Jüdisch-liberale Zeitung
- Journal
- Jüdisch-liberale Zeitung
- Volume
- 5 (1925)
- Issue
- 9 (27.2.1925)
- Date
- 1925-02-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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ms Shunfinteir ntäf, ftwmfefurt berufene Herr Dr. Hoffmann, Er sich -um Msrächi beKenTtt. — in Abweichung der von seinen Ämlsvorgängern den Herren Rabbinern Dr. Horchüitz und Dr. Hobel befolaten Tradition — in den Wahlkampf ein.. Die Liberalen begnügten sich demgegnüber, neben-einer-Frauen- und einer Iugendversammlung,. mit 2 öffentlichen Versammlungen. Zn der ersten referierten.der Syndikus der liberalen Der-« Nnigung Herr Dr. Mayer aus Berlin und die liberalen Kandidaten Dr. Baerwald und Frau Forchheimer in ruhiger, objektiver Weise und es war nicht schwer, die in der Diskussion auftretenden zahlreichen zionistischen Redner zu widerlegen. Weit lebhafter ging es in der zweiten Versammlung her. welche im Ostend der Stadt, das überwiegend von Ostjuden bewohntest, stattfand. Offenbar war von ihnen die Parole ausgegeben.die Versammlung zu stören. Die liberalen Referenten. Herr Dr. Baerwald und die Stadtverordnete Frau Henriette Fürth, konnten, wenn auch mit Mühe, zu Ende sprechen. Die Diskussion aber gestaltete sich äußerst stürmisch. Einer der jungen ostjüdischen Redner wollte jiddisch sprechen, das geistige Oberhaupt der jüngeren Zionisten. Herr Dr. Ernst Simon, hielt es für nötig, vor den Ostjuden einen Kotau zu machen, indem er bedeckten Hauptes sprach. Den. wuchtigen Ausführungen, die insbesondere Herr Dr. Baerwald und in der Diskussion Herr Dr. David Rothschild machten, konnten die Gegenparteien keine sachlichen Einwendungen entgegensetzen. Dafür störten sie die Versammlung, erzwangen die Fortsetzung der Diskussion bis gegen Mitternacht und stimmten schließlich auf Verabredung mitten in der Rede eines» ostjüdischen Herrn die ..Hatikwah" an. Es ist selbstverständlich, da-', in dem ganzen, von Irb raler Seite her absolut sachlich geführten Wahlkampf es an unwahren Behauptungen der Gegner nicht fehlte. Den Ostjuden zu liebe wurde immer wieder die Lüge aufgetisckt. daß die Mittet des Joint, mit denen jahrelang die deutschen Gemeinden ausrecht erhalten worden seien, zum weitaus überwiegenden Teil von den Ostjuden in Amerika gesammelt worden seien. Mit Recht wies Herr Dr. Baerwald nicht nur die Unrichtigkeit dieser Behauptungen, sondern auch die Schändlichkeit der Taktik nach, die bei einer Hilfe für jüdische Not nachrechnen wolle, wer im einzelnen Geld zur Abhilfe gegeben habe. Natürlich fehlte cs dann auch nicht an der alten, von der Statistik längst entkräfteten Behauptung, daß in den Großstädten 50% der Juden-Mischehen schlössen und daß daran der Liberalismus die Schuld trage. Ihm wurde ferner in die Schuhe geschoben, daß an den öffentlichen Schulen nur 2 Stunden jüdischer Religionsunterricht erteilt wird, während das doch auf einer staatlichen, für alle religiösen Gemeinschaften verbindlichen Anordnung beruht. In den Wahlaufrufen tauchte immer wieder die Behauptung auf, daß die Liberalen die Grundlagen des Judentums erschüttern und den Abfall befördern, und zu guterletzt wurde in der Wahlversammlung auch die ..Jüdische Rundschau" in