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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-03-20 · 12 (20.3.1925) · page 3

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
12 (20.3.1925)
Date
1925-03-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mii* die"bekannte Heldentat Winkelrieds: Bettciuer zog alle mndttchen Waffen — zuerst freilich, nur im bildlichen Sinn — qeqen feinen Leib. . Die Schauspielerin Kon stanze von finden. die gleich an zwei Konkurrenzblältern Bettauers — 3d> und Du" und „Adam und Eva" — schriftstellerisch und Su'.ierkll beteiligt ist, konnte vor einigen Tagen ihr 25jähriges Bühnenjubiläum feiern, ohne daß auch nur ein.einziger der hl losen Artikel, die aus diesem Anlaß in sämtlichen Wiener Zeitungen erschienen sind, die „sittliche Gefahr" ihrer Feder dcdanert, ja auch nur erwähnt Hütte. Der Name Bettauer aber ivurde bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit durch eine wahre Schmutzflut journalistischer Scheelsucht geschleift. Die Ursache dieses verschiedenen Maßstabs ist leicht zu erraten: Herr Dettcuer ist ein getaufter Jude. Das Verdienst, diese Entdetluiug gemacht und in die sofort schadenfroh aufhorchende V>-lt hinausposaunt zu haben, kommt dem Zionistenführer Stricker zu. der es eines Tages für notwendig fand, in der Margenzeitung" eine Lanze für die bedrohte Tugend zu brechen uiiiih Vorhinein namens des Judentums jede Verantwortung für das Treiben des entarteten Stammesgenossen abzu- Idiiieii. Vorher war es nämlich keinem Menschen eingefallen, dcm Judentum eine fotdjc Verantwortung aufzuhalscn, rvie mau denn in der lebensfrohen Phäakenstadt Wien, von den Berrifsmuckern abgesehen, über erotische Fragen gar nicht so streng urteilt, um einen amüsanten Erörterer solcher Fragen zum' Verbrecher zu stempeln. Auch muß gesagt werden, das; Bettauer, obwohl er gegen manche Tradition bürgerlicher Moraldegrifse zu Felde 'zog. doch niemals z y n i f ch wurde und daher auch nie so frivol war wie die zahlreichen, zum Teil gut arischen Witzblätter mit „pikanter" Note. Solche Witzblätter können hier wie auch anderswo ungestört erscheinen und haben meines Wissens noch niemals eine moralische ..Volksbewegung" entflammt. Dazu bedurfte es im Falle Beitauer schon eines politischen Faktors und um einen solchen in den Dienst der beteiligten Tugend zu stellen, genügte eben die Strickersche Enthüllung der Rassenzugehörigkeit Bettauers. Diese brachte das Hakenkreuz auf den Plan. Die Nationalsozialisten. deren publizistisches Wiener Tagesorgan dem Alt- Weiber Don Juan M e i ch e seine Spalten zur Selbstverteidigung zur Verfügung gestellt und vorbehaltlos die Meinung dieses männlichen Prostituierten wiedergegeben hatte, sein bezahltes Serualleben sei seine ureigenste Privatangelegenheit, die niemandem das Recht gebe, sein wackeres Deutschtum zu besudeln, nimmt sich als Vorkämpfer der erotischen Reinheit wundersam genug aus. Um so wundersamer, da im Verlaufe dieses Kampfes gerade jene Blätter, die an der beispiellosen Verrohung der deutschen Jugend durch ständige blutrünstige Pogromhetze die Hauptschuld tragen, eine Preßzensur gegen solche Zeitschriften forderten, die an der Vergiftung der Jugend schuld trügen . . . Welch gewaltiges Maß von Zynismus hierzu nötig ist, beweist die Erwägung, daß die erotische Freiheit von Beitauer und seinen Konkurrenten ganz gewiß nicht erfunden oder hierzulande erst eingeführt, sondern höchstens mit