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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-03-06 · 10 (6.3.1925) · page 2

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
10 (6.3.1925)
Date
1925-03-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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In der Tal, das Heine-Denkmal für Hamburg, von Hugo Lederer veineißeli, harrt immer noch der Aufstellung. Und das Denkmal, das die Kaiserin Elisabeth dem Dichter im Achilleion auf Korfu gewidmet hatte, hat Kaiser Wilhelm kl. an einen Hamburger Handels- Herrn verbaust: „kein geeignetes Motiv für einen Tempel," sagt er in seinem jüngsten Erinnerungsbuch. Und dach hat soaar Dnron im neunzehnten Jahrhundert kaum so tiefgehend gewirkt wie Heinrich Heine. „Man spürt seinen Einfluß überall." „Doch in noch höherem M.rs-je eis die Schreteenden hat er deren Publikum beeinflußt, ist er bei der Entstehung des seelischen und geistigen Lebens fast jeder entwickelten Persönlichkeit wirksam gewesen." „Unermeßlich ist sein Einfluß." Aber „der einengende Nationalismus ist im letzten Jahrhundert ständig gewachsen." „Man hat Heine," so schreibt Brandes, „in Deutschland s e i ne jüdische Geburt keinen Augenblick v e r g c) s e n. Sein Neligionswechsel hat ihm nicht den germesten Außen gebracht. Und jedes Aufblühen des Nalionalgefühl.s in Deutschland ist von einem steigenden Judenhaß begleitet. Aach dem Kriege gegen Napoleon trat 1819 eine umfassende Judenverfolgung ein: auf den Krieg 1870-71 trat Ende der siebziger Jahre der vom Hofprediger Stöcker propagierte „Äntisemit'snms": nach dem Kriege 1914-18 ist eine T c i h c politischer P e r s ö n l i ch k e i - t e n von <50113 oder halb j ü d i sch e r A b - st a m m u n g ermordet worden: Liebknecht (den die Hokenkreuzler als Iudenstämmling bezeichneien), Rosa Luxemburg, Kurt Eisner, Haase, Landauer, RatHenau, und es sind ununterbrochen Angriffe gegen Schriftsteller jüdischen Ursprungs wie Harden, Schnitzler und Wassermann erfolgt. Richts deutet darauf hin, daß der Weltkrieg mit dem einengenden Nationalismus ein Ende gemacht hat. Er lebt in den Massen, sogar in Rußland, wo doch einst bei den Gebildeten das Wellbürgerbewußtsein so verbreitet war, und wo Heine, der in Deutschland keine Statue hat bekommen können, nun Denkmäler genug erhalten könnte . . 3m übrigen sei es, führt Brandes weiter aus, klar wie der Tag, daß die Umwälzung ganze Reihen Palisaden niedergerissen hat, die Heinrich Heine vom deutschen Volk absperrten. Süine Spöttereien über die Könige von Preußen und Bayern werde man leichter verzeihen, und da auf den deutschen Theatern Wedekinds Stücke aufgeführt werden, werde man mit Heines lyrisch-erotischen Freiheiten Nachsicht üben können, die im Vergleich unschuldig wie Zuckerwasser erscheinen müssen. Auch seine Verehrung für Rapoleon, die er mit Wieland und Goethe teilte, werde man ihm nicht als Verbrechen anrechnen dürfen. „Sogar Bismarck hat einmal zur Verteidigung der Haltung Heines ge- Ideal - Zahnbrücke Die Zukunft des festsitzenden Zahnersatzes ist in schwierigsten Fällen leicht anwendbar, da kein Abschleifen, kein Nervtöten der gesunden Zähne nötig! Patentiert in Deutschland, Amerika usw. 12jährige Erfahrung! Total schmerzlos! Alleiniger Hersteller: A. Wiitenbecher u. F. Schreiber jetzt: Berlin W 35, Schöneberger Ufer 21 4. Haus von der Potsdamer Brücke. Telephon; Lützow 5404 genüber Napoleon angeführt, daß man nicht vergessen darf, welche Zwangsmaßnahmen gegen die