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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-03-20 · 12 (20.3.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
12 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ffdjoft iwö Ilebermuts aus Erden schwinde." Co bedeutet die Erlösung Israels keinen Partikularismus. sondern die Erlösung der Menschheit» und es kann nicht oft genug daraus hingewiesen werden, datz jeder jüdische Gottesdienst mit dem Alenu- und Kaddischgebct schließt. in denen der niessianische Gedanke zum reinen Ausdruck kommt. In dieser auf die irdische Cndzeit des allgemeinen Weltfriedens gerichteten Stimmung entlaßt uns das jüdische Gebet aus dem Gotteshause. Gedanken können in jeder Sprache zum Ausdruck gebracht iverden, und jeder unter den logischen Denkgesetzen stehende Mensch kann sie sich aneignen im Gegensatz au den lyrischen Stimmungsgebilden, die säst ausschließlich aus der persönlichen, individuellen Gefühlswelt entspringen. Weil aber das Gefühl das immer mitjd)wingen6c Grundelemrnt alles seelischen Lebens ist, hat auch die Welt der Gedanken eine unterbewutzte Gefühlsfärbung. so daß nur das Originalwerk den ganzen geistigen Gehalt vermittelt. Das gilt in besonderem Grade von der hebräischen Gebetsproche. In ihr haben die jüdischen Ideen ihren reifsten Ausdruck gesunden mit allen Nuancen und Schattierungen» deren die Sprache der Bibel für die religiöse Gedanken- und Gefühlswelt fähig ist. Hier prägt sich die jüdische Eigenart am reinsten aus. Und wenn es wahr ist» datz der moderne Mensch überall das Individuelle und spezifisch Besondere betont, so mutz die Sprache der Propheten und Psalmisten in den jüdischen Stammgebeten beibehalten werden. Das ist nicht blotz eine Forderung, die im Interesse der Einheit des religiösen Judentums liegt, sondern aus der modernen Richtung auf das Originale und Ursprüngliche mit Notwendigkeit folgt. Aber ebenso notwendig ist die Uebertragung dieser religiösen EtimMungswelt in die Sprachen der Kulturmenschheit, damit die Ewigkeitswerte des jüdischen Gebets ihre Wirkung an allen Gliedern der Gottesgemeinde erfüllen, bis die Zeit erscheint, da „mein Haus ein Bethnus genannt wird für alle Völker". Etwas über Glauben und Beten. Von Dr. M. Spanier, Magdeburg. I. : r" Unter dieser Überschrift hat Dr. Abraham Geiger, der Begründer des liberalen Judentums, in der von ihm herausgegcbenen Jüdischen Zeitschrift für Wissenschaft und Leben (7. Jahrgang Breslau 1869) eine grötzere Abhandlung veröffentlicht, die einen mehr polemischen Charakter an sich trägt. Aus ihr wollen wir d i e Grundideen herausschälen, die von immer- ,währender Bedeutung und also auch für unsere Tage richtunggebend sind. — Nach Geiger sollen die auf religiösem Gebiete sich ergebenden Fragen nicht künstlich umgangen oder verkleistert werden» denn dann würde als Folge der Indifserentismus in die Erscheinung treten. Den Kitttusfragen gebühre die eingehendste Aufmerksamkeit. Der Kultus soll der treueste Ausdruck der vollen religiösen Ueberzeugung und Empfindung sein. Im Mandel der Zeiten wandeln sich auch die Formen. Das Judentum ist gerade mit neuen, die ganze Gedanken- und Empfindungswelt umgestaltenden Ideen in die Geschichte eingetreten und hat sie zu aller Zeit als sein heiliges Gut vertreten. Diese Ideen haben eben das Charakteristische jenes