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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-03-13 · 11 (13.3.1925) · page 10

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
11 (13.3.1925)
Date
1925-03-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Am sx»kM<isten aber itlmmf sich -er A -as s -en anti1«m4tismuS' 's- Waffe der streitbaren Kirche Christi aus. Es ist eine in der Zeitgeschichte ganz vereinzelt dastehende Erscheinung, daß der ierus einer Religion die natürlichen Quellen der Sittlichkeit .res Glaubensstifters bereitwilligst trüben hilft. In welche Sackgasse eine solche Politik führen mußte, erhellt ' hr deutlich aus der zweideutigen Taktik des Vatikans, der tzt auf der einen Seite die jüdische Assimilation in allen LLn- -rn. wo die Kirche Einfluß hat, bekämpft, auf der andern Seite lier auch der Konstituierung der Juden zu einem eigenen Volk, üe sie der Zionismus in Palästina versucht, alle erdenklichen nndernisse in den Weg legt. Man müßte sich also verwundert cagen. was die katholische Kirche eigentlich von den Juden will, üirde man ihr Dogma nicht kennen; das die Juden zu ewig echt- und heimatlosem Herumirren auf der Erde in Schmach und -chande verurteilt. Diesem Dogma hat die Kirche im Laufe der .ahrhunderte wiederholt blühende Saaten und Kulturen beenkenlos geopfert, um nur die Juden nirgends zur Ruhe körnten zu lassen. Diesem Dogma zuliebe drückt sie. die durch ihre Missionare sogar Kannibalen zu vollwertigen Christen macht, den luden den Stempel ewiger Rasseninferiorität auf. Zum (glück ämmert gerade den Besten ihrer Diener, wie z. B. dem gewesen österreichischen Bundeskanzler. Prälaten Dr. Seipel, die insittlichkeit dieses Spiels auf. Wahrscheinlich auch seine Geihrlichkeit. Denn schon macht sich unter den Hakenkreuzlern ine Bewegung zur Abkehr von dem „jüdisch-verseuchten" Chrientum bemerkbar. Eine solche Wirkung kann aber den Inentionen einer christlichen Kirche doch nicht entsprechen und sie i 't doch nur die leßte logische Konsequenz der antisemitischen iassenverhetzung. In dieser Erkenntnis wird sich die katholiße Kirche vielleicht doch entschließen, das zitierte Iuden-Dogma Ulen zu affen, wie sie ja schon manches früher zäh^ feftgehalrne Dogma fallen ließ, z. B. das von der Bewegung der Sonne m die Erde, die ihrerseits nach der katholischen Bibelauslegung äll steht. Die Kirche Hai sich schon längst in die Erkenntnis geiigt: „Und sie bewegt sich doch!" Und so darf auch das Iudenum hoffen, daß es eines Tages beim Vatikan dieselbe Gnade .nden wird, wie die Hexen, die schon lange nicht mehr verbrannt werden, sondern sich in christlichen und völkischen Frauenvereien politisch ausleben dürfen, und wie der ehemals verfemte Scharfrichter, der sogar schon Ehrenfeuerwehr-Obmann werden arf. --• ■> ' ' “ *: S Dr. Hugo Spie gl er. Menschliches — Unmenschliches!!' Erlebnisse einer Rigaer Arztfrau während der russischen Revolution. Mm Ellinor Lipschütz. Herausgegeben von Ellen Andresen, (Schluß). Wir nahmen nun schleunigst eine andere Stelle auf der Brjanckischen Fabrik im Orlosffchen Gouvernement an. Hier arbeitet« Borja kaum drei Monate als er plötzlich benachrichtigt wurde, daß ihm Gefahr drohe. Wiederum mußten wir flüchten, und zwar nach Iekaterinoslaw. wo feine Geschwister und Mutter wohnten. In Iekaterinoslaw hatten wir kaum einen Monat sorglos ausgeruht. da brach ein neues Gewitter heran. In der Ukraine hatte Denikin ein kolossales Heer, hauptsächlich aus Kosaken bestehend, zusammengerafft und zog nun, unterstützt vom Ausland und Frankreich, gegen die Roten aus. Sie gingen mit der Losung „Schlaget die Juden, rettet Rußland!" Als Sieger nahmen sie eine Stadt nach der anderen und mit ihnen wälzte sich die blutige Welle der