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Jüdisch-liberale Zeitung · 1925-02-27 · 9 (27.2.1925) · page 7

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Journal
Jüdisch-liberale Zeitung
Volume
5 (1925)
Issue
9 (27.2.1925)
Date
1925-02-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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schür Stute Bereiten. Lee Mchtzüamst lehnt dieab und will, sei es aus dem Mischen Gesichtspunkt um der Erfüllung de« messianischen Aufgabe willen, sei es. 'veil er sich in Deutsch» land und der deutschen Kultur unlöslich beheimatet und nur konfessionell als Juden fühlt. Es bleibt also der wesentliche Unterschied der seelischen Bejahung de- Lebens in Deutschland. sLuropa und. Amerikas oder der Verneinung des als Verbannung empfundenen Golussckicksols. Daran ändert her Umstand nichts, datz aus praktischen Gründen der einsichtige Zionist wegen der geringen Aufnahmefähigkeit Palästinas die Notivendigkeit des ferneren Golusfchicksals der jüdischen Mehrheit zugibt. Sr tut dies mit Bedauern, während der Nichtzionist mit Freude im Lande seiner Geburt bleibt und nichts anderes für seine Kinder erstrebt. Mit dieser Darlegung dürste ohne weiteres klar fein, daß der Zionist nicht geeignet und imstande ist. die Stellung eines deutschen Beamten in dem oben geschilderten Sinne zu erfüllen. Er. der in seiner jüdischen Wirksamseit prinzipiell für die Loslüsung der Juden aus Deutschland cintritt. mag diese nun in naher oder ferner Zukunft liegen, der seine und anderer Juden Kinder dem Deutschtum zu entfremden suchen must, kann nicht als Lehrer deutscher und jüdisch-deutscher Kinder deutschen Kulrmgeist einzupflanzen sich bemühen, kann nicht an verantwort, sicher Stelle als Repräsentant des deutschen Volkes auftreten. Wenn man Beispiele aus der Praxis durch Benennung tüchtiger und für Deutschland nützlicher zionistischer Persönlichkeiten dagegen anführen will, so bleibt nur die doppelte Erklärungs- Möglichkeit, datz es sich entweder um technisch,fachliche Leistungen handelt, die jeder Ausländer einem fremden Staate zu erweisen vermag, oder, datz ihre Theorie falsch und ihre Praxis richtig ist. datz sie sich zu unrecht Zionisten nennen, und einer Organisation angeboren. deren Ziele sie in Wirklichkeit in ihrem tiefsten Innern gar nicht erstreben. Die zionistische Organisation will die geschilderte Entwurzelung, und wer sich zn ihr zählt deckt dieses Ziel mit fernem Namen, mag er auch, aus welchen Gründen immer, zu diesem zionistischen Bekenntnis gekommen fein. Darüber mutz sich jeder Jude, der sich als deutscher Beamter zum Zionismus bekennt klar sein. Die Diskrepanz zwischen Zionismus und deutscher Dtaatsbeamtengesinnung ist vorhanden und unüberbrückbar. Wo die letztere wirklich empfunden und betätigt wird, da mag man sagen, datz das Herz und nicht die Meinung den Mann ehrt, mutz aber von ih,n verlangen, datz er die falsche Meinung berichtige und sich darüber klar werde, datz er zu unrecht der zionistischen Organisation sich zuzählt. An diesem eklatanten Beispiel der Unvereinbarkeit des Zionismus mit deutschem Staatsbeamtentum erhellt auch ohne weiteres. wie stark die zionistische Organisation durch ihre Tendenz und ihr Programm tic« gewissenhaftester Erfüllung der