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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-03-13 · 11 (13.3.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
11 (13.3.1925)
Date
1925-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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leibst um Len Preis des Kebens aus der erstickenden Enge des Kerkers zu entfliehen. Aber wie? Aeberall lst die Wette verwehrt, überall ist die Welt versperrt. * * * Nichts ist leiser als die Wahrheit. Plump tappst selbst das Morgenrot in den Tag gegen die geheime und verschwiegene Negung des Wahren in einem Menschen dieser Erde. Tief unter der Stelle, wo alles Geheime zu menschlichen Morten gerinnt, ist die Stelle, wo man das Wahre zu schauen vermag. Es ist wortelos. Morte sind immer Schleier und Verführung. Wie aber soll ein Mensch dieses Mahre in sein Bewußtsein einführen, da er doch ohne die Worte nicht den Zusammenhang gewinnt, an den ihn Iahrhunderttausende gewöhnten? Er muß aufhören, das Mahre zu wollen und muß sein ganzes Sein in die Erwartung des Mahren auflösen. Er muß die lächerliche Spielerei der „Beweise" verlernen und muß ganz einfach in das große Sein eingehen, das um ihn ist und in dem er ist, mit seinem Sein, nicht mit seinem Bewußtsein. Das ganze Sein ist in ihm, wie es Bewußtsein werde; ohne den armen Schädel zu zersprengen, das ist ein Geheimnis, jenseits der Morte und so hat auch die geheime Lehre von den Quellen der Weisheit jenseits der Morte keine Stöcke und Krücken der gewöhnlichen Art. Sie kann sich nicht verteidigen in der gewöhnlichen Advokatenmanier. die heute in Westasten allein geachtet wird. Aber sie ist eine ungeheure Tatsache, ja -er Inbegriff aller möglichen Tatsachen und ihre Erfahrung steht jedem offen, der bereit ist. Es gehört hierzu keine technische Manipulation, keine pathologische Verfassung, kein Augenverdrehen und noch weniger ein Wunder von außen. Es ist der Weg, auf den der Mensch von selbst gleitet, wenn er sich überlassen bliebe und wenn er gewissen historischen Grundsuggestionen entrissen würde. Es gab Zeiten, wo es viel leichter war, diesen Weg zu gehen und es gibt Länder, wo die Atmosphäre dafür günstiger ist. Aber auch bei uns in Westasien ist das heute und morgen möglich und man soll nur bereit sein und den ersten Schritt tun. Man wird dann sehen und in eine ganz neue Grundeinstellung zu den Dingen gelangen, von der die letzte Besinnung lehrt, daß sie unendlich natürlich und schöpferisch ist. Allerdings: die Wahrheit haßt die menschlichen Worte und sie liebt sie zugleich, es ist wie immer zwischen den Liebenden, sie wünschen die Vermählung und scheuen sich, sich selbst aufzugeben. Charles Voudouin hat in seinem wundervollen Buche „Suggestion und Autosuggestion", das jetzt im SybllleN'Vertag zu Dresden auch deutsch erschien, einen Eckstein für das neue psychologische Denken geliefert und nicht nur das, er hat eine neue, eigß-ttümttcheck Fundamentierung unseres Werteseßens ermöglicht, die unseren besten und letzten Erkenntnissen gemäß ist. — „Alles ist Einbildung . Dieses Paradoxon ist nicht so ungeheuerlich, als es scheint. Wenn die neue Psychologie recht hat, ist es die Einbildung, eine eigentümliche Form der Ideenverrvirklichung, die die Gebilde aus den Tiefen jenseits der Erscheimmgswelt herauf entfaltet. Es ist die alte, uralte Lehre, die die Mett sich senkt, als aus dem Odem Gottes, der zu dem Nebel der Erscheinungen wurde, welche hier durch neue und, wie uns scheint, sehr eindringliche psychologische Tiefenanalyse bekräftigt und für unsere westasiatischen Denkschablonen bequem gemacht wird. Einige geniale Pioniere arbeiten mit Hingebung und tiefer Gründlichkeit daran, diese Vorgänge auf der materiellen Ebene experimentell darzusiellen. Die lächerlichen Angriffe, die ihnen dabei seitens zahlreicher viereckiger Köpfe zuteil werden, stellen die geniale