blieb nur die Darstellung des Gefühlslebens, der Seelenstürme und Leidenschaften, des Lebens in der Umfriedung des eiaenen oder des iojrtt vertrauten Hanfes übrig. Noch Annette v. D r o st e - H ü l s h o ff, die 1797, wenige Wochen vor Kaiser Wilhelm I. geboren, als Deutschlands größte Dichterin gefeiert wird, lebte, weltfern und weltfremd auf dem Gute Rüschhaps bei Münster oder auf dem Schlosse Meersburg am Bodensee und dichtete da oder im Glaserhäusel — in dem Fritz Mauthner von den Stürmen des Lebens schaffend ausruhte — aus ihren Ahnungen und Träumen heraus. Einer nebligen Phantasiewelt entstammen auch die 'Dichtungen der Gräfin Hahn-Hahn. Mehr und mehr näherte sich freilich später die dichtende Frau der ganzen Fülle und Mannigfaltigkeit des Lebens. Aber als etwas ganz Ungewöhnliches wurde es doch mit Staunen vermerkt, daß in den Erzählungen der Fanni Lewald weltbewegte Schicksale sich spiegelten. Mit sehr geteilten Gefühlen ließ sich die überlegen kluge Frau das minder kluge Kompliment gefallen, ihre Romane zeigten „männlichen" Geist und Stil. Die volle Emanzipation der Frau brachten erst die letzten Jahrzehnte. Fe mehr die Frau in die Berufstätigkeit eindrang, je weiter sie im Erwerbsleben erobernd fortjchritt, desto weitere Gebiete öffneten sich ihrem dichterischen Schaffen. Heute aber, da die letzten Schranken gefallen sind, da die Frau ihren Anteil mn volitiscken Leben besitzt und ins Parlament ihren sieghaften Einzug hielt, da sie sich in die Robe des Rechtsanwalts hüllt und bald auch die des Richters ihr gut zu Gesicht stehen wird, beute sind jene Grenzpfähle ganz geschwunden. Er gibt keine Unterscheidung zwischen männlicher^und weiblicher Literatur mehr, bas bie so verjüngte Sprache auch versteht/ so*aut ver^ steht, um ohne Schwierigkeit in ihr wissenschaftliche Probleme behandeln zu können, besser gesagt, ohne größere Schwierigkeiten, als sie bie wissenschaftliche Arveil und das Erfassen ihrer Probleme schon a priori mit sich bringt. Die Schwierigkeiten -es Hochschulstudiums, besonders eines solchen Studiums, das weriiger auf formelle Graduierungen der Musensöhne afe vielmehr auf wirkliches Durchdringen der Materie gerichtet ist, sind wahrlich groß genug, um ihre Vermeh. rung überflüssig erscheinen zu lassen. Man halte uns nicht das Beispiel der internationalen Hochschulkurse entgegen, die in den Ferialmonaten den Studenten mancher Universitäten die Möglichkeit bieten, Vorlesungen in fremden Sprachen zu hören. Denn in diesen Fällen beherrscht doch wenigstens der Vortragende die betreffende Sprache, während das Dozieren in einer erst neu zu schaffenden Sprache einem Herumtappen im Finstern gleicht, bei dem das Aufrechthalten eines! wirklichen Kontakts mit den Hörern kaum durchführbar sein dürfte. Auch der Einwand, daß sich das Hebräische bereits im palästinensischen Alltagsleben durchgesehl hat, beweist nichts gegen unsere Befürchtung. Denn es ist eben doch wesentlich leichter, sich über Dinge des täglichen Lebens zu verständigen als über wissenschaftliche Probleme, die auch dem Sprachkundigsten noch genug harte Nüsse zu knacken geben. Da zudemdas Neuhebräische auch sehr gelehrten Kennern des Althebräischen spanisch vorkommt, nub zwar mit Necht, weil es die Aussprache der Spaniolen akzeptiert hat, dürsten an der jüdisch-nationalen Hoch, schule bald ähnliche Verhälinisse eintreten wie aus den spichwörtlich gewordenen panslawistifchen Kongressen, aus denen die slawischen Chauvinisten aus aller Herren Ländern gezwungen waren, sich des verhaßten Deutschen als Umgangssprache zu bedienen, weil sie einander sonst nicht verstanden hätten. An der jüdischen Hochschule würden wir ein solches Ergebnis gar nicht lächerlich finden, sondern im Gegenteil als für den eigentlichen Zweck der Schule sehr ersprießlich. Denn eine Hochschule, die diesen Namen wirklich verdient, hat nicht dem nationalen Chauvinismus zu dienen, sondern — es ist grotesk, dies erst betonen zu müssen, — der wissenschaftlichen Forschung. Es ist unser heißester Wunsch, anläßlich der Eröffnung der jüdischen Hochschule in Jerusalem, daß