Massen verteilt, in deren Spalten Herr Dr. Feliz Theilhaber — offenbar verärgert darüber, daß entgegen seinen unumstößlichen Prophezeiungen über den Untergang des deutschen Judentums der Liberalismus immer noch lebt — in widerlicher Weise sich erlaubte, den liberalen, Kultus herabzufetzen. Mit aller Schärfe wurde ihm gegenüber in der letzten li^rocken Versammlung betont, daß die Liberalen sich von jeder Herabwürdigung konservativer Gottesdienste fern halten, und daß es unerhört fei. wenn ein Führer des Zionismus sich unterstehe. demgegenüber den liberalen Kultus zu bespötteln, daß dies Beichatten aber auch zeige, zu welchen Gefahren es führe, wenn stckche ftmoKsterten Menschen wie Herr Theilhaber einmal i»ic Macht im deutschen Judentum gewinnen sollten. Da» Ergebnis der Wohl brachte eine völlige Rechtfertigung des Verhaltens der Liberalen. Trotz aller zionistischen Agiiatton, trotzdem die Stellungnahme des Rabbinats von Einfluß fem smßte. ergab sich derselbe Sieg der Liberalen, wie im Jahre 1907. brachten 60% der Stimmen und die vereinigten Gegvtt nstx 40% auf. Dicket war zu berücksichtigen, daß Hunderte vau kberglen Wählern, die zur Wahl erschienen waren, hatten «Mehren' müssen» weildie Wählbezirdc 'fltt graß->, waren ^.«nb nM sie nicht stundenlang warten wollten, während die Ostjuden fMsioerstöndlich aushielten. Einer Reihe von Wühlern mar es auch — wie sie selbst bekundeten — unmöglich, namentlich in den OstÜeztrkerv stundenlangunter' den fanütisierten Ostjudenzu warten. Cs ziehen somit aus Frankfurt a. M. 6 Liberale. 2 Konservative. 1 Zionist und 1 Ostjude in die Landesversammlung, genau so, wie die Liberalen es vor der Wahlschlacht vorgeschlagen hatten. Die Konservativen müssen sich sogar noch etwa 250 Stimmen bei der Landesliste abziehen lassen, während die Liberalen etwa 60 Stimmen Ueberschuß milbringen. Dies Ergebnis Hot die Parteien und die Gemeinde eine schöne Summe Geld gekostet, die besser für die notleidenden, wohltätigen Anstalten verwendet worden wäre. Trotzdem haben wir nicht zu bedauern, -atz gekämpft wurde. Cs ist wieder cirnnd mit der Legende aufgeräumt, daß die Zionisten, wep sie den Mund voll nehmen» die überwiegende Mehrheit darstellen and vielleicht ergibt sich aus ihrer Niederlage für sie die Lehre, daß sie in Zukunft bescheidener auftreten. daß sie vorsichtiger mit der Behauptung werden, daß sie allein das wahre Judentum erfunden und gepachtet haben und daß sie nicht durch ihre Ueberheblichkeit andere Richtungen im Judentum davon abschrecken. an der kolonisatorischen Arbeit in Palästina, allerdings nicht auf völkischem Boden, mitzuorbeiten. Zu den Wählern, die für den Zionismus gestimmt haben» haben die Ostjuden ein stattliches Kontingent geliefert. Wenn man die erhebliche Vergrößerung ihrer Zahl in Frankfurt gegenüber dem Stand im Jahre 1907 betrachtet so bleibt der Mißerfolg -er Zionisten um so ausfälliger. Gelegentlich konnte beobachtet werden, daß einzelne Ostjuden mit der Haltung der großen Masse nicht einverstanden waren und für die liberale Liste eintraten. Das ist ein beachtliches Zeichen dafür, daß in ostjüdischen Kreisen doch gelegentlich die Ansicht vertreten ist» daß es ein Fehler ist. wenn sich die Ostjuden dauernd als Landsmannschaft