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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-02-27 · 9 (27.2.1925) · page 8

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
9 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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und Sie hätte« mir vor. -aß Sie mich noch nie .che! -er fföbenmg solcher Zustände in nuferer Gemetn-e hätten begrüßen können . Wenn Ge -arnnter verstehen, -ah ich nicht persönlich in -en Gemetndestuben umherschnüfsel«, haben Sie recht. Sie vergessen nur. -ah man nicht amzvstöbern braucht, was die Spatzen von -en Dächern pfeifen. 3m übrigen steht man oft von außenher klarer, was vorgeht, als wenn man selbst mitten im Trubel steht. Ilnü im Trubel stehen Sjie ja, verehrter Herr Rosen, thal. 3st Ihnen -och selbst in -er Reprälsentantensthung vom 15. d. M. „Entstellung" und „Demagogie" vorgeworfen worden, natürlich von einem -er Herren Zionisten, -enen unser Vettrand die Schuld an -en skandalösen Zuständen zur Last legt und vor die gerade Sie in ihrem Artikel schützend -ie Hände breiten. Wenn Sie bei diesem Vorgang nicht selbst den Eindruck hatten, im Mittelpunkt „skandalöser Zustände" zu stehen, ist eine Verstän-iguing Mischen uns allerdings schwer möglich. Oder sollte etwa Ihr Artckel vor dem 15. d. M. geschrieben sein? Alles ln allem, verehrter Herr Rosenlhal, habe ich den Eindruck, daß Sie etwas schnell geschrieben haben. Hätten Sic sich mehr Zeit gelassen, so wäre Ihnen sicherlich selbst mancherlei Skandalöses aas den letzten Jahren eingefallen. Wohlverstanden: es handelt sich nicht, wie Sie durchaus irrigerweise anzunehmen scheinen, um die Zustände gerade im Gemeinde vor st and. sondern in erhöhtem Matze um die in der Repräsentanten-Berfammlung und schließlich, wie der selige Nichchofen sagte, um ,hie jcmze Richtung". Der Raum, der mir zur Verfügung steht, reicht nicht aus, um alles das anzuführen, woran Sie sich sicherlich hei ganz ruhiger Aeberlegung selbst erinnert hätten. Rur ein paar Kleinigkeiten seien erwähnt. In derselben Nummer der Jüdischliberalen Zeitung, in der Sie Ihre Attacke gegen mich reiten, findet sich eine Notiz mit der Aeberschrift „Erbdynastien" und dem Untertitel „Was gcht wieder einmal in der Jüdischen Gemeine zu Berlin vor?" Finden Sie nicht dieses „wieder einmal" recht bezeichnend? Aber Sie brauchen nur ein paar frühere Nummern der Jüdisch-liberalen Zeitung nachzulefen, so finden Sie noch Bezeichnenderes. Erinnern Sie sich nicht mchr an den Beschluß bezüglich des gesonderten F r i e d h o f - F e l d e s, der von den Herren Zionisten und Konservativen mit Unterstützung des „neutralen" Herrn Marcus im vorigen Jahre durchgeseht wurde? Erinnern Sie sich auch nicht mehr an die Verhandlungen, die dieser Beschlußfassung vorherglngen und in denen Ansichten ausgesprochen wurden, die vom Standpunkte eines Liberalen geradezu ungeheuerlich erscheinen müssen? Noch mehr gefällig? Nehmen Sie einmal die Nummer 10 der Jüdisch-liberalen Zeitung vom 18. 4. 24 zur Hand und lesen Sie nach, daß man ,chas Gemeindekrankenhaus in den letzten Tagen ohne Vorwissen des Genie indevor st andes (!) wiederum (!) ü b e r O st e r n a n e i n e n C h r i st e n v e r k a u f t h a 1." Mit Recht ist dieser Vorgang damals als eine „Schande für das Judentum" bezeichnet worden, denn gerade vom Standpunkte eines wrchrhaft gotbesfürchtigen Menschen kann man sich kaum etwas Schmachvolleres vorstellen, als diesen plumpen Versuch, seinen eigenen Gott zu betrügen. Lesen Sie auch einmal wieder die Rr. 40 vom 14. 11. 