echten unverwüstlichen .Menschheitsbesitzes, datz sie ein volles geistiges Leben in sich tragen. -atz sie zu umfassend sind, als datz sie in knappe Worte ge- -Nstlst werden könnten, datz sie in dem Fortschritte und dem Wechsel der Menschheit sich mit ihr verjüngen. Formen und Ge- 'präge umwand ein and'dennoch dieselben bleiben. -Das ist ihre Vtistesmacht, datz sie nicht abgeschlossen und erschöpft werden 'können. — Cs gehört zum Wesen des Judentums, datz es die »schärfsten Gegensätze in sich duldet. Die volle, ganze Freiheit 'ist das Leben des Judentums. Es gereicht ihm zum Heile, dich cs nicht zur dogmatischen Fixierung irgendeines Glaubenssatzes gekommen ist. Der Segen der freien Bewegung bewährt sich immer, denn in der Freiheit liegt das Korrektiv ihrer selbst, das Korrektiv gegen ihre etwaigen Ausschreitungen, nimmermehr aber in der willkürlich abschließenden Einengung. Und nun das Gebet! Das Gebet ist volle gegenwärtige Empfindung, nicht verblichene alte Dogmatik. Wenn in ihm Gedanken ausgesprochen werden, die wir nicht teilen, Hoffnungen und Wünsche, die uns nicht erfüllen, ja, wenn Bitte und Sehnsucht sich an Empfindungen anlehnen, die wir als überwunden betrachten müssen, welche nicht blotz wir abweisen, welche auch bas Judentum zu allen Zeiten bekämpft hat, — sobald uns dieser Widerspruch Erquickung Herr, Du hast mich beseelt. Als mein Fünkchen unter der Asche verschwelt, Unterm Staube, aus dem ich stamme. Mn bin ich die Flamme Vor deinem Angesicht. .. Aähre mich, Tränke mich Mit Deinem göttlichem Licht! Max Holenfeld, Dresden Psalm 129. Don Dr. M. Spanier, Berlin. Hart drängten sie mich seit meiner Jugend, — spreche Israel — Hart drängten sie mich seit meiner Jugend, doch haben sie mich nicht übermocht. Auf dem Rücken pflügten mir Pflüger, langhin zogen sie ihre Furchen. Gott, gerecht, zerschnitt der Frevler Stricke. Beschämt werden und zurückweichen alle Zionshasser! Sie sollen wie das Gras der Dächer sein» das dorrt, bevor es sprietzt» mit dem der Schnitter seine Hand nicht füllt, noch der Garbenbinder seinen Busen, lind nicht sprechen, die vorübergehen: Gottes Segen über euch! Wir segnen euch im Romen Gottes! Der Dichter dieses Liedes hat ein so lebendiges Gefühl für die Geschichte seine» Volke» und Landes, als ob er am eigenen Leibe das Geschick erlitten hätte. Volk und Land, umdrängt von glrrigen Aeinbvn, war selb je gequält von den Mächtigeren. Denkt der Dichter an die Aegypter. an die kanaanitischrn Stämme und ihre nächsten Nachbarn, oder an Assyrer» Chaldäer» Perser? Bielleicht an all diese. Aber viel Feind viel Ehr! Die Rückschau führt es ihm lebendig zu Gemme: zerrieben haben sie das kleine Volk nicht, es hat die Qual der Knechtung Lberstanden, es lebt! Alles Gedankliche ist^in diesem kleinen Gedichte Bild, und zum Brrvutztscin w'wniuu".i. dc.i'.u;i, kein Gehenlassen beim Herkommen mehr gcsrettct, liier ir-irt die volle Geltendmachung her gewonnenen Ueberzeugung v'.':lc:;1 Wie revolutionär das alles klingt! Die Gegner sogen: Sa kann nur ein „Neologe" wie Geiger schreiben. Und nun ve:;-egc,.bärtige man sich das.Testament des Rabbi Jona Landsoser in Prag (17. Jahrhundert). Siehe Güdemann, Quellenschriften zur Geschichte des Unterrichts und der Erziehung bei den deutschen Juden (Berlin 1891). Seite 127. Testamente altjüdischer Gelehrten enthielten u. a. Ermahnungen