zusammenballen und als solche Einfluß auf die Führung der preußischen Gemeinden gewinnen wollen. Es ist selbstverständlich» daß man den Anforderungen der ostjüdischen Kreise Rechnung trügt. Grundsatz aber muß bleiben, daß sie sich in das Leben der deutschen Gemeinden einordnen rpüsscn, und es führt auf die Dauer zu unerträglichen Zuständen, wenn man anerkennen wollte, daß wir innerlzalb der jüdischen Gemeinden besondere Gruppen von galizischen, polnischen, littauischcn. rusiischen» posener oder rheinländischen Juden anerkennen müßten. Die Verbeugungen, welche man gerade. van zionistischer Seite aus im Wahlkampf vor den Ostjuden gemacht hot. find geeignet, den Grundsatz der Einheitlichkeit der jüdischen Gemeinden zu stören und ihre Existenz zu gefährden. Auch hier zeigt sich, wie unheilvoll der übertriebene Nationalismus der Zionisten wirken kann. Als das erstaunlichste Ergebnis darf in Frankfurt genau so wie in Berlin uüd anderwärts der starke Rückgang der konservativen Etimmenzahl konstatiert werden. Vom Standpunkt des religiösen Judentums aus müssen wir Liberalen, die wir uns nicht Einreden, das einzig wahre Judentum gepachtet zu haben und die wir ein Verständnis für die Bedeutung des konservativen Judentums besitzen, dies Ergebnis mit recht gemischten Gefühlen betrachten. Die Ursache für den katastrophalen Rückgang der konservativen Richtung muß man zweifellos darin erblicken, daß die Konservativen den Zionisten vielfach den Klei nen Finger gereicht und daß sie sich im Wahlkampf in Frankfurt mit ihnen verbrüdert haben. Demgegenüber bat sich die Politik der Liberalen als die richtige erwiesen. Wer auf dein Standpunkt des religiösen Judentums steht, mußte von Anfang an in Gegnerschaft zum politischen Zionismus treten. Es war das Heil des Liberalismus, daß er dies erkannt hat und er darf auch in Zukunft von dieser Bahn nicht abweichen. Das Wahlergebnis hat gezeigt, daß cs der Liberalismus ist. der sich als bester Schütz gegen die Nationalisierung des Judentums und für die Erhaltung des religiösen Judentums bewährt hat. Der jüdische Sprechsaal. Zionismus und Deutschtum. Keine denunziatorische und hetzerische, sondern eine wahrheitsuchende Antwort, wie Goslar sie wünscht, soll ihm in den folgenden Zeilen auf seinen Artikel: ..Zionismus und deutsches StaatÄürgertmn" gegeben werden: Wenn ich als Richter vor der Vernehmung eines Zeugen diesen darüber zu belehren pflege» daß nicht nur alles das, was er sogt, wahr sein muß. sondern daß er auch alles das sagen muß, was wahr ist. so möchte ich diese Mahnung auch an Goslar richten. Denn.seine Ausführungen. so sympathisch» sie in ihrem ivarmen und versöhnlichen Ton, getragen von einer ehrlichen Ueberzeugung. auch sind, treffen, meiner Ueberzeungung nach nicht den innersten Kern des Problems. Das allerwichtigste ist nicht gesagt. Schon die Fragestellung: „Zionismus und deutsches Staatsbürgerin m". der ich die Formulierung ..Zionismus und Deutschtum" bewußt gegenüber stelle, erscheint falsch. Der Aufsatz Goslars will in erster Linie den Vorwurf der Nicht,zioniften entkräften, „als ob eine Diskrepanz zwischen zionistischem Judentum und der staatsbürgerlichen Zugehörigkeit zum deutschen Volke . . . vorhanden sei." Dieser