ihr auf diesem Gebiete jene ehrenden Erfolge blühen mögen, die der jüdische Lern- und Lehreifer seit altersher und unter den schwierigsten Verhältnissen immer und überall zu erzielen die Fähigkeit bereits erwiesen hat. Dieser längst erbrachte Nachweis bestärkt in uns die Hoffnung, daß die neue Gründung auch die Schwierigkeiten überwinden wird, die ihrerj Entfaltung von ihren eigenen Gründern in schlecht verstandenem „nationalen" Eifer in den Weg gelegt werden. . . Zap echte Trinkkur mit Soöener Mineral- Haften, gegen Heiserkeit, Verschleimung. PtyUllgft Seit 40 fahren glänzenbewährt. Soöener Wasser ‘ von vorzüglicher Wirkung. es gibt nur noch eine einheitliche deutsche Dichtung, in der wir einzig zwischen größerem oder geringerem Können, zwischen! stärkeren und schwächeren Talenten unterscheiden. Ein besonderes Kapitel innerhalb der allgemeinen Literaturgeschichte nehmen aber die jüdischen Erzähler und Erzählerinnen in Anspruch. Und hier bedeutet Ulla Wvlss - Frank, die vor bald einem Fahre von uns schied, und deren Geburtstag, der erste nach ihrem Heimgang, am 2. April wiederkehtt, den scharf markierten Uebergang vom alten Literaturzustand zum neuen. Die Gebietseinteilung zwischen den jüdischen Erzählern ist eine doppelte. Hier sind äußere geographische Grenzen und g e m ü t s g e o g r a p h i s ch e zu unterscheidet Diese Erzähler, die sich nicht darauf beschränken, ihre Phantasie- Helden in das Kostüm irgend einer Nationalität, eines Stammes zu stecken und ihnen zur Abwechselung einmal jüdisches Wesen anzuschminken, wie sie ihnen ein andermal ostpreußischen oder sächsischen Dialekt um der lebensähnlicheren Farbe willen verleihen, diese ernsteren jüdischen Erzähler widmen sich ihrer Aufgabe mit aller ethnologischen Gewissenhaftigkeit. Sie machen cs lim .urr Aufgabe, Menschen und Verhältnisse, wie Landschaft. Städte, wirtschaftliche Zustände aufs genaueste zu schildern. Gelegentliche jagdfrevlcrische Einbrüche in ihr Revier, wie jenen Roman, in den einmal Adolph Meißner alles, alles was er vom Judentum wußte Schofarblasen, Gebetriemen anlegen usn> in die Schilderung eines österlichen Sederabends 'hineinpackte, oder die HMche Novelle einer sonst sehr angesehenen Schriit- 'slelleriu, die bei Beschreibung eines für den Purimabend in einem frommen Hause gedeckten Tisches neben der Kreppchenftippe, dem Fisch mit Rosinen, dem duftenden Braten, auch die - Käseschüssel nicht vergißt, rechnen wir nicht zur jüdischen Er' zählung. Die geographische Abgrenzung ergibt sich aus der Herkunft, aus dem Wohnort oder Forschungsgebiet des Erzählers von selbst. Da beackert Karl Emil F r a n z o s . den unsere Zeit lange nicht nach Gebühr geschätzt hat, und den eine spätere Generation noch einmal entdecken wird, in seinen jüdischen Geschichten Galizien, oie Bukowina, mit kleinen Ausflügen in die Moldau. Leo H e r z b e r g - F r ä n k e l malt uns die Juden Ostgaliziens und Podoliens, Leopold Kompert führt uns in die böhmischen Kleinstädte. A. B e r n st e i n schildert die jüdischen Gemeinwesen im Posen'schen, Ulla Wolfs-Frank aber führt uns in die jüdischen Familien Schlesiens ein. nimmt uns gelegentlich auch einmal in das angrenzende Polen mit. Weit wichtiger aber ist hier die i n n e r e topographische Scheidung. Das Gebiet des Mannes ist in erster Reihe der Mann,' das Gebiet der Frau sind dann die Frauen. Oder, schärfer bestimmt, Kompert, Franzos und die anderen alle zeigen uns den noch in den altererbten Lebensformen verharrenden Fuden inmitten der ihn umgebenden, andersgearteten Bevölkerung. im Beruf und Erwerb, im Verhältnis zu Staat. Gesellschaft und Wirtschaft, wobei natürlich auch Gemütsäutzerungen, Leidenschaften, Liebeslust und Leid nicht fehlen. Uli® Wolff-Frank verharrt in den vier Wänden des jüdischen Heims, aus denen sie sich nicht gern hinausbegibt. Wie sie uns M das Leben der Familie in den treugewahrten, von ihrem alten Gemütsgehalt erfüllten Formen schildert, die Mühen und Sorgen der Hausfrau, die Abschließung de» lichten, weihevollen Heims

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