an die Kinder. In dem oben ermähnten Testament bwoh genannt) wird Las Gebet empfohlen. Für besondere Zufälle sollen die Kinder sich ein Gebet verfassen. Dieses soll ous Versen der Psalmen, besonders aus Ps. It9 zusammengesetzt sein. Wer des Hebräischen nicht hinlänglich kundig ist, soll deutsch beten. Ueberhaupt aber soll ein Jeder nach dem Morgengebete seine besonderen Bedürfnisse nur in einem eigenen deutschen Gebete Vorbringen, als da sind die Bitte rim ein demütiges, verständiges, neidloses Herz, um ehrlichen Erwerb u. a. Dieses Gebet fall täglich in anderer Gestalt gesprochen iverden, damit die Gewohnheit nicht die Andacht a b st u m p s e. Es ist besser, täglich zwei oder drei Psalmen mit großer Andacht zu beten, als zu denen zu gehören, die alle andachtslos und eilig hersagen. — Wittern wir hier nicht Morgenlust? Sind das nicht liberale Anschauungen unserer Tage? II. Geben wir der modernen Pädagogik Las Wort! Im Gegensatz zu den preußischen Regulativen von 18.r>4, die dem Muckertum, der Scheinheiligkeit und Heuchelei Tür und Tor öffneten, setzte — besonders in den 70er Jahren — der Liberalismus in der Pädagogik energisch ein. Obenan steht D i e st e r w e g , der Führer des pädagogischen Liberalismus, dem sich viele Schulmänner und Lehrervereme anschlossen. Nach ihm soll der Religionsunterricht sich dem Wesen der Kindesnatur anschlietzen, soll religiöse Vorstellungen, religiöse Gefühle erwecken und entwickeln. Erst wenn der „Unterricht" bereits eine nachhaltende Wirkung gezeitigt hat. wenn das Kind empfindet, von ihm gehe eine gehobene Stimmung aus, und in sie versetzt wird, dann ist das Beten ein Ausdruck dieser Stimmung, folglich wahr. Die Sache soll wirken, nichts anderes. Der Lehrer soll das Kind nicht fromm machen, nicht zur Frömmigkeit bereden. Wenn man an die religiöse Betrachtung und Belehrung usm. „betend" geht, so wird das Kind seiner natürlichen Beschaffenheit enthoben. Also keine künstliche Stimmung erwecken, die zur Unwahrheit und Unwahrhaftigkeit führt. — Ist das nicht echt jüdische Denkweise? Unsere alten Weisen predigen unaufhörlich und eindringlichst, datz das Gebet Herzens^ottesdienst fei (Awaudo sche-b’lew) «und nicht als Drückende Last an« gesehen werden darf. Betrachte das Gebet, lehren sie. auch nicht wie ein feststehendes Geschäft, sondern es fei ein inbrünstiges Flehen zu Gott (Sprüche der Väter 11,18). Es soll auch nicht in einer unverstandenen Sprache verrichtet werden, darum ordnen die Weisen ausdrücklich an: Verrichte dein Gebet in der Sprache, die du verstehst! Es ist eine tiefbedauerliche Erscheinung in unseren Tagen, einer so krassen Unkenntnis der hebräischen Sprache, die doch unsere Gebetsprache ist, zu begegnen. Wir erheben nicht die Forderung: „Hebräisierung des jüdischen Volkes", sondern das Hebräische, das wir als einen integrierenden Bestandteil des Neligionsunlerrichts anfehen, intensiv und fruchtbringend zu behandeln, um für die Verinnerlichung des Gottesdi enste s Sorge zu tragen und so der Gedankenlosigkeit und dem Indifferentismus entgegenzuarbeiten. (Siehe unseren „Wegweiser für den jüdischen Religionsunterricht", Heft 3, Berlin 1902). Diener Brief. Eine Rehabilitierung. ~ ' Das Wiener Hakenkreuzlertnm hat dringend einer Rehabilitierung bedurft. Es hat zwar gezeigt, daß seine Vertreter ebenso gut morden und rauben