Vorwurf wäre erstens unsinnig, denn staatsbürgerlich kann man nur zum deutschen Staate, aber nicht zu dem deutschen Volke gehören-, vor allem aber handelt es sich gar nicht um die deutsche staatsbürgerliche Pflichterfüllung oder Vernachlässigung, die den Zionisten oorgeworfen wird, sondern um ihre gesinnungsmäßige und seelische Einstellung zum deutschen Volkstum. Töricht wäre die Behauptung., die Zionisten seien nicht , ebenso, mrte.Steuerzahler, Soldaten,- ja auch eifrige Beamten» wie die übrigen jüdischen oder nichtjüdischen Deutschen. Ja. was wird ihnen denn dann yorgeworfen? Da gerade von der Frage des zionistischen Staatsbeamtenlums die Aussprache ausgeht, möge an diesem Beispiel die Unrichtigkeit der zionistischen Einstellung klai^clegt werden: Daß die Ausgabe des deutschen Staatsbeamten sich nicht auf die genaue und sorgsame Erfüllung seiner besonderen Angaben beschränkt, sondern daß darüber hinaus eine Treugesinnung zum deutschen Staate, ein Gefühl der unauflöslichen Verbundenheit und ständigen Dienstbereitschaft, und eine volle Einsetzung der ganzen Persönlichkeit von ihm nicht nur moralisch, sondern sogar juristisch verlangt wird, ist jedem einfach Empfindenden eine Selbstverständlichkeit. Daher auch das Streikverbot der Beamten, die besondere Eidesverpflichtung und als Äquivalent die unkündbare, lebenslängliche Anstellung. Anderseits mutz zunächst mit möglichster Deutlichkeit festgestellt werden, was eigentlich ein Zionist ist, das heißt in diesem Zusammenhang, was ihn von dem nichtzionistischen deutschen Juden als wesentliches Merkmal unterscheidet. Die verschiedenen zionistischen Nuancen, von denen Goslar eine politisch gemäßigte und verhältnismäßig nicht allzu stark verbreitete Spielart vertritt, müssen dabei so als Einheit gefaßt werden, daß das gewonnene Kriterium auf alle zutrifft: Der Zionist empfindet die Verpflanzung und Verwurzelung der Juden m Deutschland, wie auch in den anderen Diasparalävdcrn. als eine historisch gewordene und gegebene, ober nicht schicksalhaft notwendige Tatsache, die er um der Erhaltung des Judentums willen bedauert und nicht für alle Zeiten als unlöslich cmsieht. Wenn ein Teil der Zionisten auch für sich persönlich die Unmöglichkeit einer Loslösung aus den europäischen Kulturen ihrer Geburtsländer anerkennt» so erstrebt er doch für viele andere Juden, prinzipiell sogar für jeden, der die Möglichkeit für sich, bejahen kann, die- Entwurzelung und die Neuoerpflonzung in eme autochthone jüdische Kultur auf dem Boden des jüdischen Valästina. Vor ollem für seine Kinder oder Kmdaskinder will cr durch intensive immer jüdischere Erziehung den Weg zur Abkehr von der deutschen und Rückkehr zur rein jüdischen sei e« messic land kaufe Unter Mro empsi > daß o gerin, ferne tut d I Landl crstre M der < deutsi Er. d lösun naher Kind' als i mrge sicher Ä tiger dagel mögt Hand oerm daß ' ange! gar i derte ferne diese T zum Zion und betät Meir die 1 zr ül TttUS res. und bürg tigui routj ,'M tum m und trist keit Zrei nach und rech non das hast die mir! und bür? Ein verpfuschtes Leben? Heileres aus dem Tagebuch eines jüdischen Kämpfers. Von Artu.r Schweriner, Berlin. (1. Fortsetzung.) * VII. In Schanniburg-Lippe war es uns geglückt, einen