geschäftstüchtiger Konjunkturwitterung aus dem Dunkel ständiger Heuchelei 'ins helle Licht problematischer Erörterungen gerückt worden ist, während die Revolutionierung der von Natur aus höchst duldsamen und menschenfreundlichen Psyche des Oesterreichers bis zu jener Eckstase fanatischen Hasses, der zur Mordwaffe greift, einzig und allein auf das Schuldkonto der Haken- .kreuzliteratur zu buchen ist. Auch bei dem neunzehnjährigen Zahntechniker Rothstock, den die „sittliche Entrüstung" über ,Bettauer den Revolver in die Hand gedrückt hat. fand man nach dem Attentat eine Nummer des hiesigen Hakenkreuzler-Wochenblatts, während die Frage, ob er auch Bettauers Wochenschrift, vor deren vergiftender Wirkung er seine Altersgenossen schützen wollte, auch s e l b st g e l e s e n h a t,. noch durchaus-1 ungeklärt ist. ... Trotzdem hat das Attentat auf Bettauer ^eine erstaunlich „gute" Presse gefunden. „Aus den Aufsätzen die von jüdisch gerichteten Verfassern veröffentlicht werden, kann der Anwalt 'Aothstocks die besten Gründe für den Freispruch seines Klienten schöpfen!" verkündet das Deutschvölkische Tagesorgan triumphierend. rleberflüffig zu erwähnen, daß dieses Organ auch aus eigenem bemüht ist, solche Gründe beizustellen. Es verl steigt sich de! seiner Glorifizierung des Attentats so weit, den! — Mut des deutschen Jünglings zu preisen, der dem ihm an! Körperkraft weit überlegenen Juden offen eutgege,»getreten ist, daß er dies mit einem geladenen Revolver tat, während dem ahnungslos Ueberfallenen nur feine Tischlampe zur Abwehr diente, rückt die dentschvölkische Auffassung von „Mut" in' eine Beleuchtung, die die den Juden von derselben Seite zugeschriebene „Feigheit" und Satisfaktionsunfähigkeit fortab nicht mehr als Beleidigung erscheinen läßt. . . Das ch r i st l i ch f o z i n l e Organ vollends bemüht zugunsten des schießenden Keuschheitsupostels sogar Grillparzer: ,,'O schilt das gotdne Iugendalter nicht! Der Kopf ist rasch, allein das Herz »st gut". . . Nachdem auf diese Weise erhellt ist, daß Hakenkreuzler nicht nur. »vie in den früheren Wiener Fällen aus tierischen Instinkten morden, sondern auch aus M u t u nd — G ut - Herzigkeit, hat das durch die Novosal und Bergmeister schlver kompromittierte Hakenkreuz endlich seine Rehabilitierung gefunden. Jetzt brauchen sich nur noch die Geschworenen die Auffassung zi» eigen zu »nachcn, die ihnen von den Antisemitenblättern aufdringlich genug suggeriert wird, dann wird es dem politisch organisierten Mord auch in Zukunft an ähnlichen Rehabilitierungen sicher nicht mangeln — allerdings auch nicht an Taten, die eine Rehabilitiernng immer wieder notwendig machen. . . . Dr. H u g o L p i e g l e r. | | Der jüdische Sprechsaal : f Zur „Laienpredigi gegen die Herren Rabbiner.“ Wenn ein Mann rvie Bernhard Breslauer seine mahnende .Stimme erhebt, so verdienen seine Worte ernste Beachtung und Aufmerksamkeit. Und doch scheint es mir, daß unser verehrter Führer bei seinen Betrachtungen zu einseitig die Schuld an den beklagten Mlhständen aus die Rabbiner schiebt. Der Standpunkt der Rabbiner ist schon vertreten worden in der Erwiderung von Rabbiner Straßburger, Ulm, aber vielleicht darf auch ein' Laie nochmals hier das Wort ergreife,». Im ganzen ist zu den Ausführungen Breslauers zu sagen, daß sie zu sehr sul> specio der Berliner Verhältnisse geschrieben sind. Auch hier ist wieder einmal übersehen, daß Berliner Judentum nicht mit deutschem Judentum identisch