Staatsbürgerpflichten durch den einzelnen Zionisten die Gleickberech, tigung der deutschen Juden im Staate und ihre persönliche Verwurzelung im deutschen Volkskörper, die von der grotzen Mehrzahl der deutschen Juden erstrebt wird, gefährdet. Zum Deutschtum gehört ebenso wie beim Beamten, nicht nur die äußerliche Pflichterfüllung, sondern die innerliche Gesinnung, dos Gefühl >md der Wille unlöslicher Zugehörigkeit im Gegensatz zur zentrifugalen Loslüsungstendenz. das Bekenntnis zur Gemeinsamkeit im Gegensatz zur Proklamation der Andersartigkeit und Fremdheit, das Llüfgehen in den Allgemeininteressen und Streben nach gleichen Rechten im Gegensatz zur Pflege von politischen und kulturellen Eonderinteresfen und Forderung von Sonderrechten als nationale Minorität. Tr. Erwin Seligmann, Frankfurt lMain). II. Fn Nr. 7 d. Bl. ist ein Artikel von Dr. Hans Goslar erschienen, der vom Standpunkt der misrachistischen Bewegung aus das Verhältnis „Zionismus und deutsches Staatsbürgertum" behandelt. Es sind im Grunde drei verschiedene Fragen, die hier zur. Erörterung kommen. Ach glaube, datz eä gut, sein »ürd, diese drei einzelnen Probleme voneinander zu'sondern und jedes'für sich zu diskutieren. Dr. Hans Goslar behauptet: Zionismus und deutsches Staatslmrgertum sind in keiner Weise einander entgegengesetzt. — Zionismus und deutsche» Hationaltzrmußtsein schließen einenbev nicht aus. -* Und endlich: Der Zionismus bedeutet die Recht« siarung der reltchöfsn Ades des Judentums. Ich glaube, best diese Behauptungen irrig sind, und Mächte das des näheren darzule-rn versuchen. Per ein Haus bauen will. nmß natrvendig tu Könner trete» mit allen, die Häuser bauen oder besitzen. Dieser Konnex braucht nicht ein feindliche» Zusammentreffen zu bedeuten. Aber es ist nicht zu leugnen, daß eine gegenseitige Konkurrenz theoretisch fedenfalls denkbar ist. Indem der Zionist einen jüdischen Staat erstrebt, tritt wr noch nicht notwendig in Gegensatz zu den bestGenden Staaten. Datz aber hier ein feindliches Zusammentreffen möglich ist, erscheint außer Zweifel. Und datz damit ein Dilemma zwischen jüdischen und deutschen Staatsinteressen potentiell jedenfalls «geben ist. dürfte einer sachlichen Ueberzeugung ohne weitere» klar sein. — Nun wird aber gesagt, der Zionist strebe gar nicht nach der Verwirklichung eines jüdischen Staates, er verlange allein eine „Heimstätte" für das jüdische „Volk". Ich bedaure nicht Einsehen zu können, wie «ine Heimstätte für ein Volk im 20. Jahrhundert anders gedacht werden soll als in staatlich-politischen Formen. Aber gesetzt, es wäre möglich, und die Kontroverse „Zionismus und deutsches Staatsbürgertum" ist tatsächlich heut und für uns jedenfalls praktisch von weniger Belang, so nwg der Zionist wohl ein guter deutscher Staatsbürger sein. Was er nie sein kann, ist: Bürger des deutschen Volkes. Es ist sehr sonderbar, wenn auch erklärlich genug, datz immer wieder und wieder in zionistischen Kreisen die Rede geht von dem möglichen Zusammen deutschen Staatsbürgartums und jüdischen Nationalbewutzt. seins, datz aber nie gesprochen wird von dieser anderen und ohne Zweifel sehr wichtigen Kontroverse: deutsches Volk und jüdische Volkheit. Ein Staatsbürgertum ist Sache der Pflichten und Rechte. Volks Zugehörigkeit bestimmt sich noch