Selbständigkeit ihrer Arbeit nur in ein um so helleres Licht. Es würde den verfügbaren Naum weit über jede Möglichkeit hinaus in Anspruch nehmen, wenn auch nur die wichtigsten Leistungen dieser Forscher kurz genannt werden sollten. Es ist eine wachsende Schar von wissenschaftlichen Flluwinaien, die ihren Forschererrisi, ihre zögernde Kritik, ihre intuitiven Methoden der Anpassung an die neuartige Materie in den Dienst einer werdenden Weltanschauung stellen, die alles andere, als wirklichkeitsfremd und verworren ist und die sich schließlich im Laufe der wetteren Entwicklung des menschlichen Geistes durch die historischen Denk- und Ersahrungselemerne hindurch zu dem Wein aller Weine abklären wird, dem man den erhabenen Namen einer NeUgion der befreiten Geister wird nicht versagen können. Aber versagen wir es uns, diesem verführerischen geistigen Panorama allzu schnell zu verfallen. Seien wir vorsichtig und langsam, die Wahrheit ist nicht nur leise, sie liebt auch die Geduld. Folgen wir den tapferen Menschen, die, wie Dr. Schrenck-Nvtzing, sich in den Wirbel der Meinungen mit Huttenmut stellen und dem Geifer der Borniertheit, den Stacheln der allzu spitzigen Kritiksucht nichts weiter entgegenhalten, als ein Füllhorn revolutionärer Tatsachen, die als solche anzuzweifeln, heute einfach nur noch töricht ist. Wer daran zweifelt, sollte sich in das fundamentale Buch von Professor T. K. Oesterreich „Der Okkultismus im modernen Weltbild" vertiefen, das gleichfalls im Sybillenverlag erschien. In diesem Handbuch ist eine wohl vollständige Darstellung der bisherigen Geschichte des Medmmismus, soweit er im Nahmen wissenschaftlicher Kontrolle verlief, gegeben. Wir lernen hier die bekannten großen Medien in ihren subtilen Leistungen kennen, wir erfahren, welche Mittel man angewendet hat, um Betrug und Täuschung auszuschließen, und wir lernen die Meinungen der hervorragenden Gelehrten über den Gegenstand kennen, die sich ihm zum Teil lebenslänglich widmeten. In diesem Zusammenhänge sind die Erscheinungen des Mediumismus wichtig als augenfällige Beweisstücke für die Lehre von der Suggestion. Es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß bei alten medialen Kundgebungen die Einbildung ihre formende Kraft entfaltet, daß hier eine Jdeenverwirktichung stattfindet, die in ganz nüchterner Meise ein Studium der geheimsten Schöpfungsmethoden im Universum gestattet. Zum Ableben von Max Bernstein. Don Dr. Ludwi g David sohn, Berlin. Der Tod hält in letzter Zeit unter den geistig überragenden Juden, die ihrem Vaterlande und dem Judentum Ehre und Zier «sind, reichliche Ernte. Vor kurzem starb Hermann H e i j e r m a n s, der bedeutende holländische Schriftsteller, vor einigen Wochen -csing der weltberühmte Augenarzt 'und Gelehrte Julius Hirschberg von uns, und nun kommt aus München die Nachricht, daß der ausgezeichnete Anwalt und liebenswürdige «Schriftsteller Max Bernstein nach kurzem, schwerem Leiden im einundsiebzigsten Lebensjahr gestorben ist. Aber auch hier mischt sich in die aufrichtige Trauer die Genugtuung und oer Stolz darüber, daß ein so.reiches Leben zu Ende gegangen ist, ein Leben, das im höchsten Sinne des Wortes köstlich gewesen ist, und das angefüllt war mit Erfolgen und fruchtbringendem Wirken für die Allgemeinheit. Der erste Satz des Hamletschen Nachrufes: „Er war ein Mann!" faßt nur den kleinsten Wesenskeil dieses seltenen Menschen, aber der zweite Satz: „Wir werden nimmer seinesgleichen sehn!" dürfte eher stimmen! — Max Bernstein war einer der populärsten Juristen und Verteidiger Deutschlands, dessen Ruf weit über die Grenzen seines Vaterlandes reichte. Er war zugleich ein ungewöhnlich begabter Bühnenautor und Schriftsteller, der mit seiner Kunst unzähligen Menschen frohe und genußreiche Stunden bereitete. Er war ferner einer der sympathischsten Journalisten und Kritiker, der mit gefestetem Charakter seinen