ist. Würde Br. die Verhältnisse in der „Provinz" berücksichtigt haben, so hätte er z. B. niemals zu seiner Anklage bezüglich mangelnder Mitwirkung der Rabbiner in der allgemeinen Wohlfahrtspflege, insbesondere während der Kr.iegszeit, oder in der Schulverwaltung kommen können. Die Entgegnung von Straßburger Hierwegen trifft zu. Der Punkt, zu dem ich das Wort nochmals ergreifen möcyte, ist der Vorwurf, daß unsere liberalen Rabbiner im praktischen Leben die liberalen Grundsätze nicht durchführen, daß sie zu wenig entschlossen sind, ihre liberale Uebrrzeugung praktisch zu betätigen. Den gleichen Vorwurf hatte schon Hirschfeld ln Rr. 7 dieses Jahrgangs der Zeitung erhoben. Die Tatsache an und für sich ist zuzugeben: es ist z. B. richtig, daß viele liberale Rabbiner manche religiösen Vorschriften für unverbindlich oder bedeutungslos halten, sich aber dennoch scheuen, diese selbst außer acht zu lassen. Also im Gegensatz von Lehre und Leben! Ich will mich einmal gerade an die von Br. gegebenen Beispiele halten. Was würde geschehen, wenn ein liberaler Rabbiner einer deutschen Mitlelg-emeinde am Sabbat Straßenbahn fahren oder die Speisegesehe öffentlich übertreten würde? Daß Konservative und Zionistei» Sturm laufen würden, ist klar und verständlichaber ihnen würde sich ein Teil der Liberalen. anWießeu:,W meisten würden' mindestens solches Verhalten lebhaft mißbilligen. Zwar halten sie sich selbst nicht 'an diese Vorschriften, weil sie ihnen religiös nichts bedeuten oder ihnen zu unbequem sind. Aber der Rabbiner hat sich daran zu halten, er maß der „Gemeindefaster" und ,/Nemeindebeter" sein. Der Rabbiner, der sich in dem von dem Herrn Laienprediger geforderten Sinne betätigte, würde nicht genügenden moralischen Rückhalt bei den liberalen Laien seiner Gemeinde finden, er würde von ihnen im Stich gelassen werden. Angesichts dieser Tatsache scheint mir der Hinweis Straßburgers, daß der Rabbiner auch immer mit dem Wechsel in der Person des Vorstandes zu rechnen habe, von geringerer Bedeutung. Man dann unsere Verhältnisse nicht ohne weiteres mit denen anderer Konfessionen vergleichen, aber das kann doch gesagt werden: Liberale Protestanten z. B. freuen sich, wenn sie einen recht liberalen Pfarrer als Führer haben: bei uns wünschen die meisten Liberalen einen Rabbiner zu haben, der zwar liberal genug ist, sie selbst in ihrer jüdischen Betätigung in Ruhe zu lassen, aber im übrigen traditionell oder konservativ lebt. (Ob dieser Einstellung das unbestimmte Gefühl zugrunde liegt, daß gewisse Bindungen für'den Bestand "des Iudenlums erforderlich sind, steht hier nicht zur Erörterung.) Ist es doch in vorwiegend liberalen Gemeinden schon soweit gekommen, daß anders tzrrlchlele Minderheiten die sog. „Richtlinlen-Ra-bbiner" ablehnen und die Liberalen teils bewußt, teils unbewußt aus Gleichgültigkeit derartige illiberale Tendenzen unterstützen. Wer will -rs da einem liberalen oder Richllinlen-Rabbiner übelnehmen, wenn er nicht die Lust zum Führertum in sich verspürt? Wohl möglich, daß die Liberalen heute oft eine Herde ohne Hirten sind, aber die Rabbiner dürsten wohl sagen, als Offiziere hätten sie keine Soldaten hinter sich, bestenfalls einige „Unteroffiziere". Aber mit solcher Truppe Kanu man nicht marschieren und keine Kämpf: ausfechlen. Wenn die Liberalen einmal so liberal sein werden, dem Rabbiner zu gestatten, nicht nur liberal zu sprechen, sondern auch liberal zu leben, und wenn sie im Ernstfall sich geschlossen hinter ihn stellen werden dann werden wir dir Führer bekommen, die Breslauer und Hirschfeld sich wünschten. I & | Versammlungskalender. 