Judenpogrome immer näher und näher heran. Es war im Juli 1919. Die Gerüchte von den Iudenmetzeleien erfüllte alles mit Schrecken. In der ganzen Ukraine hatten sich unterdemselben Losungswort Bandenorganisiert: die Anführer wären: Machnow. Grigorjew, Struk und andere. Don einem Bekannten aus Elisawetgrad. der halb wahnsinnig zu uns gekommen war, hörten wir von den dortigen erschütternden Iudenschlüchtereien. Es waren in dieser Stadt 4500 Juden ausgemordet. Ganze Keller voll Juden gefüllt, wurden durch Bomben gesprengt. Auf die Flüchtenden in den Wäldern war eine regelrechte Jagd organisiert, der Wald war voll 1 Leichen, auf Bäumen tote Menschenkörper hängend. Bon den Uebriggebliabenen war der größte Teil wahnsinnig geworden. Die Krankenhäuser waren voll geschändeter, verblutender Frauen. Und der Führer dieser Pogrome, Grigorjew. ging auch auf unsere Stadt los. Wir zitterten fchreckerfüllt. Schon bombardierten -ie Banden die Stadt und wir glaubten uns alle rettungslos verloren. —* Da raffte sich die Jugend auf, mit Begeisterung ging sie in die Rote Armee, um gegen die Banditen 'zu kämpfen, und zwar auf offenem Felde mit den Waffen in der Hand, anstatt sich wie Schafe ausschlachten zu lassen. In unser Haus hatte ein Geschoß eingeschlagen; wir wohnten im 3. Stock und es war nicht mehr sicher genug, oben zu bleiben. Wir flüchteten daher in die unteren Wohnungen und harrten unseres Schicksals. Allmählich wurde das Kanonengetöse stiller und endlich erfuhren wir, daß die Banditen von der Stadt zurückgeschlagen waren. Unsere Freude war aber nicht von langer Dauer. Kaum ein paar Wochen waren vergangen, als Denikins Armee trotz harter Verteidigung siegreich in unsere Stadt .einzog. Sie bestand ausschließlich aus Kosaken vom Kuban- und Tergebiete. lauter Räuber unter der Leitung des berühmi ten Feldherrn Schkoro. Die Bourgeoisie hatte diese weiße Armee wie ihre Retter erwartet, denn die Bolschewiki wüteten mit ihren Regimentern wie die Wahnsinnigen» Es war der rote. Terror angekündigt. Menschen wurden ohne Urteil und Schuld wie die Fliegen totgeschossen, der Kontrerevolution angeklagt. Greise und Kranke schleppten sie zu Arbeiten in den Berschanzungen der Stadt. — Mancher ist dort liegen geblieben. Alles, was nicht in Reichtum und Ansehen stand, wurde verdächtigt und verfolgt. Was Wunder, daß alles unter diesem Terror stöhnte und die Denikischen Kosaken als Befreier mit Blumen überschüttete und sie mit Salz und Brot empfing. Später erst erwies es sich, daß der Terror gerade unter Leitung Denikischer Spione vollsührt worden war, die sich als Revolutionäre eingeschlichen hatten. Kurz, es war ein festliches Bild, der Einzug dieser Retter» der Kosaken, und die Einwohnerschaft ohne Unterschied der Nation und Stände war auf die Straßen geströmt, um sie zu begrüßen! Aber schon am nächsten Morgen war die Stimmung durch die Nachricht gedrückt, daß 5 Menschen auf den Bäumen der Boulevards vor den Augen des sämtlichen spazierenden Publikums erhängt worden waren. Es hieß zwar, es feien nur Bolschewiki erhängt, aber die Grausamkeit der öffentlich vollführten Missetat erfüllte alle mit bösen Vorahnungen. — Die Kosaken sollten bald alle Erwartungen übertreffen. Am nächsten Tage wurden die ersten bescheidenen Versuche zu rauben gemacht. Man plünderte nur Geschäfte, vorwiegend südische. Dann ging man allmählich auf die sämtliche jüdische Bevölkerung über. Schon durfte sich kein Jude mehr auf die Straße herauswagen, er wurde ausgeplündert, die Kleider herabgerissen und verhöhnt. Offiziere gaben den Zeitungsjungen Geld, damit sie in den Straßen ausschrieen: „Schlaget die Juden und rettet Rußland!" Ebenso trieben sie alte Juden mit der Peitsche vor sich her und zwangen sie. dasselbe zu schreien.' Dann