Sitte. Tradition und Liebe. Datz Einer, dessen Ethos deutsch, dessen Vater—land das Land derdeütschenSpra' che ist. dessen Liebe der Zukunft deutscher Kultur gekört, datz dieser in Frankreich Steuern zahlt und französische Polizisten bemüht, wenn er bestohlen wird, dos scheint sehr möglich und ohne weiteres vereinbar. Ich weitz ober nicht. ivie hier eine Synthese möglich sein soll, wie jemand mit einer gleichen Liebe und inneren Verbundenheit deutsch und jüdisch fühlen foÜ.4*) Aber — und hier setzt die besondere Meinung der Misrachisten ein — deutsche und jüdische Kultur, so sagtman uns, seien grundverschieden voneinander. Und was in Palästina erstrebt werden soll, sei nickt ein Volk, wir alle anderen Völker es wären, es sei die Schaffung eines religiösen Volkes, einer Gemeinschaft der heiligen Lehr-.. — Dagegen lietze sich vieles geltend machen. Ich will nur Eines dagegen sogen, vom Standpunkt des Reli giö sen selbst. Es fei also dahingestellt, ob überhaupt, ob heute eine solcke Gemeiv'chart möglich ist. Es sei dahingestellt, ob es angängig ist, tausendjährige Gesetze ohne tiefgreifende Änderungen in die Wirklichkeit einer neuen Zeit umsetzen zu wollen. Aber von alledem abgesehen, scheint mir ein solche Versuch vor allen Dingen dem Wesen der Religion selbst zu widersprechen. Alle Religion gehört einem Reich des Transzendenten an. ihre Lehren und Bilder sind Symbole und Sätze von geltenden Werten und autzerwirklichen Ideen. Werte und Ideen sind nicht realisierbar im Leben der Zeit, sie sind nicht mehr und nicht weniger als M a tz st ä b e und Leitprinzipian für das Dasein des Menschen. Wer versucht. sie wirklich zu mache,: verkleinert sie und beraubt sich des Zi 2 les, das mehr ist als der Weg unü die Wanderung auf Erken. Die Geschichte des jüdischen Vokes scheint dem vielleicht zu widersprechen. Aber es ist notwendig, daran za denken, datz nicht die Realität des kleinen paläst in cnsischen Staates es ist. dessen Dllp uns mit Ehrfurcht und Andacht erfüllt, datz es viednehr uns allein die Erinnerung des VdltzeL.Afrasl Ds dpp Mythos seiner Geschichte, der uns alL Sinn-. Diesen Gedanken führt auch Dr. Max Meyer aus in: „Jüdischen Sprechsaal" der Nr. 8 dieses Battes. «• HO inatrvmanta 4er verschiedeast altrenommiert. Marken stets rorritig, aueb Ktmstspielpianos rnmmmmmm Taitatfelimi Mfiiftl Hans ' &Co,,Motzstr,78 WWWWMIWWWWWWW (i. Nollendorfplatz) Gaaerahrsrtratoag tob Schiedstayer&Sähae bild göttlichen Lebens gilt. Die Idee mesfianischer Zeit und der Gedanke des Gottcsvoikes sind irreale, ewige Ideen. Sie umzumandeln in irgendwelche Wirklichkeiten, heißt. sie missdeuten und beweist im Grunde ein tiefes Missverstehen des Wesens der Religion. — Das wird auch deutlich, wenn der Misrachist i n all diesen Gedanken von einem Volke Gottes die .pffizieUe" zionistische »Organisation" in ihrer politischen Gerichtetheit doch als Vorstufe für sein eigenes Wollen anerkennt. „Es ist etwas Richtiges an dem. was Gronemann einmal einem Rabbiner sagte, der die Areligiosität des Zionismus beklagte: Wir wollen erst den Juden. Brot schaffen, ihre Aufgabe ist es dann, dafür zu sorgen, datz sie auch Mauze machen." In diesen Worten liegt mehr als in allen begeisterten Aufrufen der zionistischen Partei. Es liegt in ihnen der Ausdruck