Juden die Franzosen im Rheinland aogeschasft hatten." Brandes schildert Heines Entwicklungsgang. Vom Aufenthalt des jungen Studenten in Berlin, wo er im Hause Varnhagens und der Rahel verkehrte, heißt es: „Mit jugendlichem Eifer schloß er sich einem KreiS von Männern an, die eine Reform desIudent u m s erstrebten und dessen Bekennern die europäische Kultur bringen wollten. Mit nicht geringerer jugendlicher Erbitterung griff er in „Älmansor" unter dem fremden Kostüm die abtrünnigen Juden an, die die gemeinschaftliche Sache a u f g a b e n, und auf einem Umweg das Christentum, das ihm eine feindliche Macht war. Die Tragödie erschien 1823, wurde aufgeführt, fiel aber wegen des Rassenhasses gegen den Verfasser durch." 1825 erwarb Heine in Göttingen den Doktorgrad. „Gleich darauf ließ er sich Laufen," worüber Brandes sagt: „Er wechselte die Religion nicht aus Ueberzeugung von der Wahrheit des Christentums, im Gegenteil, mit einem starken Gefühl der Antipathie gegen dieses und mit Scham über den Schritt, den er vornahm: aber er wollte einen Versuch machen, sich der demütigenden und drückenden Abhängigkeit vom Onkel zu entziehen, und ohne diesen Schritt konnte er zu keinem Einkommen, keiner Lebensstellung und keinem Amte gelangen. Seine Stimmung aus jener Zeit findet man in dem Bruchstück „Der Rabbi von Baccharach", das im Schluß durch die Selbstichilderung, die der Dichter hier unter einer fremden Maske ausgeführt hat, dasSchamg e f ü h t darüber verrät, daß er formell zu einer Glaubensgemeinschaft übergetreten sei, die für ihn ein feindliches Lager bedeutete..." „Für Heinrich Heine war die Stimmung unter dem deutschen Kaiserreich nicht günstig." „Auf den Weltkrieg ist dann eine Zeit gefolgt, in der die Völker, die zuerst von der Geißel des Krieges geschlagen wurden, nun mit dem Oelzweig des Friedens gepeitscht werden. Der Friede, in dem wir leben, ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln." So schreibt Brandes, wie wenn er nicht Däne, sondern Deutscher wäre. Aber er ist — erhaben über allen „einengenden Nationalismus" — ein Bürger jener großen Republik, in der kein Rang gilt als der des Geistes, in der Liebe zur Heimat zugleich der Vorkämpfer freien Menschentums und friedlicher Völkerverbrüderung und darum mit Heine wahlverwandt. Und von doppelt eindringlichem Verständnis für ihn, weil er ebenfalls Jude ist. „Kein Dichter israelitischer Abstammung," sagt er, „hat seit Iehuda Halevis und Moses den Csras Tagen einen so hohen dichterischen Flug genommen" wie Heinrich Heine. „Die neuere europäische Literatur ist so reich wie die Arche Noahs. Sie enthält wilde und zahme Tiere, königliche Löwen und mächtige Adler, plumpe Bären und weiße Schwäne, kluge Füchse und eitle Pfauen und schmachtende Nachtigallen, von dem Ueberfluß an Eseln, Hunden und Affen gar nicht zu reden. Sie enthält auch eine Antilope. Und die Antilope war schlanker und anmutiger als alle wilden Tiere des Feldes, die Gott, der Herr geschaffen hatte... Es gibt eine Antilopenfamilie, die heißt Beni Israel. Zu ihr muß Heinrich Heine gehört haben ..." jj § | j Die jüdische Gegenwart. 