Beruf fast wie ein Priesteramt versah, und er war schließlich ein glühender deutscher Patriot und überzeugungstreuer Jude. Die Anwaltspraris übte Bernstein seit 1880 in München aus, und er zählte die ersten bayerischen Kreise zu seiner Klientel, deren Angelegenheiten er mit Gewissenhaftigkeit und selbstloser Hingabe führte. Wo er helfen und Jemandes Ehre retten konnte, wo er für einen Bedrücktem oder Bedrohten eintreten konnte, — winkten auch keine Honorare! — da gab es für ihn nur nimmermüde altruistische Arbeit unter völligem Nicht* beachten eigener Interessen. Als Verteidiger in Strafsachen hat er sich einen dauernden Ehrenplatz in der deutschen Nechtsgeschichte erworben. Mit M unkel, Sello, Fried mann zusammen zählte er zu den glänzendsten forensischen Fechtern, die wir hatten. Bekannt ist seine Tätigkeit im Eulenburg-Harden-Prozeß geworden, wo sein vielleicht etwas zu temperamentvolles Auftreten seinem Klienten, dem es wohl mehr um Sensation als um das Allgemeinwohl zu tun war, außerordentlich nützte. Man lese die Darstellung dieser bewundernswert geschickten Verteidigung im dritten Bande von Hardens „Köpfen nach. In vielen aufsehenerregenden Prozeßverfahren, in unzähligen Streitigkeiten, bei denen es sich um künstlerische und literarische Dinge handelte, hat er unter der gespannten Aufmerksamkeit einer großen Gemeinde, die Sache, für die er sich einsetzte, zum Siege geführt. Auch in dem geheimnisvollen und ungeklärten Hau-Molitor-Prozeß spielte er als Verteidiger eine hervorragende Rolle. Noch vor kurzem vertrat er das bedrohte Recht im Prozeß Fechenbach, und wenn er auch in diesem Falle nicht verhindern konnte, daß leider ein Schuldloser auf mehrere Jahre ins Zuchthaus mußte, so ist es doch hauptsächlich seinem Wirken zuguschreiben, daß der Bedauernswerte jetzt endlich ln Freiheit gesetzt wurde. Seine ungewöhnliche Begabung, seine scharfe Klinge und blendende Dialektik, die doch nie bösartig oder persönlich verletzend wurde, stellte Bernstein jedoch nur in dm Dienst von Persönlichkeiten und Angelegenheiten, die er als g e r e ch t und einwandfrei, die er seiner menschlichen Teilnahme würdig erachtete. Mit Personen und Dingen, auf die das Wort: „Kriminell ist's nicht zu fassen, Doch morallisch ist es nicht!" paßte, wollte er nie etwas zu tun haben, — und wenn noch so hohe Honorare in Aussicht gestellt wurden! Für die Vertretung von zweifelhaften Spekulanten, von unsauberen Geschäften und schieberischen Manipulationen war Bernstein nie zu haben! — Da er seine Dienste nur zu häufig in uneigennützigster Weise der mittellosen und bedrohten Unschuld widmete, kam es, daß der anspruchslose, unermüdlich arbeitende Mann noch als Siebziger in solche Dürftigkeit geriet, daß einige Freunde sich zusammentun mußten, um ihm über die Not der Deflationszeit hinwegzuhelfen. Man mußte dies aber ängstlich vor ihm geheimhalten, sonst hätte er in seinem berechtigtem Stolze die Hilfe anderer abgelehnl. „Dieser Mann war der Inbegriff deutscher Treue und Uneigennühigkeitl" sagte Gerhart Hauptmann in seiner Gedenkrede an der Bahre des Theaterdirektors Otto Brahm (Abraham), der, ebenfalls nur idealen Bestrebungen zugewandt, ganz arm starb. Auch auf Bernstein passen diese Worte. Dem Schriftsteller und Bühnenautor Bernstein mag der Anwaltsberuf manche Anregung gegeben haben. Der schlagfertige Witz des Verteidigers, die dialektische Gewandtheit des Juristen, der tiefe Blick in manches menschliche Eiend und verwickelte, seltsame Schicksale mögen dem Dichter zustatten gekommen sein. Häufig tauchen soziialethische Fragen in seinen Stücken auf, wie in dem 1905 erschienenen Schauspiel „Herrenrechi" (Reklam), das Eheprobleme mit funkelndem Geist behandelt und die Banalität der äußeren Handlung durch kluge Aphoristik erträglich macht. Recht wirkungsvoll sind die fünf Einakter, die unter dem Titel „Der goldene Schlüssel" 1907 erschienen