jener tiefsten Irreligiosität, mit der sie selbst zu einer rein politischen, im Grunde belanglosen Angelegenheit stempelt. — Lehrer der Religiösen. Propheten einer göttlichen Sache waren von jeher Fanatiker ihres Gottes, die zu st e r b e n wußten und verstanden, st e r b e n zu lassen für den Gott, an den sie glaubten. Wo das Brot das Erste ist. da mag Klugheit der Welt, vielleiäst auch Mitleid und Menschenliebe sein, aber Gott ist nur dort, wo e r E i n - gang und Ausgang bedeutet. Hans Margolius, Berlin. Herr Rosenihal und wir. I. Eine Anwort an Herrn Moritz Rosenihal. VorstaiidLMilglied der Berliner Jüdischen Gemeinde. Bon Dr. M a x R a u m a n n. Sehr geehrter Herr Rosenthal! Ihren Artikel „Naumann und wi r" in Nr. 8 der Jüdisch, liberalen Zeitung hebe ich mit Interesse gelesen. Bor allem banke ich Ahnen für die ehrende Vertraulichkeit. mit der Sie, ein Mitglied des Berliner Gemeindevorstandes, mich ohne llmstände schlechthin als „Ranmonn" und „unseren Freund" bezeichnen. „Es ist gar hübsch von einem großen Herrn, so menschlich mit dem Teufel selbst zn sprechen." An einem Prunkte freilich tun Sie mir allzuviel Ehre an. Sie meinen, das Wahlplakat vom 31. Aanuar hätte t ch ,/m bi-e An. schlagjäulen kleben lasten". Sie irren sich. Das Plakat ist von dem Vorstand des Verbandes nationaldevtscher A u d e n unterzeichnet: sein Wortlaut ist in einer stark besuchten Vorstandssitzung einstimmig frftgestellt worden. Also: „Mchestäi überschätzen mir." Wer da ich ja immerhin zum Vorstand uniseveS Verbandes gehöre, will ickgerrrdie Antwort auch sür-dts anoeven beteiligten Herren übernehmen. - Sie erregen sich über die in dem Plakat enthaltene Feststellung» daß in der Berliner Gemeinde „skandalöse Zustände" herrsche^ Kieselsteinen beworfen und in die Flucht gejagt werden: oder es treten Prahlhänse auf. die vielleicht die ersten Spuren von Vonauichotterie.n zeigen. Diese werden davvudel oder davedet genannt, was jedenfalls aus dem oltfranzösischen Davit, wrchl im Hinblick auf I. Sam. 17, 35 zu erklären ist. Solchen Bedeutungswandel führ! Steinthal auf die Entwicklung der „iruvern Wortform" zurück, die sofort nach der Entstehung des Wortes einsetzt, unbekümmert um dessen äußere lautliche Gestalt. Diese im Mittelpunkt des Sprachlebens steheirde innere Wortform, die 61 c i n t b <i I in seiner „Einleitung in die Psychologie unö Sprach. Wissenschaft" als deren Fundament zu erweisen sucht, hat er Wil- Helm v. Humboldt entlehnt und neu gefaßt, doch wirb sie zuerst von Buffon im Sinne der Aristotelischen Philosophie als woule interjeur auf die äußere Forme ntwicklui^ und Metamorphose von Lebewesen der Natur angewendet. An: Leben der Sprache ist sie auf dem denkenden Erfassen und Benennen der Dinge, die Apperzeption begründet, einen Begriff, den Steini!) a l der H c r b a r t s ch a n Psychologie verdankt. Aber so wie die neuere Sirukkurpsychologie über die rein nalurwissenichaftliche eingestelitc Eiemenlarpsychologie hinausstrebt, die für die Erklärung psychischer Vorgänge den ähnlichen Entwicklungs- Verlauf von physikalischen, oder chemischen Erscheinungen nicht za überschreiten vermag, so bleibt auch öle Deutung der Funktionen Sorachbewußtskins nicht länger bei der Apperzeplivn Herwärts sichen, dessen Vorstellungsmechanismus