4444444444444»M»4»M44444444»444444444444 444444« Die bevorstehenden Wahlen zum Repräsentanten- Kollegium der Deutsch 'Israelitischen Gemeinde in Hamburg.' Die Vorbereitung zu den Repräsentankenwahlen der Deutsch- Israelitischen Gemeinde in Hamburg werden von allen ln Betracht kommenden Parteien eifrig betrieben. Innerhalb des Aepräsentanien-Kolleglums haben sich bislang alle die Gemeindeverwaltung bekrefsenden Fragen zwischen den Vertretern der Liberalen und der Orthodoxie, zu denen in neuerer Zeit auch einige Zionisten hinzutraten, reibungslos erledigt. Es wurde stets in sachlicher und kollegialer Weise verhandelt, und es wurden auf alten Gebieten Entscheidungen erzielt, die die Tätigkeit des Vorstandes wirksam unterstützten, und zum Besten der Gemeinde dienten. Es kann also nur gewünscht werden, daß auch nach der Neuwahl die Tätigkeit des Kollegiums in gleicher Weise oonstatten geht. Nichtsdestoweniger ist an dieser Stelle ein besonders eindringliches Mahnwort an alle liberalen Mitglieder der Hamburger Gemeinde zu richten, dahingehend, daß fie Träger einer altehnvürdigen jüdisch-liberalen Tradition sind, und daß sie — um diese Tradition lebensfähig fortzupflanzen — das Wahl r e ch t als eine Wahl Pflicht auffassen müssen. Sie selbst müssen ihre Stimme abgeben und müssen dafür sorgen, daß dies auch von ihren Frauen und von denjenigen ihrer Kinder geschieht, die das 25. Lebensjahr erreicht haben und Gemeindemitglieder geworden sind. In der Hamburgischen Gemeinde bilden die Liberalen das ziffernmäßig bei weitem stärkste Element, und demgemäß hat der Liberalismus auch seit langer Zeit die größte Anzahl der Nepräsentanten gestellt. Es ist aber npr dann möglich, diese überragende Stellung der Liberalen innerhalb des Nepräsentanten-Kollegiums zu erhalten und weiter auszubauen, wenn die liberalen Gemeindemitglieder sich zu gewissenhafter Ausübung des Wahlrechtes aufraffen, und in ihren Freundeskreisen in gleichem Sinne wirken, damit bei den bevorstehenden Wahlen die alte Phrase: »Liberalismus sei gleichbedeutend mit Indifferentismus" endlich einmal Lügen gestraft wird. Das bei den jüngsten Wahlen zur preußischen Landesvertretung konstatierte Ergebnis, daß etwa 30 Prozent der Liberalen in Preußen ihr Wahlrecht nicht ausgeübt haben, darf sich in Hamburg nicht wiederholen! Die Tradition, der die Hamburger Liberalen auch bei den bevorstehenden Wahlen eingedenk bleiben müssen, erinnert sie daran, daß in Hamburg im Jahre 1818 die erste jüdisch-liberale Gemeinde Deutschlands in dem ehrwürdigen Tempel-Verband gegründet wurde, und daß dies die Mutter- und Mustergemeindr aller späteren jüdisch-liberalen Gemeinden in und außerhalb Deutschlands gewesen ist, daß ferner in Hamburgs Mauern um die Mitte des 19. Jahr-? Hunderts der eifrigste und erfolgreichste Vorkämpfer der jüdischen Gleichberechtigung gelebt hat, Gabriel Rießer, dessen von Künstlerhand gefertigtes Bildnis noch heute eine der wert-; vollsten Zierden des Hamburger Gemeindehauses bildet, untö dessen gesegnetes Andenken lebensvoll fortwirkt bei all den^ jenigen Hamburger Gemeindemitgliedern, deren Vorfahren zu: seinen persönlichen Freunden und Mitkämpfern gezählt habeni Man lese die Kernstellen seiner Neden in der Frankfurters Nationalversammlung und in den Schriften, die er sowohl an di< Hamburger Behörden, wie auch an die gesetzgebenden Stellen) außerhalb Hamburgs gerichtet hat; und man wird finden, daß es ihm und seinen Gesinnungsgenossen ebenso ernst mit dem Bekenntnis zur jüdischen Glaubensgemeinschaft, wie mit dem Bekenntnis zur deutschen Kultur gewesen ist. Er wies damit den Liberalen unserer Lage den Weg. Hat er seinen Gtcmbensgenosseu die Gleichberechtigung vor den Gesehen erkämpft, und wurden! diese Errungenschaften von den führenden Männern der liberales Bewegung in späteren Jahren zähe verteidigt, so hat das Geschlecht unserer Tage dafür einzutreten, daß diese