können, wie ihre reichsdeutschen und magyarischen Vorbilder, aber die Gloriole völkisch- oder gar religiös-sittlichen Heldentums vermochten sie doch nicht zu erringen. Die Morde an Erzberger und Rathenau können als Ausdruck eines extrem gestimmten Jung dents chtums gefeiert» die blutige Ausrottung aller jüdischen Weinhändler aus dem Konkurrmzberrich des gleichfalls Weinhandel treibenden Magyaren Hejns durch dessen wehrhaften Sohn als Symptom I „erwachenden" C h r i st e n t n m s gepriesen werden — dagegen war den Wiener Helden Rovesal, Meiche und Dergmeister beim besten Willen kein sympathischer Zug abzugewinnen. Der eine hat sich bekanntlich von zwei alten Weibern aushalten lassen und als die eine — anAblich von der andern — ermordet worden wa(i. unter dem unmittelbaren Eindruck der Schreckenstat dil Geistesgegenwart gezeigt, seine im Besitze der Gelöteten befindlichen Schuldscheine zu vernichten . . . Der andere hat einen Freund und der dritte ein junges Mädchen, das ihm seine Z»- neignng geschenkt hatte, kaltblütig abgestochen, um es zu berauben. Diese drei Gemiitsathleten haben den Wienern die geistige Bewegung, die die deutsche Jugend von heute psychisch präpariert, einigermaßen anrüchig gemacht. Das Hakenkreuz brauchte, wie gesagt, dringend eine Rehabilitierung — und sie ist ihm geworden. Sehr s tempo sogar. Am selben Tag, an dem Bergmeister wegen seines Raubmordes zu 20 Jahren Kerker verurteilt wurde, hat ein anderer Jüngling — die Wiener Sittlichkeit gerettet. Es liegt wohl nur am Geiste der Zell, das; dies mit dem — Revolver geschah und als Opfer des überschäumenden christlich-germanischen Moralempsindens ein schrislstellernder Familienvater aus fünf schweren Wunden blutend zusammenbrach . . . Dieser Schriftsteller ist Hugo Bettaucr. Nach bescheidenen Anfängen in der Redaktion der „Neuen Freien Presse", hat er diesem Blatte, das jugendliche Talente eher unterdrückt als fördert, grollend wie vor ihm Karl Kraus den Rücken gekehrt. Er wandte sich nach Amerika und dort hat er nicht nur reiche stoffliche Anregungen empfangen, .die er in seinen Skizzen, Essais und Romanen immer wieder verwertete, sondern auch die ganze Art des nmerikanifchen Journalismus mit seiner mehr aufs oberflächlich Sensationelle als auf feinen Schliff, Tiefe und Geist eingestellten Behandlung aktueller Tagesfragen angenommen. Diese Art zu fchriftstellern entsprach offenbar feinem Wesen und feiner Begabung am besten und er hat es in ihr auch zur Meisterschaft gebracht. Als ständiger Feuiiietonist des gelefenften Wiener Montag-Frühblattes ist er rasch populär geworden und er hat es — auch in dieser Beziehung gelehriger Schüler des Amerikanismus — verstanden, aus feiner Popularität Kapital zu schlagen. Mit einem scharfen Blick für Konjunkturen ausgestattet, gründete er ein erotisches Wochenblatt „Er und Sie". Man braucht vielleicht nicht jo weit zu gehen wie das Wiener kommunistische Organ, das Bettauer nur als „gerissenen Geschäftsmann auf sexuellem Gebiet" tariert, möglicherweise hat er sich bei seinem Eintreten für erotische Freiheit auch von idealen Motiven leiten lassen, sicher ist nur die Tatsache, das; sich der „Moralrevolutionär", als welcher er sich feiern Uetz, zu einer Zeit, in der die geistigen Arbeiter im allgemeinen einen schweren Kampf ums Dasein führen, mit seiner amüsanten Jeder glänzende