s r e i s i n ni * -en Landwirt mit Hilfe der Sozialdemokraten in den Reichstag zu bringen. Lluch Lippe hatte Reumann-Hofer gewählt. Welch innere Befriedigung bei allen» die an diesen Sie^ir mitbeteiligt waren! Mit dem Landwirt hatte ich verabredet, dah in Berlin ein großes Siegesfest gefeiert wird, wenn er in den Reichstag kommen sollte. Ich hotte den Glücklichen vom Bahnhof Zoo ab, mein« Frau hielt eine gute Tasse Kaffee bereit und dann geleitete ich den frischgebackenen Abgeordneten in das Reich seiner Träume, den Wallot-Bau am Königsplatz, um ihn dem Bureaudirekt or, Geheimrat Iungheim, vor zu st eilen. Das prächtige, rührend einfache M. d. R. drückte beim Eintritt indasParlamentsgebäuöeden Türöffner n nach der Reihe herzlich st die Hand, dir solche Leutseligkeit nie erlebt hatten. Auf dem schweren roten Teppich des Reichätagsfoyets trafen wir den alten Spahn, einen der Senioren des 'Reichstags, und den Benjamin unicr den Abgeordneten, Erzberger. Ehe ich cs verhindern konnte, war mein Freund mit einem kräftigen Händedruck diesen beiden Kollegen in den Weg getreten. Eie erkannten sofort die Situation und freuten sich über soviel echte ländliche Schlichtheit inmitten diplomatisch übertünchler Höflichkeit. Des „Siegesfest" wurde in den „Winzerstuben" gefeiert. Verständnislos saß unser Freund dieser rhrinischeu Herzensfröhlichkeit gegenüber. Wein, Weib und Gesang rührte ihn nickt. An unserem Tisch'wurde mit peinlicher Genauigkssit der Wahlkampf durchgesvrochen wie der punische Krieg in der Ouarta. Aus Lippe traf ein Stadtverordneter ein, Frifeur von Beruf, der tüchtig mitgeholfen hatte» den Ehristtich- Sozia.lcn niederzurinaen und der durch einen dreitägigen Aufenthalt in Berlin, — dem „Wasserkopf", wie cr sich ausdrückle, — das Werk gekrönt sehen sollte. Der Herr Stadtverordnete traf am PotsdamerPlah ein und ich wohnte in der B e r n b u rg e r Straße. Empört — wie immer — kam er zu mir in mein Berliner Iunggesellenheim. ,Zhr Berliner Gauner — Ihr glaubt wohl einen Kleinstädter verdummdeuweln zu können! Wer muckdisch! Das hat unten eine schwere Auseinandersetzung gegeben! Eine Versammlung unter freiem Himmel. Tausende von Menschen ..!" Meine Bitte an den Empörten, der den Superlativ liebte, Platz zu nehmen, konnte den Redestrom nicht aufhrlten. ,^lch bin zwar nur ein Stadtverordneter aus einer kleinen Stadt, aber so Helle wie Ihr Berliner! Solche Frechheit ist mir auch noch nicht vorgekommen. . . Ich steige am Potsdamer Bahnhof aus und sage einem Droschkenkutscher -- genau wie mir unser Bürgermeister, der schon zweimal in Berlin war, gesagt hat — er soll mich Bernburger Straße 18 fahren. Genau 75 S ch r i t t. ü a hält e r ja n. Ich frage, was los ist. Der Kutscher antwortet: „W i r s i n - d a!" „Ra, dann freuen Sie sich doch, daß Sie da sind!" unterstrich ich. _ „70 Pfennig wollte der Gauner mir abnehmen. Für 70 Pfennig fahre ich auf der Eisenbahn durch ganz Lippe. Ich Hab« micy geweigert zu bezahlen, und da. hat er mich in meiner persönlichen Ehre Lurch Häufungen von Schimpftovrten gekränkt» daß ich .. „Lieber Freund, ein Berliner Droschkenkutscher schimpft, aber kränkt nicht . . . Was ist geworden?" ,^ch war bald von Zehntausenden von Menschen umriirgt. Ein,Schutzmann