gesetzlichen Gr« rungenschaften keine toten Buchstaben bleiben und durch judew, feindliche Tendenzen der Verwaltungsorgane nicht in ihrer Wirkung aufgehoben werden, sondern daß ste mehr und mehr in dtt Wirklichkeit umgeseht werden! In diesem Kampfe darf dt« » <. Heinrich Heine Du sangst: v3d) hatte einst ein schönes Vaterland —" ttnd deine deutsche Sprache hat dir süß geklungen, Du hast in ihr dein Höchstes, Heiligstes besungen — ttnd lebtest fern, von deiner Zeit verkannt, verbannt. Doch hat das Heimweh stets in deiner Brust gebrannt, Von Marterpfeilen war sie grausam ihr durchdrungen. Dein goldnes Dichterherz, das langst im Leid zersprungen, Hai ja ein lleinlich Heer von Deutschen nur gekannt. Ein kleinlich Heer, das du gerecht mit Spott begossen, Ein blindes Deutschland, dem kein Ahnen sich erschlossen Von künstgen Zeiten, - das dich ins Exil gehetzt. Und ob man Dir auch nie ein totes Denkmal setzt, - Ein lebendes bleibt dir, das seltne nur erringen: Das deutsche Volk wird immer deine Lieder singen! Max Vosenseld, Dresden Adonaj echad. Bon Botho Lose r st e i n. I. Aus Blättern d e s N o t a r i u s D u e l o u x. Man schreibt den dreizehnten November des Wahres achtzehnhunderteimlndfiinfzjg. Bleiern wuchtet der Pariser Nachmittagshimmrl auf den Menschen, die, vom Stratzengewirr des Quarner Montmartre her. mo Stadtinnere, aus dem Norden den Seine-Ouais zu, streben. Lin naßkalter Wind peitscht sie, ihre Schritte zu beschleunigen. Ich jiße, leicht fröstelnd, vor einer Kerze, und durchblütterte Faszikel. Da klopft es an meinem Zimmer. Noch ehe ich zum Eintritt aufgesordert habe, steht sie vor mir: die Ebenmäßigkeit der Züge durch das Rot der Erregung noch stärker als wohl gewöhnlich hervartretend, atemlos von Eile und Schicksalsschlag. E r liege im Sterben, das Licht des Jahrhunderts fei am Erlöschen und ich berufen, seine letzten Strahlungen aufzusangen. Der fürchterliche Krampf, der ihn eben geschüttelt habe, lasse vermuten, daß es in wenigen Minuten zu Ende gehen müsse. Die mich also ruft, ist Mathilde Eugönie Crcscence Heine, geb. Mirat, aus der Rue d'Amsterdam Nr. 80. Der Tod am Bett des Verfassers des „Salon" ....... Während ich Mathilde zu den zwei Zeugen schicke, die das Testament unseres „Code civi!" erheischt, eile ich zu meinem Kollegen Charles Notlsse. mit ihm diesen erregendsten meiner Amtsgänge zu vollziehen. Wenn die Dichter fterben, wird die Welt finstev. II. Matratzengruft. Die Rue d'Amsterdam liegt im Norden von Paris, eingebettet zwischen Straßen, die alle die Namen europäischer Metropolen tragen. Zwei Stockwerke nur bilden die Nr. 50. Im zweiten Stock, nach hinten heraus, ein kleines Schlafzimmer. Ein auf den Hof blickendes Fenster spendet das Licht. Hier liegt, über drei Jahre und sechs Monate schon ohne Unterbrechung, Heinrich Zeine, deutscher Schrifssleller und Doktor beider Rechte. Noch keine zehn Jahre waren es her. da diese Augen, zwar verdrossen und kalt, ober mit dem Bewußtsein des geistigen Eroberers in die Welt geblickt hatten. 