24, in der höchst anschaulich geschildert ist, wie von zionistischer Seite systematisch die Verhandlungen der Repräsentanten-Versammlung ins Lächerliche gezogen werden, und wie von dieser Seite ein Ton angeschlagen wird, den der Schriftleiter dieses Blattes als ,^rotesk" und .-unter der Würde einer jüdischen Religionsgemein, schuft" bezeichnet. Ist Ihnen dies alles noch nicht skandalös genug, -verehrter Herr Rosenlhal? Run, dann haben wir ein Beispiel mr Haich, das Mar erst einen Dag nach dem Anschlag unseres ,Plakates auch äußerlich erkennbar wurde, das wir uns aber gar 'nicht schlagender hätten bestellen können, um unsere Plakat- .Bcchawptung zu erweisen. In der schon erwähnten Repräsentanten- Versammlung vom 15. d. M. hat ein liberaler Redner erklärt, -ich er über die mangelhafte Art, in der die Wahlen zum Derbanbstag bas Landesverbandes vorbereitet waren, „auf das T'efste beschämt sei". Beschämung, — dies ist wirklich das mildeste Wort für bas. wäs man empfinden mutz: wenn man die „stzgMlösen Zustände" des Wahltages betrachtet und sich ihre Ursachen ver- Mxmoärtigt. Kaum ein Wahllokal, in dem leidlich geordnete ZHtände herrschten, in dem -er Wcchllelter und seine Helfer ordnungsmäßig bestimmt waren uvwußten, was sie zu tun hätten, in dem nicht unter Geschrei und Gezänk die Wahlhandlung ins Uferlose verkett wurde. Zahlreiche Wahlberechtigte hatten überhaupt keine Wahrkarlen bekommen, dafür hatten sie Andere doppelt und dreifach. Statt einer Wahlliste eine sogenannte Kartochek. in der sich kein Mensch zurecht finden konnte. Tausende sind an diesem Tage umgekehrt, ohne ihr Wahlrecht, ihre Wahlpflicht auszuüben, weil sie nicht die Zeit hatten oder weil sie die Lust verloren, stundenlang .Schlange zu stehen". Gewiß ein Musterbeispiel „skandalöser Zustände!" Wie konnten diese sich herausbilden? Unser Angrift in dem Wahlplakat richtete sich nur gegen die Zionisten, die wir als verantwortlich für diese skandalösen Zustände bezeichneten. Bei einem Teil dessen, was ich hier des Beispiels halber erwähnt habe, ist es ja geradezu handgreiflich, daß die Zionisten die Verantwortung tragen. Bei einem anderen Teil ergibt sich die Berantwortung aus dem fast ständigen Zusammenarbeiten der Zionisten und Konservativen, Dies alles wissen Sie, verehrter Herr Rosenthal, so gut wie ich, vielleicht noch etwas besser. TroAem sagen gerade Sie. daß die Liberalen für die Zustände in der Berliner Gemeinde verantwortlich seien, weil sie die Mehrheit im Vorstand haben. Es ehrt Sie, daß Sie selbst, der Sie nicht angegriffen waren, sich der Verantwortung stellen. So will ich denn Offenheit mit Offenheit erwidern. In der Tat. auch die Liberalen tragen die Verantwortung, wenigstens manche von ihnen. Sic tragen dir Mitverantwortung insofern, als sie die von der anderen Seite veranlaßten und verschuldeten Zustände viel zu lange geduldet haben. Wären Sie und Ihre Freunde früher energischer ausgetreten, hätten Sie, wie wir es in unserem Wahlplak-at ausgeorückt haben, rechtzeitig „mit der Faust aus den Tisch geschlagen", so hätte es trotz allem und allem doch nicht ganz so weit kommen können. Nicht darauf kommt es an, wer die Mehrheit, sondern darauf, wer die größere Energie Inf. Ls ist gewiß schön, wenn man sich befleißigt, die Geschäfte eines Gemeinwesens mit Würde und Sachlichkeit zu führen. Aber einem Gegner gegenüber, der diese Eigenschaften nicht besitzt oder sie nicht anwend et, wird allzuviel Würde und Sachlichkeit zur gefährlichen Schwäche. Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil und die ziomstisch-konservativen Klotze sind io grob, daß sie mit dem Keil der ewigen Konzilianz und schwächlichen Zurückhaltung längst nicht mehr gespalten werden können. Wir Liberalen suchen ja alle den Weg zur deutschen Zukunft, zu >er deutschen Heimat unserer Kinder. Man mag sagen, daß Mc Wege zu diesem Ziel verschieden seien, aber das Eine ist allen gemeinsam: sie sind so dornig und so von Gestrüpp überwuchert, daß man mit Gummisohlen aus ihnen nicht vorwärts kommt. Ziehen Sie sich kräftige Raaelstiesel an, verchrter Herr Rosenthal. Sie und Ähre engeren Freunde, dann werden Hie zu weniger skandalösen Zuständen Vordringen, mögen Ihnen auch die Herren von der anderen Sette noch so viel Hindernisse in den Weg werfen! And nun zum letzten Punkt Ihrer Vorhaltungen. Sie nchmen es mir oder, richtiger gesagt, unserem Verband übel, daß wir in unserem Plakat aus die Herren Reaierunaszioniisten Badt und Goslar mit Namensnennung hlnaswiesen haven. Sie werfen uns vor, daß wir ein Flugblatt gleichen Inhalts ,Hon christlichen Parlamentsmitgliedern haben zugehen lassen". Wieder einmal tatsächlicher Irrtum, Herr Aosenthal, oder wenigstens eine irreführende Ungenauigkeit. Was Sie unseren Aufruf gennen, war eine Sonderausgabe unseres Mitteilungsblattes. Das Witeilungsblatt gcht regelmäßigeiner größeren Anzahl von Nichtjuden zu, darunter sämtlichen Mitgliedern der Parlamente. Für den vorliegenden Fall ein« Ausnahme zu machen, bestand keine Veranlassung. Sie meinen, die Wahlen zum Landesiag seien eine „innerjüüische" Angelegenheit gewesen. Wir s i n d durchaus anderer Ansicht. Wäre wirklich der Verbandstag von vornherein als das bchanbelt worden, was er nach der Satzung des Landesverbandes sein sollte, nämlich als die synodenartige Vertretung einer Religionsgesellschast, so wäre die Wahl in der Tat ein« innerjüdische Angelegenheit gewesen. Aber haben Sie denn vergessen, -aß gerade die Zionftlen es waren, die von Anfang an deu Kampf in die deutsche Oeffentl i ch k e i t yinausgetragen haben? Haben nicht die Zionisten zuerst vom .Hudenparlament" gesprochen und ihre Ausrufe so abgefaßt, daß jeder Nichtjude annehmen mußte, der Landesverband solle politisch für die Gesamtheit der in Preußen wohnenden Juden emfchlietzllch der leider wahlberechtigten Ostjuden nach außen hin wirken? Haben Sie vergesien. daß den religiös orientierten Parteien die Zionisten als .Jüdische Volkspartei", d. h. als Partei des jüdischen Volkes gegenübertraten und ihr Anhängsel Poale Zion sogar als v ö l k i s ch - s oz i a 1 i st i s ch e Partei? Es hieße Vogel-Strauß-Politik treiben, wenn man demgegenüber sich noch einrcden wollte, diese Wahl sei eine innerjüdische Angelegenheit gewesen. Sie war eine deutsche Angelegenheit ersten Ranges, die jeden nichtjüdischen Deutschen genau so interessieren mußte, wie jeden Juden, denn der Kampf ging tatsächlich darum, ob sich in Deutschland ein Fremdvolk, ein Volk im Volke, ein Herd der Zersetzung bilden dürfte. Nicht um Religion ging cs, sondern um Volkstum, und ein Nichtjude, der diesen Sinn des Kampfes nicht verstand, übersah eine Gefahr, die seinem deutschen Vaterlande drohte. Auch Sie, verehrter Herr Rosenthal, haben anscheinend diesen Sinn des Wahlkampfes nicht völlig verstanden. Nur so ist es erklärlich, daß Sie es uns verdenken, wenn wir die Herren mit Namen nannten, in denen sich die Gefahr für das Deutschtum nach unserer Aeberzeugung am deutlichsten ausprägte, dir Herren Oskar Cohn, Soloweitschick, Goslar und Badt. 3m Aebrigen aber vergesien Sie. daß wir nur das Gleiche getan haben, was die genannten Herren lange vorher selbst getan hatten. Erinnern Sie sich nicht mehr der Aresenplakate der