1§ \ Berlin. (Indisch-liberaler Iugendverein sIlis) Berlin. Am Donnerstag, den 26. März, Fasanenstr. 7>>-'80 Vortrag von Herrn Georg Seligsohn: „Die Juden als Vermittler der arabischen Kultur im Abendland". Treffen aller Gruppen um 8 Uhr. Beginn des Vortrags um ' -.0 Uhr pünktlich. Berlin. (Liberaler Synagvgenverein Norden.) Der Freitagabendgottesdienst findet regelmäßig Uhr in der Synagoge Schönhauser Allee 102. statt. An» Passahsest und von da ab an. allen Sabbaten und Feiertagen »vird der Gottesdienst auch an den Vormittagen stattfinden. Anfragen über gottesdienstliche Angelegenheiten, Einsegnungen von Barmizwaknaben sind zu richten an die Geschäftsstelle: Arthur Zander, Berlin E 5,4, Linienstr. 45, Norden 3233. Breslau. (Jüdisch-liberaler Iugendverein „Abraham Geiger"). Am Dienstag, den 24. Mürz, abends 8’.i Uhr findet im Pereinszimmcr des Konzerthauses ein Vortrag des Herrn Erich Bayer über „Individualismus und Gemeinschaftsbewnßtscin im Judentum", statt. Gäste willkommen. l Liberaler verein für die Angelegenheiten der jüb. Gemeinde z« verlia, Ortsgruppe Norden Mittwoch, den 25. -.Ms, abends 2 Llhr in der „Ressource zur Unterhaltung^ Oranienburgerstraße -IS .\M Gesellschasts-Abend Künstlerische Darbietungen — i Tombola Tanz — Kaffeetafel i Llnsere Freunde aus allen Sezitten stad herzlich 'gelädeiD _ ., Einlaßkarten zu. M. 1,60 («»»»schließlich Steuer) sind 'hkwen " vri "den"Hiktbn 'ty: "FüIKkübe'tlf^ " Löttum-" stratze 22, Norden 10991, A. Zander, Linienstr. 45,% Norden 3233 , 3. Raivack, Oranienburger. Str> "29,2 Norden 9427 (Iiid. Gem.), S. Kantoröwikz, Schön-J Hauser Allee 164. 5)»»mboldt 4534. M. Gottfeld, Hemersdorfer Str. 24. Königstadt 1814,.. A. Levy/ Krausnickstr. 16, Norden 63, M. Sally. Zehdmicker Straße 12 a, Humboldt 4397, Frau B. Metz. Stahlhcimer Str. 4. Humboldt 7787, Frl. M. Falkenberg, Diedenhofener Str. 9. Humboldt 5586, imBürodes» Liberalen Vereins, Mauer st r. /22, »Merkur* 8725, und am Oaaleingang. «. j* , A "V Spenden für die Tombola werden ^erbeten^an? Jos. Waldstein. W. 30, Eisenacher Str. 22, Rollendvrf 6220—6226. Alle Anfragen sind zu richten an die Geschäftsstelle: Arthur Zander, Berlin^C.L54, Linienstr. 45, Norden 3233. > : Oer Oybuk. _ Auffüh rüng L e s Frankfurter L :h rh äu se S.*’ Das freie jüdische Lehrhcrus veranstaltete am 14. Alärz im großen Saal von Dr. Hochs Konis-rrvalorium zuWnsien .seines yreikariensonds eine Ausführung der dramatischen Legende „Der Dybuk", des ostjüdischen Dichters Ans-Ki. Mit diesem Werk hatte bas Lehrhaus eine gute Wahl getroffen. Es fußt auf der eigenartigen chassidisiischen Anschauung, daß ein Mensch, dessen Leben vorzeitig endet, als Geist nicht eher Ruhe findet, als bis sich der Sinn seines Daseins erfüllt hat. Ein solcher Geist, Dybuk genannt, niimnt Besitz von dem Körper eines Lebenden, aus dem er spricht, »und aus dem man ihn durch Beschwörung vertreiben muß. Die ' Handlung des Stückes zeigt, wi-: ein junger, hochbegabter Tai- .mudist, weil die ihm vorbestimmte Braut unter Wortbruch von ihrem Vater aus materiellen Gesichtspunkten mit einem anderen verlobt wird, sich in kabbalistische Phantaslnagorien flüchtet, zu öeMecken, daß seine irdisch empfundene Liebe Erfüllung finde. stirbt dadurch und sein Geist erfaßt nun als ,/Dybuk'' Besitz von dem Körper des von