und die durch die Virtuosenkunst von Joseph Kainz seinerzeit zu einem weitreichenden Erfolg geführt wurden. Einige dieser kleinen Merke behandeln zwar auch herkömmliche Ehezwiste, aber doch in einer ganz neuen und geistreichen Art. Einer von den Einaktern hat Lauernden Wert: die Landrichtersatire „Di e grüne Schnur" ist ein glänzend gelungener Versuch, den Auswüchsen der Rechtspflege mit vernichtendem Spott entgegenzutreten. „Ein Ende" ist eine geschickt aufgebaute, f-ein-nüancierte Salontragö-die, „Erste Stativ n" ein ausgezeichnetes Miniaturdrama voll Stimmung und meisterlicher Psychologie. Nicht so groß ist der literarische Wert des recht bühnenwirksamen Lustspiels „Herthas Hochzeit", das 1907 mit lautem Erfolg in vielen deutschen Städten gespielt wurde; die humorvolle Schilderung des sich frauenrechtlerisch betätigenden Mägdleins, das kühn gegen die Institution der Ehe wettert, und doch zuletzt unter die Haube kommt, ist nichts besonderes: allein in diesem Stück zeigt sich das gute Judentum des Verfassers in unvergMcher Weise. Die jüdische Prachtgestalt der Komödie, der „gute Onkel" und väterliche Freund Rosenthal ift eine gewinnende, durchaus nicht schönfärberische Glorifizierung des echten jüdischen Familien - Aber auch aus die Bildung der sittlichen Werte hall das Gesetz der Einbildungskraft entscheidenden Einstich! wie es schon angedeutet wurde. So wle vielleicht kein Wille in dem herkömmlichen Wortsinne die Welt gd formt, sondern die Einbildungskraft, dieses wnndervvlic! und doch einfache „Es werde Licht" dem schassenden! Geiste zur Verfügung stand, so scheint auch unseren! tiefsten Geistern nur ein gewachsener Boden von Eln-I gedungen zur Verfügung zu stehen, die mit dem Wahrhettsgehalte der Ideen in dem herkömmlichen absckd tistischen Sinne nichts zu tun haben. Der Menstj, empfängt diese Werte in seiner tiefsten Versenkung, wobei man kehre besondere Gnade suchen muß, sonderni einfach die Kraft der Tiefenschau, die aber auch gar/ relativ ist. Cs muß genügen, sich der Ideen in einer! Sphäre zu bemächtigen, wo sie eine gewisse Durchs:ch i ch. keit erlangten. Dieser Prozeß mag immer fortschreilem und es ist nicht einzusehen, wo die Versenkung enden soll und wo die Findungen aus dieser Versenkung ihre Grenze haben sollen. Jedenfalls wird der magisch Mensch aus diesen! Wege zum Werte findenden uni zum Werte setzenden, zu dem, der die Werte aus sich! herausseht und sie in den historischen Zusammenhang des Denkens bringt. Aehnlich wie im Gtaale Platons! wäre dieser magische Mensch demnach ganz natürlich! berufen, ein Gesetzgeber zu sein, ein Zielsetzer, ein Köui in ethischen Dingen. Wir sehen hier unwillkürlich svsoe, auf die große Erscheinung von Moses, der ganz in i>iesem Sinne ein magischer Mensch war, ein Arbiid bic'ld großen Menschenform für die Jahrtausende, die er zu> überschatten vermochte. Die äußeren Formen, die fc-hn Erleichterung dabei annahm, stehen diesem innere!; Hergang durchaus nicht im Wege, es mutz alles unde-I griffliche eine menschliche Haut haben. Es erhebt sich nun die schicksalhafte Frage, wie wi: heute aus den verfügbaren Tiefenerkenntnissen das Bild des „Neuen Menschen" komponieren könne,:. Man wird sich dabei vorerst nicht an einzelne Züge allzrs liebevoll heften können, sondern die großen Linien verfolgen müssen, die organischen Wachstumslinien, die! wie ein Skelett den zukünftigen blühenden Bau tragen sollen. Alle organische Entwicklung, also die Entwicklung alles Lebendigen geht aus einem Punkte hervor,! aus dem sie sich stufenweise entfaltet. Dieser Punkt i'i nicht das menschliche Ei, sondern die menschliche Monade, wenn anders unsere Ileberlegungen über den Gang des Werdens der Erscheinungen anerkannt bleiben sollen. Diese Monade ist ein geistiger Keim, dessens Artendenz offenbar aus unendliche Erfüllung mit Bewußtsein ausgeht. Bewußtsein aber ist nur Lurch Vec-, änderung