Jüdischen Volkspartei, mit denen der Wahlkampf eingeleitet wurde und aus denen mit fast fußlangen Buchstaben dieselben Herren als Redner angekündigt waren? Was gcht es uns in diesem Zusammenhänge an, daß die Herren Goslar und Badt selbst entgegen jedem gesunden Empfinden sich einbilden mögen, sie könnten unüberbrückbare Gegensätze in sich vereinigen? Den guten Glauben der Gefühls- und Begriffs-Verworrenheit haben wir diesen Herren niemals abgesprochen, aber nicht auf ihn kommt es hier an, sondern auf die praktische Wirkung ihrer Handlungsweise. Fühlen Sie dies nicht selbst, verehrter Herr Nosenthm? Sie sind doch gewiß ein guter Deutscher. Wallt nicht Ihr Blut, wenn Ge seAn, daß dieselben Herren, die unser deutsches Volk regieren wollen, sich selbst an dem Anschiagsäulen als Vertreter des jüdischen Volkes anpreisen? And da sollte es uns verwehrt sein, an denselben Anschlagsäulen aus die Anmöglichk-sit dieses völkischen Zwittertoms ylnzuweisen? Wenn Sie dies .Denunzieren" NMey, so machen Sie sreundlichst diesen Vorw-mf zunächst den Herren Regierungs- Zionisten selbst, denn sie habe» zuerst.sich selbst an der gleichen Stelle des gleichen Verhaltens .hemmziert". And nun zum Schluß noch ein Wort zu der Aeberschrift Ihres Artikels. Sie nennen lhn „Naumann und wir". Mir scheint, däß Sie unter dem „wir" die Liberalen verstehen. Glauben Sie mir, verehrter Herr Rosenthal. es sind durchaus nicht alle Liberalen, die so — entschuldigen Sie — oberflächlich die Dinge betrachten. wie Sie in Ihrem wohl wirklich etwas schnell geschriebenen Artikel. Wir hätten nicht die liberal« Partei unterstützt, wenn wir nicht die ehrliche Aeberzeugung hätten, daß die meisten der ihr Angehörigen im letzten Grunde genau so empfinden, wir wir setbst. die Mitglieder des Verbandes nationaldeutscher Juden. Rur daß cs manche sich selbst noch nicht eingestehen wollen, und daß ein anderer Teil aus vergangenen Ghettozeiten her die Scheu bewahrt hat, das Kind beim rechten Namen zu nennen. Gerade deshalb aber ist es für alle Liberale unserer Aeberzeugung nach eine Notwendigkeit, daß wenigstens wir auf Klärung und aus energisches Auftreten dringen. Die Zeit wird kommen, zu der auch Sie, verehrter Herr Aosenthal. die Vorzüge unserer kräftigen Sprache, die Ihnen heute noch etwas rauh klingen mag, zu schätzen wissen werden. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ganz ergebener Dr. Max Naumann, Vorsitzender des Verbandes naticmaldeutjchcr Juden. II. Titel, wem Titel gebührt! Entschuldigen Sie, sehr geehrter Herr Doktor Max Naumann, Rechtsanwalt und Notar. Vorsitzender des Verbandes nationaldeutscher Juden und wohl sicher auch Ritter hoher Orden, daß ich gewagt habe, wie man im politischen Leben bei großen Führern es gewöhnlich tut. Sie glattweg nur als Herr Naumann anzureden, ich hoffe aber, daß cs genügen wird, wenn id) in Folgendem Eie nur mit Herr Doktor tituliere. Also sehr geehrter Herr Doklor, zur Sache. In vielem, was Sie im obigen Arikel sagen, muß ich Ihnen unbedingt recht geben. Was ich Ihnen jedoch vorwars, ist ja nicht das Sachliche, sondern die Art. in welcher Sie den Kamps führen. Run behaupten Sie, die Zionisten haben in dieser Art angesangcn. Ich lasse mir von den Gegnern nicht meine Entschlüsse diktieren. Am zu allem Stellung'zu nehmen, was Sie oben sagen, reicht wirklich der für unsere Aussprache zur Verfügung stehende Teil der Wüdischliberalen Zeitung" nicht aus. Id) will daher nur auf einiges eingehen. Sie zitieren aus dem Bericht der .jüdischen Rundschau" über die Aepm'sentantenversammlung vom 15. d. M. die Worte des Herrn Dr. Klee, -er