brauchte minutenlang Zeit, um sich durch die ungeheuren Massen nur durchzu arbeiten . . „Und das Ende der Geschichte?"' „Der Kutscher stellte mich dem Schutzmann als „dämlichen Lulatsch aus der Provinz" vor, der nicht zahlen wollte. Anstatt, daß er mich in Schutz nahm, wollte er mich zur Wache nehmen, wenn ich nicht 80 Pfennig bezahle. Ich schrie: suvd die Menge johlte vor Begeisterung) „Also noch 10 P f e n n i g S t r a f e?" „Die Uhr ist inzwischen weilergegangen!" belchrte mich der Schutzmann, „Mensch, lesen Se doch, hier sicht 60 Pfennig!" „Ich habe nichts gesehen und nichts gelesen und habe die 80 Pfennig unter Protest bezahlt." „Das Gescheiteste^ was Sie tun konnten . . ." „Ich suchte Zeugen:, a) für Beleidigung, si) für Beamtenpflichlverletzung. Bei uns wäre so ein Polizist unmöglich! Da kommt ein Junge von etwa 18 Jahren auf mich zu und sagt: „Schreiben Se meine Adresse auf!" Ick schreibe: „Anton Pipendeckel, Mulackstraße 478." „Was werden Sie bezeugen, junger Freund?" frage ich freundlich. „Daß dir cn Affe gebifs en hat, du o!lcS ft a m c l!" ,Zch machte, daß ich zu Ihnen hinaufkam, so wurde ich gehänselt. Die Sache ist aber für mich noch nicht erledigt! Das erheischt meine Ehre ais Stadtverordneter!" „Dieses reizende Ergebnis erinnert mich — legen Sie inzwischen Ueberzieher und Zorn ab, bester Freund — an ein ähnliches, das mir meine Mutter oft mit vielem Vergnügen erzählte. . . Da wollte ein Freund meines Vaters, ein Kleinstädter vom Scheitel bis zur Sohle, nach Paris fahren. Mein Vater riet ihm, wenn er in Paris ankonunt. sich «ine. Drosckke zu nehmen. Das ist ganz einfach. Man gehe an einen Kutscher heran und frage ihn: „Es-tu lisire, codier?" Bist du frei, Kutscher? Sicherheiishalber schreibt ihm das mein Vater auf. Und als sein Freund in Paris ankommt, geht er auf einen Kutscher zu. aus seinem Notizbuch deutsch ablesend: Aetzt du lieber koscher?... Ungefähr so haben Sie sich heute benommen!" Wir lachen beide und unterhalten uns über — den Wahlkampf. Hörer obgenommen, sprang ein Eselskopf aus dem Telephon und eine Inschrift kündete: „Du hast eine Runde zu zahlen, Kollege!" Am nächsten Morgen kehrte mein ftanrpfgenosje Berlin den Rücken, ohne sich von mir verabschiedet .zu haben ... In Vwird das Postamt um 8 Uhr geschlossen, und des Stadtverordneten Gattin sollte ihn 2 Uhr nachts ausgerechnet im „Groben Gottlied" in Berlin anrusen? Welch eiender Reinfall!!! _ (Fortsetzung folgt.) Wandlungen eines biblischen Namens. Von Seminaroberlehrer Dr. Max Golde. Einer der „redenden Ramen" der Bibel ist Elisabeth, dem Bibelkenner sind solche ans den erzählenden Teilen der Bibel in großer Zahl bekannt. ES sind diejenigen Namen, welche irgendeine Eigenschaft der benannten Person durch ein seinem Wesen oder Schicksal entnommenes allgemeines Gattungsmerkmal bezei6)nct. Elisabeth geht auf den Exod. 0, 2Z aüsgeführten Namen des Weibes Aarons, des Hohenpriesters, zurück, er lautet dort E l i s 6 b a, mein Gott ist Eidschwur. Bon der grie6)ischen Bibelübersetzung der Septuaginta wurde dieser Name zu Elisabeth umgewandelt, indem nach griechischem Beto:urngSnnd Lautgesetz die Tonsilbe zurücktrat, die Schlußsilbe konsonan- Zerknirscht, sa völlig gebrochen ist mein Freund, der Feind des „Wasserkopfes Und Sündenbabels Berlin" in seine Lippische Kleinstadt heimgefahren. Diese Schändung seines hoheitsvollen Stadtverordneten-Ichs hat er mir nie vergessen. Das Erlebnis wurde bald Landgespräch iß Lippe! . . . 