begann ein regelrechtes Pogrom. Kosaken drangen in die jüdischen Häuser ein und nahmen mit. was ihnen gefiel. Sie fuhren mit Wagen und Automobilen vor und Läden, ja ganze Wohnungen wurden bis aufs letzte Stück ausgeraubt. Wer es wagte, zu widersprechen. wurde niedergemetzelt, die Frauen geschändet. Die Proteste der jüdischen Bevölkerung führten zu nichts, weil niemand wagte, den Räubern-entgegenzutreten. Wir mußten es einsehen, daß wir der zügellosen Raubsucht der Kosakenbanden preisgegeben waren. In der ersten Zeit hatten wir noch gehofft, die offiziellen Mächte würden eingreifen. um uns zu schützen, weil an allen Straßenecken Plakate angebracht waren. „Das Rauben ist verboten." Das erwies sich aber nur alles als Heuchelei und mit dem Bewußtsein, für vogelfrei orklärt zu sein, wuchs bei uns Juden die Angst und Panik. Die ersten Versuche der Selbstwehr hatten traurige Erfolge gehabt. Unserem Hause gegenüber war ein kleines, jüdisches Büdchen. Einige Kosaken hatten \ mit ihren Pferden davor Halt gemacht und begannen den Laden '!> auszurauben. Im Hofe gegenüber waren einige Juden, die sich ' zur Selbstwehr bewaffnet hatten. Sie schossen, um die Kosaken zu verscheuchen. Diese ober stürzten sofort nach dem Hof und drohten, alle niederzuschießen, wenn man ihnen nicht den Schuldigen aushandigte. Da trat aus der Mitte der Leute ein Mann heraus und lieferte sich der rohen Kosakenbande aus. Wir kannten ihn alle. Es war unser Nachbar, ein armer Handwerker. der zu Hause Frau und 5 Kinderchen hatte und schon in mittleren Jahren war. Die Kosaken ergriffen ihn und schleppten ihn davon. Ich sah das alles von meinem Fenster aus und meine Aufregung war grenzenlos. Nach einigen Minuten schon ertönte ein Schuß. Sie hatten ihn an, der nächsten Straßenecke niedergeschossen! Bald genug hatten wir eingesehen, daß auch diese dürftige Selbstwehr gegenüber der grausamen Kosakenhorde nutzlos sei. Eine Woche nach der anderen verstrich. Wir Juden trauten uns nicht auf die Straße hinaus, denn immer schrecklicher und zynischer wurde die Grausamkeit der Kosaken. Am Tage war es noch erträglich, wir schlossen Türen und Tore ab und nur selten brachen sie tagsüber ein. Kaum aber nahte die Nacht heran, nahten auch unsere Folterqualen. Die Erfahrung hatte gelehrt, i daß es gefährlicher war, ihnen in der Wohnung einzeln gegenüberzustehen. Deshalb rafften wir uns in den Augenblicken der , Gefahr aus allen Wohnungen in den Höfen zusammen. Die i Nächte hindurch wachten kleinere Gruppen von Einwohnern im Hofe. Die benachbarten Höfe wurden miteinander verbunden, . indem man an irgendeiner Stelle die Zäune durchbrach. Wenn < Gefahr nahte, konnte man schnell signalisieren und alle Einwohner der Häuser benachrichtigen. Wir Juden fühlten uns damals wie eine durch Leiden eng zusammengeschmiedete Fai milie. Kaum brach die Nacht heran, machten wir uns alle zur . eventuellen Flucht bereit. Die Kinder wurden angekleidet und : wir Erwachsenen besorgten alles, was wir im letzten Augenblick I mit uns zu nehmen halten. Dann schlich man sich an die Fenster und lauschte in die Stille der Nacht hinaus. Hie und da - hörte man das Lallen betrunkener Kosaken. Dann plötzlich durch- > brachen Schüsse die Stille, man hörte, wie heftig an Türen und i Läden gerüttelt und eingebrochen wurde. Und dann ertönten l auch schon aus hunderten Kehlen Geschrei und Wehklagen: Räui der, Mörder» man schlägt, man tötet uns! Und nun kam das i Furchtbare. Bon Entsetzen ergriffen schrien erst die Einwohner . der benachbarten Häuser und dann schrien ganze Straßen, ja. zui letzt ganze Stadtteile. Es ivar etwas Tierisches in diesem Brül- : len und Schreien. Der Schreck schien den Unglücklichen den - Verstand zu paralysieren und es blieb nur der