mir in dieser Sitzung bel einer Besprechung über -ie Statutenänderung zugerufen hat, daß. wenn ich jetzt noch in der Oeffentlichkeit erklären würde, er habe die Stabuenänderung absichtlich drei 3oi>rc hinausgezogen, er mir „Entstellung" un- Demagogie" vorwerfen müsie. Der Bericht der Rund schau ist natürlich als Propaganda ausgemacht und verschweigt meine Antwort. Ich habe Herrn Dr. Klee vor drei Jahren in der Repräsentantenversammlung erklärt, die Statuteiränderung läßt sich bequem im Laufe eines Jahres verabschieden. Hieraus antwortete Dr. Klee: „Wir werden drei Jahre hierzu brauchen". Die Anträge, die er als Mitglied der Kommisiion stellte, bewiesen auch, daß er diese seine Absicht durchsetzen würde, weil eine so günstige Konstellation, wie die Repräsentantenversaminlung sie zur Zeit bietet (10 liberale, 5 Zionisten, 5 mit den Zionisten durch dick und dünn gehende Konservative und 1 Neutraler) wohl nie wiederkehren wird. Selbstverständlich dreht Herr Dr. Klee in seiiner geschickten Art jetzt die Dinge um, behauptet, die Liberalen hätten in der Kommission nicht gearbeitet und ich sehe ja nun, daß er mit seiner seinerzeiligen Bemerkung, die Sache dauere drei Jahre, Recht hatte. In Wirchlichkeit 'wird jetzt innerhalb weniger Wochen ein Referenlenentwurs vom Vorstand vorgelegt und ich bin überzeugt, daß nunmehr der Verabschiedung -er Statutenänderung auch von seiten der Zionisten und Konservativen keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden, weil anderen Falles am Schluß dieses Jahres nur zwei Zionisten und ein Konservativer, dagegen sieben Liberale in der Versammlung bleiben würden und wir sicher nach den Neuwahlen eme Zweidrittel-Mehrheit in der Versammlung hatten. Aber selbst alle „Liebenswürdigkeiten" der Zionisten können mich nicht veranlassen, den Weg des vornehmen Kampfes zu verlassen. „Skandalöse Zustände^ in der Gemeinde kann man doch solche Anpöbeleien nicht nennen. Lassen Sie mich von den verschiedenen Einzelheiten» die Sie anführen, nur eine herausnehmen, die zur Zeit noch die Gemüter unserer Glaubensgenossen erregt. Ich meine die Vorbereitung der Wahlen zum Verbandstag des Landesverbandes. Nun hierfür, Herr Dr. Naumann, bin ich ganz allein verantwortlich. Ich muß allen meinen Kritikern zugä>eil. daß die Sache nicht so gelappt hat, wie ich sie mir gedacht habe und daß, wenn ich wieder Wahlen veranstalten müßte, ich die Sache anders anfassen würde. Aber so allein schuldig an den Zuständen, die sich in verschiedenen Wahlllokalen abgespielt haben, bin ich doch wohl nicht. Für 70 Wahllokale hatte ich aus den Reihen der Gemeindemitglieder 420 Wahlvorsteher und Beisitzer gewählt. Der größte Teil dieser Herrschaften hat zum Teil ohnq Entschuldigung, zum Teil mit Entschuldigungen, die am Wahltage selbst eingegangen sind, seine Mitwirkung abgelehnt. Selbstverständlich war es nun schwer, am Wahltage einen grrtfunklioniecenden Wahlvorstand für alle diese Wahllokale zusammen M bekommen. Außerdem hat sich ein großer Teil der Herrschaften, die sich zur Verfügung gestellt haben, trotz genauester Instruktionen so ungeschickt benommen, daß die Abfertigung sich sehr in die Länge zog. Wie sehr die langsame Abwicklung an den Wahlvorständen lag, geht am besten daraus hervor, daß in einzelnes Bezirken 900 Stimmen ohne jede Aufregung abgegeben wurden, während ln anderen Bezirken kaum 500 vom Wahlvorstand bewälligt werden konnten. Einen großen Tell der Schuld haben auch unsere Frauen. Trotzdem wir dem Gemeindöblatt sine frankierte Karte zur Anmeldung für die Wählerliste beifügten, trotzdem von allen inöglichen Orgamsaiioiten