längst von Natorp in seiner einseitigen Begrenzung bekannt und hin- 'dickend deutlich gekennzeichnet worden ist. Ernst Lasserer weitet ihn aus, indem er die Totalität des Geistes auch auf das '^.ben der Sprache überträgt. wobei, er auf Hamann und -Herder zurückgreift. Nach ihnen ist die Sprache das von der Seele erfundene Wort, das die flüchtigen sinnUchen Negungen zu einem in sich bestimmten und von andern unterschiedenen geistigen Anhalr gestaltet urch zu einem anerkennenden Artet! des einzelnen zusammenfaßt. Wie dieser, so hat aber auch jede Nation ihre besonderen Adeen. dis als Symbol dem Arbild ihres Genius entsprechen, so daß die weisesten Nationen, welche die »'eisten und besten adeen besitzen, auch die vollkommensten und reichsten Sprachen Hab an. So wird das Wesen der Sprache hier »ich! länger in der einseitig intelligibeln Abstraktion von den mannigfaltigen Zufälligkeiten der einzelnen Sprachen gesucht, sondern in der tokalisirvenden Verbindung der Humanität mit den verschiedenartigen organischen Formen oes Sprachgeistes. Bei den Veränderungen des hier vorliegenden Namens aber ioieit die innere Wortform gar keine oder "doch nur gelegenllich »ebrrcher eine uniergeordnete Rolle, denn er blieb kein Buchwert, sondern der lebendige Volksgetst nahm, wie schon oben ar-eigt wurde, alsbald von chm Besitz und zerlegte ihn weiterhin uichl nach den logischen Besiandlerlen seiner Zusammensetzung. >andern ohne sich <m den Sinn der Teilwörter zu kehren, mit 'ouveräner Willkür. Dieses Verfahren steht KÄneswegs ver. f'-nzelt da, denn Wundt erkannte, daß bisweilen das Im Anfang einzelsprachlichsr Entwicklung noch nöllig in sinnlichen Bilden: befangene Denken sich alsbald von den unmittelbar aus der sinirlichen Anschauung geschöpften Vorstellungen mehr und mehr zurückzieht. Dann bleibt der sprachliche Ausdruck nicht länger das lebendige Organ des Denkens, das er ursprünglich war, sondern sinkt zu seinem äußern Werkzeug herab, und' die äußere lautliche Form des Wortes hafte! nun allein im Blickpunkt des Bewußtseins, hinter der die immer unbestimmter werdenden Umrisse der Gesamtvorstellung in ihrer durch häufige Umwandlungen dunklen und verworrenen Be-schrfsenbelt schließlich völlig zurückireten. Auf solche Weise wu-rden auch von dem Namen Elisabeth die folgenden abgespLLtert: El 1t und 21 je sowie im deutschen Mtielalter Elsa und mit Verkleinerungsenduirg El si na, daneben E l s t nc und GI i f e, dann Else. provenzaUsch El i s o und Lifo, im Ataliendscken Lisa, das sich ebenso im Altdeutschen findet und hier voiksetymologisch auf lis geben, fahren, folgen zurückzuführen versucht wird, danach mit Abschwächu-ng Liese. An der Schweiz findet sich als Famrlrennamen L e z z o und Lezze, auch Letze. Dazu kam die Verdoppelung von Silben, wie sie in der Kindersprache üblich und uns von Horcher in vielen Ausdrücken geläufig ist. Solche Wiederholungei: haben ihren Grund darin, daß im Sprechen des kleinen Kindes ebenso wie beim Singen der einfachen Rhythmen von Volksliedern, besonders ihrer Kehrreime, das noch wenig entwickelte Denken zurücktriÄ und an seiner Stelle das mechanische Gedächtnis die in der Seele mitschwinzenden Gefühle mit dem geringsten Aufwand an Nodekraft doch nachdrücklich erregü. Nack Wilhelm Scherer sind