Instinkt und - Selbsterhaltungstrieb zurück. Als ich zum ersten Mal dieses - tausendstimmige Schreien hörte, war ich wie gelähmt. Als t hätten alle diese vielen Menschen sich auf einmal verabredet, ihren , furchtbaren Jammer herauszuschreien. Du, die dieses nicht mit- - gemacht, kannst Dir nicht das Entsetzliche, was einem das Blut e gerinnen läßt, vorstellen. Wie eine ungeheure Flut steigt dieser t wahnsinnige Schrei in die Nacht hinaus. Mag sein, daß es nur Massen!nstinkt ist, wie'ich selber später an mir erfuhr. Es wa, an einem Tage, als besonders viele Kosaken an unserer Pforte gerüttelt hatten und wir sie nicht hereinließen. Ergrimmt über diesen Widerstand, schwuren sie, in der Nacht wiederzukommei,. Wir waren nun in Heller Angst. Bald danach rüttelte wieder einer unaufhörlich an der Pforte und wir warteten vergeblich, daß es ihm überdrüssig werde und er fortgehe. Dabei rief er immerzu etwas, was wir anfangs nicht verstanden, dann aber hörte jemand, daß er den Namen Grünberg nannte. Grünberg war ein Einwohner unseres Hauses. Nun wagte sich jemand an die Tür, um zu erfahren, ivas der Kosak wollte. Wie groß aber war unser Erstaunen, als er eilig das Tor aufschloß und der Kosak hoch zu Roß in unfern Hof hineinritt. Neugierig wagte sich auch Grünberg heran. Der Kosak stieg vom Pferd, eilte auf ihn zu und umarmte ihn herzlich. Nun erfuhren wir. daß der Gefürchtete ein Verwandter von Grünberg und Jude war. Er war als Musikant im Regimentsorchester angestellt. Außer uns vor Freude umringten wir alle unseren jüdischen Kosaken. Es gab Ausfragen und Erzählen ohne Ende. Jeder wollte ihn sehen und ihm die Hand drücken. Zuletzt mußte er uns fest versprechen, abends'wiederzukommen, um uns vor den Kosakenbanden zu schützen. Mit Bangen erwarteten wir den Abend. Schon saßen wir angekleidet am Fenster und lauschten in die Dunkelheit hinaus. Es war ungefähr 12 Uhr nachts, da sprengten plötzlich 8—10 Kosaken heran. Wir hörten noch, wie einer auf unsere Pforte hinwies. Dann sprangen sie rasch von ihrem Pferd, banden sie an. stellten sich um das eiserne Gitter und begannen daran zu rütteln. Mit pochenden Herren standen wir am Fenster und lauschten. Immer heftiger wurde das Rütteln. All die Unsrigen hatten schon ergriffen, was sie mitnehmen wollten. Nur Tanja und ich warteten noch atemlos, ob dos Gitter aushalten würde. Da kam Borja und schalt, worum wir zurückgeblieben seien. Alle wären schon längst im Hofe versammelt. Ich lief noch ans Telephon, um den Kominandanten um Hilfe anzurufen. Die Telephonistin entsagte aber, mich zu verbinden, da von allen Seiten um Hilfe geläutet und gejammert würde, daß man plündere und morde. So stürzte ich auch auf den Hof hinaus. Da. da ertönte ein Schuß, und, von entsetzlichem Grauen ergriffen, begannen wir alle aus Leibeskräften zu schreien. Ich wußte nicht wie und was. mir war. die Kosaken wären schon eingebrochen und ich schrie mit allen, wie ein wildes. gehetztes Tier. Mit uns schrien die Menschen auf den benachbarten Höfen, die Straßen waren nach und nach erfüllt von entsetzlichem Geschrei. Zu unserem Erstaunen aber ivar niemand eingebrochen, es war ganz still geworden und keiner schien mehr 1>a zu sein. Nach einiger Zeit erst hörten wir wieder an der Pforte rufen und wie glücklich ivaren wir. als wir die Stimme unseres jüdischen Kosaken erkannten. Unsere plötzliche, unfaßbare Rettung batten wir ihm zu verdanken. Er war um die Ecke der Straße gekommen und hatte die Bande schon an der Türe rütteln hären. Da griff er zur List, ging langsam zurück und stürzte dann, einen Schuß abfeuernd, mit' dem Ruf wieder hervor: Patrouillen vorwärts! Die Kosaken dachten, daß größere Militärteile gegen sie zögen, setzten sich auf die Pferde und sprengten eiligst