immer wieder darauf aufmerksam gemacht wurde, daß nur diejenigen Frauen in der Wählerliste verzeichnet sein würden, die sich für diese anmelden, ist doch nur ein kleiner Teil der Frauen unserem Rufe gefolgt. Die Aufrüttelung, durch die den Wahlen vorangHende Agttation hat es nun bewirkt, daß am Wahltage selbst schr viele Frauen glaubten, ihrer Wahlpflicht genügen zu müssen, ganz erstaunt und empört waren sie. wenn sie nun im Wahlwkal hörten, sie seien nicht in der Wählerliste enthalten. Natürlich wird dem Gemeindevorstand nun wieder vorgeworfen, er hätte alle Frauen von sich aus in die Wählerliste aufnehmen müssen und dabei nicht beachtet, daß «in solches statistisches Material uns jct 'bistzer gär nicht zur Verfügung stand. Auch der Versuch mit der Kartothek hat sich leider nicht bewert. Wenn man aus dem Rathaus« kommt, ist man immer klüger, als wenn man in dasselbe hineüngeht. Ich glaube, sehr geehrter Herr Doktor, daß auch der Vorwurf ewiger Konzilianz und schwächlicher Zurückhaltung den ln der Gemeindeverwaltung tätigen liberalen Herren nicht gemacht werden kann. Auch wir verstehen auf den Tisch zu hauen. Trotzdem befleißigen wir uns. die Geschäfte unseres Gemeinwesens mit Würde und Sachlichkeit zu führen. Run zum Schluß Ihrer Ausführungen. Ließ es sich wirklich nicht vermeiden, die Sonderausgabe Ihres Mitteilungsblattes den christlichen Parlamentsmitglledern zugehen zu lassen? Ist es wirklich nötig, daß, wenn die Zionisten den Kcunpf in die deutsche Oeffentlichkeit hineintragen, wir ihnen auf diesem Wege folgen? And heißt es wirklidi Vogel-Strauß-Politik treiben, wenn man nad) all eben:, was von den Zionisten beim Kampf um die Mandate im Landesverband angeführt ist, trotzdem der Meinung ist. daß der Landesverband eine innerjüdische Angelegenheit ist und bleiben muß? Herr Dr. Naumann, auch hier lasse id) mir, und id) hoffe, die Mehrheit im Landes verband wird derselben Meinung fein, nicht mein Handeln von den Gegnern vorschreiben. Der Landesverband wird eine inner jüdische Angelegenheit sein, oder er wird n i d) L sein. Die Vorzüge einer kräftigen Sprache weiß auch id) zu schätzen. Ich glaube, daß man gerade mir den Vorwurf nicht machen kann, daß ich das Kind nicht beim rechten Namen nenne. Aber der Kampf darf nicht in die außerjüdische Oeffentlichkeit getragen werden. Dieser Meinung bin nicht nur ich, sondern mit wir, wenn nicht alle, so doch der größte Teil meiner liberalen Freunde. Indem ich hoffe, daß in dem was uns beiden am meisten am Herzen liegt, in der Bekämpfung des National-Iudenlums. wir eine ganze Strecke gemeinsamen Weges zurücklegcn können, begrüße ich Sie als Ihr ergebener Moritz Rosenthal. Geschäftliche Mitteilungen. Intimes Theater. Das Hcrrnfrld-Theater eröffnet Eonnab:n-.?8. Februar 1925. abends präzis 8 Ahr, sein Gastspiel iin Intimen Theater, Bülowstr. 6. In dem zur Aufführung gelangenden Schlager in drei Akten „Wer ist der Vater?" sind außer Anton Herrnfeld und Ferdinand Grünecker nad) die Herren Paul Herm. Georg Paulsen, Ridiard Goltz, Ernst Löwe. Ludwig Arbach, Fritz Wolfs, Aisred Ronast, sowie die Damen Marie Grünecker-Iolln. Friede! Fredy. 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Synagoge Fasanenstraße Dr. Locwenthal Dr. Blumenthal Dr. E. Levy Dr. Bacck Wir nehmen auf unserem kehrguf Buche® bei Berlin zura 15. März 1925 Knaben und Mädchen zur Au bildung in Landwirtschaft u. Gartenbau auf. Nä1 ere Bedingungen werden auf Wunsch cingesandt. Reichsband jüdischer Frontsoldaten E. V. Berlin W15, Kurfürstcnd?mm 200, Gib.III

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