sie eine granmmbsche Urform, die später als eines der wichtigsten Bildungsmittel der Sprache erkannt wurde, um die spielende Erfüllung einer Tätigkeit und das Bestrsbcn der Annäherung an einen bestimmten Zweck auszudrücken, ohne an feine Verwirklichung zu denken. Während die zweite Wiederholungsstlbe den damit verbundenen ganz verschieden gefärbten und abgestufteil Gefühlen dient, weist allein dir erste auf das die Sinne erregende Objekt hin. So geht in der Ammen- und Kinder spräche innman, Äcama auf d':e den: Säugling dargereichte Mutterbrust zurück, nini vielleicht auf nicher.das laie'.nische y i rli c a r e, ln» Nest zurückkriech-rn. das ftanzöftsche oounou auf n o u r r i a e , die Amme oder Kind-erpflegerin. während wauwau, m u h m u h, huhu, klingling usw. einfach die Schallnachahmung von früher gehörten Klängen anzelgt uder baba, «ehweh, bebe oder baby nur das Lallen des Säuglings nachrhmt. An diesem Sinne sind hier die altdeubscken Li Io uÄ> Lolla zu nennen, die man volksetymoiogisch auf l! n b i I o, lieblich, zurückzuführen versuchte, und denen später Lillr wie das franMsche Babette zur Seite zu stellen sind. Die in all diesen Aezeichnungen urrd Namen zum Ausdruck kommende Gefühlsseligkeit, die neben dem Versiandssmätzigen selbsifchöpferisch einberschreitet, sollte auch in unserm Gottesdienste noch mehr als bischer durch Heranziehung der inaktiven G-:- meinde zu selbsttätiger Teilnahme in festem Rahmen eingesetzt werden, doch lücht durck «inen Lschelistrrenden Dilettantismus, der, cuus Verflachung, Verflüchtigm^, Verfälschung urftändig jüdischen Geistes geboren, nicht die flüchvge Stimmung des Augenblicks überdauert, der ihn selber erzeugt hat. Vielmehr soll sie in jedem das freudige Bewußtsein wecken, an innerer beseelter Kraft nicht hinter den anderen zurückzustehen und eine Erinnerung begründen, an der der einzelne auch im Leben draußen treu festhält, und zn der er bei jeder Gelegerche.it immer wieder gern zurückkehvi. Diese sollen aus dem lief wurzelirden Gefühl der durch verwandte Kultur und Schicksalsfügung objektiv fundierten innerlichen Zusammengehörigkeit hervorgchen. Neue Namen entitniden ferner aus Elisabeth durch Anhängung von solchen EnÄnngen. die im Anfang die Verkleinerung anzeigten, bald aber statt dieser das mit dem Kindlichen verbundene Zärttichkeitsgefühl des Sprechenden zum Kleinen ausdrücken. Solche Kvseformen mit ihren en^chalischen Ruf¬ oder Locklaulen sind das italienische Lizzr wie das engttsche Betty, das früher als standesgemäß fein galt, später aber einen mehr ländlich einfacheren Klang annahm, daneben auch Belsen. Durch selbständige Worizusätze entstanden ENewib im Mtteldrutschrn und der schweizer Familienname LiSman. SchließUch wurden die bisher angeführten Namen noch durch ähnlich lautende gestützt, die fremden Ursprungs waren, und in ihrer weiteren Verbreitung durch sie gefördert. Zu diesen gehört der »-Name des feurigen Gottesheroids Elia: mein Gott ist Aahve, oder: dem Aahve Gott ist. Er kehrt schon in Esra wie in sämtirchen Evangelien des neuen Testaments im allgemein sprichwärttichen Sinne wieder und hat auch später sowohl im natbolischen Mttelalter wie in der jüdisä)en Schristwelt eine große Anzahl hervorragende Vertreter gefunden. Zuweilen wandeln diese den