Revenuen schuf. Der Brotneid der Zunftgenossen bildete eine gewaltige Verstärkung des Muckertums, das zu allen Zeiten gegen freiere Lebensauffassungen auf der Lauer liegt, und so entstand ein lebhaftes Kesseltreiben gegen die Zeitschrift „Er und Sie" und deren Begründer. Dieser hatte sich sogar vor Gericht wegen Kuppelei zu verantworten, weil sein Blatt auch Inserate brachte, die der Anknüpfung mehr oder weniger „ehrbarer" Bekanntschaften dienten. Er wurde zwar sreigesprochen, weil es doch nicht gut anging, einen einzelnen für etwas zu bestrafen. was er nur den spießbürgerlichen Zeitungen nachgemacht hat, doch war ihm durch solche Verfolgungen die Zeitschrift so verleidet, Laß er sie eingehen Uetz. Leider konnte sich abxr. dje Tugend ihres so esfochtenen Sieges nicht, lange erfreuen.' Das Eiltgehdn der Bettauerschen Gründung ivar nämlich nur das Signal zum Austauchen zahlreicher Nachahmungen und so ergab sich das groteske Resultat, daß Wien statt einer erotischen Zeitschrift deren bald ein halbes Dutzend besaß, die sich alle auf den von Beitauer erschlossenen Triften gar fröhlich sonnten und — mästeten. Kann man es Herrn Bettauer verargen, daß er über dieses unerwarteten Erfolg seiner Resignation nicht entzückt war und in der Erkenntnis, daß die keusche Sitlsamkeit doch nicht zu retten fei, wenigstens für sich zu retten suchte, was noch möglich war? Warum sollte >rr den Änderen ein Feld zum Abgnrfen überlassen, das er selbst urbar gemacht hatte? Kurz entschlossen sprang er wieder in die Arena, in der sich die Usurpatoren seiner Ideen drängten und gab, um seine wiedererstandene Zeitschrift vor der Verwechselung mit ihren Nachahmungen zu bewahren, dieser seinen Namen. Sie hieß fortan „Bettauers Wochenschrift". Merkwürdiger Weise hatte diese Tat dieselbe Wirkung' zwar Bild aus der Anschauung des jüdischen Bauern. Wenn der Ackerpflug den geliebten Boden ausreiht, erscheint es wie ein fchmerzbringerrdes Verwunden. Diese Furchen, die lang hinsiezogen werden, mögen auf die langwährende Zeit der Unterjochung und das roeite Gebiet des geplagten Landes deuten. Aber haben die Mächtigen ihr Ziel erreicht, liaben sie Israel vernichtet? Israel steht unter dem Schutze des Höchsten. In Rhythmus und Lautform ist das Eingreifen der göttlichen Macht wie mit scharfem Einschnitt in der Darstellung gegeben. Die beiden stark betonten Hebungen des adonai zaddik versinnlichen packend das entscheidende majestätische Eingreifen der göttlichen Gerechtigkeit, und diese scharfen Laute (zaddik, kizez) lassen das Einschneidende unmittelbar fühlen. Wenn die Seile zerschnitten werden, die den Pflug mit dem Zugtier verbinden, dann kann der Pflug nicht weiter, — der Boden hat Ruhe. So war's ln der Vergangenheit: Gott hat fein Volk nicht dauernd knechten lassen. Aus der Vergangenheit fällt das Licht der Hoffnung auf die Zukunft: Die Zionshasser werden nicht triumphieren. Die Zionshasser! E» ist wohl bezeichnend, datz gerade dieser Ausdruck gewählt ist. Das Lied ist wahrscheinlich in einer Zeit entstanden, als der polittsche Druck nicht allzu quälend war. Mer die Ueberdebung der fremden Machthaber» die geheiligte Lehren und Brauche geringschätzten und verachteten, mag den Zorn des Dichters entfacht haben, der stolz auf fein Heiligstes — »»denn von Zion geht die Lehre aus und das Gotteswort von Jerusalem!" — den