ihm geliebten Mädchens, das die andere Verlobung löst und sich tim Tod mit ihm seelisch vereint. Durch oen bereits während der Exposition erfolgenden Tod des Bräutigams ist die eigentliche Dramatik, sein Läuterungsprozeß, nach seinem Tod verlegt. Die Wandlung der körperlichen Liebe in die teetische, durch die s-rin irrender Geist Erlösung findet, erfolgt durch rein äußerliche Mittel, wie sehr theatralische G-risterbeschwöturtgen durch einen Wunderrabbi. Auch der andere Läuterungspwzeß, der des Vaters jenes jungen Mädchens, der all seine 'Materialistisch eingestellten Pläne gescheitert und sein Liebstes, seine Tochter, am Ende verloren sieht, erfolgt durch das äußerliche Mittel der Gerichtsverhandlung eines Toten gegen ihn. Vermochte oder wollte der Dichter somit die Entwicklung der Charaktere mit inneren Mitteln nicht zu zeigen, so daß es einer belonderen Gestalt, des Meschullach, eines Bolen bedurfte, um den , Sinn -er Handlung zu verkünden, so waren die Szenensüchrung, o»e Spannung und Geschlossenheit der Handlung meisterlich durchgeführt. Plastizität und Ausdrucksreichtum der Figuren sowie die lyrischen Szenen waren von so starker dichterischer Geftaltungskraft, daß die Zuhörerschaft vom ersten bis zum letzten Mort voll Narkster Anteilnahme war. Nicht zuletzt war dies der Darstellung zu verdanken, die, obwohl von 5)örern des Lehrhauses ausgeführt, den Maßstab, den man an ein Berusstheater zu stellen hat, nicht zu scheuen braucht, -loc allem war dies der Regie von Herrn Alfred Auerbach zu verdanken, die nicht nur auS den einzelnen Darstellern alles herausholke, sondern besonders den-Gehalt der einzelnen Szrnen voll ausschöpfte und das Ensemble zu einem gepflegten Zusammenspiel einte, aus dem auch nicht die kleinste Rebenrolle herausfiel, so daß das Hervorbringen der vom Dichter in so feiner Weise gestalteten lyrischen, dramatischen und humorvollen Stimmungei» und des MUieus nicht besser erfolgen konnte. Unter den Hauptdarsteller!» brachte Ilse Seligmann die Ausdrucksskala von der ersten Regung der Liebe über die Seelenkämpfe vor der für sie bestimmten^ Hochzeit und die Besessenheit durch den Dybuk bis zur stillen Vereinigung der Seelen zur tiefen Gestaltung und gerade durch Bändigung von Spiel und Stimme zu eindringUchster Wirkung. Helmut Gans als Chanan, dem sie versprochen war, vermochte die Seelenkämpfe und den Jammer des sich in die Kabbala flüchtenden Talmudisten, der zugrunde geht, ohne Aebertreibung zu ergreifender Darstellung zu bringen. Dr. Leo Aosanes stellte den Brautvater in seinem Glanze prächtig dar, die Wandlung im Unglück gelang chm weniger. Eine vollendete Gestalt war die Amme von Lydia Seligmänn. Die östliche Melancholie, die mütterliche Besorgtheit, atmete aus jedem ihrer Worte. Rahum Glaher, als würdiger Wunderrabbi, Dr. Erwin Seligmänn als unheimlicher Meschullach brachten ihre Rollen zur vollen Wirikung. Unter den Rebenrollen von Emmy Birnbaum, Martin Golöner, Henryk Spiwak, Eli Duschinski und Katz ragtei» hervor die ausgezeichnete Type des Herrn Harpenes als Bräutigam und die köstliche Kabinettleisiung von Hanns Benario als Synagogendiener. Das fast ausverkaufle Haus spendete vollen Beifall. Dir östliche Eigenart, der szenische und dichterische Reichtuiu des Stückes und die ausgezeichnete Darstellung berechtigen zu dem Wunsch, daß die Ausführung Wiederholungen finden möge. _ R elly 93 a c r. Oie Gemüsegärten Kanaans. . Von Wilhelm Wölkerling. Schon in den