Namen zu H e l i a s oder E l i s ä u s ab: in den vielfach im Orient spielenden altfranzösischen Ritterromanen aus der Karolingerzert heißt der Sarazenenkönig Elyas oder auch Helios, bei den Ostjuden wird er zu Eil so. Dazu kommt dann der Name Elisa: mein Gott ist Heil oder Gotthils. Am Mittelalter wurde dieser nasaliert, wie dies auch sonst vielfach mit den Vokalen des Altfranzösischen oder im Ladinisch der spanischen und portugisischen Anden geschieht. Dort wird z. Bder Esel nach seinem Schreien tilsihan, der englische Klepper bobl>v wird hob in genannt, das deutsche Roß zu roneiii, allerdlr^s mit -er Bedeutumz Schindmähre, wieZluch bouqun' nicht ein gutes Buck, sondern ein Schmöker ist. An gleicher Weise werden auch in altfranzösischen Ritterromanen die Namen Elisa n t. H e 1 i f e n t, Heliss« nt und ähnlich auch im Mitteldeutschen Ellinza neben Ellisa genannt. Aene ehausoiio <lc gesie und ebenso altfranzösische Nomanzen haben ferner häufig den Frauennamen Ae lis oder Aeliz. der jedenfalls auf das deutsche Adelis zurückgeht. Das englische Alice ist die Fe- -aninalsorm zu den: vom griechischen Aiexandros stammenden Kurznamen Alex. Der bette-bre französische Name Luise endlich ist deutsches Lehngu-t, da er vom altdeutschen Zlluda-wig, Ehlodovechus, Ludewicus, der Kan:pfberübmte stammt. Danach der Kosename Lulu, mit dem Frank Wsdetzjnd die Heidin eines seiner Romane benennt. Die letzte Silbe des Stamm¬ oder Grundnamens allein hat noch den französischen Bette wie den deutschen Ette ergeben, die freilich allgemeine Koseformen sind, welche aber ebenso wie Humboldts Li für Karolinc v. Dachröden auch auf andere Namen zurückbezozen werden können. Wenn Lite noch weiter zu E t t ch e n oder E t t! e i n verkleinert wird» so hat dies zwar in der Anhäufung französischer Eichungen wie eiet, etel, cteau usw. ein Vorbild, wie ja der Schweizer z. B. auf sein 6 b ü < e 1 c t stolz ist: jedenfalls ist aber wenigstens in Norüdeutschland eine solche Häufung von VerkleinLMNgsemüungen im allgemeinen nicht üblich. Ei-n Vergleich des Spitzennamens mit seinen zahlrciä^en AbleitungLL läßt es augenfällig deutlich erscheinen, um wie viel ergiebiger sich jener als alle späteren enolesen. Der Grund biersür liegt nabe, die reiche Zahl seiner Silben zeigt eine Leicktflüssigkeit. die Stelnihal im allgemeinen vorwiegend den m:anischen Sprachen zuerkennt. Als Beispiel möge der Satz gelten: c'osi un Zövie aui ne sc d‘ c s o r i «S i n ■?. I i s c r iamais. .In der achtsilbigen und dennoch einfachen Verbform besteht jede Silbe nur aus einem Konsonanten mit seinem Vokal, deirselben Vorzug wie die sehr junge und zu allen Zeiten von tyrannischen (^orachmeistern rhetorisch künstlich geregelte Sprache zeigt schon der alte liebräisch-griechiscke Name und dies in so hohem Grad, -aß er ihn auf fast sämtliche von ihm abstammendc Namen zu übertragen vermochte. Die tiefer schürfende Forschung könnte wohl zu manch bedeutsamen weiteren Ergebnissen gelangen. hier genüge der Nachweis, daß wenn zu verschiedenen Zeilen vielleicht ein mystischer Zug zur Wahl des Namens Elisabeth führte, vor allem der Werwiegenbe Reichtum und harmonisch: Wechsel seiner Lanle immer von neuem zu ihm zurückkehren ließ. 7904

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