Zionsseinden die gerechte Sttafe gönnt. Hier tobt nicht mehr Eder Hatz gegen grausame Sieger, wie am Schlüsse des 187. Psalms, hier verwünscht in fast weichen Formen ein gekränktes Gemüt die anmaßenden ungläubigen Machthaber. Wie die Vergangenheit mit einem Bilde aus der Zeit des Säens durchleuchtet wird» fo stellen sich dem Dichter nun Bilder der Reifens und Erntens vor die Seele. Die Feinde find schneller Vergänglichkeit unterworfen. Ihr Werk, aus äußerer Macht geboren, hat nicht die Dauer, die nur Geist gewährt. Sie gleichen dem Grase, das auf den flachen Dächern des Orients aus den Samenkörnern, die der Wind verstreut, in der Wachstum beschleunigenden Sonnenglut gar schnell emporwachsen. Aber dieses Grases aufschimmerndes Gedeihen ist nur ein Schein, gesundes Blühen und Reifen ist ihm verwehrt. Sein Daseinszrel erreicht es nicht. Im Gegensatz dazu leuchtet ein köstliches Mld auf. Erntezeit! Die Sonne strahlt auf dunkelreife Äehren. Fleißige Männer und Mägde schaffen auf dem Felde. Ringsum ertönt Heller Jubel. Die Halme werden mit der Sichel durchschnitten. Hinterher schreitet der Garbenbinder, steckt die kurzgeschnittenen Aehren in den Bausch seines Gewandes und bindet sie dann zusammen. Geht ein Wanderer vorüber, freut er sich des Glückes und spendet froh seinen Gruß und Segenswunsch Mit diesem: „Wir segnen euch im Namen Gottes" schließt das Gedicht. Es ist von einer künstlerischen Feinheit eigenen Reizes, daß dieses liebliche Bild hier eigentlich ein Verwünschen verdeckt. Denn auf jenen Feinden Israels ruht dieser Segen nicht. S i e werden ihr Ziel nicht erreichen. Und wie man in der Vergangenheit dem Voitze nicht beikommen konnte, so wird es auch in der Zukunft im Schutze Gottes stehen, der seine Hasser, mögen sie auch zeitnnülig überlegen scheinen, nicht triumphieren läßt- In unserem Psalmenbuche fehlt es nicht an Liedern ähnlicher Art. Man vergleiche den schönen 124. Psalm, in dem vielleicht die glückliche Ueberwindung einer Gefahr deutlicher hervortcitt als geschichtliches Rückerinnern. Wäre Gott nicht für uns gewesen — spreche Israel^ wäre Gott nicht für uns gewesen, als sich Menschen wider uns erhobene dann hätten sie uns lebend verschlungen» als ihr Zorn gegen uns entbrannt war: dann hätten die Wasser uns überströmt, Flut ging über uns hin; . . dann wären über uns hingegangen die überströmenden Wasser. Gelobt sei Gott, der uns nicht hingab zum Fratz ihren Zähnen: Unsere Seele, wie ein Vogel ist sie entronnen aus der Falle der Vogelsteller?-/ die Falle zerbrach, und wir sind frei. Unsere Hilfe steht im Namen Gottes. des Schöpfers des Himmels und der Erde. *' ( Man denke sich Lieder dieser Art von den Schüren frohes Wanderer gesungen, die zu den Erntefesten nach Jerusalem zogen. Wie mutzten solche Erinnerungen und Hoffnungen, aus wundervollen Tönen klingend, die Gemüter onregen zu Dank und Zuverficht. Sie mutzten ein festes Band schlingen um ein Volk, das auch in der Zukunft nod) oft wie von gierigen Raubtieren und heimtückischen Vogelstellern umlauert war und von wilden Fluten des Hasses und der Gewalt der Vernichtung preisgegeben schien. Solche Lieder konnten in widrigen Zeiten den Mut zum Ausharren stählen und jene fromme Gesinnung begründen. die sich stolz vor Menschenmacht bewährt und demistn' vor Go&

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