2 Uhr nachts. *Öm ,.G roden Gottlie b", Iägerstraße. Ich stecke dem »-groben Gottlieh" einen Zettel in die Hand. Wir nehmen an einem Tische Platz und erzählen uns vom — Wahl- Kampf. 2 Uhr 15 erscheint ein Diener und mst: „Isthier vielleichtöer Stadtverordnete T aus P in Lippe anwesend?" „Hier ist er!" springt mein Freund selbstverständlich auf. „Sie werdenvon B in Lippeam Telephon verlangt. Beeilen Sie sich bitte! Ferngespräch! Telephon hier rechts um die Ecke!" Jammernd läuft mein Freund von dannen: „Gewiß ist meine Frau oder mein Kind krank. Es hatte Keuchhusten, als ich weFfahr!" Beschämt kvipmt cr zurück. Kaum halte er den tisch geschlossen wurde und demzufolge eine Vertauschung der Vokale eintrat. So erhielt der hebräische Nama die vollere griechische Form, wie sie uns noch heute allgemein ^kalten ist. Diese hat alsbald eine Wanderung durch vcrsoiiedene Völker angetreten. Schon im Evangelium Lücae wird 1, 5 berichtet, daß sich der Name unter den Töchtern Aarons bis zu Christi Zeiten erhalten hat, auch der Mutter Johannes des Täufers wird er zugesprvcken. Für seine fortdauernde Beliebcheit zeugt, daß er im deutschen Mittelalter vom 8. Jahrhundert ob in versckiedenl lichen Veränderungen wiederkehrt, als Elizabeth. E l y s a - bet, Elyzabeth, Elizabetha, Elsebet ho, Elsbeta, Eilszbethe, Elsibete, Elsabet, polnisch Elzbieta, und in der Schweiz als Familienname El lsabel. Auf seiner ferneren Laufbahn erfuhr er noch vielfältige Veränderungen, durch Teilung seiner Silben, Silbenverdoppelung. Wortvcrlängerung sowie die Anlehnung an ähnlich klingende '-Namen. Für den redenden Namen mit gattungsmäßig allgemeiner Bedeutung lag es nahe, daß diese von seiner Schöpfung her einen Bedeutungswandel erfuhr, wie cr auch bei anderen biblischen Namen eingetreten ist. Es sei hier nur auf den deS ersten der Erzväter hingewiesen mit feiner Genes. 17, 5 berichteten Aenderung, von Abram zu Abraham, anderseits auf die Herabsetzung, die Feinde der Bibel und der Iudercheit biblischen Namen wie Sarah, Rebecka, auch Moscs zuzufügen bemüht sind. Ein interessantes Beispiel bietet der Name David bei seinem mehrfachen Vorkommen in allfranzösischen Hirtenliedern, den Pastorelen. Hier wird in der Schilderung der Hirtenspiele erzählt. daß sich die Hirten einen König wählen, der sich die Königin zur Seite setzt und nun den übrigen bestimmte Vorschriften erteilt; die Szene erinnert manchmal ans Hohelied der Bibel. Ein andermal treten die Hirten als Räuber auf» mit zerrissenen, wahrscheinlich fränkischen Beinkleidern angetan urch Knütteln oder Knotenstömen bewaffnet, die sie fleißig auf die Nacken ihrer Gegner niederfallrn lasten, oder mit denen sie ihnen ,has Mau! einsalben"; hier könnte man an das Schicksal der Töchter I e t h r o s denken. In anderen erscheinen gezierte Liebhaber, die an Salontiroler erinnern, von den Anwesenden biswellen mit .Ae frei (TUi< m im dru W, ein im 61 wis bet zue mo rhi Cp Di: i!) wi! sch die vei ZU 6; ZU oc G in rc ni m lo d.