ältesten Zeiten zählten in Kanaan neben Brot und Fleisch verschiedene Gemüsearten oder Hülsenfrüchte zu den wichtigsten Nahrungsmitteln, holen sie doch, ganz abgesehen von ihrem Nährwerte, eine angenehme Abwechslung in der tonst gleichförmigen Kvst, weshalb sie auch be» keinem Mahle, selbst des einfachsten Marmes, schien durften. Nach der geschichttichen Ueherlieferung waren bereits zu Jakobs Zeiten die gelbbraunen Linsen ein beliebtes Gericht, für das der lüsterne Esau sogar sein Erstgeburtsrecht hingab. Auch der Buhnen, »vahrscheinlich ist damit die Pllffdobne gemeint, geschichü frÄhzeikg Erwähnung. Gurken, die sich bei einem süßlichen Geschmack durch ihre Größe, Weichheit und leichtere Verdaulichkeit auszeichneten, gehörten zu dem be-! vorzugtesien Gemüse, weshalb der Bedarf darin auch so groß war, daß man diese unter den Propheten bereits feldmäßig anbaute. Roch geschätzter waren die schwarzgrünen, hellfleckigen Wassermelone,» wegen ihres saftigen, zuckerartig schmeckenden, schwache rötlichen Fleisches: dagegen fanden di: mif dem Boden rankende,» Koloquintei» mit ihren 'gelben, pomeranzenartigen Früchten vo!ü äußerst bitterem Geschmack keine Beachtung. Das gleiche galtz von den Spritz- oder Eselsgurken, deren Früchte bei der leisssten Berührung des Stengels abfielen und Saft und Samen weit fortschleudertcn„ Der Saft diente höchstens in den Kreisen der Armei» als stark abführendes Mittel. Laach wurde, wie bei uns noä), heute, von jung und alt roh zum Brote gegessen. Die Zwiebeln zeichneten sich im Gegensatz zu dem jetzigen Küchengewiürz durch ihren milden, lieblichen Geschmack aus und wurden von jedermann roh, gebraten oder gekocht zum Fleisch genossen. Allgemein galten sie ferner bei anstrengender, schwerer Draußenarbeit für. das beste durststillende Mittel. ' Eines besonderen Rufes -erfreuten sich allerdings viel später die kleinen, festen Zwiebeln von Askalon, die heimkehrende Kreuzfahrer sogar nach Europa brachten und die noch gegenwärtig bei uns als Schalotten bekannt sind. Knoblauch oder Schumin» wurde häufig angebaut und fehlte trotz seines eigenartigen, durchdringenden Geruches auf keiner Tafel. Die bitteren Kräuter bei dem Passahlamm dürsten Lattich -oder Endivie gewesen sein, welche zu der Festzeit gerade in voller Entwicklung^ standen. Auch der Kohl hatte viele Freunde. Schon der König- Ahad wollte sich bei dem Palast: in seiner Residenz Iesreel dafür einen besonderen Garten anlegen lassen. Eine Art Kümmel mit bitteren, starkriechenden Körnern diente zum Würzen des Brotes, fand aber auch für araneiliche Zwecke Verwendung. Der besonders in dem Iordantale wildwachsende Koriander, dessen Fruchte in der Form mit dem Manna in der Wüste Sinai verglichen werden, der verwandte aromatische Dill, die gemeine Minze und die gelbblühende Raute waren ebenfalls eine beliebte Würze. Senf, dem die Beschaffenheit des Bodens besonders zusagte (was fein üppiges, schnelles Wachstum und der reiche Ertrag bewiesen), erfreute sich wegen feiner gelben oder bräunlichen, scharfreizendrn Körnerfrüchte altgemeiner Bevorzugung. * So bargen die Gärten Kanaans, welche zu «hsNn^SchÜhe°Hegei»' unberufene Eindringlinge in der Regel mit dichtem Dorngestrüpp emgefri-edigt waren, zwischen dem Feigen- und OeDLume grünten oder bunte Blumen ihre leuchtenden Blütensterne öffnÄen, mancher!':» nützliche Gewächse^die.im HcmshoUr eiae dedeMame Rolle spieLen.

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