davon. „ So verbrachten mir in ewigem Schrecken 5 traurige Wochen. Sämtliche Bekannte waren ausgeplündert, die Freundin meiner Schwägerin, eine Studentin, ein blühendes Kind von seltener Schönheit, mar von den Kosaken niedergemacht. Sie pflegte gerade ihren typhuskranken Bruder, als Kosaken in die Wohnung drangen, das schöne Mädchen sahen und es ergreifen wollten. Die Unglückliche stürzte in den Hof hinaus, um sich zu retten. Die Räuber aber schossen ihr nach und verwundeten sie mehrmals im Leibe, bis sie zusammenstürzte und verschied. Die Zahl der geschändeten Frauen war zahllos. Diejenigen, die geflüchtet waren, hatte ein trauriges Schicksal ereilt. Auf der nächsten Bahnstation Sinelnikowo waren sie aus dem Zuge herausgezerrt und niedergemetzelt worden. Wir waren dem Wahn-! sinn nahe. Am Abend vorher hatte man gerade das Haus unseres Nacl)barn demoliert. Die Einwohner waren alle auf unseren Hof geflüchtet. Das Geschrei der Armen war herz.wr) reißend. Ein kleines, dreijähriges Kind, was neben mir auf dem Schoß der Mutter kauerte, schrie auch aus Leibeskräften. Schließlich. unfähig weiter zu schreien, bat es: „Ich kann nicht mehr schreien, Maminka, ich Hab keine Kraft mehr." Es schien, als ob dieser kleine Engel unsere große, qualvolle Tragödie begriffen hätte. Die ganze Nacht warteten wir, daß an uns die Reihe käme. Doch die Kosaken hatten keine Eile. Draußen waren sie mit Lastwagen vorgefahren und luden in aller Gemütsruhe auf, was ihnen gerade gefiel. Sie hatten sich sogar Tee und Wein kredenzt und weideten sich an unserer Herzensangst. Am anderen Tage beschlossen wir. nicht mehr zu zögern, umsomehr, da sich eine günstige Gelegenheit bot. im Frachtwagen eines Bekannten zu fliehen. Wir luden alles auf und unter steter Gefahr. unterwegs niedergemetzelt zu werden, verließen wir die Stadt und fuhren in fieberhafter Eile nach Rostow. Hier wurde Borja als Arzt in die Armee cinbcrufen und nun begann eine neue, schwere Zeit von Leiden für uns, die verknüpft ist mit dem Vordringen der Roten Armee. Jetzt sind wir schon lange in Sicherheit und meine Zeilen ans Dich schreibe ich in Riga, wo wir schon seit einigen Wochen nJol)*j neu. — In nächster Zeit werden wir unsere Reise nach Berlin! antreten. da Borja vom lettischen Ministerium beauftragt wurde, Material für soziale Hygiene zu sammeln. — Dort können wir vielleicht ein Wiedersehen mit Dir ermöglichen. — Herzlich küßt! Dich . . ' Derne Drchliebende Schwester - Riga, den 22. 11. 1921. Ellinor. veranlaßt Eure Bekannten zum Beitritt! . (Hier abtrennen und ausgesüllt im Briefumschlag einscnden.) . (Srsahexemplar für die zerschnittene Zeitung wird auf Wunsch kostenlos geliefert) An die Vereinigung für das liberale Judentum/ Berlin W 8, Mauerstraße 22 Ich erkläre meinen Beitritt zur Vereinigung für das liberale Judentum .'und erbitte regelmäßige Zusendung der wöchentlich erscheinenden Jüdisch, liberalen Zeitung. MiigliedSbeitrag von Mk. 2,50 vierteljährlich sende ich anbei folgt auf Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum, Berlin, NW 7, Nr. 137069 bitte ich durch Nachnahme einzuziehen. (Nichtgewünschtes bitte durchzustreichen.) Name:...-.....- Wohnung:-» :.........—--.«.— -- An die Jüdisch-liberale Zeitung Berlin W 8, Mauerstraße 22 Ich abonniere hierdurch die Jüdisch-liberale Zeitung vorläufig für ein Vierteljahr. Bei Nichtabbestellung verlängert sich das Abonnement jeweils um ein weiteres Vierteljahr. Abonnementsbeitrag von Mk. 2/50 vierteljährlich sende ich anbei folgt aus Postscheck-Konto der Vereinigung für das liberale Judentum, Berlin NW 7, Nr. 137069 bitte ich durch Nachnahme einzuziehen. (Nichtgewünschtes bitte durchzustreichen.) Name:. Wohnung:

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