9Um hatte der Schlag die Lider herabgezogen, das markvernichtende Gift die Sehkraft getrübt. Gefühllos sinid Hände, Gesicht; gelähmt das Kinn, wie Baumwolle dir Beine. Aus dem hübschen runden jungen Mann, von dem Grillparzer und Laube nach Deutschland berichtet hatten, war ein Wrack geworden. Die früher glatten, kastanienbraun schimmernden Haare hingen in dürren, grau durchsetzten Strähnen über die Stirn. Das Gesicht glich seiner eigenen Totenmaske. Seine Züge, von grauem Bart leichsnhast verdrängt, schienen von allen Lastern dieser Welt angefressen. Vernichtet jene Verbindung des weichen und spottsüchtigen Zuges, die ihn zum erotischen Eroberer gemacht hatte. sLewin Schücking mutz einer Autosuggestion erlegen sein, als er durch dieses Wachsgesicht einen Christuskopf erkannte.) Was hatte ihm das Leben denn gewährt'?' Wenn er flch's jetzt, da kaum der Anfall vorübergerausckt war, jede Bewegung ihn schmerzte, überlegte, so schien er nur m die Welt gestellt als Denkmal, die Unterjochung des Erhabenen darzustellen. Er war noch heute das gleiche Kind wie zu der Zeit, da er deu ersten Schritt in Hamburgs Gesellschaft gesetzt hatte. Ewig unglücklicher Liebhaber. Ewig Kind, aber eins von den ungezogenen, die auch das steigende Alter nicht befähigt, den Ausgleich mit dem Leben zu finden. Daran war er, körperlich und geistig, gescheitert: das hatte ihm die Knochen im Herzen gebrochen, und fein Zwist mit der Familie hatte die Katastrophe nur gefördert. Wenn er dann so lag, und Sekretär tzillebrano hatte gerade seine Bibelvorlesungen eingestellt» dann setzte er sich wohl auch mit seinem Schöpfer auseinander. Und dann schien ihm sein Austritt aus dem Judentum als unvermeidliches Schicksal. Gerade jetzt» da er wieder zu seinem Gott zurück fand, dq ihm fein Judesein über das Stammesgefühl hinaus zur reli-' gwsen Notwendigkeit wuchs, da er an die Reihe seiner Freunde dachte, die der Antimendelssohnianismus aus dem Tempel, gleich ihm, getrieben hatte III. Der E di ft ein'. Dieses ist der Paragraphus 7 des Testaments, das Wik, deni Notar Ferdinand Löon Duoloux, der Dichter Heinrich Heine tn Gegenwart meines Kollegen Charles Louis Emile Rousie und der Zeugen, des Bäckers Michel Iacot und des Gewürzkrämers Eugene Grouchy, am Donnerstag, den dreizehnten November 1851, nachmittags gegen sechs Ilhr diktierte; er Mbst, krank an Körper, aber gesunden Geistes, Gedächtnisies und Verstandes: „Obschon ich durch den Taufakt der lutherischen Konsesiion angehöre, wünsche ich nicht, daß die Geistlichkeit dieser Kirche zu meinem Begräbnisse eingeladen werde; ebenso verzichte ich auf die Amtshandlung jeder anderen Priesterschaft, um mein Leichenbegängnis zu feiern. Dieser Wunsch entspringt aus keiner freigeistigen Anwandlung. Seit vier Jahren habe ich allem philosophischen Stolze entsagt und bin wieder zu religiösen Ideen unb Gefühlen zurückgekehrt: ich sterbe im Glauben an einen einzigen Gott, den ewigen Schöpfer der Welt, dessen Erbarmen ich anslehe für meine unsterbliche Seele. Ich bedauere, in meinen Schriften zuweilen von heiligen Dingen ohne die ihnen schuldige Ehrfurcht gesprochen zu haben, aber ich wurde mehr durch den Geist meines Zeitalters als durch meine eigenen Neigungen sortgerisien. Wenn ich unwissentlich die guten Sitten und die Moral beleidigt habe, welche das wahre Wesen aller monotheistischen Glaubenslehren ist, so bitte ich Gott und die Menschen um Verzeihung!" Schma Israel, Adonaj Elohenu, Adonaj Echad, IV. Ausklang. Fünf Jahre spater ruhte auf dem Pariser Montmartre der deutsche Dichter Heinrich Heine, der ein Jude gewesen war unü der Nachfolger Jehudas, des Sohnes Hallewis. Und er war zurückgekehrt zum Gotte Moses, der der Eme ist und Ewige und Herrscher über alles Zeitunterworfene. Nicht mit dem Schma auf der geborstenen Zung. „Papier — Bleistift . . fo waren, nach seiner Nichte Fürstin della Nocca, die letzten Monte, And däeser letzte Hauch galt: seiner jüdischen Mutter,

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