und Kontrast. So mußte die Monade sich in die Welt der raschen Veränderung einsenken uni) die Tendenz haben, ja eine Begierde nach immer rasche-l ren Veränderungen. Der Wille zum Bewußtsein ist die Wurzel aller Organisationen. Diesem Willen sollte! der Mensch ununterbrochen dienen und sollte den biologischen Prozeß als ein Mittel zum Bewußtsein be-, greifen lernen. Alles, was Schlaf bringt, dräng! sinns und des jüdischen Herzens. Eine Menge ganz vortrefflicher! Witze machen bas amüsante Stück von der ersten bis zur ictzleii! Szene fesselnd. [ Sehr hübsch und gefällig ist die Komödie „Endlich alle! n"J eine kluge und scharmante Ver-spoltung moderner Ehemoral. Nicht! nur der zündende Witz und die Komik" der verschiedenen Chargen-' figuren machen das Werk so sympathisch, sondern es ist din kleines Meisterwerk berechnenden, bühnentechmschen Kunstgewerbes: iederj angehende Bühnenautor kann hier lernen, wie man eine Handlung spannend aufbaut und geschickt durchführt. Mit viel Witz und Geschicklichkeit ist auch die Gesellschaft^ satire „Der gute Vogel" (1912) geschrieben. In einer meinen! deutschen Stadt wird ein Lyzeum gegründet, und die Frage, vb! die Kenntnis von der wahren Natur des „guten Vogels", der! K l a p p e r st o r ch e s, in der Bildungsanstalt eine Rolle spielen! darf oder nicht, ist mit dezentem Humor und mit launigem Spott! gegen die Philister des Städtchens behandelt. Auch dieses Lust-f spiel ist außerordentlich bühnenwirksam, wenn auch ohne beben* lenden literarischen Wert.! Wo Bernstein mit anderen Lustspielautoren zusammenarbeilet.1 wird seine feine Art oft verwässert und vergröbert. In dem 19tt! mit Oskar B l u m e n t h a l zusammen geschriebenen Stück! „Die große Pause" und dem mit demselben Verfasser zu-I sammen gearbeiteten „M a t h i a s Gollinger" gibt es viel! tote Stellen und verstimmende Routine. Besser ist die Komödie! „Der goldene Spiegel", bei dem Ludwig Heller ab! Mitverfasser wirkte; es ist spaßig, feststellen zu können, wie öd der von Bern st e i n stammende Dialog des Stückes und Viel wenig neu die von Heller herrührende Handlung ist. I Die zahlreichen Stücke des jungen Bernstein sind alle 3'd mindest sehr belustigend und unterhaltsam; man lese nur eiimc>>! die hübschen dramatischen Scherze, die ln der Neklam-Bibliothckl erschienen sind. Seine Tragödien sind allerdings für den heutig^! Geschmack ungenießbar. Dagegen hatte auch die stilisierte Komödie! „M äd ch e nt ra u m" einst im Berliner Theater mit Josef Kciim! und Agnes Sorma än den Hauptrollen einen großen» lärmenden! Publikumserfolg. In seinem großen Volksschauspiel „Di e Mali! steckt zwar viel Talent und Menschenkenntnis, aber an die Stückei ähnlicher Gattung eines Thoma oder Schönherr reicht <1 nicht heran. I Auch kleine Erzählungen und Skizzen von feiner Charakter-I Zeichnung und geistvoll durchgeführten Problemen hat Bernstein! geschrieben. Die bei S. Fischer erschienenen Bände „Kleinei Geschichte n" und „Narrische Leu t'" nehmen eine Sondcol stellung än seinem reichen Schassen ein. Sie führen alle möglich^! deutschen Menschen aus verschiedenen Zeiten und Zonen vor, &!CI nur das eine gemeinsam haben, daß ähr Denken, Fühlen und« Handeln sehr ungewöhnlich ist. Vorzüglich sind wieder e'mi^I jüdische Typen gesehen. Es äst viel gereifte Menschenkenntzwl än den Erzählungen. Stil und Gegenstand stehen immer im Ei"-! klang; manche der Novellen sind geradezu als MeisterstückctB» neuerer deutscher Prosa zu werten. Ueberall kommt das warine«! mitfühlende Herz des Verfassers, das jedes Mewfchenleid un>>I -elend versteht, zum Vorschein. (I Jahrzehntelang war Bernstein der am meisten beachte-1 Theaterkritik er in München: was er als solcher geleWI hat, mögen di-r Worte eines als Antisemit verschrienen Literar-I Historikers charakterisieren, bei dem es von ihm heißt: „Bernsteins

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